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Qfettaffung, in her wir eigentlich fein sollten. Früh« hat man in Deutschland und Preu- hen für etwas Selbstverständliches ge­halten. dah man seine Pflicht tat (Sehr richtig l). Sobald wir wieder dahin kommen, ist mir auch nicht bange um unsere deutsche Zukunft. Dann werden wir toiebet dabei sein bei der Be­stimmung der Geschicke der Welt, wo wir früher führend gewesen sind (Beifall).

Ich bemühe mich seit einer Reihe von Mo­naten, das Wert in Friedrichshafen zu «halten, die Mittel zrckammenzubring«, es weiter fortzu- sühren und zu hollenben. Bei aller Liebe, die ich für das Werk deS Grafen Zeppelin habe, für das ich heute verantwortlich auskommen muh, glaube ich doch kaum, dah Ich mich über­winden und die Kraft dann haben würde, in der Weise mich einzusetzen, wie ich infolge der Rot bet Zeit leid« zu tun genötigt war. Aber ich habe geglaubt, daß es verstanden würde, dah es nicht um den Luftschiffbau Zeppelin allein sich dreht.

Das Volk, das eine Rolle spielen will in der Weltentwicklung, das in vorderster Reihe mit- stehen will unter den Völkern, dieses Volk muh führend fein auch in der Luftfahrt.

Hnb so ist mein Bemühen und mein Appell an das deutsche Volk so zu verstehe,l, dah wir alles einsetzen müssen, um aus dem Gebiete der Technik führend zu werden und zu bleiben.

Hnb weiter glaube ich, den Sinn meines Aufrufes an das deutsche Volk so erklären zu können: Rur das Volk, das auf dem Gebiete der Technik und Wissenschaft auf der Höhe ist, wird bestehen können in dem überaus starken Konkurrenzkampf der Böller. Wenn wir uns nicht bemühen, uns die Basis zu «halten, von der wir früher groß und mächtig waren, wenn wir verfallen lassen das, was wir mit Stolz unser nannten, dann werden wir nicht wieder hochkommen. Es ist selbstverständlich nicht (Sache des Bolles, sondern der Regierung, dafür zu sorgen, dah die Kulturbesihstücke. die wir unser eigen neunen, uns erhalten bleiben. Das Boll selbst soll seinen W'llen unzweideutig kund tun. dah wir den festen Entschluß haben, uns als Kulturvoll an der Spitze zu behaupten. Das Werk des Grafen Zeppelin tft dos Besitz- ft ü ck des deutschen Bolkes selber, und das deutsche Boll mag sagen, ob es unter dem Druck der Feinde dieses Werk hinsinken lassen will, oder ob es neue Betriebsmittel einzuschiesten bereit ist. um dieses Werk zu erhalten. Cs ist deshalb besonders leicht, für dieses Werk ein­zutreten, weil es n o t w e n d i g ist auf dem Ge­biete der Lustschiffahrt, die in die Zukunft zeigt.

Wir find berufen, an erster Stelle in der Luftfahrt eine führende Rolle zu spielen. Was braucht man, um sich mit Erfolg zu behaupten? OTT-on must ein Boll Fein von technischer Begabung Wir wissen mit Stoh von uns, dah wir in tech­nisch« Beziehung das begabteste Volk sind. Man must Liebe haben für seine Sache, man must sein Handwerkszeug achten und sorgsam pflegen und eS instcmLhÄton. um ein gedeihliches Hand­werk damit treiben zu formen Wir Deutsche wisen. dost wir bn Gegensatz zu vielen Böllern im höchsten Maste die Mgenschaft haben, mit ein« gewissen Zärtlichkeit unseren Kram in Ordnung zu h<ckixBz. den man als fein Handwerkszeug braucht. Die 'Bölter, denen dieser Sinn sohlt, mögen nur die Hand von der Lrchtfahrt lassen. Wir brauchen ab« eine weitere Eigenschaft. Man nrust Tatkraft und Wagemut haben. Auch diese Eigenschaft« haben wir im höchsten Maste. Wir haben bad bewiesen Fwr Zeit ber Hansa, wir be­weisen fcö heute im Sport, das ein gewiss« roman­tischer Wagemut uns in die Welt hinauStoeibt So glaube tdy:

1 Wir sind dos Volk, da» berufen ist, an erster g Stelle auf dem Gebiete der Lnfsichifsahrt zu marschl«en, das das Zukunstsgebiet für die

' Völker überhaupt ist.

