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Montag, U. Oktober »926
176. Jahrgang
Blatt
druck md Verlag: Brühl'ichc UniverfitSIrvuch- und Steindruckerei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Seschästtftelle: Schulstrntze L
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- Klamcanzcigen von 70mm Brette 35 Ncichspfennig, Platzvorschrist 20' , mehr.
Thesredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin: für den An» zeigcnteil i. Äcrtr. H. Beck, sämtlich in Gießen.
Nr. 258 Erstes
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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General-Anzeiger für Gberhessen
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herrn von der Goltz wurde er 1913 Inspektor der zweiten Armeeinspektion 2lm 27. Januar 1914 wurde er zum obersten befördert.
Bei Ausbruch des Krieges erhielt
Seeckts Nachfolger.
Generalleutnant Heye Chef der Heeresleitung.
Berlin, 9. OIL (Wolff.) Zum Chef Heeresleitung ist Generalleutnant Heye, her Kommandeur der ersten Divisicn und
Eine Kanzlerrede in Essen
Die Notwendigkeit der Volksgemeinschaft.
nünftigen Grundlage würde niemanden schaden, sondern beiden Ländern helfen. Das Blatt schließt: Eine der größten EchwierigkeitenDeutsch- lands ist die Beschaffung neuen Kapitals. Hier könnte Großbritannien wesentlich Helsen, besonders wenn die Hilfe unter der Leitung von Sachverständigen erfolgen würde. Wir würden tatsächlich gern sehen, wenn Großbritanniens Anteil an der Finanzierung der deutschen Industrie im Berhältnis zu dem amerikanischen Anteil größer würde. Der Austausch von Gedanken über industrielle Organisation und Methoden sollte helfen, das zu- standezubringen. Die Fortschritte in den führenden Fabrikationszweigen Deutschlands sind außerordentlich. Die in Deutschland wahr unehmende Tendenz, mehr im Hinblick auf die ganze Industrie als im Hinblick auf einzelne Gesellschaften oder Firmen zu denken und zu handeln, macht sowohl die gegenwärtigen Zustände, als ihre wahrscheinliche künftige Gestaltung für England sehr bedeutungsvoll. Deshalb war es wohl der Mühe wert, eine freundschaftliche Prüfung und einen freundschaftlichen Gedankenaustausch vorzunehmen.
fehlshaber im Wehickreis I, ernannt worden. Generalleutnant Wilhelm Heye wurde am 31. Ianuar 1869 in Fulda als Sohn des Oberstleutnants Wilhelm Heye geboren. Sein Stamm- land ist Oldenburg. Er wurde 1838 aus dem Kadettenkorps dem Ins.-Regt. 70 als Leutnant überwiesen. Aach Besuch der Kriegsaiademia wurde er 1901 als Hauptmann in den Generalstab der Armee versetzt, trat Anfang 1906 als Generalstabsoffizier zur Schutztruppc für Südwest-Afrika über, aus der ec nach Beförderung zum Major am 31. März 1908 unter Versetzung in den Generalstab der 33. Division wieder ausschied. Im April 1913 wurde er als Bata'.l- lonskommandeur in das Infanterie-Regiment 74 verseht unb im Dezember zum Oberstleutnant! befördert.
