JMJew Hess«ns die Delegierten des Reichsbundes, «otoie Vertreter der Dehörden und der Parteien erschienen waren. Die Beratungen am Samstag befahlen sich mit Organisations- svagen. Am Sonntag sprach Pfarrer Frese- Liu- (Essenheim) über die Ziele der Friedensbewegung. Ms zweiter Redner referierte Bun- besdorsihender Pfendner über die sozialpolitischen Aufgaben der Organisation. Er verlangte u. a. Angleichung der gegenwärtigen Renten an die Vorkriegsrenten und Uebernahme der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen durch das Reich, sowie Beseitigung der Befugnis der Reichsbahngesell- fchast und der Reichsbank, Über die Entlassung von Schwerkriegsbeschägidten selbst entscheiden zu können. Diese Entscheidung soll an die Zustimmung der Reichsbehörden gebunden sein. Der Redner gab dann interessante Zahlenbeispiele über den Anteil der Tuberkulosesterbefälle an der Gesamtsterblichkeitszahl der Kriegshinterbliebenen, der sich auf 30 bis 35 Prozent beläuft, sowie über die überraschend hohe Zahl der Selbstmörder in den Kreisen der Hinterbliebenen der Kriegsopfer und der Kriegsbeschädigten. Als nächster Redner sprach Reichstagsabgeordneter Erich R o h m a n n, Direktor des Hauptversorgungsamtes Stuttgart, über die Tätigkeit der einzelnen politischen Parteien in der Frage der Unterstützung und Fürsorge der Kriegsopfer, wobei er betonte, daß alle Parteien im Wahlkampfe mehr versprochen hätten, als sie zu halten in der Lage seien. Die einführenden Referate wurden mit großem Beifall von der Versammlung auf- öcnommcn. Anschließend wurden noch eine Reihe Anträge der einzelnen Ortsgruppen erledigt.
Aus der ProvinzialhaupiMt.
Gießen, den 11. Mai 1926.
Kälterückfälle im Mar.
Seit altersher sind im Dolle die Tage des 11., 12. und 13. oder auch des 12., 13. und 14. Mai wegen chrer Rachtfrostgefahr gefürchtet. Rach den Heiligen dieser Tage Mamertus (11.) Pankratius (12.) und Servatius (13.), sowie Bonifatius (14.) hat man sie die „drei gestrengen Herren", „drei Eisheiligen" oder „drei Eismänner" genannt. Auch der 15. Mai, Sophie, steht deshalb noch in schlechtem Ruf als die „kalte Sophie". Die Besorgnis des Landmannes und Gärtners um die zarten Kulturen der Felder, namentlich aber um die Obstbaumblüte, ist in dieser Zeit wvhlbegründet. Der im Volke fest eingewurzelte Glaube an die drei gestrengen Herren ist nun zwar durchaus berechtigt, bestätigt sich aber keineswegs in jedem Jahre: oft verlaufen die gefürchteten Tage ganz harmlos, zuweilen sind sie sogar wärmer als andere Maitage. Die Külterückfälle des Mai sind nämlich, wie durch umfangreiche wissenschaftliche llnter= suchungen festgestellt worden ist, nicht an bestimmte Daten gebunden, wiewohl sie die Tage gegen Mitte Mai bevorzugen, sondern verteilen sich auf den ganzen Monat. Wichtig ist ferner der Umstand. daß die Kälter-ücksälle um Mitte Mai in gewissen Jahresreihen auffallend stark in die Erscheinung treten, in anderen Jahresreihen dagegen nahezu oder ganz verschwinden. Dieses Verhalten der Erscheinung führte einige Meteorologen dazu, das Vor^mdensein der sprichwörtlichen drei gestrengen Herren ganz in Abrede zu stellen. Genauere Untersuchungen zeigten aber, daß die Kälterückfälle eine Art Periodezität besitzen und nur dann nicht in langen Jahresreihen von Temperaturbeobachtungen hervortreten, wenn sie in den Mittelwerten aus mehreren Tagen gesucht werden. Verwendet man beispielsweise den Mittelwert aus einem Zeitraum bvn 5 aufeinanderfolgenden Tagen, insonderheit - vns der Eisheiligen-Periode vom 11. bis 15. Mai, "t wie es u. a. Dove getan, so macht man geradezu - die Untersuchung unwirksame da nämlich einem ■ Kälterückfall stets eine erhöhte, oft hochsommer- » liche Wärme unmittelbar voranzugehen pflegt, können der 11. und 12. sehr warm, der 13. und 14. Mai sehr kalt ausfallen: beide Extreme vereinigt heben sich auf, und so tritt in dem fünftätigen Temperatur-Mittelwert keinerlei Depression hervor, obwohl tatsächlich ein sehr heftiger
Kälterückfall vorhanden ist. Je länger die in solcher Weise verwendeten Jahresrähen sind, um so mehr verwischt sich das Resultat, bis eS endlich ganz negativ ausfällt. Schwanken die Kälterückfälle auch zeitlich hin und her, so sind sie dennoch vorhanden: in vielen Jahren kommen sogar zwei, drei unD mehr, bis zu sechs Temperatur-Depressionen im Mai vor. Der alte Volksglaube an die Eisheillgen hat demnach seine Berechtigung.
