Banknoten.
Börse.
Frankfurter
Börse.
Berliner
(Eigener Drahtberrchk des „Gießener Anzeigers"^
Berlin. 12. Febr. Die Mediovorbereitungen der Börse haben in der Hauptsache ihr Ende gefunden. Die Abgaben der Spekulation setzten sich nicht mehr fort, sondern es waren eher kleine Deckungen und Rückkäufe zu beobachten. Die Stimmung war wieder zuversichtlich und das Kursniveau durchschnittlich um 1 bis 2 Proz. erholt. Das Hauptgeschäft wickelte sich weniger am Montan- und Schiffahrtsmarkte ab, als in Bankaktien, von denen Darmstädter um 4 Prozent gebessert waren. Schutzgebietonleihen und Kriegsanleihen waren ebenfalls lebhaft ge-
gefamt 351,5 Millionen Dollar. Sm Laufe des vorigen Jahres vergrößerten sich diese Schulden um 11 Millionen Dollar. Sm Budget wird die Schuldensumme nach dem Kurs 1 Dollar 6,50 Zloty auf 2 900 Millionen Zloty berechnet. Sm einzelnen verteilen sich Polens Auslandschulden folgendermaßen. bei Amerika 1937 Mill. Zloty, bei Frankreich auf 298 Mill., bei England auf 197 Mill. Zloty usw., insgesamt 2 668 Millionen Zloty, darunter die Eisenbahn-Anleihe 46 Mill., die Konversions-Anleihe 66 Mill., Schatzscheine 40 Mill., die Schulden des Staates bei der Polnischen Staatsbank 50 Mill. Zloty usw.
Börsenkurse.
lEigener Drahtbericht des „Giehener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 12. Febr. Tendenz: Sehr fest. — Der frische Zug, der sich bereits gestern im Börsengeschäft Geltung zu verschaffen wußte, führte heute bei fester Stimmung zu einer größeren Amsahtätigkeit, von6er alle Märkte betroffen wurden, wobei jedoch alle Anleihen weiter das Hauptinteresse beanspruchten. Eine besondere Anregung bot hier der Erfolg der Emission der öVrPcoz. Preuß. Schatzscheine. Sn erster Linie waren hiervon Preuß. Konsols begünstigt. 3^/zprvz. Preuß. Konsols stiegen von 0,365 auf 0,407V2, 3proz. von 0,35 auf 0,42. Kriegsanleihe setzten in lebhaftem Tempo ihre Aufwärtsbewegung fort. Der Kurs sprang von 0,380 auf 0,402V» im Fr ei verkehr, die erste amtliche Notiz stellte sich auf 0,397V2. Auch Länderanleihen tendierten in fester Stimmung. Der Pfandbriefmarkt war befestigt. An den Aktienmärkten wirkten sich die in Aussicht stehenden Steuererleichterungen weiter aus und förderten die Kauflust, wobei besonders Montan- und Schiffahrtswerte bevorzugt waren. Größere Auslandkaufaufträge gaben auch hier dem Markt ein lebhaftes Gepräge. Am Mon tanmarkt waren gegenüber den gestrigen Mittagsnotierungen 2- bis 3prozentige Kursbesserungen zu verzeichnen. Mannesmann wurden sogar 7 Proz. höher. Farbenwerte blieben dagegen etwas im Rückstand und hatten nur geringe Kursbesserungen aufzuweisen. Ziemlich fest tendierten Elektrowerte, und auch Dank-Aktien wiesen neue gute Steigerungen auf. Disconto plus 2.5 Prozent. Schiff - fah rtsw erte hatten Kursbesserungen von 1
fragt und verkehrten in fester Haltung. Der Geld- m o r ft ist weiter außerordentlich leicht. Tagesgeld ist nur schwer unterzubringen, so daß der Zinssatz auf 41 bis 71 gedrückt war. Monatsgeld wurde fast nicht umgesetzt. Auch der Privatdiskontsatz war stärker gedrückt, da Aufträge nicht vorlagen. Industrieakzepte sind zu 61 Prozent kaum erhältlich. Im Devisenverkehr war Warschau gegen Kabel befestigt und stellte sich auf 7,4. Poris notierte gegen London 132.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
11 Febr.
12. Febr.
Amtliche Noti rung
Amtliche Notierung
Meld
Brier
Meld
Briet
Amft-Ron
168.12
168,. 4
168,14
169,56
Buen--Aircä
1,711
1,716
1,720
19 075
1,724
Brfi.'ÄMw
19,075
19.150
19,115
Chriftiania.
