Ausgabe 
12.2.1926
 
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zrankreich und rNussolini.

Von unserem Pariser W. S.-Korrespondenten.

Paris, 11. Februar.

Mit unverhohlener Freude verfolgt die Pariser Oeffentlichkeit die ungeheuerliche Rede Mussolinis gegen Deutschland. Alle Blätter, namentlich die der Rechten, betonen, daß Mus- . Mini so zu Deutschland gesprochen habe, wie es sich gehöre. Am wildesten gebärden sich das Journal", das bekanntlich der französischen Schwerindustrie und besonders Creusot-Schnei- der nahesteht, sowie dieVictoire" Gustav Her« Des, Millerands Intimus', des früheren Sozia­listen, dem jetzt nichts verhaßter ist als Deutsch­land und die französischen Sozialisten. Die Victoire" überschlägt sich geradezu in Bos­heiten gegen Deutschland, in dem sie schreibt, daß nunmehr hoffentlich die italienischen Freunde Frankreichs verstehen lernten, daß sie nur ein direktes persönliches Interesse daran hätten, daß Frankreich mit äußerster Energie die Rheingrenze schütze, und zwar von der Schweiz bis nach Holland, damit nicht eines Tages ein größeres Deutschland durch Oester­reich verstärkt seinekolosialen" Armeen über den Brenner schickte, um zu sehen, ob Rom noch immer auf derselben Stelle stände wie zur Zeit Kaiser Rotbarts.

Daß derartige Phrasen selbstverständlich nicht ernst genommen werden können und viel­leicht auch gar nicht wollen, liegt auf der Hand. Aber die ganze Angelegenheit gewinnt denn doch allmählich, wenigstens von Paris aus betrachtet, ein sehr ernstes Bild. Hohn­lächelnd stellt z. B. gerade dasJournal" fest, daß es nur scharfer Worte bedürfe, um sofort zu erreichen, daß sich Deutschland von einer hündischen Unterwürfigkeit zeige und sich jetzt nicht genug tun könne in geradezu anekelnden Freundschaftsbezeugungen, sobald der italie­nische Diktator nur mit der Peitsche knalle. Dies gereiche weder den leitenden deutschen Staatsmännern noch den deutschen Parteien zur Ehre.

Die von einem Teil der deutschen Presse trotz der scharfen Angriffe Mussolinis geführte mäßige Sprache wird von denselben franzö­sischen Blättern so ausgelegt, als ob Deutsch­land alles daran setze, es keinesfalls mit Ita­lien au verderben, und daß namentlich die deutschen Rechtskreise immer noch nicht die Hoffnung auf das baldige Zustandekommen eines deutsch-italieniscken Bündnisses aufge­geben hätten, trotz Locarno und trotz Völ­kerbund. Selbstverständlich richtet sich ein solches Bündnis nach Pariser Auffassung ein­zig und allein gegen Frankreich, wie Deutschland überhaupt bestimmt damit rechne, in vielen Fällen der Unterstützung des italienischen Delegierten im Dölkerbundsrat sicher zu fein.

Am Quai d'Orsay weigert man sich noch, den Standpunkt Frankreichs in dem deutsch-italienischen Streit offiziell festzulegen, läßt aber ganz deutlich durchblicken, daß man hofft, durch diese ganze Angelegenheit eine ' entschiedene Annäherung Italiens an Frank- reich zu erzielen. Die Beziehungen zwischen Rom und Paris sind bekanntlich nicht die ? besten; sie waren sogar zeitweilig stark ge­trübt. Aber es ist nun mal eine alte Erfah­rung, daß die Alliierten sich gegen Deutschland stets überraschend schnell wieder zusammen­finden.

Wir haben auch einige Parlamenta- rierder verschiedensten Parteien gefragt, was sie über den deutsch-italienischen Zwischenfall dächten und erhielten darauf die verschiedensten Antworten. Ein Vertreter der Rechten erklärte: Steht nach dem Anschluß Oesterreichs an Deutschland letzteres erst einmal in Wien,

Schwachkopf.

