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M. M Erster Blatt

176. Jahrgang

Dienstag, 11. Mai 1926

krsch «int täglich, anher Sonntags unb Feiertag».

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H. Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Han» Füstel, iämtlich m Giehen.

Dr. Hugo Eckener in Giehen.

Der Mann und das Werk.

Seit Reichskanzler Dr. Luther am Steuer unseres Staatsschiff cs steht, geht durch alle Kund­gebungen des Kabinettschess und der Reichs­regierung der Ruf zur Sachlichkeit hinaus in unser Volk. Entspannung der seit den Kriegs­und Revolulionstagen überhitzten politischen Atmosphäre, Entgiftung des politischen Kampfes. Zusammenschluß aller derer, die guten Willens fhtb, zu prosaischer, nüchterner aber so not­wendiger Arbeit am Wiederaufbau des Staates: das sind Programmpunkte, die im Lause der letzten 3aßre nicht auf dem Papier stehen ge­blieben sind, die vielfache Tatsachen wurden zum Wohl des Dolksganzen.

Aber ein Dolk braucht mehr, um sich aus den Tiefen, seelischen wie wirtschaftlichen, in die uns der verlorene Krieg mit selinen Folgen von stolzer Höhe hinabstürzte. wieder empor­zuarbeiten an die Sonnenseite des Lebens. Auch ein Volk, das sich die freieste Verfassung der Welt gab, das sich selbst als Souverän einsehte, braucht weithinleuchtende Symbole seiner natio­nalen Einhett, seines nationalen Stolzes, seines Dolksbewuhtseins, es braucht Helden, die ihm den Weg weisen .durch Opfer und Arbeit zur Freiheit". Es kann wohl nach einem schweren Schlag eine Zeit lang im Dunkeln tappen und irren, aber wenn es im Mark gesund und kernig blieb, wird es nach Führern suchen, die ihm voranschreiten, ihm Vorleben das Leben der auf­opfernden Pflicht im Dienste des Ganzen. Das deutsche Dolk hat nach langer, düsterer Rächt die Fackel ergriffen, die ihm voranleuchtet auf die­sem schweren Pfade der Arbett und des Opfer­muts, als es Deutschland» besten Mann auf den Schild hob, als es Hindenburg zum Staats­oberhaupt kor.

Und neben dieses Symbol des in den Deutschen wiedererwachten Willens zur Nation traten Män­ner der Tat, deren überragende Leistungen wie ein Fanal hinausleuchteten in die von Haß und Lüge verblendete Welt, die Deutschlands Namen wieder zu Ehren brachten unter den Völkern des Erdballs durch ihre sachlich nüchterne Arbeit, durch den Schneid ihrer Persönlichkeit, durch den un­überwindlichen Wagemut, mit dem sie allen poli­tischen und wirtschaftlichen Hemmnissen ein trotzige» Und dennoch!" entgeaenschleuderten. Dr. Hugo Eckener ist einer dieser wenigen, um die uns die Welt beneidet. Bescheiden tritt er zwar hinter sein Werk zurück, lenkt alles ab auf die Sache, der er dient. Und doch bleibt fein Name für ewige Zeiten untrennbar mit ihr verbunden, die große Persönlich­keit ist es, ohne die wir uns fein Wert nicht denken können, in der sich das Werk von Friedrichshafen gleichsam verkörpert.

Wer gestern in der weiten Dolkshalle den schlichten Mann in seiner bilderreichen, anschau­lich plastischen, von echt niederdeutschem See­mannshumor durchwürzten Art sprechen hören durfte von seiner Arbett, seinen Erfolgen, seinen neuen Plänen, den bannte die ruhige Sachlichkeit, die unbedingte Zuversicht, der Glaube an sein Werk, dem er sein Leben als Rachfolger des Grafen Zeppelin geweiht hat. Schwer ringt daS deutsche Volk um seine politische und wirt­schaftliche Eristenz, aber über die Röte des OIH- 1<iqs darf es nicht die großen Aufgaben ver­gessen. deren Lösung die Welt von ihm erwartet, deren Zielsetzung die deutsche Ration zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschließt, in der keiner fehlen darf, der sich als Glied unseres Vvlkskörpers fühlt, dem es um mehr geht, als um daS tägliche Brot.

