Ur. 109 Sweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Bienstag, U. Mai 1926
Gefotei.
(Bon tinferem Sonderkorrespondenten.) Düsseldorf 10. Mai 1926.
Dies Wort, das von den Wenigsten vor Jahres Kist noch verstanden wurde und darum damals noch stets der Erklärung bedurfte, klingt am heutigen Taae durch dos ganze Land, durch den Draht und drahtlos, in direkten Erzählungen und in zahllosen Briefen und Berichten, am Eröffnungstag« der Gefolei!
fiurj sei drum zunächst gestattet, einen Rückblick auf die Entwicklung dieses Werkes zu rocrfen:
Seit im Jahre 1811, zur Zeit schwerster, wirtschaftlicher Depression in Düsseldorf zum ersten Male eine Ausstellung verhältnismäßig großen Umfanges erstand, hat sich in dieser Stadt in bald längeren, bald kürzeren Abständen Ausstellung an Ausstellung gereiht. So kam es bald, daß die Stadt neben ben ihr althergebrachten Ehrentiteln der Kunst, und Gartenstadt auch den einer Ausstellungsstadt erhielt. Ium letzten Male hat die Stadt Düsseldorf 1902 eine Ausstellung ganz großen Umfanges in sich beher bergt: „Die Industrie- und Gewerbeausstellung". Noch einmal hatte man sich dann 1914 zur Borbereitung eines ähnlichen, großen Unternehmens gerüstet, als diese Borbereitungen durch den Krieg jäh unterbrochen und abgebrochen wurden. Lange Jahre chwerer Kriegsnot, und gerade in dieser Stadt bc- onders schwerer Nachkriegsnot, ließen Gedanken an derartige Unternehmungen nicht aufkommen. Als aber im Jahre 1924 die Hoffnung auf Besserung in Deutschland wuchs, da regte sich in der Stadt, deren Schaffensfreudigkeit und Zukunftswille durch keinerlei noch so trauriges Erlebnis geschwächt worden war, von neuem der Wille zu zukunftsfreudiger Arbeit.
Von Anfang an war man sich bei (Erörterung des neuen Ausstellungsgedankens darüber klar, daß nicht der 1914 fallen gelaßene Gedanke einer Handels- und Industrie-Ausstellung wieder aufge- griffen werden konnte: Dazu waren die Zeiten jetzt nicht angetan. Die Erlebnisse der letzten zehn Jahre drängten dazu, ein Thema, das sich in Strömungen jeglicher Art durchgerungen hatte, einmal einheitlich ,md vollkommen darzustellen, das Thema des beut- chen Menschen, des deutschen Menschen, der ungebrochen durch die Erlebnisse der jüngsten Vergangen beit um TBiebergefunbung unb Wieberaufbau ringt. Sv setzte sich bie Ausstellung zum Ziel, darzustellen, was der deutsche Mensch erlebt hat, wie er in Fortschritten der Wissenschaft und der Technik versucht hat, den Kamps mit Natur und sozialen Unweit- einflüssen aufzunehmen, wie er durch Maßnahmen jeglicher Art versucht, sich für die erhöhten Anforderungen des Daseinskampfes gesund und leistungsfähig zu erhalten. Neben dem vielen, was errungen und erreicht ist, hat vornehmlich aber als Thema gegolten, zu zeigen, wo bie Lücken noch klaffen, wo bie Fehler noch liegen, wo es also zuzugreifen gilt für die zukünftige Arbeit. Die verantwortlichen Stellen der Ausstellungsleitting waren sich bewußt, baß sie eben durch diesen, zuletzt besprochenen Gedanken einer in schwerer Zeit erstandenen Ausstellung erst ihre eigentliche Daseinsberechtigung geben, indem sie sie nämlich über die Erscheinungen dieses Gegenwartsereignisses hinaus zu einem Wegweiser unb Bahnbrecher für folgenbe Zeiten machen.
