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Churchill über die Kchuidenregelung.

Keine Beziehungen zu den Daweszahlnnge».

London, 13. 3uli. ($11.) 3m englischen Unterhaus ergriff heute Schatzkanzler Chur­chill das Wort zu einer Erklärung über das gestern zwischen ihm und Caillaux abgeschlossene englisch-französische Schuldenabkommen. Gr teilte mit, daß das Abkommen nicht nur die eigentlichen französischen Kriegsschulden, insbesondere die an England umfasse, soirdern grundsätzlich alle fran­zösischen Schuldenkonten bei England. Aach einer ziffernmähigen Darstellung des Moratoriums er­klärte Churchill, daß das Abkommen keinerlei Klauseln des 3nhalts aufweise, daß die fran­zösischen Zahlungen an England vondemEin- gong der deutschen Reparativ ns- zahlungen abhängig gemacht werden sollten. Allerdings fei vorgesehen, daß Frankreich im Falle einer außergewöhnlichen Zahlungs­unfähigkeit eine weitere Stundung inner­halb der jetzt abgeschlossenen Moratorientermine erhalten könnte. Großbritannien habe auf Grund des Abkommens die ^Möglichkeit, in entgegen­gesetztem Falle von Frankreich eine entgegen­kommendere 3nnehaltung der gesetzten Termine zu verlangen.

Churchill sagte dann, wenn die Dokumente geprüft worden seien, würde die vorliegende Regelung der schwierigen und lästigen Frage der Kriegsschulden hoffentlich allgemeine Zu- stinimung finden. Die britische Regierung glaäbe, daß die'Vereinbarung das beste praktische Abkommen bedeute, das Aussicht auf Verwirklichung habe und daß es hin­sichtlich der Schulden, die die Alliierten Grcch- britanniens für die gemeinsame Sache aufgenom- men hätten, in Liebe reinstimmung sei mit der traditionellen Politik Englands.

Die amerikanischen Schulden.

Schlechte Aussichten für Caillaux.

N e u y 0 r k, 13. Juli. (Wolff.)Associated Preß" meldet aus Washington, Schatzsekretär Mellon sei der Ansicht, der französisch-amerikanische Schulden­vertrag sei nicht mehr in den Händen der ameri­kanischen Schuldenkommission, Frankreich müsse daher an den Kongreß appellieren, falls es Erleichterungen wünsche. Da jedoch das Reprä­sentantenhaus den Vertrag ratifiziert habe, gelte es für unwahrscheinlich, daß der Senat wesent­liche Aenderungen gestatten werde. In den Regie­rungskreisen glaube man, daß Frankreich sich in einer weniger günstigen Lage befinden werde, wenn es den Vertrag nicht ratifiziere, da die Vereinigten Staaten auf Grund ihres Darlehens in barem Geld zahlbare Sichtwechsel an Frankreich besäßen, wäh­rend dar Abkommen die Zahlungen über 62 Jahre verteile. Die amerikanische Regierung habe weder offiziell noch sonstwie Mitteiluna von Frankreich bezüglich des Schuldenvertrags erhalten.

Senator Borah äußerte sich zu der Pariser Demonstration gegen das Washingtoner Ab­kommen, daß die Veteranen Ursache zu dem Protest hätten, aber nicht zu einem solchen gegen die ameri­kanischen Steuerzahler. Die Wirkung der gestrigen Demonstration werde eine stärkere Opposi­tion im Senat sein. Wenn Frankreich bessere Bedingungen wünsche, so müßten die Verhand­lungen über die Schuldenfundierung von neuem be­ginnen. Der Schuldenoertrag verlange weniger als einen halben Dollar pro Dollar des ursprünglichen Sckuldenbetrags. Borah fügte hinzu, F llreich zayle mehr für den Bruch seines Versprechens, Syrien die Unabhängigkeit zu gewähren, als seine Verpflichtungen aus dem Schuldenvertrag for­derten. Die Vereinigten Staaten hätten nicht ge- - nügend Geld, um Frankreich vor den Folgen feiner ' gegenwärtigen inneren Politik und seines Jmperia- 71i5mu5 in Syrien zu retten.