.Ein jeglicher muß feinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nach- arbeitct." Deutschland h a t gewählt, als es mit angehaltcnem Atem Eckeners kühnem Ozeanflug folgte, als es mit der Eckener-Epende sich seines ihm vorn Grasen Zeppelin vermachten Erbes erinnerte. Deutschland steht hinter seinem Hel-- den, Eckeners Werk ist Deutschlands Werk!

Ein großer Tag.

Gießen hat gestern seinen großen Tag ge­habt; einen Tag, wie wir ihn ach so lange schon nicht mehr begehen durften, einen Tag, wie er jedem Einzelnen unter den Tausenden, die die Dollshalle füllten und die die Straßen um­säumten, noch lange unvergessen sein wird. Feder Einzelne, der die wundervollen Worte mit- angehört hat, die Hugo Eckener, der große Erbe des Grasen Zeppelin, an die Ver­sammlung richtete, wird die Bedeutung des Tages, dieser Rede, dieser Persönlichkeit, un­mittelbar. zündend und mitreißend, in sich ge­spürt haben. Dem Zauber der schon äußerlich so überzeugenden und imponierenden Erscheinung Eckeners wird niemand ficb haben entziehen können; aus seiner R"de so klar und einfach, so warmherzig und bildhaft in jedem Wort, wird wohl jeder, bewußt oder unbewußt, die heiße, aufrüttelnde Mahnung Riehsches vernommen ha­ben: Wirf den Helden in Deiner Seele nicht fort! Unb: Gedenke, daß Du ein Deutscher bist, gleich, welchen Standes, ungeachtet, welchen Bekennt­nisses^ oder welcher Partei' Sei eingedenk und sei stolz daraus, diesem geschlagenen Dolle an­zugehören. das solche Männer fein eigen nennt, das mit solchen Mitteln, auf solchen Wegen, mit der alten, selbstverständlich-schlichten Pflicht­erfüllung und ei-er sprichwörtlich geworde­nen Tüchtigkeit, Leistungsfähigkeit und Führer­

energie seinen alten Platz unter den Rationen, feinen Platz an der Sonne wiederzuerobern ge- willt ist! ES war erhebend, unter der Menge zu stehen und sich mittragen zu lassen von der mächtig aufquellenden Woge der Begeisterung, die die prachtvoll männliche Gestalt auf dem tannen geschmückten Rednerpult grüßte und feierte die starke, willensmächtige, geistige Führer- Persönlichkeit und in ihr zugleich die große Sache, im Manne das Werk, dem er, beschei­den selbstlos, pflichteinfach dient, das deutsche Werk und den deutschen Gedanken in der Welt... 'Man lauscht, in Bann geschlagen. Eckeners Wor­ten. diesen seinen und starken, humorvollen und scharsgeistigen Worten, mit denen er vom gi­gantischen Abenteuer sieghaften Fluges über den Atlantik erzählt, man spürt den warmen Wider­hall im Herzen. Mahnung und Aufruf, das Werk des früh verspotteten, spät vergötterten verrückten Grasen" nicht verfallen und ver­sinken zu lassen, sondern mitzuhelsen, jeder an feinem Teil, daß es gewichtig in die Wagschale falle, als ein stolzes, wegweisendes, zukunft­forderndes Zeichen deutschen Geistes, wenn es gilt, unserem Volk die Weltgeltung wiederzu­schaffen. die es einmal gehabt hat. und die es verdient. Wie ein Gelöbnis klingt, als Eckener geendet hat, das Deutschlandlied mächtig durch den Saal ... Unb später, ganz zuletzt, drängt sich noch einmal. Kops an Kopf, in der Bahn­hofstraße die Menge, bis ins Dunkel der An­lagen hinein, ihn noch einmal zu sehen, den großen Gast unserer Stadt, ihm einen letzten Gruß zu zujubeln . . . Musik klingt, Fackeln werfen flat­ternden Schein durch die Rächt, Marfchtritt Hingt. Schläger und Sporen flirren, und mit allen Fahnen grüßt die akodemifche Jugend unserer Stadt ihn Dr. Eck euer, der abschiednehmend auf den Ballon tritt. Und man hört aus de» bewegten Worten heraus, daß er gern bei uns in Gießen gewesen ist. Roch einmal braust das Deutschlandlied auf, noch einmal hebt sich spontan ein Hochruf aus namenloser Menge, noch einmal hallt eS wie ein Gelöbnis machtvoll durch die Rächt; die alte, markige Studentenweise »Burschen heraus!" gibt dem Scheidenden das Geleit. Dann verllingt die Musik, verflackern die Fackeln, rauschen die Fahnen vorüber . . . Unsere Stadt hat einen großen und festlichen Tag erlebt