Es smd gegen mein Beginnen, gegen meinen Appell Bedenken laut geworden, mit denen ich mich auseinanderfetzen möchte. Ich bin selbstverständlicher­weiss gefragt worden: Glauben Sie. daß wir, das verarmte deutsche Volk, heute dis Mittel haben, »m 4 Millionen Mark aufzubringen für ein Polarunter- nehmen? Wir in Friedrichshafen haben nicht die Absicht, die 4 Millionen Mark aufzubringen für ein Polarunternehmen. Wir möchten das (Selb nur, u m das Werk des Grafen Zeppelin zu er halten, das acht Jahr lang durch Feinoeshand totgefegt war. Das Mißverständnis ist dadurch ent­standen, daß mir zunächst unter der Flagge eines Polarschiffes zu segeln gezwungen waren. Für die Polarforfchung kann mit einem Schiff von 30 000 Kubikmeter nichts ongefangen werden. Die Zeppelin- Lilftschiffahrt kann nur mit Schiffen von 100 000 Kubikmeter die Meere Überdrucken. Wir haben ge­glaubt, die Erlaubnis zum Bau eines so großen Schiffes zu bekommen, wenn wir es als Polarschiff hauen würden, und wir hofften, daß Männer wie Nansen und Sven Hedin diese Erlaubnis durchsetzen könnten. Zum Glück haben mir heute nicht mehr nötig, unter dieser Flagge zu segeln, denn vor einigen Tagen ist in Paris das Abkommen getroffen wor­den, daß der Zeppelin-Luftschiffbau frei ist. (Stürmischer Beifall.) Wir können jetzt mit offenem Visier Herangehen an den Bau eines großen trans­atlantischen Derkehrsluftschiffes.

Ich will nun freilick damit nicht sagen, dah mir jetzt, wo wir es nicht mehr nötig haben, um ein Volarlnftschisf zu betteln, keine Pölarsahrt machen werden, vielleicht machen wir sie jetzt gerade, aus Trotz. Sie wissen vielleicht, doh Gras Zepve- lin von jeher als Ltebllngsoedanken die 3bfle verfolgt hol, der Welt zu beweisen, daß fein Lukschisf imstande fei, die Volargebiete mit voller Sicherheit im Dienste wissenschaftlicher Forschung zu durchkreuzen, wenn mir das jetzt tun werden, dann nickt mehr in Verbindung mit einer inter­nationalen Sstidimigefelkschaft, sondern als eine rein d-ulsche Volarexpedition, die von deutschen Wissenschaftlern geführt wird, wir werden bann diese Fahrt fo durchführen, daß sie deutscher

Wissenschaft würdig ist, daß sie abftid)f gegen die jetzt geplante Fahrt Amundsens. Dieser will mit einem kleinen ifalienU fchen Luftschiff mit Gewalt zum Pol fahren. Dieses Lufftchisf ist aber gerade ausreichend groß für 40 bis 48 Stunden, so daß er wohl zum Pol und zurück, vielleicht auch darüber hinrnegkommen kann. Für ernste, deutsche Wissenschaftler kann es aber keinen Reiz haben, als erster am Pol gewesen zu fein. Das könnten wir mit unserem Zeppelin-Luftschiff s o nebenbei mitnehpien. Was wir wollen, ist, daß wir in ein« drei- bis viertägigen Fahrt alle fßro = b I e m e bewältigen, um deren Lösung die Wissenschaft sich fett Jahrzehnten bemüht. Wir wür­ben bas ganze Gebiet in mehrtägiger Fahrt über­queren, würben es aufnehmen unb ausmessen, fo baß

Die Flaggenkrisis

Ein Einspruch Preuhens.

Berlin, 11. Mai. (Wolff.) DasBert TagebL" rnelbet: Die preußische Regierung hat gestern an bas Reichskabinett sowie an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Schreiben gerichtet, in welchem sic gegen die neue Flaggenoerorbnung Einspruch erhebt unb sie als oer a s - sungswibrig bezeichnet, weil im Widerspruch zu ber ausbrücklichen Vorschrift ber Reichsverfa sung der Reichsrat vorher nicht gehört wor­ben ist. Auf Anregung Preußens wirb diese Frage ben Reichsrat voraussichtlich am Freitag beschoß tigen.