Kälterückfälle sind immer abhängig von einer bestimmten Luftdruckverteilung, die wieder eine Folge der Bodenerwärmung durch die Sonnenstrahlung ist. Charakteristisch für die Entstehung des Phänomens ist das Vorhandensein hohen Luftdruckes im Westen und niedrigen Luftdruckes im Osten von Europa. Diese Verhältnisse erzeugen nach dem Windgesetz über Mitteleuropa eine nördliche oder nordwestliche Luftströmung, die uns kalte Luftmassen aus der Polarregion und von den von schmelzenden, wärmeentziehenden treibenden Eismassen erfüllten Rordatlantischen Ozean zuführt. Mit der Kälte bringen uns jene Strömungen aber auch vorwiegend trockene Luft, die Aufklärung bewirkt und dadurch die Wärmeausstrahlung des Bodens begünstigt. Daher kommt es, daß die Kälterückfälle bei klarem Wetter um so gefährlicher sind, weil sie dann leicht zu Racht- frösten führen.
Wirksame S chu tz m i t t e l gegen diesen Ra- turvorgang gibt es leider nicht, doch leistet, namentlich bei stillem Wetter, die künstliche Rauchentwicklung durch sog. Rauchfeuer und Rauchfackeln oft recht gute Dienste. Will man Gewißheit darüber erlangen, ob in der bevorstehenden Rächt Frost zu erwarten ist, so bediene man sich eines sog. feuchten Thermometers, das man einfach dadurch herstellt, daß man die Quecksilberkugel mit feuchter Gase umwickelt und diese wieder mit einem Zipfel aus einem darunter aufgehängten Wassergefäh- chen ihre Feuchtigkeit saugen läßt. Zeigt das feuchte Thermometer am Mittage weniger als 4,5 Grad Celsius, so tritt Rachtfrost ein, bei 4.5 Grad selbst sinkt die kommende Rachttempera- tur auf 0 Grad. Wolken hindern die nächtliche Wärmeausstrahlung des Bodens: sind solche also vorhanden, ist der Himmel bedeckt, so braucht man Nachtfröste oder Reif nicht zu befürchten. Scheint dagegen die Sonne uiid ist der Himmel klar, dann liegt die Gefahr starker nächtlicher Abkühlung vor. A. St.
Schulrat Heinrich Scherer.
ö. Am 10. Mai. feierte ein über die Grenzen Hessens hinaus bekannter Schulmann und pädagogischer Schriftsteller, Schulrat i. R. Heinrich Scherer in völliger geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 7 5. Geburtstag. Die hessische, wie überhaupt die gesamte deutsche Lehrerschaft, gedenkt an diesem Tage des hervorragenden Mannes mit Dankbarkeit und Stolz.
