Peking ist froriäufig ruhig, doch hegt man Besorgnisse wegen einer Gefährdung der Gesandtschaften durch die bolschewistischen Nattonaltruppen, besonders wenn der näherrückende Wu Per Fu die Stadt zu entsetzen versuchen sollte.
Das diplomatische Korps hat gegen das Fliegerbombardemont üer Stadt Peking und gegen die Unterbrechung des Vertehrs Einspruch erhoben und in Abrede gestellt, daß Präsident Tnantschiyui sich im Gesandtschafts- viertel aufhalte. Die bloten der ausländischen Mächte würden jedoch von der chinesischen öffentlichen Meinung, die sich von chrrr Wirkungslosigkeit Rechenschaft ablege, ironisch ausgenommen. 3it einer von der Nationalarmee (derKuomintschu- partei) angeschlagenen Proklamation heißt es: Luantschiyui habe seit seiner Amtsübernahme dem chinesischen Volke schlechte Dienste geleistet. Sein schlimmstes Vergehen ist die Unterzeichnung des Zollschrankenabkommens, die ohne Zustimmung des Volkes erfolgte, und die Nieder» metzelung der demonstrierenden Studenten. Er sei von Mitgliedern der Anfupartei umgeben, die ihn bei der Verletzung der Gesetze bei der Förderung seiner Privatinteressen unterstützt haben.
Tschang-T?o-Lin und RutzLand.
Tokio, 12. April. (WTD. Funkspruch.) Das japanische auswärtige Amt hat erfahren, Tschang» tsolin nähere sich Peking. 3n Darren in der Mandschurei soll ein Komplott zur Ernwrdung Tschangtsolins aufgedeckt worden sein, in das die Sowjetregierung verwickelt sei. Die Verschwörer hätten in Uhren versteckte VombenausWla- diwostok nach Mukden eingefuhrt. Tschang- tsolin habe die Ausweisung des russischen Vizekonsuls in Mull»cn sowie verschiedener Svwjetagenten an der chinesischen Ostbahn befohlen. Er habe auch dem russischen Botschafter in Peking. Karachan, telegraphisch angeraten, die Hauptstadt zu verlassen, da nach Pekings Einnahme seine sofortige Verhaftung erfolgen würde. Die chinesisch-russischen Reibungen in der Mandschurei sollen zunehmen.
DieAbrüstungskonferenz
Paris, 11. Aprril. (Wolff.) Die „Chicago Tribüne" berichtet von nicht offiziellen Verhandlungen zwischen verschied uen europäischen Mächten wegen einer nochmaligen Vertagung der Abrüstungskonferenz, die am 18. Mai unter den Auspizien des Völkerbundes in Genf beginnen soll. Diese Verhandlungen seien durch dir jüngste Erllärung Tschitscherins veranlaßt, daß Rußland sich nicht an einer, auf schweizerischem Boden stattfindenden Konferenz beteiligen wurde. Die Meinungsaustausche zwischen einigen a n Rußland grenzenden Staaten wiesen darauf hin, daß keine von ihnen sich mit der Herabsetzung der Rüstungen einverstanden erklären würde, solange nicht auchdie Sowjetregierung in die Herabsetzung der Stärke der 'russischen Armee einwilligen würde. Pol^n, die Tschechoslowakei und Rumänien seien besonders daran interessiert, und Frankreich werde durch seine Beziehungen zur Kleinen Entente ebenfalls unmittelbar berührt, doch beabsichtigten diese Regierungen nicht, dem Völkerbund offiziell eine nochmalige Vertagung vorzuschlagen, besonders wegen der Stellungnahme der offiziellen amerikanischen Kreise zu dieser Frage.
Botschafter von Hoesch bei Briand.
Die Zusammeu setzung der Studien- kommisfion.
