WS2l. Wetzlar, 10. Aug. Dorgestern ereignete sich auf dem Zementwerk der Buderus- Eisenwerke ein tödlicher Anfall. Der Vor- zeichner Ernst Scheib aus Siegen verlor bei der Befestigung von Dachbändern das Gleichgewicht. Zwar versuchte er, sich noch an den Gerüststangen festzuhalten, diese gaben jedoch nach und so stürzte er 18 Meter in d i e Tiefe. Mach Einlieferung in das Krankenhaus verschied der Schwerverletzte.
3 Wetzlar. 10. Aug. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat auf Grund der § 39 und 40 der Iagdordnung vom 15. Juli 1907 für den Umfang des Regierungsbezirkes Koblenz - - also auch den Kreis Wetzlar -- für das Jahr 1926 den Schluss der Schonzeit für Birk-. Haselund Fasanenhennen auf den 29. September festgesetzt, so dass der 30. September der erste Oagbtag ist. Die Schonzeit für Rehkälber hat er auf das ganze Jahr ausgedehnt-
3 Kinzenbach. 10. Aug. Die Maul- und Klauenseuche ist hier erloschen. Die an- geordnelen Sperr massnahm en sind aufgehoben.
3,Launsbach. 10. Aug. Hier hat sich eine Drainagegenossenschaft gebildet, die den 21 a m c n „Drainagegenossenschaft Launsbach" führt und ihren Sitz in der hiesigen Gemeinde hat. Die Genossenschaft bezweckt die Entwässerung von Grundstücken und die Anterhaltung von Entwässerungsanlagen nach einem Plane, den Re- gierungslandmesser C r u s i u s , Wetzlar, bei Gelegenheit der Durchführung der wirtschaftlichen Amlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung aufgestellt hat. Die Satzung der Gnossen- fchaft ist durch den Landeskulturamtspräsidenten zu Kassel genehmigt.
3 Wißmar, 10. Aug. Ebenso wie in Launs- bach. ist auch hier eine Drainagegenossen- s ch a ft gegründet, die sich den Ramen „Drainage- genofsenschaft Wissmar" beigelegt hat. Die Genossenschaft bezweckt die Entwässerung von Grundstücken und die ^Unterhaltung von Entwässerungsanlagen. Der Entwässerungsplan ist von dem Regierungslandmesser Schütz. Wetzlar bei Gelegenheit der Zusammenlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung aufgestellt. Die Genossenschaftssahung hat die Genehmigung des Landeskulturamtspräsidenten zu Kassel gefunden.
-s- Atz b ach, 10. Aug. Unser rühriger Turnverein trifft grosse Vorbereitungen zur würdigen Ausgestaltung des am 21., 22. und 23. August in unserem Dorf stattfindenden Gauturnfestes des Lahn-Dünsberg-Gaues. Das Fest sollte ursprünglich schon am 10., 11. und 12. Juli abgehalten werden, wurde aber damals in letzter Stunde von der Behörde wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche verboten.
—c— -Ehringshausen. 10. Aug. I n Di e Mähmaschine geriet ein Landwirt aus dem Rachbarorte Greifenthal bei dem Schnitt des Getreides. Der Mann zog sich schwere Fussverlehungen zu und musste in ärztliche Behandlung übergeben werden.
3 Dornholzhausen, 10. Aug. An der Maul- und Klauenseuche war zuletzt nur noch der eine der beiden Gemeindezuchtbullen erkrankt. Rachdem dieser abgeschlachtet ist, gilt die Seuche als erloschen. Das Landvatsamt hat die an geordneten Sperrmahnahmen aufgehoben.
3 Hochelheim, 10. Aug. Die Bohrungen nach Wasser an den von dem Wünschelrutenforscher Heinemann im hiesigen Gemeindewald bezeichneten Stellen werden eifrig fortgesetzt. In einem Schachte ist man in einer Tiefe von 9,5 Meter auf eine Quelle gestoßen, die nach vorgenommenen Messungen etwa die Hälfte des Wasserbedarfes der hiesigen Ge° . meinde liefern dürfte. Wenn die Bohrungen an der zweiten Stelle ebenfalls zu einem befriedigenden Ergebnis führen, kann die Wasserversorgung der Gemeinde aus eigenen Quellen als gesichert gelten. An den Bau einer Wasserleitung soll dann sofort herangegangen werden. — Wie vor kurzem im „Gieß. Anz." berichtet, ist zum Rachfolger des verstorbenen Pfarrers Schneider von hier dessen Sohn, der Hilfs- Prediger Paul Schneider von Gelsenkirchen- Rüttenscheid durch die Mrtreter der Kirchengemeinden Hochelheim und Dornholzhausen einstimmig gewählt worden. Die W a h l ist nunmehr -durch das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz zu Koblenz bestätigt worden. Pfarrer Schneider hat die Stelle bereits angetreten. Die formelle Amtseinführung durch den Superintendenten wird in Kürze erfolgen.
