50 Jahre Verlagsbuchhändler.
Emer unserer ältesten Mitbürger. Herr Otto Roth. Inhaber der bekannten Verlagsbuchhandlung Emil Roth in Gießen, kann morgen sein goldenes Jubiläum als Verlags- ouchhändler feiern.
Die Firma Emil Roth ging aus der im Jahre 1822 gegründeten B. C. Ferberschen Buchhandlung hervor, die Emil Roth im Jahre 1846 durch Verehelichung mit der Witwe Dorothea Ferber übernahm. Die Verlagsabteilung erfuhr 1860 durch die Erwerbung des Verlages Pabst und Leske in Darmstadt eine wesentliche Erweiterung. 3m Jahre 1864 wurde die Verlagsbuchhandlung. die inzwischen weit über Hessens Grenzen hinaus Bedeutung erfahren hatte, als selbständige Firma vom Sortiment abgetrennt. Als Emil Roth im 3ahre 1876 aus dem Leben schied, übernahm sein einziger Sohn Otto am 15. Juli 1876 das Geschäft unter Beibehaltung der väterlichen Firma.
Heute noch, nach einem halben Jahrhundert, steht der nun bald 76jährige Mann in voller körperlicher und geistiger Frische seiner Firma vor, die sich unter seiner Leitung aus bescheidenen Anfängen zu einem im Gesamtbuchhandel hochgeachteten Unternehmen entwickelte Rach seiner buchhändlerischen Lehrzeit in Heidelberg war der Jubilar in die Welt gezogen, um sich in verschiedenen Stellungen in der Schweiz, in Rord- und Westdeutschland reiche buchhändlerische Kenntnisse zu erwerben. Auf eigenem Boden stehend, erkannte der junge Verleger sehr bald seine Ausgabe und schuf der hessischen Schule das .Hessische Schulbuch". 1880 schon erschien die erste Hessische Fibel, nach der hundert tausende Hessenkinder lesen und schreiben lernten. Der Fibel folgte rasch das „Hessische Lesebuch". Richt rastend, mit der Zeit Schritt haltend, wurde das Hessische Lesebuch in seinen vielen Auflagen zu einem Volksbuch. Tausende von Hessenkindern haben sich daran erfreut und daraus die große Welt, dos Leben kennengelernt. Das Riepothsche Rechenbuch. Müller-Völker Realienbuch. Kleins biblische Geschichte, Dölls Liedersammlung, Heimatkunden von Hessen, die großen Wams er scheu Kartenwerke, anerkannt wertvolle Lehrmittel, schließen die Reihe, sämtlich den Heimatgedanken tragend. Weiterhin entstanden in seinem Verlag wissenschaftliche Werke auf dem Geb'ete der Jurisprudenz. Raturwisscnfchaften, Mathematik und schließlich die Preisgekrönten Iugendschriften „3m Forsthause Faltenhorst". ..Aus deutscher Vorzeit" unb viele andere Veröffentlichungen.
3n vorbildlicher Größe zeigte sich der 3ubi- lar, als die Rachkriegszeit den Erfolg seines jahrzehntelangen unernrüdlichen Schaffens vernichtet hatte. Trotz seines hoben Alters schuf er mit eiserner Energie und frischer Tatkraft, den völlig geänderten Verhältnissen folgend, die Reubearbeitung 1925 des „Hessischen Lesebuches". Eine besondere Genugtuung mag es feinem ergrauten Verleger sein, daß die neueste Ausgabe des Lesebuches in vielen hunderten von hessischen Schulen, trotz aller Gegenströmungen, volle Anerkennung und Wertschätzung findet.
Als Buchhändler vom alten, guten Schlag kannte der 3ubilor nichts anderes als Arbeit. Restlose Hingabe an seinen Beruf, das Aufgehen in den verantwortungsvollen Anforderungen, die an einen Duchvsrleger gestellt werden, liehen bei Otto Roth die Kräfte erstarken, das starke Wollen zur Tat und die Tat schließlich zum Erfolg werden. Wenn auch die rastlose Tätigkeit des 3ubi- lars weit über die Grenzen unseres engeren Hessenlandes hinausreicht, denn viele Kindlein sorgenvoller Verlegerstunden sind sogar über das große Wasser geschwommen, so galt doch feine ganze Liebe der Heimat.
