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Der dritte Schuh,

ftrhnmokomcm von Die Stefan i.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Wieder an der Vorderecke angelangt, sah der Anwalt den alten Lachner neben Grete in einem Feldstuhl hocken und Limonade trinken.

Ja zum Teufel!" fluchte der Anwalt,Habe ich denn geträumt?"

Ein lautes Geräusch wie das Fallen eines Stuhles in einem der Zimmer bewog ihn, sich um­zuwenden. Ohne Besinnen sprang er auf einen Mauersims und blickte in Gretes Zimmer. Es war leer. Aber aus dem Nebenzimmer hörte er jetzt deutlich ein Stöhnen. Schnell schwang er sich zu Brentheims Fenster.

Und sah den Alten mit in die Hände vergrabenem Kopf halben Leibes auf dem Schreibtisch liegen, während ein umgefallener Stuhl hinter ihm auf dem Boden lag.

Angstvoll rief er ihn an.

Der Alte fuhr jäh empor und starrte den Kopf im Fenster mit weit aufgerissenen Augen an.

Ach, du bist's, Kramer!" sagte er mit heiserer Stimme.Komm, steig herein!^

Kramer sprang ins Zimmer und sah besorgt auf seinen alten Freund. Noch nie hatte er den Kom­missar so verfallen gesehen. Seine Gesichtszüge hatten etwas greisenhaft Müdes und Ergebenes angenommen, als er mit zitternder Hand auf einen Zettel wies, der auf dem Schreibtisch lag.

Kramer beugte sich darüber und las mit zuge­schnürter Kehle:

Es ist Zeit, die Sache zu erledigen. Der Dritte ist der Treffer."

Dieser Schuft!" sagte Kramer, und blinde Wut quoll in ihm auf, als er den alten Mann ansah. Der Dritte soll ihm nicht gelingen. Ich gehe keine Minute von deiner Seite."

Ich danke dir!" sagte Brentheim mit mattem Lächeln und drückte ihm die Hand.

, Vielleicht ist es das beste," sagte Kramer, der sich bemühte, ruhig zu überlegen,du fährst für ein paar Wochen irgendwohin in einen verborgenen Winkel. Inzwischen werde ich die Gegend hier nach

jeder möglichen Spur abgrafen. Ich schwöre dir, daß ich Erfolg haben werde."

Schwöre nicht! Wenn ich nicht mehr hier bin, wirst du auch ihn nicht mehr an diesem Ort finden!"

Er sprach den Namen nicht aus, weil er ihn vor­aussetzte mit einer Selbstverständlichkeit, die Kramer bewegte.

Komm'." schlug er vor.Laß uns ruhig zu­sammensitzen und alle Möglichkeiten überlegen, die die Situation bietet. Ich werde mir eine Liste aller Personen aus der Umgegend machen, die wir kennen." u

Das hat noch Zeit. Jetzt will ich m den Garten gehen und sehen, ob ich noch eine Tasse Kaffee bekommen kann. Dann wollen wir ruhig essen und dann können wir uns meinetwegen zusammen­setzen. Und bevor ich schlafen -gehe, werde ich meiner­seits meine Sachen erledigen . . . für alle Fälle! Er blickte auf seinen Schreibtisch.

Kramer schlug einen leichten Ton an:Laß mich heute in deinem Zimmer schlafen, willst du? Oder komm zu mir herauf!"

Unsinn!" sagte Brentheim energisch und seine Gestalt straffte sich wieder.Ist Gefahr da, so wollen wir ihr ins Auge sehen und tun, was zu tun ist!"

Sie gingen in den Garten, und Brencheim setzte sich zu Delscher. Niemand hätte ihm das Ereignis der vorigen Stunde angesehen.

Der Anwalt hatte ihm absichtlich noch nichts von seinen Erlebnissen mit dem Musiklehrer erzählt. Er zog es vor, diese Spur auf eigene Faust zu ver­folgen. Suchend blickte er um sich: weder Lachner noch Grete waren bei der Gesellschaft. Schließlich entdeckte er sie beide allein bei einem Rosenstrauch in einer Ecke der Gartenmauer. Es gelang ihm, sich unbemerkt an sie heranzupirschen.

Er ging nämlich durch die Pforte auf die Straße und schlich sich geduckt auf der anderen Seite der Mauer zu der Stelle hin, wo die beiden standen auf die Gefahr hin, von etwa des Weges kommenden Passanten aufgescheucht zu werden.

