band zählen will, ist kommunistisch geworden. Dis zu diesem Metzer Sonntag ist die Einheitlichkeit der Eisenbahnerbewegung und die Führer- stellung des Aktionskomitees durchaus gewahrt geblieben. Man kann also von außen nicht beurteilen, welche Rolle die Kommunisten in der Dewegung gespielt haben. Daß sie den Willen zur schärksten Aktion haben, wird man aber bis zum Beweis des Gegenteils annehmen können. Sie sind Treiber auf dem Wege, an dessen Ende aus eine in sich maßvolle und berechtigte Volksbewegung der Zusammenbruch wartet.
Denn es ist kein Zweifel, daß die Eisens bahnerbewegung trotz ihres reinen Standes- charakters schon wegen der Wucht ihrer Massen weittragende Bedeutung hat für die politische Volksbewegung, die zugunsten der Forderung der provinziellen Autonomie durch Elsaß-Lothringen geht. Einer kommunistisch geführten Bewegung kann keine französische Regierung auch nur um eine Linienbreite nachgeben, einer kommunistisch erscheine;'den Dewegung werden sich die großen Massen entziehen, und die lange erfolgreich gewahrte Einheit würde zerfallen. Darum ist es erfreulich, daß in der bürgerlichen Mitte die „Einheitsfront" der elsaß-lothringischen Volksbewegung sich zu verdichten und zu verschmelzen beginnt unter Zurückdrängung der Parteigegensätze zwischen elsässischen Radikalen und Klerikalen. Das neue Leitwort „Einheitsfront" ist freilich noch weit von der vollen Wirklichkeit entfernt. Diese Parteizäune stehen noch, aber immerhin spricht man nachbarlich über sie hinweg. älnd schon das, daß das Wort entstehen konnte zwischen Gruppen, die gestern noch überlieferter, mehr als halbhundertjähriger Partei- Hader trennte, ist eine Tatsache, die etwas verspricht für die Zukunft.
Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
d. Heuchelheim, 12. April. Am Samstagabend wurde hier in einer Interessentenversammlung ein Radfahrerverein gegründet, dem man den Ramen „R a d - fahr erverein 1926 Heuchelheim" gab. 45 Mitglieder traten dem Verein sofort bei. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Hermann Dolkmann, 1. Vorsitzender: Jakob Funke, 2. Vorsitzender: Theodor Mandler, Schriftführer: Albert S t e i n m ü l l e r. Kassierer: Otto Sack, Straßensahrwarf, Ludwig Schäfer. Saalfahrwart: Max Rinn, Zeugwart: Ernst Rinn, Kontrolleur. Der 1. Vorsitzende des Krofdorfer Vtzreins, Herr Schmidt, überbrachte Grüße seines Vereins und gratulierte zu der Reugründung. 2n seinen weiteren Aus- führungen sprach er über die Rotwendigkeit der
Die englische Kohlenkrise.
Seit nahezu einem Jahr überschattet die Krise im englischen Bergbau und die mit ihr zusammenhängende Unruhe unter der Bergarbeiterschaft alle innen» und außenpolitischen Probleme Großbritanniens. Der Rotbehelf vom vorigen Sommer, dem Bergbau durch staat - liche äln t e r st ü tz u n g e n unter die Arme zu greifen und ihm damit das Mittel der Selbsthilfe in Form von Lohnherabsetzungen und Arbeitszeitverlängerungen, was unbedingt zu einem riesigen Streik geführt hätte, vorläufig aus der Hand zu schlagen, hat sich als völlig unbrauchbar erwiesen: die Zuschüsse je Sonne Förderung sind weit über die Voranschläge hinausgewachsen, der Absatz hat sich zwar einigermaßen gehoben, auch die 'Dergarbeiterverbände konnten bis auf weiteres einigermaßen zufriedengestellt werden, die Krise selbst ist aber heute schärfer denn zuvor, es läßt sich nicht mehr bestreiten: der englische Bergbau, die wichtigste Grundlage des englischen Wirtschaftslebens steht vor dem Bankerott. Das wird von keiner Seite mehr abgeleugnet, auch die Königliche Kommission, die dieser Tage ihre älntersuchungen über die Möglichkeiten einer Abwendung des Zusammenbruchs untersucht hat, gesteht das. wenn auch nur zwischen den Zeilen ihres Berichtes, zu. Unter diesen Umständen ist es nur zu begreiflich, wenn die Aufregung in England immer größer wird, und wenn namentlich an Vorwürfen gegen das Kabinett Baldwin nicht gespart wird, das jetzt den ganzen Anprall des Parlaments und der Presse auszuhalten hat, und dem man vvrwirft, es tue nichts, um die drohenden Gefahren von der Kohlenindustrie abzutvenden und das Land vor den schwersten Erschütterungen zu bewahren. 3n der Tat hat auch die Regierung bisher eine vorsichtige Zurückhaltung an den Tag gelegt; ihre gesamte Aktivität auf diesem ©ebiete hat sich vorläufig einmal ht der Einsetzung der oben erwähnten Königlichen Kommission erschöpft.