85.31
85. 6
85,61
85,86
Kopenhagen
101,07
103,33
1CG.25
106.51
Stockholm -
112.35
112,113
112, 2
112.60
Hrlfingfors
10.552
10,592
10.551
10,591
ytalien. .
16,93
20,40!
16,97
16,92
16.06
London. .
20,455
20,391
20,451
Neoyork . -
4,195
4,205
4.195
4,205
Paris. . .
15,465
15,505
15,42
15,46
Schwei; . .
80,795
80,995
80 78
81.98
Spanien .
59,16
59.30
59.08
59,22
Japan . . . Rio de Jan-
1,894
1.898
1,892
1.896
0.C20
0.622
0.616
1.618
Wien inD- Oest. abgest
59.04
59,18
59,025 12.415
59,165
Prag ....
12,450
12.455
12,455
Belgrad . .
7.37
7,39
7.33
7,39
Budapest. .
5,878
6.895
5,878
5,89.8
Bulgarien
2.98
2.99
2.98
2.99
Lissabon
21,245
: 1,295
21 245
21,295
Danzig. .
Konstantin.
80,91
81.11
80.90
81.19
2,20
2,21
2,20
2,21
Alben.
6.14
'•16
6.14
6.16
Sanaba. . .
4.18
1.19
4.18
4.19
Uruguay . .
4,315
4.325
4,32
4.33
Frankfurt a.M.
Berlin
Schlug-!
Kur» 1
1-Uhr. flur»
Schluk.lAnfang
Kur»
«urc
Damm: |
1L 2. | 12.
11.2.
12. 2.
5% Deutsch« ReichSanleibe .
4-/„ Deutsche ReichSanleibe .
'1.380 0,365
0,3975
0.3775
0 3 3
0.385
0.3625
3Deutsche ReichSanleibe
0,5675
—
——
0.3i.
3% Deutsche ReichSanleibe . Deutsche Sparprämienanleihe
0.41
0 209
—
0,402 0.3
0,4025
4% Preußisch« Konsols . . .
i .853
—
0.355
0,37
4% Hessen......... •
0,22
—
0.31
—
0,32 0.33
0 3
0.34
3% Heiser,...........
—
Deutsche Sertb. Dollar-Aul.
90,25
92
—
dto. Doll.--Schatz-Autreilng.^
100
—
99,15
—
4«/, Zolltürku.........
5% -öotomeritan«.....
9,8
—
—>
42
42,5
—
—
Berliner Handelsgesellschaft. Lommerj- und Prtvat-Bank
143 2* 106'
106 5*
145,9*
106*
106,5'
130 2'
Darmst. und Naiioualdank ■
125'
130,5'
120.2*
Deutsch« Bank........
Deutsch« BeretnSbank ....
124'
—
124.2*
12<*
65.5
—
——
—
DiSconto Lommandtt . . .
118.2-
122
119,7'
121'
Metallbau!. .........
92.25
95
—
Mitteldeutsche Kreditbank. .
97.5'
97,75*
98.5*
99'
Oesterreichische Kreditanstalt.
6.1
7.4
7.4
7,5
8 Ä o
0,033
—
__
Bochumer Guß........
85*
87,5'
BoderuS ■ . . ........
Caro ...........
44
48,5
42.4
46,25
44'
—■
41.5'
*■
Deutsch-Luxemburg......
Gelsenkirchener Bergwerke. .
86'
90'
89'
87.9*
89.5*
89,25'
0 75*
Harvener Bergbau......
Kalauerte AscherSlebeu....
111.5'
817.5
112 5'
111.7'
115.25
112 4*
117 5*
Kaliwerk Westeregeln.....
117.35
124,5
118,5
123.5
Laura Hütte...........
Oberbedarf. ..........