Die Öliebcnmg dieser Ausstellung, die aus solchen Gedanken heraus entstanden mar, ergab sich ganz organisch in die Gruppen, die in dem Wort G e — so — lei zusammengefaßt sind, d. h. in ben Gruppen: Gesundheitspflege, soziale Fürsorge unb Leibesübungen. Wenn auch von Abteilung zu Abteilung immer wieder engste Verbindungen bestehen, io war doch eine Aufteilung des Themas als Arbeitsprogramm gleichsam notwendig, um der sonst fast unübersehbaren Materialmenge eine straffe Organisation zu gewähren. Jin einzelnen an dieser Stelle heute auf das einzugehen, was die einzelnen Gruppen bringen, verbietet der zur Verfügung stehende Räum. f)icr fei nur kurz einiges Allgemeine über bie Anlage ber Ausstellung als solche gesagt.
Ausstellungen und Messeanlagen sind in Deutschland in den letzten Jahrzehnten in großer Zahl entstanden. Die meisten von ihnen kranken an einigen schweren Hauptübeln: Einmal daran, daß die meist nur für den einmaligen Zweck erbauten Gebäude, eben wegen ihrer nur einmaligen Verwendung, aus einfachem Material ohne sonderliche Aufwendungen irgendwelcher Art gebaut worden sind, zum anderen daran, daß der für das Unternehmen ausgewählte Platz eine bestimmte, durch festliegende Nachbarau lagen bedingte Größe hat, die nicht den Verhält-
3u Max Regers 10. Todestag.
Don Prof. Dr. Hans Joachim Moser.
(Nachdruck verboten.)
Setten hat ein turzes Jahrzehnt so viel dazu beitragen können, unsere Stellung zu einer großen schöpferischen Persönlichkeit zu klären, rote bie zehn Jahre seit jenem Morgen, ba man in einem Leipziger Hotel Max Reger sanft ins Jenseits hinüber- geschlummert fanb. Damals konnte man glauben, daß der Ruhm des Meisters und die hohe Zahl seiner Aufführungen erheblich von seiner persönlichen Wir tung als Ausübender abhängig fei und mit feinem persönlichen Abtreten vom Schauplatz rasch zurück- gehen würde. Heute sehen wir wohl diese Vermutung auf einzelnen Nebengebieten seines schassens, wie z. B. im Bereich des Klavierliedes, bestätigt, dafür aber hat sich ber Gejamtbegriff Reger in gewaltigem Ausmaße über ben Horizont erhoben, unb dieser uns zeitlich noch so nahestehende Tonsetzer nimmt für bas Gebiet ber Kammermusik, ber Orgel- komposition. des Orchesters unb ber Klaoierliteratur immer mehr bie Rangstellung eines Großmeisters em. Damit braucht nicht gesagt zu werden, daß wir ihn als unproblematischen Apollmier begreifen, ber er ja in der Tat nur zum allerkleinsten Teil gewesen ist, sondern mir lernen verstehen, daß auch ein ewig Problematischer, ein mächtiger Torso, ein ewig Unvollendeter in ber Mehrzahl seiner künstlerischen Schöpfungen von so übermenschlichen Ausmaßen gewesen fein kann, baß er eben doch von Natur in die Gesellschaft ber Ganzgroßen gehört. _
Regers eigentümliche unb einmalige -Stellung ist burch die Mischung von Zeitgemäßheit unb seltsamer Unzeitigkeit deutlich umschrieben. Auf ber einen «eite erblicken wir einen Fortschrittler von der Jahrhundertwende, der in all seiner Gehetztheit unb Unbe- friedigtheit den ruhelosen unb friedlosen Genossen unseres Maschinenzeitalters darstellt, und schon die staunenswerte Technik seiner Satzweise wie auch die ausgesprochen zivilisatorische Ausnutzung aller maschinellen Möglichkeiten in seinen Orgelwerken sind kennzeichnend für diese Zeitgemäßheit vom Beginn
nifien des Unternehmens entsprechend vergrößert werden kann, unb zum dritten besonders auch daran, daß diese Ausstellungsgelände meist weit ab vom Berkehr der Stadt oft in wenig schönen Vorort gegenden lagen.