Was nun weiter werden soll, ist dem Premierminister und seinen Ministern noch ebenso • unklar, wie den Unternehmern und den Bergarbeiterorganisationen. Die ersteren stehen auf dem Standpunkt, daß Lohnherabsetzungen und Arbeitszeitverlängerungen unumgänglich notwendig seien, um den Bergbau von den enormen Gestehungskosten einigermaßen zu
ri. Lich, 12. April, 3m Alter von 79 Jahren starb hier der fürstlich solms-lichische Daurat t D. Sari Schön, ein well über die Grenzen unserer Stadt bekannter und allgemein beliebter Mann. Der Verstorbene, ein Kind unserer oberhessischen Heimat, von Collar gebürtig, kam schon als junger Mann hierher und trat in den Dienst des Fürsten von Lich als Baumeister. Lange Jahre war er zugleich auch in derselben Eigenschaft im Dienste des gräflichen Hauses Solms-Laubach tätig. Auch um das städtische Gemeinwesen hat er sich sehr verdient gemacht, so z. D. als Kommandant der Feuerwehr in einer Zell, als die Feuerwehren in Oberhessen ausgebaut wurden. Daurat Schön hatte eine besondere künstlerische Begabung für Schnitzarbeiten; sehenswerte Kunstwerke sind aus seiner kundigen Hand hervorgegangen. Dem Vaterland hat er den einen seiner Söhne geopfert, der in Oberschlesien als Arzt tätig war. Der andere Sohn ist Kreisdirektor des Kreises Bingen.
: Birklar, 12. April. Zu der Rotiz von Steinbach (in Rr. 82 des Gieß. Anz.) „Eine Seltenheit im Reich der Pflanzenwelt" wird rnllgeteilt: Die gemeine Kuh- schel le, auch Küchenschelle genannt, (Pulsatilla vulgaris) kommt auch in unserer Gemarkung noch vor. Dort, wo der Fußweg nach Lich in den Hardtwald einbiegt, im Steinbruch, rechts des Wegs, sind eben dis letzten Küchenschellen am Blühen. Vermittels ihrer langen Wurzel (bis 50 Zentimeter), ihrer -seidenartigen Behaarung und ihrer kleinen Blattflächen vermag die ehemalige Steppenpflanze der Wasserarmut ihres Standortes zu trotzen.
ri. Nieder-Bessingen, 12. April. Dom Lehrerabbau betroffen wurde auch unser Schuloerwalter Mori, der seit dem vergangenen Sommer, seit der Krankheit und dem Tode unseres langjährigen Lehrers Graulich, der hiesigen einklassigen Schule Vorstand und auch den Organistendienst übernommen hatte. Seine Abberufung wird um so schmerzlicher empfunden, weil geraoe eine einklassige Schule einen Wechsel der Lehrer nicht gut verträgt.
