Etagen
10. Januar 1926
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Gießener Kunstverein.
Ausstellung Thüringer Künstler.
r 3m Turmhaus am Drandplah ist der Thüringer Ausstellungsverein bildender Künstler von Weimar zu Gast. Etwa 40 Künstler geben hier mit ihren Arbeiten (Malerei, Graphik, Plastik) einen interessanten Lleber- ’/Iid über d is zeitgenössische Weimaraner Kunstschaffen. Die Kollektion ist übrigens, worauf besonders hingewiesen sei, in allen Teilen Verkaufsausstellung Den breitesten Raum nimmt, wie gewöhnlich, die Malerei ein. Gleich am (Sin- Sang findet man ein feines, apart gemaltes Stück von Ernst Vollbrecht, „Segelboote im Hafen" : in schweren, gedeckten Tönen, sparsam in den Mitteln, aber harmonisch abgestimmt. Die vorwiegend horizontal gelagerten Massen im Mittelgründe werden durch einen bewegten Wolkenhimmel sehr glücklich beherrscht und kontrastiert. Dora Kolisch („Roter Kahn", ein offenbar venetianisches Motiv) beschäftigt sich mit dem malerischen Problem der Farbenspiegelung und Lichtbrechung auf leichtb'wrgter Wasser-flache: eine recht fortschrittlich behandelte Arbeit. A. von Schierstedt bringt ein koloristisch sehr lebhaftes Stilleben „Judenkirschen", S trecken- bach ein vollduftiges Dlumenstück „Weihe Rosen". Derb und gegenständlich, bei z emlich fettem Auftrag, die „Astern" von 3. v. Dongs. Hans Dauer zeigt ein Strand- und Dünenmotiv mit markanter Gl edcrung in die Tiefe. Ein paar sehr frische, koloristisch lebendige und in der Masse großzügig gesehene Landschaftsaquarelle findet man von Pretzsch. Den gleichen Stil und analoge Technik erweist eine vortreffliche kleine Tuschzeichnung „Därme am Wasser". Reben einem schmiss g aufgesetzten, elegant gefaßten „Stilleben mit Ente" von Hilde Linzen- Gebhard findet man subtil vertiefte Radierungen von Thekla Diedrich-W rede, bekannte und immer gern behandelte Städtebilder aus Rothenburg, dem höchst malerischen
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Ludwig Windisch-Grätz.
Interessante biographische Notizen aus der bewegten Vergangenheit des Prinzen Ludwig Windisch-Graetz, des fürstlichen Abenteurers und Geldfälschers, hat der Budavefter Korre° fpondent der „Köln. Ztg." in folgendem Auf. fatz zusammengetragen:
Wie so viele führende Persönlichkeiten in der Zeit des Weltkrieges, hat auch Prinz Ludwig Windisch-Graetz seine Erinnerungen in einem Buch herausgegeben. Das Buch „B o m schwarzen bis zu m roten Prinzen" mutet vielfach wie ein spannender Roman an, der den bewegten Lebenslauf dieses vom Hang zum Abenteuerlichen durchdrungenen Prinzen schildert. Ein Kapitel fehlt in dem Buch: „Der verbrecherische Prinz", obwohl Prinz Windisch-Graetz zur Zeit der Abfassung seines Buches schon manche Handlung hinter sich hatte, die einen gewöhnlichen Sterblichen ins Zuchthaus gebracht hätte. Er konnte seinem Schicksal nicht entrinnen. Der Sproß eines der vornehmsten Adelsgeschlechter, der Enkel des gewaltigen habsburgischen Feldherrn, des Feldmarschalls Alfred Windisch- Graetz, der persönliche Freund und vertrauteste Ratgeber des Kaiser-Königs Karl, sitzt, heute wegen eines verneinen Verbrechens im Gefängnis. Und, welch seltsamer Zufall, hart nebenan befindet sich in einer Zelle sein ehemaliger Präsidialist Eugen Manch wegen Spionage zugunsten der Bolschewiken: mit ihm zusammen hatte Prinz Windisch-Graetz im letzten Jahre des Krieges eine große Kartoffelschiebung vorgenommen, bei welcher der Staat um etwa 9 Millionen Goldkronen geschädigt wurde. Dem Prinzen Windisch-Graetz winkte infolge seiner hohen Geburt, seiner guten Verbindungen zum Herrscher- Hause und seines Vermögens eine glänzende Zukunft. Aber er stürzte sich frühzeitig in Abenteuer, die bei einem Prinzen seltsam sind.
Zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges fuhr er nach Ostasien, durchschlich die japanischen Linien und geriet in russische Gefangenschaft. Er verstand es, sich zu befreien, den Krieg sich genau von der Nähe anzusehen, und fuhr dann auf einem norwegischen Transportdampfer nach Japan. Ans dem Meer überraschte ihn ein furchtbarer Taifun. Kapitän und Prinz ließen sich an die Kommandobrücke fetten und lebten von Champagner und Kakes. Von dort fuhr er nach Amerika. In Nouyork geriet er in einen räuberischen Hinterhalt und verbrachte die Nacht im Gefängnis mit Verbrechern und Dirnen. Nach Haufe zurückgekehrt, duldete es ihn nicht lange in der ruhigen Atmosphäre der Heimat, er ging nach Afrika auf die Löwenjagd. Dann ging er zu Slatin, um an seiner Seite zu kämpfen. Nachdem feine Abenteurerlust gestillt schien, kehrte er nach Ungarn zurück, heiratete die Gräfin Maria Szschenyi und begann feine Güter zu verwalten: zugleich verließ er die militärische Laufbahn, um die politische Arena zu betreten. Enkel des härtesten Gegners des ungarischen Freiheitskampfes im Jahre 1848, trat er in die schärfste Opposition zur Regierungspolitik: es schien, als ob der Geist des „Rebellen" Franz Rsküczi, dessen Särospataker Schloß nun zur Domäne der Prinzen Windisch-Graetz gehörte, in ihn gefahren fei. Er wurde in die Delegation gewählt und wurde der heftigste Gegner des jeweiligen Ministers des Aeußern. Seinem Vetter, dem Grafen Berchtold, warf er vor, daß er wohl ein hervorragender Fachmann in den Fragen des Turfs fei, von Frauen und Gobelins sehr viel verstehe, von auswärtiger Politik aber keinen blauen Dunst habe. Zur Zeit der Annexion suchte er wieder Abenteuer und ging als Kellner verkleidet nach Belgrad und Nisch, um die serbischen militärischen Geheimnisse auszusor- schen. Es gelang ihm, unerkannt wieder nach Ungarn zurückzukommen.
Im Krieg hatte er stets die vornehmsten Kommandos, alle Armeekommandanten wetteiferten um seine Person, da jeder wußte, daß er der Vertrauensmann und persönliche Freund des Thronfolgers Erzherzogs Karl fei. Man trug ihm alle Geheimnisse über die Mißstände und persönlichen Reibereien der einzelnen für die Heerführung verantwortlichen Stellen zu, und Pririst Windisch-Graetz benutzte diese Kenntnis, um in einer vertraulichen Sitzung des Abgeordnetenhauses die schärfsten Angriffe gegen das Hauptquartier zu richten. In dieser Rode trat er noch für die Unterstellung der öfter- reichlich-ungarischen Armee unter deutsches Kommando ein. Zu dieser Zeit erwärmte er sich noch für die Idee des Naumannschen Mitteleuropas, er schickte gegen den Willen der Budapester Regierung Mehl und Kartoffeln nach Deutschland. Er schien damals der aufrichtigste Freund Deutschlands zu fein. Derselbe Windisch-Graetz wurde aber zum
GietzenerAnzelger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Dienstag, 12. Januar i926
neue Form der ein
«gewurzelten verhängnis- Deutschcn zur Zwietracht
ist zudem unmenschlich und
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der
eder die englische noch die
Regierung, die so gefühllos nicht behaupten können. Eine
ins Gesicht und grausam.
Eine deutsche wäre, würde sich
Frankfurter Theater.
