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ndfaienr, die sie von auswärts verpflichtet hat­ten, sehr traurige Erfahrungen gemacht haben."

Im Anschluß an diesen letzten Hinweis soll nochmals betont werden, daß Reisen in die Türkei und ins Ausland überhaupt auf gut Glück nur dann unternommen werden sollten, wenn den betreffenden Auswanderungswilligeit genügend Geldmittel zur Verfügung stehen, um nicht nur die Reisekosten, sondern auch die Lebensunterhaltungskosten, gegebenen­falls auf längere Zeit, aus eigener Tasche be­streiten zu können. Das Deutsche Ausland- Institut in Stuttgart ist jederzeit gern bereit und in der Lage, über die Preisverhältnisse in den verschiedenen Ländern eingehende und sachge­mäße Auskunft zu erteilen.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

cf. Heuchelheim, 10. März. Am Sonn­tag fand in der Turnhalle ein vom Gesangverein Teutonia" veranstalteter Konzert- und T eater-Abend statt. Der große Saal war bis auf den letzten Platz beseht. Die Besucher 1 nen voll und ganz auf ihre Rechnung. Die D -rsteller und der Verein können mit dem Cr- soli ihrer Veranstaltung zufrieden sein.

Wiefeck, 11. März. Nachdem die Auto- h 111 e vollendet ist, konnte sie in den letzten Tagen ihrer Bestimmung übergeben werden. Eine Verzögerung erlitt die Inhenuhungnahme da­durch, daß der Zufahrtsweg gründlich hergestellt unb chauffiert werden mußte. Nunmehr vollzieht sich die Ein- und Aus­fahrt der großen Autos ohne alle Schwierigkeiten. Die Halle ist mit alten notwendigen Erfordernissen versehen. Eine Mon­tiergrube ermöglicht ein bequemes Nachsehen der Magen und ihrer Getriebe, Wasserleitung und Anschluß an die Kanalisation erleichtern das not­wendige Reinigen derselben. Die feste Boöendecke ist aus Beton mit einer darüber gelegten starken Zementschicht hergestellt. Oberlicht und seitlich angebrachte Fenster sorgen für die notwendige Belichtung. Die räumlichen Ausmaße gestatten neben dem beanspruchten Raum für die zwei großen Wagen die bequeme Einrichtung einer Werkstatt und Unterbringung aller sonsti­gen Utensilien. Gegenwärtig ist man mit den Vorarbeiten zur Errichtung einer großen Tankanlage beschäftigt, die in unmittel­barer Nähe der Halle gebaut werden soll. Im Draunschen Saale wurde gestern abend der Film der ersten internationalen Arbeiter- Olympiade in Frankfurt, der sichDie neue Großmacht" betitelt, vorgeführt. Der Besuch war außerordentlich stark. Die hochinteressanten Auf­nahmen fanden am Schluß lebhaften Beifall.

c5 Lollar, 10. März. Am Sonntag hielt die hiesige Spar- und Darlehenskasse e. G. m. b. H. ihre diesjährige ordentliche General­versammlung unter sehr großer Beteiligung der Mitglieder ab. Nachdem der Vorsitzende des Aufsichtsrats Hofmann die Versammlung eröffnet und besonders den Vertreter des Verbandes, Ober­revisor Hartmann, Gießen, begrüßt hatte, wurde Bericht erstattet. Daraus fei folgendes hervor­gehoben: Das zweite Jahr seit Festigung unserer Währung ließ auck das hiesige Institut die Folgen spüren. Wenn aucy die Anforderungen, die an die Kasse gestellt wurden, begreiflicherweise sehr stark waren, so kann man doch mit großer Genugtuung sagen, daß diese im großen und ganzen befriedigt werden konnten. Leider geht es auch hier wie über­all, daß Baugelder als langfristige Realkredite nicht zu haben find. Die Folge davon ist, daß die Bau­handwerker den gewährten Betriebskredit stärker in Anspruch nehmen. Die Zinsen, mit denen die Kasse im Jahre 1925 arbeitete, betrugen für Einlagen 15 bis 12, zuletzt 10 Prozent und wurden im neuen Jahre auf 11 Prozent festgesetzt, Darlehen 18 bis 16, zuletzt 14 Prozent, ausschl. Provision, neuer­dings 13 Prozent zuzüglich 1 Prozent Provision. Der Vorstand genehmigte 51 Kredite. Die innere Lage der Genossenschaft ist sehr befriedigend, zeigt sich doch durch Erhöhung des Eigenkapitals, Zufluß von Spareinlagen und Einlagen auf laufende Rech­nung eine erfreuliche Kräftigung. Ganz, besonders sei erwähnt, daß die Spareinlagen, die bei der vor­jährigen Bilanz 6000 Mark betrugen, bei Jahres­ende 40 000 Mk. überschritten und heute rund 50 000 Mark betragen. In dieser Summe sind über 3000 Mark Schulspargelder enthalten. So erfreulich diese Spartätigkeit ist, so dürfte sie doch immer noch