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen.
Bon Michael Wagner.
28 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Da begann in Bater Uracher eine dunkle Unruhe aufzudämmern, was denn da werden solle aus dem Hof, wenn seine alte Hand nicht mehr die Zügel führen konnte? Und er spürte allmählich das Alter . . .
Eine unbestimmte Furcht setzte sich in ihm fest, Zenos Warnungen und Mahnungen könnten doch Irgendwie ... Er fühlte nun selber in seiner derben, naturhaften Art, daß Toni sich dem Bauerntum völlig entfremdete, sich vielleicht gar nicht mehr dazu zurückfand. Stundenlang grübelte Uracher über diese Dinge nach in den langen Tagen von Tonis Abwesenheit — der hielt sich nun meist in München auf — und sand keinen Ausweg. Er fürchtete sich, von neuem Vorwürfe machen zu müssen- denn die Erinnerung an Veris trauriges Ende war in seinem Gedächtnis noch nicht verblaßt. Den Weg zu Zeno aber fand er wieder nicht. . .
Er kämpfte gegen Furcht und Selbstvorwürfe ebenso erbittert an, wie damals bei Veris Tod. Mit aller Kraft wehrte er sich in heimlichen heißen Kämpfen gegen die unerbittlich sich durchringende Erkenntnis, daß auf diese Art der Hof eben doch in Gefahr geriet!
Der alte Uracherstolz und -trotz erstand wieder in ihm und gab ihm die Kraft, sich zu widersetzen. Und dabei quälte er seinen weißhaarigen Kopf Tag und Nacht um einen Ausweg.
Endlich schien er einen gesunden zu haben: Heiraten mußte der Toni! Eine richtige, rieglsame Däuerin, die auch Etliches mitbrachte, mußte her! Toni mußte mit allen Mitteln dazu gebracht werden, den Hof selbst zu regieren ...
„Tua amal dein Blattl weg, Toni!" sagte also Vater Uracher eines Abends zum Sohn, „i möcht' a Wort! reden mit brr!"
Toni studierte gerade die Kursberichte. Unwillig kaute er an seiner Virginia und knurrte hinter dem Zeitungsblatt hervor:
„Siehst doch, daß i lies!"
—Z— Münchholzhausen, 10. August. Dem hiesigen Landwirt Alt haus wurde in Anerkennung seiner Berdienste um die Förderung der Kriegervereinsfache in hiesigem Orte von dem Borstand des Preußischen Landeskriegerver- bandes das Krieger Vereinsehren kreuz 2. Klasse verliehen, das ihm vor kurzem durch den Vorsitzenden des Kreiskrieger Verbandes Wetzlar überreicht wurde. — Während die erwerbstätige weibliche Jugend in andern Orten unseres Kreises zumeist in Zigarrenfabriken als Fabrikarbeiterinnen beschäftigt ist, findet ein grosser Teil der einheimischen jungen Mädchen in den Ob st bäum schulen und Gärtnereien der Kreisstadt Wetzlar als Kultur- und Gartenarbeiterinnen lohnenden Verdienst. Obwohl die Mädchen täglich einen verhältnismäßig weiten Weg zu ihrer Arbeitsstätte zurücklegen müssen, ziehen sie diese oft von ungünstiger Witterung beeinträchtigte Verdienstmöglichkeit bei weitem der Tätigkeit in den ungesunden Fabrikräumen vor.
