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der Italiener die explosiven Gesetze der Llebervölkerung, er dient also sich selber, wenn er Deutschland gerecht wird. Freilich wird ihm diese Gerechtigkeit post bellum erleichtert durch den Mangel einer kontinentalen Reibungs- släche mit dem heutigen Deutschland, während Frankreich nicht müde geworden ift,_ das Wort zu wiederholen, daß 1916 ein französischer Mi­nister. Klotz, prägte:Man glaubt gewöhnlich, daß Frankreich an der belgischen Grenze beginne und bis zu den Pyrenäen reiche. Nein! Die Republik reicht bis zumKongo. ein einziges Reich, in dem das Mittelmeer nur ein Binnensee ist!"

Muß da in Rom nicht der alte Gegensatz zu Karthago-Tunis aufwachen? Muh Italien nicht eine mächtige Flotte bauen? Tamerlan fegte wie ein Orkan über ganz Asien, aber er konnte die Früchte seines Sieges nicht pflücken, weil er keine Schiffe hatte. Rapoleon konnte die Bourbonen zwar aus der Halbinsel verjagen, nicht aber aus Sizilien, weil der Llebergang über die Meerenge seine Kräfte überstieg. Die vier Fünftel der Menschheit, die in Indien leben, werden von einer Handvoll Engländer beherrscht, kraft maritimer ILeberlegenheit. Ein paar eng­lische Schisse mehr versenkt vor dem Skagerrak u .) das britische Weltreich wäre zerfallen. Selbst Binnenstaaten erfahren die Macht der Seebe­herrschung am eigenen Leibe. Selbst die Schweiz mußte im Weltkrieg Schiffe chartern, um nicht zu verhungern. Mussolini sprach daher das Wort von der Zukunft nach, die auf dem Wasser liegt.

England horchte auf, wie damals bei Deutschland. England kann keinerlei Zukunft bei anderen dulden. Der Brite sagt Gott und meint Kattun. Oder MarinismuS. Gewöhnlich beides zusammen, Merkantilismus und MarinismuS. Admiral Mahan:Die Borteile der geographi­schen Lage Italiens sind zum großen Teil schon wettgemacht durch die Anwesenheit der Eng­länder in Malta und der Franzosen in Korsika." UnD der französische Admiral Gervais:Alles für Biserta! Wir müssen den -weiten großen Stützpunkt zu Toulon im Mittelmeer haben." Italien und Spanien fühlen schmerzhaft die auf die Brust gerichteten Pistolen. Sie planen Gemeinsames, sie richten ihre Blicke nach den lateinischen Staaten Südamerikas, sie bauen Unterseeboote . . .

England aber hat nicht nur die Schlüssel zum Mittelmeer, zur Mausefalle, in drr Italien zappelt, in der Hand, sondern auch die Fäden für das große Spiel. Wo immer die Mittel­meeranwohner sich rühren, gleichviel, ob es sich um europäische Staaten oderbloß" um Türken und Araber handelt, in den Dardanellen, in Syrien, in Griechenland, in Aegypten und Ma­rokko, überall steht schon hemdärmelig der bri­tische Regisseur, bald die einen, bald die andern führend, verbindend, aufeinander hetzend. Wie Bülow weitersah, als er, die begehrlich nach Tripolis gerichteten Augen Italiens nicht fürch­tend, vor dem Reichstag für eine Dame das Recht beanspruchte, einen Walzer zu tanzen mit einem Kavalier, der nicht ihr Ehegatte sei, so baut England schon seine Datteriestellungen aus, während sich die Frösche über die syrische, die tunesische, die marokkanische, die abessinische Frage anquaken.

Das Gleichgewicht im Mittelmeer ist aber bereits so tiefgehend erschüttert, daß binnen ab­sehbarer Zeit ein Seebeben auf das Küsten­geplätscher folgen muß.

Eine neue Lage".

E»' d und der Madrider Vertrag.