Bei der Mobilmachung wurde er zum Chef des General st abes des Landwehrkorps ernannt, aus dem dann die An.'.ee- Abteilung und später die Heeresgruppe W o y r s ch entwickelte, bei der er bis zum September 1917 als Chef des Generalstabes tätig war. Seine Verdienste in dieser Stellung insbesondere bei dem Weichselübergang nördlich Iwangorod im Iuli 1915, der daran an schl ießenden Offensive bis an die Tschara und den weiteren andauernden Abwehrkämpfen, die namentlich Iuni-Iuli 1916 zu großer Heftigkeit anschwollen, wurde im August 1916 durch Verleihung des Ordens pour le rnerite anerkannt. Im gleichen Monat wurde er zum Oberst befördert. Im September 1917 wurde er zum Chef des General st abes der Heeresgruppe Herzog Albrecht ernannt, der bei Vorbereitung der Fcühjahrsoffensive 1918 die Aufgabe zufiel, durch Scheinuntecnehmungen den Gegner über die tatsächliche, Angrifssfront im unklaren zu halten. Für die erfolgreiche Durchführung dieser Aufgabe erhielt der damalige Oberst Heye das Eichenlaub zum Orden pour le rnerite. Im Sepienrüec 1918 wurde er dem Chef deS Generalstabes des Feldheeres bes anderer Verwendung zur Verfügung gestellt.
Im April 1919 wurde er zum Chef des Generalstabes des Oberkommandos Grenzschutz Aord (Sitz Bartenstrin i. Ostpr.), am 1. Oktober 1919 zum Chef des Stabes des Truppenamts im Reichswehrministerium, am 1. Iuni 1920 zum Chef dieses Amtes ernannt, am 16. Juni 1920 zum Generalmajor befördert und mit Wirkung vom 1. April 1922 unter Beförderung zum Gene- raNeutnant zum Chef des Heeres-Perso- nalamtes ernannt. Mit dem I. November 1923 wurde er zum Kommandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis I ernannt.
Generaloberst v. heeringen f.
Berlin, 9. Oft. (Wolff.) Heute nachmittag ist der vormalige preußische Kriegsminister Generaloberst von Heeringen im 77. Lebensjahre gestorben. Heeringen wurde 1850 in Kassel geboren. Er trat am 11. April 1867 in das F '..ilier- Reg'.ment Ar. 80 ein. In dessen Reihen wurde er 1870 bei Wörth schwer verwundet. Im Iahre 1887 wurde von Heeringen Major im Kriegsministerium, 1895 Oberst und Kommandeur oes hessischen Infanterieregiments Ar. 117 in Mainz, 1898 Generalmajor und Direktor des Armeeverwaltungsdepartements im Kriegsministerium, 1903 Kommandeur der 22. Division in Kassel, 1906 General der Infanterie und Kommandierender General des 2. Armeekorps in Stettin, 1909
Die Arbeitsbeschaffung.
Essen, 10. OIL (WB.) Im städtischen Saal- bau wurde die von der Reichszentrale für Heimatdienst veransta tete Staatspolitische Vortragsreihe durch eine A. spräche des Leiters der Landesleitung (Industriegebiet) Schultz eröffnet. Darauf sprach Ministerialrat Dr. Strahl (ein Sohn des verstorbenen Anatomen unserer Landesuniversität, d. Red.), der Leiter der Zentralleitung der Reichszentrale für Heimatdienst, über die Tätigkeit und Ziele der Reichszentrale ür Heimatdienst, insbesondere in Verbindung mit dem Industriegebiet. Hierauf entwickelte
Reichskanzler Dr. Marx.