In all diesen Punkten nimmt die Ausstellung^der Stadt Düsseldorf eine ausgesucht bevorzugte Stellung ein. Als man an die Planung der Ausstellung herangipg, entschloß man sich in großzügiger Weise einen Teil der projektierten 'Ausstellungsgebäude als feste Dauerbauten zu errichten, um der Stadt auf diese Weise Museums- und Ausstellungshallen würdiger Art für die weitere Zukunft zu sichern. So entstand die in ihrer Art einzigartige Anlage von Profesior Wilhelm Kreis. In langer Reihe schließt sich an diese Anlage eine Flucht vorübergehender Ausstellungshallen. Ganz abgesehen davon, baß mit Rücksicht auf die so hervorstechenden Dauerbauten, dem architektonischen Bild ber Ausstellung größte Aufmerksamkeit geschenkt werden mußte, haben es Düsieldorfer Architekten unb Künstler als ihre Ehrenpflicht betrachtet, ihr Bestes unb Schönstes im Bau dieser provisorischen Hallen zu leisten. So ist bas Architekturbild einer Ausstellung entstanden, wie es geschlossener und schöner wohl noch selten gesehen worden ist.
Die Ausstellung liegt an der Stelle des früheren Kaiser-Wilhelm-Pärkes. Mit diesem Park war der Stadt eine Ausstellungsfläche geboten, die nach ver schiedenen Seiten Ausdehnungsmöglichteiten bot und darum großzügig angelegten Unternehmungen zugänglich war. Als besonders glücklicher Umstand ist es zu betrachten, daß dieser Park und somit das Ausstellungsgelände, man kann fast sagen, zentral in der Stadt gelegen ist, wenige Minuten nämlich nur von dem Comeliusplatz, einem der großen Hauptverkehrsplätze der Stadt, entfernt. Und nicht nur zentral, sondern auch besonders reizvoll und besonders schön ist bas Gelänbe gelegen. In fast drei
Kilometer langer Ausdehnung, am Rheine hinge streckt, und zwar derartig in eine große, weit aus- ladende Biegung des Rheines gelagert, daß man ton den hauptsächlichsten Punkten aus einen fast unvergleichlich ichönen Blick rheinauf und rheinad roärts hat. Rheinauswärts auf das alte Düsseldorf, von diesem nur durch die Rheinbrücke, die mit ihren weit geschwungenen Bögen der Ansicht 'Jülobernc .mb Großzügigkeit verleiht, getrennt, rheinabwärts weit, weit in das flache Rieberrheinland hinein, daß eben durch diese Flachheit und durch diese Weite einen so eigenartigen, ganz besonderen Reiz hat.
Biele Möchte und viele Kräfte find zum Aufbau der Ausstellung nötig gewesen, damit es gelang, in verhältnismäßig kurzer Zeit, in einer unoeryälrms mäßig schweren Zeit ein derartig großes Werk zur Vollendung zu führen. Das Reich, die Bundesstaaten, bie Stadt Düsseldorf, Wissenschaftler aus den verschiedensten Gebieten, zuständige Persönlichkeiten aus ber Verwaltung, der kommunalen unb der freien Wohlfahrtspflege, Wohlfahrtsverbanbe. Ju genboereine, Sportoerbände, daneben vor allem die Industrie, das Gewerbe unb Handwerk, sie alle haben zusammengearbeitet, um das nötige Material zu stellen. Und bann haben die Künstler mitgeholfen, Haden so manchem zunächst spröden und wenig anziehenden '21 usfteUungsmaterial, das in Form von Statistiken, Kurven unb nacktem Bildwerk an uns herangetragen wurde, diejenige äußere Form gegeben, bie aus totem Material lebendiges Ausstellungsgut machte, die es ermöglichte, auch an und für sich schwer verständliche Materien weitesten Kreifeii leicht zugänglich zu machen.
Heute stehl bas Werk fertig ba. Möge der Zuspruch weitester Kreise des In- und Auslandes die Bemühungen derer lohnen, die ihre Kraft hinein- gesetzt haben, und die Hoffnung derer erfüllen, die geglaubt Haden, mit diesem Werke c;n Stück positiver Aufbauarbeit am deutschen Volke zu leisten
Von Professor
Sie von den einzelnen Regierungen gleich nach Kriegsausbruch veröffentlichten „Zard° oder Vuntbücher" sollten an der Hand offizieller ilv künden eine maßgebliche Darstellung der dem Dölkerringen unmittelbar vorhergehenden diplomatischen Verhandlungen bieten, d. h. die Schuld an der Katastrophe auf den Gegner abwälzen.