London, 13. Aug. (WTB.) Unter dem Hinweis, auf die Wahrscheinlichkeit, daß der spanische Außenminister Banguas anläßlich der Sondertagung der Döllerbundsversammlung im März mit Grandi vom römischen Auswärtigen Amt über den jpht abgeschlossenen italienisch­spanischen Vertrag verhandelt habe, bemerkt die Times", es habe keinen günstigeren Ort für die Geheimdiplomatie als Genf während der Zeit der Dölkerbundsversammlung gegeben, und es sei nicht ganz klar, warum der Wortlaut des Vertrages letzt nach seinem Ab­schluß nicht veröffentlicht werde. Das Blatt fragt, ob vielleicht eine Verbindung zwi­schen der Kandidatur Spaniens für einen ständigen oder nichtständigen Sih im Rate und dem Pakt von Madrid bestehe. Abgesehen von der Frage der Uebereinstimmung des Paktes mit der Völkerbundssatzung sei sein Hauptmerkmal zweifellos di« neue Lage, die er im Mittelmeer schaffe. Bisher sei Spanien Zuschauer gewesen, der einmal mit der einen, dann wieder mit der anderen Macht enger zusammengewirkt habe. Werde Spanien in Zu­kunft entschiedener Partei ergreifen? Diese Frage würde in den neuen Pakt vielleicht zu viel hineinlegen. Aber die Kette sei ge­schmiedet, die Spanien mit Italien enger ver­binde als bisher. Im Mittelmeer sei eine neue Lage geschaffen worden. DerDaily Telegraph" bemerkt, die in britischen Kreisen vorliegenden Informationen über Ziele und Reichweite des Vertrages hätten einen ausge­sprochen günstigen Eindruck hervorgerufen.

Abessinien.

Das englisch-italienische Abkommen.

Rom, 13. Aug. (WTB.) Das englisch-ita­lienische Abkommen über öle beiderseitigen Inter­essensphären in Abesiinien hatte RaS Tasari, den Regenten von Abessinien, zu einer Protest­note an den Völkerbund veranlaßt, auf die nunmehr Italien mit einer Rote ge­antwortet hat, in der es heißt:

Die Rote RaS TasariS an den Völkerbund beweist, daß die abessinische Regierung die Ver­einbarungen zwischen Italien und England nicht richtig verstanden hat. Seit langer Zeit hatte der itallenische Vertreter in Addis-Abeba der abessinischen Regierung klargemacht. daß di« Rote nur eine theoretische Einigung zwischen der italienischen und der britischen Re­gierung darstelle, deren Zweck es sei, einige ihrer Interessen wirtschaftlicher Art in Heber- einstimmung zu bringen. Deren praktische Verwirklichung jedoch hängt natürlich von der Entscheidung der Regierung Abessiniens ab, dessen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt die Abmachungen begünstigten.

In Erwiderung auf diese Erklärungen dankte Ras Safari in einem Briefe an den italieni­schen Gesandten der italienischen Regierung für die ihm gemachten Zusicherungen und versicherte, er habe niemals an den freundschaftlichen Ge­fühlen Italien- und an seinem Wlllen, d re Un­abhängigkeit Abessiniens zu achten,

gezweifelt. 3n den erwähnten Roten sei nichts enthalten, was die abessinische Regierung zu der Besorgnis berechtigte, daß die italienische und die britische Regierung vielleicht schnelle Druck­mittel zur Anwendung bringen wollte. Die Anerkennung des ausschließlich wirtschaftlichen Einflusses Italiens in bestimmten Gegenden Abessiniens durch die britisch« Regierung sei nur eine Verpflichtung zwischen der italienischen und der britischen Regierung, welche jedoch die Frei­heit dec Entscheidung der abessinischen Regierung oder eventueller Handlungen dritter Parteien nicht binden kann. Es handele sich um eine wirtschaftliche Garantie für italie­nische Unternehmungen gegenüber briti­schen Unternehmungen, um den Konkurrenzkampf auszufchalten, der den guten Erfolg der Unter­nehmungen selbst aushalten und auch für die Ausbeutung der Hilfsquellen des Landes schäd­lich werden könnte.

Der sranzösifch-rumämfche Vertrag.

