Nr. (0 Erstes Blatt
116. Jahrgang
Mittwoch, 15. Januar 1926
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Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle.
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Hessischer Landtag.
Darmstadt. 12. San. Präsident Ade- lun g eröffnet die Sitzung um 10.30 Ahr und teilt mit, daß das vom Finanzminister für heute in Aussicht gestellte Finanzexpose erst morgen erstattet wird.
Sn einer Kleinen Anfrage stellt Abg. Frau Heraus die Frage an die Regierung, ob sie es billige, daß den Krankenschwestern (Pflegerinnen) im Lupusheim gekündigt worden sei, mit dem Fiel, organisierte Krankenschwestern anzustellen. Ministerialrat .Urstadt erklärte, daß die Regierung dieses Verfahren billige, da durch die Einstellung organisierter Krankenschwestern eine geordnete Pflege gesichert sei.
Weitere Anfragen- beziehen sich auf die Lieber schwemmungen. Einer von Minister Raab abgegebenen Erklärung ist zu entnehmen, daß Erhebungen über die durch die Heber«* schwemmungen angerichteten Schäden zur Zeit vorgenommeil werden. Es sei zu hoffen, daß die Schäden nicht so große wären, wie man befürchte, weil hauptsächlich Wiesenland in Betracht komme.
Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst wird eine Vorstellung des Bundes Alter Herren der Hessischen Landesbaugewerkschule Darmstadt betr. das Gesetz die Allgemeine Bauordnung vom 30. April 1881 beraten. Die Vorstellung will, daß keine Baupläne eingereicht werden dürfen, die nicht bestimmte Prüfungen abgelegt haben. Das Haus tritt dem Ausschuhbeschluh bei, nach dem die Vorstellung durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt wird.
Ein Antrag der Abg. Greiner und Gen. über den Kirchenaustritt wünscht formale Erleichterungen für den Kirchenaustritt. Es soll u. a. eine Erklärung vor dem Standesbeamten genügen und die Kirche solle dann feine finanziellen Ansprüche mehr haben. Abg. Feldev verliest eine längere Regierungsantwort, die sich im ablehnenden Sinne äußert.
Weiter teilt der Redner eine Reihe von Eingaben kommunistischer und freidenkerischer Vereinigungen mit, die die gleichen Forderungen aufstellen. Abg. Dr. Greiner (Komm.) bezeichnete Hessen als den rückständigsten Staat in bezug auf die Kirchenaustrittsbestimmungen. Der Redner erinnert die Sozialdemokratie an die Stellungnahme von Marx, Engels, Ulrich, Kaul: die Sozialdemokratie müsse daher dem Antrag zustimmen, ebenso die Demokratie. Selbst die Volksparteiler, Deutschnationalen und Bauem- bündler müßten den Forderungen aus Toleranzgründen beipflichten. Der Ausschuhantrag, den Antrag Dr. Greiner durch die Regierungsantwort für erledigt zu erklären, wird vom Hause angenommen.
Auch Anträge auf Herabsetzung der Fahrgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge für mehrere in den Eingaben genannte Straßen (an der Bergstraße und in Bad-Rau- heim) werden durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Bei der Aussprache über diese Anträge werden von mehreren Abgeordneten Klagen über das zu schnelle Fahren der Autos vorgebracht.
Abg. Frau Hattern er erstattet Bericht über einen Antrag der Abgg. Lenhart, Hoffmann- Darmstadt und Gen. wegen
Erlaubniserlettung zu Tanz- und Fastnachtsvergnügungen.
Der Antrag stammt aus dem Sanuar des Sahres 1925. Sm Ansch^H» hieran weist die Rednerin auf die großen durch die Vergnügungssucht verursachten Schäden hin und äußert die Meinung, daß die von der Regierung erlassenen Vorschriften laicht ausreichend seien. Die Abgg. Kindt und Gen. haben einen Antrag eingebracht, daß für Tanzvergnügungen die höchsten Steuersätze erhoben und der Ertrag der sozialen Fürsorge zugewandt werden soll. Abg. Glaser (Bbd.) wendet sich gegen die Vergnügungssucht weiter Kreise. Abg. G a l m (Komm.) richtet scharfe Angriffe gregen das Zentrum, das die Möglichkeit habe, das Karnevals- treiben zu unterbinden. (Es kommt zu lebhaften Zwischenrufen.) Weiter wendet sich der Redner auch gegen den Bauernbund. Die Kommunisten würden dem Antrag nicht zustimmen, weil er eine Heuchelei sei.