Die tolle Herzogin.

Roman von E r n st Klein.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

13. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Das wäre nicht weiter auffallend," fuhr der Artikel fort.Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß England schon längst seinen Petroleumfrieden mit Amerika geschlossen hat und daß die beiden angel­sächsischen Weltmächte jetzt vereint auf das große Ziel losgehen, die gesamte Erdölproduktion der Welt in ihre Gewalt zu bringen. Auffallend aber ist, daß Herr Karaschin sich von London nicht wie man hätter erwarten dürfen nach Paris, sondern nach Berlin begeben hat, wo er unmittelbar nach seiner Ankunft Konferenzen mit Walter Grolmanns, dem deutschen Stahlkönig, und Direktor Fritz Röder, dem Chef des Bankhauses Röder, Darfeldt und Com­pagnie hatte Walter Grolmans hat erst im Vor­jahre die gesamte Eisenerzproduktion im Ural an sich gebracht und greift auch sonst mit seinem Riesen­unternehmen tief in das gesamte russische Wirt­schaftsleben ein. Das Bankhaus Röder, Darfeldt und Compagnie war vor dem Kriege die Vertrauens­stelle der zaristischen Regierung bei ihren internatio­nalen Geldgeschäften, und scheint auch von den neuen Herren Rußlands mit demselben Vertrauen beehrt zu werden. Wenn also Herr Karaschin von seinem Besuch bei Lord Durnham spornstreichs zu Walter Grolmans und Dr. Fritz Röder fährt, gibt das zu denken. Es ist nur die Frage, wie die französische Regiermig über diese Reisen des Herrn Karaschin denkt! Oder sollte sie bis heute keine Ahnung von ihnen gehabt haben?"

Die französische Regierung hatte schon eine Ahnung von den Reisen und Besprechungen des Herrn Sergej Karaschin. Und sie machte sich auch ihre Gedanken darüber, sehr ernste, sehr besorgte Gedanken sogar.

Das bewies die Anwesenheit des Herrn St. Au- bain in London.

9. Kapitel.

Wenn Las Valdas geglaubt hatte, Grace werde ihm bei seiner Rückkehr opferbereit in die Arme

reger in Erscheinung treten. Die Guthaben in lau­fender Rechnung stiegen im vergangenen Jahr von 13 000 auf 62 000 Mark. Die Gesamteinlagen bzw. Gutschriften unter dieser Rubrik beliefen sich auf 484 000 Mark, die Belastungen auf 463 000 Mark, gegenüber 164 000 Mark bzw. 174 000 Mark im Vorjahre. Die Zahl der Kunden in laufender Rech­nung stieg von 65 auf 100. Die Ausstände aus diesem Konto betrugen beim Jahresschluß rund 52 000 Mark in 156 Abschnitten. Hierbei sind durch­weg kleinere Posten. Zum erstenmal erschien ein neues Konto: das der Aufwertungsansprüche. Diese sind mit rund 7000 Mark ausgewiesen. Der Ueber- schuß im Betrage von 2209,80 Mark verteilt sich wie folgt: Ueberweisting an den Reservefonds 800 Mk., an den Aufwertungsfonds 200 Mk., 18 Proz. Verzinsung der eingezahlten Geschäftsanteile, der Rest an die Belriebsrücklage.