Das belgische Ermächtigungsgesetz.

Brüssel, 13. Juli. (WTB.) Der zur Wieder­aufrichtung der finanziellen Lage Belgiens und zur Vorbereitung der Stabilisierung seiner Währung von der Regierung in der Kammer eingebrachte Entwurf eines Gesetzes bestimmt, daß der König während der nächsten sechs Monate alle in Kraft befindlichen Bestimmungen über den B a n k - Notenumlauf ändern oder ergänzen kann, daß er ferner alle Maßnahmen zur Stillegung oder Einschränkung der Inflation, zur Zucückschaffung der im Ausland befindlichen Kapitalien und zur Liquidierung bzw. zum Verkauf der unter Sequester stehenden Güter An­gehöriger ehemals feindlicher Staaten treffen und alle Maßnahmen ergreifen kann, die geeignet sind, olche Anzeigen oder Nachrichten zu unterdrücken, )ie den Staatskredit erschüttern können. Schließlich oll der König alle Anordnungen treffen können, mrch die die Versorgung der Beoölke- rung mit Nahrungsmitteln sichergestellt wird.

Unter den zur Stützung des Franken vor- gesehenen Maßnahmen, befindet sich auch die Anerkennung der in Goldwährung abgeschlos!enen innerbelgischen Verträge. Die Regiernng will sich eine da­hingehende Befugnis vorn Parlament geben lassen, weil gegen diese Tendenz der Gvldrechnung kaum noch anzukämpfen ist. 3n dieser Woche haben die auf hochwertige Valuta aus­gestellten Rechnungen in Belgien ganz bedeutend zugenommen. Die Abschaffung der 3n- dexzisser soll ebenfalls in Aussicht genommen worden sein. Auch soll zur Beschleunigung der Stabilisierung eine Emissionsbank in Gold franken ins Leben gerufen werden, ähnlich etwa der deutschen Rentenbank. Diese soll der Aationalbank unterstellt werden. Die Kam­mer wird nach den Debatten über die außer­ordentlichen Vollmachten, über die 3ndustrieali- sierung der Eisenbahnen und jetzt auch der Tele­phon- und TelegraPhenverwaUung in die Ferien geschickt werden.

Annahme in der Kämmet.

Brüssel, 13. 3uli. (WB.) 3n der Kammer führte Ministerpräsident 3 a s p a r bei der Ein­bringung der Gesetzesvorlage, die dem König Vollmachten zur Wiederherstellung der belgi­schen Finanzen verleiht, aus: 3cb fordere die Kammer auf. in den Ausschüssen sofort die Ge­setzesvorlage zu prüfen. Richts rechtfertigt die im Lande herrschende Erregung. Wir haben kerne arbeitslosen Fabriken und Arbeiter. Rie war die Ernte reicher. Das Gleichgewicht im

Staatshaushalt für 1926 ist selbst für den Fall einer Devisenhausse sichergestellt. 1927 wird das Gleichgewicht des Budgets noch sicherer sein. Wir werden keine neuen Steuern brauchen. Die von der Regierung bereits getroffenen Maß­nahmen haben sich noch nicht ausgewirkt. Das Publikum legt eine bewuirderungswürdige Soli­darität an den Tag, indem es freiwillig Spen­den an die Amortisationskasse abführt. Es hat Glauben an das Vaterland. Dies berechtigt uns dazu, zu sagen, daß das Land nicht in Gefahr ist. Das Parlament hat, wo es sich um große nationale Fragen handelte, immer Weitsichtigkeit gezeigt und sich über die Parteistreitigkeiten er­hoben. Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zum Schutze des Franken ergriffen. Der aus diesem Anlaß ernannte Ausschuß arbeitet seit heute morgen neben der Rationalbank.