Dem Jubilar und feinem erfolgreichen Unternehmen bringen wir zu diesem seltenen 3ubiläum unseren Glückwunsch dar.
L. U. Don der Landesunioersität. Assistent Dr. Otto Behaghel, der sich für das Fach der Themie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Donnerstag, 15. Juli, 6 Uhr, in der Kleinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über das Thema: „Die Wandlung des Radikal- begriffes".
** Studentenfahrt zur Gesolei. Einen gemeinsamen Besuch der Gesolei in Düsseldorf planen die Studenten der üniversitäten Gießen und Marburg. Die Fahrt soll voraussichtlich am 20. 3uli mittels Sonderzuges angetreten werden.
** Straßensperre. Wegen Vornahme von Walzarbeiten ist der Schiffenbergerweg zwischen dem Erdkauterweg und der Privatstrahe, zwischen den Fabriken von Bänninger und Gail, von heute ab auf die Dauer von 10 Tagen für jeglichen Fährverkehr gesperrt worden.
•• Lehrgänge für Schulturnen und Bewegungsspiele in Hessen. Das Hess. Landesamt für das Bildungswesen teilt mit, daß für die Zeit zwischen den Sommer- und den Herbstferien an verschiedenen Orten Hessens Lehrgänge für Schulturnen und Bewegungsspiele von je 2 bis 3 Wochen Dauer geplant sind. Lehrgänge, zu denen Lehrer höherer Lehranstalten und mehrllassiger Volksschulen zugelassen sind, die bereits Turnunterricht erteilt haben und über einige turnerische Fertigkeiten verfügen, sind vorgesehen in Darmstadt. Offenbach. Gießen und Michelstadt i. O. ab 16. August, Mainz ab 18. August, Friedberg ab 23. August, sowie Bensheun (nur für Lehrerinnen) und Worms ab 30. August. Schriftliche Meldungen sind bei Oberstudiendirektor Lautenschläger - Darmstadt einzu reichen.
*♦ Tod durch Wasser genuß nach Kirschen. Der 13jährige Sohn eines Bergmanns in Hachenburg (Westerwald), der nach dem Genuß uon Kirschen Wasser trank, ist, bevor ihm ärztliche Hilfe gebracht werden formte, unter qualvollen Schmerzen gestorben. Der Vorfall möge zur Warnung dienen.
** Markusgemeinde. Die Gememde- feier der Markusgemeinde am Sonntag hatte einen guten Tag. Unter Führung einer kleinen Musikkapelle ging der Zug von mehreren Hundert buntgeschmückten Kindern und auch einer großen Zahl Erwachsener nach der Hardt. Wenn auch unterwegs infolge Straßenbauarbeiten manche Hindernisse zu überwinden waren, fo kam die große Schar Cer Kleinen und Kleinsten doch glücklich auf der schönen Hardt an. Da Gott gutes Wetter schenkte, gab's dann da oben nach kurzem Degrüßungswort von Kirchrnvorstehrr H o r sr in fröhlichem Spiel und Wettbewerb ein rechtes Kinderfest, an dem jung und alt mit herzlicher Freude teilnahmen. Auch die lebhafte Rachscage nach Brezeln konnte weitgehend befriedigt werden. Die schönen Stunden gingen nur zu rasch vorüber. Rach einem Dan'eswort von Pfarrer Becker, worin noch auf die besondere Bedeutung solcher gemeinsamer Stunden für die Kirchenge.nernde hingewiesen wurde, schloß die schone Feier mit dem gemeinsamen Lied „Lobe den Herren", in das alle dankbar froh einstimmten, Ünd dnnn ging's wieder mit Musik zum Oswaldszarten zurück, wo sich der Zug auflöste mit „Wiedersehen beim nächstenmal!"
Stenographen-Tagung in Darmstadt.