das Arbeitsprogramm der Regierung. Ausgehend von der Politisierung der Massen, in der der Reichskanzler eines der wichtigsten Kennzeichen der mondernen Zeit überhaupt sieht, führte er zunächst aus. daß diese Politisierung eine Folge der Demokratisierung des öffentlichen und politischen Lebens der Neuzeit ist. Sie führt die Massen unmittelbar an die politischen Geschehnisse heran und schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen Volk und Regierung. Darin ist unbedingt der neue Dolksstaat dem früheren Obrigteitsstaat voraus. Aber diese Politisierung birgt auch gewisse Gefahren in sich. Kein anderes Volk huldigt so sehr dem politischen Individualismus wie das deutsche. Dadurch ist ohne Zweifel unser deutsches Volk und unser deutscher Staat stärker als andere moderne Staaten mit innerpolitischen Spannungen und Splitterungen bedacht. Nirgendwo ist die Pflege des Gedankens der V o l k s- gemeinschaft notwendiger als bei uns. Wer von der
Notwendigkeit eines einträchtigen Hand-in- Hand-Arbeitens zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft
überzeugt ist, wer vom Arbeitgeber soziale Ge- sinnung und vom Arbettnehmer wirtschaftliches Verständnis verlangt, wer von beiden erwartet, dah sie ohne Einschränkung den Staat, wie er heute ist, anerkennen und an seiner Entwickelung Mitarbeiten, der leistet unserem schwer bedrückten Volk den besten Dienst: der leistet gute Arbett im Sinne der Volksgemeinschaft. Der Regierung ist die Mitarbeit aller Parteien willkommen, die die mühsam ausgebaute staatliche Ordnung anerkennen und sich schützend vor sie stellt. Wir brauchen alle Strafte, die gewillt sind zur positiven Mitarbeit. Nur so werden wir die schwierigen Aufgaben lösen, für die wir im kommenden Winter gestellt werden. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, große Parteien von vornherein mit dem Stigma der Regierungsunfähigkeit zu brandmarken.
Trotz verbesserter Steuereinnahmen kann das Reich froh sein, wenn es in diesem Iahre hart am Defizit vorbeikommt. Dor allem darf man nicht verkennen, dah wir in das Rechnungsjahr 1927 ohne Reserven aus Lieberschüssen der Vorjahre hineingehen. Wenn die Reichsregierung an dem
Streben nach weiteren Steuererleichterungen festhält, darf nicht verkannt werden, daß dies nur möglich sein kann bei einer befriedigenden Lösung des Finanzausgleichs. Daß mit der richtigen Gestaltung des Finanzausgleichs auch die A u f - gabenoerteilung zwischen Reich und Ländern zusammenhängt, und daß es sich hier um das finanzpolitische Zentralproblem für das Reich und Die Länder überhaupt handelt, möchte ich mit allem Nachdruck) betonen. Der Zeitpunkt für eine endgültige Lösung des Problems ist jedoch noch nicht gekommen. Die Reichsregierung wird dafür sorgen, daß im nächsten Jahre das Gesetz zur endgültigen Regelung des Finanzausgleichs dem Reichstag sobald zugänglich gemacht werden kann, daß für eine sorgfältige Durchberatung die erforderliche Zeit bleibt.
Der Reichskanzler behandelte dann das Problem der Arbeitslosigkeit und Einzelheiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms, indem er bemerkte: Die zur Verfügung stehenden Mittel muffen so eingesetzt werden, daß eine Belebung möglichst weiter
oberst von Heeringen die Führung der linken Flügelarmee und warf mit dieser in der ersten Feldschlacht des Krieges die in das Oberelsaß eingedrungenen Franzosen bei Mülhausen auf Belfort zurück. Dann erfocht er Schulter an Schulter mit den Truppen des Kronprinzen von Bayern den Sieg zwischen Metz und Vogesen. An der Aisne griff er in den Kampf der von der Marne zurückgehenden ersten und zweiten Armee ein und brachte , den Angriff der zwischen beiden eindringenden Franzosen unb Engländern mit Teilen seiner siebten Armee auf den Höhen südlich Laon zum Stehen. Am 28. August 1916 wurde er zum Oberbefehlshaber der Küstenver- teidigung ernannt. Infolge Auflösung dieses Oberkommandos wurde er dann im September 1916 von der Stellung als Oberbesehlshaber entbunden und am 18. November 1916 zur Disposition gestellt unter Ernennung zum Chef des Kohlbergischen Grenadier-Regimentes Graf Gneisenau Nr. 9. Generaloberst von Heeringen hat acht Iahre lang als erster Präsident des deutschen Reichskriegerbundes „Ky ff hä user" der deutschen Kriegecwvhl- sahrtsgemeinschaft und des reuhischen Landeskriegerverbandes gewirkt. Außerdem war er Ehrenbürger der Stadt Kassel.
