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,, , Volkswirtschaft so brmgcnb benötigte Import von Jnfrustriewarcn jeglicher Ark, besonders von Maschinen, Werkzeugen, Textilien usw. ließ den Ruf noch Krediten immer lauter werden. Eine ausreichende Hilfe zur Durchführung der russischen Importpläne und der Befriedigung der dringenden Bedürfnisie konnte aber dieser 100-Mil- lionen-Kredit schon aus dem Grunde nicht gewähren,
In der Tat hat auch Frankreich allen Grrmv anzunehmen, daß eines Tages von irgendeiner Seite her, vielleicht sogar von seinem englischen Alliierten aus dem Weltkrieg, eine Aktion eingeleitet wird, die französische Vorherrschaft in der Luft zu z e r st ö r e n. Frankreich dürfte, wenn es heute in einen Krieg eintritt, nach den Angaben des über die französische Fliegerei sehr gut unterrichteten amerikanischen Kapitäns Fonck nicht weniger als 25 000 Kampf- und Bombenflugzeuge an die Front senden können, für deren Bedienung insgesamt 100 000 Mann ausgebildet find. Vor allem ist aber auch die französische Flugzeugindustrie gegen die Aufhebung der Baubeschränkungen. Sie fürchtet die d e u t s ch e Konkurrenz, die aber schon seit langem im Auslande Fabriken unterhält und dort nach freiem Ermessen baut, so daß eine weitere Aufrechterhaltung der Bestimmungen des Londoner Ultimatums schon dadurch hinfällig wird. Dagegen besteht auch bei den französischen Fluggesellschaften starke Steigung, mit uns zu Rande zu kommen, weil sie nicht eher den auch für sie gewinnbringenden Flugverkehr mit Deutschland aufnehmen können, bevor nicht die Frecheit der deutschen Luftfahrt wieder hergestellt ist. Deutschland kann ein Ueberfliegen seines Gebietes nur gestatten, wenn sein Flugwesen dieselben Rechte genießt, wie das seiner Nachbarstaaten. Unsere Nachbarn haben ein reges Interesse daran, über Deutschland hinwegfliegen zu dürfen, sie werden sich also jetzt in Paris dafür einsetzen müssen, daß die Begriffsbestimmungen und Baubeschränkungen verschwinden.
seines Organs zur Geltung kommen konnte, im ersten und letzten Akt. Infolge nasaler Führung des Tones konnte sich die letzte Hohe nicht voll erschließen. Die lyrischen Szenen des dritten Aktes (Cavatine, Liebesduett) sang er recht wirkungsvoll.
Walter Schneiders Mephistopheles ließ einen bei seinem Sang vom goldenen Kalb erschaudern. Jede Handbewegung, jede Miene, jeder Ton war teuflisch-echt und voll aller« stärkster dramatischer Wucht: in der Kirchenszene, in der grotesken Serenade: als wär er gerade aus der Hölle gekommen.
Lena Döhnecker als Siebel erfreute durch die Frische ihrer Stimme und den Einschlag von echter Sentinventalität. Betty Mergler bot als Marthe Schwertlein ein Kabinettstück, und an denr Gelingen der Gartenszene mit dem wechselne- den Spiel der Paare hatte sie großen Anteil.
Der Chor hielt sich recht tapfer und hob besonders im vierten Mt die Kraft der Szene.
Die Spielleitung h.'tte geschmackvolle Szenenbilder geschaffen, die in ihrer Stilechtheit sich von dem Opernpomp vieler Bühnen vorteilhaft abhoben: insbesondere war die Handhabung der Beleuchtung recht geschickt und wirkungsvoll.
Der Orchestertlang war ausgeglichen und gesattrgt: die einzelnen Solcsti.nmen l isteten Her- vorr 'gendes, bcs nders die Hörner. Kapellmeister Bruno Hart l ließ so manches sich neu beleben, was durch oftmaliges Hören hatte verblassen können.
Die Theaterleitung kann auch diese Aufführung als vollen Erfolg für ihre Umsicht und ihren künstlerischen Willen buchen.