D u k a r e st, 13. Aug. (WTB.) Aus Der~ der Presse zugegangenen amtlichen Erllärung über den Inhalt des französisch-rumänischen Vertrages geht hervor, daß der Vertrag für die Dauer von 1 0 Jahren abgeschlossen wurde und dann erneuert werden kann. Der Derttag seht genau die Verpflichtung zu gegenseitigem Beistand im 5a11 eines Angriffes einer dritten Macht fest und verzeichnet den gegenwärtigen territorialen Besitzstand der beiden Länder. Ein Zusatzabkommen sieht «in Schiedsgerichtsverfahren für den Fall eines Streites zwischen den Unterzeichnern vor und bezeichnet als höchste Berufungsinstanz den Präsidenten der schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Vertrag fügt sich vollkommen in den Rahmen des Dölkerbundspakies und des Pattes von Lo­carno ein.

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In Rußland hat der franco-rumänische Pakt lebhafte Besorgnis ausgelöst. So schreibt dieJoivestija", das offiziöse Organ des Zentral- Exekutivkomitees der Sowjetunion, der Vertrag werde große Folgen für die schwebenden russisch- französischen Verhandlungen haben. Frankreich habe bis jetzt der Sowjetregierung versichert, daß es in der Dessarabienfrage eine neu­trale Stellung emneyme. Rachdem nun die französische Regierung Rumänien die Zusicherung gegeben habe, daß sie Bessarabien als rumä­nisches Gebiet betrachte, werde die Sowjet­regierung von Frankreich eine klare Antwort in der Bessarabienfrage verlangen müssen. Don dieser Antwort werde es abhängen, ob die russisch-französischen Verhandlungen weiter fort­gesetzt werden könnten.

Der englische Bergarbeilerstreik.

London, 13. Aug. (WTB. Reuter) Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, äußerte in einer Unterredung mit einem Presse­vertreter: Der allgemeine Ruf der Bergarbeiter und ihrer Frauen ist: Wir haben genug gelitten, und wir werden nicht dulden, daß wir noch mehr leiden müssen. Cook sagte weiter, er glaube, die Bevölkerung Englands erkenne die Ruhlosigkeit einer weiteren Fortsetzung des Kampfes und eines Be­harrens bei dem Bestreben, die Bergarbeiter zur Ausdehnung der Arbeitszeit bei Herabsetzung der Löhne zwingen zu wollen. Er glaube auch, daß die Devöllerung das Verlangen der Berg­arbeiter nach Dom Geiste der Aufrichtigkeit ge­tragenen Unterhandlung en unterstützen werde. Die Gesamtzahl der Bergarbeiter, die bis zum heutigen Tage wieder zurückgekehrt sind, wird auf 39 000 geschäht. Alle diese Arbeiter haben die Arbeit auf Grund örtlicher Lohnab­machungen wiederaufgenommen und arbeiten zu­meist acht Stunden täglich. In Liverpool kommt derart viel Kohle an, daß besondere Vorrichtungen für den Umschlag getroffen wer­den mußten. Die meiste Kohle kommt v o m Kon­ti n e n t, kleinere Mengen auch von Amerika.

Abschluß

-er Aabinettsberatungen.

Berlin, 13. Auauft. (WIB. Amtlich.) Das Reichskabinett hat heule nachmittag leine gestern abgebrochenen Beratungen zu Ende geführt. Insbesondere wurde erneut die Frage der Be- ftätigung des vom Derwaltungsrat der Reichs- bahn zum Generaldirektor gewählten stell­vertretenden Generaldirektors Dr. Dorpmüller eingehend erörtert. Rach Lage der Dinge konnte die Angelegenheit npch nicht zu einem abschließenden Ergebnis geführt werden, da eine fachliche Einigung nicht v o r I i e g t. Sodann nahm das Reichskabineti einen ausführlichen informatori- fdjen Vortrag des R e ich sm InI ster s des Auswärtigen über die auswärtige Lage im Zusammenhang mit der bevorstehenden Völker- bundstagung entgegen. Die übrigen Beratungen des Reichskabinetts am gestrigen und heutigen läge betrafen laufende Angelegenheiten. Die Jrage bes Reichsehrenmals wurde vorläufig noch z n - r ü <f g e ff e U t.

