Ausgabe 
12.1.1926
 
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jeder Richtung sich ungehindert aussprechen können, daß sie im gleichen Hefte auch einem Sozialdemokraten, Anton F e n d r i ch , das Wort geben. Er nimmt in einem AufsatzVon der Ehre" zum Dolchstoszprozest Stellung.

Oberhesfen.

Landkreis Gietzen.

* Heuchelheim, 11. Ian. Die am Sams­tag eingeweihtc eigene Turnhalle des Turnvereins Heuchelheim kann als eine Zierde unseres Ortes bezeichnet werden. Das Ge­bäude enthält in seinen» Vorderbau Im Parterre den modern eingerichteten Karderoberaum, die Gast- zimmer, den Ausschankraum und die Küche, im oberen Stock befinden sich die Wohnungen des Hausverwalters und zweier Turnwarle, außerdem noch ein Saal, der etwa 200 Personen iaht und für Versammlungen und kleinere Veranstaltungen sehr octicmct ist. direkt anschließend an den Vorder bau ist bic Turnhalle erstellt worden, die gleichzeitig als großer Gesellschoftssaal für Bereinsoeranstal hingen dienen kann. In dieser Halle finden etwa 800 ^rsonen Plast. Die Innen-Ausstattung der Halle, sowohl im Anstrich, wie in der Deleuchtungs- anordnung und der Fensterverkleidung durch Gar- dienen, ist aus einen sehr harmonischen und warmen Ton gestimmt, wodurch das Ganze recht anheimelnd wirkt. Um die künstlerische Ausgestaltung hat sich Geh. Baurat gelben (Darmstadt) durch seinen guten Rat sehr verdient gemacht. Geeignete Vorkehrungen zur Anbrnigunq des großen Turngreäts gestatten, aus dem Gesell- schastssaal im Handumdrehen den kompletten Ium» taal zu machen. Eine geräumige Biihne mit den entsprechenden Umkleideräumen bietet die Möglik- teil in dem Saale auch Theatervorstellungen zu bieten. Unter der Bühne im Kellergeschoß befinden sich die Geräteräume, die gute Transporlrnöglich- teilen nach der Turnhalle besitzen. Das Gebäude ist mit Zentralheizung ausgestattet. Der im Weltkrieg gefallenen und vermißten Mitglieder des Vereins ist durch eine in der Eingangshalle angebrachte Ge­denktafel gedacht, die von Schreiner Mandler (Heuchelheim) in schlichter und geschmackvoller Weise geschaffen wurde: 40 Namen gebliebener Helden fin­det man dort verzeichnet. Die gesamte Bewirtschaf­tung des Hausbaues einschk. des Restuuralionsbe- trievs, hol der Verein in eigener Hand behalten.

> Wie leck. 11. Jan. Als gern gesehener Gast hielt deS Bethelfilms 2. Teil zu zwei Vorführungen für Schuljugend und Erwach­sene Einkehr in unserer Kirche. Von den beiden Begleitern war der Vortragende Bruder Wal­te r m a n n als Diakon bei der Bethelmisjion in Ostafrika nach zweijähriger Beteiligung am Feld­zug in Gefangenschaft geraten, und aus eigenem Erlebnissen heran- sand er treffliche Worte zu den lebenswahren beweglichen Bildern. Die vom Liebeswerk der Schwestern von Sarepta' schei­nen recht geeignet, unserer Jungmädchenwelt die Lust zum Dlakonissenberuf zu wecken. Der FilmSchrifienmission" führt zugleich in den mo­dernen Druckereibetrieb ein. Wahrhaft ergreifend waren die Schilderungen aus dem Leben zweier Arbeitsloser, denen ,J)offnungstal, eine Zuflucht für Hoffnungslose" Rettung bringt. Dieser Film ist besonders reich an landschaftlichen Schönheiten, wie an erzieherischen Winken für die Behandlung derBruder von der Landstraße". Rach einem Schlußwort des Ortsgeistlichen schloß die mit Ge­sang wiederholt beteiligte Gemeinde mit dem Lied ,Aane meine L>eele" die eindrucksvollen Feier­stunden.