. - das Publikum sollte sich zu Beginn hu.mtli.cher einfmden. Wäre es nicht angebracht, wahr«u> der Ouvertüre die Türen geschlossen
3 t Es an anderen Orten üblich 1 Zuspätkommende würden sich den Dank vieler erwerben, wenn sie zu geeigneter Zeit ihren auffuchen würden, und nicht während des Tprels. —in—
Anstellungsaussichten in der Türkei.
Bon einem seiner Mitarbeiter in der Türkei — einem deutschen Handwerker — sind dem Deutschen Ausland-Institut vor kurzem die nachstehenden Mitteilungen zugegangen. Sie sind in jeder Hinsicht sachlich gehalten und dürften auch insbesondere deswegen, weil die türkische Republik mit zu den Auslandgebieten zählt, für die in den Kreisen unserer Auswanderungswilligen besonderes Interesse vorhanden ist, einer eingehenden Beachtung wert sein.
„In Staatsbetrieben, z. B. bei der Militareifenbahn, sowie bei Grubenunternehmungen eine Anstellung zu erhalten, ist sehr schwer, wenn nicht überhaupt unmöglich. Der Maschinenbau. die Optik und Feinmechanik bieten auch für Elektrotechniker kaum Erwerbsnwglich- keiten. _ Es werden Wohl ab und zu einige Posten frei, für die dann aber gleich mehrere ortsan- säffige Bewerber vorhanden sind. Die Bezahlung beträgt durchschnittlich 80—100 türk. Pfund ohne Kost und Zimmer. Dauschlosser und Schmiede können an den Reubauten Arbeit finden, doch ist die Rachfrage nach solchen Kräften sehr schwach. Die Durchschnitts löhne schwanken zwischen 4—5 türk. Pfund für den Lag. Am besten liegen die Arbmts- und Lohnverhältnisse für Maurer und Zimmerleute; diese verdienen durchschnittlich 6 türk. Pfund Tageslohn. Angora weist wieder eine ziemlich rege Bautätigkeit auf, an der auch bekannte deutsch« Unternehmen stark beteillgt sind. Als nicht befriedigend muß die ArbeitSmarVlage in Konstantinopel bezeichnet werden. Zwei türk. Pfund sind dort schon ein ganz guter Verdienst. Die Lebensverhältnisse in der Türvei sind ungefähr folgende: In Angora wie auch in den anderen Städten bezahlt man in einem Hotel (d. h., was man hier Hotel nennt) fünfzig Piaster täglich, muh dann aber mit 3—4 anderen Personen zusammen wohnen. Für ein Privatzimnrer, wenn man ein solches findet, sind 15—20 türk. Pfund monatlich im voraus zu bezahlen — aber ohne Möbel und ohne Bett. Die Kosten der Verpflegung betragen, wenn man einigermaßen als Europäer leben will, etwa 1—P /. türk. Pfund täglich.
Es kommen viele nach Konstantinopel, denen gerade das Geld bis dort reicht; sie müssen dann ein sehr entbehrungsreiches Leben führen. Es ist vielfach eine reine Glückssache, Arbeit zu finden, zumal wenn keine genügenden Gelder vorhanden sind, um, falls nötig, weiter zu reisen. Rur sehr wenige Firmen kommen für die Reisekosten auf, da viele von ihnen mit den Arbeit-
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Diese Entschließung wurde fast einstimmig gegen einige Angehörige der Linksparteien angenommen und darauf die Versammlung geschlossen.
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Eine Kundgebung der rhein- hessischen Winzer.