Abg. Frau Balser (Dem.) bekämpft in ihren Ausführungen die Ausschreitungen bei Tanzlustbarkeiten öffentlichen Charakters und xn geschlossenen Gesellschaften. Die Regierung möchte eine Kundgebung gegen das Karnevalstreiben erlassen.
Sn der weiteren Debatte teilt Abg. Lenhart (Ztr.) mit, daß der deutsche Episkopat sich gegen die Karnevalstreiben mit einem Ausschreiben gewandt habe.
Abg. Dr. Keller (D.V.P.) hält dem komm. Abg. Galm entgegen, daß nicht bloß der Arbeiter in Rot sei, sondern auch das ganze Voll. Dem Anträge des Zentrums stimme seine Partei zu.
Abg. Reuter (Soz.) spricht gegen^ den Antrag, weil die verhältnismäßig billigen Tanz- bergnügungen getroffen würden. Der Mainzer Karneval sei historisch begründet.
Der Antrag Lenhart wird angenommen.
Ein Antrag der Abg. Roth (Komm.) und Gen. über Mißstände und Arbeitszeitverhältnisse in der Hebammenlehranstalt Mainz wird zusammenberaten mit einer Anfrage der Abg. Frau H e r ä u s wegen Vorlage eines Hebammengesetzes. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte -wischen der Abg. Frau
Die Große Koalition gescheitert.
Erneute Absage der Sozialdemokraten. — Bor einer Beauftragung Dr. Luthers.
Berlin, 12. Ian. (WB.) Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion hat heute abend folgendes Kommunique bekanntgegeben:
Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion hak in den Verhandlungen über die Bildung einer Großen Koalition Forderungen aufgestellt, deren Durchführung durch die Zunahme der allgemeinen Rot nur noch dringender geworden sind. Sie hat durch ihren Beschluß vom 16. Dezember seststellen müssen, daß infolge mangelnden Entgegenkommens der Deutschen Bolkspartei in sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen den Bemühungen des Abg. kroch kein Erfolg beschieden war. Sie hat daher in den Formulierungen, die ihr als Ergebnis der geführten Verhandlungen vorgelegt wurden, eine geeignete Grundlage für die Bildung einer Regierung der Großen Koalition nicht erblicken können. Die sozialdemokratische Fraktion muß seststellen, daß Gründe für eine Aenderung ihrer Haltung nicht vorlicgen. Es besteht kein Anzeichen dafür, daß die Deutsche Volkspartei ihren bisherigen Rechtskurs aufzugeben gewillt ist. Die Volkspartei hat daher auch in den bisherigen Verhandlungen über die Bildung einer Großen Koalition einen ernsten Willen zur Zusammenarbeit nicht erkennen lassen. Es war insbe- fenbere die Deutsche Volkspartei, die der sozialdemokratischen Forderung über den Achtstun - den tag die Zustimmung versagte, die fick) im Sozialpolitischen Ausschuß gegen die sozialdemokratischen Anträge zur Erwerslosenfürsorge erklärte und die in der Frage der jetzt zum öffentlichen Skandal gewordenen Fürskenabsin- düng die sozialdemokratifchen Forderungen zurückgewiesen hat. Deshalb erklärt die sozialdemo- tische Reichstagsfraktion, daß für die Bildung einer Regierung der Großen Koalition keine Grundlage bestehl.
Rach dem Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Ieitungsverleger ist diese Entscheidung der Fraktion mit groftpr THefitbeU zvftande- gekommen.
Zu dem nunmehr also endgültigen Scheitern der Bildung der Großen Koalition bemerkten die Blätter, daß nunmehr der Beauftragung des bisherigen Reichskanzlers Dr. Luther mit der Kabinettsbildung nichts mehr im Wege stehe, lieber die Haltung der Deutschnationalen einem Von Dr. Luther zu bildenden Kabinett, bas mit wechselnden Mehrheiten regieren müßte, gegenüber, schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Da die Sozialdemokraten so wenig Verantwortungsbewußtsein gezeigt haben, beschreitet man den Weg der sachlichen Arbeit zur Wahrnehmung des Voltswohles, und die Rechte hat feinen Anlaß zu grundsätzlicher Opposition. Alä erste und vornehmste Aufgabe des Kabinetts bezeichnet das genannte Blatt den Versuch, die auf den Rägeln brennende Rot einer verfallenden Wirtschaft, wobei das Parteiprestige zu schweigen habe und nur die Rücksicht auf das Allgemeine in Betracht komme, zu beseitigen. Zur Lösung dieser Ausgabe komme nur eine Regierung in Frage, die von parlamentarischen Fesseln möglichst wenig beengt sei und gegebenenfalls sogar den Willen und die Kraft habe, diktatorisch vorzugehen.
