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Mcht abgeschlossen, wir stehen vielmehr noch mtU fen darin. 3a sogar ganze Berufszweige wie der teS DolkSschullehrers, streben zur Hochschulen hier soll ein Berufszweig in seiner Gesamtheit akademisicrt werden.

Es ist die Frage, ob die Akademisierung im Interesse der Berufszweige liegt, ob sie durch die Tatsache der Akademisierung leistungsfähiger gctoorten sind, oder ob nicht vielleicht des Guten schon zuviel getan ist, so daß dann eine Gntakade» misierung etnschen muhte. Das eine ist sicher, man hat nicht nur gute Erfahrungen mit den hbherprozentigeu Akademikern gemacht. Gerade aus der Praxis der Wirtschaft kommen immer wieder Klagen über die mangelnde Leistungsfähig- feit von einseitig akademisch gebildeten Beamten und Angestellten. Der Mann mit dem Dr. rer. pol., der nur Universitätsbildung hat, genießt wenig Ansehen und findet nur dann eine An­stellung. wenn er nutzer seiner akademischen Bil­dung noch ein bestimmtes Matz von praktischen Fähigkeiten mitbringt. Die Akademisierung der Berufe isst oft mit einer Intellektualisierung gleichzuscyen. Gegen diese Vereinseitigung und Verengung wird mit Recht überall Front gemacht. Dazu kommt, datz oft genug der Mann der prak­tischen Erfahrung über den Rurwissenschaftler ohne praktische Fähigkeiten triumphiert. Das ist so im Buchhandel, im Dankgewerbc und in der Journalistik. Dieselbe Spannung hat zwilchen dem Philologen und dem praktischen Schulmann, dem Theologen und dein Seelsorger schon immer be­standen. Sie wird heute so stark empfunden, datz man sich oft geradezu von der akademischen Be­rufsausbildung abwendet und sie durch praktische Berufsausbildung und -Vorbereitung ersetzen will. Das geht natürlich zu weit. Man würde den Teufel einer einseifig intellektualistisch-akademi- fchen Bildung durch den Beelzebub eines Ver­zichtes auf akademische Bildung überhaupt aus- treiben.

Der Pazifische Luft-Ozean.

Bon Fischer von Poturzyn. Dessau.

Nachdem die Zusammenfassung der beiden größten deutschen Luftoerkehr-gesellschasten er­folgt ist, gilt es, sich auf die neue Linie der Lufioerkehrspolitik einzustellen. Die folgenden Ausführungen stammen aus der Feder eines führenden luftpolifischen Schriftstellers, sie werden unseren Lesern sicher willkommen sein.

Es heißt, der Pazifische Ozean verdanke seinen friedfertigen Namen dem Zufall, daß er am Tage feiner Entdeckung den Anblick sonniger Ruhe bot. Wer die gegenwärtigen Derhältnisie in der curooäi- schen Luftfahrt betrachtet, dürfte vielleicht die An­sicht vertreten, daß das neue Jahr unter friedlichen, hoffnungsvollen Zeichen beginnt, und man daher den Luftozean als die Pazifik der Zukunft bezeichnen könne. Gewiß ist der Abschluß der inneren polh fischen Meinungskämpfe innerhalb der deutschen Luftfahrt. durch die nun zustondegekommene F u ° Hon der beiden Reederei-Konzerne, und die Ver­handlungen in Paris ^ur Erledigung der feit Jahren ofienstehenden außenpolitischen Schwie­rigkeiten unseres Luftverkehrs zu begrüßen, da man daraus die Hoffnung schöpfen kann, daß bei ange- ftrengter oraanlfawrischer Arbeit die Handelsluft- fahrt Deutschlands bei Beginn des Frühjahrs er­folgreich ihre bisher geleistete großzügige Arbeit wie- -der aufntmmt.

