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nachdrücklich abgelehnt werden. In Bayern ist die Angelegenheit durch den Vergleich vom Jahre 1923 geregelt. Dieser Vergleich ist vom Landtag g e - nehmigl worden. Ein Antrag aus Aufwertung der baren Abfindung ist bisher'noch nicht gestellt worden.

Abg. Dr. E v e r l i n g (DnH.) stellt fest, das; nach dieser Erklärung die beiden neben Preußen größten deutschen Lander, Bayern und Sach' | e n eine reichsgesetzliche Regelung nicht wünschen.

Der Ausschutz wandte sich dann der

Auseinandersetzung in Mccklenburg-Strelih zu.

Ser Veitreter der mecklenburgischen Regie­rung wie» aus die besonderen Schwierigkeiten hin, die sich in diesem Halle für die Auseinander­setzung ergaben, daß nach dem Selbstmord deS letzten Troßherzogs 1918 die Thronfolge­frage ganz ungeklärt war. Der nächste Agnat war der russische Großfürst Karl Mi­chael. Gr hatte die deutsche Hlaatsangehörigkeit 1914 aufgegeben und als russischer Artillerie-- general im Weltkriege jahrelang gegen Deutsch­land gekämpft.

Der Staatsrechlslehrer T r i e p e l erklärt in einem Gutachten, daß 1921 Herzog Karl Michael gegen eine Abfindung non fünf Millionen Mark auf alle Rechte verzichtet habe. 3m ganzen hat die Großheizoglichr Familie erhalten als Ab­findung in Effekten etwa 30 Millionen und 1OOOO Morgen b» wertvollsten Grundbesitze» im Werte von etwa vier Goldmillionen. Dazu ist der Familie der Besitz der wertvollsten Schlösser und Silberschätze geblieben. Obwohl der Staat der Familie über die ersten rechtsgültigen Ver­träge hinaus weit enigegengskommen war. hat neuerdings die Großherzogliche Familie neue Ansprüche gestellt. Sie verlangte rund 5,2 Millionen mehr. Die frühere Kronprinzessin Jutta von Montenegro verlangt u. a. zu den bereits erhaltenen acht Millionen eine weitere Million. Der Vertreter der Grohherzog- lichnn Familie hat es für richtig gehalten, ein Schiedsgericht anzurufen zur Entscheidung über die Ansprüche. die jetzt von zwei Maitressen früherer Großherzöge gestellt werden. Daneben Hot er gerichtl iche Klage eingsreicht.

Sin Berliner Gericht hat bereits zugunsten einer dieser Damen entschieden, wenn es ihr statt der geforderten Fohresrente von 20 000 Mart auch nur 6000 Mart jährlich zugebilligt hat. Zur Frage einer reichsgesehlichen Regelung der Abfindungsfrage srehr die mecklenburgische Regierung auf dem Standpunkt, baß eine solche Regelung unbedingt erfor­derlich ist.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) äußert sein Befremden über das sehr weitgehende Entgegen­kommen, das Mecklenburg schon bei der ersten Auseinandersetzung gezeigt Hobe. Der Redner trugt:Ist es richtig, daß die eine Mailrefse eine Deutsche ist, die ben schönen spanischen Titel von der Regerrepublik Liberia erhalten hat? Ist es ferner richtig, daß die andere Maitreffe fünf Goldmillionen verlangt als Gegenleistung für die Herausgabe gewisser kompromittierender Briefe des Großherzogs? Handelt es sich hierbei nicht um eine Erpressung?"

Abg Everling (Dtfchn.) betont, die Mai- rresfengeschichtc sei allen Parteien gleich widerwärtig.

Der mecklenburgische Vertreter. Minister H u- st e d t. erwidert, die Ansprüche der Maitreffen int Einzelnen feien der Regierung offiziell nicht mitgeteilt worden. Sie mecklenburgische Regie­rung fei der grobherzoglichen Familie soweit cntgegengekommen. daß sie sehr befremdet über die neuen ungerechtfertigten Ansprüche gewesen fei. Auf eine Frage des Abg. Reubauer (Äomm.) bestätigt der Minister, daß die groh- herzogliche Familie die Rieberlegung der zu zahlenden Beträge bei der Bank von England verlangt habe.