„Deutsche Zeitung" und „Kreuzzei - t u n g" halten nunmehr den Zeitpunkt für gekommen, daß die im Lager des Zentrums laut gewordenen Drohungen über Rückwirkungen der Lage im Reich auf Preußen in die Tat umgesetzt werden können. — Die „Tägliche Rundschau" verwahrt sich gegen den sozialdemokratischen Vorwurf, daß die Haltung der Deutschen V o l k s p a r t e i das Scheitern der Großen Koalition verursacht habe. Die ersten Verhandlungen mit der Sozialdemokratie seien nicht an der Deutschen Volkspartei gescheitert, sondern daran, daß der demokratische 2lbg. K o ch keine Möglichkeit sah, die P r o g r a m m s o r d e- rungen der Sozialdemokratie in- die
von ihm ausgestellten Regierungsrichtlinien aufzunehmen.
Sn der „® e r m a n i a“ heißt es, daß die Sozialdemokratie in erster Linie für alle Folgen des Richtzustandekommens einer Mehk- hcitsregierung haftbar zu machen sei. Zur Bildung einer Minderheitsregierung der Mitte durch Dr. Luther sagt das Blatt: Die Rechte betrachte offenbar eine solche Regierung als die Vorläuferin einer Rechtsregierung, und im Geiste sieht sie die leeren Sessel der deutsch- nationalen Minister schon wieder mit ihren Leuten beseht. Cs ist ein Srrtum, zu glauben, daß das Zentrum der Wegbereiter für eine solche Entwicklung sein konnte. .Ferner wird es zu verhindern suchen, daß sich die jetzige parlamentarische Krise zu einer Krise des Parlaments erweitert. Das „Berliner Tageblatt" schreibt zu der sozialdemokratischen Absage, daß die Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion das Staatsinteresse dem ungeschmälerten Parteibestande geopfert habe. Die „Vos fische Zeitung", die die Ablehnung der Großen Koalition einen der bösesten Fehler nennt, den die Sozialdemokratie Jett ihrem Bestehen gemacht habe, teilt mit, daß der ab- lehnende Beschluß mit 87 gegen 33 Stimmen gefaßt wurde. Der „Vorwärts" schreibt: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird die kommende Regierung nach ihren Taten beurteilen. Eine Minderheitsregierung bleibt solange im Amte, bis sich eine Mehrheit findet, die sie stürzt. Kann dann diese Mehrheit keine Regierung bilden, so bleibt der Ausweg des Appells an das Volk.
Das Handwerk zur Wirtschaftslage.
Berlin, 12. Ian. (WB.) Der Reichsverband des Deutschen Handwerk? nahm einstimmig eine Entschließung an, in der es u. a. heißt: Der Reichsverband des Deutschen Handwerks erhebt namens des gesamten deutschen Handwerks schärfsten^ Protest gegen die im Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaus enthaltenen Sonderbest im m ungen gegen das Handwerk. Als eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine wirkliche Gesundung der Wirtschaft fordert das Handwerk spar s am st e Finanzwirtschatt des Reiches, der Länder und Kommunen, Steuermilderungen und Unterlassung jeglicher Steuerüberschußpolitik, eine gesunde Kreditpolitik, Berücksichtigung der Roilage der Wirtschaft bei allen sozialpo'luischen Maßnahmen, Herabsetzung der Verwaltungsgebühren, Gerichtskosten, Eisenbahn- und Posttarife. Zustimmung fand ferner eine vom Vorsitzenden des Deutschen Fleischerverbandes vorgelegte Entschließung, nach der die Vollversammlung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks schärfsten Protest gegen die vom Reichsernährungsminister veranlaßte Anregung der Reichsregierung an den Reichsverband der Deutschen Industrie bezüglich der Errichtung von Werkschlächtereien erhebt. Weiter wurde eine Entschließung angenommen, in der die Ausdehnung der gesetzlichen Zwangsversiche- rung auf das Handwerk abgelehnt wird. — 3n öen Vorstand des Reichsverbandes wurden wie- dergemählt: Hansen (Hamburg), Präsident Plate (Hannover), Willmann (Hannover). Hinzugewähft wurden ferner Müller (Berlin) und Präsident Welter (Köln).