Eine weitere Ausfuhr von belgischen Kapitalien kann nicht länger geduldet wer­den. Wir haben Anstalten getroffen, zur Ver­hinderung der Lebens mittelaus- f u h r und gegen den Verbrauch von Luxusgegenständen. Hm diese Maßnah­men wirksamer zu gestalten, muß die Regierung, wenn auch im Rahmen der Verfassung, freie Hand haben. 3aspar forderte die Kammer auf, die Gesetzesvorlagen angesichts des Ernstes der Lage ohne Debatte anzunehmen. Wenn einmal der Franken stabilisiert werde, so würde dies weit unter einem Kurs von 200 Franken für ein Pfund Sterling geschehen. 3aspar fordert das Parlament zur rückhaltlosen Unterstützung auf und kündigt an, daß ein Aufklärung s- seldzug im Lande eröffnet werden würde. Vandervelde gab der Erwartung Ausdruck, daß die Kammer rasch handeln werde.

Minister Hymans sagte dann, die Regie­rung beabsichtigt, auf dem Boden der Ver­fassung zu bleiben. Die richterliche Gewalt wird die Kontrolle darüber haben, daß die Hand­lungen der Regierung im Einklang stehen mit den ihr von der Kammer gewährten Vollmach­ten. Die Gesetze über die Presse werden in Kraft bleiben. Das 3nterpellationsrecht des Parla­mentes bleibt bestehen. Der einzige Artikel des Gesetzentwurfs wurde darauf in nichtnamentlicher Abstimmung angenommen. Die zweite Le­sung wird am Donnerstag stattfinöen.

Die Wirren in China.

Schanghai, 13. Juli. (WTB.) Die Kämpfe, die in der Nachbarschaft des N a n k a u p a s s e s und in Nordschanski zwischen den alliierten Streit­kräften und Knominschuntruppen stattfinden, wer­den fortgesetzt, ohne daß bisher eine Entscheidung herbeigefüyrt werden konnte. In Schanghai ver­spätet eingetroffene Berichte besagen weiter, daß im Westen der Provinz Schensi W u p e i f u und die Kuominschuntruppen erfolgreich um den Besitz der bisher verteidigten Hauptstadt Hsianfu kämpfen. Der Bürgerkrieg wütet weiter. Weitere Kämpfe werden aus Hunan gemeldet, wo gutausgerüstete rote Truppen aus Kanton mit russischen Ratgebern dem General Tangsengtschi starke Hilfe geleistet haben. Dieser hat den Armeeführer Wupejfus, Ge­neral Pekaischin, ans der Provinzhauptstadt Tschangscha vertrieben. Es werden Maßnahmen ge­troffen, um das Vorrücken der roten Truppen nach Hankau zu verhindern.

Die Unruhen in Perfien.

London, 13. 3uIL (Wolff.)Times" meldet aus Teheran unter Hinweis auf die Beeinträchti­gung der zuverlässigen Berichterstattung durch die Zensur: Allem Anschein nach konnte der militärische Aufstand in Aserbeidschan unter­drückt werden. Don den schätzungsweise 500 Aufständischen wurden 200 hingerichtet, die übrigen sind über die türkische Grenze geflüchtet. Die Bewegung in Khorasan scheint einen ern­steren Charakter zu haben und soll gegen den Kommandanten der Ostarmee gerichtet fein, der in dem Verdacht steht, militärische Gelder unter­schlagen zu haben. Die Meldungen, daß die Turk­menen sich den Aufständischen angeschlossen hätten, sind bisher nicht bestätigt.

Der PoLemkin-Film.

Rach Meldungen verschiedener Blätter soll die Prometheus-Gesellschaft, die denPanzer­kreuzer Potemtin"-Film in Deutschland vertreibt, gegen den gestrigen Spruch der Film-Oberprüf- stelle beim Reichsinnenministerium Protest er­hoben haben. Wie hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, besteht keine Möglichkeit, gegen den Spruch der Filmoberprüfstelle Protest einzulegen, da die Entscheidungen dieser Behörde als letzte 3nstanz endgültig sind und keiner weiteren Revision unterliegen. Es besteht ledig­lich die Möglichkeit, daß die in Frage kommende Filmgesellschaft eine Umarbeitung vor- nimmt, worauf dann ein völlig neues Verfahren eingeleitet werden dürfte. Die Filmoberprüf- stelle würde sich mit dem Potemkin-Film zum zweitenmal nur dann befassen, wenn gegen die Entscheidung der ersten 3nstanz, der Filmprüf- stelle, Beschwerde eingelegt worden ist.