WSR. Mainz, 10. März. In der Stadthalle fand heute nachmittag eine große Steuer- protestkundgebung statt, an der etwa 12 0 0 0 Landwirte, Winzer und Weinhändler teilnahmen. Der große Saal konnte die Teilnehmer nicht fassen, uni> es muhte eine Paralellversammlung unter freiem Himmel im Stadthallengarten stattfinden. Es waren folgende Organisationen vertreten: Hessischer Weinbauernverband, Hessischer Weinhändlerverein, Vereinigte Sektindustrie, Rheingauer Wein- bauverbarrd, Rheiygauer Weinhändlerverband, Hessisch ?r Baue mV e rein und Freie Rheinhessische Dau.rnschaft. Als R:dner traten auf der Vorsitzende oer Freien Bauernschaft Mossel- Marienborn, Kommerzienrat S i t t m a n n » Oppenheim, Konsul Heinrich- Mainz für den rheinhess. Weinhandel, Bürgermeister Hirschmann- Mittelh dm und Weinhändler Ruthe- Wiesbaden für den Rheingauer Weinhändel. Die am Schlüsse der Versammlung von dem Hauptgeschäftsführer der Freien Bauernschaft Seckl- Gonsenheim verlesene Entschließung fand stürmische Annahme. Sie gipfelte in den Forderungen: Größte Sparsamkeit in Reich und Lau- derir, Aenderung der Steuergesetzgebung, restlose Beseitigung der Wein- und Schaumweinsteuer, eine Zollpolitik, die die Ernährung des deutfchen Volles mit deutschen Produktionen garantiert, baldige Wiederherstellung der Realkredite, weit- gehendste Vereinfachung der Steuergesetzgebung, sowie Festlegung des Existenzminimums für den Landwirt, Protest gegen das Gemeindeselbstbestimmungsrecht, Umgestaltung der sozialen Fürsorge und endlich Umgestaltung des Reichswirtschaftsrates in ein dem Reichstag gleichgeartetes Wirtschaftsparlament. Rach der Kundgebung #>gen die Teilnehmer in langen Demonstrationszügen unter Dorantragen von schwarzen Fahnen und mit Schildern, die ihre Forderungen zum Ausdruck brachten, ab. Der Zug bewegte sich durch alle Straßen der Stadt und verlief ohne Störung.
Gießener Stadttheater.
Frankfurter Operrrgaftspiel: „Margarethe".
Es würde eine verfehlte Einstellung sein, Gvunods Oper „Faust" mit Goethes Menschheits- tragödie in Vergleich zu setzen und sie von diesem Gesichtspunkte aus werten zu wollen. Gvunods Werk ist eben eine „grotze Oper": eine Gattung, die auf französischem Boden die stärkste Blüte trecken konnte. Richt Goethes philosophisches Rmgen, seine Lebenssyrubolik hatten die De° arberter des Textes angTgogen — sondern nur einzig allein die Handlung, so, wie sie dem französischen Geiste zusagt er: das Gretchen-Drama And wenn man die Brücke, zwischen beiden Werken von der Völkerpsychologie aus schlägt, da wurde sich gerade an diesen beiden Werken das gegensätzliche Empfinden, Denken und Gestalten der beiden Rationen am allerklarsten Zeigen. Denn Gvunods „ Faust" oder besser Margarethe', wce man das Werk in Deutschland im Gegensatz zu Goethes Dichtung genannt hat, ist eben für Frankreich ein durchaus nationales Werk geworden: vielleicht Mr eine ganze Epoche der Inbegriff französischer Musik.
Diese Musik ist als Kind ihrer Zeit dem Theater entwachsen, und will die theatralische Handlung begleiten, naiv emvfindsnd, ohne myA- fche Reflektionen, sie will uicht Menschheitsprobleme ergründen, sondern durch den Reichtum ihrer Melodie gefallen.
Gewiß mag Gvunods Melodie uns vom germanischen Empfinden aus nickt immer tiefgründig erscheinen, denn bei jedem ilrteil schwingt doch immer wieder, wenn auch vnbewuht, das Erleben des deutschen Faust mit. Vermag man sich aber für die Aufnahme des Werkes völlig limzustellen, so wirb die musikalische Fülle sich ganz erschließen, und dann mtro das Werk uns als eine geschlossene einheitliche Leistung zwischen den raffiniert gewandten Textdichtern und der
hafte klang auch noch in öen ersten Szenen des dritten Aktes durch, aber schon regt sich das unbewußte Ahnen des Erblühens. Roch ganz mädchenhaft im „König von Thule", so schlicht, einfach, irmig, unberührt. Doch so bald erwacht in ihr das Weibliche beim Erblicken des Schnruck- kästchens. Mit einem Wale tritt aus der bisher so verschlossenen Mädcheiistimme em anderer Klang hervor, ein Wille zum Blühen: in der Iuwelenarie die Knospe am Aufbrechen.