34.25
37
34.1
37*
48'
—
50*
51*
Phönix Bergbau..... .
78'
78,25'
77.5'
78,5'
Rheinstahl...........
81.5'
88,5
64.5
83.25*
88,25
81,25'
82.9*
TelluS Bergbau. ......
86
87
Hamburg-Amerika Paket.. . Norddeutscher Llovd ....
127'
133,5*
129,7* 136*
127 1'
133,7*
__
Theramtsche Werke Albin . .
—
Zementwerk Heidelberg . . .
78 5
79
—
Philipp Holzmann......
62,5
63
61,25
—•
Anglo-Cont.-Guano.....
*
_
84.25
Chemische Mayer Alapin . .
—
—
I. G. Farben Industrie, A.-G-
126,6'
69
129 4'
128,2*
69
126,2*
Holzverkohlung........
53.5
74
64 75
77.5
99
7,62
77,5
«llg- Elektrizitäts-Gesellschaft
97'
98.4*
97'
97.75'
Bergmann .........
84'
-
85'
85,5*
—
Matnkraftwerke........
81
Schlickert , . ...... . ,
83,5*
84.72*
82.75*
85*
Siemens & Halske ......
99 25*
IJl*
99,5'
102*
Adlerwerke Kleyer ......
87
40
37.5
39 25
Daimler Motoren. ......
34.5
35,5
33,5
34
Heyligenstaedt.........
Meauin. ...........
Motorenwerke Mannheim .
23
29
—
30 7.
—
—
27
—
Frankfurter Armaturen ..
Konservenfabrik Braun . . .
—
—
—
—
Metallgeselllchaft Frankfurt. Pet. Union A.»G. .....
Schuhfabrik 6et$ . ......
106
60
108 5
61
68
—
28
28,25
28,6
—
Sichel..............
5,62
«■■
6JS
Zellstoff valdhof....... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . .
97.75
98
d6,5
97,5
44.5
43
46.5
45
43
—
Berlin. 11. Febr
Geld
Brief
Amerikanische Note« .....
1,195
4,215
Belgische Noten . .......
Dänische Noten .......
19.045
103,92
19 145
104.41
Englische Noten........
20,372
20,472
Französische Noten ......
15.5-5
15 635
Holländische Noten......
167,33
IG8.1:
Italienische Noten ......
16 91
17.02
Norwegische Noten...... Deutsch-Ocstcrr-, i 100 Kronen
85,19
85.61
58.96
59,26
Rumänische Noten......
—
—
Schlvedifche Noten......
112,02
U3,58
Schweizer Noten.......
80,695
81.09)
Svauiscke Notrn.......
Tschechoslowakische Noten ..
58,95
59 25
12.395
12.455
Ungarische Noten
5,84
5,88
Neues von Shakespeares Testament.
Wir wissen so wenig Tatsächliches von Shakespeares Leben, daß jedes neue Licht, das auf die Persönlichkeit des großen Dramatikers fällt, uns willkommen ist. Den zahlreichen Problemen, die Shakespeares Testament vom Sahre 1616 aufgibt, ist nunmehr von neuem ein englischer Forscher, S. O. Addh, nachgegangen, der ein vorzüglicher Kenner der Kultur der elisabetha- schen Zeit ist und seine neuen Beobachtungen in der letzten Hummer von „Notes and Queries" veröffentlicht. Besonders viel hat man sich mit der Bestimmung Shakespeares beschäftigt, daß das zweitbeste Bett seiner Frau Anna zufallen solle. Sidney Lee kommt in seiner Biographie des Dichters zu dem Ergebnis, daß diese Bestimmung als eine Nichtachtung seiner Frau gedeutet werden könne. Es sei zwar ein häufiger Brauch der Zeit, eine bestimmte Bettstelle oder einen anderen Gegenstand des Hausrates als einen Teil des Erbes der Frau zu bezeichnen; es sei auch nicht ungewöhnlich, daß das beste Bett einem anderen Famllienmitglied zugesprochen werde, aber es gebe kein Testament außer dem Shakespeares, in dem ein Bett die ganze Hinterlassenschaft bllde. Außerdem habe der Dichter den Pflichtteil, den seine Frau erhalten mutzte, dadurch geschmälert, datz er das Haus in Blacksriars, das er besah, seiner Tochter Susanna vermachte. „Diese Maßnahmen sind ein vollkommener Beweis," sagt Sidney Lee, „daß er seine Frau von dem Genuß seines Dermö- gens nach dem Tode ausschliehen wollte." Gegen diese Annahme, die den Charakter Shakespeares in einem unschönen Licht erscheinen ließe, wendet sich nun Addy in seinen Ausführungen, die ein großes Material beibringen. Zunächst zeigt er, daß nach dem damals geltenden Recht das ..Pflichtteil" für Frau und Kinder genau fest- gelegt war. Die Witwe erbte stillschweigend ein Drittel von dem persönlichen Besitz ihres Ehemannes, und es war für den Testator nicht