Heber diesen amtlichen Bericht hinaus wird noch ergänzend mitgeicilt, daß Öre Gegenstände, über die verhandelt wurde, durchgehend mehr von geschäftlichem als von polittschem Interesse waren. In diese Kategorie fällt die Internatio­nale Polizeiausstellung in Berlin, Fragen des Rundfunks, ein Abkommen mit Danzig über Sozialversicherung und anderes. Zu erwähnen sind ferner der Rutsch-litauische Handelsvertrag, öle sogenannte Droh-Hamburg-Frage, Fürsorge für die Ausgesteuerten, öle Kalipreiserhöhung, der Berliner Vertrag usw. Ferner gab das Kabinett seine Zustimmung zu einem Begna- dlgungsakt. demzufolge der achtmal zum Tode verurteilte und nachmals zu lebensläng­lichem Zuchthaus begnadete russische Kommunfft Sokelewski aus dem Reichsgebiet a u s g e - wiesen wird, wogegen Rußland vierzehn deutsche Personen, darunter die drei be­kannten Studenten, die voriges Jahr in Moskau zu schweren Strafen verurteilt worden sind, begnadigt.

Einen breiten Raum in den Beratungen des Kabinetts nahm schließlich die Bestätigung des vom Derwaltungsrat der Reichsbahn gewählten Generaldirektors der Reichsbahn, Herrn Dorp- müller, ein. Die eingeforderte Aeuherung des Treuhänders Delacroix liegt dem Reichskabinett vor. Das Reichskabinett ist sich über die Frage

Dorpmüller gestern noch nicht endgültig schlüssig geworden.

In den Beratungen über das Arbeits­beschaffungsprogramm wurde vor allem die Rotwendigkeit einer Belebung desBau- Marktes betont. Zu diesem Zweck schweben Kreditverhandlungen mit den Ländern. Ein Hundert-Millionen-Kredit wird beispielsweise 20 000 neue Wohnungen schaffen können, wo­durch allein 60 000 Bauarbeiter 12 Monaten lang arbeiteten.

Zu der Frage der Schaffung eines Reichs­ehrenmals hat das Reichskabinett bisher noch keine Stellung genommen. Es ist aber auch un­wahrscheinlich. daß das Kabinett in nächster Zeit eine Entscheidung darüber herbeiführen wird. Der Meinungsstreit um die Lage des Ehren­mals hat einen Umfang angenommen, daß «s der Regierung anscheinend geraten scheint, zu­nächst einmal eine ruhiger« Diskussion hierüber abzuwarten, aus der sich bestimm­tere Pläne, die allgemeinen Anklang finden, abheben können.

Das Volksbegehren in Hessen.

Die zweite Sitzung des Lat'.desabftimmnttgsausschusses.

Darmstadt, 13. August. Die heutige Sitzung des Landesabstimmungsausschusses sand beim Pu­blikum fast gar kein Interesse mehr, da die gestrigen Mitteilungen erkennen ließen, daß die vom Ge­setz verlangte Zahl von gültigen Un­terschriften für das Volksbegehren auf Abstim- mung über die Landtagsauflösung vorhanden ist. Zu Beginn der heutigen Sitzung wiederholte Dr. K l e i n k u r t den Protest der Rechtsparteien gegen die Zusammensetzung des Ausschusses, in dem von den Rechtsparteien nur zwei Vertreter (ein Bauern- bünbler und ein Volksparteiler, aber kein Deutschnationaler) fitzen, jedoch zwei So­zialdemokraten. Es ijt von Wert für die Beschlüsse, zu wissen, daß im Ausschuß den zwei Rechtspartei- lern vier Angehörige der Regierungskoalitionspar- teien aegenüberstehen. Deren Bestreben geht dahin, möglichst viele Unterschriften für ungültig zu er­klären, obwohl die gesetzlich notwendige Zahl vor­handen ist. Entschließungen von Bedeutung kamen nicht zustande. Es hat auch nicht den Anschein, als ob der Ausschuß, der am Dienstag wieder zusam­mentritt, seine Arbeiten beenden wird.