Die neugegründete Lufthansa A.-G. ist vor eine schwere Ausgabe gestellt, denn es ist nicht leicht, aus dem bisher bestehenden dualistischen Softem deutscher Luftfahrt in so kurzer Zett einen aktions. fähigen Monopoltrust zu bilden, welcher die Vor­teile dieser Methode erfaßt und dabei die in der- selben zweifellos liegenden Gefahren bedachtsam vermeidet. Vor einigen Tagen war in derTimes" der Bericht über die erste Generalversammlung der Imperial Airways zu lesen, welche ja auch seinerzeit 'durch Fusion sämtlicher bestehenden eng­lischen Luftverkehrs-Unternehmungen zustande ge tommen ist. Wenn man bedenkt, daß die .^Imperial Airways" seit ihrer Gründung durch die Machtfülle ihres Heimattandes begünstigt war, so wird man der deutschen Einheitsgesellschaft eine längere Zeit ruhigerEinführung zuerkennen müsien, nach deren Verlaus erst offene Kritik angebracht erscheint.

Wenn man nach Vorteilen des nunmehr einmal eingeschlagenen Systems sucht, so wird man wohl zugeben muffen, daß bet richtiger Politik der deutsche Luftverkehr durch seine Konzentration eine gewichtige Stellung gegenüber den an­deren Verkehrsmitteln einnehmen und die Zusammenarbeit mit diesen außerordentlich gefördert werden kann. In dem vorläufig nur drei­köpfigen Aussichtsrat der neuen Aktien-Gesellschaft befindet sich als Vorsitzender Generaldirektor Schwab aus Düsseldorf, welchem als Ver­kehrsfachmann des Rheinischen Gebietes gerade hier­für reichliche Erfahrung zur Verfügung stehen. Es dreht sich hierbei wohl weniger um einzelne prak- tische Erleichterungen verkehrstechnischer Art, als vielmehr um den gemeinsamen Willen konzentrierter Verkehrspolifik. Gewiß ist die Luftfahrt von heute noch nicht imstande, in den Tabellen beförderter Tonnen eine entsprechende Rolle zu spielen. Aber

immerhin besagt doch die diesjährige ungefähre Transport-Leistung deutschen Luftverkehrs von 100 000 Passagieren und 1000 Tonnen Fracht und Post, daß die Leistungsfähigkeit ständig zunimmt und es so tatsächlich eine Notwendigkeit darstellt, zu den Eisenbahn-Konferenzen auch Fachmänner der Luftfahrt beizuztehen. Aus dem Gebiet verkehrs­politischer Zusammenarbeit bleibt gewiß noch viel zu tun, denn wenn z. B. vor einigen Wochen in Mün­chen eine zwischenstaatliche Verkehrskonferenz statt­gefunden hat, um die gerade heute sehr aktuelle Frage des Hinterlandes vom Hafen Trieft tarif­mäßig zu lösen, so hätte es sich vielleicht als nütz­lich erwiesen, diejenigen deutsch-österreichischen Luft- verkehrs-Kreise hierbei heranzuziehen, denen es bis­her nicht gelungen ist, die Luftverbindung Wien- Triest völlig durchzufilbren. Unter Umständen dürste ein Clearing-System den einzelnen Verkehrsmitteln und dem deutschen Hesamtiuteresse mehr förderlich sein als Konkurrenzkampf, da man ja auch von einem Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Lustver­kehr, dessen Vorzüge sich nur auf zwischenstaatlichen Groß-Strecken zeigen, nicht sprechen kann.