Rach Abschluß der Darlegungen über die Vermögensauseinandersetzungen in MecLlenburg- Strelih wurde

Badea

behandelt. Ein Dertreter des Reichsmtnisteriums des Innern berichtete darüber, der Anspruch des Grohherzogs fei durch Zuweisung von acht Millionen Mark a b g e l ö st. Für die L e - benshalltung seien ihm ferner bestimmte Gebäude, Einrichtungen und Grundstücke aus dem Domäneneiaentum unter dem Vorbehalt über- ltz'sen worden, daß bei einem Erlöschen des ehelichen Monnesstammes im großherzoglichen Haus diese Werte an den Staat zurück­fallen. Durch den Dährungsversall haben sich die wirtschaftlichen Berhältnifse des vor­maligen badischen Fürstenhauses verschlech­tert. Deshalb sei daS vormals grohherzogliche Haus im Laufe des Jahres 1924 wegey entspre­chender Aufwe r tung der Abfindungssumme vorstellig geworden. Die Berhandlungen wür­den wahrscheinlich im Wege einer freiwil­ligen gegenseitigen Vereinbarung ihre Erledigung finden.

Es folgt die Erörterung der entsprechenden Vorgänge in

Braunschweig.

3n der Aussprache erklärte der Aba. H a m P e (Dt.°Hcmn.) im Gegensatz zu den Äußerungen anberer Redner, das früher zu den reichsten Fürstenhäusern gerechnete Haus Eumber- l a n d fei jetzt durch die Inflation in sehr schlechte Deirnögensverhältnisse geraten.

Abg. Brvdauf (Sem.) betont, nach Öen bisherigen Berichten sei das wirkliche Privat­eigentum der Fürstenhäuser in keinem Falle angegriffnen worden.

Rach Erledigung der Braunschweiger Ange­legenheit gab Abg. Dr. Rosenfeld folgende Erklärung ab:

Rach uns zugegangenen Berichten ist der Reichstag mit dieser ganzen gesetzgeberischen Ar­beit zu spät gesommen. Wir erfahren, daß der Herrscher von Ko bürg, dem soeben durch Relchsgcrichtsurteil die wertvollsten Besitzungen zugesprochen worden sind, drauf und dran ist, eine Ausländsanleihe aufzunehmen und die Ländereien mit Hypotheken zu bela­st e h. Der Reichstag hat im Augenblick feine Mögltchteit zum Eingreifen. Da wird es Sache der Rcichsregierung, der Landesregierungen unb des Deutschen Bolles sein, die Augen nsfenzu- halten und zu vrrhüten, daß das deutsche Volk das Rachfcye" hat."

Der Ausschuß vertagte sich hierauf auf Don­nerstag.

EinTirolerFührerinsGefängnis

München, 12. Jan. (Wolff.) Der Führer des Deutschtum» im Unterlanbe, Rechtsanwalt Joseph Raidin in Saturn, wird schon seit

geraumer Zeit von den Behörden und Faszisten verfolgt, insbesondere weil er inbejug auf den deutschen Privatunterricht sich auf den gesetzlichen Standpunkt stellt, daß dieser ünterckbt erlaubt fei. Am 19. Dezember wurde Dr. Roldin in die Karabinierikaserne ge­laden. um sich wegen einer Sammlung für eine Chri st ba umfeier zu äußern. 11. ä. wurde er gefragt, ob er mit dem .Faszisten- regime in Südtirol einverstanden und ob er Irredentist sei. Rach fünfstündiger Vernehmung wurde Dr. Roldin verhaftet und gefes­selt nach Trient gebracht. Für den 12. Januar ist die Verhandlung gegen ihn an­beraumt. DaS Ansuchen um Bewilligung der vorläufigen Freiheit wurde abgewiesen. Gegen­stand der Anklage ist Amtsehrenbeleidigung und Aufforderung zur Richtbefolgung der Gesetze.