Zu Herbert Eulenbergs 50. Geburtstag hat das Reue Theater vier Einakter in Versen unter dem Gesamttitel „Die Welt will betrogen werden" neu einstudiert. „Paul und Paula" und „Die Wunderkur" waren die stärksten Eindrücke des Abends, darstellerisch wie inhaltlich in reizvolle Form gebracht. Hauptsächlich das Spiel von „Paul und Paula" errang verdienten Deifall, in welchen sich die Kinder mit Victor Kowarzik und Helga Rielsen teilen konnten. „Das Geheimmittel" (Pansano- bum) wurde leider totgeschrien, der Regisseur Edgar Klitsch hätte hier manchen Dämpfer aufsehen müssen, um Wirkungen $u erzielen. So gingen alle Feinheiten in dem Lärm der Worte verloren. Auch in „Die Welt will betrogen werden" fielen aud ähnlichen Ursachen Pointen In den Souffleurkasten. Hier war es Alois Großmann, welcher in der Verkörperung des Kunsthändlers die 3dee des Dichters am sichersten herausarbeitete. 3m übrigen ist die Wahrheit, daß die Welt betrogen fein will, leifox schon so alt und selbstverständlich geworden, daß ein leichter Modergeruch über dieser Ausgrabung liegt. Cs sind recht seine, künstlerische Miniaturen, aber vielleicht gehören wir auch zu den bösen Menschen, welche schärfere Sachen lieben. Der 2lbend ließ das Gefühl auftommen. daß die Satire EulenbergS vom Leben überholt und leider auch abgcschwacht sei. Der Rhythmus dieser vier Einakter kann sich nicht mehr in dem ewigen 3azz-Tempo unserer Tage behausen I
Ueberlölpeln.
Wir haben viele Ausdrücke, besonders in der Umgangssprache.', die den Begriff des Zeitwortes betrügen enth lten: unter ihnen ist Übervorteilen am gelindesten. Schriftdeutsch ist auch übertölpeln, dem die Färbung des Ueberraschens innewohnt: wenn man dabei an eine grobe, plumpe Art des Betrügens denkt, lär:t T / daraus erklären, man das Wort mit dem
hierzulande viel bel.ebte und gebrauchte Redensart lautet: „Wir behandeln die Südtiroler w i e alle anderen 3 taliener. Sie können nicht von uns verlangen, daß wir an unseren Landesgrenzen einen Ausnahmezustand einführen, zu dem wir durch keinen Vertrag verpflichtet sind. Uebrigens werden die deutschsprachigen 3taliener bei uns weniger drangsaliert, als die deutschstämmigen Staatsangehörigen in der Tschecho- durch einen schriftlichen Vertrag verpflichtet, die slowakel und anderswo." Gewiß, 3talien ist nicht durch einen schriftlichen Vertrag verpflichtet, die freie Betätigung seiner fremdsprachigen Minderheiten zu achten, aber diese Achtung gebieten das natürliche Recht, die italienische Tradition, das feierliche Versprechen des Königs in seiner Thronrede vom 1. Dezember 1919, sowie endlich die Zusicherungen der italienischen Staatsmänner Tittoni, Luzatti, Giolitti und Bonomi. Wäre es nicht eine fürchterliche 3ronie, wenn Italien, das alle Verträge zum Schutze der fremdsprachigen Minderheiten in den anderen Ländern unterschrieben hat, sich i m eigenen Lande über diese natürlichen Rechte hinwegsetzen würde? Warum also in Südtirol die systematische Unterdrückung der deutschen Sprache in der Schule, vor Gericht und im öffentlichen Leben: warum so manche Gewalttaten und Schikanen? Die Sicherheit der italienischen Grenze wird dadurch nicht gesestigt werden, denn, wie Ministerpräsident Bonomi am 10. Dezember 1921 gesagt hat, haben sich diese gewaltsamen Entnationalisierungen stets als eitel erwiesen.
Deutschland kann unmöglich einem solchen Drama teilnahmslos zuschauen, als ginge es die ganze Sache nichts an. Das wird man in 3talien niemals von Deutschland erwarten können.
Südtirol.
Rom, 9. 3anuar 1926.