:—: Trais-Horloff, 12. April. Ein in unserer Gegend sonst als Zugvogel durchkommender Gast hat sich in den letzten Tagen hier wieder eingefunden. Es ist der in Niederdeutschland und Holland allbekannte Kiebitz, auch Giebitz und Geibitz genannt. Die in unserer Gemarkung entstandenen Einbruchstciche und deren sumpfige Umgebung sind ihm zur neuen Heimat geworden. Auch in den großen Weideplätzen des Dogelsbergs, namentlich zwischen E n g e l r o d und R e b g e s h a i n , ist er noch ein ständiger Gast. Melancholisches „Kiwir, kiwit" schreiend, erhebt sich der schöne, oben metallisch grüne, an der Schulter oiolcttpurpiirne Vogel mit dem langen schwarzen Kopffederbusche und rudert mit seinen langen, 8-sörmig geschwungenen spitzen Flügeln gaukelnd durch das Luftmeer dahin. Dabei leuchtet das klare Weiß seiner Bauchseite hell auf. Die Stelzbeine und der Bau des Schnabels zeigen, daß der taubengroße Bogel ein Verwandter der Schnepfe ist. Er ist ein recht nützlicher Vogel und ernährt sich hauptsächlich von Würmern, Insekten und deren Larven. W2d umfliegt er uns, wenn wir seinem Nest, das zwischen den Halmen eines Grasbüschels im Sumpfe liegt, zu nahe kommen. Die gelbbraunen, dunkelgefleckten Eier, meist vier Stück in einem Gelege, werden ihres Wohlgeschmacks halber von den Landbewohnern eifrig gesucht. Doch ist dieses Sammeln eigenllich verboten und darf nur von dem Jagdberechtigten vorgenommen werden.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 11. Avril. Ein musikali. fches Ereignis ersten Ranges war es, das heute das kunstliebende Publikum Friedbergs in dem Saale des Safinas vereinigte. Durch persönliche Beziehungen war es gelungen, einen der bedeutendsten Klavierkünstler der Jetztzeit, Alfred Höhn, zu veranlassen, auch in unserer Stadt einen Klavier« abend zu veranstalten. Ein ausgewähltes Programm, in dem neben Bach, Beethoven, Reger, Chopin auch moderne Komponisten, wie Hindemith, zur Geltung kamen. Die virtuose Technik und über« ragende Künstlerschaft erregten allgemeine Bewunderung und stürmischen Beifall; die Glanzstücke des Abends waren wohl die Sonata appassionata op. 57
fängt zu fingen. Nicht, als ob sie auch nur im geringsten an Wirkung dächte, die ihr Lied hervorbringt. Nein, es ist wohl etwas in ihr, Glück, Weh- mut, seliges Paradies oder dergleichen, und das schwebt nun heraus. Vielleicht soll es auch ein Lied sein, wie lieb sie ihre Mutter hat. Ein langes, un- beirrtes Lied von der Kindesliebe. Es hat ungefähr zweitausend Strophen und beginnt mit dem ^süßen Namen der Mutter, mit Jaja. Und dazwischen ist nichts als Jaja. Die Hauptkunst liegt, wenn Ich mich recht darauf verstehe, in der Ausdauer. Und die Feinheit der Melodie in dem unvergleichlichen Nachlassen und Anschwellen der einzigen Note. Aber ich glaube, ich verstehe mich doch nicht recht darauf. Wer kann denn für gewiß sagen, wie es in so einer Kindesseele aussieht, was sie denkt, wenn sie aus den großen Augenfenstern in die seltsame Welt hinausguckt, und was sie meint, wenn sie in ihrer Unschuld zu fingen anfängt. Ist sie nicht wie ein Lichtlein, wie ein zarter Nebelstern, der verwundert im dunklen All hängt? Und niemand begreift ihren stillen Aufgang und ihren Sinn.
Regula kümmert sich natürlich nicht um meine Gedanken. Sie hat herausgefunden, daß es sich viel besser macht, wenn zu gleicher Zeit gesungen und getrudelt wird. Die Einfügung einiger Hopser vollends ergibt eine so anmutige Variation, daß unmöglich daraus verzichtet werden kann.
Jaja . . hops hops . . jaja . . hops hops . . jaja. .
Ich bin ncugieria, wer sich zuerst beschwert: Frau Bankdirektor Lawes über uns oder Frau Landrat Heilmann unter uns. Uebrigen«, meine Frau könnte doch be.m Skandal ein bißchen Einhalt gebieten! Du lieber Himmel, wir verkrachen uns mit allen Menschen! In meiner Verzweiflung sehe ich mich im Bett auf und fauche ärgerlich vor mich hin Sofort wird es auf dem Vorplatz mäuschenstill.
Tap . . tap . . tap . . Vorsichtige Schrittchen.
Regula kommt näher und näher . . . Vor meiner Schlafzimmertür bleibt sie stehen und läßt ihrerseits em leises Fauchen vernehmen. Golt mag wissen, woher sie alle ihre Vollkommenheiten hat, aber dies Fauchen, das kann sie genau so gut wie ich, so ganz hinten in der Kehle, so dämonisch. Ach, du bist doch mein allerentzückendstes Kindchen! Ich fauche ihr eine verliebte Antwort entgegen.