—5— Aus dem Hüttenberg, 10. Aug. Eine fast tägliche Erscheinung in den Dörfern des Hüttenbergs sind die zahlreichen Händler. die mit ihren verschiedenen Handelsartikeln die Landorte „bereisen". Während vor einigen Wochen Kirschen und Heidelbeeren in allen Tonarten angeboten wurden, sind jetzt die Gurken der „Saisonartikel". Da wegen des starken Schnek- kenfraßes in vielen Gemüsegärten nur eine geringe Gurkenernte zu erwarten ist, werden Salat- und Einmachgurken fast von jeder Hausfrau gekauft, so daß die Händler über keinen schlechten Absatz zu klagen brauchen, der bei Kirschen und Heidelbeeren manches zu wünschen übrig ließ. — An vielen Zwetschenbäumen ist in diesem Jahre das Auftreten der Rarren - ober Taschenkrankheit zu beobachten. Die durch einen Pilz (Taphrina Pruni) verursachte Krankheit verleiht den befallenen Früchten oft wunderliche Formen und gibt ihnen einen faden, bitteren Geschmack.
3 Oberkleen, 10. Aug. Der an der Wegegabelung Oberkleen-Griedelbach-Oberwetz stehende ,,R a p o l e o n st o ck", über den vor einiger Zeit im „Gieß. Anz." berichtet wurde, ist jetzt wieder vollständig neu instand gesetzt worden. Der Stock hat einen neuen schwarz-weißen Anstrich erhalten, auch die Rapvleonfigur ist ihm auf einem besonderen Brette wieder auf gemalt. Ausserdem hat man bei ihm eine Ruhebank auf gestellt. Wenngleich, wie seinerzeit berichtet wurde, der Stock nicht den geringsten historischen Wert hat, so hat man sich feiner behördlicherseits doch deshalb angenommen, weil er in den Meßtischblättern usw. als „Rapoleonstock" eingezeichnet ist.
Wirtschaft.
Berliner Börse.
Berlin, 11. Aug. Die scharfen Kursrückgänge an der gestrigen Börse haben eine starke ilnfidjerfjeit zurückgelassen. Die Spekulation beschränkte sich bei Beginn des heutigen Verkehrs auf Leerkaufe, die teilweise Kurserhöhungen von 1 Prozent mit sich brachten. Im ganzen blieb die Tendenz bei Eröffnung uneinheitlich und verschiedentlich schwach. Die Abgaben, die aus Publikumskreisen noch an den Markt gelangten und bei der geringen Aufnahmelust auf die Haltung der Effektenmärkte drückten, wurden durch die anhaltende Verknappung am Geldmärkte und den weiteren Rückgang der Frankenvaluten noch begünstigt. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurden Meldungen aus dem Kohlengebiet bekannt, die eine Abnahme der Haldenbestände um 50 Prozent feststellen, außerdem eine Rachricht, daß die Dresdner Bank unmittelbar vor der Erhöhung ihres Wtienkapitals um 20 Millionen Reichsmark stehe. Diese günstigen Mitteilungen veranlaßten stärkere Deckungskäufe der Spekulation, denen sich lebhafte Rückkäufe anderer Kreise anschlossen. Die Tendenz wurde daher freundlicher unter Bevorzugung von Bank-, Montan- und Elektroaktien. Auch die Werte der I. G. Farbenindustrie und verwandter Gesellschaften konnten sich befestigen. Im Devisenverkehr ging der französische Franken gegenüber dem gestrigen Mittagskurs um weitere 8 Punkte auf 178 gegen London zurück. Brüssel hatte den gleichen Stand gegen das Pfund und lag damit relativ günstiger. Mailand war nur mäßig schwächer mit 145,75 gegen London. Die sonstigen Valuten ’i—hwhi । ii>»wiii|nirwBiniMJuiiis!M«E.wiwrBBwwwnaBss«at
„Nachher töt i halt ftadhalten! Hörst doch, daß i reden möcht mit dir!" gab der Alte in einem Tone zurück, daß Toni ganz unwillkürlich seine Lektüre unterbrach, das Blatt sinken ließ und verblüfft den Vater anstarrte.
Also?!" fragte er dann, nun selber gespannt, was da kommen würde.
Vater Uracher nickte.
„Ganz kurz g'sagt, Toni — du muaßt deine Handelschaften jetzt aufgeben und den Hof selber in d' Hand nehmen!"
„Oho!" platzte der Toni heraus. „In welcher Tonart soll's denn heut' wieder geh'n? — Oder soll bös bedeuten, daß du dich in meine Angelegenheiten mischen willst?"
„Laß mich ausreben!" erroiberte Uracher in unerschütterlicher Ruhe. „Von Einmischen kann niemals a Reb' sein — bal man,5 Recht zum Mitbisch- ferieren hat! Verstehst! Unb i wollt' bir nur ..."