Die parteMmpfe in Rußland.
Verhaftung der Oppositionsführer.
Moskau, 9.Ott (TU.) Da die Führer der Opposition ungeachtet des Redeverbotes in die Arbeiter- unh Parteiversammlungen weiter einbringen, hat das Zentralkomitee der Partei Sinowjew. Trotzki unb P i a t a k o w dem Parteigericht übergeben. Ls kann mit der Verschickung der drei Verhafteten nach Sibirien gerechnet werben. Ein Teil der Gruppe Stalins hat bie Ausschließung Sinowjews unb Trotzkis aus der Partei beantragt, jedoch soll Stalin sich dagegen geäußert haben. 3n Leningrad, Omsk unb Odessa sind über 400 oppositionelle Parteimitglieder von der G. P. 1L (der früheren Tscheka) verhaftet worben. In Jnwanowo-Wosnessensk ist es in einer Arbeiterversammlung zu Zusammenstößen gekommen, so baß die G. P. U. Rbie Versammlung auflofte. 3n Kronstadt »ei Mar lneregimenter aufge- l 8 st worden, weil sie sich zur Opposition bekannt und die Ernennung S o f s zum Oberbefehlshaber der Baltischen Flotte verlangt hatten.
Kriegsminister. Als solcher hat er drei Heer es vorlag en im Reichstag vertreten, die von 1911, 1912 und 1913. Als Nachfolger des Frei-
- Der Weg von Thoiry.
Teile der Wittschaft erreicht wird, um den Schlüsselgewerben Arbeit zu verschaffen unb mittelbar auch andere Teile der Wirtschaft anzukurbeln. Daneben muß vor allem die Förderung des Exports angestrebt werden. Der Reichskanzler erörterte dann den
Abschluß des Stahlpaktes, dessen wirtschaftliche Bedeutung man nicht unterschätzen sollte. Der Stahlpakl werde durch die Beendigung des Schleuderoerkaufs auf den ausländischen Märkten die Rentabilität der deutschen eisenerzeugenden Industrie erhöhen, ihr und ihren Arbeitern Beschäftigungsmöglichkeit geben, den Wert der deutschen Ausfuhr in diesen Erzeugnissen steinern, was von besonderer Bedeutung für die Gestaltung unserer Handelsbilanz ist. Auch die eisenverarbeitende Industrie mit ihrer Arbeiterschaft wird Nutzen aus dem Abkommen ziehen. Das Abkommen hat eine über das rein Oekonomische hinausgehende Bedeutung. Es scheint mir nicht möglich, baß man innerhalb wichtiger führender Industrien wirtschaftliche Friedensakte abschließen unb sich daneben politisch befehden kann. Das eine schließt das andere aus, denn wir wissen doch alle, wie tief die Kriegsursachen in wirtschaftlichen Gegensätzen begründet waren. So steht zu erwarten, daß auch aus politischem Gebiete eine weitere Entspannung eintreten wird, zunächst innerhalb des Kreises der beteiligten vier Länder, dann aber auch darüber hinaus, denn der Stahlpakt richtet sich gegen kein Land. Jedes andere Land kann ihm beitreten. Die Erkenntnis der Gemeinsamkeit der Interessen hat gesiegt unb Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen unternommen, für deren Beseitigung früher gar zu leicht politische Machtmittel verwandt worden wären.