nötig und auch nicht bräuchlich, diesen Anteil noch besonders zu erwähnen. Wenn Shakespeare seiner Frau also ein Bett vermachte, so hinterließ er ihr noch etwas über den selbstverständlichen Pflichtteil hinaus. Gibt es nun wirklich kein anderes Testament, in dem nur diese Zuwendung für die Frau enthalten ist? Die Testamente von Warwickshire, der Grafschaft, zu der Shakespeares Geburtsstadt gehörte, sind verloren gegangen. Aber aus gleichzeitigen letztwilligen Verfügungen in anderen Gegenden Englands weist Addy nach, daß eine solche Bestimmung auch hie und da sonst vorkommt, so z. B. in dem Testament eines gewissen Sohn Hill von Grimestorpe, der seinen Freunden und Verwandten verschiedene Legate ausseht und seiner Frau Rosa nur sein bestes Bett und sonst nichts hinterläßt. Wir wissen nun, daß Rosa Hill dieses Testament anerkannt hat und darin durchaus keine schlechte Behandlung sah, denn sie erbte ja außerdem noch ein Drittel des ganzen Geldes und der sonstigen Habe.
Aber das zweitbeste Bett? Das ist etwas, was die Verehrer Shakespeares doch als eine Ungerechtigkeit empfinden, und trotzdem kann man auch diese Verfügung ganz harmlos deuten. Shakespeare vererbte seiner Frau nicht „eins der besten Betten in meinem Hause", tote es Philipp Morton von Bradfield tat, sondern er vererbte ausdrücklich das zweitbeste Bett. Dowden, der berühmte Shakespeare-Forscher, meinte, daß der Dichter damit vielleicht einer „Laune" seiner Frau entgcgengefommen sei, da sie in diesem Bett besonders gut schlief. Addh aber findet eine andere Erklärung; er meint, man dürfe nicht vergessen, daß ein Bett in jenen Zeiten sehr häufig ein Erbstück war, und daß sich nicht jedes Bett zum Vererben eignete, tocmx es, wie damals häufig, in die Wand eingebaut und daher nicht leicht zu entfernen war. Vielleicht hat Shakespeare in das Haus „New Place", das er sich in Stratford baute, das beste Bett so einbauen laßen, daß es nicht fortzubewegen war. Was das Haus zu Dback Friars anbetrifst, so
bis 2 Prozent aufzuweisen. Auto-Aktien waren ebenfalls höher. Kleyer plus 2,5 Prozent, Daimler plus 1 Prozent. Zuckeraltien waren befestigt. Zellstoff-Aktien strebten weiter nach oben. Der K a s s a m a r k t der Sn- dustriepapiere hatte gleichfalls überwiegend Kurssteigerungen aufzuweifen. Der Freiverkehr zeigte freundliche Haltung. Api 0.4, Deckerstahl 45 Prozent, Deckerkohle 61 Prozent, Benz 35.5 Prozent, Drown-Boveri 71 Prozent, Entreprise 9.5 Prozent, Growag 51 Prozent, Krügershall 90 Prozent, Petroleum 80 Prozent, Ufa 63 Prozent. llnterfranfen 60 Prozent. Sm weiteren Verlaufe blieb die Stimmung allgemein freundlich, besonders für Aktienwerte, die neue Steigerungen auftoiefen, wogegen Anleihen später leicht abbröckelten. Das Geschäft blieb im allgemeinen ruhig. Am Geldmarkt war mit Rücksicht auf den bevorstehenden Medio eine Verknappung zu verzeichnen. Tägliches Geld war bis 6 Prozent gesucht. Monatsgeld ist unverändert 63/< bis 7'/° Prozent. Sm Devisen- verlehr stellte sich das englische Pfund auf einen Gegenwert von 4,8635. Paris gegen London 131.60.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 12. Febr. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 26 bis 26,25, Roggen (inl.) 17,50, Sommergerste (für Drau» zwecke) 20 bis 22.50, Hafer (inl.) 18,50 bis 21,50, Mais (gelb) 18.50, Weizenmehl (inl. Spezial 0) 40 bis 40,50, Roggenmehl 25,75 bis 26, Weizen- und Roggenkleie 10 bis 10,25. — Tendenz: unverändert.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 11. Febr. Der scharfe Rückschlag in Amerika kam auch in neuen Preisberichten Liverpools und die nicht unbeträchtliche Herabsetzung der Schiffsforderungen zum Ausdruck. Sn Weizen blieb das Angebot klein und die bis 3 Mk. ermäßigten Gebote führten nur zu wenigen Umsätzen. Roggen ist wohl mehr zu kaufen, ist aber gleichfalls billiger als gestern gehalten. Gerste und Hafer ziemlich ruhig, in mittleren Qualitäten angeboten und nur gute Sorten begehrt, Mehl matt, Futterartikel still. Sm Lieferungshandel gingen Weizen um 3 Mk. zurück. März 265, Mai 273, Roggen per März mit 165,5, 3>/r und per Mai mit 177,4 Mk. schwächer. Es notierten pro 1000 Kg.: Weizen, märk., 244 bis 247, pomm. 244 bis 248, März 265 bis 264.5 bis 265, Mai 273, Roggen, märk., 145 bis 150, pomm. 145 bis 149, März 165, Mai 177 bis 177,5, Gerste, märk., 168 bis 196, Futtergerste 140 bis 158, Hafer, märk., 155 bis 166, Raps 340 bis 345, für je 100 Kg.: Weizenmehl 32 bis 35.25, Roggenmehl 21.45 bis 23.75, Weizenkleie 10.5 bis 10.75, Roggenkleie 9.3 bis 9.5.
Eingesandt.
(Für Form und Snhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Eine Klage auS der „Schwarzlach".
Zur Zustand der Hinteren Eder st raße gibt mir Veranlassung, mich an die Öffentlichkeit zu wenden. Wer gelegentlich des letzten Hochwassers die Ederstrahe benutzen wollte, mußte sich erst schlüssig machen, ob er nicht einen Rachen benutzen oder hoch „zu Stelzen" durch die Wassermassen waten sollte. Wochenlang war die ganze Gegend links und rechts der Cderstratze ein See. Das Wasser überspülte in einer Breite von 4 bis 5 Metern die Straße. Der Schaden, der den Besitzern von Gärten entstanden ist, würde ein empfindliches Loch in den Stadtsäckel reißen, wenn er geltend gemacht würde. Daß die Stadt ein Verschulden trifft, ist als sicher anzunehmen, da sie den einzigen Flutgraben, der seither die Wassermassen der Lahn zuführte, zuwerfen läßt, und zwar mit der Müllabfuhr der Stadt. Ein ästhetisch und hygienisch wahrhaft ideal ausgesonnener Platz dirett am letzten Hause der Straße! Der kommende Sommer wird von den Bewohnern als ein „Segen" empfunden werden, wenn zu dem Gestank der Müllabfuhr-
toar dieses von Shakespeare 1613 für 140 Pfund gekauft und sofort mit einer Hypothek von 60 Pfund belastet toorben. Dadurch, daß die Tochter Susanna mit der Hebernaßme des Hauses zugleich auch diese Hypothekenschuld übernahm, erhielt sie nur, was ihr zustand, denn das Haus zu Black Friars gehörte infolge der unbezahlten Schuld nicht zu dem frei verfügbaren Besitz des Erblassers. „Grade die Tatsache, daß Shakespeare seiner Frau nur eine kleine Gabe und nichts sonst hinterlieh, spricht schon dafür, daß sie ein selbstverständliches Recht auf einen viel größeren Teil des Besitzes hatte," sagt Addy; und dies wird durch das geltende Recht bestätigt, das ihr ihr Witwenteil ganz selbstverständlich zubilligte und die Erlaubnis, noch 40 Tage nach dem Tode in der Wohnung des Gatten au bleiben, bis ihr ihr Anteil ausgezahlt sei. Addy vermutet, daß Susanna und ihr Marrn, Dr. Hall, gewiß der Mutter alle ihr zukommenden Dinge ohne jede Schmälerung ausgeliefert haben.