Tonis Augen funkelten erregt aus dem hochroten Gesicht.
Recht zum Mitbischkerieren?!" unterbrach er den Vater, besten Worte in aufreizenber Betonung wieberholenb, „dös versteh i net! Dös klingt ja grab, als ob i unter Kuratel ftünb’!"
Uracher aber steuerte unbeirrt auf sein Ziel los.
„Du sollst beipe Handelschaften aufgeben und endlich amal dein Hof selber in d' Hand nehmen! I will mein' Austrag unb meine Ruah! hab zeitlebens a'rackert unb g'werkelt — jetzt könnt's schon langen!'
Toni biß sich auf die Lippen. Diesen Augenblick hatte er im stillen mit einem gewissen Unbehagen erwartet und sich immer wieder mit der Hoffnung darüber hinweggetröstet, der „Alte" werde schon weiter machen, so lange es gehe.
„Warum — wie stellst dir beim bös eigentlich vor, han?" warf er dem Vater hin.
Der schaute scheinbar höchst verwundert auf ob dieser Frage. Und dennoch funkelte etwas Eigenes in feinem Blick.
„3 t)ab’ dir Zeit g’nua lassen zum Nachdenken! Den Bauern sollst jetzt du machen — i mag nimmer!"
„3 — Bauer?!" Das war alles, was Toni darauf zu erwidern wußte.
wiesen nur geringfügige Schwankungen aus. Am Geldmarkt machte die Verknappung weitere Fortschritte. Tagesgeld dürfte sich auf 5 bis 6,5 Prozent erhöhen.
Börsenkurje.
(Ohne Gewahr.)
Frankfurt a.M.
Berlin
Schlug. Kurs
i.Uhr. fiurs
Schluh-tAnfana
Kurs
Rur-.
Datum:
10. 8- ;
11. 8-
10. 8.
11. 8,
5°/.) Deutsche Reichsanlcihe •
i>492
0.490
0.4925
_
4°/0 Deutsche RcichSanleiye -
—
--
0.445
37a% Deutsche Reichsanlcihe 3% Deutsche Reichsanlcihr .
(1.45
—
0,45
—
0,525
—
—
0,507
Deutsche Sparprämienanleihe 4% Preußische Jtonlolö • . .
0,27
—
0.27
0.455
—
0.455
0.41
4% Hessen
0.41
—
0,465
3‘/»o/o Hessen.........
3% Hessen...........
—
_
—
_
—
_
0,42
_
Deutsche Dcrlb- Dollar-Anl.
97,7
_
99,25
_
dto- Doll.-Schatz-Anireiing.*>
—
—
<% Zolltürken.........
13,75
14,25
13,5
_
5% Goldmerikaner ... .
45
—
44
—
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bauk
197
—
195.5’
194.5*
139*
137*
138*
137*
Darmst. und Nationalbank .
187'
187’
187*
187*
Deutsche Bank.........
169.5
169,2*
170’
170-
Deutsche Vereinsbank • - •
93
—
Disconlo Lommandit
160.5*
160,7’
161,2-
161,2-
Metallbank. . ........
133.75
132.7*
136*
Mitteldeutsche Kreditbank .
Oesterreichische Kreditanstalt.
140
7,12
137'
138' 7.12
Bochumer Guß ........
150,5*
148’
93,75*
83*
148-
95
95,75
82
Caro ............
85,25
Deutsch-Luxemburg.....
156,5’
156.7*
156*
156,7-
Gelsenkirchener Bergwerke . .
Harvencr Bergbau......
178.5’
152
137
178*
151,5*
177.5*
151.1-
137.5*
177,2*
151,2- 139’
Kaliwerke Äscöersleben....
148
56,25
146.2*
56.5
»8.25
Laurahütte.........
55,5
Obcrbedars...........
70.1
74,12*
74
Pbönir Bergbau ......
126*
125,7*
126,7*
126
Rheinstahl...........
Riebeck Montan........
150'
149,25
149,5*
147,75
149,4*
144
148.2*
148
Tcllus Bergbau ■ ......
72
158'
151,2*
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ....
159,7*
153,2*
158*
150,4’
159*
151,1*
Cheramtsche Werke Albin . .
—
_
__
Zementwerk Heidelberg . . .
122.75
_
Philipp Holzmann......
98,25
97,75
98
Anglo-Cont.-Guana.....
124
_
90.5
92
Chemische Mäher Alapin . .