Uiti) nun entfaltet sie sich in der Szene mit zur Blüte. Roch klingt aber mädchenhaftes Zagen durch. Mondscheinseligkeit . . . And erst in der Einsamkeit wird sie sich ihrer selbst bewußt, da erfaßt sie der Taumel ihres Glücks: das Well' erwacht, ein sehnendes Verlangen nach dem Geliebten.
3n der Kirchenszene — dieses Zerknirschtsein, oiefc wachsende Seelennot. Welch seliges Er- Efn an die unschuldige Kindheit, dann^ welches Erschaudern, welche Seelenqual beim Wachrufen des Schuldbewußtseins durch Mephistopheles. Das Zusammenbrechen bei dem „Verdammt" und an der Leiche des Bruders.
Und wieder im Kerker — dieses Schweben zwischen glückseliger Erinnerung und dem Entsetzen vor Mephistopheles: das Grauen vor dem Geliebten: die verzückte Verklärung. Der an sich wenig dankbaren Rolle des Valentin nahm sich Adolf Perm an n warm an. Im Gebet, »ich immer gleichbleibend, der gediegene Belcantosanger, in der Zweitämpfszene, im Sterben lebenswahr in der Darstellung. Was Viorica ^sanglich und darstellerisch gab, laßt sich mit Worten schlechthin nicht fasten. Das war das Seelendrama Gretchens.
Das Heldisch-Ringende des Faust hat bei Gounod einen starken chrischen Einschlag erhalten. Dem entsprechen die stimmlichen Anforderungen: u. a. ein crescendofähiges hohes „C“ in der Cavatine. Die dramatische Kraft der Gestalt buht dadurch ein, baß die Initiative zum Handeln bei Mephistopheles liegt. Adolf Iäger war da am stärksten, wo das Durchschlagende
Der 300-Millronen-Kredit an Rußland.
Don unserem P^Mitarbeiter.
Berlin, Anfang März.
Die deuffche Wirtschaft steht im Zeichen der beginnenden östlichen Orientierung. In führenden politischen und wirtschaftlichen Kreisen steht der deutsche 300-Millionen-Kredit an die Sowjetunion zur Belebung chres Wiederaufbaus im Mittelpunkt des Interesses. Jetzt, nachdem diese deutsch-russische Kreditaktion in ihren wesentlichsten Zügen feststeht, dürfte es angebracht sein, einiges über btc Vorgeschichte dieser und ähnlicher Verhandlungen zwischen Deuffchland und Rußland zu sagen. Bereits im Jahre 1923 kam ein Kreditabkommen, jedoch wesentlich oeringeren Ausmaßes, zum Zweck der Finanzierung des Austausches von russischem Getreide gegen deutsche Jndustrieerzeugnisse zustande, ohne daß diese Kreditmaßnahmen einen bedeutenden Einfluß auf die deutsch-russischen Wirischafts- rbeziehungen ausgeübt hätten. Von großer Bedeutung für beide Teile war der im Oktober 1925 zwischen der Deutschen Bank und der Reichskreditgesell- chaft A.-G. einerseits und der Russischen Staatsbank ' ndererseits abgeschlossene Vertrag, der einen 100= stillionen-Kredit für die Sowjetunion oorsah, wel- ber zu 75 Prozent feilens der deutschen Banken lnd zu 25 Prozent von feiten der deutschen Industrie- und Handelsfirmen getragen wurde. Erst- nalig wurde hier der Versuch gemacht, das russische Geschäft in größerem Maßstäbe von Deutschland tus zu finanzieren und so einer der Hauptbcstre- bungen der deutschen Wirtschaft nach Gewinnung neuer Absatzmärkte weitiD öglichst entgegenzukommen. Zugleich ermöglichte diese Kreditaktion den Rusten ne Durchführung ihres umfangreichen Importprogramms, das ohnedem infolge des Scheiterns der russischen Hoffnungen auf einen großen und umfangreichen Getreideexporä im Wirtschaftsjahr 1925— 926 gewaltige Streichungen hätte erfahren müssen.
mit Theaterinstinkt geschaffenen Musik erscheinen. Dann wirb das Werk seine Kraft und somit feine Wirkung (darauf kommt es ja bei den Romanen an) zu jeder Zell erweise::.