Lollar, 10. Ian. Eine große G c - flügel-Ausstellung des Provinzial- . Verbandes Oberhessen fand gestern und heute hier statt. Gellem vormittag wurde die Aus- F srellung eröffnet. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende Riehm des Geflügelzuchtvereins t Lollar. Im Namen der Stadt Lollar sprach Bür­germeister Schmidt. Weitere Ansprachen hielten der Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschus­ses für Oberhessen Dr. Wagner- Gießen und Jean Kolter- Bad-Nauheim als 1. Derbands- oorsitzcnder. Die Ausstellung war mit 453 Num­mern sehr gut beschickt. Aus allen Teilen der Pro- .vinz Oderhesien waren die Züchter herbeigeeilt, so \ B. aus Gießen, Hungen, Alsfeld, Schlitz. Bad- Nauheim, Echzell, Grünberg, Butzbach, Gedern, Burg-Nieder-Gemünden, Homberg a. d. Ohm, Bü­dingen, Heldenberaen u. a. m Der Land wirtschafts- kammer-Ausschuß hatte in dankenswerter Weise zehn

Preise, der Prooinzlalverband sechs, die Stadt Lollar, sowie mehrere Private und Vereine meh­rere Preise gestiftet. Der Besuch der Ausstellung, die in zwei Sälen stattfand, war gestern und heute sehrt aut. Die Prämiierung Haie folgendes Ergeb­nis A. Wassergeflügel: Sieger-Ehrenpreis (V. Rübsamen-Gietzen, Kaminer-Ehrenpreise: 5t. Wallon-Erbenhausen, C. Rübsamen-Gießen (zwei), Ehrenpreis: O. Södler-Nieder-Gemünden, 1. Preise: Emil Sonnenburg-Tiergarlen bei Hungen, C. Rüb­samen-Gießen, Hch. Kös-Allendorf a. d. Lda. B. Großgeflügel: Kammer-Ehrenpreise: E. Rübsamen Gießen, Otto May-Lang-Göns, Hch. Bin- ding Echzell, Hch. Seip-Lallar, Lehrer Schneider- Oder-Gleen (zwei). Ehrenpreise: Hch. Zeiß-Schlitz, Göns, Justus Haas-Gteßcn, Hch. Reinhardt-Schlitz, Bauer-Gießen, Schneider-Ober-Gleen, Funk-Gießen, Hch. Depler-Kirch-Göns, St. Wagner-Schlitz, Hch, Bepler-Kirch-Göns, K. Reitz-Stockhausen, Hch. Pfar­rer-Weckesheim, W. Lich IV.-Londorf, H. Dietz- Lollar, W. Müller V.-Lang-Göns, A. Rosenbaum- Gambach, H. Preiß-Nordeck, 1. Streife: K. Wallon (Erbenbaujen, Pf. Brnsius-Lollar, Lehrer Erdmann- Kirtorf, Joh. Lammer-Nordeck, Lehrer Schneider- Ober-Gleen, H. Krug^lichhausen, K. Reitz-Stockhau- sen, H. Peppler-Lang-Göns, C. Rübsamen-Gießen, Hch. Reinhardt-Schlitz. C. H ü hner. Ehren oreise: Eugen Neuenhagen-Schotten, W. Hachen­burger Beienheim. H. Gerbig-Schlitz, O. Södler- Glieder-Gemünden. Ä. Kaletsch Ik.-Lollar, H. Bin- ding-Echzell, O. Södler-Nieder-Gemünden. K. Mül­ler-Lollar, G. Ostheuner-Gamdach, 1. Preise: O. Södler-Nieder-Gemünden, W. Högy-KleinEichen, G. Oslheimer Gambach. D. Zwe rghühner: Kammers.hrenpreis: Hch. Diaus ll.-Ruppertenrod, Ehrenpreise: A. Bechtold-Launsbach, E. Müller- Lang-Göns, Jean Kolter-Bad Nauheim, Ehr. Hill bcrg-Ockershausen, F. Riehm-Lollar, Jean Kolter- Bad-Raubeim, H. Hellmold-Gießen, Ioh. Lammer- Nordeck, 1. Preise- E. Deibel-Lollar, Ä. Müller- Lollar. E. Tauben: Sieger-Ehrenpreis: W. Nern-Pohl-Göns, Ehrenpreise: PH. Ostheim-Echzell, W. Rcusch-Lang-Gön:. Jean Katter-Bad-Nauheim, W. Reusch-Lang-Göns, Hch. Pfarrer-Weckesheim, L. Mogk-Echzell, O. Heß-Lang-Göns, Aug. Walter- Baueruheim, I. Kolter-Bad-Nauheim, H. Genzel- Bad-Nauheim. O. Nuhn»Lollar, L. Frank-Lollar, W. Krug-Alsfeld, 1. Preise: H. Schwarz-Lollar, W. Krug-Alsfeld, O. Nuhn-Lollar, L-Frank-Lollar, K. Strauch-Homberg a. d. O. Aug. Walther-Bauern- beim, R. Kaiser-Lang-Göns, W. Rern-Pohl Göns, Jean Kotter-Bad-Nauheim.