9 G- Warbenindustrie, A.-G.
288,7*
288.5*
283,5*
784,7’
Goldschmidt..........
116
115’
117,25
Holzverkohlung.......
57
57,5
Äütgerswerke........
111.12
109,75
109,5
Schcidcanstalt.........
159,75
161
Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft
152,7*
149,5*
150.5*
149,5*
Bergmann . . .......
Moinkraftwerke ........
142,2*
140*
142*
138’
103,75
Schlickert . . ..........
131
130,2*
131*
129,9*
Siemens & Halske ......
177.5'
177’
176,7*
176,7*
Adlerwerke Kicher ......
84
81,5
82
81
Daimler Motoren. ......
82
82
83,62
83,5
Hehligenstacdi.........
26
Mcguiu............
47,75
16
_
Motorenwerke Mannheim
—
37
—
Frankfurter Armaturen . - Konservenfabrik Braun . . .
16
44
—
—
Melallgesell'chaft Frankfurt.
Per. Union A--G......
144,5
86,75
143
86,75
Schuhfabrik Her;......
_
52
Sichel..............
2.8
_
—
Zellstoff Waldhof......
Zuckerfabrik Frankenthal . .
.Zuckerfabrik Waghäusel . . .
167
164
165,25
163
75
83
72,25
83
83
frankfurter Börse.
Frankfurt a. M, 11. Aug. Tendenz: unregelmäßig. — Das Börsengeschäft zeigte heute wieder eine unsichere und reservierte Haltung. Die Kursabschwächungen und Erhöhungen hielten sich im allgemeinen die Wage, so daß die Tendenz als uneinheitlich angesprochen werden kann. Die ilmfatj tätigfeit hat eine Einschränkung erfahren, die auf den Mangel an einer nennenswerten Beteiligung außenstehender Kreise zurückzuführen ist. Die Rähe des Medios veranlaßte auch die Spekulation, vorsichttg zu disponieren und von größeren Engagements abzusehen. Infolgedessen waren die Abschlüsse ans ein Minimum zusammengeschrumpft, so daß für eine Reihe von Wertest eine Erstnotierung nicht zustande kommen fonirte. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß die auftretende Realisationsneigung eine kräftige Widerstandsfähigkeit des Marktes fand, wodurch die Rückgänge sich allgemein in engen Grenzen hielten. Eine Anzahl von Werten hatte auch Besserungen aufzuweisen, die sich im Rahmen von etwa 1 Prozent hielten. Von Mon - t a n a f t i c n konnten sich befestigen; Deutsch- Lup plus 1,25 Proz., Buderus und Mannesmann plus je 1 Proz., Gelsenkirchen, Harpen er und Rheinstahl plus je 0,5 Proz. Dagegen wurden niedriger: Riebeck-Montan minus 1,5 Prozent,
„Halt wie sich's g'hörk!" sprach Uracher weiter. „Und noch was — denkst net selber a, daß es Zeit wär', sich — um a richtige Bäuerin z' schauen?"
„Bäuerin?!" lachte der Toni schallend heraus, „Bäuerin?! — Hä, ha, ha!"
„— A richtige, Hand- unb rieglsame Bäuerin, die a was mitbringt — a solchene muaß her! D' Walli is a schon a alt's Leut' unb schafft's nimmer lang!" führte ber Vater in seiner sonderbaren, anscheinend unerschütterlichen Ruhe weiter aus.
„Hör auf!" fuhr jetzt Toni barsch dazwischen. „— 3 kann bös dalkerte G'schwatz net hören!"
Vom Vater kam nicht sogleich eine Antwort. Starr und forschend waren seine grauen Augen auf Toni gerichtet. Das Unbehagliche der Situation reizte Toni.
„Wie stellst du denn dir bloß dös vor!" begehrte er auf, sich zu einem Lachen zwingend, „Bauer — Bäuerin! — Daß i net lach!"
„Was gibt's denn ba zum Lachen? — Du nimmst bein’ Hof unb schaust bir um a Bäuerin — i möcht' enblich amal ausspannen, unb b' Walli hat's a oerbient!" Uracher war lauter geworben, dumpfe Erregung grollte in feiner Stimme. Doch er zwang sie noch nieder.
„Bis Pfingsten laß i dir noch Zeit — solang mach i dir noch den Bauern!"
„Red' doch kein' Unsinn, Vater! Da werd ewig nix draus!"