Dr. Roldin wurde wegen Beamtenbeleidigung au 5 Tagen Gefängnis und zu einer Geld strafe von 500 Lire verurteilt.

Die Bergbaukrisis in England.

London. 13 Ian. ($11.) Die englischen Bergwerksbesitzer legten der Königlichen K o h l e n l o m m if siv n ihren Standpunkt in der Kohlenfrage dar. Die Kluft zwischen den bestehenden Kohlenpreifen und den Weltmarkt­preisen tönnt? nur durch längere Arbeits­zeit überbrückt werden. Eine Rückkehr zum Acht­stundentag und eine Ermäßigung der Transportkosten fei unbedingt notwendig. Der einzige Weg, die Produktionskosten zu redu­zieren. fei eine Reduktion der Löhne. Die fosortige Entlassung von mindestens 100 000 Berg­arbeitern ließe sich nicht umgehen, selbst wenn diele Maßnahme nur zeitweilig fein sollte. Auch der Plan der Bergarbeiter wird in den nächsten Tagen der Kohlenkommission vorgelegt werden. Der wichtigste darin ausgesprochene Ge­danke ist, daß in Zukunft die Bergwerksindustrie nicht als eine lediglich kohlenfördernde Industrie behandelt werden könne. Es wirb daher vorge­schlagen. daß die Industrie, wenn sie am Leben bleiben soll, mit einem Plan für elektrisch« Kräfterzeugung unb für vollständige Verwertung aller Rebenprodukte der Kohle verbunden werden müsse. Es soll eine Kommission für elektrische Kraft und Trans­portwege eingesetzt werben. die mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet wird, direkt von den Staatsbergwrrken zu kaufen und die Preise sestzu- fetzen. Der Plan vermeidet ausdrücklich die An­führung einer Entschädigungs.zahlung für vom Staate übernommenes Eigentum, da die ver­schiedenen industriellen und politischen Arbeiter­organisationen sich über diesen Puirkt nicht einigen könnten.

Kleine politische Nachrichten.

Die Zahl der Erwerbslosen ist in der Zeit vom 15. Dezember 1925 bis zum 1. Januar 1926 von 1060 397 auf 1 485 931 g e ft i e g e n. Die Zahl der unterstützten männlichen Erwerbslosen beträgt 1 325 052, die der weiblichen 160 879. Die Steige» rung gegenüber der Zahl vom 18. Dezember 1925 beträgt etwas über 40 Prozent.

Wie verlautet, ipirb Lord d Abecuon von dem Berliner Botschafterposten nicht eher zurücktreten, bevor Deutschland feinen Antrag zum Eintritt in den Völkerbund gestellt hat. Sir Ronald Lindsay, der als sein Rachfolger vorgesehen ist, ist Unterftaatifefretär im Aus­wärtigen Amt gewesen und wurde 1924 Ge­sandter in Konstantinopel. Er ist 49 Jahre alt, trat mehrere Jahre Privatsekretär von 2orb Grey und auf diplomatischen Posten in Petersburg, Teheran, Paris, Washington und Konstantinopel.

Der geheimnisvolle -Schulz, der die französische Polizei auf die Spur der ungarischen Franken­fälschung geleitet haben soll, ist nicht mit dem Erz­bergermörder Schulz identisch, sondern ein wegen kommunistischer Umtriebe aus Ungarn ausgewieie- ner Druckereiarbeiter, der mit einem falschen Paß wiederholt in Ungarn weilte, wo er mit Prinz Win» disch-Graetz in Verbindung trat.

Die französische Kammer ist am Diens­tag eröffnet worden. Herriol ist wiederum mit 300 von 324 Stimmen zum Präsidenten gewählt.

Der schwedische Reichstag wurde durch eine Thronrede des Königs eröffnet.

Das norwegische Stört hing wurde durch eine Thronrede des Königs eröffnet, die eine Neuordnung des Verteidigungswefens und Abbau der Steuern ankündigte.

Hochschulnachrichten.

Ludwig Pohlr f.

