Ausgabe 
14.1.1926
 
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An den Bericht des Finanzministers

schloß

»ezeichnete der deutsch-

Die

selbst Dank

leben müßte, daß das deutsche Volk sich aufgibt. Hierfür aber sehe ich Gott sei keine Anzeichen.

Die Beauftragung Dr. Luthers

Bildung eines neutralen Kabinetts der Mitte.

tragen über die Förderung deS Wohnungs b a u e s. In der Debatte b>

Fürstbischof habe sich ein Feldkaplan der Miliz und ein hoher Offizier gemeldet und um Aus­kunft gebeten, ob der Fürstbischof das Schloß der Miliz zu dem angegebenen Zweck überlassen könne. Der Fürstbischof habe sofort seine Zu­stimmung gegeben. Später seien ihm bann Bedenken gekommen, da zu der Überlassung die Zustimmung des Kapitels erforderlich sei. Das Kapitol habe seine Entscheidung noch nicht gefällt.

die Stelle des ausscheidenden Finanzministers Ahrer den Rationalrat Joseph Kohlmann und an die Stelle des ausscheidenden Landwirt­schaftsministers Buchlinger den Tiroler Landtags­abgeordneten Andreas T h a l e r in die Regie­rung zu entsenden. Die Geschäfte des zurück­getretenen Außenministers Dr M a t a j a wird Bundeskanzler Ramek selbst führen. Aenderungen in den übrigen Ressorts sind nicht beabsichtigt. Die formelle Demission der Regie­rung wird voraussichtlich morgen erfolgen.

Line italienischeDrennerwacht"

DerLokalanzeiger" meldet aus Rom, daß in Mailand eine neue faschistische Organisation. /Brennerwacht", gegründet worden sei, die sich die schärfste Ilalienisierung der Grenzlande, vor allem Südtirols, zum Ziele gesetzt habe. Das italienische Generalkonsulat in München erklärt zu der Blättermeldung, nach der eine Rotte von Faschisten rauchend und bewaffnet in die Gemächer des Fürstbischofs von Br ixen eingedrungen sei und in brutaler Fornr die Herausgabe des Schlosses Br un eck zur Umwandlung in eine Miliz­kaserne gefordert haben sollte, daß diese Rach- richt aus dem Stegreif erfunden sei. Bei dem

wurde betont, daß die Demokraten sich nicht so leicht der Verantwortung entziehen dürften, wie die Sozialdemokraten und s. Zt. die Deutsch- nationalen. Es wurde gefordert, daß die Re­gierung Luther eine klare Stellung zur Fürstenabfindung einnehmen mühte. Auch wurde der Wunsch ausgesprochen, daß bei der programmatischen Erklärung der neuen Regie­rung die bekannten Koch'sch en Richtlinien berücksichtigt werden möchten. Bei den Bespre­chungen Dr Luthers mit den Parteiführern sind Persvnalfragen noch nicht berührt worden. Erst soll die grundsätzliche Bereitwillig­keit der Fraktionen herbeigeführt werden. Die Erörterung der Personalfragen ist dem Donners­tag Vorbehalten.

Die Wirtschaftliche Bereinigung konnte bei ihrem Empfang durch den Reichskanzler einer Aufforderung, in das Kabinett einzutreten, besonders wegen des Gesetzes über den Preis­abbau und nach dem scharfen Widerspruch des Handwerks gegen dieses Gesetz, keine Folge geben. Die Partei wird höchstens dem neuen Kabinett gegenüber neutral und ab­wartend sich verholten und sich ihre Entschei­dungen von Fall zu Fall Vorbehalten.

Die für Mittwoch abend vorgesehene Frak- tionssitzung der Deutschen Bolkspartci wurde abgesagt. Sie findet erst am Donnerstag nachmittag fiall. In der »Täglichen Rundschau" wird unterstrichen, daß die BezeichnungReutrale Regierung der Mitte" nicht etwa die Bil­dung eines überparteilich en Kabi­netts bedeutet. Die Deutsche Volkspartei steht jedenfalls auf dem Standpunkt, daß nur ein parlamentarisch fest fundiertes Ka­binett in Betracht kommt. Die Parteien, mit deren Führer Dr. Luther die Verhandlungen auf- genommen habe, müßten sich bereit erklären, auch die volle Verantwortung für das Kabi­nett au übernehmen. Der Gedanke eines Deam- tenkabinetts wird mit Entschiedenheit a b g e - lehnt.