„Werd nix draus?! — Warum nachher net? Han?"
Toni hieb mit ber Faust aus ben Tisch.
„3a, glaubst beim du im Ernst, daß i in mein' Leben jemals wieder an Bauern mach?"
„Bua!" brach Uracher jetzt los und fuhr auf. Sein mächtiger Brustkasten hob und senkte sich in gewaltiger Erregung. Grollend kam es draus hervor:
„3etzt langt’sü"
Auch Toni war aufgesprungen, wich aber sofort bis in die Mitte ber Stube zurück. Wut, Trotz unb Furcht verzerrten seine Gesichtszüge.
„Herr im Haus bin allemal i!" stieß er mit überfchnappenber Stimme heraus. „Unb i laß mir von gar niemand was breinreden!"
„Was mit dem Hof is, will i wissen!"
„Da g'schieht, was i haben will!" schrie der Toni. „Da brauchst gar net bis Pfingsten z' warten,
Laurahütte minus 0,75 Prozent unb Phönix minus 0,25 Prozent. Von Chemieaktien konnten I. G. Farben 1 Prozent anziehen. Scheideanstalt plus 1,75 Prozent und Holzverkohlung plus 0,5 Prozent. Elektroaktien hatten bei geringer älmsahtätigkeit unregelmäßige Tendenz. AEG. und Bergmann wurden niedriger. während Schuckerk und Siemens sich befestigen konnten. Am Bankaftienmarkte setzten sich die Kursabbröckelungen fort. Darmstädter minus 1,25 Prozent, Dresdner minus 1 Prozent. Scharf gedrückt waren Mitteldeutsche Kredit, die 3 Prozent verloren. Schiffahrts- a k t i e n lagen ziemlich fest. Hapag plus 0,75 Prozent, Rordllohd plus 1,25 Prozent. Don Motorenaktien senkten sich Kleher um 2 Prozent, während Daimler unverändert blieben. Zellstoff- unb Zuckeraktien gehalten, nur Zucker-Frankenthal waren stärker rückgängig und büßten 3 Prozent ein. Oelartien konnten sich befestigen. Deutsche Erdöl plus 1,5 Prozent, Rütgerswerkc plus 0,75 Prozent. Der heimische Anleihemarkt verharrte in Lustlosigkeit, die Kurse waren zumeist unverändert. Von ausländischen Renten bestand etwas Jnteress? für ZoUtürken. Im Freiverkehr waren Ufa angeboten und auf 38 Proz. abgeschwächt. Brown^Boveri 120, Entreprise 7, Growag 60, Frankfurter Handelsbank 90,5, Anterf ranken 90 Proz. Der weitere Verlauf brachte zunächst Schwankungen, doch konnte sich schliesslich eine freundlichere Tendenz durchsetzen. Die Kurse der Aktien, die niedriger eröffnet hatten, konnten etwas an- ziehen. Die befestigten Werte erzielten weitere leichte Steigerungen. Der Geldmarkt steht im Zeichen einer stärker gewordenen Verknappung. Tagesgeld stellte sich auf 41/2, Monatsgeld 5 bis 5Vs Proz. je Adresse. Im Devisenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten erneut abgeschwächt. Paris stellte sich gegen London auf 175, Brüssel auf 176. Mailand lag fast unverändert mit 145,25 gegen das Pfund.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
10. August.
11. August.
Amtliche Geld
Kotierung Brief
Amtliche Notierung
Geld
1 Brief
Amst.-Roll.
168,52
168,84
168,43
168.85 "
Buen.-AireZ
1,698
1,702
1,698
1,702
Brff.-Antw.
11,66
11,70
11,57
11,61
Christiania.
91,88
92,12
91,93
92,17
Kopenhagen
111,26
111,56
111,34
Ul, 62
Stockholm .
112,26
112,54
112,29
112,57
Hclsingfors.
10,554
10,594
10,553
10,593
Italien. . .
14.08
14,12
14,00
14,04
London. . .
20,397
20,449
20,395
20,447
Oleuhort . .
4,195
4,205
4,195
4,205
Paris. . . .
11,88
11,92
11,62
11,66
Schweiz . .
81,12
81,31
81,11
81,31
Spanien. .
64,27
64,43
64.02
64,18
Japan . . . ?h‘io de Fan.
1,998
2,002
1,998
2,002
0.646
0.648
0.648
0.650
Wien in D--
Oest. abgest.