Paris, 11. April. (121.) Der deutsche Botschaj- ter von hoesch hat, wie erst heute amtlich milgeteilt wird, während des gestrigen Besuches am c Quai d'Orsay das deutsch-französische 2virt- j- schastsprooisoriurn unterzeichnet. Ja der Unterredung mit Briand wurde außerdem die interalliierte Militärkontrolle und der Stand der Luflfahrtverhandlungen erörtert. Sodann hat die Zusammensetzung der Kommission für die Erweiterung des Völkerbundsrats den Gegenstand der Aussprache gebildet. Der deutsche Botschafter hat an Briand folgende Fragen ge- richlek:
1. Wird die Kommission rein beratenden Charakter haben?
2. Werden die Mitglieder Bevollmächtigte sein oder nur Sachverständige?
3. Wie wird sich das juristische Verhältnis des deutschen Vertreters zu den übrigen Delegierten gestalten?
4. Wird die Kommission außer der Erweiterung des Rates auch andere Fragen zu prüfen haben?
Eine endgültige Antwort darauf ist noch nicht erfolgt, so daß mit einem weiteren Besuch von hoeschs zu rechnen ist. Die hier verlautet, wird auch der deutsche Botschaster in London, Sthamer, in dieser Angelegenheit Schritte beim Foreign office unternehmen. Fest stehl bereits, daß die einzelnen Mächte beschlossen haben, sich in der Kommission durch ihre Völkecbundsdeleaierten vertreten zu lassen. Die italienische Regierung hyl als erste gestern abend der französischen Regierung mitgeteilt, daß der italienische volkerbuuds- delegierte S c i a l o j a zum Vertreter Italiens in der Kommission ernannt wird. Frankreich wird nicht durch Briand, England nicht durch Chamberlain vertreten sein.
Der hessische IagdKlub vor dem französischen Kriegsgericht.
WSN. Landau, 11. Marz. Vor dem hiesigen französischen Kriegsgericht, dessen Geltungsbereich sich auch auf den südlichen besetzten Teil des Freistaates Hessen erstreckt, hatten sich am Freitag vier Mitglieder des Hessischen Iagdllubs wegen verbotenen Waffentragens bzw. wegen angeblicher Teilnah meanmili- tärischen Vorbereitungen zu verantworten. Mitte August v. Zs. veranstalteten etwa 20 Mitglieder des Hessischen Iagdllubs auf dem Schießplatz Bechtheim bei Worms Schießübungen, wobei von französischen Geheimpolizisten festgestellt wurde, daß vier Mitglleder des Klubs nicht im Besitz ordnungsgemäßer Jagdscheine waren, nämlich der Landwirt- schaftsstudent Karl Biegler aus Dorn-Dürk- heim, der Landwirt Otto Krebs aus Alsheim, der Landwirt Friedrich Karl Hirsch aus Westhofen und der Kaufmann Philipp Georg Dre t-
8er aus Alsheim. Biegler wurde im Besitz eines 8-Millimeter-Iagdgewehres angetroffen, das die Franzosen als sogenannte Kriegswaffe betrachteten, außerdem trug er eine schwarzweißrote Kokarde am Hut: ferner soll er Schüler einer Rad- und Fahrschule in Elmshorn (Schleswig-Holstein) gewesen sein, die fron den französischen Behörden als eine Anstalt für militärische Vorbereitungen betrachtet wird. Ferner soll er einen Brief bei sich getragen haben, in dem in herabsetzender Weise von der französischen Besatzung gesprochen worden sein soll. Nach stundenlanger Beratung verneinte schließlich der Gerichtshof die Frage des mllitärischen Charakters der Elmshorner Anstalt, verurteilte jedoch Biegler wegen Besitzes einer Kriegswaffe zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und 500 Mark Geldstrafe: für die Gefängnisstrafe wurde ihm Bewährungsfrist zuerkannt. Die drei Mitangeklagten wurden zu Geldstrafen von 25, 50 und 100 Mark verurteilt.
Mißerfolg der französischen Schulpolitik im Saargebiet.