Kunst und Wissenschaft.

Tagung des Vereins für Sozialpolitik in Dien.

Der Verein für Sozialpolitik wird seine dies­jährige Tagung in der Zeit vom 22. bis 25. Sep­tember in Wien abhalten. Am ersten Verhandlungs­tage wird das ThemaDie Krisis der Weltwirt­schaft" mit Referaten von Professor Harms, Kiel (Strukturwandlungen der Weltwirtschaft) und Pro- fessor Eulenberg, Berlin (Die handelspoliti­schen Ideen der Nachkriegszeit) erörtert werden. Das Thema des zweiten Tages lautet:Die Uebervölke- rung Westeuropas und die Arbeitslosigkeit". Die Referate hierzu werden von Profesfor A e r e b o e , Berlin (Bevölkerungskapazität der Landwirtschaft) Professor Mombert, Gießen (Uebervölkerungs- erschemungen in Westeuropa) und Privatdozent Dr. Winkler, Wien (Die Bevölkerungsfrage auf deut­schem Volksboden) erstattet. Den Gegenstand der Erörterung des dritten Tages bildet die Frage der Steuerüberwälzung", wozu Professor Mann Königsberg (Wesen und allgemeiner Verlauf der Steuerüberwälzung), Professor Meyer, Wien und Dr. B u n z e l (Die Praxis der Steuerüberwälzung) referieren werden.

Aufdeckung eines römischen Landhauses bei Cranenburg.

Bei Erdarbeiten stieß man in der Nähe des deut­schen Zollamtes Wyler auf alte Fundamente Der Kustos für römische Altertümer am Prooinzial- muieum in Bonn, Hagen, stellte fest, daß es sich um Reste eines römischen Landhauses handelt, und zwar um eine größere Anlage, da der Baderaum außergewöhnlich große Maße zeigt. Das Landhaus

muß lange Zeit gestanden haben, da fünf überein­anderliegende Böden festgestellt wurden. Besondere Altertümer wurden nicht gefunden. Interessant ist, daß die Anlage an der schönsten Stelle der Höhen von Wyler dicht an der deutsch-holländischen Grenze liegt.

Dühnen-Jubiläum.

In diesen Tagen beging Intendant S. R. S k a l vom Landestheater für Pfalz und Saargebiet fein 25. Bühnenjubiläum, das in Bad Kreuznach gefeiert wurde, wo in Verbindung mit dem Kur- lheater der eine Verrvaltimgssitz des Landestheaters sich befindet. Dem Jubilar, der zu den ernsthaftesten Stützen deutscher Kunst und deutscher Kultur in diesem hartumkämpften Gebiete des besetzten linken Rheinlandes gehört, wurden an diesem Festtage zahlreiche Ehrungen zuteil, denen in der Jestvorstel- lung im Bad Kreuznacher Kurtheater, in der aus Anlaß des Jubeltages Intendant Skal nach langer Pause wieder einmal in einer seiner einstigen Hauptrollen alsFaust" auftrat, das Publikum sich begeistert anschloß.

Aus aller Wett.

Schweres Flugzeugunglück in Fürth.

Fürth, 13. 3uli. (WTB.) Heute nach­mittag 6 Uhr ging auf dem Flugplatz Fürth e i n französisches drei motorig es Groß­flugzeug des neuesten Typs Ä. S. D. nieder, das seinen ersten Flug von Paris nach Prag machen wollte. Gegen V27 Uhr stieg das Flug­zeug, nachdem es frisch getankt hatte, wieder auf, geriet aber in einer Höhe von etwa 100 Metern auf bisher noch ungeklärte Weise in Brand. Der Pilot versuchte eine Rotlandung. Zwei mit­fahrende Passagiere konnten sich durch Ab­springen retten, während der Pilot und ein Werkmonteur verbrannten. Das Flug­zeug ist stark beschädigt. Die Geretteten haben sich bei dem Absprung derart verletzt, daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mußten.