lieber die hagebüchenen Fälschungen des russischen Orangebuches, den wahren Telegramm- Wechsel Paris-Petersburg in den Tagen voin 24. Juli bis 2. August 1914, sind wir heute bis in alle Einzelheiten unterrichtet und wissen, daß Frankreich bereits „zum Kriege fest entschlossen" war, als Deutschland noch immer alle Hebel ein» setzte, um das drohende Anheil abzuwenden.*«
..Frankrei . einst der Gottesstreiter, beute Vorkämpfer ker Il e .schlichkeii, iünftighiv Bannerträger der Ideale" so brüllte der siegestrunkene Tiger (Slemenceau am 11. November 1918 in der französischen Kammer, von der Hoffnung getragen, daß die fürchterlichen Geheimnisse der Ententediplvmatie seit dem Morde von Serajevo unverbrüchlich gewahrt bleiben, und daß Deutschland als ein Boll von Verbrechern siir alle Ewigkeit gebranbmartt dastehe
Mittlerweile zeigt der schwindelhohe Turm von Versailles immer breitere Risse und droht über Rächt seine Erbauer zu zerschmettern.
Der soeben erschienene neueste Beitrag der „Zentralstelle für Erforschung der Kriegsurfachen" f‘Berlin) nun muß wie ein Donnerfchlag auf die Drahtzieher der deutschfeindlichen Propaganda wirken.
Es ist ..D a 6 Französische G e l b buch von 1914". Berichtigter und durch die nachträglich bekannt gewordenen Dokumente ergänzter Wortlaut der ersten amtlichen Veröffentlichung der Französischen Regierung über den Kriegsausbruch. Mit einem Vorwort von Alfred v. Wegerer Berlin IDeutsche Derlagsgesell- febaft für Politik und Geschichte) 1926. 208 Seiten.
Das neue Gelbbuch enthält 26 Dokumente, die im offiziellen französischen Gelbbuch von 1914 wohlweislich nicht enthalten Und. und gibt bei sechs anderen an Stelle des gefälschten Wvrt-
•) Romberg, Die Fälschungen des russischen Orangebuches. Berlin und Leipzig iW. de Gruyter) 1922.
Friedberg lautes den inzwischen bekannt gewordenen Originaltext.
Das französische Gelbbuch von 1914 ist ein würdiges Gegenstück zum russischen Orangebuch. Die französische Regierung bemühte sich durch es, die fragwürdige Haltung Frankreichs vor und während des Kriegsausbruches zu rechtfertigen, den russischen Spießgesellen zu entlasten unb, wider besseres Wissen (1), alle Verantwortung auf den deutschen Rachbarn abznladen.
Ohne Frage bedeutet auch diese große, mit peinlicher Genauigkeit durchgeführte Veröffentlichung Wegerers für uns Deutsche einen wesentlichen Fortschritt vorwärts auf dem Wege zur Freiheit. Wegerer zeigt, wie perftd das französische Volk von feiner Regierung auf das Schlachtfeld gehetzt wurde, und wie ihm feine eigenen Führer noch immer die Wahrheit vorenthalten. während Deutschland, Oesterreich, die russische Sowietregierung und England ihre Kriegsarchive Öffneten.
Alle Schuld rächt sich auf Erden Poineare, der Totengräber Europas, sieht mit Entsetzen der Stunde entgegen, wo das betrogene französische Volk die Schlüffe! verlangt zu den Geheimakten von 1914.
Dann und erst dann ist ein neues Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland, eine wirkliche Befriedung Europas zu erhoffen
Dem Buch entnehmen wir folgende beiden interessanten Schriftstücke.
Bericht des deutschen Militärattaches in Brüssel oom 7. Mai 1914.
..Ich habe dem König der Belgier gejagt, daß in dcutjchen militäri|d)en Kreisen leider mehr, als Hof fentlict) der Wahrheit entspräche, mit einer deutsch feindlichen Halttmg Belgiens im Kriegsfälle gerech nci würde, unb daß man im besonderen der Anficbt fei, daß größere Bahnzerstörungen, auch auf belgischem Gebiet, bei Beginn eines deutsch-französischen Krieges als eine feindliche Handlung angesehen roer den müßten.