And Gvunods Musik ist ja nicht ohne Ein- ,^kf das deutsche Openrschaffen geblieben. Es ließe sich eine ganze Reihe von melodischen Elementen, die von Gounod ausgehen, auch in o ilt rU-^<^clt OHüsll Nachweisen: von der großen Zahl seiner bewußten Rachfolger in romanischen xäni>em ganz zu schweigen. In der Ausnutzung der technischen Mittel der Musik, in der Instrumentation, in der Behandlung der gesanglichen Lmie hat er Vollkommenes gegeben, so daß fein Orchester, obwohl unsere Ohren durch die Riesen- llan^örper stark beeinflußt sind, noch heute in orudK, Harb? und Sättigung des Klanges un- verblaht dasteht: noch heute kann der Sänger sich bei ihm nach den Kraftforderungen des modernen Musikdranras in der Beherrschung des Gesanges als Gesang, in der Gestaltung der charakteristischen melodischen Linie zeigen.
Tritt der deutsche Künstler diesem Werk gegenüber, so wird bei ihm das Mitschwingen des stofflichen Urgrundes ferne Darstellung wesentlich von der des Romanen unterscheiden: bei letzterem Theater, bei ihm eine mystische Vergeistigung romanischer Theatralik. Das wird man stets feststellen können, wenn man dies Werk einmal nur von Romanen dargestellt sieht.
Der Geist des Werk->s wird uns iricht ergreifen können, wenn sich die Darstellenden nicht des Mittels bedtenen, in dem es geäußert ist, cn der Kunst des Belcanto. Gounods Melodik erfordert den schönen Gesang, aus ihm heraus tst sie entsprossen. Daraus ersteht eine Forde- run$ für den Darsteller, die restlos erfüllt sein mich, wenn er dem Werte voll Genüge leisten etwa, daß die Darstellung nur in stunmltcher Virtuosität gipfeln soll, aber als ^Eel zum Zweck ist der Belcanto unerläßlich.
Vwrica A r s u l e a c trat bei der ersten De- geMtung Faust keusch-zurückhaltend entgegen; raxp ganz Kind, eine Knospe. Dieses Knospen
nr, me Die Existenz des Staates in Frage stellt | Der für die russische Volkswirtschaft so dringend und brellestc Devölkerungsschichten zur Der- **-“A------- — ----------
zweiflung treibt, sowie der Regierungsmehrheit des Landtaas sprechen wir jedes Vertrauen ab.
da er einmal viel zu klein und dann vor allem zu kurzfristig war, um größere Jnftallationskäufe zu tätigen. Ein Land wie die Sowjetunion, das in überragender Weise agrarisch eingestellt ist, bedarf naturgemäß vornehmlich langfristiger Kredite, da nur diese den Produktionsbedingungen der Landwirtschaft enffprechen und so die Möglichkeit einer zweckmäßigen Verwertung der bewilligten Kredite geben. Es konnte also der im Oktober der Sowjetunion gewährte 100-Millionen-Kredit den Ansprüchen und den Bedürfnissen der russischen Wirtschaft nicht im entferntesten genügen, um so mehr, da er bereits in den ersten Monaten dieses Jahres abgedeckt werden sollte. Deswegen wurden gleich im Anschluß an die Unterzeichnung des deutsch-russischen Handels- und Wirtschaftsvertrages am 12. Oktober v. I. erneute Kreditverhandlungen zwischen beiden Staaten geführt, die mittlerweile zum Abschluß gekommen sind und em interessantes Licht auf die steigende Bedeutung des russischen Marktes für die deutsche Wirtschaft werfen.