Die vernichtete Maschine war, wie Fachleute ein­wandfrei feststellten, ein Typ eines militärischen bzw. eines Kampfflugzeuges und mit allen technischen Einrichtungen versehen, die es zu einem solchen stempelten. So fand man u. a. ein versenk­baresPivot" für das Maschinengewehr und die Trommel zur Aufnahme der Maschinengewehrmuni­tion, ebenso sämtliche Instrumente für die mili­tärische Beobachtung, jedoch keine Armierung. Laut Flugplan war der direkte Bestimmungsort Bel­grad mit Zielrichtug Konstantinopel.

Der Beobachter im Flugzeug, ein Meteorologe Va l von der Fluawetterwarte in Paris, gibt an, daß im Auftrage der französischen Regierung ein Probeflug von Paris nach Konstantinopel auzge- führt und daß nach erfolgter Abnahme der Maschine diese dem internationalen Luftverkehr dienen sollte. Diese Angabe war zweifellos unrichtig, da aus der Konstruktion niemals ein Verkehrsflugzeug gebaut werden kann. Man geht kaum fehl in der Annahme, daß es sich um einen neuen Typ eines französischen Kampfflugzeuges handelt, das lediglich militäri­schen Zwecken dient, um so mehr, als der hier befindliche Flugschein keineswegs in Ordnung ist.

Raubüberfall in Kassel.

Ein schwerer Raubüberfall wurde auf die alte Witwe Probst beim Betreten ihrer Woh­nung in der Kleinen Rosenstrahe 1 ausgeführt. Frau Probst, die als Kassiererin in einem Licht­spieltheater tätig ist, kam um etwa 10.15 IHjr nach Hause. Als sie die Tür geöffnet und Licht machen wollte, erhielt sie einen Schlag aus den Kopf, wurde gewürgt und ihr ein Knebel in den Mund gesteckt. Dann wurde sie in den Keller geschleift, dessen Eisentür bereits vorher geöffnet gewesen sein muß. Nach­dem sie zwei Stunden bewußtlos im Keller gelegen hatte, kam sie zu sich und schleppte sich nach oben, wo sie dann von Hausbewohnern ge­funden wurde. Die Täter haben die Frau mit dem Kopf gegen die Mauer geschlagen und sie auch sonst übel zugerichtet. Die Zähne sind völlig zerschlagen, das Gebiß wurde auf der Treppe gefunden. Rach Aussagen der Frau waren bei dem Lieberfall zwei Männer und eine Frau beteiligt. Die Handtasche mit der Ein­nahme von zwei Tagen, die sie bei sich hatte und auf die die Räuber es wahrscheinlich ab­gesehen hattest, wurde im Keller gefunden, so daß es den Anschein hat, als ob die Täter bei ihrem Vorhaben gestört worden sind.

Die Hochwasserschäden in der Provinz Sachsen.

Die bisher beim Landbund der Provinz Sachsen eingegangenen Meldungen, die allerdings für den Regierungsbezirk Erfurt noch vollkommen ausstehen, besagen, daß in der Provinz Sachsen die Ernte von über- 300000 Morgen vernichtet sei, davon im Regierungsbezirk Merseburg über 200 000 Morgen, im Regierungsbezirk Magdeburg über 100 000 Morgen. Diese Zahlen bedeuten jedoch noch keine abschließenden Angaben.

Schwere Unwetter in Italien.

Hebet Italien sind an verschiedenen Punkten wieder schwere Gewitter niedergegang-en. So brach über Reapel in der letzten Rächt ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen durch. Verschiedene Straßen wurden über­schwemmt. Das Wasser bedrohte einige Häuser, die von den Bewohnern geräumt werden mußten. 3n der Rähe von P ez u o li zerstörte ein Berg­rutsch die Eisenbahnstrecke. Sowohl in Florenz als auch in R o m ist nach der starken Hitze die Temperatur plötzlich gesunken.

Zwei grauen ertrunken.