Der König jagte darauf seh'- lebhaft: Ich weiß, was Sie mit der sofortigen Bedrohung meinen. Sie sind sehr gut orientiert, es ist bestimmt r i ch - tid. daß die Franzosen früher einen Hand st reich auf Namur im Momentdes Kriegsbeginns geplant haben. Aber ich weiß auch sicher, daß dieser Plan vor kurzem ge
Auf dem Wege zur Freiheit.
Ferdinand Dreher.
anben worden ist, a>ir ich vermute, infolge der bei gischen Heeresresorm Jetzt spionieren sie wieder mehr im Semois-Tal herum, wie wir sehr genau missen. Ich habe auch lehr gut verstanden, was mir General v. Mottke in Potsdam gejagt hat, und was Sie mir wiederholen. Auch ich halte diefran zöfische Gefahr für die größte und m i t mir der Adel und die große Mehrheit der klerikalen Partei.* *
Der Bericht fährt bann fort, daß der Minister Präsident und Kricgsminister de Brocgueville dem Militärattache bei einem Gespräch über die belgische Armeeresorm gesagt habe:
„Wenn ich der Generalstabschef von Deutschland oder auch von Frankreich wäre, und das strategische Jntereste, das Wohl meines Vaterlandes erforderte es. so wurde ich leinen Moment zögern, neutrales Gebiet zu betreten und mir den Durchmarsch zu erzwingen (frayer le passage). Das ist |o selbstverständlich, daß ich mich gegebenenfalls (le moment donn6) nur über das Gegenteil wundem würde."
gez. von Klüver.
Major hn Generalstab
Schreiben des (veneralftabschess von Rloltke an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts.
Berlin, den 18. Dezember 1914.
Euerer Exzellenz beehre ich mich auf die mir übersandten Auszüge aus dem Französischen Gelb buch dos Folgende zu erwidern:
Eine Unterhaltung S. M. des Kaisers mit dem König von Belgien, bei der ich beteiligt gewesen, hat nicht stattgefunden. S. M., der König von Belgien, hat mich bei seiner letzten Anwesenheit im Neuen Palais zu Potsdam nach Tische in eine Konversation gezogen, S. M. der Kaiser war dabei nicht zugegen. Der König erzählte mir, daß er wiederholt den deut schen Manöoem inkognito als Zuschauer beigewohm habe und gab in offener Weise seiner Bewunderung für die deutsche Armee Ausdruck. Es kam im Laufe der Unterhaltung zu einem Vergleich der deutschen und französischen Armee, der indesten rein hypothc tisch behandelt wurde. Ich habe bei dieser Gelegenheit meiner Ueberzeugung nachdrücklich Ausdruck verliehen, daß unser f)eer dem französischen sich an Ausbildung und innerem Wert überlegen zeigen werde, wenn es einmal zu einem Zusammenstoß tommen sollte. Daß der Krieg von uns gewünscht werde, habe ich nicht gesagt, es auch gar nicht sagen können, weil ich nie im Zweifel darüber gewefen bin, daß ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland gleichbedeutend mit einem allgemeinen europäischen Kriege sein und für Deutschland den schweren Krieg nach zwei Fronten bedeuten werde. Ich bin nie so frivol gewesen, diesen Krieg zu roün schen; allerdings habe ich dem Könige gegenüber meiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß bie Kraft bes deutschen Volkes sich in einer bie Wett überraschenden Weise zeigen werde, wenn Deutsch land angegriffen werden sollte. Dann werde das Volk zur Verteidigung feiner nationalen Existenz wie ein Mann zujammenstehen. Ich stelle es auf das bestimmteste in Abrede, daß ich gesagt habe, ich halte den Krieg für notwendig und nnoermeidlich (that war was necessary and inevitable) und ebenso, daß wir jetzt ein Ende machen müßten (cette fois il faul en finir).