Die Reichstagsfraklion des Zentrums hat sich heute abend in mehr als dreistündiger Sitzung mit der politischen Lage beschäftigt, die durch den Auftrag zur Regierungsbildung an Dr. Luther geschaffen worden ist. Zu einer Beschlußfassung gelangte die Fraktion jedoch noch nicht. Sie macht vielmehr ihre Entscheidung von dem Aus­fall der Verhandlungen über die fachlichen Voraussetzungen für den Eintritt von Zen­trumsmitgliedern in das Kabinett abhängig. Mit diesen Verhandlungen ist der Fraktionsvorsitzende Fehrenbach beauftragt worden, der sich mor­gen zu diesem Zweck zu Dr. Luther begeben wird. Danach gedenkt die Fraktion endgültig ihre Ent­schließung fassen zu können.

Wien. 13. Jan. (WTB. Amtlich.) ... Christlichsoziale Vereinigung hat beschlossen, an

nationale Abgeordnete Sonnenschein die Zwangswirtschaft als eigentliche Ursache der Wohnungsnot, während der sozialdemokra­tische Abgeordnete Luedemann seiner Ent­täuschung über die Haltung der Regierung in dieser Frage Ausdruck gab.

Erweiterung der Erwsrbs- losenfürforge.

Berlin. 13. Ian. (Wolff.) Im Reichs- tagsausschuß wurde ein Gesetzentwurf über Acn°- derung der Verordnung über Erwerbstosenfür- sorge vorgelegt, der die Einbeziehung der höher bezahlten Angestellten in die Erwerbslosenfürsorge zum Inhalt hat. Dem Gesetz soll rückwirkende Kraft vom 1. Ja­nuar 1925 ab verliehen werden. Es er­weitert das Recht zum Bezüge der Erwerbs- losenmrterstützung auf Angestellte mit einem Iahresverdienst von mehr als 2703 bis zu 6000 Reichsmark und verpf lichtet die Angestellten derselben Gehaltstlasse und ihre Arbeitgeber zur Leistung von Beiträgen. Doch soll der Teil des Arbeitsverdienstes unangetastet bleiben, der die Pflichtgren^e übersteigt. Die höher be­zahlten Angestellten werden also durchweg Bei­träge nach einem Iahrcsarbeitsverdienst von 2700 Reichsmark zu leisten haben. Die Bei- tragSeinziehung wird wie in den anderen Fällen den Krankenkassen übertragen.

Der Kabinettswechsel in Oesterreich.

Den Blättern zufolge ist unter dem neulralcn Kabinett der Mitte, das zu bilden Reichskanzler Dr. Luther beauftragt worden ist, eine Regie­rung zu verstehen, die sowohl nach rechts wie nach links unabhängig fein soll. Die­jenigen Blätter, die bereits in der Lage fein wollen, die Namen mehrerer Minister des neuen Kabinetts Luther zu nennen, be­zeichnen als voraussichtlichen Reichsfinanzminister den jetzigen sächsischen Finanzminister Dr. Rein­hold (Dem.). Für den Posten des Reichswirt­schaftsministers fei der Zentrumsabgeordnete Dr. Lämmer in Aussicht genommen. Für die Be­setzung des Reichsinnenministeriums sollen der demokratische Abgeordnete Koch und der Dolks- parteiler v. K a r d o r f f, für die des Justizmini­steriums der Zentrumsabgeordnete Marr und der Dolksparteiler C u r t i u s in Frage kommen. Auf ihren Posten verbleiben sollen Reichsaußenminister Dr. Strescmann, Reichswehrminister Dr. Geßler, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns. Die Stellung der Parteien

Berlin, 13. Ian. (BDZ.) Die demo­kratische Reichstagsfraktion nahm am Mittwoch abend den Bericht des Parteivorsitzen- öcn Dr. Koch über seine Unterredung mit dein Reichspräsidenten entgegen. Die Fraktion stellte sich nach eingehender Debatte einmütig auf den Standpunkt, daß die Demokraten sich nach dem Versagen der Sozialdemokraten an einem Ka­binett der Mitte beteiligen müssen. ES

WctL^rvorattHsagc.