U Rödgen, 11. Jan. Die Vorführung des Be t Hel - F i lm s , die gestern abend in unserer Kirche vor sich ging, bitte viele Zu­schauer herbe'gelockt..nlliche Bilder zeichneten sich durch große Anschaulichkeit und Deutlichkeit aus und gaben eine gute Vorstellung non dem Anteil, den Bethel mit seinen vielen Zwetg- Untcrnebmungen an dem Wiederaufbau des deut­schen Volkes leistet. Die Vorführung der Bilder war an geeigneten Stetten unterbrochen vrn dem Gesang kirchlicher Lieder. Sichtlich befriedigt und im Innersten ergriffen von den Bildern des Jam­mers und der Rot. gingen die Teilnehmer nach Haufe.

t Treis a. d. Lda., 11. Ian. Auch hier wurde in der Kirche der 2.Teil deo Derhel- films- vor^csührl, ter zeigt, wie in den be­rühmten Booelschwinghschen Anstalten die christ­liche Liebe sich der Armen. Elenden, Schwachen, Verwahrlosten aller Art annimmt, um ihnen das Leben erträglich zu machen oder sie der mensch­lichen Gesellschaft als nützliche Glieder wieder zu'.ulühren. Die 2slündige Vorführung fand nach­mittags 5 Uhr für tic Kinder und abends 8 Uhr für die Erwachsenen statt und gestaltete sich durch gottesdienstliche Umrahmung zu einer wahren Feierstunde für Herz und Gemüt.

f AIlendvrs a. b 23a., 11. Ian. Der BethelfiIm. de'sen 1. Teil im vorigen Jahre überall großen Beifall fa.i), Hit nun eine Er­weiterung und Zoitetzung In einem 2 Teil ge­funden, Der die,er Tage »n unserer Stadtkirche vorg:führt wurde. Er g'.bt ein anschauliches und ergreifendes Bild des großen LtebeswerkeS. daß Dodelschwingh durch GotkeS Gnade zum Besten der Aermsten unseres Volkes geschaffen hat. auf dem Gottes Segen so sichtbar ruht.

v. Londorf, 10. 3an. Heute wurde der letzte Veteran auS dem Kriege 70/71 der hiesigen Gemeinde. Heinrich Jager, im Alter von 78 Jahren unter zahlreicher Beteili­gung z u Grabe getragen. Der Kriegerverein gab die drei Ehrensalven ab. In Schernberg im Schwarzwald starb der ca. 15 Jahre hier

Franziska.