Südtirol hat endlich einmal die Aufmerksamkeit weiter Kreise sogar in 3talicn aus sich gezogen. Aus die Ausführungen im Deutschen Reichstag und in der ganzen deutschen Presse, erfolgten Proteste der italienischen Regierungs- presfe, Proteste in der Kammer. Das war immerhin ein Erfolg, denn bisher erfuhr die weite italienische Oeffent.ichkeit nichts von dem, was sich in Südtirol zutrug und fast gar nichts von der Bitterkeit, die gewisse Borfälle in ganz Deutschland hervorgerufen hat.en. Die Po.emik über Südtirol hat also eine gewisse Klärung gebracht, die heilsam wirken könnte, wenn gewisse Umstände in Zukunft mehr beachtet würden. Die deutsche Presse müßte sich davor hüten, das Opfer falsck er Rachrichten zu werden und dadurch der italienischen Presse die willkommene Gelegenheit zu bieten, die ganze deutsche Agitation zugunsten Südtirols als einen politischen Ver- leumdungsse.dzug hinzustellen.
Um das deutsche Eintreten für Südtirol in den Augen der italienischen Bevö.kerung zu diskreditieren, wird immer wieder hier behauptet, die deutsche Presse stelle die Brcnnergrenze in Frage und erhebe politische Ansprüche auf Südtirol. Wenn man aber aißöann von unserer Seite die Bitte stellt, solche Blätter einma. namhaft zu machen, erfolgt als Antwort: Stillschweigen. Wie oft begegnete man in diesen Tagen dem Vorwurf: „Was gehen Euch Reichsdeutsche die Südtiroler an, die doch niemals zu Euch gehört haben?" „Rein — noch vor wenigen Tagen suchte die „3dea Razionale" die Berechtigung 3taliens, sich für die 3 nseI Korsika zu interessieren, dadurch zu erklären, daß Korsika, obschon es politisch zu Frankreich gehöre, der Rasse, Sprache und Kultur n a ch italienisch fei. Der Versuch der italienischen Rationalisten, dem größten deutschen Staats- gebilde, dem Deuts f en Reiche, zu verbieten, sich kulturell und menschlich für das Wohlergehen seiner Rasfenb.üder außerhalb der engen Reichsgrenzen zu interessieren, schlägt also der eigenen italienisch-nationaüsti'chen Praxis direkt
Tölpel, dem ungeschickten, unbeholfenen Menschen ohne Lebensart, in Verbindung bringt. Aber das ist falsch Es mag ja besonders schmerzlich fein, von einem Tölpel Übers Ohr gehauen zu werden, aber buchstäblich verstanden, könnte doch nur die Uebervorteilung eines Tölpels in Betracht kommen, nicht die durch einen Tölpel, dann wäre der Betrogene der Tölpel. Welcher Uebertölpelte wird sich aber selbst der Tölpelei an klagen? Hs handelt sich gar nicht um das Wort Tölpel, das ursprünglich in den ritterlichen Kreisen den Gegensatz zum Ritter, den Menschen dörfischer Herkunft und bäuerischer Sitte bezeichnete: die aus dem flämischen dorper, einer Übersetzung des französischen vilain, hervorgegangene Grundform dorper wurde zu Tölpel, wie Barbier zu Balbier, Marmor zu Marmel usw. Das Wort weist aber nicht nur auf das niederdeutsche Dorp - Dorf, öS geriet auch unter die Einwirkung eines anderes Wortes Tölpel - Klotz, Strunk, BaumwurzcT. einer Weiterbildung von dem Worte Dolb, Keule, Knütte. übertragen: ungeschickter Mensch: ähnlich stellt der mundartliche Ausdruck Trämel (Trömel) für einen großen, stämmigen, groben, dummen und faulen Menschen die Verkleinerung (mittelhochdeutsch bremel, althochdeutsch dremil) zu trame, Balken, bar. Der Dolp kommt noch bei HanS Sachs vor: 3d; muß den Dolpen examinim: auf ihn führt auch tölpisch zurück. Die ursprüngliche Bedeutung von Tölpel tritt in mehreren Redensarten zutage: über den Tölpel fallen, eigentlich über einen Klotz fallen, dann aus Un- geschickheit einen Fehler begehen, sowie (zuerst im Simplizissimus) einen über den Tölpel werfen oder- stoßen = ihn betrügen, zum Qlarren haben, ihm einen Streich spielen, (1706): so bei Lessing, Bode (1776 in der Übersetzung des Landespredigers von Wakefield: 3ch werf ihn jährlich einmal über den Tölpel) und noch 1792 bei Michaelis: Hat er sich nicht fast die Deine abgelaufen, bis er meinen Vater über den Tölpel geßoßen (- herumgekriegt)? Diese Wendung wuü. . , lä’jt ;u übertölpeln.
des Kampfes bis zum Ende auskosten und scheint öu hoffen, daß ihn mächtige Freunde retten werden. Wenn nicht, fo will er viele andere mit sich reißen.