• Darmstadt. 11. 3uli. Heute vormittag fand hier bei sehr starkem Besuch her 4 6. Verbau d s t a g des Hessisch-Rassauischen Verbandes Gabelsberger Stenographen statt. Dem Festakt wohnten Staatspräsident ü I r i $, Reichsgesandter Dr. David. Vertreter zahlreicher Behörden, darunter auch des Landesbildungsamtes, bei. Ein Gesangverein eröffnete und schloß die Veranstaltung mit Liedervorträgen. Der Vorsitzende. Lehrer Schopp (Mainz), hielt eine Begrüßungsansprache. Staatspräsident Ellrich machte in einer Ansprache auf die Bedeutung der Kurzschrift für das öffentliche Leben aufmerksam, namentlich auch für die Parlamente, und im Zusammenhang damit für die 3dee der deutschen Einheit. Reichsgesandter Dr. David übermittelte Grüße der Reichsregierung. Rachdem der Streit der Systeme beendet sei, müsse das Ziel die Verbreitung der Einheitskurzschrift fein, damit sie Gemeingut des deutschen Dolles werde. Ministerialrat D o r f e l d vom Landesamt für das Bildungswesen wies darauf hin. daß dieses Amt die Kurzschrift in den. drei oberen Klassen der höheeren Lehranstalten eingeführt und 9 Um» stellungskurse für Stenographielehrer und Beamte eingerichtet habe. Dem Vorsitzenden, Lehrer Schöpp, Mainz, sprach der Redner im Namen des Landcsamtes für das Bildungswesen Anerkennung für die großen Verdienste aus, die er sich in seiner 40jährigen Tätigkeit als Vorsitzender des Verbandes um die Förderung des Kurzschriftwesens erworben hat. Der zweite Derbandsoorsitzende, Rusch, Mainz, überreichte Lehrer S ch ö p p im Auftrage des Verbandes eine goldene Uhr. Rach weiteren Begrüßungsreden hielt dann Regierungsrat Dr. Becker, Berlin (für den verhinderten Staatssekretär Schulz) einen Vortrag über die Verhandlungen, die zu einer Einheitskurzschrift führten. Am Samstag hat ein W e t t s ch r e i b e n in Darm- höheren Lehranstalten eingefu&rt und 9 Hm- beteiligten. Die weiteren Veranstaltungen der Tagung, die heute noch und morgen abgehalten werden, dienen vorwiegend der Unterhaltung der zahlreich von auswärts eingetroffenen Gäste.
10. Reit- und Fahrturnier des Wetterauer Reiter-Vereins.
sf. Das am 11. 3uli auf der Seewiese in Friedberg abgehaltene 10. Reit- und Fahrturnier des Wetterauer Reitervereins gestaltete sich auch in diesem 3ahre zu einem sportlichen Ereignis ersten Ranges, und bewährte seine alte Anziehungskraft, denn Tausende waren herbeigekommen und umsäumten den Sportplatz. Allerdings war das Wetter sehr zweifelhaft; noch am Tage vorher war ein schwerer Gewitterregen niedergegangen und hatte den Turnierplatz in einen Sumpf verwandelt, doch war es gelungen, ihn durch Aus- pumpen des Wassers und Auffüllen durch Sand einigermaßen brauchbar zu machen. Während des Turniers war der Wettergott gnädig, so daß das reichhaltige Programm vollständig durchgeführt werden konnte. Sehr zu begrüßen ist die Errichtung einer neuen Tribüne, die erhöhten Schutz gegen die Feuchtigkeit des Bodens und überdacht gegen Sonne und Regen gewährte.