WER. Frankfurt a.M, 12. Ian. Wie uns aus Leipzig berichtet wird, ist der ordent­liche Professor der Rationalötonomie an der Aniverjität Leipzig. Geheimrat Ludwig Pohle, Ehrendoktor der Staatswissenschaften der Ani- verfität Frankfurt a. M, im Alter von 56 Jahren in Oberhof in Thüringen, wo er zur Erholung weilte, plötzlich gestorben. Pohle war Jahre lang in Frankfurt tätig und zwar von der Gruirdung der Akademie, der Vorläuferin der jetzigen Universität, an. Im Jahre 1921 wurde er an die Universität Leipzig berufen. Rektor der Frankfurter Universität war er im Studien­jahr 1915 16.

Aus aller Welt.

Raubüberfall.

Dienstag vormittag um 10 Uhr wurden in Rvrdhausen zwei P o st b e a rn t e, als sie das Gebäude der Reichsbank betreten wollten, von drei Verbrechern überfallen die ihnen einen schweren Reifskorb mit Banknoten im Werte von 250 000 Mart entrissen. Die beiden Beamten wurden trotz ihres Widerstandes durch mehrere Schläge auf den Kopf wehrlos gemacht, worauf die Räuber mit ihrer Beule das Weite suchten. Die verfolgenden Polizei-, Post- und Sicherheitsbeamten konnten sie bei Ilfeld stellen. Einer wurde e r f ch o s f e n , ein zweiter schwer verletzt, während der dritte entkam, wurde aber kurze Zeit später erschoßen aufgesunden. Er hatte sich durch einen Revolverfchuß selbst ge­tötet.

Di« HUssexPedition derHessen".

Berlin, 12. Ian. (Wolfs.) Das Linien­schiff ..Hessen" ist am 12. Januar morgens auf dem Wege zu den im Finnischen Meer­busen eingefrorenen Dampfern vorReval an» gekommen und um 9 Uhr vormittags ist das Schiff zu einem ersten Vorstoß in das Eis­gebiet in See gegangen. Die Eisnachrichten find in den letzten Tagen noch ungünstiger ge­worden. Der Finnische Meerbusen ist bis auf die Höhe von Reval zugefroreir und voll Pack­eis. Inzwischen ist es russischen Eisbrechern gelungen, 13 Schiffe in eine aufgebrochene Fahr­rinne zu bringen, jedoch wurden die Rettungs- arbeiten durch das starte Frostwetter sehr er­schwert. Ein neues Einfrieren der Schiffe ist zu befürchten.

Schnelle Justiz.

Den Soldaten der Bundesarmee gelang es, die Banditen, die am Sonntag den Heber« fall auf einen mexikanischen Eifen­bahnzug verübten und die Begleitmannschaft und Reisende dieses Zuges niedergcmehelt hat­ten, einzukreisen. Eine bisher noch un­bekannte Anzahl von Banditen wurde getötet, andere gefangen genommen. Acht Gefangene wur­den hin gerichtet. Die Beute wurde den Banditen wieder abgenommen.

Ein Kind von Frettchen angesressen.

Auf der Rettungsstelle am Görlitzer Bahnhof in Berlin wurde ein zweijähriges Mädchen eingeliefert. DerD. Z." zufolge wies bas Kind schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen und Armen auf. In der Wohnung der Pflegeeltern waren mehrere Frett­chen in der Rächt aus einem Käfig ausgebrochen und hatten dem schlafenden Kinde furchtbare Bißwunden bei gebracht. Das Kind hatte gleich Hie Besinnung verloren, so daß die Pslcge- eltern nichts merkten. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 13. Januar 1926.

Bevöllrerungsstatistisches aus Hessen.