Oestliche bis nördliche Winde bei zeitweise stärkerer Bewölkung, weiter kalt, leichte Schnee­fälle nicht ausgeschlossen.

Wenn auch in unserem Bezirk in den letzten 24 Stunden Druckfall eingetreten ist, so bleibt doch der Witterungscharalter bei weiterem Einströmen nördlicher bis östlicher kalter Luft im Bereich des sehr ausgedehnten russischen Kaltluftgebietes, das ganz Europa beherrscht, wenig verändert. Die stellenweise aufgetretene stärkere Bewölkung und Reigung zu leichten Riederschlägen bleibt jedoch bestehen, da anscheinend von Südosten her wär­mere Luft in die höheren Luftschichten vordringt.

Gestrige Tagestemperaturen: Marimum minus 5,8 Grad. Minimum minus 10,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 9.3 Grad Celsius.

23. Januar 1925 das Vertrauen versagt hatte, berechtigt war, den Erlaß vom 6. Februar 1925 über die Auflösung der Lehrersemi­nare usw. herauszugeben. Rach längerer De­batte trat das Harrs mit den Stimmen der Linken bis zum Zentrum den in dieser Angelegenheit gefaßten Ausschuhbeschlüssen bei. Darauf folgte die Beratung des Urantrags des Abg. Biesters (Dt. Hannov.) und Genossen, der behauptet, daß die Deutsch-Hannoversche Partei noch immer in einer äleberwachungsakte im Innen­ministerium geführt wird. Das Haus lehnte den Antrag gegen die Antragsteller ab. Sodann be­schäftigte sich das Haus mit verschiedenen An­

Aus aller Welt.

Der Bericht derHessen".

Berlin, 13. Jan. (Wolff.) Das Linienschiff Hessen" berichtet durch Funkspruch über die Lage u. a.:Hessen" ist trotz Warnung estlän- discher, finnischer und russischer Streife bis zur Mitte des Finnischen Meerbusens, etwa 26 Grad Ostlänge, vorgestoßen. Zunächst wurde leichtes Eis angetroffen, dann aber eine zähe, über einen Meter starke, starr in sich zusammenhängende Eisdecke, in der ein Borwärlstommen selbst mit der gesamten Maschinenleistung von 18 000 Pferdestärken nur durch dauerndes Bor- und Zurückgehen des Schif­fes möglich war. Es wird versucht, zunächst in Begleitung von zwei russischen Eisbrechern den nach Westen fahrenden Konvoi zu erreichen, der bei Hoaland steht und sich aus zwölf deutschen, fünf russischen, einem norwegischen und zwei anderen Dampfern zusammensetzt. Weiter westlich von Hog- land liegt außerdem der gestrandete deutsche DampferA l t e n g a m m e", dem jedoch, wie der russische EisbrecherLenin" berichtet, nicht geholfen werden kann.

Finnische Armeeflieger aus Wiborg haben auch gestern wieder in anerkennenswerter Weise die Dampfer mit Proviant versehen. Die russische Re­gierung ist in tatkräftiger Weise bemüht, Hilfe zu leisten, soweit sie es mit ihren gesamten Eis­brecherkräften vermag. In Anbetracht der seit Jah­resende schwierigen Eisverhältnisse die Tem­peratur zeigt minus 26 Grad bestehen für den Erfolg der Expedition des LinienschiffesHessen" nur noch geringe Aussichten.