„Goigoi. .!" singt sie.
Ach was, Goigoi!! Fauchen sollst du!
„Goigoi . .!"
Rein, ich will nichts mehr von ihr wissen.
Sie steht vor der Tür und regt sich nicht. Ich hure, ach, ich sehe es förmlich, wie sie ihr winziges Mündchen an die Türrihe preßt und ein bettelndes Fauchen hindurchhaucht.
Hach!
Mein Herz hüpft auf und ab vor Glück. Ich donnere ihr eine wahre Cyklons-Antwort zu, ein Fauchen, das mindestens zwei Minuten dauert und wirklich voller Majestät ist.
„Hähä!" lacht sie und macht einen kleinen Hopser und faucht wie ein Kätzchen zurück und horcht.
Ich lasse mich nicht lumpen, und so geht es eine Weile hm und her. Mer schließlich schweigt sie. Ich fauche wie ein rasender Kater, sie schweigt. Ich fauche wie ein Tiger, wie ein Nilpferd, wie ein Jchtno- saurus, sie schweigt.
Erschöpft falle ich ins Kissen zurück. Gut, lassen wir es für heute fein! Eine Zeitlang bleibt alles still. Dann ertönt ein energisches Stimmchen:
„Ausfff!"
Ich will dir was pfeifen!
»Auffff . .!"
Ungeschickte Fingerchen tasten an der Tür herum, pressen sich in jeden Ritz, knuspern und zerren.
„Aufs.
Wer es ist nichts zu machen. Wieder Stille. Was denkt sie sich nun wohl aus? Ganz harmlos, als ob nichts geschehen wäre, singt sie:
„Moi . .!"
Auf deutsch: Guten Morgen!
Sieh einer an! Und einen kleinen Hopser macht sie 0"ch^zu. Nein, ich schlafe erbarmungslos weiter.
„Moi, Goigoi!"
Hoos —
Sie horcht, sie hält den Atem an und horcht. Die Tur bleibt geschlossen. So eine verfluchte Tür! Wenn ich sie so ansehe, wie sie sich breit und kalt und ohne allen Verstand zwischen mich und Regula drängt, verstehe ich es fast ein wenig, daß sie ein Kinderherz Zur Verzweiflung bringen kann. Und das tut sie. Nachdem Regula bislang auf gütige Weife versucht hat, diesen Sesam zu öffnen, führt sie jetzt die Gewalt ins Treffen. Mit einem trompetenartigen Krähen wirft sie sich gegen die Tür. Nur zu' Noch einmal! Die Tur bubbert und lacht.
3ft es zu glauben, denkt Regula, da soll doch gleich! Sie versucht, der Tür einen Tritt zu verabreichen. Aber das geht nicht so leicht. Man muß einen Augenblick auf einem Sein stehen und alle Kraft in den Schwung des anderen legen. Und das ist wegen des Gleichgewichts eine verteufelte Sache.
Na, da fällt sie auch schon um.
»Rumba!" konstatiert sie sachlich, steht wieder auf und bearbeitet die Tür von neuem.
Da sage einer, was er will, solche Kämpfe eines winzigen Menschleins mit Türen und dergleichen sind ebenso bewundernswert, wie die irgendwelcher Heroen sagenhafter Zeiten mit Drachen, wilden Schweinen und Riesen. Wohin so ein Kind sich in
befreien. Die zweiten dagegen fordern energisch Rationalifierung des Bergbaus, wenn auch nicht in dem Sinne einer ausgesprochenen Sozialisierung. Immerhin haben die Gewerkschaften mit dieser Forderung doch so ziemlich alles und alle gegen sich aufgebracht, auch die Königliche Kommission hat entschieden diesen Standpunkt abgelehnt, wenn sie auch versucht, den Wünschen der Bergarbeiter nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Infolgedessen laviert sie mit ihrem Bericht zwischen den beiderseitigen Standpunkten hin und her, ohne zu positiven Vorschlägen zu kommen. Auf der anderen Sette hat die Regierung nichts weiter getan, als die Grubenbesitzer und die Gewerkschaftler an einen Tisch gebracht und sie dort ihrem Schicksal überlassen. Bei der Ziellosigkeit der Vorschläge der Kommission komtte es nicht ausbleiben, daß die st reitenden Gruppen heute aneinander vorbeireden, ohne sich auch nur in einem Punkte irgendwie näher kommen zu können. Alle Konferenzen sind bisher ergebnislos verlaufen, die Lage fängt allmählich an, kritisch zu werden, zumal mit dem 30. April die staatlichen Zuschüsse aufhören sollen und der Bergbau dann vor der Tatsache steht, mit Verlust arbeiten zu müssen oder die von ihm empfohlenen Vorschläge zur Durchführung au bringen. Da sich diese hauptsächlich gegen Die Bergarbeiter richten, diese aber von ihrem Standpunkt unter keinen älmständen abgehen wollen, ist der Kamps unvermeidlich. Darum auch das riesige Interesse, das den Beratungen in England entgegengebracht wird, darum die heftigen Vorwürfe gegen die untätig beiseite stehende Regierung.