Pünktlich um 2 -Uhr ritten die Reitervereine unter Vorantritt der Kapelle der Sportabteilung der Schutzpolizei in die Arena ein. Das Programm wies dreizehn Rummern auf; erst bei Eintritt der Dunkelheit, um 8.30 ühr war es beendet. Man kann wohl sagen, daß es des Gut'rn zu viel war und sich am Schlüsse eine gewisse Ermüdung geltend machte, da die Abwickelung einzelner Rummern, besonders die Eianun^prüfungen. sehr lange Zeit in Anspruch nahmen. Es wäre wohl zu wünschen, daß in Zukunft ein Teil des Programms am Tage vorher, ober am Vormittage erledigt würde. Unter den verschiedenen Rummern nahmen oft die Vorführungen, die besonders praktischen Zwecken dienten, wie z. D. Arbeitsgespanne im Oefono- miewagen. besonderes 3nteresse ein, am meisten wohl das prachtvolle Sechssrgespann von Fr. K a z in Okarben. Trotz des vielfach schlüpfrigen Bodens verliefen die Rennen ohne besonderen Unfall, bei zwei Stürzen trugen die Reiter keine besondere Beschädigung davon. Eine große Anzahl Geld- und Ehrenpreise standen zur Verfügung, so daß alle Sieger bedacht werden konnten. 5He hauptsächlichsten Ergebnisse sind folgende:
Ermunterungsjagdspringen für Rertschüler: 1. Gg. -üfjtig, Löwenhos; 2. derselbe; 3. Moscherosch, Burggräsenrod; 4. Phil. Heß. Dortelweil.
Arbeitsgespanne im Oekonomie- wagen, Zweispänner: 1. Reif, Dorheim;
2. Heß, Dortelweil; 3. Drückmann, Grohkarben; 4. Kaz. Okarben.
Sechsspänner: Kaz. Okarben (Züchter- Preis. da alle selbst gezogen).
Reitprüsung für Landwirte: 1. Brückmann, Birklar; 2. Fr. Walter, Petterweil. 3. Hugo Räth. Dauernheim; 4. H. Reumayer, Winnerod.
3ugendspringen: 1. Fr. Walter. Petterweil.
Eignungsprüfung s. Reitpferde: 1. Frau Prof. Groedel. Rauheim; 2. Frau Dr. Pauli. Dießen.
Eignungsprüfung s. Reitpferde: 1. Reumayer. Winnerod; 2. Oberlt. Hartmann, 5. Art.-Regt.; 3. Major Hertel, Friedberg.
W e f t ■ 3 a g b f p r i n g e n für Landwirte: 1. übrig, Löwenhof; 2. Waller, Petterweil.
Wett-3agbspringen für Landwirte: 1. übrig, Löwenbos.
Reitprüfung: 1. Oberlt. Hartmann. 5. Art.-Regt., 2. Major Hertel, Friedberg; 9. Reumayer. Winnerod.
Preis des Frankfurter Reit - und Fahrklubs: 1. Graf Erbach-Erbach; 2. Übrig. Löwenhof; 3. Hess. Schutzpolizei. Darmstadt; 4. Hans Rapp. Friedberg; 5. E. Drückmann, Birklar; 6. Oberlt. Hartmann, 5. Art^-Regt.; 7. 3nf.-Regt. 15 (Reiter 2t. Schäfer).
Trabfahren für Einspänner: 1. Brückmann. Grohkarben; 2. Walter. Petterweil.
Trabfahren für Einspänner: 1, Roth. Frankfurt; 2. Kromer, Vilbel.
Preis der Stadt Friedberg: 1. Major Winterer; 2. Graf Erbach-Erbach; 3. derselbe; 4. 5. Art.-Regt. (Reiter Oberlt. Hamann); 5. H. Rapp, Friedberg.
Gruppenspringen:!. Gebrüder übrig, Löwenhof; 2. Flersheim. Frankfurt; 3. Haupt- mann Faulenbach, Gießen; 4. Hegest ng. Rapp.
Schöffengericht Gießen.
"Gießen. 12.3uli. 3n der Rächt zum 3. 3uni wurde bei einem Bäckermeister im Asterweg eingestiegen und ihm ein größerer Geldbetrag gestohlen. Als Täter wurden alsbald zwei junge Leute aus Frankfurt a. M. ermittelt; der eine war srüher bei dem Bestohlenen beschäftigt gewesen. Strafe: je 7 Monate Gefängnis.
Ein Arbeiter von Alef-id hatte im Frühjahr zweimal an einem sieben 3ahce alten Mädchen strafbare Handlungen vorgenommen. Er wurde deshalb zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
Ein vielfach vorbestrafter „Arbeitet aus Offenbach war im Februar d. 3. zweimal ohne gültige Fahrkarte auf der Eisenbahn nach Gießen gefahren; das einemaL soll er nach der Anklage den Kontrollstempel auf der Karte verfälscht haben. Die Sache wurde ausgesetzt; es sollen noch weitere ©rmittelungen angestellt werden.
