Gießen: Bahnhofstraße 14
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Sein oder Nichtsein.
Lin Kriminalroman von dec Wasserkante.
Von Tlorifo Schäfer.
19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ich verlange keine Schonung — ich verlange nur das Eine: rechtfertigen Sie sich, und dann gehen Sie!"
„Nun denn, wir leben in einer tollen Zeit. Dos wissen Sie. Es kann geschehen daß alle Kalkulationen durch die Macht der Ereignisse zu schänden werden. Es kommt nur darauf an, daß man den Kopf oben behält. Die solidesten Häuser bekommen Risse und Sprünge.
,Unb Sie wollen behaupten---"
„Krisen gibt es schließlich einmal in jedem Geschäft. So etwas muß überwunden werden. Es kommt nur darauf an, daß man den Kopf oben behält. Augenblicklich, meine Gnädigste, kann leider nicht geleugnet werden, daß sich das Haus Lorenzen in einer solchen Krise befindet. Und ferner muß gesagt werden, daß Herr Lorenzen drauf und dran ist, den Kopf zu verlieren."
„Soll das heißen —?"
„Verzeihung, das, was Sie voraussetzen, wollen wir nicht zur Sprache bringen. Es klingt häßlich und verrückt den Kernpunkt der Dinge. Fassen Sie sich, Frau Andrea, es kann —"
„Ich verbiete Ihnen, mich —"
Mit überlegenem Lächeln, dem der Zynismus nicht fehlte, winkte er ab. „Es ist nicht die richtige Gelegenheit, um Worte zu feilschen. Ich bitte Sie, meine Gnädigste, jetzt keine falsche Empfindlichkeit. Es handelt sich darum, Ihren Gatten vor dem Sturz aus stolzer Höhe zu bewahren. Wollen Sie dazu die Hand bieten oder nicht?"
„Ich? Wie könnte ich--"
„Sie vermögen mehr für ihn zu tun, als Sie denken. Aber darüber reden wir noch. Vorläufig mag es Ihnen zum Tröste dienen, daß es noch hilfsbereite, selbstlose Freundschaft gibt, die Ihren Gatten nicht im Stiche lassen wird. Freilich muß es sich diese Freundschaft gefallen lassen, von gewissen Seiten mit scheelen Blicken gemessen zu werden. Aber der Altruismus muß sich an Verdächtigungen gewöhnen — es ist fein Los, verkannt zu werden —"
„Wenn ich Sie recht verstehe, wollen Tie selbst
„Sie verstehen mich recht, Frau Andrea! Ich bin bereit und imstande, eine durchgreifende Sanierung des Hauses Lorenzen in die Wege zu leiten. Die Stützungsakton, die ich durchzuführen gedenke, wird die Firma in die Lage versetzen, allen Stürmen zu trotzen, die über sie hingehen werden."
„Und diese Stürme werden — müssen kommen?"
„Leider, Andrea! Sie sind bereits im Anzug. Vielleicht ist Lorenzen f*on morgen mitten im Wirbel des Orkans."
„Mein Gott! Und ich weiß von nichts!" Ihre Kraft war gebrochen, der Kopf sank ihr in die Hand, sie starrte vor sich hin.
Wie Mephisto, seines Sieges gewiß, stand er neben ihr, beugte sich über sie und seine Augen schossen Blitze. „Andrea —" flüsterte er heiß und suchte ihre Hand zu fassen, „um Ihretwillen will ich ihn retten."
Hastig entzog sie ihm die Hand-, seine kalten Finger hatten sie wie eine Natter berührt.
„Lassen Sie mich!" keuchte sie atemlos.
„Verzeihung, wenn mich das Mitgefühl zu weit trieb."
„Ich werde mit Thomas reden. Er wird mir die Wahrheit sagen. Wenn alles sa kommt, wie Sie sagen, wird mich mein Mann an seiner Seite finden."
„Das ist groß gedacht! Ich habe nichts anderes von Ihnen erwartet. Indessen —"
„Indessen? —"
„Meine Gnädigste, Sie kennen doch Loren- zen, wissen, daß er verschlossen ist und aufbrausend, wenn man sich in sein Vertrauen drängt. Ja, >ch bin überzeugt, er würde lieber untergehen, als eine Hilfe annehmen, um die er nicht gebeten hat. Man muß seinen Starrkopf diplomatisch beikommen."