Verräter Deutschlands, denn unmittelbar vor dem Zusammenbruch vermochte er es bei dem Kaiser durchzufetzen, daß Gras Andrasfy zum Minister des Aeußern ernannt werde mit dem Programm, den Sonderfrieden zu schließen. Windisch-Graetz ging damals mit Andrasfy als erster Sektionschef des Ministeriums des Aeußern nach Wien. Der Prinz hatte bei Kaiser Karl freien Eingang, er konnte unangemeldet jeder Prioataudienz beiwohnen, und es berührte die verantwortlichen Staatsmänner oft peinlich, wenn sie dem König entscheidende Vorschläge machten, daß alle vernünftigen Ratschläge, die dem Kaiser Karl von ersten Staatsmännern erteilt wurden, wie Spreu in den Wind flogen, weil Prinz Windisch-Graetz immer mit feinen in rosige Farben getauchten weitgreifenden Plänen, die niemals eine efte Unterlage besaßen, den Kaiser aus den Bereich her Wirklichkeit führte.
Als die Revolution in Wien ausbrach, sorgte er für die persönliche Sicherheit der Familie. 2lls erfahrener Schmuggler verstand er es, die Geschmeide und Goldschätze des Kaisers in die Schweiz zu bringen. Aber in der Schweiz selbst stand er an der Spitze jener gewissenlosen Elemente, die den Kaiser in die Putschpläne verwickelten und ihm zu diesem Zweck den letzten Rest feines Vermögens entlockten. Männer, die während der ungarischen Bolschewikenherrschaft in der Schweiz das Treiben des Prinzen Windisch-Graetz mitansahen, erzählen, daß der Prinz immer wieder zu dem Kaiser Karl kam, ihm mit teilte, cs wäre ein Mann zugegen, der die Restauration in die Wege leiten werde, man möge ihm 10 000 Franken geben. Der leichtgläubige Kai er gab ihm das Geld, und Prinz Windisch-Graetz lie damit schnurstracks in den Spielklub, wo er das Geld verlor. Zu Ostern 1921 brachte er dann den Kaiser mit dem Paß feines Kammerdieners Gaspar Kovacs nach Ungarn.
Wie unredlich Prinz Windisch-Graetz in Geldsachen war, zeigte zuerst die erwähnte Kartoffel- geschichte, wegen der er von der Staatsanwaltschaft bereits verfolgt war. Zur Zeit der Ministerpräsidentschaft des Grafen Tcleti wurde jedoch die Angelegenheit niedergeschlagen, indem ein Untersuchungsausschuß erklärte, Prinz Windisch-Graetz hätte über dieses abgerechnet. Mit dem Grafen Andrasfy zerwarf er sich ebenfalls in einer materiellen Sache. Er übernahm die Verwertung eines dem Grafen Andrasfy gehörenden Rembrandtschen Bildes, wobei sich Unredlichkeiten ergaben. Um feine geldlichen Verhältnisse in Ordnung zu bringen, übernahm er die Versorgung der hauptstädtischen Gaswerke mit Kohlen. Er schloß mit der Loucheur-Gruppe einen Kohlenlieferungsvertrag, schützte politische Interessen vor, welche es geböten, gewissen französischen Kreisen große Vorteile zu sichern: und so bezogen die Budapester Gaswerke die teuerste Kohle, wobei Windisch-Graetz und seine Genossen mehrere Millionen Goldkronen gewannen. Die Mitglieder dieses Syndikats erstatteten gegen ihn wegen Veruntreuung schließlich Strafanzeige: sie wurde aber niedergeschlagen. Den legitimistischen Freunden des Prinzen mißfielen seine Umtriebe, sie befürchteten eine Schädigung des legitimistischen Gedankens und stießen den Prinzen von sich ab. Er näherte sich dann den