Heinrich Scherer wurde am 10. Mai 1851 zu Borsdorf in der Wetterau geboren. Er trat 1868 in das Lehrerseminar zu Friedberg ein und fand 1870 eine erste dienstliche Verwendung in Niederramstadl bei Darmstadt. Ein Jahr nach seiner Staatsprüfung wurde er nach Gießen versetzt. Hier setzte er seine in Darm stadt begonnenen Studien in Mathematik, Literatur. Geschichte. Philosophie und Pädagogik fort und konnte im Jahre 1876 die Prüfung für Oberlehrer. Seminarlehrer und Schulinspektoren bestehen. Rachdem er bis dahin an einer Elementar klasse gewirkt hatte, wurde er nunmehr auf Vorschlag von Direktor Schiller in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen und Fähigkeiten als Reallehrer an das Gymnasium verseht. Mit dieser Anstalt war ein pädagogisches Seminar für die Kandidaten des höheren Lehramtes verbunden. Scherer hatte in diesem neuen Wirkungskreise die Ausgabe, die Anwärter durch Vorunterricht und durch Leitung ihrer Unter- richtsversuche in die Methode des Unterrichts einzuführen, hinter dem Vorsitze Schillers wurden diese praktischen Arbeiten von Besprechungen begleitet.
1888 kam Scherer als Stadtschulinspektor nach Worms. 1904 wurde er als Kreisschulinspektor nach Büdingen versetzt. Auf seinen Wunsch kam er im Herbst 1912 nach Offenbach. 1922
trat Schulrat Scherer in den Ruhestand. Er war von 1894—99 Schriftleiter des Hessischen Schulboten und von 1899—1904 zweiter Obmann des Hessischen Landeslehrervereins. Allen Schulfragen widmete er mit Fleiß und Gründlichkeit feine volle Aufmerksamkeit, auch entfaltete er auf pädagogischem Gebiet eine reiche, schriftstellerische Tätigkeit.
Gießener Wochenmarktpreisc.
Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 210, Matte 35 bis 40, Käse 50 bis 140, Wirsing 40, Weißkraut 35. Rotkraut 40, rote Rüben 20, Spinat 35 bis 45, Römischkohl 20, Spargel 100 bis 140, Mischgemüse 20 bis 25, Tomaten 120 bis 150, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Rhabarber 25, Kartoffeln 4 bis 5 Aepsel 20 bis 40. Kirschen 100 bis 120, Erdbeeren 350 bis 400; das Stück: Eier 10 bis 11, Blumenkohl 120 bis 150, Salat 25, Salatgurfen HO bis 130, Lauch 5 bis 20, Rettich 20, Sellerie 20 bis 50; das Bund: Radieschen 15 bis 20, gelbe Rüben 50 Pfennig.
Bornotizen.
— Tagestalender für Dienstag: Gießener Konzertverein: 8 Uhr in der Stadtkirche Reger-Gedächtnisfeier. — Volkshochschule: 8 Uhr Oberrealschule Kursus Literatur. — Kath. Dereinshaus: bis 8 Ähr Ausstellung „liniere Zähne". — 4 Uhr Saalbau Sauer Schaukochen. — 8 llhr Saalbau Sauer Vortrag über Eigenheime, veranstaltet von der Gemeinschaft der Freunde. — Lichtspielhaus, Dahnhosstraße: Familie Schimek.
** Neue Ausweise. Das.Kreisamt schreibt uns: Gemäß einer Verfügung des Herrn Staatspräsidenten und des Ministers des Aeußern sind ab 1. April 1926 neue Ausweise für den Verkehr mit Ostpreußen und dem besetzten Gebiet e in den Verkehr gekommen. Die v o r d i e f e m Zeitpunkte ausgestellten Ausweise (weißes Quartformat) haben bis auf weiteres noch Gültigkeit. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß diese Ausweise in absehbarer Zeit ihre Gültigkeit verlieren. Damit die alten Ausweise allmählich aus dem Verkehr kommen, erscheint es zweckmäßig und angebracht, sich schon jetzt unter Beifügung des vor dem 1. April 1926 gefertigten Ausweises einen neuen Ausweis ausstellen zu lassen.
** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird hiermit die Schützenstraße zwischen Rodhelmer Straße und dem Grenzweg Krosdorfer Straße von Samstag, 8. Mai 1926, ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.
“• Der Verein Volkshochschule Gießen hielt am Samstag seine diesjährige Mitgliederversammlung ab. Zum letztenmal gab der bisherige Geschäftsführer, Dr. Hans Werner, den Jahresbericht, aus dem hervorgeht, daß die Arbeit sich stetig entwickelt, in den Arbeitsgemeinschaften, in Einzelvorträgen, größeren Veranstaltungen, in Austauschabenden und in den belehrenden Besuchen städtischer Aemter. Es fehlt aber noch an einem Platz, der zu regelmäßigen freieren Zusammenkünften dienen tonnte. Vielleicht kann er sich einmal in einer öffentlichen Lesehalle finden. Zu den sehr bescheidenen Geldmitteln steuern wesentlich der Staat (für den Direktor Hassinger da war) und die Stadt bei, denen lebhaft gedankt wurde. Der neugewählte Vorstand besteht aus Stadtschulrat Alles. Dr. Flörke, Geheimrat Haupt. Parteisekretär Häuser. Professor M i t t e r - maier, Rektor Schmidt, Lokomotivführer Simon, Rektorin Weitzel, Bankbeamten Wellhausen. Die Geschäftsstelle ist bei Frl. Balser, Wolfstraße 10, untergeb rächt. Besonders lebhaft kam der Dank für den scheidenden Geschäftsführer zum Ausdruck.
° Die Freiwillige Sanitätsko könne vom Roten Kreuz wurde am <§toiuin>gmitt;ig zu einer größeren Sanitätsübung- nach Butzbach alarmiert. Trotzdem die Kolonne anläßlich des 2>in: und Sportwerbetages in Gießen eine größere Anzahl Sanitätsmannschaften hier benötigte, konnten doch dank der Bereitwilligkeit der Mitglieder kurz nach M Uhr 38 weitere Sanitätsmannschaften mit einem Lastkraftwagen nach Butzbach abfahren. Da
es sich nach der Meldung um ein angenommenes größeres Explosionsunglü'ck in einer chemischen Fabrik handeln sollte, so mußten außer dem zu benötigenden Verbandmaterial und Tragbahren noch Gasschutz- und Sauerstoffapparate mitgeführt werden. Durch Straßensperre zum Fahren von Umwegen gezwungen, traf die Kolonne Gießen um 1.45 Uhr als zweite Hilfsmannschaft ein und erhielt von dem die Uebung leitenden Inspekteur ihre Ausgabe übermittelt, welche darin bestand: „Drei Arbeiter, welche bewußtlos in einem mit giftigen Gasen angefüllten Raum Ingen.- zu bergen, sowie weitere fünf mehr oder weniger schwer Verletzte zu verbinden und nach einem angenommenen Krankenhaus zu verbringen." Die „Verunglückten" waren in kurzer Zeit geborgen und auf dem inzwischen durch eine Behelfsvorrichtung zum Transport eingerichteten Lastkraftwagen abtransportiert. Außer der Kolonne Gießen waren an der Uebung beteiligt die Sanitätskolonnen Bad-Nauheim, Friedberg und Lich, die alle Aufgaben zur größten Zufriedenheit lösten.
** Der Sommerfahrplan tritt am 15. Mai in Kraft. Rechtzeitig erscheinen soeben die beliebten Storm-Kursbü er. Reben der Ausgabe Storm Reich (4 Mk.) ist für unser Verkehrsgebiet die Ausgabe Storm West-Süddeutsch- land (2 Mk.) mit den Fahrplänen ganz Wesk- und Süddeutschlands maßgeblich, in’ Zlmftter Linie auch die Ausgabe Mitteldeutschland (1.50 Mk.). ®a der Sommer-Fahrplan wieder erhebliche Aen- dcrungen bringt, empfiehlt sich die sofortige Anschaffung. Das Storm Kursbuch bringt eine bedeutungsvolle Reuerung in der Tafel „Fernverbindungen", die alle brauchbaren Züge wichtiger Verbindungen über verschiedene Reifewege übersichtlich vereinigt. Es sind nicht nur v°Züge und Luxuszüge, sondern auch Eil» und Personenzüge, sofern sie für den Durchgangsverkehr Bedeutung haben, berücksichtigt. Diese Fernverbindungen sind von großer Wichtigkeit für den Geschäftsmann, der wenig Zeit hat. denn er kann in einigen Sekunden ohne Rachschlagen die günstigsten Verbindungen feststellen.