t Grünberg, 10. März. Die hiesige Be­zirkssparkasse kann für das abgelaufene Geschäftsjahr 1 925 eine recht günstige Weiterentwicklung ihres Geschäftsverkehrs feststellen. Die Zahl der Spareinlagen stieg von 565 Ende 1924 auf 954. Der Bestand an Spar­einlagen. der Ende 1924 126 000 Mk. betrug, erhöhte sich auf 344 000 Mk. Es ist mithin ein Zugang von rund 220 000 Mk. zu verzeichnen. Nach ihrer Höhe verteilen sich die Spareinlagen wie folgt: Einlagen unter 100 Mk. 307, von 100 bis 500 Ml. 486. von 500 bis 1000 Mk. 104, über 1000 Mk. 57. Die Guthaben im Kontokorrent­verkehr betrugen am 30. Dezember 1925 115 230 Mark. Der Gesamtumsatz belief sich auf rund 6 650 000 Mk. Die eingehenden Gelder gelangten ausnahmslos innerhalb des Sparka'sebez'.rks zur Ausleihung. Ausgeliehen waren am Jahresende 547 825 Mk. Diese Entwicklung ist ein erfreuliches Zeichen tmedererwachenden Sparsinns, sie ist um so mehr als günstig zu bezeichnen, als die wirtschaftlichen Verhältnisse im abgelaufenen Jahr im Sparkassebezirk recht ungünstig waren. Das Notstandsjahr 1924 kam erst in 1925 für die Landwirtschaft richtig zur Auswirkung, und es war einem großen Teil der Einwohnerschaft nicht möglich, Rücklagen zu machen, da die Ab­deckung der Notstandskredite, Steuern und sonstige Ausgaben ihre Mittel in Anspruch nahmen. Eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, auf die wir hoffen müssen, wird es auch diesen Kreisen möglich machen, sich Rücklagen durch Spareinlagen zu schaffen, um in Zeiten der Not auf diese zurückgreifen zu können.

Kreis Kricdbcrg.

_ Bad-Nauheim, 10. März. Unter dem Vorsitz von Kolonnenführer Heinrich Stamm hielt die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ihre sehr stark besuchte Hauptversammlung ab. Der Bericht des Vor­sitzenden hob den glänzenden Verlauf des sieben­ten Hessischen Kolonnentages, der hier stattfand, besonders hervor, außerdem den im Oktober nach Gießen zur Besichtigung der Kliniken unter­nommenen Lehrausflug. Unter lebhaftem Bei­fall wurde Oberbademeister Kissel seiner Ver­dienste um das Rote Kreuz wegen zum Ehren­mitglied ernannt. 58 Krankentransporte wur­den im abgelaufenen Jahr von der Kolonne ausgeführt, davon 22 nach auswärts. Erste Hilfe konnte in 15 Fällen geleistet werden. Beschlossen wurde, am 9. Mai gemeinsam mit den Kolonnen Gießen, Friedberg und Lich eine grö­ßere Hebung in Butzbach abzuhalten, wo­selbst die darniederliegende Kolonne wieder zu neuer Tätigkeit angeregt werden soll. Bei dieser Gelegenheit soll gleichzeitig die Besichtigung ge­nannter Kolonnen durch den Inspekteur für die Provinz Oberhessen, Dr. Gros, Gießen, erfolgen. Eine vorbereitende Besprechung der Kolonnen- sührer von Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim und Lich findet kommenden Sonntag in Butzbach statt. Die hiesige Kolonne, die zur Zeit 60 aktive und übet 200 unterstützende Mitglieder zählt und außerdem auch über einen Iungzug verfügt, hat unter der aufopfernden Tätigkeit des Ko­lonnenarztes. San.-Rat. Dr. Hahn, in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung ge­nommen.

WEN. Bad-Nauheim, 10. März. Am Samstag wurden hier zwei 18jährige Bur­schen aus Dahl (Westfalen) fest genommen. Sie hatten sich mit der Angabe von zu Hause entfernt, zur Fremdenlegion gehen zu wol­len. Ein Beauftragter der Eltern, auf deren Veranlassung die Festnahme erfolgte, holte die Abenteuerlustigen hier ab und beförderte sie

fallen, so hatte sich dieser erfahrene Stratege auf dem Gebiete der Liebeskunst gründlich geirrt.