Von Alfred Brust.

Der ostpreutzifche Dichter Alfred Brust ist zuerst auf dem Theater bekannt ge­worden: seine bedeutendsten Dramen sind Der singende Fisch",Die Schlacht des Hei­lands ,Cordatus" undTolkening".

Diesen Alten, der tagein tagaus regungslos am Strande saß und dem Hantieren an dem Fischer- zeua zuschaute, nannten die SeefischerSchwach, köpf". Immer saß er zusammengekauert auf einer Bootswinde oder sonstigen Gelegenheit, und im ständigen Kauen von Tabak traten die Backenmus­keln unablässig in gleichmäßigem Abstand aus dem schütteren Graubart hervor. Er hatte kein Boots­anteil, war überhaupt erst im späteren Leben zu­gezogen und dankte demütig, wenn ihm einmal dieser oder jener Fischer nach fettem Zug einen schwachen Dorsch in den Schoß warf. Nötigenfalls flickte er zuweilen Netze.

An diesem klaren Mittag, bei den stillen Atem­zügen der schimmernden See, geschah allerhand törichtes Unheil an den klargemachten Booten. Schon am Morgen war der Fischer Lars von einem heftigen Fieber befallen. Euse Boy glitt aus und brach sich den kleinen Finger. Die vier Männer der Familie Zach konnten ihr Fahrzeug nicht dicht kriegen und mußten noch zurückbleiben. Und kurz vor Abfahrt der acht anderen Boote stellte sich her- aus, daß der junge Kreuz mit einer Tochter des jüngeren Zach durchgebrannt war. In sechs Tagen sollte sie ihren Detter heiraten damit Boot und Netzwerk in der Familie blieben.

Schwachkopf, komm mit", riefen die drei rest­lichen Brüder Kreuz, als die Boote in See stachen. Und die Fischer lachten im Chor.

Schwachkopf verneinte.Der kleine Hans hat sowieso nicht viel geholfen", sagte er ernst und wichtig.

Helfen will er auch?" Und die Fischer lachten im Chor.

Da ging ein Ruck durch die alten Knochen. Schwachkopf trat auf das Kreuz-Boot zu und sprang gewandt hinein. Es war zu spät, ihn wieder aus­zubooten, denn das Schiff glitt zwischen den Buhnen hinaus, und der Alte saß bereits fest an der Steuer­pinne.

Sechs Stunden brauchten sie bis zu den Netzen. Die Brüder Kreuz schimpften weidlich, denn Scüwachkopf ihr Brot und trank ihren Schnaps; und beim Einholen der Netze verstand er nicht zu

sv wird damit von selbst die Frage der Wie­dervereinigung Ungarns mit Oester­reich erneut akut. Dies aber würde eine höchst gefährliche Verschiebung des europäischen Gleichgewichts bedeuten, die weder Italien noch Frankreich, noch vor allen Dingen die Staaten der Kleinen Entente und besonders die Tschechoslowakei und Jugoslawien wider­spruchslos hinnehmen könnten. Ein anderer Parlamentarier wies darauf hin, daß Deutsch­land es vor dem Kriege doch noch viel schlim­mer getrieben hätte hinsichtlich der franzö­sischen, dänischen und polnischen Minderheiten innerhalb Deutschlands. Wenn Mussolini jetzt Gleiches mit Gleichem in Südtirol vergelte, so hätten die Deutschen nicht den allermindesten Grund, sich zu beklagen.

Das italienisch-britische Geheimabkommen.