59,32
59,46
59,345
59,485
Prag ....
Belgrad . .
12,42
12,46
12,42
12,46
7.40
7,42
7,402
7,422
Budapest. .
6,867
',887
5,87
5,89
Bulgarien .
J.015
1.045
3,04
3,05
Lissabon
21,40
21,45
21,40
21,45
Danzig. . .
81,28
81.48
81,36
81,56
Konstantin.
2,335
2,345
2,332
2,342
Athen. , .
4,74
4,76
4,74
4,7h
Canada. . Uruguay
1,197
4,207
4,197
4,207
1.185
4.195
4.185
4,195
Banknote
N.
(Ohne Gewähr.)
Berlin, 10. August.
Geld
Briet
Amerikanische Note« .....
4,175
4,195
Belgische Noten........
11,75
11,81
Dänische Noten .......
111,02
111,58
Englische Noten. .......
20,369
20,465
Französische Noten .....
12,04
12,10
Holländische Noten......
168,10
168,94
Malienische Noten ......
14,41
14,49
Norwegische Noten......
91,37
92,0!
Teutsch-Oesterr., äioo Kronen
59,40
59,70
Rumänische Noten......
——
Schwedische Noten ......
111,92
112,48
Schweizer Noten .......
81,20
81,60
Spanische Noten .......
64,09
64,41
Tschechoslowakische Noten . .
12,385
12,445
Ungarische Noten .......
5.83
5.87
3-'urrkfr.vUr Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 11. Aug. Es wurden notiert: Weizen 1 Wetterauer, neue Ernte) 28,50 bis 29. Roggen (int., neue Ernte) 19,75 bis 20, Hafer (ausl.) 20,50 bis 22, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42 bis 42,75, Roggenmehl 30, Weizenkleie 8,75, Roggenkleie 10,50. — Tendenz: Leicht befestigt.
I kannst es gleich hören — roennft nimmer magst, | nachher kannst in dein' Austrag gehen, i halt bi net auf! Unb b’ Walli kannst von mir aus mitnehmen! Auf ben Hof aber kommt nachher a — Verwalter!" Einige Augenblicke stand Uracher wie erstarrt.
Um ihn schien sich alles zu drehen. 3hm war, als kochte ein Vulkan in feinem 3nnern. Er biß die Zähne zusammen. Stark bleiben!
„Niemals hat ben Krummholzerhot a anderer in der Hand g'habt als a Uracher! Unb solang i noch leb, kommt a koa Frember ba rein!" Wie ein Schwur klang bas.
Toni frohlockte innerlich. So bog man bas stärkste Eisen.
„Na, also — nachher muaßt halt roieber weitermachen!"
Breitspurig ftanb ber Toni jetzt vor bem Vater, voll scheinbarer Ueberlegenheit in Ton unb Miene, die Hände in den Hosentaschen. Uracher stierte ihn wie einen Fremden, Unbekannten an.
„Und — wenn i amal bei der Mutter draußen im Freithos lieg — was is dann? Han?! Was g'schieht ebba bann mit'm Hof?!"
Da lachte ihm der Toni ein freches, gemeines Lachen ins Gesicht.
„O mein — berroeil lauft noch viel Wasser nunter! Was nachher g'schieht — bös tuat bir nimmer weh!"
Lachte, brehte sich brüsk auf bem Absatz herum unb verließ bas Zimmer.
Wie entgeistert stierte Uracher auf bie Tür, als sie längst hinter Toni ins Schloß gefallen. Dann erbebte feine hohe, noch im Alter kraftvolle Gestalt, die braunen, zerschrundeten Fäuste krampften sich um bie Tischkante . . .
Langsam ließ er sich auf bie Bank niedcrfaüen, ber Kopf mit bem grauen Haar schlug hart auf bie Tischplatte. Er fühlte in diesem Augenblick, wie ihm ein unerbittliches Schicksal ben Fuß auf ben Nacken setzte. Qualvoll stöhnte er auf.
So fanb ihn nach einer Stunbe bie erschrockene Walli.
Seltsam — dies beängstigende Gefühl, das Zeno längst wie ein Alp bedrückte: irgendeinem dunklen Verhängnis mit derselben grausigen Gewißheit zuzutreiben, wie etwa ein steuerloses Boot der Stromschnelle — erfaßte nun auch Vater Uracher.
(Forkfetzung folgt.)