Er war am Abend in Burnham Tower einge­troffen, einige Stunden, nachdem Lord Burnham selbst zurückgekehrt war. Das Diner war bereits vor­über und der Tanz im kleinen Salon in vollem Gange, als das Auto des Portugiesen an der Rampe des Schlosses vorfuhr. Der Butler nahm ihn in Empfang, geleitete ihn mit der englischen Butlern angeborenen Feierlichkeit zu seinem Appartement und meldete ihm, feine Lordschaft befinde sich in der Bibliothek, wo er bereits das Spiel begonnen; Lady Grace wünsche dem Herrn Grafen einen recht guten Appetit und erwarte ihn nachher im Tanzsalon.

Las Valdas biß sich auf die Lippen.

Doch noch größer war feine Enttäuschung, als er, nachdem er einen hastigen Imbiß zu sich ge­nommen und sich umgekleidet hatte, in den Salon kam. Lady Grace schwebte gerade am Arm eines Tänzers vorüber, als er eintrat. Sie winkte ihm kurz, beinahe herablassend, zu das war alles. Ließ ihn an der Tür stehen und, innerlich kochend vor Wut, mußte er warten, bis Miß Elliot die Finger von den Tasten sinken ließ, und der Tanz zu Ende war. Dann erst durste er Ihrer Ladyship die Hand küssen.

Ich hatte einen anderen Empfang erwartet, Lady Grace", konnte er sich nicht enthalten, ihr zuzuflüstern.

Wirklich?"

Haben Sie oergesfen, was Sic mir schrieben, Grace?"

Seine Augen suchten bie_ ihrigen, drohend gebieterisch. Aber hier im Salon, inmitten ihrer lachenden, schwatzenden Gäste fühlte sie sich sicher. Sie wollte ihr Spiel staben, ihr Amüsement, ihren britischen Flirt. Es war doch zu hübsch, mit dieser südländischen Leidenschaft Katze und Maus zu spielen.

Blicken Sie mich nicht so an!" lächelte sie. Jeder Ihrer Blicke wird von meinen intimen Freundinnen auf Dauer und Intensität kontrolliert. Ich wette, meine Schulfreundin Betsy Murton hört ganz genau, was Sie sprechen, obwohl sie gerade an der ärgeren Seite des «aales sich von Ralph Stanton den Hof machen läßt. Betsy hört mit den 21 Ligen!"

wieder in ihre Heimat. Seit einigen Tagen treiben hier verschiedene Schwindler ihr Un­wesen. Eine etwa 25jährige Frauens­person erschwindelte bei Metzgern und sonsti­gen Geschäftsleuten aus den Namen eines hie­sigen Villenbesihers Waren aller Art. Ferner hat ein etwa 20 b i s 22jähriger junger Mann verschiedentlich versucht, unberechtigter­weise Gebühren für Hausmüllabfuhr einzukas-- fieren. Quittungen Über bezahlte Beträge stellte er aus gewöhnlichem Notizblockpapier aus. Vor dem Schwindlerpaar, das vermutlich auch ander­weitig versuchen wird, in ähnlicher Weise zu arbeiten", wird nachdrücklichst getoamt.

Ober-Mörlen, 10. März. Unter im November im vierten Wahlgang gewählter neuer Bürgermeister A. E. Schmidt wird am 12. d. Mts. in sein Amt eingeführt. Damit hat der feit Juli tobende Kampf um das Bürgermeisteramt, worüber wir wiederholt be­richtet haben, sein Ende erreicht.

Kreis Büdingen.

?" Nidda, 10. März. Die holländi­schen Milliarden erb schäften erhitzen bereits seit Jahr und Tag die Gemüter der Rheinhessen und führten eine große Ge­meinde zusammen, die sich an einer Hoffnung auf ungezählte Glücksgüter, die ihr mühelos in den Schoß fallen sollen, erwärmt. Jetzt beginnt man auch in Oberhessen, die trüben Hofsnungs- lämpchen anzuzünden. Hier handelt es sich um den großen Nachlaß des Feldmarschalls Paul Würz, eines gebürtigen Schleswigers, der in holländi­schen Diensten gegen Ludwig XIV. kämpfte. Da der Name Würz auch in unserer Gegend ziemlich häufig vorkommt, hat man einen Ausschuß gebildet, der die Angelegenheit klären und evtl, die Interessen Erbberecht gter vertreten soll. Die Träger des angegebenen Namens werden natür­lich gut tun, mit einer großen Portion Hoff­nungslosigkeit der fragwürdigen Erbschaftsan gelegenheil gegenüberzu­treten.