Er hörte jedes Wort, das gesprochen wurde, und war sehr enttäuscht. Sie sprachen sachlich über Rosenkultur und bewunderten die frisch aufgebro­

chenen Knospen. Das hecht: Lachner sprach, in seiner freundlichen leisen Art, Grete antwortete selten und mit einer gewissen nervösen Zer­streutheit. ~

Schließlich sagte sie, nach den Tischen hinuber- blickend:Ich glaube, die Herren brechen auf. Ich muß wieder hinüber."

Und da kam, was Kramer erwartet hatte und weswegen er hier im Staube der Landstraße hockte.

Lachners Stimme sagte:Fräulein Grete schauen Sie mal im Tischkasten in Ihrem Zimmer nach, da liegt etwas für Sie!"

Ich danke Ihnen!" war die nach einer Weile gegebene Antwort. Der Anwalt hörte sich ent­fernende Schritte, erst die leichtfüßigen Gretes, dann die langsamen des alten Mannes.

Er blickte vorsichtig über die Mauer und sah die beiden bei der Gesellschaft stehen. Er gewahrte Oelschers hagere Gestalt, wie er dem jungen Mäd­chen lebhaft die Hand küßte, die sie ihm mit energi­schem Kopfschütteln plötzlich entzog.

Dhne sich zu besinnen, schwang er sich in- den Garten und lief geduckt durch das Strauchwerk zur Seitenfront des Hauses, wo er in Gretes Zimmer stieg.

Er sah sich in dem hellen freundlichen Stübchen um. Dann zog er die Schreibtischlade auf, sah Brentheims Armeerevolver, darüber einen zusam- mengefalteten ^Zettel.

Er hörte Gretes Stimme auf dem Gang, steckte schnell den Zettel zu sich, verschloß die Lade und sprang zum Fenster hinaus.

Der Garten war schon wieder leer. Der herein­brechende Abend vermochte nicht die Schwüle zu heben, die während des ganzen Tages auf dem Tale gelastet hatte. Bedrohlich dunkle Wolken schoben sich vom Süden her am Himmel heran.

Kramer sah sich unbeobachtet und entfaltete das Papier. Es war adressiert an Fräulein Grete Brentheim und zeigte im Inneren die wenigen, in Lateindruckschrift nut Blei geschriebenen Worte:

Mauer 10 Uhr. R."

Kramer setzte sich auf eine Bank und versank in Nachdenken.

Welche Rolle spielte Lachner in diesem Schau­

spiel, das vielleicht bald seinen Höhepunkt erreicht haben würde? Es erhob sich die Frage: Hatte er die beiden Zettel gebracht oder nur den an Grete? Wer war der Briefschreiber?

Ihm fiel der Mann ein, von dem sich Lachner auf der Landstraße verabschiedet hatte. Er ver­wünschte sich, ihm nicht nachgegangen zu fein. Aber dann hätte er den Musiker nicht beobachten können.

Er fuhr auf. Jemand war leise herzugekommen und hatte sich zu ihm gesetzt.

Es war Brentheim.

Sie schwiegen eine Weile.Ja," sagte Brent­heim schließlich mit einem Seufzer.Sehr lustig ist ja das alles nicht."

Weißt du was!" Hub Kramer an.Wir wer­den" Schulz Herkommen lassen. Sechs Augen sehen mehr als vier!"

Ach was, wir brauchen niemanden.

Doch, doch. Ich will ihm gleich telegraphieren."

Wozu denn? Es sind grab genug Menschen hier." , ;

Bitte laß mich es tun. Du weißt, wie verläßlich er ist und was für gute Dienste er uns wiederholt geleistet hat."

Schulz war ein Berliner Geheimpolizist und dem Rechtsanwalt restlos ergeben.

Tu, was du willst , sagte Brencheim.

Die Wolken hatten nun den gattNenHimmel bezogen. Ein heftiger Wind mußte, nach ihrer Schnelligkeit zu schließen, in den oberen Lüften herrschen. Unten auf dem Erdboden war es schwül und ruhig wie zuvor, kein Blatt rührte sich an den Bäumen. Es war schon fast ganz dunkel geworden.

Brentheim fing wieder mit gedämpfter Stimme an:Das Unheimliche ist ja bloß, daß wir ihn überall fühlen müssen und wissen, er ist da. Nur daß ich ihn nicht kenne. Vielleicht sprechen wir täg­lich mit ihm und schütteln ihm die Hand. Wer weiß, in welcher freundlichen Gestalt er mir unter meinen Gästen begegnet. Mir war heut nachmittaa zumute wie auf einem Maskenball . . . Wer ist der Feind?"

Kramer litt darunter, den Alten in solcher Stim­mung zu wissen.

Ich will gleich telegraphieren. Wie macht man das hier?" t rüna folgt.»

Derlei

End

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