Die Besprechungen der Kanters

Berlin. 10. Mai. CSU.) Die Verhand­lungen über die Flaggenfrage im Reichstag und in der Reichskanzlei Dauerten den ganzen Tag an. Rach d« interfrattionelfen Besprechung mit dem Reichskanzler wurde ein Kabinettsrat abgehalten, übet dessen Ergebnis nichts befamrtgegeben wurde. Darauf empfing der Reichskanzler die Vertreter d« Deutschnationalen, die Abg. Graf Westarp, Schiele, Wallrafs und Schultz-Bronrderg. Um 6 Uhr hatte der Reichskanzler eine Besprechung mit den Dertvetem der Sozialdemokratischen Par- ret Es folgten Verhandlungen der Regierungs­parteien mit der Regierung. Heb« ihr Ergebnis wird von den Parteiführern strengstes Still­schweigen gewahrt. 3m Anschluß an diese Partei­führer besprechungen fand ein Kabinettsrat statt. Wie man in parlamentarischen Kreisen ver­nimmt. werden die Reichsminister sich mit dem Reichskanzler solidarisch er­klären. Gegenüber Zeitungsmeldungen, wonach dasSchreiben des Reichspräsidenten seitens des Reichskanzlers oder aus den Kreisen der Reichstagsparteien angeregt worden wäre, wurde den Vlätt-ern von unterrichtet« Seite mit­geteilt, baß dieses Schreiben ces Reichspräsidenten an den Reichskanzler auf Initiative deS Reichspräsidenten zurückzuführen sei. Hm 10 Hhr abends ist das Reichskabinett in der Villa des Austenministers zu einer Racht-Sihung zusammengetreten, die erst kurz nach V21 Hhr morgens beendet war. Beschlüsse sind nicht gefaßt worden.

Die Stellung der Parteien

Berlin, 11. Mai. (Wolffs Obgleich die beiden Reichstagsfraktionen des Zentrums und der Demokraten sich ihre endgültige Stellung­nahme zu dem Mißtrauensvotum der Sozial­demokraten für beute Vorbehalten haben, so glaubt doch dieVoss. Ztg ", daß die Auffassung in der demokratisch« Fraktion für die Untcrftiif zung des sozialdemokratischen Mißtrauens­votums ü6«toiegt. Daß die Fraktion noch keinen endgültigen Beschluß in dieser Richtung gefaßt bat, sei darauf zurückzuführen. daß noch (Erörte­rungen über einen Vorschlag schweben, der auch bei den Demokraten einen S t immun cts umj chwu ng herbeiführen könnte. Wie das Blatt schreibt, bandelt es sich um die Anregung, die zweite Flaggenverordnung vorläufig in suspenso zu belassen, bis die Einigung über eine Ginheitsflagge erreicht wor­den sei. DieTägl. Runbsck>iu" gibt der Mei­nung Ausdruck, daß das Zentrum gemein- fam mit den Deutsch-Rationalen, der Deutschen

Deutscher Reichstag.

Berlin, 10. Mai. DaS Haus setzt die Be­ratung der Vorschläge des Ausschusses für den Haushalt betreffend Bekämpfung des Al- koholismus fort Ein demokratischer Redner erklärt. dah in seiner Fraktion die Meinungen über das Gemeindebestimmungsrecht geteilt seien. Ein Abgeordneter der Bayerisch« Volls­partei wendet sich gegen das Gemeinde­best i m mun g s r ech t und sagt ball) wird man nach seiner Einführung «rkennen. daßDernunft Hnsinn, Wohlfahrt Plage wird". Ein Abgeord­net« der Wirtschaftlichen Vereinigung wendet sich ebenfalls gegen das Gemeindebestimmungs­recht: Wir haben zwei Millionen Erwerbs­lose, sollen dazu noch die drei Millionen im GastwirtSgewerbe Beschäftigten kommen? Die Abstimmung wird auf DienStag vertagt. Auf der Tagesordnung steht die sozialdemokratische In­terpellation über die Flaggenverordnung.