Die Erklärungen Macdonalds, daß er an einen englisch-italienischen Geheimvertrag über Mossul und Tunis glaube, durch den die Stellung Frankreichs im Mittelmeer stark geschwächt würde, hat in England größtes Aufsehen erregt. Baldwin sah sich veran­laßt, heute im Unterhause zu erklären, daß kein Geheimvertraa irgendwelcher Art zwi­schen England und Italien bestehe. Was von derartigen Dementis zu halten ist, weiß jedes politische Kind. Es ist selbstverständliche Pflicht eines Staatsmannes, bestehende Geheimver­trage zu dementieren, denn der Sinn eines Ge­heimvertrags ist eben, daß er geheim bleibt. Hätte Baldwin das Gerücht über einen eng­lisch-italienischen Geheimvertrag nicht demen­tiert, so hätte er ihn in der Sprache der Diplo­maten offen zugegeben. An dem Bestehen eines englisch-italienischen Geheimvertrags ist wohl kaum zu zweifeln, denn die italienische Politik strebte schon lange einen engen Anschluß an England an. Die italienischen Bestrebungen kamen England durchaus gelegen, das erstarkte Italien bildet ein gutes Gegengewicht gegen Frankreich und einen guten Bundesgenos­sen im Mittelmeer, den man gegen d i e Türkei und auch unter Umständen gegen Frankreichs Kolonialpoliti? im nahen Osten verwenden kann. Ein englisch-italienisches Z u - sammengehen im Völkerbund wird für beide Staaten von großem Nutzen sein, denn der französische Einfluß, der sich haupt­sächlich auf seine östlichen Vasallenstaaten stützt, wird durch die englisch-italienische Front wesentlich abgeschwücht. Das wird auch in allen Entwaffnungsfragen, mit denen sich der Völkerbund in nächster Zeit zu beschäftigen haben wird, sehr wichtig fein. Nur mit engli­scher Hilfe kann Italien seinen Kolonial­besitz weiter ausdehnen, denn bei diesen Be­strebungen wird es stets auf französische In­teressen, wenn nicht sogar auf französischen Ko­lonialbesitz stoßen. Auch feine albanischen Pläne wird Italien nur bei Anlehnung an England verwirklichen können.

Auf der Abrüstungskonferenz werden zwei­fellos die großen italienischen Seerü- ft u n g e n zur Sprache kommen. Gegen wen können sie gerichtet sein? Gegen England nicht; denn es gibt im Mittelmeer keine eng­lisch-italienischen Gegensätze. Zur Verteidigung der italienischen Küsten gegen Jugoslawien und Griechenland reicht eine unbedeutende Flotte aus. Die Marinepolitik Musiolinis kann sich daher nur gegen Frankreich richten, mit dem vielleicht einmal eine Auseinander­setzung wegen Tunis notwendig wird. Musso­lini verfehlt bei keiner Gelegenheit, darauf hin- zuweisen, daß Italien einen größeren Kolonial­besitz brauche, um seinen Menschenüberschuß unterzubringen. Italien mit einer starken Aus­

helfen; denn solches hatte er nie im Leben getan wie sich jetzt erst herausstellte. Dabei hatte sich ein flotter Wind aufgemacht. Noch weiter draußen war die See sehr bewegt, und ein Boot, das dort ous- gelegt hatte, kam zurück, und man rief einander zur Eile an. Es war dunkel geworden, und die Bootslaternen waren angezündet, als unversehens eine große Woge das Boot auf ihren Rücken nahm. Aber Schwachkopf legte das Ruder nach lee. Nach Backbord und Steuerbord kamen ein paar matte Schreie durch das Rauschen der Wellen. Da mußten Boote gekentert sein. Kein Licht war mehr zu sehen. Hohles Heulen stand ganz hoch in der Luft. Jetzt ging es hart auf hart. Johns Kreuz sollte ans Ruder^ Aber der alte Mann, der da saß, schob ihn mit kräftiger Gebärde von sich.