Neue Verhandlungen zur Fürstenabfindung.

Berlin. 13. Aug. Der Generalbevoll­mächtigte des vormals regierenden preußischen Königshauses, von Berg, hat jetzt der preu­ßischen Regierung neue konkrete Vor- schlüge gemacht, mit denen sich die preußische Regierung in einer Kablnettssihung befaßte. Das Kabinett beschloß zu antworten, daß es be­reit sei, durch unverbindliche Besprechungen die Möglichkeit einer Derständigung zu geben.

Das Freisinger Eisenbahnunglück 11 Tote, 27 Verletzte. Die Ursachen der Eutgleisunq.

Jrcifing, 14. August. (BJIB.) Wie schon in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet, ent­gleiste in Langenbach bei Jrdfing Freitag vormit­tag 928 Ahr der von Berlin kommende beschleu­nigte Perfonenzug Rr. 855 bei der Lin- fahrtsweiche im Bahnhof Langenbach. Drei Wagen sind umgestürzt. Es sind bisher 11 Tote, 7 Schwer- und 20 Leichtverletzte sestgestellt worden. Da aus Freising und Landshut Aerzte und Rettungsmann­schaften in Kraftwagen zur Hilfeleistung heraneitlen, schritt das Retlungswerk an der Unfallstelle sehr rasch fort. Ein Schwerverletzter muhte aus den Trümmern des Zuges herausgeschweiht werden. Die verletzten wurden in die Krankenhäuser von 7Noh- birburg und Freising geschasst, soweit sie die Reise nicht sortsehen konnten. Bei Eintreffen des Hilfs­zuges waren die Schwerverletzten bereits durch Kraftwagen abtransportiert worden, von den elf Todesopfern konnten bisher acht Leichen identifi­ziert werden. Es handelt sich durchweg um Per­sonen, die aus Bayern stammen. Zwei 5rauen- leichen und eine Knabenleiche sind noch nicht iden­tifiziert worden. Auch die Schwer- und Leichtver- lehten sind Bayern.

Der Sonderberichterstatter desFreisinger Tageblattes" berichtet auf Grund der Angaben von Augenzeugen: Der beschleunigte Personen­zug 858, der hier vormittags 9.33 Uhr ein­treffen soll, passierte nach Angabe des Lokomotiv- führers in fahrplanmäßigem Tempo (72 Kilometer pro Stunde) den Schienenwechfel bei Langenbach, der nicht weit von der Stift ritt- straße Langenbach- Inkofen im Gebiet deS Bahn­hofsbereichs von Langenbach liegt. An diesem Schienenwechfel wurden kurz vor dem Unglück Gleisauswechfelungsarbeiten vor­genommen. Rach Angabe der in Frage kommen­den Arbeiter war der Wechsel technisch passierbar. Die 72 Tonnen schwere Maschine sowie der Pack­wagen und drei Personenwagen hatten den Wechsel bereits überfahren, als plötzlich an der Schiene ein Schraubenzwinger fortge­schoben wurde. Dadurch ist der Wechsel teil­weise vermutlich verstellt worden. Der Zug glitt infolgedessen ab, der erste Teil fuhr weiter, wahrend der Spitzenwagen des abge- risf enen Zug tei IS entgleiste und noch ein gutes Stück weiterfuhr, sich dann über­schlug und sich in vollkommen vertikaler Rich­tung auf den Bahnkörper legte. Der abgestürzte Wagen riß dabei von dem weiteren Zugteil ab. Bei den folgenden Wagen war vermutlich die automatische Bremsvorrichtung, die bei plötzlichem Abreihen des Zuges wirksam wer­den soll, in Funktion getreten. Die näch­sten fünf Personenwagen waren teilweise schräg gestellt und umgelegt, sowie mit Öen Kopfteilen ineinandergeschoben. Der vollkommen umgerissene Wagen enthielt Reisende aus der Richtung Re­gensburg, und in diesem Wagen sind auch sämt­liche Todesopfer zu bellagew Die letzten sieben Wagen des Zuges waren aus der Richtung Passau. Sie stehen unbeschädigt auf dem Bahn­körper, nur öle Kopfseite des ersten Wagens ist eingedrückt. Tausende von Holz- und Eisen­splittern, aufgerissene Teile des Bahnkörpers und ein umgeworfcneS Einfahrtssignal sowie Eisen­teile bedecken die Unglücksstätte.