Aach dem Ergebnis der letzten Volkszählung am 16. Juni 1925 betrug die Einwohner­zahl des Freistaates Hessen 1 347 280 (am 1. Dezember 1910 1 282 051). Die Provinz Starkenburg hatte an diesem Tage 634 622 Einwohner (1910 590 380), die Provinz Ober­hessen 328 490 (309 233), die Provinz Rhein­hessen 384 168 (382 438) Einwohner. Rach dem Bekenntnis setzt sich die Bevölkerung folgender­maßen zusammen. Evangelische 885 469 (1910 848004), 65 7 Pro?,. (66,1 Proz.). Katho­liken 415 745 (397 548). 30,9 Proz. (31 Proz.), Israeliten 20401 (24 063), 1,5 Proz. (1,9 Proz.), Sonstige Christen 8023 (6660), 0,6 Proz. (0,5 Proz.), Richtchristen 17 642 (5776), 1,3 Proz. (0,5 Proz ). In der Provinz Star­kenburg waren vorhanden 413 308 (391 187) Evangelische, 198 754 (183 941) Katholiken. 7994 (97401 Israeliten, der Rest waren sonstige: die Provinz Oberhefsen hatte 289 772 (274324) Evangelische, 30 154 (27 038) Katholiken. 5732 (6554) Israeliten, der Rest sonstige, während in Rheinhessen 182 299 (182 293) Evangelische, 186 837 (186 569) Katholiken und 6675 (7569) Juden gezählt wurden Die klebrigen waren sonstige. Rach dem Geschlecht geordnet wurden im ganzen Freistaat gezählt 680 851 männliche und 700 521 weibliche Personen. Der ©eburten- Überschuß in den letzten 15 Jahren belief sich auf 99 321.

Vornotizen.

Tageskalender f ü r Mittwoch: Stadltheater: 7.30 UhrDer Traum ein Heben". Verein für Bewegungsspiele: 8.30 Uhr, Sonlbau Sauer, außerordentliche Generalversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Kampf mit dein Drachen". Astoria-Lichispiele:Der Find­ling von Neuyork".

Wett 7 l*??o itsjage.

Heiler bis halb bedeckt, östliche bis nordöstliche Winde, vorübergehend etwas milder, nachts kälter, trocken.

Das starke Fallgebiet im Westen hat fiel) vor dem sich weit ausbreitenden Kaltluftgebiet geteilt. Der nördliche Teil über Island hat allerdings ein Stei­gen der Temperaturen über Skandinavien bewirkt, während das südliche Teiltief einen allgemeinen Ba- romelerfnU in Frankreich und Deutschland heroor- ruft. Doch liegen die Temperaturen auf dem Kon­tinent durchweg sehr tief, so daß ernstliche Störun­gen unserer Wetterlage durch den Wirbel zunächst nicht zu erwarten sind.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: minus 2,8 Grad Celsius, Minimum: minus 10,2 Grad Cel­sius. Heutige Morgentempcrotur: minus 9,9 Grad Celsius.

** Der neue Provinz»ialtag bet Provinz Obe rHessen tritt am tommenben Samstag, vormittags 10 Uf>r, im Regierungs- gebäube zu Ciehen zu seiner ersten Sitzung zu­sammen. Auf dec Tagesordnung stehen folgende Punkte. 1. Konstituierung des Provinzialtags. Diensteinführung unb Verpflichtung der Mitglie­der. 2. Festsetzung der Tagegelder unb Reise­kosten der Mitglieder des Provinzialtags und des Provinzialauslchusfes, sowie der Stellvertre­ter. 3. Wahl der Provinzialausschußmitglieder und deren Stellvertreter. 4. Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mitglieder und der Stellvertreter des Provinzialausschusses.

** Der Wette rum schlag. Der Eintritt trockenen Wetters, dessen wir uns nun seit einigen Tagen zu erfreuen Huben, wurde nach der anhalten­den Nässe- und Dreckzeit allenthalben mit Genug­tuung begrüßt. Unangenehm ist nur der eisige Wind, der selbst weniger Empfindlichen die Freude an dem Wetterumfchlag etwas dampft. Die niedrige Temperatur, die wir im Zusammenhang mit dem schneidenden Wind Haden, ist aber auch sur die un­geschützte Saat recht gefährlich, da diese unter den jetzigen Umständen dcm Erfrieren preisgegeben ist. In her letzten Nacht wurde eine Minustemperatur von 10,2 Grad gemessen, heute früh waren es 9,9 Grad unter Null.