Bei dieser neuen Kreditaktion, die an Ausmaß alle bisherigen übertrifft, handelt es sich um einen Gesamtkredit in höhe von 30 0 Millionen Mark, der zur Erteilung von russischen Aufträgen an deutsche Wirtschaftskreise, besonders an die notleidenden Teile der deutschen. Industrie, verwandt werden soll, und dessen Finanzierung wiederum durch ein deutsck)es Bankenkonsortium, an dessen Spitze die Deutsche Bank und die Reichskreditgesell- schaft stehen, erfolgt. Interessant und bedeutsam ist, daß abweichend von dem 100-Millionen-Kredit des vergangenen Jahres das Reich bzw. die einzelnen Länder eine Ausfallsgarantie für diesen Exportkredit übernehmen sollen, was durch die Langfristigkeit des neuen Kredits — läuft er doch zwei bzw. vier Jahrs — notwendig geworden ist. In der Sitzung des Haushaltsausschusses des Reichstages vom 25. Februar wurde beschlossen, die Reichsregie- rung zu ermächtigen, eine Garantie für Liefergeschäfte nach Rußland bis zum Höchstbetrage von 105 Millionen Mark, d. s. 35 Prozent des Gesamt- tredils, zu übernehmen. Gleichzeitig ist die Reichsregierung an die einzelnen Länder mit dem Ersuchen Ijerangetreten, durch eine Erhöhung dieser 35prozen- tigen Garantie auf insgesamt 60 Prozent, allen leistungsfähigen deuffchen Firmen die Ausnutzung diefer Exportmöglichkeit nach Sowjetrußland zu ermöglichen. Das Eigenrifiko der Lieferfirma würde sich also nach Wschluß dieser 60prozentigen Garantie von Reich und Landern noch auf 40 Prozent belaufen, die die Banken und die Jnduftriefirmen gemeinsam zu tragen haben.
Dieser Gesmntwarenkredit von 300 Millionen zerfällt in zwei Kategorien, von denen die eine Hälfte, 150 Millionen Mark, bis zum Ende des Jahres 1928 läuft, also auf zwei Jahre befristet ist und sich auf diejenigen Warengattungen erstreckt, die zu leichteren Jnstallationsarbeiten Verwendung finden sollen, wie z. B. fertige Maschinen, Werkzeuge, Textilien usw. Jedoch muffen diese den Charakter des zusätzlichen Exports tragen, d. h. über den Rahmen des bisherigen Exportplanes der deutschen Jndusttie hinausgehen und somit in Deutschland vermehrte Arbeitsmöglichkeit schaffen. Die deuffche Regierung geht dabei von dem fraglos berechtigten Standpunkt aus, daß für diese kleineren Aufträge eine zweijährige Kreditierung ausreicht, während für die zweite Hälfte des 30'l-Millionen-Kredits eine Laufzeit von vier Jahren, also bis Ende 1930, vorgesehen ist. Diese Gruppe soll diejenigen Warenllese- rungen umfassen, die sich auf die Gesamtausrüstung russischer Fabriken, sowie die Ausführung größerer Arbeiten wie die Einrichtung von Walzwerken, Hochöfen, elektrischen Kraffftationen usw. beziehen, und deren Einrichtung schon allein die Langfristigkeit des Kredits rechtfertigen.
Nach diesen Gesichtspunkten wird die neu zu schaffende interministerielle Stelle sich mit der Prüfung der einzelnen Lieferungen hinsichtlich der dafür in Anspruch zu nehmenden Garantien zu befaffen haben, wobei Abweichungen im Einzel- sall auf Grund besonderer Umstände zugestanden werden können.
Der leitende Gedanke, von dem aus sich auch die Reichsregierung entschlossen hat, für den an Rußland 5U gewährenden Kredit die Garantie zu übernehmen, war, daß die deutsche Industrie den größten Teil ihrer Absatzmärkte in der Welt verloren hat, und daß es jede Gelegenheit zp ergreifen gilt, neue Absatzgebiete zu gewinnen und die Weltgeltung der deutschen Industrie zurückzuerobern. Gerade Ruß- land mit seinem ganz allgemein vorhandenen Waren
hunger, besonders nach hochwertigen Jndustrieerzeug- niffen, sowie mit seinen fast unübersehbaren Absatzmöglichkeiten ist wie kaum ein zweites Land der Welt berufen, der deutschen Wirtschaft die so drin gend benötigten Exportmöglichkeiten zu bieten und dadurch zur wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands beizutragen. Aber das russische Geschäft ist heute, nachdem auch Rußland so ungeheuer verarmt ist, im wesentlichen eine Frage des Kredits, und zwar eines langfristigen, da nur ein solcher für die Sowjetunion wirkliche Vorteile bringt. Wenn sich führende deutsche Wiltschaftskreise mit Unterstützung des Reiches jetzt enffchloffen haben, eine langfristige Finanzierung des russischen Wiederaufbaues oorzunehmen, so haben sie dabei vor allem die Vorteile für die deutsche Wirtschaft und Exportindustrie im Auge gehabt, benn die Wiederbelebung des deutschen Arbeits- Marktes war einer der Hauptgründe für die Gewährung des neuen Rußlandkredites. Die deutsche Wirtschaft erhält durch diese neue Kreditaktion bestimmte russische Lieferungsaufträge, die ohne das Zustandekommen der deutschrussischen Kreditverein- barung aller Voraussicht nach an andere Länder vergeben worden wären, da die Sowjetunion bei ihren Bestellungen auf Kredite angewiesen ist. Dadurch, daß die mit Hilfe der 300-Millionen-Kreditaktion getätigten Lieferungsgeschäfte nach Rußland einen zusätzlichen Export ermöglichen, wird für die deutsche Wirtschaft vermehrte Arbeitsmöglichkeit und eine Stärkung der Produktionsbasis erreicht, die fraglos einen belebenden Einfluß auf den Gesundungsprozeß der deutschen Wirtschaft haben wird.