Preußischer Landtag.

Berlin, 10. Mai. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt die zweite Beratung des K u l t u s e t a t s. Als Berichterstatter des Ausschusses empfiehlt Abg. Frau Wegscheide (Soz.) die Annahme der 30 vorliegenden An­träge, die u. a. Lehraufträge für deutsche Altertums- und Volkskunde. Professuren für das deutsche Grenz - und Auslanddeutsch- t u m . Errichtung eines tirchenrechtlichen Insti- tutes usw. verlangen 3n der allgemeinen Aus­sprache, an der sich Redner aller Parteien be­teiligten. bespricht Abg. Weißmann die Richtlinien für den Geschichtsunterricht. Ein kommunistischer Abgeordneter kritisiert, dah die höheren Schulen besser behandelt würden wie die Volksschulen. Für die Volksschulen und die Junglehrer sei nie Geld da. Gin demokrati­scher Abgeordneter vertritt die Ansicht, dah in den höheren Schulen die fremden Spra­chen mehr gepflegt werden müßten. Ein Abgeordnet« der Wirtschaftlichen V«einigung verlangt Brivatschulen dort, wo es an höheren Schulen mangelt Kultusminister Dr. Becker betont, dah die höheren Schulen für ihn

Dollspartei, bet Bayerischen Vollspartei unb d« Wirtschaftspartei gegen den sozialdemo­kratischen Misttrauensantraa ftimmen werd«. Die Völkischen, die wahrscheinlich einen eigenen Misttrauensantrag einbringen werden, würden sich bei dem sozialdemokratischen Antrag der Stimme enthalten unb bannt wäre

eine Mehrheit gegen den sozialdemokratischen Mihtrauensantrag gesichert

selbst wenn bie demokratische Rcichstagsfraktion geschlossen für ihn ftimmen sollte. Zu erwähnen ist noch, dah die Germania üb« eine Kund­gebung d« Berliner Zentrumspartei berichtet, in welcher die Erwartung ausgesprochen wurde, dah die Zentrumsfraktion des Reichstages alle verfassungsrechtlichen Mittel anwendet, um dem deutschen Volle die alt «erbten 21 attonalfärben als Symbol freiheitlichen Bolksstaates schwarz- rotgold unv«änbert zu «halten. Die Baye­rische Volkspartei sieht zwar die Flag- genöetotbnung vom 5. Mai gerade im jetzigen Zeitpunkt für höchst untunlich an, hält ab« doch nicht dafür, aus diesem Aniah irgendeine Krise hervorzurufen. Die ganze Frage fet unnötig aufgebauscht worden. Angesichts des Schrei­bens des Reichspräsidenten an ben Reichskanzler sei bie Partei jederzeit bereit, zu einet frteb- lichen Lösung ber Streitfrage beizutragen. Die Reichstagssraktivn b« Deutschen Volks- Partei wirb gegen bas sozialdemokratische unb völkische Mißtrauensvotum ftimmen.

Sollten die Demokraten aus derReichsregierung ausfcheiden. fo ist die Fraktion der Deutschen Volkspartei entschloßen, an der bisherigen Min­derheitsregierung ohne die Demokraten festzu- hallen.

Die deutschnationale Reichstagsfrak- tion erörterte ebenfalls die Flaggenfrage, kam- abet hinsichtlich ber Mißtrauensvoten noch zu keinem Beschluß. Ihre Entscheidung wird sie erst nach d« Rede des Reichskanzlers fällen. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs­tages gab heute ihren Beschluß zur Flaggen­frage dahin bekannt: .,Für den Fall, daß es im Verfolg der sozialdemokratischen Interpel­lation über die Flaggensrage zu einer Re- greru.ngslrife kommt, ermächtigt die so­zialdemokratische Fraktion ihre Unterhändler grundsätzlich z u Verhandlungen über R e u b i (b u n g ber Regierung." Die Reichs­tagsfraktion der Wirtschaftlichen Ver­einigung wird erst am Dienstag vormittag zu ein.« Sitzung zusammen treten. Sic wird vor­her gegen die Mißtrauen ran träge in der Flaggen frage stimmen. Ihre Vertret« sind zum Dienstag vormittag zum Reichskanzler ge­beten worden. Wie die Telunion toeifer er» fähri. wird die Flaggendebatte im Reichstags­plenum am D cnötcig noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Sie entscheidenden Abstim­mungen werden er st am Mittwoch abend stattftnden.