Festhalten! Nicht rühren!" schrie er durch das Tofen. Und seine Stimme hatte eine nie gehörte Sicherheit. Und er fing Woge auf Woge ab, indes d,e drei Brüder schon mehr tot als lebendig an den Stricken hingen. Die Nacht war schwarz. Der Mast wurde gekappt. Die Netze und alles, was Ballast bedeutete, ging über Bord. Die Lampe zerschellte. Nur einmal mußte ein Bursche ein Zündholz unter der Jacke anreiben, aufblitzen lassen, damit der Alte seinen Kompaß ansehen konnte. Dann tauchte das große Feuer auf, das die Bewohner des Dorfes am Strande auf der Düne entzündet hatten. Aber im Angesicht des Feuers gingen die letzten Boote hin­ab, und niemand von der Besatzung kam wieder an Land. Nur das Kreuz-Boot,'von Schwachkopf gesteuert, wurde durch die Brandung mit einem so großen Schwung auf den Strand geworfen, daß es in Trümmer ging, und die Brüder bewußtlos mit blutenden Nasen von dem Alten hinter die Vordüne geschleppt werden mußten.

Den Fischer Lars hatte das Fieber gerettet. Euse Boy dankte seinem kleinen Finger das Leben. Die vier Männer der Familie Zach hatten das Boot nichr dicht bekommen. Und der junge Kreuz war ">cht umsonst mit der Tochter Zach dlirchqebrannt. Unter solchen Umständen trat der Vetter Zach von der Heirat zurück. Denn die Kreuz und Zach konn­ten jetzt ehelichen, weil das Kreuz-Boot noch zu reparieren war, und die Familie Kreuz-Zach hatte die beiden einzigen Boote im Dorf. In der nächsten Generation heißt die Familie Kreuzoch. Und der Schwachkopf'? Ja! Der bekam gelegentlich nach fettem Zug einen schwachen Dorsch in den «chotz geworfen. Nötigenfalls flickte er zuweilen

,.I)cnn bas Leben ist nun einmal hart. Und schließlich kann man doch Fieber und Finger und

Wanderung muß sich immer Gebiete offenhal­ten, wohin es diesen Menschenstrom lenkt. Nur dann wird im Lande selbst Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit verhindert. Tunis ist das alte große Ziel jeder nationalistischen Regie­rung Italiens gewesen, denn dort hat Italien seit altersher die größten wirtschaftlichen In­teressen. Eine starke italienische Bevölkerung ist über das ganze Land verteilt und hat den größten Teil des Handels in den Händen. Der Gegensatz zwischen Italienern und Franzosen in Tunis besteht seit der Besetzung des Gebiets durch die Franzosen in unverminderter Schärfe fort. Neben Tunis ist das Auge der italienischen Kolonialpolitik aber auch auf Syrien gerich­tet. Die italienische Presse betont bei jeder Ge­legenheit, daß Frankreich nicht in der Lage ist, das Mandat über Syrien zu verwalten. Ita­lien wäre sofort bereit, an die Stelle Frank- reichs zu treten, um dann eine gemeinsame Po­litik mit England im nahen Osten zu betreiben. Auf diese Weise würde sich Italien an der Oel- beute im Mossulgebiet beteiligen können.

Die Steuerbelastung in Hessen.

Der hessische F i n a n z m i n i st e r hat auf einer der zahlreichen Protestresolu­tionen die nachfolgende Antwort ge­geben, die auch für die Gesamtbevölkerung des Landes von Interesse sein dürfte, und die zu­gleich als Antwort auf ähnliche Protestresolu­tionen gelten kann:

Die wirtschaftliche Not fast aller Kreise der Bevölkerung, insbesondere auch der Arbeiter­schaft, der Landwirte und der Gewerbetreiben­den ist mir selbstverständlich genau bekanyt und ich fühle sie um so mehr, als sich diese Not auch auf die Staatsfinanzen in geradezu verheerender Weise a u s w i r k t durch Verminderung der Steuer­einnahmen und durch Vermehrung der Staats­ausgaben auf dem Gebiete der Erwerbslosen­fürsorge. Ilm die Einschränkung der Staatsaufgaben und damit auch der A u s g a'b e n sind die berufenen Vertreter des Volkes gemeinsam mit der Regierung seit lan­gem ernstlich bemüht. Diese Ausgabenvermin­derung hat aber ihre Grenze und sie kann nie so weit gehen, daß wichtige Lebensinteressen des ganzen Volkes oder einzelner Teile des­selben gefährdet und der Zweck des Staates in Frage gestellt werden. Daß in solcher Notzeit alle, die noch irgendwie dazu imstande sind, dazu beitragen müssen, das G a n z e zusam­menzuhalten, wird ohne weiteres von wahrhaft vaterländisch denkenden Volksge­nossen begriffen werden, wie man andererseits auch in der Regierung weiß, daß solche Opfer und Steuern um so harter drücken, je schwerer es der gesunkene Ertrag der Wirtschaft macht, diese Lasten zu tragen. Darum wird und muß es auch weiterhin das Bestreben der Regie­rung sein, die unvermeidlichen Lasten nach Möglichkeit gerecht zu verteilen.

Wenn vielleicht die wirtschaftlichen und da­mit die steuerlichen Verhältnisse in Hessen noch ungünstiger liegen als in manchen anderen Ländern, so ist es bekannt, daß das auf die unseligen Wirkungen der Besetzung säst der Hälfte des Landes zurückzuführen ist. Es ist auch bekannt, daß ich aus diesem Anlaß aufs äußerste bemüht bin, das Reich zur An­erkennung einer Schadensersatzpflicht zu veranlassen. Ich wäre besonders dankbar, wenn mich die Bevölkerung bei dieser schwe­ren Aufgabe, die ich ja gerade zu ihrem Nutzen übernehme, unterstützen wollte.

Daß die Bevölkerung sich in ihrer Not an lhre Regierung wendet, ist ihr gutes Recht. Sie sollte das aber nicht in abfälliger Kritik oder gar in der Form unoerhüllter feind- seliger Drohungen tun, wie sie zu meinem

Leck und das andere dem Glück haha! dem Ge­schick zurechnen.

Mein Freund, der Regenpfeifer.

Die meisten Leute werden wohl, zunächst, nur eine verschwommene Vorstellung von diesem merkwürdigen Vogel haben, den man Regen­pfeifer getauft hat. Es wird ihnen auch kaum damit gedient sein, etwa aus dem Brockhaus zu erfahren, daß der Regenpfeifer (charadrius pluvialis) der aus 19 Gattungen und über 100 Arten bestehenden Familie der Stelzvögel (siehe diese!) zuzurechnen ist: ein Vogel mit kurzem, wanMöigen Schnabel, langgerihten Nasen­löchern, schlanken, dünnen, an der Ferse etwas verdickten Deinen mit drei Zehen, schmalen, spchen Flügeln, kurzem runden Schwanz und meist weichem, düster-braungelbl'chen Gefie­der ....! Hat man nun ein Bild? Sieht man chn etwa vor sich? Vielleicht. Wenn man aber Diefeä Buch gelesen hat, dann kennt man ihn besser, den Charadrius. den kleinen Lähol von der hohen nordischen Heide, sieht ihn ganz deut­lich vor sich Men, hört ihn, streichelt ihn fast mit Der Sjanö, bestaunt sein Nest und seine bunt- fledigen Eier, ist gerührt und entzückt von den großen. blanken, dunklen Augen, dem breiten Ordensband über der Drust, von seinen zierlichen, schlanken Bewegungen und seiner großen Klug­heit und Zutraulichkeit mit einem Wort, wir haben ihn liebgewonnen und sagen: unser Freund, der Regenpfeifer. Seit Löns und feinem berufensten skandinavischen Erben Svend Fleu- ron fand man nicht solche Schilderung, so mensch­liches Naturerlebnis, so gütige und herzliche Verschwisterung mit dem Tier, wie in diesem Buche des Schweden Bengt Berg. (Mein Freund, der Regenpfeifer". 111 Seiten mit 74 Abbildungen. Verlag Dietrich Reimer, 2. Auflage. Berlin 1925. Im gleichen Verlag ist auch das erste Werk von Berg erschienen, ..Mit den Zugvögeln nach Afrika".)