Schwere (Hrttbenexplosion inOkiahama

W il b u rto n (Oklahoma), 13. Ian. (WB.) In einer Grube der Mc. Lenell Bergwerksgesell-- schäft ereignete sich eine schwere Exploston, durch die etwa 100 Bergleute verschüttet wurden. Die Explosion war so stark, daß das Grubenholz aus dem etwa 200 Meter liefen Schacht herausgeschleudert wurde. Eine mit Mas­ken ausgerüstete Hilfsmannschaft versuchte durch die noch offenen Lustschüchte zu den verschütteten Bergleuten vorzudringen. Es gelang acht Berg­leute zu retten. Alle acht sind Reger. Sie halten es für unwahrscheinlich, daß es der Rettungs­mannschaft möglich fein wird, bis zu den übrigen Verschütteten vorzudringen.

bic Steuern gesenkt hat und daS zumeist auf Kosten der Länder, so daß also in Wahrheit diese in weitgehendem Maße auf Steuern verzichtet haben. Daß wir darüber hin­aus in Hessen und das gilt auch für alle anderen Länder die eigenen Steuern des Landes nicht auch noch berabsetzen können wenigstens nicht für das Jahr 1926 das brauche ich nach den vorgetragenen Ziffern nicht mehr besonders zu begründen. Hier wird sich die Reform auf eine gerechte Verteilung der Steuern zu beschränken haben. Im übrigen wird sich das Problem mehr in der Richtung zuspitzen, ob der Steuerzahelr die Kraft und den Willen hat. die nun zweifellos kommenden schwe­reren Jahre durchzuhalten oder ob er auf die eigene staatliche Existenz seines Landes ver­zichten will.

Wenn Sie etwa den Wunsch haben sollten, einiges über die in Aussicht stehende Reform der L a n d es st e u e rn zu hören, dann muh ich Sie zu meinem Bedauern enttäuschen. Gewiß müssen wir außer der Sonder st euer (die Vorbereitung der Verordnung ist im Gange) auch die Grundsteuer und Gewerbe­steuer in einzelnen Punkten den veränderten Verhältnissen anpassen. Aber eine durchgreifende Reform dieser Steuern, die dringend nötig ist (insbesondere durch Einführung der für die Reichssteuern festzustellenden Vermögenswerte und durch endgültige Feststellung des Ertrags für die Gewerbesteuer) kann leider zur Zeit noch nicht vorgelegt werden, da das Reich uns die erforderlichen Unterlagen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1926 wird liefern können. Die demnächst vorzulegenden Gesetze werden darum wieder nur Provisorien von hoffentlich kurzer Dauer vorstellen.

Dav Bild, daß ich Ihnen aufzeigen muhte, ist zwar kein fremdes und keine Ausnahme im Deutschen Reiche, aber es ist trüb, und das be­drückt niemanden mehr als mich selbst, der ich es täglich mit allen seinen unerfreulichen Aus­wirkungen vor Augen habe. Trotzdem habe ich den Mut und die Zuversicht in 'all den sieben schweren Jahren nicht verloren. Ich werde beides erst in dem Augenblick einbüßen, wenn ich es er-

Berlin. 13. Ian. (Wolff.) 21 mllich. Der Herr Reichspräsident empfing heule vor­mittag um 11 Uhr die Abgeordneten Hehren- b a ch und koch, die ihm über die Verhandlungen tur Schaffung der Großen Koalition und deren negatives Ergebnis berichteten. Der Herr Reichspräsident dankte beiden Herren für ihre Bemühungen und ihren Bericht. Er er­klärte. nachdem alle Versuche zur Schaffung einer Regierung auf der Grundlage einer Mehrheit ge­scheitert seien, werde er nunmehr eine neutrale Regierung der Mitte schaffen. Er richtete an die beiden Parteiführer das Ersuchen, ihn an­gesichts der Rotlage des Vaterlandes hierbei kräftig zu unterstütz e n. Die Herren Koch und Fehren­bach nahmen dies zur Kenntnis und erklärten sich zu Verhandlungen auf dieser Grundlage bereit.