Ein wegen ürkundensälschung vorbestraster Kaufmann aus Gießen, gegen den heute wegen weiterer ürkundenfälschungen verhandelt werden sollte, war nicht erschienen. Es wurde Haftbefehl erlassen.
Amtsgericht Gießen.
Ein Eisenbahnschassner G. aus einem Vorort von Gießen wohnt bei einem Postverwalter D. daselbst in Miete. Die beiderseitigen Familien vertragen sich nicht mit einander, insbesondere scheinen auch die Frauen nicht recht miteinander auszukommen. Die Folgen dieses unerquicklichen Verhältnisses sind Beleidigungen, die zu drei Privatklagen führten. Zuerst hat D. den G. wegen Beleidigung feiner Frau verklagt. Da sich bei der Verhandlung herausstellte, daß die Beleidigungen geaenfeitig waren, wurde die Sache durch Vergleich dahin erledigt, daß jeder Teil seine eigenen Kosten und die Hälfte der Gerichtskoften übernahm. Dann hat G. die Frau D. wegen Beleidigung seiner Ehefrau verklagt. Da Jid) ergab, daß die Frau D. die Frau G. tatsächlich beleidigt hatte, nahm die Frau D. ihre beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern zurück und verpflichtete sich zur Tragung sämtlicher Kosten des ^Rechtsstreits, einschließlich des Sonberhonorars des Vertreters des Privatklägers. Schließlich hat G. den D. noch wegen Beleidigung und Körperverletzung verklagt, weil dieser ihn ohne Veranlassung auf den Boden geworfen, an der Kehle gewürgt und mißhandelt habe. Diese Sache konnte nicht genügend aufgeklärt werden, da Tatzeugen fehlten, und die Behauptung des D., er habe lediglich in Rotwehr den ihm auf der Treppe einen Stoß versetzenden ®. zurückgedrängt und zu Boden geworfen, ihn aber sonst keineswegs gewürgt und mißhandelt, nicht widerlegt werden konnte. Der Angellagte D. wurde deshalb im Zweifel mangels ausreichenden Beweises freigesprochen und der Vrivatlläger G. mit den Kosten dieser Sache belastet.
Gerichtssaal.
Das Urteil im Mordprozeh Meon aufgehoben.
WSR. Leipzig, 13. 3uli. Dom Schwurgericht in Darmstadt wurde am 8. Mai der Student 3oseph Meon zum Tode verurteilt. Der Angeklagte, der Sohn einer Bäckerfamilie. _ hatte bekanntlich am 21. Aug. 1925 die Stühe Anna Gellmann in feiner Wohnung ermordet. Der Angeklagte hatte in der Hauptverhandlung angegeben, daß er an jenem Abend nicht bei Sinnen gewesen fei und daß eine gewisse Affekthandlung vorliege. Der Staatsanwalt hatte auf Totschlag plädiert, jedoch war das Gericht über diesen Antrag hinausgegangen und hatte Meon wegen Mordes zum Tode verurteilt. 3n der heutigen Revisionsverhandlung vor dem Reichsgericht wurden von der Verteidigung besonders prozessuale Rügen geltend gemacht. Rach mehrstündiger Beratung erkannte das Gericht diese Beanstandungen als berechtigt an, hob das
| ürteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Dorrn st a n z zurück.
Dar betrogene Wohlfahrtsamt.
Frankfurt a. M., 12. 3uli. lWSR.) Der von feiner Frau getrennt lebende frühere Schutzpolizist Friedrich Seiner! wandte sich, nachdem er abgebaut war, zwecks ünterstützung an das Wohlfahrtsamt, das ihm im Lause der Zeit etwa 7 00 Marl Ünterstützung auszahlte, die Deinert gemeinsam mit seiner Geliebten, welche er auf dem Wohlfahrtsamt als feine Frau ausgab, verlebte. Das Klei, e Schöffengericht verurteilte Deinert deshalb zu drei Monaten Gefängnis, während seine Geliebte, eine Frau Heilmann, mit einem Monat Gefängnis davonkam.