Der Reichshauchastsplan.
Berlin. 12. San. (WTD.) Bei dem nunmehr dem Reichstag vorgelegten Etatsentwurf für 1 926 ist von der Erwägung ausgegangen worden, daß auch in diesem Safjr die Aufnahme einer Anleihe noch nicht möglich sein wird. Darum müssen alle Einnahmequellen restlos a u s- geschopft und der aus den Tleberschüsfen des
Sahres 1924 noch freie Betrag von 220 Millionen herangezogen und der Ausgaben bedarf rücksichtslos gedrosselt werden. Reue Planstellen für Beamte sind mit Ausnahme der beim Auswärtigen Amt und Reichsversicherungsamt nicht eingestellt. Auch Hoherstusun- gen von Beamten sind grundsätzlich nicht erfolgt.
9m ordentlichen Haushalt ist der Etat durch Reparationszahlungen mit 350,3, im außerordentlichen Etat mit 104,2 Millionen belastet. Außerdem wird eine Rücklag e vorgesehen für die 1927 fällig werdende zusätzliche Haushaltszahlung. Die Gesamteinnahmen sind auf 7419,6 Millionen veranschlagt, darunter aus Besitz- und Verkehrssteuern 4844 Millionen, aus Zöllen und Verbrauchssteuern 1947 Millionen Reichsmark. Die Minderausgaben gegen 1925 betragen insgesamt fast 350 Millionen. Die Steuerüberweisun- gen an Länder und Gemeinden sind um rund 150 Millionen Reichsmark niedriger als im Vorjahre. Daß sich trotzdem der gesamte Bedarf des Reiches nur um 125 Millionen ermäßigt, liegt an den höheren Reparationslasten.
Die Pensions- unb Wartegelder erfordern 1555,5 Mill., worunter die Renten für die Kriegsbeschädigten mit 1223 Mill, angesetzt sind. Die Personalausgaben für Beamte, Soldaten, Angestellte und Arbeiter beanspruchen 6:9.8 Mill. Die sachlichen Derwaltungskosten betragen 1512 Millionen. Die Zahlungen an die Länder für die Schutzpolizei 190 Mill. Rm. An einmaligen Ausgaben im ordentlichen Haushalt sind insgesamt 301 Mill, angesetzt, worin für die inneren Kriegslasten und Rcparationslasten rund 174 Mill, enthalten sind. Unter Hinzurechnung der von der Reichsbahn zu zahlenden Betrage und der Snüuflrievbligationen beträgt die gesamte Reparationslast für 1926 1 360 333 330 Reichsmark.
Die Veamlenbesowungsordnung
Berlin, 12. San. (T41.) Sn Kreisen der Beamtenschaft sind beunruhigende Rachrichten über die Reuordnung der Beamten- b e s o l d u n g im Umlauf, nach denen u. a. die gesamte Beamtenschaft nach Berufslaufbahnen auseinandergerissen werden sollen. Don zuständiger Stelle wird demgegenüber auf die Reichstagsrede des Reichskanzlers vom 5. Dezember hingewiesen, in der dieser ausführte, daß Pläne erwogen würden, die Zahl der Besoldungsklassen zu vermehren. Der Reichskanzler hielt eine solche Abänderung für wünschenswert, da cs dadurch möglich sei, die Gehaltsverhältnisse den örtlichen Bedürfnissen vi^l mehr als bisher anzupasfen. Darüber hinaus ist an zuständiger Stelle von einer Reuordnung der Beamtenbesoldung nichts bekannt.
Die Mstenübfindmtg.
Aus dem Rechtsausschuß des Re chstages.
Berlin, 12. Ian. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung der Anträge über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früheren regierenden Fürstenhäusern fort. Ein Vertreter des preußischen Finanzministeriums erklärte, die schmal ka Id ische Pforte wurde nach dem Kriege von 1866 vom preußischen Kenig Wilhelm I. dem Herzog von Koburg-Gotha geschenkt als Dank für die W a f s e n h 11 s e , die das Land Koburg-Gotha im Kriege dem preußischen Staate geleistet hat. Die Schenkung ist der damaligen Gesetzgebung entsprechend rechtsgültig erfolgt.