Um 11.30 Uhr empfing der Herr Reichs­präsident den Reichskanzler Dr. Luther und beauftragte ihn mit der Kabinettsbildung. Dr. Lu­ther hat den Auftrag angenommen. Er be­rief im Laufe des heutigen Rachmittags d i c Führer der Mittelparteieu zu einer ersten Aussprache.

sich eine Pause an. Rach Wiederaufnahme der Verhandlungen teilt Präsident Adelung mit, daß der Aeltestenrat sich mit dem Anträge Dr. Greiner wegen des Kirchenaustritts beschäftigt habe, dessen Abstimmungsergebnis an- gezweifelt wurde. Die Feststellungen des Aeltesten- rates hätten ergeben, daß tatsächlich eine Mehr­heit für den Ausschutzantrag vorhanden war.

Es werden hierauf einige Kleine Anfragen von der Regierung beantwortet und einige Vor­stellungen von Einzelpersonen wegen ihrer Ge­haltsverhältnisse gemäß den Ausschußanträgen erledigt. Ein Antrag der Abgeordneten Dr. Werner und Gen. über die Anstellung von Der- sorgungsanwärtern wird durch die Regierungs­antwort für erledigt erklärt.

Gin Antrag der Abgeordneten Frau He - räus und Gen. über den Erlaß eines Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrank­heiten usw. gibt Veranlassung zu Debatten über daS Gemeinbebestimmungsrecht, weil die Regierung darin aufgefordert wird für den Gesetzentwurf einzutreten. Die Mehrzahl der Abgeordneten spricht sich entschieden gegen das Gemeindebestimmungsrecht aus, namentlich die rheinhessischen Abgeordneten, weil man darin ' eine Vorbereitung zur Trockenlegung Deutsch­lands sieht. Die weiblichen Abgeordneten treten für das Gesetz ein.

Die Abstimmung über den Antrag Heraus findet morgen statt. Schluß der Beratungen um 1.15 Uhr: nächste Sitzung Donnerstag, 9 Ähr. L ---------

Aus dem Reichstag.

Die Abgeordneten haben im gegenwärtigen Augenblick nur wenig Zeit, um ihr Interesse den Dingen zuzuwenden, die im Plenum zur Bera­tung stehen. Zum größten Teil werden fifc von ihren Fra ktivn en in Anspruch genommen, die fast alle auch am Mittwoch nachmittag Sitzungen abhielten, um zu der durch die Be­trauung Luthers erfolgten Veränderung der Gesamtsituation Stellung zu nehmen. In­folgedessen war die Reichslagssihung nur von kurzer Dauer. Die Tagesordnung konnte rasch erledigt werden: das vorläufige Wirtschafts­abkommen mit Spanien ging dem Aus­wärtigen Ausschuß zu, ebenso der Entwurf eines Gesetzes über den Zusatzantrag zum deutsch- niederländischen Handels- und Schiffahrtsvertraa vom 31. Dezember 1851 und über den deutsch-niederländischen Zoll- und Kreditvertrag. Dann war das Haus schon beim letzten Beratungsgegenstand, der Abän­derung des Reichsknappschafts­gesetzes. angelangt, zu der nur der Sozial­demokrat Zansch ek und der Zentrumsabgeord­nete I m b u s ch sprachen, die über die um­strittene Familienhilfe hinaus noch weitere Wünsche zur Besserstellung der Versicherten vor- brachten. Um 4 Uhr wurde die Sitzung abge­brochen, da Herr Luther im Reichstag erschie­nen war, um mit den einzelnen Fraktionen .Fühlung zu nehmen.

Der Aeltestenrat des Reichstages einigte sich dahin, daß am Freitag die Anträge zur Be­hebung der Hochwasserschäden beraten werden sollen. Samstag, Montag und Dienstag sollen für die Vorbereitungen zur Bildung der neuen Regierung von Plenarsitzungen frei blei­ben. Am Mittwoch soll möglichst die Regie­rungserklärung und anschließend die erste Beratung des Etats erfolgen. Der Aeltestenrat hat sich weiter darüber verständigt, daß ein inter­fraktioneller Ausschuß für Oft fragen und ein internationaler Ausschuß für die mit der Pflege der Leibesübungen zusammenhängenden Fragen beim Reichstag eingesetzt werden "sollen.