Diese Unterhaltung wurde zwischen dem König und mir unter vier Augen geführt. S. M. der Kaiser nahm cm derselben nicht teil, ebensowenig hab« ich an einer Unterhaltung teilgenommen, die zwischen den beiden Monarchen stattgefunden hat
Was die Aeußerungen anbetrifft, die DL «am bon mir in seinem Bericht oom 6. Mai 1913 in den Mund legt, und über deren Quelle er sich nicht aus spricht, so erkläre ich dieselben von Anfang bis zu Ende für erfunden. Der Verantwortlichkeit meiner Stellung wohl bewußt, bin ich nie jo unvorsichttg gewesen, mich, fei es in größerem oder kleinerem Kreise, außerhalb meines engsten Militär-Ressorts über eine eventuelle Kriegführung unsererseits zu äußern. Alles, was M. (fambon als meine Aeuße nmgen mitteilt. Ist entweder von ihm ober seinem Gewährsmann erfunden. gez.: Moltte.
Tagung des Reichsdundes der Kriegsbeschädigten, (Bau Hessen.
WER. Mainz, 9 Mai. Gestern und heute Hand hier der 2. Vautag des Gaues Hessen des Reichsbundes de rKriegs- beschädigten (ehemalige Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebene) statt, zu der aus allen
bes 20. Jcchrhunberts. Dem steht gegenüber bie fast Brucknersche Naivität unb Unmobernitöt eines geborenen Provinzialen, ber bei ben alten Meistern wie kaum ein Zweiter zu Hause gewesen ist, ber ähnlich in Seb. Bach lebt, wie Bruckner innerlich bei Palestrina beheimatet war, unb in einer höchst unzeitgemäßen Strenge ber Mittel sich unter Ewig ieitslidjter stellt. Bon hier gesehen ist Reger keine Zivilisations-, jonbem eine ausgesprochene Kultur gestatt, unb seine künstlerische Erscheinung gehört zu ben ehrroürbigsten unb bedeutsamsten des legten Menschenalters.
Je tiefer man in jein Werk einbringi, desto mehr fesselt die fraglose und unbedingte Deutschheit seiner Tonsprache, die sich schon im Notenbilde sehr auffallend kund tut. Genau wie bei Bach, Beethoven, Schumann, Hugo Wolf ist sein Notenbild ausge sprachen gotisch überladen, eine wenig übersichtliche, aber unendlich liebevoll durchgeführte Graphik, und auch in geistiger Beziehung spürt man immer jenes urdeutjche Uebermaß aus Leidenschaft, das lieber jede Form sprengt oder zum Uebermaß ausweitet, um nur ja alles irgendwie Sagbare bis zum Aeuher- ften auszudrücken. So erscheint Reger gerade in den Werken, die seit seinem Tode in unwiderstehlichem, stillen Borrücken sind, d. h. besonders den Orgelwerken der Weidener Jugendzeit, als ein großer Expressionist lange vor der Geburt dieses Schlagwortes, aber gleichzeitig auch als ein ehrfurchtgebietender, mathematiknaher Baumeister feiner Kunst.
Es hat manchem zunächst so scheinen wollen, als sei dann der spätere Reger, der sich zu einem mufter« gültigen Gleichmaß gebändigt hatte, etwa der Meister der Mozanvariationen, eine Art Ueberläu- ter zum Akademikertum geworden. Aber nichts roäre törichter, denn diese Auffassung als eines Verräters an sich selbst. Vielmehr muß man das Gesamtwert Regers als ein Bruchstück betrachten, in dem nach dem ersten Aufftieg zur technischen Beherrschung der Mittel die uns heute so überraschend ericheinende, dionysische Epoche sich als Sturm- unb Drangabschnitt barbletet. Was bann als geglätteter Stil feiner Meininger Hoskapellmeisterjahre aussieht, ist in Wahrbeit als lleberqang zu der eigentlichen Meister