Zwei in Moorgarten bei Lübeck wohnhafte Ehe­frauen hatten sich in die Trave zwischen Nien­dorf uno Weseoerg begeben, um zu baden. Eine der Frauen geriet in eine tiefe Stelle und versank. Die andere Frau eilte zu Hilfe, wurde aber von der Ertrinkenden bet den Haaren ergriffen und mit in die Tiefe gezogen. Beide Frauen ertranken. Die Leichen konnten bereits geborgen werden.

Beim Paddeln ertrunken.

Beim Paddeln in der Ruhr ertranken bei Bochum zwei Arbeiter bei Meberquerung der Ruhr in der Rahe einer Fähre. Bis jetzt konnten die Leichen noch nicht geborgen werden.

100 IahreDer Gesellige".

Anläßlich ihres 100jährigen Jubiläums gibt die altbekannte ostdeutsche Tageszeitung eine um­fangreiche Festnummer heraus, die um ihres 3n» Halles willen Beachtung verdient. Die auf den Gedanken der Kulturpropaganda eingestellte Ausgabe gibt zunächst ein umfassendes Bild von der jüngsten deutschen Provinz, der aus den deutschgebliebenen Restteilen Posens und West­

preußens zusammengesetzten Provinz Grenzmark Posen-Westpreuhen und ihrer Hauptstadt Schneidemühl, darüber hinaus Gedanken an das deutsche Ostlanö, das uns gebliebene und das entrissene. Dem auf Grenzwacht im Osten stehen­denGeselligen" wünschen wir Glück auf seinem weiteren Wege.

Aus -er Provinzialhauptsta-t.

Gießen, den 14. 3uli 1926.

VOM Reisen.

Don Reiichold Braun.

Leben ist Reisen," sagt der Christ. Mit größerem Recht sagt man: Reisen ist Leben!"

Eine Reise ist ein Trunk aus der Quelle des Lebens. Hekckel.

3n den meisten Fällen heißt reisen sich ärgern! also spricht Theodor Fontane.

Es gibt allerdings Menschen, die gan$ mit dem Dichter in diesem Falle einmal überein- stimmen, wenn sie auch sonst allzusehr den Widerspruch lieben. Eben darum stimmen sie mit ihm überein, weil sie auch auf der Reise nur immer Widerspruchsgeist sind. Tlckß' das ist ein schlechtes. Da möchte ich gleich ein anderes Wort unseres Dichters anführen:Gute Lebensart schreibt vor, auf Reisen nicht zu tadeln!" And an anderer Stelle spricht er von den leberkranken Rörglern, die sich zu Hause eine Bortresflich- keitsschablonie zurechtgemacht halben und über alles verstimmt sind, was davon abweicht.

Auf der Reise zeigt sich so oft qm unmittel­barsten, wes Geistes Kind einer ist. Wie du auf der Reise bist, so bist du! Der Mensch steht da aus seinem alten Kreis hinausgestelll in ein Reues, mit dem er sich irgendwie in Einklang zu bringen hat. Und dazu gehört guter Wille und rechte Lebensart. Gin gutes Rezept, das man sich vor Beginn der Reise selbst verschrei-, ben sollte, heißt:Richt ärgern! Lind noch ein­mal:Richt ärgern! Man kann es sich in sein kleines Reisetagebuch gleich auf die erste Seite schreiben!

Eine Reise, die man zu seiner Erholung unternimmt, soll immer eine Reise nach der Sonne fein! (Jkn diesem 3ahre ein wenig schwer! Aber nicht ganz unmöglich, wenn man vor allem an die 3nnensonne denkt!)

Diese Reise nach der Sonne ist die Probe aufs Exempel deiner Lebenskunst. Lind je mehr Sonne öu im Innern gewinnst aus den Stunden der Ruhe trotz Regen und allerlei Schatten, je höher stehst du in der Kunst, das Leben zu leben! So ein trutzigesDennoch!" ist wie ein blanker Schild, der selbst leuchtet und anderen Menschen Leuchten ins Herz schenkt. Eine Reise soll auch ein Lebensdienst fein an dir. Lind es wird deinem Leben am meisten gedient, wenn du dem Leben anderer in Freude hier und dort dientest! Dazu wirst du nicht zur bloßen Reise­bekanntschaft! Rein, allen Mißmut willens­kräftig bei Seite geschoben und die Sonnenworte Hebbels über die Stunden gestellt!