(Ein schwerer Junge.
Trier, 13. 3uii. (WSR.) Wegen einer Meuterei im hiesigen üntersuchungs- gefängnis wurde hier der aus dem Kreise Lotzen in Ostpreußen stammende, zuletzt in Saarbrücken wohnhafte Ernst 3aschke zu einet Mindeftstrase von einem 3 a b r Zuchthaus und wegen Brandstiftung und Kirchenberaubung zu 12 3 ahren Zuchthaus verurteilt.
Zuchthaus wegen Mordversuchs.
Trier, 13. 3uli. (WSR.) Die Müllerwitwe Franz und ihr junger Liebhaber E r s ch f e l d von Eidenborn, anger'agt wegen Mordversuchs an dem Müller Franz, den sie im Stalle gewürgt und geknebelt hatten, dann aber auf fein inständiges Bitten hin von ihrem Vorhaben abließen, wurden zu sechs bzw. vier 3ahren Zuchthaus verurteilt.
Verurteilung eines Totschlägers.
Mannheim, 11. 3uli. lWSR.) Das Schwurgericht verurteilte den 23 3ahre alten Schmied Georg Friedrich Großmann, der am 24. 3anuar in der Friedrichsfelder Gemarkung seiner Schwester mit einer Eisenstange mehrere Schläge versetzt und sie dann gewürgt hatte, worauf der Tod eintrat. Gemäß dem Plädoyer des Verteidigers wurde der Täter wegen schwerer Körperverletzung mit nachgefolgtem Tode zu 8 3ahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 8 3ahren verurteilt. Die üntersuchungshast wird abgerechnet. Der Staatsanwalt halte wegen Totschlags auf 12 3ahre Zuchthaus plädiert. Erschwerend kam für das Gericht in Betracht die Scheußlichkeit der Tat und das Verhalten des Angeklaaten nach der Tat.
Jugendliche Derber für die Fremdenlegion.
Stuttgart, 13. 3uli. (WSR.) Das hiesige Schöffengericht verurteilte zwei stellenlose, schon mehrfach vorbestrafte Kaufmanns- l e h r l i n g e, die einen jungen Stuttgarter einer Werbestelle der französischen Fremdenlegion in Ludwigshafen zugeführt hatten, zu 5 und 4 Monaten Gefängnis. Der junge Mann war von dem Werbeoffizier wegen seines jugendlichen Alters zurückgewiesen worden.
Eingesandt.
(Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lchriftleitung.)
Rette Zustände in Gießen.
Dte Ruhestörungen nehmen in letzter Zeit in unserer Stadt sehr überhand, besonders in den äußeren Stadtteilen, wie Marburger Srraße. Wiesecker Weg usw.. Es vergeht fast kein Samstag oder Sonntag, ohne daß vom späten Abend bis zum frühen Morgen die Bewohner der genannten Straßen durch lautes Singen, Pfeifen oder 3ohlen in ihrer Rachtruhe gestört werden. 3st denn niemand da, der diesen „Sängern" das Handwerk legt? G— g.
Rundfunk-Programm
des frankfurter SenderS.
(Aus der »Radio-ümschau".) Donnerstag, 15. 3nli.
4,30 bis 5,45 ühr: Konzert des Hausorchesters: Die galante Zeit. 5,45 bis 6,05 Ühr: Die Lesestunde. 6,15 bis 6,45 ühr: „Die Westküste Rorwegens", Vortrag von Hans Budde. 6,45 bis 7,15 ühr: „Die Wohltätigkeitsmarken der Schweiz: Pro 3uventute", Vortrag von Dr. 3. A. Boßhard-Marburg. 8,15 bis 9,15 ühr: üebertragung von Kassel: Lautenlieder-Abend Robert Kothe und Lies Engelhardt. 9,15 bis 10,15 ühr: Abschieds-Abeird Richard Riedel. Anschließend bis 12 Ühr: üebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.
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