Unter-Schmitten. 10 März. Der Betrieb der Staffelschen Papier­fabrik, der Mitte Januar stillgelegt wurde, ruht noch immer. Die Hoffnung, durch größere Aufträge aus Amerika die Arbeit in vollem Umfang wieder aufnehmen zu können, hat sich bis jetzt noch nicht erfüllt. Die arbeitslos Gewordenen, die sich etwa mit je 30 auf die Orte Ulfa, Ober- und Unter-Schmitten verteilen, wer­den, soweit es sich um männliche Arbeitskräfte handelt, zum großen Teil von den Gemeinden beschäft gt. Der Wegebau in den Gemarkungen der in der Kriegs- und Nachkriegszeit stark ver­nachlässigt wurde, tonnte ja viel starke Arme beschäftigen und die Notzeit der Arbeiter mil­dern, aber die Gemeinden sind an ihre geldlichen Mittel gebunden.

th. Leidhecken, 10. März. Infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage lassen die Müller der südöstlichen 5Betteruu fast in allen Orten bekannt­machen, daß sie an einem der nächsten Tage durchs Dorf fahren, um neue Kundschaft zu er­werben und Mahlfrucht aufzuladen; sie geben durch­schnittlich für 200 Pfund Weizen 130 Pfund Mehl und etliche 40 Pfund Kleie. Es ist schon lange her, daß der Müller regelmäßig in den Ort kam. Seither mußte alle Frucht hingebracht werden. Auch ein Zeichen der Zeit!

Kreis Scholten.

Ig. Gedern, 10. März. Dieser Tage fand im Reichertschen Gasthaus eine Versammlung der Gruppe Handel des neugegründeten Ver­eins sürHandelundGewerbe statt. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Vor­standswahl. Diese ergab folgende Zusammen­setzung des Vorstandes: 1. Vorsitzender: Jean Oberheim, 2. Vorsitzender: Berthold Simon, Schriftführer Willi Limpert, Rechner: Max Homburger. Weiterhin wurde der Beschluß gefaßt, in Telephonangelegenheiten eine Eingabe an das hiesige Postamt zu machen. Der Beitrag wurde auf 20 Pfennig pro Monat festgesetzt. Mit der Ausarbeitung der Satzungen wurde eine Kommission beauftragt. Dem neuen Verein traten sofort 30 Mitglieder bei . Auch hier beobachtete man am Freitagabend gegen 8 älhr den von vielen Orten gemeldeten Feuer­schein, der gar manchen Beobachter einen Brand in der weiteren Umgebung vermuten lieh. Es war ein schönes Naturschauspiel, welches das Firmament in verschiedenfarbigen Lichtstrahlen von großer Ausdehnung erglänzen lieh. In-

Jch muß Sie sprechen!" stieß er zwischen den Zähnen hervor.

Ich beschwöre Sie, Gras, rollen Sie nicht so dromatische Augen! Kommen Sie, setzen Sie sich jetzt hübsch artig ans Klavier; morgen dürfen Sie mich wieder auf meinem Spazierritt gu den Klippen begleiten."

Und als Triumphatorin führte sie ihn an den Flügel. Tosender Beifall begrüßte ihn.

Doch aus dem Spazierritt wurde nichts; denn am nächsten Morgen, gerade als sich die sportfreu­dige Gemeinde in der Hall sammelte, fuhr dröh­nend und stampfend ein stolzer Viererzug die Rampe herauf. Mit lautem Jubelruf stürzte Grace herbei, um die junge Frau zu begrüßen, die auf dem hohen Kutschbock saß und mit sicherer Hand ihre schäumenden, schnaubenden Hannoveraner vor dem Tore parierte. Das war Gloria, Herzogin von Sainsbury, Graces Schwester in England be­kannt, berühmt und belächelt als dietolle Her­zogin".