Veileidskundgsdungen.

Berlin. 13. Aug. (WB.) Der Herr Reichspräsident hat an Die Grupp en - verwaltung Bayern der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft folgendes Telegramm gerichtet:Tief bewegt durch die Rachrlcht von dem schweren

Eisenbahn-Unglück auf dem Bahnhof Langenbach, bitte ich, den Hinterbliebenen der Getöteten meine herzliche Anteilnahme und den Verletzten meine besten Wünsch« für ihre Wieder­herstellung zu übermitteln. G«z. v. Hind « n« bürg, Reichspräsident."

Reichskanzler Dr. Marx hat an die Gruppenverwaltung Bayern der Deutschen Reichs­bahngesellschaft in München folgendes Tele­gramm gerichtet:Die Gruppenverwaltung Bayern der Deutschen Reichsbahngesellschaft ist erneut von einem schweren Unglücksfall betrof­fen worden. Zu meinem größten Bedauern sind kostbare Menschenleben ihm zum Opfer gefallen. Ich bitte, den Angehöri­gen der tödlich Verunglückten die wärmste Anteilnahme der R e i ch s r e g ie r un g auszusprechen und den Verletzten beste Wünsche für baldige Wiederherstellung zu übermitteln.

Der bayerische Ministerpräsident hat sich sofort nach Dekanntwerden des Eisen­bahnunglücks persönlich an ÖleUnglücks- stelle begeben. 3m Anschluß Daran stattete Der MinisterpräsiDent den Verletzten im Frei­singer Krankenhaus einen Besuch ab. Weiterhin hat Der Ministerpräsident dem gleichfalls,an Der Unglücksstelle weilenden Staatssekretär v. F r a n k sein und der bayerischen Staatsregierung tiefstes Beileid persönlich übermittelt. Aüch^der Minister des Innern, S t ü h e l, fand sich an Der Unfall- stelle ein unD stattete Den Verletzten im Moos­burger unD Freifinger Krankenhaufe Besuch« ab.

Aus aller Wett.

26.Deutscher Handwerk- und Gewerbe­kammertag.

Mit einer Sitzung des Preußischen Handwerkkammertages wurde heute Die diesjäh­rige 26. Tagung des Deutschen Handwerk- und Gewerbekammertages in Königsberg eröffnet. Bei Der Erstattung des Geschäftsberichtes wurde hervor gehoben, daß das Handwerk mit anderen Gewerbegruppen unbedingt zusammengehen müsse, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. In einer Entschließung wurde Die preußische Regierung ersucht, dem Handwerk Die ihm gebührende Stel­lung beim Erlaß von bedeutsamen Gesetzen und rechtzeitige Hinzuziehung bei den Beratungen ebenso wie im Reich zu verschaffen. Ministerial­rat v. Hoffmann-Berlin versicherte als Ver­treter des preußischen Handelsministeriums, daß die Belange des Handwerks keine Zurückstellung erfahren hätten und versprach, daß Die Vertre­tung des Handwerks bei den demnächst be­ginnenden Beratungen über die neue Gewerbe­steuer herangezvgen würde. Zur Vorbereitung und Festlegung von Richtlinien für die neue Ge­werbesteuer wurde einmütig die Bildung eines besonderen Ausschusses des preußischen Kammer­tages beschlossen.

Festnahme einer großen Diebesbande.