—Hypotheke ngläubnger- und Sparer-Schutzverband. Im Saale „Hindenburg" versamemlten sich die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe, um Stellung zum Volksbegehren zu nehmen. Der Redner des Abends, Geheimrat Best aus Darmstadt, sprach in nahezu zweistündigen Ausführungen über „das Volksbegehren für eine ge rechte Aufwertung". Redner kommt zuerst auf das Aufwertungsgesetz vom 16. Juni 1925 zu sprechep und weist darauf hin, daß die Gerichte mit Aufwertungsprozessen geradezu überlastet feifcn. Es werde dabei oft einseitig das Interesse der Schuldner gewahrt, das Interesse der oft viel ärmeren Gläubiger werde wenig beachtet. Der Schuldner, der seine Schuld vor 1932 bezahlt, kann 8 Proz. Zinsen in Abzug bringen, so daß seine Entschädigung noch wesentlich unter 25 oder 15 Prozent bleibt. Seine Schuldforderung wird dagegen höchstens mit 5 Prozent verzinst. Das Aufwertungsgesetz ist — nach Ansicht des Redners — ein grober Rechtsbruch. Man hat das Sparkapital und dadurch die Kaufkraft des Volkes vernichtet. Durch die Anleiheablösung hat man die Anleihen aus dem Börsendienst genommen. Eine weitere Folge ist der hohe Zinsfuß, der so- erheblich ist, daß er nicht erwirtschaftet werden kann; 12—15 Prozent können auch die Industriewerke nicht aufbringen. Auslandkredit kann den Inlandkredit niemals ersetzen. Die Wiederausrichtuna der Wirtschaft kann nur aus eigener Kraft erfolgen. Der Sparerbund fordert einen gerechten Ausgleich zwischen Gläubiger und Schuldner, Die Sparer schlagen eine 50prozentige Aufwertung vor, das sei eine Regelung, die möglich und tragbar ist. Die Schulden der Jndustriegesellschaften sind von 14,8 Milkiarden in der Vorkriegszeit auf 691 Millionen zu rück - gegangen. Die Industrie yat während des Krieges und in der Nachkriegszeit riesige Werte und Kriegsgewinne erhalten. Der Mittelstand aber und der Sparer haben Riesensummen verloren. Es muß die Wiederherstellung des Sparsinns, die Wiederbelebung der Kaufkraft weiter Kreise erstrebt werden, nur dadurch werden sich Konsum und Geschäftsverkehr wieder heben. Redner geht dann auf den U m wertungs-Gesetzentwurf näher ein. An Stelle der 25 Prozent Hypothekenaufwertung sieht der Entwurf 50 Prozent vor für alle Hypotheken nach dem 1. Januar 1919; als Meßzahl dient die
Riesensterne im Wettall.
Der Frühling hat feine bunten Flaggen gehißt, rind ein Blick auf den Rachthimmel läßt uns erkennen, daß der Winter sein bisheriges Quartier verläßt. Aber noch haben wir Gelegenheit, die winterlichen Sternbilder (Stier, Orion, sowie den hellstrahlenden Sirius im großen Hund) am Westhimmel zn sehen: wie leuchtende Jnschrifttaseln der Ewigkeit schimmern ihre Zeichen am Firmament, und ihr Licht brandet auS fernsten Weltraumtiefen über unsere Erde. Die hauchzarte Lichtbrücke der Milchstraße wölbt ihren weiten Bogen von Horizont zu Horizont und läßt den Blick im Raumlosen versinken. Aber immer wieder findet das Auge zurück zu dem Sternbild des Orion, dessen grandiose Schönheit den Westhimmel schmückt. Wie ein gewaltiges lateinisches X ist es onS Dach der Rachtkuppel geheftet: vier helle Eck- fterne und in der Mitte in gerader Linie die drei Gürtelsterne (der sogen. „Jakobsstab-,, Darunter in geheimnisvollem Glanz der Ori on-Rebel,ein llrnebel, aus dessen ungeheueren Massen sich einstmals, in späten Jahrmillivnen, ein neues Sternsystem gestalten wird.