Auch vom politischen Standpunkt aus ist der neue 300-Millionen°Kredit nur zu begrüßen, da er der Sowjetunion zeigt, daß Deutschland trotz der Paktverhandlungen und des Eintritts in den Völkerbund nicht geneigt ist, mit Rußland zu brechen und sich zu antirufsifchen Tendenzen im Völkerbund mißbrauchen zu lassen. Rußland ist heute ein politisch und wirtschaftlich wiedererstarkender Faktor innerhalb der europäischen Mächtegruppen, mit dem in jeder Beziehung in ein gutes Verhältnis zu kommen die Aufgabe und das Bedürfnis Deutschlands ist. Für uns ist gegenwärtig Rußland eines der wenigen Länder, von dem uns nichts trennt, mit dem wir fragen in vielen politischen und wirtschaftlichen Zielen zu gemeinsamer Arbeit verbunden sind. Darum: „Hin zu Rußland!"
Der llampf um die Lufffrerheit.
Die Verhandlungen in Paris über die Beseitigung der uns im Londoner Ultimatum auferlegten Beschränkungen auf dem Gebiete der Luftfahrt sind ein gutes Stuck vorwärts gekommen, so daß sich, wenn man optimistisch sein wollte, bereits der Zeitpunkt bestimmen läßt, an dem die Beratungen ihr Ende finden werden. Aber wohlgemerkt, nur wenn man optimistisch sein will. Eine ganze Reihe von Hindernissen ist nämlich noch zu überwinden. Da bekanntermaßen die Franzosen keine angenehmen Verhandlungspartner sind, muß damit gerechnet werden, daß sie im letzten Augenblick in der BPschafterkonferenz den Versuch machen werden,' alles Erreichte wieder zu zerschlagen, um den ihnen sehr bequemen Zustand der Unterdrückung unserer Luftfahrt auch weiterhin aufrechtzuerhalten.
Heber die Verhandlungen selbst kann naturgemäß nichts gesagt werden. Wohl aber spiegelt sich in der Pariser Presse doch manches wieder, was in der Botschafterkonferenz vor sich geht. Da haben wir es zuerst mit einem Versuch zu tun, Garantien zu erlangen, daß wir auch tatsächlich die uns wiedergegebenen Bewegungsfreiheit nicht dazu benutzen, um Kriegsfahrzeuge zu bauen. Die deutsche Presse hat auf dieses Manöver bereits entsprechend reagiert und es, ebenso wie die deutschen Vertreter in Paris, in der eindeutigsten Weise zurückgewiesen, da die Absicht klar zutage tritt, die Ueber- wachung der deutschen Luftfahrt in verschleierter Form fortzusetzen. Nebenbei bemerkt, wird der Versailler Vertrag durch diest Verhandlungen gar nicht berührt, der uns den Bau _ von Kampfapparaten untersagt, aber die Handelsluftfahrt ohne Einschränkung erlaubt. Wenn Frankreich fürchtet, wir könnten die wiedererlangte Freiheit benutzen, um uns eine Luftwaffe zu schaffen ober, womit die Franzosen anscheinend auch rechnen, mithelfen, andere Mächte auszurüsten, so zeugt das nurvon ihrem eigenen schlechten Gewissen.