*' Obers! a. D. non Ql ei b bar bl f. Aus Darmstadt. 12. Jan., wird uns gemeldet: Oberst a. D. von Reidhardt ist gestern nachmittag an den Folgen der schweren Venvun- Lung, dis tr während beft Weltkrieges erlitten bat, gestorben. Reidhardt, ein Sohn des frühe­ren hessischen Gesandten in Berlin, war als früherer Vorfitzender der ..Halsici" weithin be­

kannt. 1913 wurde er Kommandeur des Darm­städter Gardesüsilierregiments, an dessen Spitze er im August 1914 schwer verwundet wurde. Seine Gattin, eine Tochter des Reichsbcmtpräsi-- denten Koch, ist ihm im Tode vorausgegangen.

** Der diesjährige Schulschluh in Hessen ist nicht, wie am Montag berichtet wurde, am 20. QAärz, sondern am 2 8. März. Das neue Schuljahr beginnt am 19. April mit dec Aufnahmeprüfung, am 20. April mit dem Unterricht.

'* Inventur-Ausverkäufe. Dom Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Die am 9. Jan. veröffentlichte Lotalnotiz wird infolge versehent­lich unrichtiger Einsetzung der Saison- und In- venturausverkaufszeiten hiermit widerrufen und durch folgende erseht: Rach der Bekanntmachung des Hess. Kreisamts Eiehen vom 8. Juni 1925 dürfen Saison- und Inventurausverkäufe nur in der Zeit vom 2. Januar bis 31. Januar und vom 1. Juli bis 31. Juli jeden Jahres, jedoch nur aus die Dauer von je 14 Tagen, ab- gehalten werden. Ausverkäufe,, die außerhalb dieser Zeit stattfinden sollen, sind unter genauer Angabe des Grundes unter EMreichung eines Verzeichnisses der auszuverkaufenden Waren sie­ben Tage vor der Ankündigung bei der Handels­kammer Gießen an^uzeigen. Im Zuwiderhand­lungsfalle müssen Sccasanzeigen erhoben werden.

^ Lotterie der hessischen Künst­ler Hilfe. Ton den Gewinnen sind vier noch nicht abgeholt und zwar der dritte Gewinn auf Rr. 539. der elfte auf Rr. 470, der vierundzwan- zigfte auf Rr. 237, der neunundzwanzigste auf Rr. 557. Die Gewinne können noch bis Ende deS Januar in der Expedition beS Anz." in Empfang genommen werden. Später gehen sie in den Besitz des Oberhessischen Kunstvereins über.

** Kriegsanleihe-Zeichnungen bei der P o ft. Den Personen, die Kriegsanleihe bei den Postanstalten gezeichnet haben, wird zur Wahrung ihrer Rechte als Anleihealtbesitzer auf Wunsch von den Poftanstalten kostenfrei beschei­nigt, welche Stucke (Lit. Rr. usw.) ihnen jeweils auf ihre Zeichnung hin ausgehändigt worden find.

" Der diesjährige Volkstrauer­tag. Die Veranstaltungen am diesjährigen Volkstrauertag, dem 28. Februar, liegen, wie int Vorjahre, in der Hand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräbersürsorge. Mit den Spitzen der beiden christlichen Religionsgemeinschaften ist vereinbart worden, daß der Vormittagsgottes- dienst im Zeichen der Trauer um die Gefallenen abgehalten wird, und daß von 1 Ahr bis 1,15 Ahr ein gleichzeitiges Läuten der Glocken aller Kirchen erfolgt. Für den Rachmittag und den Abend sind kurze Gedenkfeiern geplant.

** D i e Maul- und Klauenseuche. Das Kreisamt Gießen gibt bekannt. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen die Maul- und Klauenseuche durch Personen verschleppt wurde. Den Landwirten muh daher int Interesse des Schutzes ihrer Klauenviehbestände empfohlen werden, keine fremden Personen in ihre Stallun­gen zu lassen und insbesondere Personen, welche erfahrungsgemäß häufig die Seuche verschleppen, wie z. D. Viehhändlern unb Metzgern, das Be­treten der Ställe mir in solchen Fällen zu ge­statten, in denen dies unumgänglich nötig ist. - Die Seuche ist neuerdings in Bettenhausen, Birk­lar, Obbornhofen, Rieder-Erlenbach, Büdingen, Echzell, Altwiedermus, Mittelgründau, Klein- Rechtenbach, Ebersgöns, Reiskirchen (Kreis Wetz­lar) und Ebsdorf (Kreis Marburg) amtlich fest­gestellt worden. In Kraftsolms und Ober-Quem- bach ist die Krankheit erloschen.