Einen Punkt allerdings, und das ist der wertvollste in dem 'Bericht der Königlichen Kommission, scheinen die beiden Parteien nicht beachten zu wollen: daß nämlich der englische Bergbau heute unter einer zu großen Produktionskraft leidet, der ein stark zu - sammengeschrumpftes Absatzgebiet gegenüber steht. Richt einmal der heimische Markt ist fähig, auch nur annähernd die Mengen aufzunehmen, die er vor dem Kriege verbrauchte. Wollen die Engländer der Rotlage ihrer Kohlenwirtschast einigermaßen steuern, bann müssen sie wohl oder übel, genau so wie der deuttche Bergbau es getan hat, in den sauren Apfel beißen und Zechenstillegungen in gewaltigem Ausmaß vornehmen, damit die großen und leistungsfähigen Betriebe am Leben bleiben können. Hinzuzutreten hat die Beseitigung des preissteigernden Zwischenhandels, an dessen Stelle nach Vorschlag der Kommission eine zentrale Verkaufsoereinigung gesetzt werden soll. Aber gerade diese zwingenden Rot- Wendigkeiten wollen beide Parteien nicht erkennen: die Grubenbesitzer nicht, weil sie die kleineren Betriebe nicht schließen wollen, die Gewerkschaften nicht, weil das vorläufige Vermehrung der Arbettslosigkeit bedeutet. Da mit einer Anpassung des Bergbaus an die Aufnahmefähigkeit der Märkte nicht zu rechnen ist, der Staat aber Zuschüsse nicht mehr gewähren kann und praktische Lösungsvorschläge nicht bestehen, droht die Krise in eine Katastrophe auszuwachsen.
Zugehörigkeit zu einem Bunde und empfahl den Beitritt zu dem Bund Deutscher Radfahrer. Die Versammlung war grundsätzlich für den Beitritt, will aber die endgültige Beschlußfassung der nächsten Hauptversammlung Vorbehalten.
5. Rödgen, 12. April. Ein „Stein des A n st o ß e s für alle Langholzfuhrwerke, die, von Großen-Buseck kommend, vor unserem Dorfe nach Trohe umbiegen, ist beseitigt worden, indem der Kreis diese gefährliche Ecke abrunden und die Straße an dieser Stelle um 4 bis 5 m verbreitern ließ.
s. Großen-Buseck, 12.April. Arn letzten Sonntagabend veranstaltete der Mandolinenverein Reiskirchen (Ortsgruppe des L.H.B.) im Saale des Gastwirts Wagner einen mujika - lischen Werbeabend, der sehr gut besucht war.
: Oppenrod, 11. Avril. Hier fand heute durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer K a l b h e n n von Großen-Buseck, die Konfirmation der Schulentlassenen statt. Es wurden 3 Knaben und 4 Mädchen eingesegnet.
: Beuern, 11. April. Bei der heute hier stattgefundenen Konfirmation wurden 9 Knaben und 7 Mädchen eingesegnet. Während noch vor etwa zehn Jahren sämtliche Konfirmanden, mit nur ganz vereinzelten Ausnahmen, in der alten Tracht des Bufecker Tales zur Einsegnung schritten, verschwinden diese Trachten von Jahr zu Jahr immer mehr. So waren es diesmal nur noch vier Mädchen, die nach alter Sitte mit Faltenrock, „Motzen" und Schürze angetan und dem mit Spitzen besetzten „Buchtuch" zur Konfirmation gingen. Es ist wirklich zu bedaueren, daß unsere schönen alten Sitten, von unseren Vorfahren einst gehegt und gepflegt, immer mehr der aus den Städten kommenden Mode Platz machen müssen.