Dr. W e i g e 11, als Aufsichtsraimitglied der Lufthansa, stellt die Verbindimg zwischen der Deut­schen Bank und dem neuen Unternehmen dar. Es ist selbstverständlich, daß das Interesse an dem Ge­deihen der Handelslustfahrt sich in dem Maße recht- fertigt, mit welchem Ernste und welcher Energie diese an die Lösung der Frage ihrer Wirt­schaftlichkeit schreitet. Dieses allgemein richtige Prinzip führt oftmals in der praktischen Durchfüh­rung gerade auf einem noch im ersten Stadium be­findlichen technischen Gebiet zu verschiedenen Aus­legungen, da es der einen Seite mehr um eine rasche Verzinsung, der anderen Seite aber um den tech­nischen Fortschritt zu tun ist, welcher sich nur durch entsprechende Investitionen und großzügige Ver­suche erreichen läßt. Gerade bei der ..Imperial Air­ways", hat man bisher mehr dem banktechnischen System den Vorrang gegeben, während man für die Zukunft aus Schaden klug geworden dem Techniker die Führung überlegen will. Die in Eng­land nunmehr proklamierte Parole:Ganzmetall- Flugzeugbau und mehrmotorige Typen" gibt den Fingerzeig, in welcher Richtung sich der Kurs be­wegen wird. Die gesunde Mittelstraße zwischen wirt­schaftlicher Notwendigkeit und technischer Weiterent­wicklung zu finden, wird leichter fein, sobald sich der Kreis der Wirtschaftsführer erweitert, welchen die Handelsluftfalm als 2lrbeitsfelb anvertraut wird. In dieser Hinsicht hat die Politik der bis herigen Konzerne. Junkers und Aero-Lloyd, in den letzten Jahren viel Gutes geschaffen und es ist zu hoffen, daß durch die eingetretene Zentralisierung nicht Kräfte aiisgeschaltel werden, welche bisher aus berechtigten städtischen und ähnlichen Interessen an der Entwicklung des Luftverkehrs regen Anteil ge­nommen habet,.

LuftoerkehrundFlugzeugbauftehen in einem untrennbaren Funktions- Verhältnis, wie Direktor Merkel der Lufthansa A.-G. sich in einer Abhandlung zutreffend aus­drückt. Die Mitgliedschaft von Direktor Schlei- hing von den Iunkers-Flugzeugwerken am Auf­sichtsrat der neuen Unternehmung bietet Gewähr, daß diesem Zusammenhänge Rechnung getragen wird. Mit der Fusion der Junkers-Luftverkehr A.- G. verfügt Deutschland nicht mehr über eine Gesell­schaft, bei welcher sich die Erfahrungen im Flugzeug, bau unmittelbar im Luftverkehr auswirken, so wie dies In Frankreich bei den beiden großen Gesell- schäften .LatLcoSre" undFarman" der Fall ist. Der Herausgeber desFlugsport" schreibt in der Neujahrs-Nummer seiner Zeitschrift.Bald wird man wohl Flugzeuge wie Lokomotiven normaki- fieren und der Bau von Verkehrs-Flugzeugen wird von zwei oder drei Firmen genüafam bewerkstelligt werden können. Der Retz für die Neuheit des an bestimmte Linien gebundenen Flugverkehrs wird abflauen. Man wird den Luftverkehr als etwas Selbstverständliches betrachten." Allzubald dürfte jedoch diese Ansicht nicht Wirklichkeit werden. Ge­wiß kann aber heute bereits so viel gejagt fein, daß das Metallflugzeug Sieger im Kampf geblieben ist, da sich für die Holzflugzeuge bei den sich rasch vergrößernden Dimensionen die technischen Bedingungen bedeutend verschlechtern. Den beiden deutschen Metallflugzeugwerken Junkers und Dor­nier kommt daher auch für die Zukunft der Luft­hansa eine große Bedeutung zu. Es ist daher sehr erfreulich, daß die Dornier-Metall Bauten in Friedrichshafen auf dem gegenüberliegenden schwei­zerischen Ufer des Bodensees ein neues Werk er­richten wollen. Hierüber erfolgt die endgültige Ent­scheidung am 17. Januar in Form einer Volksab­stimmung der drei Gemeinden Rerschach, Thal und Rheineck, da die finanzielle Beteiligung des Bundes, des Kantones und der Gemeinden sicher zu stellen ist. Man rechnet mit einer notwendigen Kapitals­anlage von 2* Millionen Franken. Es dürfte sich wohl die Voraussicht der Schweizer bestätigen, daß die in dieser Gegend barnieberliegenbe Stickerei- Industrie durch den Flugzeugbau einen hoffnungs­vollen Nachfolger erhalten wird. Es ist selbstver­ständlich. daß dieses Auslandwerk der deut­schen Metallbauten den Baubeschränkungen eben­sowenig unterliegen wird, wie dies bei den aus­ländischen Werken in Rußland, Schweden und der Türkei der Fall ist, welche Junkers-Flugzeuge in Lizenz bauen.