* Beschleunigte Drtesfendung nach Berlin. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, werden Briefsendungen nach Berlin, die in der Aufschrift die Angabe des Zustellpostamts tragen, schon während der Fahrt in den Bahnposten einzelner Rachtzüge nach den Berliner Zustellämtern verteilt und diesen von den Bahnhöfen aus unmittelbar zugeführt. Hier­durch wird erreicht, daß diese Sendungen in eine frühere Bestellung kommen, was für die Empfänger von wesentlichem Vorteil ist. Diese Sonderbehandlung kann auf Brieffendungen, die in der Aufschrift die Angabe des Zustellamtes nicht tragen, aus betriebstechnifchen Gründen nicht ausgedehnt werden. Sie erleiden dadurch gegen­über den mit Zustellungsangabe versehenen Brie­fen eine Verzögerung in der Zustellung. Auch sonst werden die letzteren allgemein mit Vorzug behandelt. Es liegt mithin in der Hand der Ab­sender. durch Angabe des Zustellpostamtes in der Aufschrift der nach Berlin gerichteten Brief - sendungen zur Beschleunigung in der Aeberkunft selbst beantragen. Auskunft über die Zustell­postämter ist bei allen Postanstalten zu erhalten.

RDV. Reichsbahn und Radfahrer. Wie wir hören, ist den Eifenbahnbedicnsteten Entgegenkommen gegenüber Reifenden mit Fahr­rädern zur Pflicht gemacht worden. Die Fahr- ladefchaffner sind angewiesen, daß sie die Fahr­räder der Reisenden unverzüglich annehmen und sie nicht bis nach der Abwicklung des allge­meinen Ladegeschäftes zurückstellen. Mit gleichem Entgegenkommen werden die Reisenden behandelt werden, die sich zur Entgegennahme ihres Fahr­rades am Packwagen des Zuges einfinden.

Der Sport im Lichtbild. Am Sonntagabend fand auf Einladung der Freien Turnerschaft Gießen ein recht gut besuchter Licht­bildervortrag im Geweckschaftshaus statt. Der Dortragende, Dipl.-Ing. Kuntzemüller, Gie­ßen, sprach an Hand von etwa 100 ausgezeich­neten Lichtbildern über die im Vorjahre statt- gesundene 1. Internationale Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main, die nach dem Arteil der gesamten Presse die gelungenste unb glän­zendste sportliche Veranstaltung im größten Aus­maß war. Für alle damaligen Besucher der Frankfurter Tage war die Olympiade mit ihren überwältigenden Massenveranstaltungen ein ge­waltiges Erleben. Es war daher kein Wunder, daß alle die, die das Ereignis miterlebten, her- beieilten, um die Erinnerungen aufzufrischen, aber- auch die, die damals nicht nach Frankfurt konnten, waren in großer Zahl erschienen, um sich auf diese Weise ein ungefähres Bild von dem dort Gebotenen machen zu können. Die Lichtbilder wur« den im Auftrag des Arbeiter-Turn- und Sport- bunbes gelegentlich der Olympiade hergestelo und fanden den ungeteilten Beifall der An­wesenden, gestatteten sie doch einen ungefähren Begriff von dec ungeheuren Ä^öße der Veran­staltung. Reben einer sehr großen Anzahl von Lichtbildern, die eben die Runde burd) ganz Denkschlanb machen, wurde ein Filmwerk her- getzn das aller Voraussicht nach im Lause des März in Gießen zur Vorführung gelangt. Der Film hat überall dort, wo er bisher ge­zeigt wurde, einen 'oestpiellosen Erfolg erzielt