Die Ankunft.

Gestern mittag 1 Uhr traf Dr. Eckener, von Gelsenkirchen kommend, mit dem D-Zug hier ein. Zum Empfang hatten sich Provinzialdirektor G r a c f, Oberbürgermeister Keller, Se. Mag- niftzcnz der Rektor der Landesuniversität Pros. Dr. Bürker und Regierungsrat Schmidt auf dem Bahnhof eingefunden, die den Gast zum Hotel Schütz" geleiteten, wo er Wohnung nahm.

Dem berühmten Manne zu Ehren begann um 2 Uhr imHotel Schütz" ein Mittagessen, an dem die Dertreter der Behörden, der Universität, Mitglieder der Stadtverordneten-Dersammlung, Pressevertreter, Angehörige der Bürgerschaft und die Mitglieder des Arbeitsausschusses für diese Deranstaltung teilnahmen. 3m Laufe des Mah­les entbot

Oberbürgermeister Keller den Willkommengrutz der Stabt Giehen

an Dr. Eckener in der folgenden herzlichen Ansprache:

Hochverehrter Herr Doktor Eckener!

Gestatten Sie mir, daß ich Sie in der Stadt Gießen herzlich willkommen heiße und Ihnen namens der gesamten Bürgerschaft wärmsten Dank dafür sage, daß Sie unsere Stadt mit Ihrem Besuche beglückt und beehn haben. Wir wissen wohl, wie sehr Ihre große Arbeitslast noch vermehrt wird durch den allerwärts bestehenden Wunsch, den Mann zu sehen und zu hören, der durch seine kühne Fahrt über den Ozean so große Berühmtheit erlangt hat. Um so dankbarer sind wir, daß Sie es ermöglicht Haden, hierher nach Gießen zu kommen.

Sie treffen, hochverehrter Herr Doktor, hier in G i e ß en eine Stadt an, die vielleicht eine der klein­sten unter den Städten ist, in denen Sie im Laufe ter letzten Jahre Dorträge gehalten haben. Was aber nicht klein, sondern groß und stetig wachsend bei uns ist, daß ist das Interesse an der Luft­fahrt und ihrer fortschreitenden Entwicklung. Seit vielen Jahren hält ein rühriger Verein für Luft­fahrt, begründet von dem leider verstorbenen Geo­graphen und Länderforscher Wilhelm Sievers, Ipäter vortrefflich geleitet von Herrn Pros. König, hier das Interesse für Luftfahrt wach. Die im vori­gen Jahre errichtete Luftverkehrsaktien- gefellfchast Oberheffen-Lahngau hat als erste im Staate Hessen im vorigen Jahre eine regelmäßige Luftverbindnng eröffnet und in diesem Jahre weiter ausgebaut. So ist verständlich, mit wel­cher Spannung, welchem Interesse, mit welcher De geifterung und Freude die Bevölkerung unserer Stadt der Hierherkunft des Mannes entgeaenfah, den die Luftfahrt der Gegenwart als ihren Meister verehrt.