Es wurde noch angeregt, doch endlich die 3. Lesung des Reichshaushaltsplans für 192 4 und 1 925 zum Abschluß zu bringen, nachdem bereits der erste Haushaltsplan für 1926 vorgelegt worden ist. Es wurde vorgeschla­gen, die beiden Haushaltspläne in Bausch und Bogen in einer oder zwei Sitzungen zu erledigen.

Preußischer Landtag.

Berlin. 13. Jan. Dor schwach besetztem Hause wandte sich der Landtag der Beratung E>e£ Teiles einer großen Anfrage der Deutsch- nationalen zu, der fragt, ob der damalige Kultus tnlnifter Braun, obwohl ihm der Landtag am

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 14. Januar 1926.

D. Dr. Damaschke über die Bodenreform.

Adolf Damaschke, der von der theo­logischen Fakultät unterer Landes - Universität kürzlich zum Ehrendoktor ernannte Vorkämpfer eines neuen deutschen Dodenrechts, den seine zahlreichen und mächtigen Gegner mit größter Energie bekämpfen, dem anläßlich seines kürz­lichen 60. Geburtstages weite Kreise des deutschen Volkes außerordentliche Ehrungen darbrachten, am Vortragspult in Gießen das war in un­serer an geistigem Erleben wirklich nicht armen Stadt ein ganz besonderes Ereignis. Kein Wun­der, daß zu diesem Vortragsabend der hiesigen Orksgritppe des Bundes deutscher Bodenreformer am Dienstag in der Universitätsaula eine Fülle bon Zuhörern zusammengeströmt war, wie man fic in diesem Umfang eben nur bei hervor­ragenden Gelegenheiten bemerken kann. Die Spitzen der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden, zahlreiche KommunalPvtttiker, selbst verständlich auch die geiftig schaffenden Kreise unserer Stadt und endlich Männer und Frauen aus allen Schichten und Berufen wollten hören, was dieser Führer einer tiefwivkenden Bewegung überdie sittlich-religiöse Bedeu­tung der Bodenreform" zu sagen hatte, welche neue Wege er wies aus der Dodennot und dem Wohnungselend der heutigen Zeit.