Arnold Mendelssohns „Geistliche Ehormufik".
Wie man in der „Neuen Zeitschrift für Musik" lieft, hat Professor D. Arnold Mendelssohn ein kostbar gebundenes Originalexemplar seines großen, vom Leipziger Thomanerchor ur- aufgeführten Motettenzyllus „Geistliche Chormusik" dem Rate der Stadt Leipzig als dem Schirmherrn des Thomanerchors überreichen lassen. Das folgende Anschreiben wurde der Schenkung beigegeben:
Hochgeehrter Herr!
Am Freitag, dem 18. Suni 1920, hörte ich zum ersten Male in meinem Leben den Thomanerchor fingen, und zwar S. S. Dachs gewaltige Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied". Die Vollendung des a cappella - Gesanges, wie ich sie an jenem Sommernachmittag in der lichtdurchfluteten Thomaskirche zu erleben das Glück hatte, bestimmte mich, der Anregung Dr. Straubes Folge zu geben, und ein in der Frühzeit meiner Entwicklung mit beson-
stelle noch der der atemraubende Gasgeruch der etwa 100 Meter vom letzten Haus entfernten Feldbacksteinbrennerei hinzukomrnt und mit den zu erwartenden Millionenschwärmen der Schnaken eine Nachtruhe überflüssig macht. Wenn ein Stadtvater Snteresse an der Ederstrahe nehmen will, so soll ihm hier schon angeraten sein, zum Begehen der Straße bei nassem Wetter sich mit wasserdichten Stiefeln zu bewaffnen, denn aus der Straße wird er von einem Wasserloch ins andere fallen; einen Bürgersteig kennt man in der Ederstrahe nicht. Eine Dame im weißen Kleid bekommt bei solchem Wetter durch ein vorbeifahrendes Lastauto gratis die Zeichnungen für die in Aussicht genommene Stickerei des Kleides aufgezeichnet, denn der Dreck spritzt 3 bis 4 Meter im Umkreise. Es taucht die Frage aus: Bezahlen denn die Bewohner in der „Schwarzlach" Steuern, daß man sich ihrer annehmen muh? Diese Klage reiht sich würdig an die Klage der Bewohner des Dchissenberger Weges. Dem Einsender wird es nicht Wunder nehmen, wenn er in diesem Sahre unseren beliebten Heimatdichter Alfred Bock nicht mehr seinen gewohnten täglichen Spaziergang durch die „Schwarzlach" nach dem Rodberg zu nehmen sehen wird. K.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der ^Radio-Umschau".) Samstag, 13. Februar.
3.30—4 lUjr: Die Stunde der Sugenb. Aus dem deutschen Liederkranz (Liedervorträge Frankfurter Schulen): Bismarck-Mittelschule. 4.15 bis 5.45 injr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Zu Richard Wagners Todestag. 5.45—6.15 lU)t Die Lesestunde (für die reifere Fügend): „Meister Reinecke" von Carl Ewald. 6.15—6.45 Ahr. Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: E. Decker spricht über „Rückkoppelungsstörungen". 6.45—7.05 Ufjr: Zwanzig Minuten Amfchau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 7.05 bis 7.15 Uhr. Der Briefkasten. 7.15—7.45 Ahr: Schachstunde. 7.45—8.15 Ahr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung. Vortrag von Frau Henriette Fürth: „Die Kaufkraft der Löhne und Gehälter vor und nach dem Kriege". 8.15 bis 9.15 Ahr: Alebertragung von Cassel: Heiterer Abend. 9.15—10.15 Ahr: Heiterer Abend. Anschließend bis 12 Ahr: Aebetragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
* Das Amtsoerkündigungsblatt 91 r. 12 vom 9. Februar enthüll: Erwerbslofenfür-- forge. — Wahl der Mitglieder zur Tierärztekammer. — Die Bildung einer öffentlichen Wafferge- nossenfchaft in Burkhardsfelden. — Maul- und Klauenseuche in Muschenheim. — Feuerlöschwesen. — Landesfeuerlöschordnung. — Errichtung einer Metzgerei-Anlage in Muschenheim. — Schulvorträge. — Osterferien. — Schulaufnahmen. — Gefunden, verloren. — Dienstnachrichten.