Unter den beiden sogen. Schultersternen des Orion (den man auch den „Wilden Jäger" nennt) fällt derjenige auf, der in der linken Ecke steht: die rot- leuchtende Beteigeuze, deren Geheimnis erst vor wenigen Jahren durch den berühmten Deutschamerikaner Michelson entschleiert werden konnte. Mit Hilfe des sog. Interferometer gelang es Michelson, der sich schon vorher durch feine vergleichenden Versuche über die Lichtgeschwindigkeit in Der wissenschaftlichen Welt einen Ramen gemacht hatte und dessen Arbeiten später durch Die Verleihung Des Robelpreises ausgezeichnet wurden, Den scheinbaren Durchmesser Der Beteigeuze zu messen. Es war am
13. Dezember 1920, als Michelson Das Hooker-Te- leskop Der Mount Wilson-Sternwarte in Kalifornien (das größte Fernrohr Der Welt', an das man das Interferometer angeschlossen hatte, auf Die Beteigeuze richtete. Die Beobachtungen und Messungen ergaben, daß dieser Hauptstern im Orion ein ungeheurer Gasstern ist, dessen Durchmesser ungefähr 300 Mal so groß ist als Der unterer Sonne, was mit anDeren Worten sagen will. Daß Der Rauminhalt Der Beteigeuze Den unserer Sonne um Das 27 millionenfache übertrifft! Wie wenig unsere ErDe gegenüber Diesem Riesenstern beDeutet, wirD erst klar, wenn wir wissen, Daß 1 '/4 Millionen CrDkugeln Den Rauminhalt unserer Sonne ausmachen.
Die Beteigeuze ist, wie gesagt, ein ungeheurer, allerdings außerorDentlich Dünner Gasstern, d. h. sie ist eine Sonne im ersten StaDium Der Entwicklung, eine „Sonne Der Zukunft" gewissermaßen. Erst im Aeonenlauf toerDen ihre ausgedehnten Gasmassen sich allmählich verdichten. und je mehr sie sich zusammenziehen, desto mehr wird sich Die Rotglut in ein gelbliches Licht verwandeln, um sich schließlich, im Höhepunkt Der Entwicklung, zur Weißglut zu steigern. Bei toeiierer Verdichtung wird (in langsam beginnender, absteigender Entwicklung) Die Temperatur sich vermindern, und allmählich wird die Beteigeuze ein gelblicher und später ein rötlich leuchtender und langsam verlöschender Zwergstern werden. Denn auch im Bezirk der Sterne gibt es Jugend und Alter, auch dort ist, fteilich in weit größer gedachten Zeitmaßen, als Der Mensch sie an- zulegen gewohnt ist, alles Geschehen an das große Raturgesetz Der Entwicklung geknüpft, das alles Werden und auch das Ziel unserer Reife bestimmt.
Aber Die rote Beteigeuze ist nicht Der einzige Riesenstern am Firmament. Ein Stern von ähnlicher Größe ist die rotleuchtenDe Mira Ceti im
Walsisch, Die Dr. Francis Pease (von der Mount Wilson-Sternwarte) im Januar 1925 genau unter- sucht hat. Diese Mira ist ein Stern von veränderlicher Lichtstarke. Jeden elften Monat erreicht Dieter seltsame Stern eine Lichtstärke erster bis vierter Gröhe, um Dann zur neunten Größe zurückzusinken. in welcher Gestalt Der Stern nur mit starken Instrumenten auffindbar ist. Auch hier eine riesige Gassonne. die noch von einem dunklen Begleiter umkreist wird, der zeitweise ihre Oberfläche zum Teil verdeckt und so ihre Lich!stärke vermindert.