Dies aberist die schier unglaubliche Ge­schichte von einem Vogel, der in einer öden Berg­gegend Lapplands mit drei wandernden Män­nern gut Freund wurde". Bengt Berg zog mit einem Finnen und einem Lappen viele Tage lang auf dem Pidjastjokko umher, immer die Ka­mera bereit, stets bedacht, etwas zu sehen und zu erleben. Da fand er eines TageS. hoch oben in der Heide den kleinen Lähol bei feinen Diem And nun setzt das wunderbare und wirk­

schmerzlichen Bedauern an einzelnen Orten vvrgekommen find, bevor sie sich die Tat­sache überlegt hat, daß die hessische Regierung für die gegenwärtige wirtschaftliche Not nicht verantwortlich gemacht werden kann, und daß die auf der Bevölkerung ruhenden Steuern im Ganzen nur zu einem Viertel von dem hessischen Staat für seinen eigenen Finanzbedarf erhoben werden, die übri­gen drei Viertel nimmt das Reich und nehmen die Gemeinden und Kommunaloerbände in Anspruch.

Das deutsche Volk hat in heldenhaftem Ringen und in bewunderungswerter Aus­dauer vier Jahre hindurch Gut und Blut für fein Vaterland geopfert. Ist dieses Vaterland heute, wo es durch die Auswirkungen des ver­lorenen Krieges in eine ungeheure wirtschaft­liche Krisis hineingeraten ist, nicht mehr wert, d u r ch O p f e r e r h a l t e n zu werden? Ich bin überzeugt, daß kein Deutscher diese Frage in ablehnendem Sinne beantwort^ wird, und ebensowenig brauche ich zu versichern, daß mir keine größere innere Befriedigung zuteil wer­den kann, als wenn es mir gelingt, nicht nur den Fehlbetrag im Staatshaus- haltzu beseitigen, sondern auch eine fühlbare Herabsetzung der Steuerlast zu er° reichen.

Kirche und Schule.

Die Kirchengesangvereine im Dekanat Gießen.

:: Gießen, 9. Ian. Auf Einladung des Vertrauensmannes der Kirchengesang- vereint im Dekanat Gießen, Pfarrers Stauba'ch von Watzenborn, fand in Gießen eine Versammlung der Vorsitzenden und Diri­genten der Vereine statt. Cs wurde beraten über das alle Jahre wiederkehrende K i r d) en* g.esangvereinsf est. Als Festtag wurde der Sonntag Ex au di festgelegt, der dieses Jahr auf den 16. Mai fällt. Dieser Sonntag bleibt jetzt als Festtermin ein für allemal festgelegt für die künftigen Jahre. Das Fest findet in Heuchelheim statt und ist dem Gedächtnis Paul Gerhardts gewidmet, dessen 250. Todestag sich in diesem Jahr wiederholt. Als Festchöre für die kirchliche Feier wurden gewählt die Gerhardtschen Lieder: 1. Die güldene Sonne ... 2. Geb dich zufrieden ... 3. Zeuch ein zu deinen -toten .;. In der Nachversammlung, in der jeöer Verein einige selbstgewählte Lieder vor­trägt. wird als Massenchor gesungen:Geh aus, mein Herz, und suche Freud ... Für den Herbst wurde ein Treffen sämtlicher Dekanatskirchen­gesangvereine in der Nähe von Gießen vor­geschlagen. Tieber Tag und Ort dieser Zu­sammenkunft soll mit den Vereinen erst Rück­sprache genommen werden.

Wirtschaft.

Die amtliche Großhandels- Indexziffer. Die auf den Stichtag des 10. Februar berechnete Grohhandelsindexzisfer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Stande vom 3. Februar (119.2) um 0.3 Prozent auf 118.8 zurückgegangen.