Wie aus dem Bergmannsdorf Heicigen- w a l d, in dem die Franzosen mit aller Macht versuchen, die französischen Schulen durchzusetzen, gemeldet wird, hat sich dort beim Beginn des neuen Schuljahres die Flucht aus der französischen Schule fortgesetzt. Während weit über hundert Kinder zur Neuaufnahme in die deutsche Schule angemeldet wurden, sind nur zwei Kinder der französischen Schule zugeführt worden. Wie in Heiligenwald, ist das auch in den übrigen Orten des Saargebietes der Fall. Die französischen Schulen sind infolge des Versiegens des Zuflusses neuer Kinder heute schon auf den Aussterbeetat gesetzt.
Keine Rückkehr des Exkronprinzen Carol. TTl. Bukarest, 10. April. Wie der Vertreter der Telunion an zuständiger Stelle erfährt, entspricht die Meldung über eine Reise des Kronprinzen Karol nach Budapest und Bukarest nicht den Tatsachen und ist als eine Irreführung auf $uf affen. Die Nachricht wird darauf zurück- gefuhrt, daß von den in Budapester Palace ab- gefliegenen rumänischen Staatsangehörigen Belin, Radu und Konstantin Vilu, ersterer auffallende Aehnlichkeit mit dem Kronprinzen Karol hatte. Die Budapester Polizei stellte jedoch sofort fest, daß eine Identität mit dem rumänischen Kronprinzen nicht vorliege. Nach zuverlässigen Informationen befindet sich Kronprinz Karol nach wie vor in Paris. Der Bukarester Presse ist unter Androhung des Verbotes des Erscheinens die Veröffentlichung der Meldung über die angebliche Reise des Kronprinzen Karol nach Budapest untersagt worden.
Kleine politische Nachrichten.
In parlamentarischen Kreisen wird davon gesprochen, daß der Reichsjustizminister Marx demnächst von feinem Amte zurück- treten wolle, um Nachfolger Fehren- bachs als Führer der Zentrumsfraktion zu werden.
Vom 24. bis 31. August wird eine Weltkirchenkonferenz in Bern tagen, die als Fortsetzung der Stockholmer Kirchenkonferenz angesehen werden kann. Der Schweizer Bundes- Präsident wird die Konferenz im Namen des Bundesrats begrüßen.
Der tschechoslowakische Gesandte in Warschau Dr. Robert Flieder wir nach Spala abreifen, um dem Präfidenten der polnischen Republik die goldene Kette zum weihen Löwenorden zu überbringen.
Die auf ständigen Drusen haben die Eisenbahnstrecke zwischen Damaskus und Dsraa an vier verschiedenen Stellen a u f g e r i f f e it und den Eisenbahnverkehr vollkommen unterbunden. Eine Abteilung Aufständischer soll in Damaskus eingedrungen sein fünf Gendarmen gefangen genommen und vier weitere getötet hwben. In Beirut ftnd 2000 Mann französische Truppen als Verstärkung angekommen.
Der französische Botschafter Herbette teilt mit, daß eine französische Flotten ab- teitung in diesem Sommer Sebastvpvl, Odessa und Leningrad besuchen wird. Die Sowjetregierung hat Anordnungen zum festlichen Empfang der Gäste getroffen.
Kunst und Wissenschaft.
Religiöse pädagogische Konferenz In Dena.