Für die bayerische o t a a t s r e g t e r u n g gab Staatsrat Dr. Quarck folgende Erklärung ab: Die Ordnung des Verhältnisses zwischen den Landern und ihren ehemaligen Fürstenhäusern, die ihre Grundlage in den besonderen staatsrechtlichen Verwaltungen des einzelnen Landes hat, ist Angelegenheit der Länder. Eine reichsgesetzliche Regelung dieser Frage würde einen schweren Eingriff in die Rechte der Länder bedeuten und muß von Bayern
Roth (Komm.) und der Abg. Frau Heräus (Dtschn.).
Minister von Brentano weist in -lieber» einftimmung mit der Abg. Frau Heräus den Vorwurf der Ausbeutung von Snsassen der Mainzer Anstalt zurück. Wegen des Ausdrucks „krasse Unverschämtheit des Ministers" wird der Abg. Galm zur Ordnung gerufen.
Abg. Frau Steinhäuser (Soz.) schließt sich im wesentlichen den Beschuldigungen der Abg. Frau Roth an.
Abg. Frl. Birnbaum (Dtsch. Vp.) bestätigt die Angaben von Frau Heräus über die Eindrücke bei einer Besichtigung der Anstatt.
Rach weiterer Debatte wird die Abstimmung über die Anträge auf morgen vertagt.
Schluß der Sitzung um 1.30 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch, 9 Hhr.
Preußischer Landtag.
Berlin. 12. San. Die erste Sitzung des preußischen Landtags nach der Weihnachtspause fand vor einem mäßig besetzten Hause statt, das sich in der Hauptsache mit der Beratung des Gesetzentwurfs über die Unterbringung der Lehre und Leiter der staatlichen Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten beschäftigte. Die Vorlage regelt die Anstellung und Pensionsver
haltnisse berjenigen Beamten, die von der A u f - losung der Seminare durch die Verordnung vom 26. Februar betroffen sind. Eine Schmälerung der Cehalts- und Pensionsbezuge tritt auch dann nicht ein, wenn die durch dte Auslosung der Seminare Betroffenen Dor Inkrafttreten des Gesetzes in andere Schulstellungen eingetreten sind. Die Vorlage wurde tn zweiter Lesung nach den Atisschußbeschlus en an-
S”r?u« berichtete 2tbg. Eichh-ss (D.Dv.) über die Ausschutzberatung Zu der Großen Anfrage v. Campe (St. Vp.), die Auskunft verlangt, welche Maßnahmen die etaatäregierung treffen wolle oder getroffen habe, um den durch die Besetzung des Ruhrgebtets geschädigten Gemeinden zu Helsen, ehe durch das Reich eine endgültige Entschädigung erfolgt. Abg. Dr. De er bürg (Dntl.) verwies auf die Wrrt- schaftskatastrophe im Ruhrgebiet und betonte, daß die Ausbeutung des Ruhrgebiets durch die französische Politik nebst ihren ungeheuren Sanktionen und Reparationen die Ursache dieser Katastrophe sei.
Das Haus nahm mit großer Mehrheit den Ausschutzbeschluß an, der die Grotze Anfrage durch die früheren Ziagen l:: ,.....
erledigt cri*...
Plenarsitzung des Reichstags.
Der Reichstag trat am Dienstag nach der Weihnachts- und Reujahrspause wieder zusammen Die Sitzung war jedoch mit Rücksicht auf die schon für die frühen Rachmittagsstunden ange» setzten Fraktionssitzungen sehr kurz und nahm auch dcis Sntereffe der anwesenden Abgeordneten kaum in Anspruch. Herr Loebe begrüßte das Haus in der ersten Sitzung des neuen Jahres und gab dann dem Kommunisten Rädel das Wort, der vor Eintritt in die Tagesordnung die Erhöhung der Erwerbslosenunterstüyung beantragte. Sem Antrag wurde dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Angenommen wurde der Gesetzentwurf zur Aenderung der Vorlage über die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. Das Haus wandte sich danach der ersten Beratung des Gesetzentwurfes über die Abänderung des Reichsknappschaftsgesehes zu, dem der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns einen längeren Kommentar mit auf den Weg gab. Das Gesetz will die Familienkrankenpflege zur Pflichtleistung erheben und die Ausgabm für die Alterspensionen herabsehen, da sie in ihrer rt-iaen Hohe die Knappschaftskassen tn ihrem n'fäbrben. Das Haus brach die Bera- tur „ j-- -jt: sich 7"s Mittwoch.