Bei wirklicher Ausnützung der angedeuteten or­ganisatorischen Vorteile, bei bewußter und schonungs­loser Vermeidung der skizzierten, zwetfellos be­stehenden großen Gefahren des durch die Neuorga­nisation in der deutschen Luftfahrt nunmehr be­schrittenen, Weges, kann man aber der Lufthansa einen glücklichen Start im Pazifischen Luft-Ozean prophezeien. Ob ihr hierbei ein günstiger Passat zu Hilfe kommt, oder ob sie gleich zu Beginn schwerste Stürme zu bestehen haben wird, entscheiden die heute noch im Fluß befindlichen Verhandlun­gen in Paris. In diesen muß es sich endlich zeigen, ob die Politik der Baubeschränkungen trotz Sicherheitspakt und kommenden Völkerbundes für die Diplomatie der anderen Seite als tragbar gilt. Maßgebend dürfte dies dadurch beeinflußt werden, mit welchem Nachdruck unsererseits die uns zur Ver­fügung stehende Waffe des deutschen Ueberflug- rcchts-Derbots gebraucht wird oder nicht. Wenn aber, durch kteinliche Kompensationen verleitet, der französischen Luftverkehrsgesellschaft der Weg über Nürnberg freigegeben wird, wenn auf Grund dieser Kompensationen unsererseits England später das gleiche Recht zwischen Berlin und Prag fordern sollte, so würde sich das Aktivum unserer zentralen geographischen Lage in einen Zustand verkehrs­politischer Machthörigkeit verwandeln. Man muß aber hoffen, daß das kostbare Gut deutscher Luft- geltung, welches in den letzten drei Jahren in seinem Wert so bedeutend vermehrt worden ist, auch in der nächsten Zukunft weitsichtig und klug verwaltet wird, denn auch der Pazifik der Lüfte isteinMeerkunftigerEntscheidungenk

Oderheffen.

Landkrciv Gtctzen.

LJ A n nerv d, 12. Jan. Die Vorführung des Bethel-Films in unserer Gemeinde war von über 200 Gemeindegliedern besucht. Mit sichtlicher Spannung folgten die Anwesenden den vorgeführten Bildern, die einen anschaulichen Einblick in die ein­zigartige Liebesarbeit in Bethel gaben. Ein Diakon ans Bethel, der bei Ausbruch des Weltkrieges auf dem Betheler Missionsfeld in Ost-Afrika beschäftigt war, gab zu jedem Bild die nötigen Erläuterungen. Die Darbietungen haben nidjr nur den Gesichtskreis unserer Gemeindeglieder erweitert, sondern auch die Liebe und die Willigkeit geweckt, an dem Wieder­aufbau unseres Vaterlandes nach Kräften mitzu- arbeiten.