zeit zu verstehen, aber leider kam diese selbst durch den plötzlichen Tod des Komponisten nicht mehr zur Entfaltung. Wir wissen von einer ganzen Reihe gewaltiger Pläne des Meisters, u. a. zu einer ersten Simonie, bie nicht mehr zur Ausführung gelangt sind, und ein Wort von ihm aus feinen letzten Lebenstagen ist bezeichnend für den iragifchen Abbruch seiner riesenhaften Entwicklung: , Ach Kinder, ich fange jetzt erst richtig an". Das Dorrücken seines Lebenswertes hat vor allem deshalb etwas so ungemein Ueberzeugendes und Naturhaftes, weil es gerade auf den Gebieten zu beobachten ist, die sich keiner kapitalistischen Reklame und großstädtischen Propaganda zugänglich erweisen: Haus- und Kirchenmusik sind es, wo Max Regers eigenwillige Persönlichkeit sich immer klarer als wahrer Eckpfeiler abzeichnet, und das ist um so mehr zu begrüßen, weil gerade diese Gebiete vor allem der Blutemeuerung und einer starken Weiterentwicklung bedürfen. Auf diesen Wegen kommt Mar Reger den wertvollen Teilen unseres Volkes auch viel inniger nahe, als es auf der vielfach veräußer lichten Wahlstatt von Konzertpodium und Opern bühne der Fall sein könnte. Die Trauer, einen sol chen Meister lange vor der Zeit verloren zu haben, wird ausgeglichen durch die freudige Gewißheit, ihn geistig immer mehr zu unserem Allgemeinbesitz werden zu sehen, und es steht zu hoffen daß ein weiteres Jahrzehnt der Regerpflege ihn in gleichem Maße weiter ins Gesamtberonßftein der Nation ein gehen lassen wird.
Ein F!ug im Sandsturm.
Der englische Flieger Allan 3. Cobham, ber auf seinem Rückflug von Kapstadt nach London die etwa 8000 Km bis Kairo in 10 Tagen zurücklegte. ist auf diesem Flug in einen furchtbaren Sanbfturm geraten, den er in einem Telegramm an bie ..Daily Mail" dramattfch schildert. ..Freitag nachts raste ein furchtbarer canbfturm über Südägypten und dem nördlichen Sudan", berichtet er. „3n einer Höhe von 5000 Fuß waren wir noch in ben dichten Sand
massen. und so klommen wir bis zu 11 000 Fuß empor, ohne den Staubwolken zu entgehen. 3n dieser wirbelnden Wirrnis war nichts zu sehen. nut wenn wir direkt herunterblickten, konnten wir einen breiten, dunklen Schatten quer durch ben gelben Sand müh fam erkennen. Das war ber Ril. Wir landeten bei Atbara. Als wir aber hier hörten, bah der Sturm dm nächsten Tage wohl noch schlimmer fein wurde, stiegen wir wieder auf gegen 12 000 Fuh m die Höhe 3c weiter wir nach Rorden flogen, desto schwieriger war es, den Fluh unten zu erkennen. Der Ril war unter einziger Führer, denn der Kompaß konnte uns bei diesem Wetter nichts helfen. Plötzlich entdeckte ich. dah ber schwache Schatten, dem ich folgte, nicht mehr der Ril war. und mir war Har, dah wir verloren waren, wenn wir nicht einen Wegweiser cnrfspüren konnten Heber uns. unter uns und um uns waren gelbe dichte Sandwolken, unter denen mit Anstrengung die Wüste zu erkennen war. Wit ängstlicher Spannung ging ich herunter. Mir war klar, dah es ohne Wegweiser nutzlos war, zu fliegen, und hoffnungslos, zu landen, da feine Ansiedlung, überhaupt fein Leben in der Rähe war. Aengstkiche Minuten verflossen; viele Kilometer flogen wir ziemlich dicht über den Boden hinweg. Dann fand ich glücklicherweise einen alten eingettodneten Wasserweg, und als ich diesem trockenen Flußbett folgte, kam nach wenigen Minuten, die mir Stunden schienen, der Ril plötzlich in Eicht Der Sandnebel wurde immer dicker, und als wir die Windungen VeS Rils verlassen mußten, blieb uns nur noch die Eisenbahnlinie. über der ich in einer Höhe von 20 Fuß flog, um sie nur nicht za verlieren Rirgends war ein Horizont; wir konnten nicht feststellen, was die Wüste war und was der Sandsturm. Dieser Flug mit einer Schnelligkeit von 160 Kftn. in der Stunde wenige Fuß über der Erde war sehr ermüdend, aber fchließlicb kamen wir glücklich nach Wadh Haifa unb in beiferem Wetter nach Assuan."