an Stelle des weißen Fleckes der Karte von heute eine minutiös gezeichnete Karte treten kann. Wir würden das Luftschiff fo einrichten, daß es ohne Hilfe auf Eis ober Wasser lanben konnte. Wir wür­ben von da aus Meereslotungen und noch vielerlei andere wissenschaftliche Feststellungen über den Pol machen. Es wäre möglich, mit einem Luftschiff, das die genügende Leistungsfähigkeit hat, der Wissenschaft wertvolle Dienste zu leisten, und das tun mir letzt vielleicht gerade!

Es ist mir weiter gesagt worben, ob id> glaube, baß bas Luftschiff überhaupt noch eine Existenzberechtigung habe. Man fragt, ob nicht inzwischen das Zeppelin-Luftschiff abgelöst und überflüssig gemacht worden fei durch die moderne Entwicklung des Flugzeuges. In Friedrichshafen haben wir diese Frage nach allen Seiten hin erörtert. Ich muh gestehen, dah wir diese Einwendungen wenig ernst genommen haben, benn diese Einwände find so all wie das Zeppelin-Luftschiff überhaupt, und sie sind trotz aller Leistungen, die wir in Friedrichshafen voll­bringen tonnten, immer wieder gemacht worden, ja sogar, als wir bie AmerikasaHrt machten. Jeder Mensch hat ein gewisses Quantum Geduld. Ich meine, davon recht viel zu haben, aber derartige Einwände, die auch trotz aller Taten nicht ver­stummen wollen, machen mich doch manchmal recht ärgerlich.

3d) bezweifle, daß es 'm drei bis vier Jahren moglid) ist. d-n Atlantischen Ozean mit Flug zeugen überqueren zu können Wir in Fried- richshof« bezweifeln dos mit gutem Recht, weil wir feit langem die Ansicht haben, daß die Grenze der Leistungsfähigkeit für Flugzeuge bei

2500 Kilometer liegt.

Ernsthafte Konstrukteure von Flugzeugen wissen das genau. Es gibt bei Flugzeugen ein konstantes Gesetz, um das nicht herumzulomm« ist. Vor einigen Wochen hat zwar ein Flug­zeug von Spanien aus den Atlantischen Ozean nach Südamerika üfarquert, und eZ ist nun von Hallrwissenden, technisch Halbgebildeten gesagt worden: Das ist d« Beweis dafür, daß das Flugzeug diese Ausgabe vollbringen kann. Ich hätte am wenigst« Veranlassung, bie Leistung Dieses Flugzeuges h«abAusetzen, benn die Ma­schine, bie diese Leistung vollbrachte, ist ein Erzeugnis ber Dornier-Werke, ber Tochtergesellschaft bes Zeppelinbaues. Ab« biese ileberauernng kein Bcwei? bafür, daß bas Flugzeug der Allantiküb«gueruug gewachsen ist. Bei dem Flug von Spanien aus k .gen die Plloten in Etappen Das Flugzeu^ am auch nicht glatt hinüber, sondern mußte «.ttoa 600 Kilometer von d« Südamerikanischen Küste ent­fernt aut ben Oze a n ni eher geben unb btc Zufuhr von Benzin durch ein Torpedoboot abwarten Glänzend ist der Wagemut ber Piloten unb die Leistungsfähigkeit des Flug­zeuges, bas 16 Stund« lang auf dem Ozean anfern konnte. Hcbrigend erfolgte bie Fahrt mit dem Passatwind.

Man kann ja auch bie Flugzeuge größ« bauen, und in b« Tat bestehen hierfür eine Menge Projekte. Ab« auch diese Riesenflug­zeuge werben mir Benzin spaz ieren fahren über den Ozean. Je stärker ferner die Maschinen werden, desto stärk« wird na­türlich bie Leistungsfähigkeit der Zeppeline sich gestalten, für die die stärkeren Maschinen selbst- berftänbltd) auch Verwendung finden würden. Selbst wenn es gelänge, mit Flugzeugen übet große transatlantische Strecken eine Last zu brin­gen, die ben Flugzeugverkchr wirtschaftlich machte, selbst bann würde man vielleicht doch unter Hmständen das Luftschiff vorziehen, allein schon

d« gröh«enidierl)eit unb deS ruhigeren Flu­ges wegen.