„Diplomatisch? Wie verstehen Sie das?"
„Nun, mau muß Vorsehung spielen, ohne daß er es merkt. Lassen Sie mich nur machen. Freilich brauch' ich dazu Ihre Unterstützung."
„Was könnte i ch dabei tun?"
„Zunächst müssen Sie Ihre Taktik ändern. Sie dürfen nicht mit der Tür ins Haus fallen, ihm nicht auf den Kopf sagen, daß er bankrott sei."
„Bankrott! Mein Gott, ist es denn wirklich so weit?"
„Noch nicht! Aber dicht vor dem Ruin hält der gute Thomas, das ist leider Tatsache."
„Und ich soll —"
„Sie sollen unbefangen sein und sich nichts merken lassen. Inzwischen arbeite ich vor, um iym zu helfen. Und Sie werden meine Bundesgenossin."
Wieder regte sich das Mißtrauen bei der gemarterten Frau. „Sprechen Sie endlich deutlich," rief sie, „was verlangen Sie von mir?''
Der Zug fuhr langsamer, die Bremse knirschte, gleich darauf hielt der Wagen. „Güstrow," riefen die Schaffner, „zehn Minuten Aufenthalt."
Ohne auf Andreas Fratze zu antworten, hatte sich Mühlfeld nach dem Seltengange begeben und sah zum Fenster hinaus. Gleich darauf kam er zu- rück. „Na, das kann gut werdens Ein netter Andrang", sagte er und fetzte sich seelenruhig Andrea gegenüber. Gleich darauf stürmten mehrere Reisende ins Abteil und okkupierten sämtliche freien Plätze. Ein Bahnbediensteter kam, die Deckenbeleuchtung anzuzünden, auf dem Bahnsteig riefen fliegende Händler ihre stereotypen Anpreisungen, „Zei- hingen, Reiselektüre — Erfrischungen, Keks, Schokolade." Mühlfeld ließ sich eine Zeitung hereinreichen und vertiefte sich in den Kurszettel. „Hm, hm," machte er leise und reichte dann Andrea das Blatt hinüber, „hier lesen Sie, gnädige Frau!"
Andrea tanzten die Buchstaben vor den Augen: die Gedanken wirbelten ihr im Kopf, und nur mit Anstrengung konnte sie den Sinn der gedruckten Zeilen fassen. Es war eine Notiz im Handelsteil, auf die sie Mühlfeld aufmerksam gemacht hatte. „Die jüngsten Vorgänge auf dem Devisenmarkt", hieß es dort, „haben einer der bekanntesten Banken Berlins in eine schwierige Situation gebracht. Wie wir erfahren, hat das Haus Markowitz & Co. feine Zahlungen eingestellt. Das Fallissement dürfte weitere Kreise ziehen; der Sturz verschiedener, mit Markowitz stark liierter Firmen in der Provinz scheint bevorzustehen."
„Hat mein Gatte mit Markowitz zusammengearbeitet?" Wie ein Hauch drang die angsterfüllte Frage zu Mühlfelds Ohr. Um von den Mitreisenden nicht verstanden zu werden, mußte sich Andrea dicht zu ihrem Begleiter hinüberbeugen. Ein paar widerspenstige Löckchen, die sich aus ihrem Hut her-
iwrbrangten, streiften seine Stirn und peitschten sehr , Blut auf. Dennoch zwang er sich zur Ruhe, nur die Augen rebeten wieder ihre begehrende Sprache. „Seien Sie in dieser Beziehung unbesorgt, An- brea,* gab er ebenso leise zurück, „unsere Angelegenheit hat mit bem Berliner Fall nichts zu tun. Ich machte Sie auf bie Notiz nur aufmerksam, weil die Pleite Markowitz' symptomatisch ist für die gegenwärtige Konstellation. Ein jahryundertealtes, stolzes Haus falliert — niemand hätte das für möglich gehalten. Has liegt so in der Luft. Was Generationen hndurch tragfähig war, kann morgen in Schutt und Trümmer sinken."