Die Dollaranleihe der pfälzi­schen Städte überzeichnet. Die 7proz. Serienbondsanleihe bayerischer Pfalzstädte in Höhe von 3 800 000 Dollars, die gestern zur Zeichnung auferlegt wurde, hatte bei gleichzeiti­gem umfangreichen Zeichnungseingang aus meh­reren europäischen Ländern vollen Erfolg.

* Krupp de Wendel Gewerk­schaft N o r d d e u t s ch l a n d. In Bestätigung früherer inoffizieller Mitteilungen von einem liebergang linksrheinischer Gruben aus dem Be­sitz der Firma Krupp an eine dem de Wendel- Konzern nahestehende Gruppe erfährt der WTB.-Handelsdienst. daß nunmehr diese Trans­aktion abgeschlossen ist. Sämtliche Kuxe der Ge­werkschaft Norddeutschland sind von dieser Gruppe übernommen worden.

* Polens Schuldenlast. Nach endgül- hgen Berechnungen betragen die Schulden des polmschen Staates im In- und Auslande ins-

kaum glaubliche Tagebuch ein, in dem erzählt wird, wie der große, fremde Mann dem kleinen Vogel Stückchen für Stückchen näher kommt; nicht nur äußerlich, sondern auch, wie Mensch das Innere des kleinen Wesens erschließt. fernen Herzschlag belauscht, seine helle Stimme versteht und dem Rätsel der Tierseele mit unendlich zarten und weichen Händen nach­tastet. Diele Stunden sitzt Bengt Berg auf einem Stein in der Heide neben dem Regenpfeifer, üeht ihm zu, folgt jeder Bewegung, spricht mit ihm, füttert ihn. darf ihn streicheln und bringt es mit unermüdlicher Geduld und Liebe dahin, daß der Vogel ihn versteht, daß er weih: dieser Mensch ist gut, zu ihm und seinen Begleitern darf er Vertrauen haben; vor ihnen braucht er sich nicht flach an den Boden zu drücken in­des das Herzchen sichtbar gegen die bunt- gezeichneten Brustfedern schlägt wie vor dem Bussard oder den Raben, die räuberisch spähend übet das Fjäll streichen. Bei diesen Menschen, die zu ihm gekommen sind in feine weite Ein­samkeit, braucht er nicht das oft geübte Spiel vom kranken, flügellahmen Vogel zu spielen, um sie von den kostbaren, behüteten und geliebten Eiern fortzulocken, in denen seine Kinder dem Llcht entgegenwachsen. Er kennt diese Drei (und ganz besonders den Einen), wartet auf sie und weiß: sie sind gut und freundlich. Weiß es so gewiß, daß eines Tages die glückliche Stunde des großen Wunders da ist: der Mensch legt te^Sunb unter das Rest mit den Eiern am Voden. Lähol kommt herbei, setzt sich hinein unö ...ich hob nun unseren kleinen Vogel behutsam unendlich behutsam vom Boden au> . rind der kleine Regenpfeifer brütet rubig weiter in der Hand des Menschen. Pickt nach dem bunten Halstuch, dreht

Eiern um, setzt sich behaglich zu­recht und laßt sich, aus der anderen Hand, mit elnem Regenwurm füttern ...» Es klingt un- glaublid). Aber man überzeugt sich, wenn man me begleitenden Bilder sieht, glänzend gelungene Kam eraauf nah m e n, die Tag um Tag jede kleine .^toegung, jedes Näherkommen, jede fast un- Icheinbare Bereicherung, dieser seltenen Kamerad­schaft festhalten ... So ist dieses Buch, mit einem feinen und gütigen Herzen erlebt und niedergeschrieben. Möchte es in recht viele Hände kommen. Es verdient weiteste Verbreitung und wird immer und überall Freude wecken und <?reunbe finden. y 57