(Roman von LieSbet ®ill

41. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Von ihrer Unterredung am Springbrunnen schien sie nichts mehr zu wissen und nichts von ihrem Besuch in seinem Laboratorium. Sie hatte eS sich in den Kopf gesetzt, Kranken­schwester au werden. .Als Ersah für die medi­zinische Karriere", sagte sie bitter... Gveckel war an das Mannheimer Krankenhaus gegan­gen. Aathan der Reiche, sein Aachfolger, hatte sich ehre endgültige Zurückweisung von ihr ge­holt. EUs beth hatte mit der Geselligkeit abge­schlossen. sie ging nicht mehr aus. .Wäre meine F.mille katholisch, so würde Elisabeth in ein Kloster gehen, zum kleinen Kinde Jesu", tagte der innere Worth.

Sie tat ihm leib, aber das Mitleid be­deutet den Tod der Liebe. Liebe? War eS je eine gewesen? (Sr verneinte es heute. Es to'r nur Sympathie, und als ihm Worth sagte: ®li fabetb wird Krankenschwester, sie hat es mir soeben gesagt", sagte er: .Da tut sie recht Daran, sie paßt dazu wie geschaffen."

.Geht es Ihnen gut?" fragte er sie. als sie ihm nach Tisch flüchtig ihre fieberheiße Hand reichte.

.Ich habe eine Arbeit gesunden, die mich be­friedigt. Das ist ja die Hauptsache", sagte Elisa- Leth. lind sie wandte sich sogleich ab, so daß er ihre feine, magere Rackenlinie bewundern konnte. Sie hatte liebenswürdig sein können, in ihren Augen hätte die Verzeihung flackern können, nur tn ihm hätte sich nichts gerührt, es schien ihm, als fei sein Herz geleert. Das Gefühl dieser Leere und die Gewißheit dieser ilntotcber- bringlichkeit erregte in ihm eine Art von ver­zweifelter Verachtung seiner selbst.

In einen Sessel gelehnt, während ihm ein junger, eifriger Kollege einen medizinischen Vor­trag hielt, betrachtete er Elisabeths hohe, stolze, blonde Erscheinung. DaS sind Die Frauen, die einen Mann glücklich machen, dachte er. die be­reit sind, ihm gesunde Kinder zu fchenken. und für ihn leben und sterben Roch ist cS Zeit. Sic würde vergessen können. Und wenn ich

im Gefängnis faße, sie würde zu mir kommen. Aber er streckte feine Hand nicht aus, sie war wie gelahmt ...

Er ließ im Geist alle die reizenden, jungen, blühend.n Mädchengestalten an seinem Auge vor- überzichen, die er kannte und die sich ihm an- boten mit Blicken, Worten, Händedruck. Er stellte sich seine Zukunft vor an Der Seite eines solchen jungen Geschöpf:S. Unb Dann sah er ihre Mütter, die im Kreis um den ovalen Solatisch saßen. Er ging an ihnen vorüber, scheinbar dem Kollegen zuhörend, Die Hände in den Ta­schen, den Blick auf den Teppich gerichtet, und hörte, wie sie in breitem Dialekt Von ihren Dienstboten sprachen und dym Einkauf von Gän­sen. Die alte Abneigung vor einem runden Fa­milientisch. der Hängelampe und dem eintönigen Alltagsleben regte sich in ihm. Wie eine heiße Welle rann eS noch einmal über ihn: Fran- ziSta..

Er sah sie wie an ihrem ersten Tag am Weiher bei den Schwänen sitzen, und unter ihrem großen Hut sahen ihn ihre dunklen Augen an. sie hatten ihn angezvgen wie zwei Rätsel. Gr empfand einen dumpfen Schmerz, daß er sie hergegeben hatte und sie nun Den Weg ging, den sie sich selbst gebahnt und vor dem er sie hatte behüten wollen.