Lang-Göns, 12. Ian. Am Sonntag abend gab der hiesige GesangvereinFrohsinn" sein erstes diesjähriges Konzert in der Turn­halle, das sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreute. Die Musik wurde von der Regimentskapelle aus Gießen aus­geführt. die unter der Leitung des Herrn Vogel ganz ausgezeichnete Leistungen bot. Das Konzert dar! in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Eingelettet wurde es durch die Ouver­türe zuDichter und Dauer" von Suppc^. Mit dem MottoGrüß Gott mit Hellem Klang, heil deutschem Wort und Sang!" begrüßte der Verein unter der Leitung feines Chormeisters Blaß- Grohen-Linden die Erschienenen. und z-eigte bamt in allen Gefangsvorträgen, die mit Konzert­verträgen der Regimentskapelle wechselten, sein auf 'hoher Stufe stehendes Können. Sämtliche Chöre tarnen mit äußerster Feinheit und Ge- naui^ert zum Vortrag, und alle wurden mit reichem Beifall belohnt. Hervorragende- leistete auch das au« aititgltetern des Vereins zus ammengestellle Quartett. Zum Schluss« seien noch hervorgehoben die beiden Vdolm- solis des Herrn Vogel, der auf seinem Instru­ment ganz Hervorragendes leistete und deshalb stürmischen Deffall erntete.

> Holzheim, 12. Jan. Bei dem Preis- schießen des Turnvereins, das jetzt feinen Abschluß fand, wurde Hermann Schöck mit 54 Punkten 1. Sieger. Herr Schöck ist nun schon zum briitvnmale im letzten Halbjahr 1. Preisträger, ge­wiß eine anerkennenswette Leistung. Als Preise wur­den nützliche Gebrauchsgegenstände verabreicht.

zn. 2ll lenborf a. d. Lda., 12. Jan. Irn Auf­trage der Liga zum Schutze der deutschen Kultur sprach am Sonntag abend vor einer über­füllten Versammlung Ingenieur E r t e l - Gießen über das Thema:Auf Zickzackwegen quer durch Rußland". Die fesselnden Ausführungen des Red­ners, tue von reichen Erlebnissen zeugten, wurden von schönen Lichtbildern begleitet und außerordent­lich beifällig aufgenommen.

* Geilshausen, 12. Jan. Am Samstag h.eli der G e f a n g o e r e i nIugendmu t" seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Rechnungs­ablage für das verflossene Vereinsjahr wies einen Ueberschuß von 144 Mk. auf. Der bisherige Vor­stand wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt.

= Lich, 12. Ian. Zugunsten des Turnhatten- erweiterungsbaus wird der unserem Turnverein befreundete Turnverein 18 60 Bad-Nau­heim Ende Januar in der hiesigen Turnhalle eine Gaftveranstaltung in Form eines Werbeabends geben. Im Vordergrund der Darbietungen wird das neuzeitliche Frauenturnen stehen. Mitwirken wird auch das unter trefflicher Leitung stehende Bad- Nauheimer Doppelquartett, das den musika­lischen Teil der Vortragsfolge bestreiten wird. Man siehi hier der Veranstaltung mit großem Interesse

entgegen. Näheres wird noch befanngegeben wer­den. Für nächsten Sonntag hat der Krieger verein die Gieße nerRegimentskapelle zu einem Militärkonzert gewonnen.

Kreis Friedberg.