v. Londorf, 12. Aprib Gestern wurden in der hiesigen Kirche aus der Pfarrei der unteren Rabenau — Londorf, Kesselbach, Allertshausen und Climbach — 36 Kinder, 25 Mädchen und 11 Knaben, konfirmiert. Bei früheren Konfirmationen, als die obere Rabenau — Odenhausen, Geilshausen, Weitershain und Rüddingshausen — noch feine selbständige Pfarrei bildete, waren es 70 bis 80 Kinder. — Durch den Schulabbau ist auch die hiesige dritte Lehrer st eile, welche von Junglehrer Schmalz besetzt wär, eingegangen.
t Grünberg, 11. April. Arn heutigen Sonntag fand in der schöngeschmückten Stadtkirche die Konfirmation von 31 Knaben und 38 Mädchen statt. Hiervon sind aus Grünberg 21 Knaben unb 27 Mädchen, aus Lumda 3 Knaben und 5 Mädchen, aus Lehnheim 5 Knaben und 3 Mädchen und aus Stangenrod 2 Knaben und 3 Mädchen. Außerdem wurden zu Ostern einige Kinder, die besonderen religiösen Vereinigungen angehören, in Gießen konfirmiert.
CO Lich, 12. April. Dieser Tage wurde in der hiesigen Gemarkung folgende Beobachtung gemacht: Ein Hund stillte seinen Durst im Weidgraben an einer Stelle mit hoher Böschung. Ganz in der Nähe hatte ein Hase sein Ruheplätzchen, war aber vom Hund nicht bemerkt worden. Plötzlich wurde der Hase wach, sprang seinem ahnungslosen Gegner von hinten in das Genick, so daß dieser in das Wasser stürzte, und suchte bann das Weite. Bis der übertölpelte Hund wieder das Ufer erreicht hatte, war der Hase weit weg und außer Gefahr.
ri. Lich. 12. April. In der festlich geschmückten Marienstiftskirche fand am gestrigen Sonntag die diesmal von Stiftspfarver Schorle m m e r gehaltene Konfirmation statt. Als Lebensspruch wurde den Konfirmanden in der Predigt das Wort zugerusen: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht." 60 Kinder traten vor den Altar, 15 Jungen und 45 Mädchen, darunter ein Pflegekind des Frankfurter Waisenhauses und 11 Kinder von Kloster Arnsburg. In der Rachfeier am Rachmittag richtete Stiftsdechant Lenz ernste Worte an die Reukonfirmierten. Eine Sammlung für die hessischen Krüppelkinder ergab nahezu 60 Mark. Die Konfirmation in dem mit der hiesigen zweiten Pfarrstelle verbundenen Riederbessingen findet am nächsten Sonntag statt. Dort werden 11 Kinder konfirmiert, 8 Jungen, darunter ein Schüler der Taubstummenanstalt zu Friedberg und 3 Mädchen.
der ersten Zeit seines Daseins auch begeben mag, überall lauert gefährliches, rätselvolles Land. Dis •Ltnge sind rätselhaft lebendig und haben zuweilen unerwartet furchtbare Eigenschaften. Der Ofen, das (Grammophon, die sich selbst zupressende Haustür, das Klavier, rote wild unb unheimlich ist das alles!! Aber das Kind Regula, die geborene Heldin, stampft mutig w jede Gefahr hinein. Ja und nun kämpft sie mit der Tür, mit diesem hohl dröhnenden, zähen Ungeheuer, das sich in keiner Weise bewegen läßt, ein bißchen beiseite zu gehen unb Regula vorbei zu lassen.
Bum! bum! bum! Die Tür bollert unb lacht wie äuuor. Nein, so geht es nicht. Regulas Kampfeswut läßt nach, besinnt sich auf etwas anderes.
Aha, jetzt hat sie einen ganz schlauen Plan! Ich höre wieder, wie ihre Fingerchen krapseln, hoch . . hoher . . nach der Klinke hin. In dieser Richtung besteht indessen gar keine Hoffnung. Wenn sie sich auch auf bte äußersten Zehenspitzen hebt, die Beinchen sind noch zu kurz. Nanu! Sollte sie so schnell gewachsen sein? Ach so . . sie hat, nur den Schlussel erwischt!