Gloria, Lord Burnhams älteste Tochter, hatte nach dem Kriege Edward Percy, neunten Herzog von Sainsbury, geheiratet, den direkten Nachkom­men jenes William Percy, der mit Wilhelm dem Eroberer nach England kam, und aus dessen Stamm dann später die Grafen und Herzöge von Northum- berland hervorgingen. Die Sainsbury-Linie zweigte von den Northumberkand im fünfzehnten Jahrhun­dert ab und begründete ein eigenes großes Macht­bereich an der schottischen Grenze, wo Henry, der erste Graf von Sainsbury, sich in den Cheviot Hills ein festes Schloß baute: «ainsbury Castle wurde im Laufe der nächsten beiden Jahrhunderte der Mittel­punkt einer gewaltigen Herrschaft, die sogar eine Zeitlang den Glanz der Northumberlands verdun­kelte. Doch im siebzehnten Jahrhundert kam das Unglück über das stolze Geschlecht. Nicht etwa durch politische Ereignisse ober unsinnige Verschwörungen, sondern durch die charmante Gestalt der Prinzessin Jacobina Odespini, die sich Herzog Henry als Ehe- gifponfin aus Italien mitbrachte. Die leichtlebige, heißblütige Italienerin verdarb die schöne, gleich­mäßige Aufzucht der Sainsbury, deren stockbriti­sches, zähes Blut die Fusion mit dem dünnflüssige­ren italienischen nicht vertrug. Aeußerlich zeitigte

zwischen hat tue Landessternwarte auf dem Königsstuhl bei Heidelberg die rätselhafte Natur- erscheinung als das in unseren Regionen seltene Nordlicht gedeutet.

XU Einartshausen, 10. März. Im Einverständnis mit dem Minister des Imiern wurde die hiesige Gemeindejagd dem seit­herigen Pächter Friedrich Schmitt aut dem ScheUnhos für wertere 6 Jahre zum Preise von 500 Rm. überlassen. In nächster Zeit wird Der hiesige Lehrer Wilhelm Alles seinen Wir kungsort verlassen, um nach Ober-Widders- Heim, seinem neuen Dienst ort, überzusiedeln. Nur ungern sieht man ihn scheiden. Denn er war ein ruhiger, besonnener Mann, der das Wesen der Landbevölkerung kannte und achtete. Heber 8 Jahre wirkte er hier. Er war Dirigent des Ge- sangvereiiis und eifriger Förderer des Klein­kaliber-Schützenvereins.

X!X Betzenrod, 10. März. Die hiesige Jagd wurde in zwei Abteilungen verpachtet. Höchstbieten- der war im Bezirk I Öouis Süße! in Schotten mit 505 Mt., im Bezirk II Chr. Rausch, Ober seemerhof, mit 495 Mk.

X'-X Gonterskirchen, 10. März. Die Gonterskirchener Jagd hat der Graf zu Lau b a ch für 1440 Mk. für 6 Jahre gepachtet.

Kreis Lauterbach.

Schlitz, 10. März. Der Gesangswett- streit, den der GesangvereinHarmonisches Kränzchen" aus Anlaß seines 80jährigen Be­stehens am 4. Juli veranstalten wird, ist nun endgültig gesichert Am Sonntag fand hier der Delegiertentag statt. 25 Vereine werden sich an dem Wettstreit beteiligen.

Starkenburg.

WSN. Darmstadt, 10. März. Bei einer hiesigen Betriebskrankenkasse sollen be­trächtliche Unregelmäßigkeiten aufgedeckt worden sein. Man spricht von etwa 8 00 0 M. Unterschlagungen.

* Darmstadt, 10. März. Die Beschluß­kammer des Landgerichts hat gegen den Studenten M e o n aus Bensheim, der öic Stutze Anna ©illmann getötet hat, das Hauptver­fahren wegen Mordes eröffnet. Das Gut­achten des Amtsarztes Dr. V i x bezeichnet den Angeklagten als zurechnungsfähig. Aus Antrag des Staatsanwalts und des Verteidigers wird aber noch ein Gutachten des bekannten sexualpathologischen Sachverständigen Sanitäts- rat Dr. Magnus H i r s ch f e 1 d in Berlin ein­geholt. Aus diesem Grunde wird die Verhand­lung gegen Meon wieder hinausgescho- b en; wahrscheinlich wird dieser Fall in Der nächsten Tagung des Schwurgerichts im April oder Mai verhandelt.

Preußen.

Kreis Marburg.