Die viel umstrittene Politik der Verständigung hat uns ein gutes Stück weiter gebracht. Die Aera der Diktate und Ultimaten ist überwunden. Weite Gebiete deutschen CanöeS, die jahrelang unter dem schweren Druck der Besetzung zu leiden hatten, sind frei, und Deutschland ist vor einigen Wochen Mitglied des Völkerbundes geworden, der keinen TInterschied kennt zwischen Siegern und Besiegten. Was ist das bisherige Ergebnis der Verständigungspolitik, deren Gegner uns »roch nicht einen besseren und schnelleren Weg, zu Deutschlands wirtschaftlichem Wiederaufstieg zu gelangen, gezeigt haben, als den, den wir von London über Locarno nach Genf gegangen Jinb. Noch manche Schwierigkeiten werden zu überwinden sein, ehe wir zu einer befriedigenden Lösung der zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Fragen kommen werden. Aber ich habe das feste Vertrauen, daß diese Lösung gesunden werden wird, weil ich hüben und drüben den ernstlichen Willen sehe, sie zu finden. Einen Willen, der nicht erschüttert werden darf durch bedauerliche Ereignisse, wie wir sie in den letzten Tagen im besetzten Gebiet erlebt haben. Wie immer auch die Schuldfrage 6ei den schmerzlichen Zwischenfällen aufgeklärt werden mag, das eine ist gewiß, das Ziel der Besprechungen in Thoiry tarnt und darf durch solche Vorkommnisse nicht beeinträchtigt werden. Llnvermeidlich ist es. daß sie auf die Stimmung der Bevölkerung der besetzten ©'trete einwirken. Ich aber habe als der für die Richtlinien der deutschen Außenpolitik verantwortliche Staatsmann dafür zu sorgen, daß wir trotz dieser schmerzlichen Zwischenfälle den W eg weitergehen, der zur Lösung der wichtigen Fragen führt, bie zwischen Deutschland und Frankreich zu erledigen sind. An die Bevölkerung des besetzten Gebietes richt-e ich deshalb die Mahnung, würdige Zurückhaltung zu üben. Solange deutsches Gebiet noch von fremden Truppen besetzt ist, «wird immer die Gefahr bestehen, daß es zu Konfliltetr zwischen Besatzung und Bevölkerung kommt. Solche Konflikte zu vermeiden, liegt in beiderseitigem Interesse. Möge bald der Tag kommen, auf d-m meine und des gesamten Kabinetts heißeste Wünsche gerichtet sind: Der Tag der Defreiuung deutschen Bodens von fremder Besatzung.
Die deutsch-englischen Wirtschaftsbesprechungen.
L o n b o n , 10. Oft. (IUJ Unter dem Vorsitz von Ci'r Robert Home begann Freitag abend die informatorische Aussprache zwischen elf deutschen und elf englischen Industriellen und Bankiers auf dem Landsitz des englischen Transportministers Oberst Ashley in Broadlands. Die Besprechungen wurden am Samstag fortgesetzt. Nach ihrem Abschluß wurde folgendes offizielle CommuniquL aus- gegeben :
In Broadlands fanden über bas wochenenbe zwischen deutschen unb englischen 3nbuffrieüen zwanglose Unterhaltungen statt, die den Zweck halten, sestzustellen, in welchem Umsang es möglich sei, die Interessen der beiden Länder auf eine gern e i n f a m e Formel zu bringen. Die Teilnehmer handelten dabei inprioalerLigenschaft unb es bestanden keine Vollmachten, irgendwie geartete Abkommen zu schließen. Ausgehend von einer Betrachtung der Wirtschaftslage der beiden Länder, wandte sich das Interesse internationalen Abkommen auf wirtschaftlichem Gebiete zu. hierbei wurden die Aussichten erörtert, die für eine gegenseitige Unterstützung bestehen, um Europa einer wirtschaftlichen Gesundung entgegenzusühren, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern in größerem Umfange Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. 