Sie, verehrter Herr Doktor, find der getreue Hüter der Lebensarbeit eines Mannes, dessen Name das Herz jedes Deutschen höher schlagen läßt, des Grafen Zeppelin. Gewiß war es die glän­zende Tat der Technik, die dieiem großen Deutschen den Kranz unvergeßlichen Ruhmes dargereicht hat. Was ihn zum Dolkshelden gemacht und ihn uns

menschlich so nahe gebracht hat das scheint mir etwas anderes zu fein. Das ist die menschliche Größe, der kühne Wagemut, die Unverzagtheit, mit der er durch Neid und Spott, durch Mißgeschick und Kamps hmdurchgeschritten ist zu dem hohen Ziele, das er sich gesteckt hat, die Zähigkeit, mit der er endlich das herrliche Werk vollbracht hat, das seinen Meister für ewige Zeiten loben wird. das ist, daß er wahr gemacht hat, was Goethe dichtete:

Allen Gewalten Znm Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen. Kräftig sich zeigen Rufet die Arme Der Götter herbei",

kurz, meine Herren, das ist, daß Grals Zeppelin uns zum Symbol des Werdeganges des deutschen Volkes geworden ist, dem das Geschick auch bestimmt hat, zu gehen durch bimtle Täler wie über lichte Höhen und allen Gewalten zum Trotz sich zu er­halten.

Ais Sie, hochgeehrter Herr Doktor, alle Schwie riqkeilen überwindend, den Z. R. 3 glücklich nach Amerika hinüber brachten, war das eine Tat ganz im Geiste Zeppelins, eine Tat, die zum ersten Male wieder nach dem Krieg der Welt den Beweis lie ferte, daß dem deutschen Volke zwar dos Schwert zerbrochen worden ist, daß aber die ' a.ffen des Geistes, des Wissens und des Könnens noch blank und schneidig in der Hand der Deutschen ruhen und der Welt Achtung und Bewunderung abvzugewinnen vermögen.

Meine sehr geehrten Herren! Wir wissen, daß das Werk Zeppelins in bewährten Hunden liegt, daß sein Geist zum Ruhme des deutschen Volkes fortwirkt in vortrefflichen Mitarbeitern: und Nach­folgern. Erheben Sie. meine Herren, Ihre Gläser und stimmen Sie dankbaren, freudigen Herzens mit mir ein in den Ruf: Herr Doktor Eckener lebe hoch, hoch, hoch!

Unmittelbar anschließend dankte

Dr. Eckener

mit folgenden Worten- Hochgeehrter, Herr Ober­bürgermeister. meine sehr geehrten Herren! Ich habe hier wie überall es sind nicht wenige Städte, wo ich war bei so freundlichen An­sprachen immer das Gefühl, als ob1 man meine persönliche Leistung überschätzt. Ich kann der­artige Grüße nur entgegennehmen, 'wenn ich sie ansehen darf als eigentlich nicht mir allein, sondern allen Mitarbeitern am WerL des Grasen Zeppelin gewidmet. Ich bin ber-its vor 14 Jahren einmal hier in Gießen gewesen, und ich habe damals hier auf Deranlassuntg des Herrn Prof. Dr. König einen Dortrag gehalten. Da­mals war das Werk Zeppelins noch durchzu­setzen; damals wurde ich ebenso liebenswürdig ausgenommen wie heute. Ich glaube, wenn Sie so außerordentlich freundlich damals 'wie auch jetzt sich zum Werke des ifcn Zeppelin gestellt haben, so haben Sie die'eDe Empsinldung wie ich. dah Sie das als