Reisen ist Leben! Wird es dir wirklich zum Leben! Dient es der inneren Erhöhung und Vertiefung deiner Seele. Wird es dir zum Trunk aus der Quelle. Wer sich mißmutig über eine Quelle neigt, der schändet sie. 3ede Quelle will ein fröhliches, dankbares Gesicht. Leben trinken! Heiter, herzlich! Wirllich einmal her- ausgestellt aus dem Allen ins Reue, Freie. Bon neuem Kreise sich umschwingen lassen, offen Herz und Auge. Lind immer bei allem bedenken: Es ist nichts vollkommen in der Welt, auch nicht aus der schönsten Reise. Sich menschlich schicken. Reise ist höhere Ebene und soll es nicht nur nach außen hin sein. Das 3nnere bleibt auch hier das Entscheidende und das zuletzt Aus­schlaggebende. Mißmut verdirbt den Appetit auch am Schönsten, was uns geboten wird. Das Auge sonnenhaft vom Herzen her, und deine Reise wird zu einer Kette reiner Freuden auch im bescheidensten Winkel, den du dir aus­suchtest, vielleicht aus Mangel an Geld, vielleicht auch, um wirklich Ruhe zu haben und der lär­menden Zivilisation auf ein paar Wochen zu zu entlausen. So ist's: Wer reisen will, muß auch die Kraft und den Frohmut des Entlau- fenä kennen! Alles einmal dahinten lassen. Ohne Kette sein und ohne Ballast der Mode und alles sonstigen, was uns zum Ballast wurde. Ein­mal so ein Stück Feurbachs Hirteirjunge sein. Der Ratur zurückgegeben. Lind dann: eine Reise darf nicht allzu lang sein. Kürze macht auch hier die Würze. Reise ist Extrakt des Lebens. Hebbel schreibt an seine Frau:Eine Reise müßte, wie das Champagnertrinken, nicht zu lange dauern!" Das wird immer das Ent­scheidende für deine Reise fein: Willst du zum Leben oder zum Abenteuer. Darin zeigt sich, wer du bist. Willst du deine Seele stark und freudig für den Lebenskampf machen, oder willst du deine Lust an der Oberfläche erhöhen. Ideal oder Materie?

Lerne immer, mehr zum echten Leben zu reifen, immer mehr nach der Sonne!

Bornotizen.

- Tageskalender für Mittwoch. R. C. Germania: Vereinslokal, Monatsversamm- lung. V. f. D.: 8.30 Llhr: Llniversitäts-Cafe, Monatsdersammlung.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das nächste Gastspiel des Bad-Aauheimer Kurtheaters findet am Dienstag, 20. 3uki, statt. Da die Erfahrung des Winters gezeigt hat, wie sehr ab und zu ein älteres Lustspiel aus der Zeit, da die Ramen Schönthan, Koppek-Ellfeld, Kadelburg und Blumenthal das deutsche Luftspieltheater beherrschten, von einem großen Teil des Publikums begrüßt wird, sind Kadelburg-SchönthansZwei Wappen" dem Spielplan wieder einverleibt worden und gehen am 20. 3uli in Szene. Es fei heute schon darauf hingewiesen, daß am Sonntag, 25. 3uli, 3vo Puhontzs berühmtes Baden-Badener Ma­rionettentheater in einer Rachmittagsvorstellung für die Kleinen und einer Abendvorstellung für die Erwachsenen hier gastieren wird.

Wettervoraussage.

Bei östlichen Winden meist trocken und sehr warm. Das Gebiet hohen Druckes, das die Schönwetterlage herbeigeführt hat, verlagert sich mit seinem zentralen Teil weiter nord-ostwärts. Auf seiner Südseite erreichen uns hauptsächlich östliche Winde.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 27, Minimum 15,8 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur: 19,6 Grad Celsius.

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