Er vermied es. mit Elisabeth zu sprechen, aber ihre vornehme, vorwurfsvolle Erscheinung stand noch vor ihm, alS er sich längst ver­abschiedet hatte und durch die matterleuchteten beschneiten Straßen nach Hause ging. Schade, dachte er. daß sie nicht einen Mittelweg gefunben hat, eS gibt doch so vortreffliche Männer. Goeckel würde sie auf Händen getragen haben. Rathcm war reich, Reichtum ersetzt vieles, nicht stolzen Raturen wie Clisab th aber es gab doch noch Männer, die einer Frau ein Durchschnittsglück garantierten. Das wollte sie nicht, und so ver­zichtete sie. Din ich schuld Daran? Rein. Wie er Franziska gesuH und gefunden, so hatte Elisabeth ihn gc(wj,t. . Es war Bestimmung. Schicksal, er bedauerte die Fügung, daß er etwas zerstört hatte, maß sich unter seinen Händen zu einer herrlichen, kraftvollen Blüte hätte ent­falten formen, aber er fühlte sich unfähig, irgend eltoas zu empfinden, keine Trauer, keinen Schmerz, keinen Triumph.

amtierende israelitifche ReligivnSlehrer und Stan - tor M. Bandah. Aber nicht nur als solcher hat er sich große Verdienste und Wertschätzung erworben, sondern ganz besonders al8 Dirigent deS hiesigen GesangvereinsFrohsinn" ist er in weiten Sangerkreisen eine hochgeachtete und allgemein geschätzte Persönlichkeit geworden. Man kann jagen, daß er den Grundstein zum Cm- porblühen des Vereins gelegt und auf vielen Dängerwettstveiten und Sängerfesten seine Sänger zu grobem Erfolg geführt hat.

Mrm Fricvkcrg.

sf. Friedberg, 11. Ian. Im Jahre 1925 tarnen beim hiesigen Stan besamte zur An­meldung (in Klammer die Anmeldungen des Jahres 1924) 183 Geburten, davon 20 auswärtige und 20 uneheliche (201), 98 Eheschließungen (57), 127 Sterbesälle, davon 37 auswärtige (167). Die hier verstorbenen 'Auswärtigen sind fast sömttich im bie­gen Büraerhospitale in Behandlung gewesen.

B. Rodheim v. d. H., 11. Ian. 3n einigen Hosreite unserer Gemeinde ist Die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Man hofft. Die Seuche durch die sofort ergriffenen Vorsichts­maßregeln auf ihren Herb beschränken zu können. Die Zahl Dor Arbeitslosen ist von über 70 im Anfang des Monat Dezember auf 45 zurück- gegangen, Da die Gemeinde in ihren großen WalDungen eine Anzahl Der Erwerbslosen mit Holzhauerarbeiten beschäftigen kann. Während Rodheim unter ter Zeuchligkeit der letzten Wochen weit weniger als benachbarte Gemeinden der Wetterau zu leiden bat Le und nut in den Kellern einiger Ortstelle Daß Grundwasser reichlich auf­trat, verlor das Wasser Der Laufbrunnen, DaS zu Trink- und Kochzwecken benutzt toitb. fein schmutziges, tehmsarbiges Aussehen nickt, daß immer bei Regenwetter annimmt. Der Bau der schon vor dem Kriege geplanten Wasser­leitung entsprich! einem bringen Dm Bedürfnis Der Zeit Ob allethiugß dieses Vorhaben, das zahlreiche Freunde in Der Gemeinde besitzt, zur Ausführung kommen kann, ist bei der finanziellen Lage der Gegenwart sehr fraglich.

Streik Yüdin^en.

'ch. RidDa, 11. Jan. Während infolge Der Wirtfchaftsnvt das große Himmelbachfche Sägewerk verkürzt arbeitet, bat für dies« Woche die gleichfalls stark unter dem Wirtschafts- brud leidende Möbelfabrik E. Ringß- hausen (Inh. F. Reuning) Den Betrieb ganz eingestellt.

Mreid Schotten.

X!- Schotten 11. Ian. Die kür.zlich in Den Kreis Schotten cingeschleppte Maul- und Klauenseuche geht ihrem Erlöschen ent­gegen. Durch Abschlacht n eines Viehbestanbes in Gedern, woran sich Die Gemeinde und der Händlerverband beteiligten, konnte Dort bereits die Sperre aufgehoben werden. Die Stadt Schotten hat nun auch die hiesigen Bullen abschlachten lasten, und in den Gemeinden Bet­zenrod und Ulfa ist die Seuche auf ihren Herd beschränkt geblieben, so daß in einigen Ta­gen mit Dem vollständigen Erlöschen gerechnet werden kann.