Einleitend stattete D. Dr. Damaschke in tiefempfundenen Dankesworten der Landes-Uni­versität seinen Dank ab für die hohe Auszeich­nung, die ihm durch die Ernennung zum Ehren­doktor der Alma mater Ludoviciana. zuteil ge­worden. Bon dieser Ehrung durch die theologische Fakultät ausgehend, rühmte er die Kirche als das soziale Gewissen unseres Volkes, und be­sprach dann in schlichter, von allem rhetorischen Blendwerk freien und dennoch außerordentlich fesselnden Weise die Grundgedanken der Boden­reform, ihre Bedeutung für unser Volk und ihre Umsetzung in die Wirklichkeit. Diese Bewegung will unser Volk weder dem Mammonismus im Westen, noch dem Kommunismus im Osten aus­geliefert sehen. Zwischen diesen beiden Polen stehend, ihrer hohen kulturellen Bedeutung be­wußt, müssen die 80 Millionen Deutsche sich be­streben, daß der Gent ein schaftsgedanke in ihrem Volksleben bestimmend wird, soweit es sich um den unproduzierbaren und untranS- pvrtierbaren Urgrund ihres Daseins handelt, um den Grund u n d Boden. Gegenüber dem Kapitalismus, der den Boden in spekulativer Absicht unter das Gesetz des freien Marktes zwingen will, fordert die Bodenreform, daß man dieses Gut unseres Volkes unter soziales Recht steltt. daß man der freien individuellen und genossenschaftlichen Betätigung nur die Güter überläßt, die durch menschliche Arbeit beliebig vermehrt und ebenso beliebig tranpor­tiert werden können und die durch diesen freien Austausch ihren gerechten Preis finden. Der bodenreformerische Gedanke fordert also als ent­scheidenden Inhalt des neuen Dodenrechts soziale Freiheit und Gerechtigkeit. Die als gut und recht erkannten Wahrheiten müssen in den Gang der Entwicklung eingefügt und diese so beeinflußt werden, daß das Ungerechte ausgeschieden und das Gesunde, Zukunftsstarke gefordert wird. Schon Moses und Iesaias haben in ihre Zeit Gedanken h'.neingetragen, die bodenreformerisch waren, und diese Ansichten sind nie ganz versunken. Aber auch die Gegenströmung hat sich schon von alters- her stets gezeigt, und sie ist immer mächtiger ge­worden bis auf den heutigen Tag: ein fesselnder Rückblick auf die Jahrhunderte unserer Vor­fahren zeigte das stete Ringen der beiden Kräfte. Die Folge der heutigen spekulativen Behandlung des Bodens als Marktware «durch Terrain­gesellschaften. Boden-Aktiengesellschaften usw.) ist die furchtbare Wohnungsnot, die nicht nur in den Großstädten, sondern überall entsetzliche Zustände zeitigt. Durch die Elendsverhältnisse im Wohn­wesen wird das physische und seelische Leben, die Sittlichkeit und Religion von Millionen von Menschen zerstört: nicht nur daS Individuum, sondern auch die Volksgesamtheit leidet darunter schwer: durch die körperlichen, seelischen und sittlichen Schäden der von dieser Geißel mit* betroffenen Jugend wird auch die nächste Gene­ration in das entsetzliche Leid hineingezogen. Da­gegen gibt es nach der Ueberzeugung der Boden­reformer nur ein Mittel: die Lösung des Grund und Bodens aus der heutigen Rechtsform, seine Stellung unter soziales Recht und damit die Verhinderung der Behandlung des Bodens als Marktspekulation. Schaffung von gesunden Klein­wohnungen. insbesondere von Heimstätten mit Gärten. Die Handhabe zu diesen Reformen gibt der Art. 155 der Reichsverfassung. dessen Ver­heißungen jetzt in einem Gesetz Wahrheit werden sollen. Für diese Aufgabe gelte es nun alle Kräfte einzufetzen, denn der Kampf werde schwer. Die Bodenreform gehe in diesen Kamps in dem Bewußt­sein, daß es sich hier um ein Stück Kultur unseres Volkes, ja vielleicht fogar der Menschheit handle, sie ühre diesen Kampf in der Ueberzeugung, hohen ozialen Ideen und den ewigen Gesetzen des Chri- tentums zu dienen. D. Dr. Damaschke schloß, er sei durch manche Lehre durchgegangen, aber keine habe er gefunden, die so tief sozial sei als das Christen­tum. Die Bodenreform fei eine religiös-wichtige Aufgabe. Darum werde er die Bodenreform ver­treten atich als Doktor der evangelischen Theologie.

Der außerordentlich eindrucksvolle Vortrag, dem man mit lebhaftem Interesse folgte, sand den lang- anhaltenden starken Beifall der Zuhörer. Der Vor­sitzende, Pros. Dr. Meige n, legte in einem kur­zen Schlußwort den Besuchern nahe, den auf das Volkswohl gerichteten Bestrebungen der Boden­reform helfend und fördernd beizustehen.

Neufestsetzung der Ianuarmiete.

Das hessische Gesamtministerium gibt bekannt: Mit Rücksicht auf einen dem Reichstag vorliegen­den Antrag, wonach die lOOprozentige Friedens-- miete statt am 1. April 1926 erst zum 1. April 1927 erreicht werden soll, wird die Bekanntmach­ung der Landesregierung vom 28. Dezember 1925 zunächst bis zum. 1. Februar d. I. außer Kraft gesetzt. Die gesetzliche Miete für den Monat Januar 1926 bleibt demnach dieselbe, wie sie für bei: Monat Dezember 1925 festgesetzt war. (Also 88 Prozent. D. Red.)

GLcszcncr i Marktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarklc: Butter 130160, Matte 3540, Käse 6070, Wir­sing 1520, Weißkraut 1015, Rotkraut 25, aelve Rüben 1-5. rote Rüben 15, Spinat 50, Unter-Kohl-