Ich glaube mit vollem Recht und mit voller Aeberzeugung aus Erfahrung sagen zu können, daß da« Luftschiff die technische Entwicklung zu­nächst für weite Strecken beherrscht. And ich darf hlnzusügen, daß wir die neuen Luftschiffe mit neuen Ideen unb Verbesserungen bauen, denn wir sind nicht müßig geroefen. und daß hierdurch die Leistungsfähigkeit gegen heute noch um 30 Prozent erhöht werden kann.

(Lebhafter Beifall.)

Sie haben vielleicht noch allerlei Fragen bezüglich ber Sicherheit unb der Möglichkeit, ein Luftschiff in durchaus zuverlässig«, sicher« Weife zu navigi«en und zu fahren. Ich könnte allerlei mehr oder weniger theoretische Aus­führungen machen, um Ihre Bedenken zu zer­streuen. Fest steht jedenfalls, daß ein Luftschiff auch sicher ist in Gewitter stürmen. Selbstverständ­lich kann ein BI'.' in das Luftschiff einschlagen, wie « bas schon oft getan hat, aber damit haben wir immer gerechnet unb unsere Maßnahmen entsprechend eingerichtet. Infolgedessen ist bet Blitz ungefährlich, solange es noch gut erzo­gene Blitze gibt. Bish« ist es ben Blitzen nur möglich gewesen, gelegentlich einmal untere Funkenstation zu zerstören.

Hierauf ging Dr. Eckener zu einer Schilde­rung ber Ozeanüberquerung mit dem Z. R. Ill über, um dadurch den Beweis zu liefern, daß die Besatzung im unwandelbaren Gefühl der Sicherheit diesen weltgeschichtlichen Flug vollbracht hat. Die fesselnde Erzählung, die vielfach von präch­tigem, urfpriingüdKin Humor gewürzt war, und die Zuhörer außerordentlich in Spannung hielt, war in der genußreichen Rede Eckeners ein gar köstliches Stück für sich, zeugte aber auch non der feinen Beobachtungsbabe und psychologischen Einfühlung, die den Kapitän in den Stand fetzte, wertvolle Auf­klärungen über dieDolksstimmung in Ame­rika nach dem Gelingen ber großen deutschen Tat zu geben.

Am Schlüsse seiner großangelegten Red« sagte Dr. Ecken« weiter:Wir werden nur Wied« hoch kommen, wenn wir die innere Kraft wiederfinder.. Dazu ist nötig, dah wir ben Glauben an uns selbst wieder­bekommen. den Glauben an unsere Mission, bah wir uns Wied« bewußt werden, ein wie tüch­tiges Volk wir sind. Das ist ber wichtigste Er­folg. der gibt uns die Garantie, daß wir Wied« cmfsteigen w«den. Werrn Die s o die Angelegen­heit des Zeppelinwerkes betrachten, bann werden Sie «kennen, welche moralischen Er­oberungen wir in der Welt machen können, wenn wir dieses W«k stützen und fördern, wie es dazu dienen kann, uns Glauben unb Hoff­nung Wied« zu v«schafsen. Sie werben dann auch ganz genau wissen, wie Sie sich zu stellen haben zu dem Appell, ben wir für bas Zeppelin-Luftschiff werk «lassen hab«, und ob Sie dieses Werk hinsink« lassen wollen ob« nicht. Alle materiell« Aufw«bung« soll« da­zu bi««, dieses Werk zu erhalten unb damit zum Ausdruck zu bringen, dah wir alles tun wollen, geistig unb technisch, bas füh­rende Volk zu bleiben und die Stel­lung Wied« zu erring«, auf die wir einen gerecht« Anspruch hab«. (Langanhaltender, immer Wied« einseh«der. stürmischer Beifall.)

Hi«auf intonierte die Kapelle bas Deutschlandlied, baS vo-n ber begeistert« Menge stehend mitgesung« würbe.

Im Anschluß an die große Rede des Gastes sprach Stub. Scheel im Rain« ber Gießener Studentenschaft herzliche Dankeswort« an Dr.