sch. Rockenberg, 11. Ian. Im Gegematz zu den ersten Nachkriegszeiten setzte in letzter Zeit in unserer Gemeinde eine äußerst rege Bau tätigEeit ein, die die herrschende Wohnungs­not zum größten Teil behoben hat. Nicht nur, daß der hessische Etat zu seinen früheren Beamtenwoh- mmgen zwei neue Doppelhäuser er­richtet hat, so daß nun im Osten und unmitel- baren Anschluß an Marienschloß ein ganzes Be. amtenviertel entstand, lauter schmucke Zweifamilien Häuser mit recht ansehnlichen Gärten. Das letzte Jahr war besonders günstig. Nicht weniger als neun neue Häuser wurden fertig gebaut und bezogen und 7 neue gebaut. Die Bautätig feit wurde besonders gehoben und gefördert durch die in unserer Gemeinde obwaltenden Umstände daß Steine zum Fundament, sowie Land in hin reichender Menge von der Gemeinde kostenlos ge^ geben wurden. Durch den Ankauf der früheren Hof- qüter durch die Gemeinde wurden dort Scheuern und Stallungen niedergelegt. Lediglich das Wohn haus blieb stehen und findet nun als 4-Familien- haus für Staatsbeamte Verwendung. Auch die alte Roggenburg" (ehemalige Zentkammer der Kurfürsten von Mainz) steht noch. Durch das Um­legen der Scheuern und Wirtschaftsgebäude ent­stand ein großer ausgedehnter Bauplatz in der Mitte des Dorfes, der reichlich Liebhaber hat. Durch den Ankauf gewann man auch reichlich Platz, um eine neue Straße im Innern des Dorfes anzu legen und den sogenannten3ungegarten", ein großes Wiesen- und Pflanzstückgelände, das ringsum bereits bekannt ist, als Baugelände zu verwenden. Da es jedoch dort stellenweise etwas feucht ist, zieht man allenthalben den nach Osten gelegenen Abhang vor, der noch den Vorteil bietet, daß man beim Fundament- und Kellerausheben gleich Steine und Sand gewinnt, eine Arbeit, die allerdings oft mühsam ist. Durch die gesunde und schöne Lage entstanden hier in den letzten Jahren die meisten Neubauten und damit ganze Straßen, von denen eine, in der die schmucke evangelische Kirche liegt, nunmehr ganz ausgebaut ist. Andere werden burd) verschiedene in diesem Jahre ent stehende Neuvauten noch erweitert werden. Die Wohnungsnot wird somit in kurzer Zeit für un­tere Gemeinde ganz behoben sein. Auch im nahen Oppershofen ist durch Errichten neuer Wohnungen von einer eigentlichen Wohnungsnot keine Rede mehr. In Griedel entstanden eben falls ganz neue Straßen. Mit besonderer Vorliebe wird das Anliegen an der Butzbacher Straße gesucht, wo denn auch im letzten Jahre nicht we­niger als 5 Neubauten errichtet wurden. Sicherlich wären es auch hier noch mehr, wenn es nicht au der Hauptsache, dem nötigen (Selbe und seiner Be­schaffung liegen würde.

C> Steinfurth. 12 Ian. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist folgen des zu berichten. Bürgermeister Falk eröffnete die Sitzung und verpflichtete zunächst die neu- gewählten Gemeindevertreter. Er richtete an alle Gemeinberatsmitgtieder die Bitte, bei jeder Ver- handlung nur das Gemein dewohl im Auge zu halten und zu fördern. Ausgefchreden aus dem Gemelnderat sind: Gg. Reih, I Weihrauch, PH. Huber, W. KlöS, H. Döckner und K. Falk. ReugewäHIt sind: K. Rühl, Ph. Huppert, K. Hengst l., H. Ant. Thönges. K. Schwegler und Wilh. Balzer. Ein An­trag auf Zuweisung einer Wohnung muhte zu- rückgestellt werden, da keine Wohnungen vorhan­den ftnb. Wahl deS Schulvorstande«: Gewühlt wurden Karl Schwegler, W. Bal­zer, H. Lottig und H. Steinhauer l. An- stell urig eines Faselwärters: Die Anstellung wurde beschlossen, nebst den Bedingungen, unter denen die Anstellung erfolgen soll. Verschiedenes' Verschiedene Reklamationen betr. Ackerpacht 1925 wurden dahin erledigt, dah die Pacht für die vor­dem Iahre 1923 verpachteten Gemeindegrund­stücke allgemein neu festgesetzt wird.