Ig. Gedern, 11. Januar. Der hiesige Pferdeversicherungsverein, dem auch viele Pferdedesiher der Umgebung angeboren, hat neuerdings einen Zuwachs von 39 Pferden zu verzeichnen, fo daß der jetzige Versicherungs­bestand sich auf 258 Tiere beläuft. Diese statt­liche Zahl zeigt deutlich, welches Vertrauen man dem Verein, der feit feinem Bestehen überaus segensreich getoirft hot, entgegenbringt.

XlX Rieder-Seemen, 11. Jan. Gestern sand nun endlich li: dritte Bürgermeister- wahl hier statt. Bei der ersten Wahl siegte Kaspar Herr öder, bei Der zwci' a Wahl Bürgermerster Raumann. JedeSma war der SttmmenunterschieD nur sehr klein, wesvalo auch regelmäßig Reklamation erhoben wurde Der Minister des Innern hatte von der ihm zu- stehenden Ermächtigung, einen Kommissar zu er­nennen, (.inen Gebrauch gemacht und eine Dritte Wahl angcorbnet. Diesmal siegte Kaspar H e r- röDer mit 61 gegen 59 Stimmen. Also wieder ein knappes Resultat. Hoffentlich kehrt jetzt endlich Ruhe in unserer Gemeind« ein.

)( Ruppertsburg, 10, Jan. Vom vorigen Donnerstag bis gestern abend war tas Wasser unserer Leitung nicht zu ge­nießen. Cs roch und schmeckte wie 3aud;c. Ein Landwirt hatte auf feine Wiese, durch d e die

Er fühlte nur, daß mit Elisabeth etwas für ihn dahingegangen war wie die Jugendkraft. die nicht mehr wiederkehrt...

Er ging nach Paris und stürzte sich in Daß Leben hinein wie in ein großes Abenteuer, ohne Zweck, in der Suche auf Genuß. Aber er f;nd ibn nicht mehr, er fand nur sein leeres Herz, feine Seele blieb (all und gefühllos. Auch diese ÖtaDt befriedigte ihn nicht mehr, er fam sich darin vor wie ein Mensch, Der ein Lustspiel sehen will und in ein Trauerspiel geraten ist. Dieselben Frauen, die er vor Jahren graziös, ent­zückend gefunden, betrachtete er beut nur mehr vom medizinischen Standpunkt aus. Gr sah ihre Körper vom Korsett verkrüppelt, weil die Mode es vvrschrieb. mager zu sein, sahen sie aus wie Skelette, ihre Haut hatten sie durch unvernünfti­ges Leben verdorben und bemalten sie mit dickem lila und rosa Puder, front Tragen gemusterter Schleier waren ihre Augen geschwächt, ihre Augen geschwächt, ihre Kopfe mit falschem Haar bedeckt. Er kam zurück, angeekelt und ent­täuscht. Und diese Verstimmung blieb auf ihm lasten.

Er traf Elisabeth nicht mehr.

Sie ahtte die Stadt verlassen.

*

In demselben Jahr verlor Hasse seine Mutter.

Die noch jugendliche, schone, gefeierte Frau hatte schon lange ein Herzleiden getragen, und Halse, der dies wußte, machte sich Vorwürfe, daß er sie in Den letzten Jahren so selten ge­sehen hatte. Sie ahnte seine Geschichte, sie hatte ihn nie damit gequält, sie verstand ihn.

Ihr Verlust ließ Hasse aus fein eigenes Herz achten und er stellte Veränderungen fest, die er vielleicht einer Qlnlage oder den letzten aufreibenden Jahren verdankte. ^Rvch zehn Jahre vielleicht" dachte er. Aber er dachte es mit ernstem Gleichmut wie an etwas Un- abänderlich-'s.