Die Kriminalpolizei ist in Essen einer Diebes- Organisation von bisher nie dagewesenem Ausmaße auf die Spur gekommen, die schon seit langem das ganze rheinisch-westfälische Jndu- striegebiet heimgesucht hat. Kaum eine Stadt dieses Gebietes ist von ihr verschont geblie­ben. In der Hauptsache wurden Ladendieb­stähle ausgeführt, wobei den Dieben große Men­gen Waren aller Art in die Hände fielen. Bisher hat man der Bande, von der 3 0 Mann f e ft genommen worden find, und zu der auch eine besondere Frauengruppe gehörte, mehr als 200 Ladendiebstähle nachweisen können. Wie zahlreich die Diebstähle der Bande gewesen sind, geht schon daraus hervor, daß ein 17chhriges Mit­glied allein schon 75 Diebstähle eingestanden hat.

Der letzte Sohn tödlich verunglückt.

Der 25jährige Sohn Der Gastwirtsleute Wenzl von Hader (Riederbayern) kam nachts aus der Heimfahrt mit dem Rade vom Wege ab. wobei er in die Rott fiel und ertrank. Damit ist der sechste und letzte Sohn Der Familie tödlich verunglückt. Vier Söhne der Familie sind im Weltkriege gefallen, ein fünfter ertrank vor einigen Jahren beim Baden in Der Rott.

Ein Lebensretter.

Ein junger Deutscher Hans Wefers aus Bar­men erhielt auf Beschluß des preußischen Staats- Ministeriums die Rettungsmedaille am Bande, weil er bei Oberdollendorf am Rhein unter erheblicher Lebensgefahr einen englischen Soldaten vorn Tode des Ertrinkens gerettet hat.

3m Faltboot von Wien nach Kairo.

Rach schweren Gefahren ist Ernst Grün- f e l d als einziger Teilnehmer der Expedition, die am 1. Juni 1924 von Wien abging, im Faltboot in Kairo eingetroffen. An Der Er- pedition nahmen im ganzen 12 Personen teil. Sechs davon gaben unterwegs auf, fünf ka­men bei Stürmen ums Leben. Rur Grün- felö hat öle Reise glücklich überstanden. Sie führte von Wien über Budapest nach Belgrad, Galatz, Constanza. Varna. Konstantinopel und durch die Dardanellen ins Aegaische Meer.

Kunst und Wissenschaft.

Das Darmstädter Schlohmufeum,

Das Schlohmufeum hat in Der letzten Zeit durch Die Ueberweffung Der seither im LandeS- mufeum befindlichen hessischen Uniformen, Waffen und Ausrüstungsstücke, sowie durch hochherzige Stiftungen und Leihgaben so wesentliche Bereiche­rungen erfahren, daß an eine Umgruppie­rung verschiedener Abteilungen gedacht werden muhte. Diese Arbeiten sind nunmehr vvllen- d e t und öle bisher geschlossenen Räume, öle russische Galerie und die ruffischen Zimmer wer­den Dem Publikum wieder zugänglich gemacht. Die Reuaufstellungen bieten Den Vorteil größerer Uebersichtlichkeit <lls bisher, sodann wurde durch eine Türverlegung die Zirkulation wesentlich er­leichtert und bequemer gemacht. Die Abteilung Alt Hessen" vom Landgrafen Ludwig VIII. bis zu Großhcrzog Ludwig IV. ift dank Der Bestände des Landesmuseums nun von prächtiger Voll­ständigkeit. Die Pirmasenser Qlbteilung ist um eine schöne .Uniform Ludwig IX. bereichert wor­den. Aus Der Zeit Ludwig I. finden sich inter­essante Ausrüstungsstücke der Pioniere und Er­ahnen der modernen Helme von grotesker Gröhe. Sine ganz wesentliche Bereicherung ist di« R«u- aufftellung derG e w e h r g a l e r k« , die Säbel und Gewehre Der hessischen Truppen etwa von 1750 bis 1850 zeigt. Die Ordensbänder und Fahnenschleisen zu den im weihen Saal« so wirkungsvoll angebrachten hessischen Fahnen und Standarten, werden nun auch vorgeführt und zwar in verschiedenenn sehr geschmackvollen