Eck«« für sein Erscheinen unb seine anfeuernben Worte) « ermahnte bie Jugend, t m Geiste Zeppelins und GckenerS am Wiederauf­bau des deutschen Dalerlandes zu arbeiten, imb kommandierte zum Schluß zu Ehren Dr. Gcken«s ein« Salamcrnd«. In mustergültig« Orbmnxg leerte sich hierauf die Dollshalle von ber Riesen- berfammtmrg.

DerMelzug der Studentenschaft

In ber Kaiserallee stellte sich bie Studenten­schaft: mit lodernden Fackeln um' webenden Fahnen in zwei langen, eindrucksvollen Spalier« auf. die Dr. Eckener, jubelnd begrüßt, im Auto langsam durchfuhr, um dann an der Spitze des imposant« Fackelzuges in fein Quartier zurück- ziachreii. Eine riesige Menschenmsnge säumte bie Marschstrahen und brachte bem Bezwinger des ozeanischen Luftraumes herzlichste Ovationen bar.

Bor dem Hotel Schütz hatte sich mittlerweile eine unübersehbar große Menschenmenge angefammelt, die Zeuge der Ehrung Eckeners durch die Studenten­schaft sein wallte. Gegen elf Uhr fuhr der Gast vor dem Gebäude nor, van der Menge mit brausenden Hochrufen empfangen. Kurz darauf rückte der Fackel­zug unter den Klängen flotter Marschmusik der Ka­pelle Topp heran und nahm vor der Wohnung Eckeners Aufstellung. Es war ein außerordentlich eindrucksvolles Bild, das die riesige Menschenmenge und die lange Reihe der Fackelträger dem Auge darbot.

Zm Nomen der Gießener Studentenschaft dankte cand. jur. Jüngst Herrn Dr. Ecken« herzlichst ffir seinen Besuch, ber für Gießen unb bie Studenten allezeit eine freudige Erinnerung sein werde. Er hoffe, daß auch Dr. Eckener immer gern an bie Stunben in ber hessischen Musenstcibt an ber Lohn zurückdenken werde, und daß er möglichst bald wieder hierher zu rück lehren, aber hoch über uns in der Luft, mit dem neueft« Werke ber deutschen Technik.

Dr. (Gefeiter

bankte ben Kommilitonen mit herzlichen Worten für bie Aufmerksamkeit, die ihm ein nußerordentlicyes Erlebnis sei, unb in ber zu seiner Freude bie u n gebrocheneBegeisterungsfähigkeitber beutschen Jugend und ben festen Ausdruck des Willens erblicke, Deutschland wieder emporzubringen. Er erblicke eine hohe Ehre für sich in der Tatsache, dah dieses Gelöbnis durch die flammende Begeiste­rung in seiner Gegenwart zum Ausdruck komme. Nur mit Zuversicht und Mut würben wir weiter kommen. Mit einem begeistert aufgenomme­nen Hoch auf bas geliebte deutsche Vaterland schloß Dr. Eckener seine freudig aufgenommene Ansprache.

Rack bem Gesänge bes LiebesBurschen her­aus!" rückten bie Kommiliton« zum Oswalds- gart« ab. wo bei ben Kläng« der Musik die Fackeln zusammengeworf« wurden. Allmählich verlief sich auch die Hauptmasse der Dsvolle- rung vor demHotel Schütz", so daß fchsieß- Tid) da außer einem «gen Kreis von Herren niemand bekannt war. daß Dr. Eck«er noch am selb« Abend weiterreis« werde nur noch etwa 40 bis 50 Personen vor dem Hotel sich aufhielten Hüter deren begeisterten Zuruf« be­gab sich Dr. Eckener gegen 11.45 Hhr im Auto zum Bahnhof unb trat mit bem Berliner Rackt- schnellzug um 11.50 ab Gießen bie Weiter­reise nach Berlin an.

Gin großer Tag in ber Geschichte un­serer Stabt Gießen ist verrauscht, seine Gin- brilcfe aber werden in Zehntausenden von Herzen und Köpfen weiter fe^enbig bleiben und Mit­wirken an her Fortführung bes Werkes des Grafen Zeppesin unb Dr. Hugo Eckeners.