Sie stöhnt, sie schwankt, sie stemmt sich gegen die Tur. Und dann tröpfelt sie und drückt und zieht Aber es dauert eine ziemliche Weile, bis der Schlüssel s'ch lockert. Jetzt . . jetzt . . bums, da rutscht er heraus, bums, da schlägt das Kind hin.
Stille.
Sie wird sich doch nichts getan haben» Es gao ja einen recht ordentlichen Plumps. Ich rufe rtfc:
„Regula . .!"
Und sofort erhebt sich ein schüchternes Weinen, Iteigert sich schnell zum Geheul, zum Gebrüll, zu emem haarsträubenden Gebrüll.
„Willst du wohl ruhig sein!" „Habäääääääääah ähh!"
Meine Frau stürzt herbei unb nimmt sie auf den Arm.
„Aeääääahhhh!"
Minutenlang. Ich krieche unter die Decke.
Da klingelt es an der Dorplatztür. Regula ichweigt auf der Stelle. Meine Frau öffnet,
„Äoi . .!" sagt Regula.
Jawohl, Moi!
bitten?" $’reEtOr ßaroe3 Iä&t um SonnlaMrieden
O Herr!
Natürlich schwort meine Frau alles zu. Und bann macht sie die heißumkämpfte Tür zu meinem Schlafzimmer auf.
„Goigoiii . .!.'*
Es ist ein Schrei des Entzückens, der sicherlich int siebenten Himmel noch gehört wird. Und bann beginnt für mich der Sonntagsfrieben.
Die Tür.
Von Manfred Hausmann.
Am Sonntagmorgen pflege ich ein wenig länger als gewöhnlich im Bett liegen zu bleiben. Es ist ein gutes unb wundersames Glück, so blinzelnd vor sich hinzudämmern, die Uhren schlagen zu Horen, zuweilen einen Seufzer auszustoßen und wieder roetterzudämmern.
Meine Frau hat das Fenster aufgemacht. Die kühle Lenzluft weht herein, bläht die Gardinen hoch und läßt sie lautlos wieder zurücksinken. Ja, und draußen in der großen Stille klettert eine Meise geschwind im Kirschbaum umher unb singt ihr armseliges Lieb als einzigen Laut in Zeit unb Ewigkeit empor.
Mit einem Male wird das Kind Regula nebenan gebadet.
Gott steh mir bei, wie kann das Kind krähen! Jedesmal, wenn meine Frau ihm mit dem Schwamm ins Gesicht patscht oder sonst etwas Reinigendes unternimmt, zwitschert Regula, sich überschlagend vor Entzücken:
„Dake, Jaja!"
Das bedeutet nach der Uebersetzung meiner Frau: Danke, liebe Mutter! Denn unbegreiflicherweise wird meine Frau Elisabeth „Jaja" genannt, während ich, der ich mich normalerweise Georg betitele, zu „Goigoi" entstellt bin.
D)e Meise ist vor dem Lärm, den Regula in der Wanne vollbringt, erschrocken vom Baum gefallen und hat sich wohl im Nachbargarten verborgen.
Aber das Bad geht einmal vorüber. Das Haus wird wieder still. Ich versinke in einen kleinen Schlaf. Su su fu fu . .
Tap . . tap . . tap . .
Regula hat ihre Stiefel angezogen bekommen. Diese winzigen Stieselchen, die so lächerlich und rührend sind, wenn sie abends irgendwo in der Ecke stehen. Man könnte gleich niederknien und sie küssen, jo winzig unb rührend sind sie. Aber jetzt hat das Unglückswürmchen sie an feinen unternehmungslustigen Füßen. Meine Frau hantiert offenbar in her Küche, unb Regula galoppiert auf bem Vorplatz umher, gerabe vor meiner Schlafzimmertür. Nein, fic galoppiert nicht, sie trubelt. Ich weiß ganz genau, wie das gemacht wird: der Oberkörper wird vorgeneigt, einen Augenblick wackelt er und will vorn- überfallen, aber mit einem Male trudeln die kleinen Peine von selbst los. Wie besessen. Tap . . tap . . tap . . Von einer Ecke in die andere, kreuz und quer, unermüdlich.
Plötzlich bleibt sie stehen. Was wird sich nun be» geben? Da haben wir es! Es begibt sich, baß sie an