Der Zug fuhr weiter. Eine Dame in Mittel- jähren aß mit gutem Appetit ein Schinkenbrot, ein junger Herr schälte eine Apfelsine, ein noch jüngerer rauchte und ein würdiger Alter, Typ Stubengelehrter mit Intelligenzbrille, lac.
Andrea schwieg. Den schmerzenden Kopf in die Polster zurückgelehnt, versuchte sie, ein klares Bild der Lage zu gewinnen. Aber noch immer ranzten ihre Gedanken. Der Jüngling warf die Apfelsinenschalen auf den Fußboden, der rauchende Mensch klopfte seine Shagpfeife am Fensterrühmen aus. Merkwürdig diese Flegeleien lenkten Andreas grübelnden Geist auf. Unwillkürlich verglich sie die Unart dieser Werdenden mit der gepflegten Uebcrkul- tur des Gents, der ihrem Gatten Hilfe versprach. „Um Ihretwillen, Andrea", hatte er gejagt. Andrea schloß die Augen, um nichts mehr sehen zu massen, ober em leiser Anruf Mühlfelds zwang sie, wieder aufzufahren. „Andrea," flüsterte er dicht an ihrem Ohr, „wir werden in einer halben Stunde zu Hause fein. Ihrem Manne steht das Wasser bis an den Hals, aber wir zwei werden ihn aus der Putsche ziehen. Wann kann ich Sie in Rostock sprechen? Wann und wo?"
„In meines Mannes Gegenwart. Kommen Sie morgen, ich werde ihn bitten, zu Hause zu bleiben."
„Nein! Sie verkennen vollständig die Situation! Thomas darf von unserer Rettunasaktion nichts wissen. Sonst legt er mir Kontreminen in feinem Trotz. Treten Sie auf den Seitengang, ich folge Ihnen. Rasch, wenn ich bitten darf! Sehen Sie, wie uns die Menschen anstieren!"
(Fortsetzung folgt.)
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Realschule i. E. Nidda
Die Aufnahme neu eintretender Schüler findet Montag, den 19. April 1926, um 9 Uhr, in der Schule statt. Vorzulegen sind dabei: Geburtsschein, Impfschein und letztes Schulzeugnis (mit Einzelnoten). Die Realschule i. E. befolgt den amtlichen Lehrplan für die Realschulen und Oberrealschulen.
Um den aus der Richtung Gelnhausen—Stockheim kommenden Schülern den Besuch zu erleichtern, lassen wir den Unterricht erst um 8*° Uhr beginnen.
Zur Aufnahme in die untersten Klassen der höheren Schulen werden zugelassen:
1. Schulkinder nach vierjähriger Grundschulpflicht;
2. Im Einzelfall besonders leistungsfähige Schulkinder nach dreijähriger Grundschulpflicht.
Unter den besonders leistungsfähigen Kindern sind solche zu verstehen, deren geistige und körperliche Veranlagung und deren Schulleistungen bestimmt erwarten lassen, daß sie auf die Dauer mit guten Schülern, die 4 Jahre Grundschule durchlaufen haben, Schritt halten können. Die unter 2 genannten Schüler müssen sich einer Aufnahmeprüfung in Deutsch und Rechnen unterziehen; gefordert wird das Pensum des 3.Grundschuljahres.
Anträge auf Zulassung zu dieser Aufnahmeprüfung sind alsbald bei dem Leiter der betreffenden Volksschule zu stellen, der sie bis zum 15. Februar seiner Schulaufsichtsbehörde zur Entscheidung vorzulegen hat.
Nidda, den 9. Februar 1926. 1294D
Die Leitung der Realschule i. E.:
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unserer Innung auf Wunsch der verehrten Kundschaft in der Lage sind, Reparaturen bei Verwendung des gleichen Materials und Ausführung
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Montag, den 15. Februar, mittags 1 Uhr, soll aus hiesigem Rathause die Gemeindejagd, zirka 2900 Hess. Morgen Teld und Wald, in zwei Bezirken öffent- lich meistbietend auf 9 Jahre zum zweitenmal verpachtet werden.
Die Bedingungen werden im Verpachtung stermin näher bekanntgegeben.
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