rechtsradikalen freien Königswählern, wo er ihm ähnliche abenteuerliche Elemente fand. In diesem Kreis wurden die irredentiftifchen Pläne ausgeheckt, und zur Finanziekung dieser Pläne wurde zuerst die Fälschung tschechischer Kronen, dann die Franken- sälschung unternommen. Prinz Windisch Graetz und seine Genossen scheuten nicht, aus diesen angeblich vaterländischen Geldfälschungen sich auch eigene materielle Vorteile zu sichern. Prinz Windisch-Graetz war. wie dies bei ihm nicht anders denkbar, ein leidenschaftlicher Kartensvieler, er verlor im Wiener Jockeiklub und im Budapester Nationalkasino Riesensummen, sein fideikommissarischer Besitz war bereits bis zur zulässigen Grenze belastet, und er mußte die Familienschätze, Gold, Silber und eine wertvolle Münzsammlung verpfänden, um sich das nötige Geld zur Bezahlung seiner Schulden und zur Finanzierung der Geldfälschungen auf^ubringen. Einen Teil dieser Gelder, etwa 30 Milliarden, zahlte er vor einigen Monaten zurück. Auch der in Amsterdam verhaftete Oberst Aristid Jankowitsch suchte bereits aus dem Erlös der falschen Frankenscheine einen größeren Grundbesitz zu kaufen.
Merkwürdig ist, daß Prinz Windifch-Graetz vom Augenblick der Verhaftung seines Kammerdieners an wissen mußte, daß auch an ihn die Reihe kommen werde. Er stand wohl unter polizeilicher Aufsicht, doch er hätte noch die Möglichkeit gehabt, der schmachvollen Verhaftung durch Selbstmord zu entgehen. Dieser Abenteurer hängt jedoch am Leben, er ist eine Spielernatur, er will das Auf und Nieder
französische Sozialdemokratie denkt fo. Keines- falls fällt die nationale Ehre zusammen mit äußerer Macht. Im Gegenteil, wir halten ja das Gedächtnis der dreihundert gefallenen Spartaner für ehrenvoller als alle Siege der Horden Dfeyingis-Chans. Groß ist in der Geschichte immer nur, was innerlich bedeutend ist. — Es zeigt sich, daß die ferner in dem Hefte vollständig nach dem Stenogramm der Parlamentsstenograpyen wiedergegebene Schlußrede des Herausgebers der Zeitschrift im Dolchstoßprozeh dem Thema des Heftes in hohem Maße verwandt Ist. Mußte doch Professor Coßmann auf die heutige erschreckende Verkehrung der nationalen Begriffe besonders Hinweisen. Er lehnt für sich den Unterschied zwischen bürgerlichen und sozialistischer Weltanschauung ab. „Ich fühle mich mit dem nationalistisch gesinnten Sozialisten auf innigste verbunden und fühle mich anderseits durch eine tiefste Kluft getrennt von dem Kapitalisten, der international oder deutschfeindlich eingestellt ist." Er hält für das Wesentliche deutscher Zukunft die Gefühlseinstellung zum eigenen Volk. Weil jene deutschfeindliche Einstellung heute noch nachwirkt, ist der Kampf gegen sie Pflicht und nicht etwa Volkszerklüftung zu nennen. Die Rede bringt eine Fülle von neuen Gedanken zur Geschichte des Zusammenbruchs und zur Frage der Mitwirkung der damaligen sozialistischen Parteien. Entscheidend für den Wiederaufstieg ist, ob die deutschen Arbeiter Träger des nationalen Gedankens fein werden.
Es entspricht durchaus der Anlage der Süddeutschen Monatshefte als einer Zeitschrift, in der hochstehende Persönlichkeiten
Die Ehre im Leben der Völler.