Wenn Die Messungen Der Astronomen richtig sinD, Dann toirD Die Beteigeuze vom Antares (im StembtID Skorpion) an Größe noch toeit übertroffen. Sein Durchmesser soll annähernd Doppelt so groß sein als Der Der Beteigeuze, D. h. minDestens 500 mal so groß als Der Durchmesser unterer Sonne. währenD Arcturus (im Sternbild Bootes) nur einen Durchmesser von 32 Millionen Kilometern erreicht, was Dem zwanzigfachen Betrag des Sonnendurchmessers und Dem tausendfachen Rauminhalt unserer Sonne entspricht. Schon diese Vergleiche lassen deutlich erkennen, daß unsere Sonne, in Deren Licht wir wandeln, ein Zwergstern ist. Der Die Epoche seiner höchsten Leucht traft längst durchlaufen hat und sich in absteigender Entwicklung befindet.
Die Temperatur all dieser Riesen- und Zwerg- fterne, Deren Farbenskala uns über ihr Entwick- lungsstadium eintoanbfrei Aufschluß gibt, ist sehr verschieden. Weiße Sterne (also Sonnen im höchsten Stadium Der Leuchtkraft) besitzen eine Temperatur von etwa 10 000 Grad, gelbe Sterne (z. B. unsere Sonne) eine solche von 5—6 000 Grad unD tote Sterne etwa 3020 Grad.
Die rote Riesensonne Beteigeuze ist von uns etwa 200 Lichtjahre entfernt, wobei man sich vorzustellen hat, daß das Licht in einer einzigen Sekunde
300 000 Kilometer Durcheilt und in einem Jahr (31 556 926 SekunDen) runD 10 Billionen Kilometer (-1 Lichtjahr) zurücklegt. Diese Strecke, Die Der Lichtstrahl in einem Jahr Durcheilt, toürDe ein D-Zug erst in runD 12 Millionen Jahren Durchfahren. Erst diese Ziffer vermittelt uns einen ungefähren Begriff davon, was 200 Lichtjahre bedeuten. Der rechte untere Eckstern im Sternbild Orion, Der weiß- leuchtende Rigel (übrigens ein Doppelstern) ist sogar etwa 500 Lichtjahre von uns entfernt, gleichfalls ein Riesenstern, Da er uns, trotz Der gewaltigen .Entfernung, als Stern erster Größe entgegentritt. (Sein Rauminhalt Dürfte etwa 20 000 Mal so groß fein als Der unserer Sonne.) Ilm Die Entfernung Des Rigel Deutlicher zu machen, sei angeführt: wenn wir auf einem Blatt Papier Den AbstanD zwischen Sonne und ErDe (Der etwa 150 Millionen Kilometer beträgt) mit einem Millimeter bezeichnen, Dann toürDen wir Den Stern Rigel erst in einer Entfernung von 30 000 Kilometern eintragen können. Da Die Milchstraßensterne sogar runD 5000 Lichtjahre von uns entfernt find, so ergeben sich Raumtiefen, Die man nur noch rein rechnerisch, nicht aber begrifflich zu fassen vermag. UnD wenn wir unser Auge gar zu Der zarten Lichtinsel Des AndromeDa. Rebels richten, Der als Rachbarmilchstrahe erkannt wurDe, Dann ergibt dieses sogar eine Entfernung von über einer halben Million Lichtjahre!
Und dieser Andrvmeda-Rebel ist erst wieder ein erster Merkstein auf Dem Wege zu neuen Sternmassen. Die außerhalb unserer engeren Milchstraße Den unfaßbaren Gesetzen ihrer Bewegung gehorchen unD ihren Schicksalsweg wandern. Aber unser Auge sucht das Licht, Das in überirdischem Glanz vom nächtlichen Himmel tropft: ewige Wegspur Dem forjchenDen Geist und Trost Den Mühseligen und Beladenen W
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auf jeder Packung!
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