Bekenntnis zur Idee unb zum Werke des Grasen Zeppelin

ansehen, als einen symbolischen Auckbruck für un­seren unverbrüchlichen Willen, an Uns selbst und unsere Sache zu glauben, wie Gras Zeppelin das tat, und als symbolischen Ausdruck für unseren Willen, unser Werk allen Schwierigkeiten gegenüber durch­zusetzen. Dieser Wille ist das, was Deutschland braucht, denn die Fähigkeiten und 2ünlagen unseres Volkes sind so, daß wir auch wirklich, durch die heu­tigen Schwierigkeiten durchkommen werden. Dann werden wir wieder die Stellung roceicßen, in der wir früher als Volk gewesen sind. diesem Sinne kann uns das Werk des Grafen Zeppelin Symbol und Beispiel sein. Wir werden ein glückliches Deutschland sein, wenn der Glaube an uns selbst wieder Allgemeingut geworden ist. Dann kommen wir wieder hoch. Hierauf ba» der 3tebner, mit ihm auf das Wohl und Gedeihen der Stadt und der Universität Gießen zu trinken.

Nach dem Essen erfolgte in fünf Automobilen, die von dem Gießener Automobilklub in liebenswür­diger Weile zur Verfügung gestellt waren, eine

Rundfahrt durch die Stadt zum Flugp atz.

Beim Betreten der Straße wurde Dr. Eckener mit vielfachen herzlichen Zurufen^ begrüßt. Die Rundfahrt berührte zunächst das Kl-iikviertel, dann ging es über die Südanlage zum Lievigdenkmal, von hier durch die Senckenbergstraße zum Landgraf- Philipp-Platz. wo die interessanten Bauwerke den Blick des Gastes fesielten, bann über die Ostanlage, Moltkestraße, Kaiserattee zum Fliigp-atz. Hier waren Dr. Eckener unb die Teilnehmer des Ehrenessens hei einer Taste ausgezeichneten Kaffees unb autem Gebäck Gäste der Luftverkehr -A-G. Ober- beffen-Lohngau. Allgemeine Zufriedenheit er­füllte hie Besucher an diesem behaglichen Platze, besten Besuch der Einwohnerschaft gleichfalls emp­fohlen fei.

Provinziald re^tor Graes

richtete hier eine Ansprache an Dr. Eckener, in bet er il a. sagte: Es toor nicht Groß­mannssucht von uns. baß wir bi er einen Flug­platz eingerichtet haben sondern der Wunsch, mitzuheften. wenn die Welt der: Fliegerei ver­teilt wird, daß wir nicht hinten dran stehen, damit wir bei denen sind, die nicht übersehen

sein wollen. Die Stadt unb die Provinz ha­ben für diese Einrichtung Opfer gebracht. Wir haben recht daran getan. Wir haben von den Dechandlungen über die Freigabe des Luft­verkehrs gelesen, über die wir allgemein be­friedigt sind. Das Ergebnis ist auch für une wichtig, weil toir nach Ost unb West Rord unb Süd am Luftverkehr interessiert sind. Zum Schlüsse erinnerte ber Redner an die Grün­dung ocr Hessischen Lufthansa, die für die Be­lange des hessischen Luftverkehrs wirken soll.

Bankdireklor Griehbauer

brachte den Wunsch an Dr Eckener zum Ausdruck, nun. da unsere Stadt einen so vor­trefflichen Flugplatz besitzt, sobald als möglich einen Zeppelin hier wieder landen zu sehen.

Rachdem noch eine photographische Auf­nahme gemacht war. ging es zur Stadt zurück. Ein denkwürdiger Abend

in der Dolkshalle.

Den Höhepunft des Besuchs erlebte man gestern abend in der Dolkshalle. In ''iuiberfeß­baren Scharen strömten die Massen die Kaiser­allee hinauf, oder fuhren in den mit z aftärftem Wageneinsatz verkehrenden Straßenbahnwagen heran. Die Dolkshalle war wieder einmal außer­ordentlich stark besetzt. Rkian geht sicher nicht sehl, wenn man die Besucherzahl auf rund 4000 schätzt. Die Studentenschaft war mit Fahnen und in Wichs überaus zahlreich erschienen. Als Dr. Eckener kurz vor 8' 4 ilßr in Begleitung des Arbeitsausschusses die Halle betrat, erhob sich die Riesenversammlung wie auf Kommando und brachte dem berühmten Manne bei seinem Gang zur Bühne stehend erhebende Huldigungen dar. die wohl keiner vergessen wird, der diesen Abend miterlebte. Rachdem sich der 3ubdfburm gelegt, hielt

Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Bürker

folgende Ansprache:

Hochansehnliche Festverfammlung! Ein Fest soll es in ber Tat sein, das wir heute feiern es kann sich nicht nur um bas Anhören eines Vortrag» handeln, ist boch unter uns in ber alten Universi­tätsstadt an der Lahn ein Mann erschienen, dessen Namen mit ehernen Lettern in das Buch der Ge­schichte geschrieben ist, Herr Dr. Hugo Eckener. Als ein treuer Kampfgenosse seines nun schon wie ein Heros anmutenben Herrn, des Grafen Zeppelin, hat er, wie die Zeppelinwerft, sich das Faustfche Wart zu eigen gemacht:

Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen, Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen Mit Stürmen mich herumzuschlagen

Unb in bes Schiffbruchs .Knirschen nicht zu zagen unb mit bem Amerikaflug bes Z. R. III eine Tat voll­bracht, ber Graf Zeppelin von Walhall herab mit einem stolzen Lächeln ber Befriebigung zugeschaut haben mag.

Wie oft Haden wir es aus ber Geschichte erfahren müssen, baß ein Volk, auch bas beutsche Volk, seine großen Männer, bie machtvoll förbernb in bas Rab ber Geschichte eingegriffen haben, nicht geehrt hat, wir wollen uns biefem Vorwurf nicht ausfetzen, son- bern Herrn

Dr. Eckener als ein leuchtendes Vorbild deutscher Treue, deutschen wissenschaftlichen Geistes unb deutscher Tatkraft

unserer Jugend vor Augen führen.

Wir danken Ihnen, hochverehrter Herr Dr. Eckener, daß Sie trotz starker Inanspruchnahme Gießen die Ehre Ihres Besuches erwiesen haben. Ich bitte Sie alle, meine Damen und Herren, dem Dank dafür noch besonderen Ausdruck zu verleihen, indem wir rufen:

Herr Dr. Eckener, der Bezwinger des atlanti­schen Luftmeers, er lebe hoch, hoch, hoch!

Stürmische Zustimmung ber Menge zeigte, baß ber Rebner ganz in ihrem Sinne gesprochen hatte.

Runmehr trat, wiederum von überwältigen­dem Jubel begrüßt,

Dr. Eckener

zu seinem Dortrage, der übrigens - wie der ganze Abend in ber Dolkshalle auf den Rundfunk übertragen wurde, an das Redner­pult. Er sagte:

Rur mit tiefer Bewegung vermag ich Ihnen zu banken für diese überaus herzliche, alles Maß überschreitende Begrüßung, mtt der Eie mich empfangen. Unb ich vermag Ihnen nur zu banken nicht für meine Person allein, sondern auch als Dertreter des Luftschiftbaues Zeppelin, als der ich vor Ihnen stehe, ilnfer Erfolg ist nur zu verdanken dem einmütigen Zusammen- arbeiten aller Mitarbeiter des Grafen Zep­pelin. an dem Werk, das wir fortführen. Glau­ben Sie mir keiner von uns in Friedrichs­hafen hat auch mir einen Moment das Gefühl gehabt, etwas Besonderes geleistet zu haben bei dem Bau oder der Aeberführung des Schif­fes nach Amerika. Wir haben nur in einfacher, gut deutscher Weise, einer Sache, einer Idee gedient, die wir weniger führten und trugen, als daß wir von dieser getragen wur­den Wenn es etwas Großes ist. einfach fein? Pflicht zu erfüllen und nur einer Sach? zu dienen, wenn es als solche heute angesehen wird, dann glaube ich, sind wir nicht in der