Die heutige wirtschaftliche Notlage Deutschlands drängt auch im politischen und geistigen Leben das Materielle so in den Vordergrund, daß dadurch den innersten Lebenskräften der Nation stärkste Verkümmerung droht. Auch äußere Not kann schließlich nur durch die Kräfte des Willens überwunden werden, die wiederum erwachsen müssen aus den höchsten seelischen Kräften. Das neueste Heft der Süddeutschen Monatshefte „Die Ehre im Leben der Völker" will Auge und Herz auf den bedeutungsvollsten nationalen Begriffsinhalt lenken. Karl Alexander v. Müller, der bekannte Münchner Historiker, zeigt in seiner Abhandlung „lieber die Bedeutung der Ehre im Leben der Völker", daß die sittlichen Fähigkeiten des Menschen, soweit unser Blick in die Vergangenheit zurückreicht, schon früh vollständig entwickelt sind, und sich seitdem nicht wesentlich mehr verändert haben. Mit dem ersten freiwilligen Opfertod hotte die praktische Sittlichkeit schon die bis heute höchste Stufe erreicht. Die Fortschritte der Technik und Wirtschaft haben dem nichts hinzugefügt. Die Ansicht, daß in unserer Welt der Wirtschaft kein Platz mehr sei für das Heldenhafte und für seine veralteten Ehrbegriffe, entspricht der Lehre der materialistischen Geschichtsauffassung. Ehre, Mut und nationale Leidenschaft find Realitäten im Leben der Völker, und die deutsche Politik schon während des Krieges ist nicht real gewesen, weil sie diese Kräfte in der eigenen Führung nicht eingesetzt hat, wie die Gegner es taten. Der Versailler „Vertrag" und alles, was ihm folgte, find die unmittelbare Auswirkung hiervon. Der deutsche Parteisozialismus schätzt für den Klassenkampf körperlichen Mut und „proletarische Ehre" hoch ein, aber für alles, was die Nation betrifft, hat er den Arbeitern diese Dinge wegdisputiert und den Glauben beigebracht, als ob die Nation schlechthin ein Klasseninteresse wäre und nationale Ehre höchstens Soldaten- oder Junkerehre. Diese Anschauung ist nur eine
Dinkelsbühl und Friedberg t H. Ella Räubers Farbenholzschnitte verarbeiten Blumen» motive in wenigen, zart«,, aber ganz dekorativ gehallenen Tönen und Linien. Schnie Winds „Papagei" (ebenfalls farbiger Holzschnitt) Ist bereits verkauft. Von Linzen sieht man eine weiträumig gemalte Landschaft auS der Hohen Rhön. (Auch die Rhonbuche ist ein schönes durchkomponiertes, besonders linear betontes Stück.) Die „Kirmes" von Rernst gibt ein bäuerliches Idyll etwa in Ludwig Richters Manier. Marg. Kuhns „Fischerkutter mit Rehen" ist ein fett gemaltes, vor allem technisch interessantes Bild (man denkt etwa an Hausensteins Farbenkommata, mit starkem Gefühl für das im Atmosphärischen aufgelöste Licht. Wallat bringt ein Seestück „An ferner Küste", kräftig im Ton, energisch in den Konturen, besonders aber mit den ..Hohenstaufen" ein in der Masse sehr könnerisch bewältigtes und organisch aufgeteiltes Landschaftsstück, mit starkem, im Hintergründe gesammelten Sonnenlichteinfall und einem pointillistifch aufgelockerten Himmel. Eine Gruppe von Friedrich, „Cinerarie und Strickstrumpf" (fast grotesk in der Zusammenstellung) kann als ein Beittag zur „Reuen Sachlichkeit" gelten, die jetzt so viel von sich reden macht. Lichts Blumenstück arbeitet mit starken farbigen Gegensätzen. Fein empfundene, erste Dorsrühlings- ftimmung ist eingefangen in der Wiesenland» schast von Faehndrich. Reben Brauns Thüringer Dörfchen findet sich ein ergötzliches, winterliches Scherzo von Me Heroth. Prof. Försters Heidelandschaft, aus großer Weite gemalt, übrigens in der Horizontalen stark mar- fiert, wirkt bei einigem Verweilen sehr geschlossen und bildhaft: auch die geschickte Raumanordnung ist zu beachten. — Reben der Malerei und der Graphik tritt die Plastik in der Gelamtverteilung ein wenig zurück. Wir notieren eine strenge Marmorbüste „Alte Albanerin" von Röhrig und von Kleine zwei figürliche Rundplastiken in Bronze, —1> —