WSN. Marburg, 10. März. Den Nachfor­schungen der Polizei ist es gelungen, festzustellen, daß Die im Walde bei Riebelsdorf erhängt ausgefundene Dienstmagd K. aller Wahrschein­lichkeit nach ermordet und von dem Täter, um den Verdacht von sich abzulenken, in die Stellung einer Selbstmörderin gebracht worden ist. Als Täter kommt der 21jährige Landwirtssohn Sch. in Frage, der bereits verhaftet wurde. Sch. wurde in das Untersuchungsgefängnis in Marburg eingelie- sert. Sch. hatte mit der Dienstmagd seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis, das nicht ohne Folgen bleiben sollte.

Dittkrcis.

WSN. H a i g e r, 1. März. Die Basalt- i n d u st r i e, die seit dem Herbst arg darnieder- liegt, scheint sich jetzt wieder zu beleben. In verschiedenen Betrieben in der Nähe von Herdorf sind im Laufe dieses Monats Arbeiter ein­gestellt worden. Wie man hört, sollen gegen­wärtig Absatzmöglichkeiten bestehen, und man rech­net mit weiteren Neueinstellungen.

WSN. Herborn, 10. März. Gestern nach­mittag verunglückte infolge einer Panne am rechten Hinterrad in der Nähe von Burg ein Limburger G e sch ä f t s a u t o. Das Rad löste sich schließlich vom Wagen, der sich überschlug und in den Chausseegraben stürzte. Der Führer flog durch die Glasscheibe und wurde erheblich ver­letzt, ein im Wagen befindlicher Herr kam mit heilen Gliedmaßen davon. Der Chauffeur wurde dem Herborner Krankenhause zugeführt.

«MfTWIl» !>IUI 11 H icaoull I Hl B diese Kreuzung zwar prächtige Resultate. Die Sainsbury waren bis dahin alles breite, beinahe vierschrötige Gesellen gewesen, echte, biedere, kreuz­brave Grenzer, die zwar einem Humpen Ale und einem gezogenen Schwert nicht aus dem Wege gin­gen, ansonsten aber gute Hauswirte und solide Ehe­männer, wahre Mustergatten waren. Mit George, dem Sohne der schönen Jacobina, sing das Malheur an. Er war nicht mehr, wie sein Vater, keltisch, rot­blond und breitschultrig, sondern schlank und dunkel­braun. Statt der etwas wäffrig-grauen Sainsbury- Augen hatte er die weichen, übermütig-dunklen der Odespini. Er heiratete sehr spät, nachdem er sich in der ganzen Welt herumgetrieben hatte, und kam auch als Vater verheirateter Söhne und Töchter aus den ewigen Weibergeschichten nicht heraus. Alle seine Nachkommen, männliche wie weibliche, schlu­gen in dieselbe Kerbe. Die Männer wurden Spieler, Raufbolde und Schürzenjäger, die Frauen ftolperien in ihrer Jugend fortwährend auf dem rauhen Pfade der Tugend und endeten im Alter als Betschwestern. Der Teufel hatte nun einmal das ehedem so stolze und geachtete Geschlecht in den Klauen und schleifte es immer näher an den Abgrund heran. Dabei waren die Sainsbury als echte Teufelsschüler alle durch die Bank schöne und liebenswürdige Men­schen, ebenso gefährlich für ihre Mitmenschen wie für sich selber. Edward Percy, der neunte Herzog von Sainsbury, galt als der schönste Mann Eng­lands doch als Gloria Burnham ihm ihre kleine, feste Hand reichte, besaß er von der stolzen Herrlich­keit seines Hause snur noch das alte, halb verfallene Stammschloß in den Cheviot Hills und die Fische rechte im Tweed, alles andere war ihm unter den Händen entglitten.

Die hunderttausend Pfund, die Gloria mit in die Ehe brachte, reichten gerade dazu, um die Schul­den zu bezahlen, die sein Vater hinterlassen hatte, und um Sainsbury Castle gründlichst auszubessern. Als dieses große Werk vollendet war, legte sich Ed­ward Sainsbury mit einer Lungenentzündung zu Bett und verließ es nur, um in Sainsbury Church an der Seite seiner Ahnen zur ewigen Ruhe be­stattet zu werden. Dreiundzwanzig Jahre war Gloria alt, als sie mit ihrem einjährigen Söhnchen zurückblieb.

(Fortsetzung folgt.)