Vüchertisch.
— Reue Fr auenkleidung und Frauenkultur. Zeitschrift für persönliche, künstlerische Kleidung, Körperkultur und Kunst- Handwerk. Verlag G. Braun, Karlsruhe. Das 2. Heft 1926 vereinigt neben einer Reihe neuartiger Modellentwürfe für Frauen- und Kinderkleidung in begrüßenswerter Variabilität der textlichen Zusammenstellung u. a. Gedenkworte zum 50. Geburtstage der verstorbenen Worpswede? Malerin Paula Modersohn unb eine sehr interessante Abhandlung des Berliner Malers und Schriftstellers Hans Mützel über „Die slowakisch- mährische Hemdtracht". (Eine Anreaung zur Kleidgestattung; ogL sein kürzlich erschienenes Buch „Dom Lendenschurz zur Modetracht".) Besonders lesenswert erschienen uns ferner die Auf- sähe „lieber die Stellung der Frau in Japan" und über „Das Kunstgewerbe Europas". — Die äußere Ausstattung ist tadellos.
derer Neigung gepflegtes Kunstgebiet von neuem zu betreten, um in diesem Felde mein Schaffen kühner als bisher sich auswirken zu lassen. Die Frucht meiner Arbeit der letzten Sahre habe ich zusammengesaht unter dem Titel: Geistliche Chormusik. Ein Motettenwerk für das evangelische Kirchenjahr.
Dieses Werk dem Rathe der Stadt Leipzig als dem Schirmherrn des Thomanerchors zu- eignen zu dürfen, ist mein lebhafter Wunsch; denn damit wird derjenigen Stelle der gebührende Dank zu geben versucht, der es in erster Linie zuzuschreiben ist, wenn diese aus den Tagen der Väter ererbte wundervolle Snftitution der deutschen Kultur erhallen geblieben ist, und, wie Tausende hoffen, auch ferner, ja für alle Zeit, erhallen bleiben wird.
Richt das erste Mal, hochgeehrter Herr, ist es, daß den „Wohl Ehrenwerten, Groß- und Vorachtbaren, auch Hoch- und Dielgeehrten Herren Dürgermeister und Rathmannen der Stadt" für den „Musikalischen Chor zu Leipzig"' ein Motettenwerk zu „geringem Geschenke dargebracht" wird. Ein Gleiches tat auch Heinrich Schütz am 21. April Anno 1648 in der Vorrede zu seiner „Geistlichen Chormusik"; und ich folge in meinem jetzigen Tun also nur dem erlauchten, mir in so Vielem vorbildlichen Geiste dieses großen deutschen Meisters. Wie Er, so möchtest parvum licet componere magno — auch ich eine „dienstfreundliche Ditte aussprechen, daß Sie und die Herren des Rathes mein Präsent groß- günstig auf- und annehmen möchten, und nach Gelegenheit der Zeit zuvörderst Gott dem Allerhöchsten zu Ehren und meiner wenigen Person zu gutem Andenken durch dererselben berühmb- ten Chore mit gebrauchen lassen wollen."
Sn der Hoffnung, daß diese meine Bitte freundlich aufgenommen werden möge, bin ich, hochgeehrter Herr Oberbürgermeister, mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung
Shr sehr ergebener
Arnold Mendelssohn.
Darmstadt, 11. 12. 1925.
w^-Rahma- buttecgkich
W MARGARINE