sf. Oberrosbach b. Friedberg. 12. Ian. Der Bund Hessengau des Wandervo­gels hielt hier unter starker Beteiligung seinen G a u t a g ab. Am Vorabend wurde am Wald­rand« in der Rähe des Waldschlößchens ein Feuer abgebrannt, mit welchem eine Toten- gedächtniSfeier verbunden war, anschlie­ßend fand die Reuaufnahme von Mitgliedern statt. Am Sonntag fanden sportliche Wettkämpfe, ein Kirchenkonzert und Preissingen statt, nach Beendigung des Programms marschierten die Teilnehmer in geschlossenem Zuge mit Musik nach Friedberg.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 12. Ian. In der ersten Sit­zung des neuen Gemeinderats wurden die neuen Gemeinderatsmitglieder durch Bürger­meister Fendt verpflichtet und in ihren Dienst eingewiesen. Außerdem wurden die zur Ver­waltung der Stadt notwendigen Kommissionen und Deputationen gewählt. Zum Schluß wurden noch die Steuerausschlagsätze für die Gemeindeumlage für 1925, wie sie vom

Gießener Stadttheater.

Hugo Wolfgang Philipp .

.,Das glühende C'inmaleins."

Mit diesem Lustspiel wurde der Dortmunder Hugo Wolfgang Philipp zuerst bekannt, vielleicht um des absonderlichen und auf den ersten Blick sehr rätselhaften Titels willen, be­kannter zum mindesten als mit seinem Versuch einer KvsmosophieDie Welt im Blickpunkt", mit den phantastischen "NovellenDer Srmnen- motor", oder mit der grotesken Tragödie vorn Clown Gottes". Diesesglühende Einmaleins", ein Sommertagstraum, wie es der Dichter in öffenbarem und wohl bewußtem Anklang on Shakespeare bezeichnet, und uns in acht knappen Handlungen" (besser: Bildern) im antiken Griechenland überraschend vorgerechnet wird, be­handelt das alte und immer junge Lustspiel- wie es sich ausgezeichnet findet im gol­denen Buch der Liebe. Philipp lucht einen längst verschütteten Weg zurückzufinden zur son­nigen, heiteren Welt hellen-schen Altertums, nicht anknüpfend in klassizistischer Suche nach unerreichbaren Idealen an das große tragische Trauerspiel des Alten, sondern an das idyllisch­bukolische Zeitalter Theolrits sucht in shake- spearefierender Laune die leichtgeschürzten Fä­den des heiteren Spiels zwischen Göttern. Halb­göttern und Menschen in einem mythischen Scherz Mi verwirren und wieder zu lösen. So zwar, Baf} der Mythus nicht blutleer, fern und nebel-

I haft blieb, sondern in Bild und groteskes Ge­schehnis sich verwandelte und zugleich fieseren und weiteren Sinn bekam, den Zug ins Ko­mische (to«nn auch kaum tändelnd angedeutet), wie ihn jene anderen Arbeiten verraten, von denen gesprochen wurde. Vielleicht auch hat dem Lustspielpveten so etwas vorgeschwebt, wie eine romantisch« Urgeschichte des rätselhaften Dinges, daS die Menschen Liebe heißen, als das A und das O ihres Daseins, als eine mythisch scherzende Arithmetik zwischen Mann und Weib. Sicher ist, daß die Urgülfigkeit des Themas den gewagten Sprung erleichtert den klaffenden Raum in eine Vergangenheit schneller über­brückt, in der die Historie erst Märchen war. Auch mag die Unbekümmertheit des Einfalls und mancher Situation in dieser Gotterposs« zwischen Sonnenaufgang und Mittsommernacht manch allzu flaches, allzu gegenwartschweres Wortgefüge, auch die bedenklich, fast anmahlich erscheinende Geste, die der Untertitel andeutet, entschuldigen: überraschen wird sogar bie_ feine Wendung am Schluß, die das in Liebe glühende Ein mal Eins, Mann und Frau in der Um­armung. trimnphieren läßt über die kalte und verstandesmäßige Prophezeiung des sehr weisen Thales: der konnte die Sonnenfinsternis bercchnen. die Phoebus Apoll über den Him­mel breitete, um niederzusteigen zur Erde und der Rymphe sich in Liebe zuzuneigen. Fast hatte der Gott versäumt, den Sonnenwagen zur Höhe zu führen und die Rocht unerträglich ver­längert. (Das Motiv klingt an den Kleiftischen