Hasse blieb in der Stadt. Gr hatte diese süddeutsche, reiche, bunte, prangende Landschaft Itcbflf-monnen, die unruhige, heiße, lärmende Stadt mit ihren schroffen Gegensätzen von ga­lanter Vergangenheit und modernem Leden, von deutscher Gemütlichkeit, über die man im Aus­land spottet, und an die man sich gewöhnen kann

Quelladern laufen, einige Fässer Pfuhl gefahren Da der Boden infolge des starlen Frostes vor Weihnachten biß ttef hinab ge­lockert war, so wurde das ganze Wasser mit Jauche vermischt. Dies hätte vermieden werden müssen. Die Rücksicht auf die Allgemeinheit er­fordert, daß man Derartige Grundstücke auf andere Weise düngt. Gestern abend fand in der Wirtschaft zur ^Eisenbahn" von Otto Wagner die ordentliche Generalversammlung des hiesigen RadfahrerfrereinS statt. Die recht gut be­sucht war. Recht günstig gestaltete sich d'.e Rech- mmgßablage. Es ergab sich ein Kasfenvorrat von 166 Ml. Zum 1. Vorsitzenden wurde Wilhelm P a r r, zum Recharer Otto W o r n e r gewählt.

Kreis -ttsselv.

M- Alsfeld, 11. Jan. Die Arbeiten an Dem neuen Saalbau desDeutschen Hauseß" gehen nunmehr ihrer DeenDigung ent­gegen. Als Eröffnung ist von Der Stadtverwal­tung Samstag, 23. Januar in Aussicht genommen. Für Diesen Abend ist Die erste Vorstellung DeS StaDttheaters G'ie - ft e n in Dem Saale vorgesehen. AIS Theaterstück wurde Das LustspielHeimliche Brauifahrt" von Leo Lenz auSgesührt, das in Den Ttfrten Wochen auch in Gieftea und Bad-Rauheim mit großem Erfolge ausgesuhrt wurde. Dem Theaterstück soll ein von Hofrat Stein goetter, Gießen, verfaßter Prolog vorausgehen. Rach Beendigung Der Theateraufführung findet im Saale ein Ball statt. Um die Möglichkeit zu schaffen, in dem Saale auch Künstlerkonzerte zu veranstal­ten, wird ein Schiedinayer-Flügel, Den Die Firma Carl Arnold & Sohn in Darmstadt geliefert hat, aufgestellt werden. Der Stadt, die mit dem Er­werb und Umbau des AnwesensDeutsches Haus" im Interesse ihrer Bürgerschaft ein großes finanzielles Opser gebracht hat, ist nur zu wün­schen. haft man auch dieser Tat das erforderliche Verständnis entgegenbringt.

Kreis Lauterbach.

bnl. Lauterbach, 11. Jan. Heute konnteL Der Landwirt Ferdinand Wörner und seine Ehefrau Margarete, geb. Schäfer in körperlicher und geistiger Rüstigkeit Daß Fest der g o l D e neu Hochzeit feiern. AuS allen Kreisen der Be­völkerung gingen Dem Jubelpaare Glückwunsch« zu. Der evangelische Kirchenvorstand, zu dessen MitglieDern Der Jubilar gehört, überbrachte Dem Paare am Sonntagmittag seine Glückwünsche. Rach einer Ansprache über Psalm 106 unD Der Einsegnung des Jubelpaares von Dekan Schlösser sprach Dieser Die Glückwünsche DeS Kirchenvorstandes aus und überreichte eine schöne Bibel. DaS Londeskirchenamt hatte zu diesem Tage ein freundliches, in herzlichen Worten ge­haltenes Glückwunfchscdreiben gesandt und ließ dem Jubelpaare ein schönes Gesangbuch über­mitteln.