3m Zusammenhang mit diesem Problem wurde ferner besprochen, wie angesichts einer wachsenden Probuktionssähigkeit bie Kaufkraft der europäischen C ä n_- der, die nach dem Krieg stark gesunken ist, gehoben werben könnte. Die verhanblungen waren getragen von dem ausrichtigen Bestreben gegenteiligen Verstehens, von dem Wunsche, Schwierigkeiten zu beseitigen unb eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Es kann gesagt werben, baß die Besprechungen in der Tat eine ausgezeichnete Grundlage für künftige 21 b - machungen zwischen beiden Ländern bilden roür- dn. Darüber hinaus bedeutet nach dem Gefühl aller Beteiligten die Konferenz einen entschiedenen Beitrag für bie wirtschaftliche Uerftänbl- gung In Europa. Die Konferenz beschloß, einen Ausschuß zu bilden, dem u. a. Sir Robert Home, Herr Dulsberg, Herr hannon, Herr Kastl und Herr Rüg ent angehören werden. Ausgabe des Ausschusses soll es fein, die aus- geroorfenn Fragen weiterhin zu behandeln. Weitere Zusammenkünfte der Konferenzteilnehmer sind bereits in Aussicht genommen. Vor ihrer Abreise nahmen die deutschen Teilnehmer Gelegenheit, Eolonel Ashley unb insbesondere Miß Ashley für die überaus herzliche Gastfreundschaft zu danken und dem Gefühl Ausdruck zu geben, baß nicht zuletzt bie gastliche Aufnahme viel zu bem Gelingen der Unterhaltungen beigetragen hat.
Sie verschiedenen ergänzenden Berichte stimmen darin überein, daß unter den besonders wichtigen Industriezweigen vor allem Kupfer, Stahl, Kohlen, Textilien und Ehern'kalien Gegenstand der privaten Unterhaltung waren. Später wurde dann au^ die russische Frage und die wirtschaftliche Zukunft Rußlands behandelt. Diese Frage war für die Engländer von besonderem Interesse, da Deutschland ein Handelsabkommen mit Rußland hat. Einer der Delegierten erklärte, daß bei der Konferenz eine Fülle von gutem Willen auf beiden Setten zutage getreten sei und dah auch die w'.rtschaftliche Lage Frankreichs berührt wurde, aber _ in feiner Weise in einem Sinne, der den französischen Interessen irgendwie entgegengesetzt sein könnte. Ein anderer Delegierter betonte, daß die Konferenz nur als ein Fühler und als eine informatorische Aussprache angesehen werden könne. Er hoffe, daß bald weitere Aussprachen folgen könnten. Der diplomatische Jtorrenxmbent des „Observer" bezeichnet die Konferenz als den Auftakt zu einem „wirtschaftlichen Locarno". Er meint, dah die Konferenz das Ergebnis der verschiedenen inoffiziellen Fühler während der letzten zwölf Monate sei, und dah sie den Grund lege für die Besprechungen der allgemeinen Wirtschaftskonferenz im kommenden Frühjahr.
Die „Financial Times" sagt, die deutsche und die englische Nation sind vital an gewissen gemeinsamen mit einander in Wettbewerb stehenden Industrien, wie z. D. Kohle, Eien und Stahl, allgemeinen und elektrischen Maschinenbau und Chemikalien interessiert. Deutschland hat die un- ge'eu.e Au ga e, aus die en unb anderen Ove.(en seinen Umsatz zu steigern, um ausreichende UeberschüsiezurBestreitungderDa- weszahlungen zu gewinnen. Großbritannien hat die Aufgabe, während diese energische deutsche Bemühung im Gange ist, seinen zurück- gegangenen Ausfuhrhandel auszubauen. Das ist die Lage. Es ist nur natürlich, daß die Männer, die für die Produktion und Fabrikation verantwortlich sind, und die sie finanzieren, das Bedürfnis nach freundschaftlicher Prüfung dieser Lage haben. Die Möglichkeit eines unbeschränkten Wettbewerbs, während der Grad der wirtschaftlichen Erholung der konsumierenden Länder eine unbekannte Größe ist, würde eine Bedrohung für die Fabrikanten und Kaufleute enthalten, die nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Zusammenarbeit bei Kontrolle der Produktion und Preise auf einer ver-