.Amphitryon" an.) Hermes, der Flügelbote, führt ihn an seine Pflicht zurück. Hhdora und Echo aber streiten indessen um den Hirten Rar- M, ber, ein verlorenes Schäfchen suchend, von den Bergen in di« bukolische Riederung kommt. Statt des Tieres f intet Rarziß den einsiedle­rischen Philosophen Enmenes, der ihm das Wun­der seines Spiegelbildes im Wasser weist und ihm närrischen Zauber davon verspricht. Aber der Zauber bleibt aus. Das Ralurkmd findet Entzücken am eigenen Bilde, nicht an der be­gierigen Rhmphe Hydora, di« um seinetwillen den Gott verschmäh!. Apoll aber, dem auch ihre Gespielin, Echo, sich entwindet, spricht einen schrecklichen Fluch aus: Echo plappert verzweifelt die Worte nach, die sich an sie richten. Wunder über Wunder, her Mythus wird zur Posse mit grotesker Vertauschung ter Rollen. Am Ende schickt sich ter gute, dicke und genügsame EumeneS an, mit beiden Rymphen Hochzeit zu halten, und rollt seine Tonne, darin er wohnt, zur Feier- Mr den See. Aber schließlich geht dennoch daS Liebesexempel auf, dem schon heillose Rechen­fehler drohten, und das rätselschwere Ein mal Eins löst sich versöhnlich und vcHeißungsvoll in zwei göttlich-menschlichen Paaren.

Die Aufführung unter her Regie von Karl Volck beschwingte die locker aufgereihten Bilder des antiken Idylls mit Witz und theatralischer Laune, ließ die Dinge zwischen Aufgang und Riedergang geschwind und slüssig abrollen und betonte übrigens des Leichte. Spielerisch-Märchen- haste auch haS Groteske, ohne doch di« sagenhaf­

ten Hintergründe der Begebenheiten zu ver­decken und den tieferen Sinn des ausgelassenen Treibeirs zu verschleiern. Glücklich und mit star­kem Gefühl für den Stil ter Landschaft das romantisierende Bühnenbild Karl Löfflers, wechselnd getont in der vortrefflich gesehenen Be­leuchtung (Ludwig Keim). In glattem, ge­schmeidig ineinandergreifendem Zusammenspiel di« sechs Personen, die die Lösung der wunderlichen Aufgabe suchen und finden: die dunkelhaarigie Hndora, der Alix K rahm er Anmut und spru­delndes Temperament, leichte Verliebtheit und verführerische Beweglichkeit gab: neben ihr bie blonde, empfindsame Gespielin, schwankend' zwi­schen Glück und Verzweiflung, bald jubelnd, bald klagend um den Rainen, der ihr Schicksal bedeutet: Susanne Heym. Würdig und gütig, in toeifern Ausgleich zwischen Irdischem und äleberirdischeni der Apoll von Friedrich G e f f e r s. Ein brauner, sehniger Bursch, herzlich und gutmütig, voll Hifi loser Einfalt tes Raturttndes in Blick und Geste Willi Hankes Rarziß. Die komischen Pointen brachte derb und brett-behaglich Karl Volck. ein anderer Eremit von Griechenland, mit sokra- tisch er Rase unb behäbigem Bauch, ein hefienisti- scher Rübezahl mit ganz besonderer Philosophie über Liebe unb Ehestand. Iulius Bast « endlich, als jugendlicher Hermes, bebend und voll schalk­hafter Geschäftigkeit, sprach den olympischen Segen über die Oicbenben. - Das guttefud?tc Haus spendete freundlichen Beifall. Dr. Th.