$ Maar, 10. Jan. In dem ncuerbauten Saale der Zinnschen Wirtschaft dahier hatten sich die Mit­glieder der hiesigen Freiwilligen Feuer­wehr und ihre 'Angehörigen gestern M einem Familicnabend versammelt, dem auch der Slrcisfeuerwebrinspektor Bechtold von Lauter­bach beiwohnte. Der 1. Kommandant der Wehr, Sterz, bewillkommnete die Erschienenen und wies auf den Zweck der Veranstaltung, die Sache der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde beliebt zu machen, hin. Hierauf kamen verschiedene Theaterstücke, in denen die Tätigkeit der Fsuerwehr oerhern'icht wurde, zur Auffübrung. Die Rollen­besetzung durch Müglieder der Wehr iwr in jeder Beziehung gelungen und dos Spiel vorzüglich. Der .Kreisfeuerwehrinspektor brachte seine Aner­kennung mit dem Vorgeführten zum Ausdruck und ermähnte die Wehr 'zur Pflege der Kamerad­schaft: sein Hoch galt der Freiwilligen Feuerwehr in Maar. Feuermehrkommandant Steeg sprach den Mitgliedern der Wehr, die sich um das Zu­standekommen des Unterhaltungsabends verdient gemacht haben, seinen Dank aus, worauf der Tanz begann. Die Pausen zwischen den einzelnen Vor­führungen wurden durch Mtisikvorträge der Ka­pelle O t t e r b e i n von Lauterbach ausgefüllt.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt, 11. Jan. Vor einigen Tagen ist hier ein Einbruch begangen worden, der nicht einer gewissen Komik entbehrt. Die Herren Einbrecher hatten bereits alles, was einen gewissen Wert hatte, verstaut, als sie noch eine gebratene

wie an eine liitbe Lust, an weiches Wasser, an Daß Rauschen der Bäume vor Dem Fenster und Den Dogelgesang des Morgenß.

Er richtete sich eine umfangreiche Bibliothek ein. Seine Bücher waren feine Erfrischung, sein Ziel mach der Tagesarbeit und seine Freunde. Er umgab sich nur mit solchen Freunden, Die einem etwas zu geben hatten, man erlebte keine Enttäuschung mit ihnen, fühlte sich nicht einsam zwischen ihnen und fühlte nicht, wie Die Zeit hinglitt.

Er vergrub sich in seine Arbeit. Seine Freude waren seine gelungenen Operationen, seine als geheilt entlassenen Patienten, die er bei b~n Aerzteversarnrnlungen vorstellen konnte, daß Einschlagen seines Versuchs auf Dem Di- phtheri'gebiet. Die HcVerfölge. Er wurde an Stelle seines Ghefs nach auswärts gerufen, und Die Patienten vertrauten sich ihm an, anstatt wie sonst ängstlich nach Worth zu fragen. Die Schwe­stern fürchteten ihn, er war unnachsichtlich in Deßinfeltionßiragen und rückflchtslos.

Der innere Worth fand Hasse nach der im Sande verlaufenen Theaterepoche" um­gänglicher, reifer und menschlicher. Man konnte sogar kritisch vorn Theater mit ihm sprechen, ohne daß er ausfallend wurde und einem be­leidigende Aeußerungen an den Kops warf, wenn ntan nicht seiner Meinung war.

Der große Worth erlag während feineß Auf­enthalts in Japan einem Hihkchlag, und Hasse übernahm Die Leitung Deß UrfulinerinnenEranten- Hauses.

Das Uriulinerinnenbauß vergrößerte sich je­des Jahr. Im Garten entstanden neue PavUlous, nicht mit Luxus, sondern einfach, hell, weiß, rein­lich auSgestattet, ohne kahl zu sein, machten alle Räume einen freundlichen, geörbneten Ein­druck. Wenn Hasse in seinem weißen Kittel durch öle Säle und Gänge schritt, überlegte er Verbesserungen. Cr begann sich zu fragen, öd ein Mann, der so arbeitet, das Weib überhaupt nötig hat? Von seiner Familie aus und in Freundeskreisen hatte man versucht, ihn zu ver­heiratet aber wenn Die Frage der Ehe auss Tapet kam, wich er aus. denn ihm alß Ar^t vertrauten sich so viele junge Frauen an. Er farmte Die Ehe und die Frauen.

(Fortsetzung folgt.)