In Gegenwart zahlreicher Vertreter der pädagogischen Wissenschaft, sowie der kirchlichen und staatlichen Behörden fand in Jena die dritte religiöse pädagogische Konferenz statt. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. W a ß n e r (Magdeburg), wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß diese Tagung die erste sei, die von der vor einem Jahre gegründeten Gesellschaft für evangelische Pädagogik veranstaltet wurde, und verbreitete sich über die Notwendigkeit und die Aufgaben dieser Gesellschaft, die das gesamte Gebiet der pädagogischen Wissenschaft für die Gestaltung der religiösen Erziehung fruchtbar machen will. Geheimer Schulrat Dr. Kürst en (Erfurt) gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Berufsschulwesens und seiner inneren Ausgestaltung. Als Forderung stellte er auf, daß in allen Berufsschulen nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, sondern der ganze Unterrictstsstoss vom Reiche der ethischen Werte aus beleuchtet we» den solle. Die wichtigste Vorbedingung hierfür sei die Persönlichkeit des Lehrers. Oberregterungs- und Schulrat Nickol (Düsseldorf sprach über neue Wege auf dem Gebiete des l ä n d l ich e n Fort- b i l d u n g s s ch u l w e s e n s und die Bedeutung der Möglichkeit religjös-sittlicher Erziehung, lieber die städtischen Berufsschulen und die in ihre notwendige und mögliche Erziehung sprach Dberregierungsrat Dr. Busch (Düsseldorf). Der 9iebner zeigte, daß die Möglichkeiten, die di» gesetzlichen Bestimmungen für Erteilung des Religionsunterrichts an den Berufsschulen geschaffen hätten, leider bei weitem noch nicht ausgenutzt seien. Auch müsse sich die Elternschaft in viel stärkerem Maße um die Berufsschulen kümmern und dafür sorgen, daß sie erhalten und ausgebaut würden, und daß auch die Raumfrage, unter der ihre innere Entwicklung sehr leidet, gelöst werde. Am Nachmittag tagte der Konvent der Gesellschaft für evangelische
Pädagogik, auf dem von einem starken Anwachsen der Mitgliederzahl und einer erfreulichen Aufnahme der neuen pädagogischen Zeitschrift der Gesellschaft „Die evangelische Pädagogik^ berichtet werden konnte. Die ganze Tagung war ein Beweis für die intensive und weitreichende Arbeit, die beute auf dem Gebiete der evangelischen Pädagogik geleistet wird.
Reichsmischshekonsereuz.
In Berlin tagte die erste Reichsmifchehen- kcmferenz. Außer dem Evangelischen Bund, der sie angefagt hatte, war eine Reihe weiterer Orga«* nifationen vertreten. Nach einleitenden Referaten wurde das Mischehenproblem in angeregter Besprechung behandelt, in der davon auSgegangen wurde, daß die katholische Kirche entgegen früherer Hebung in Deutschland ihre dogmatischen An- schauungen und kanonischen Ordnungen in verschärfter Form zur Geltung bringe. Die Konferenz konstituierte sich als ständige Einrichtung. An die Kirchenbehörden richtete sie einen Antrag auf Herstellung eines einheitlichen evangelischen Mischeh en rechtes.
Die firebsüberlragung.
In der letzten Sitzung der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft in Berlin machte laut »Börsenkurier" während der Aussprache über die Entstehung und chirurgische Beseitigung des Darmkrebses der Königsberger Privatdozent Dr. Kurtz ahn die Mitteilung, daß erSelbstversuchederKrebs- Übertragung von Mensch zu Mensch unternommen hat. Dr. Kurtzahn hat sich ein Stückchen einer operierten Krebsgeschwulst der Brustdrüse in fein Bein überpflanzen lassen. Gr wollte damit die herrschende auch fron ihm selbst vertretene Ansicht, daß der dirett übertragene menschliche Krebs an einem Gesunden nicht lebensfähig ist, beweisen. Dies gelang ihm auch, da das übertragene Gebilde schon nach einigen Tagen abstarb. Die wetteren Versuche des Arztes mit Serum, das aus seinem nach der älebertragung abgezapften Blut gewonnen wurde. Kranke zu heilen, zeigten ein negatives Ergebnis.
Professor Lintner f.
Geheimer Hof rat Dr. Karl Theodor Lintner, ordentlicher Professor der angewandten Chemie — insbesondere der Gärungschemie — an der Technischen Hochschule in München, ist im 71. Lebensjahre gestorben. Der als Forscher und Gelehrte gleich angesehene Wissenschaftler zählte zu den ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Gärungschemie.
Aus aller Wett.
Eingerneindungspläne Heidelbergs.
Die vor einigen Jahren abgebrochenen Verhandlungen der votqöt Heidelberg mit der etwa 5000 Einwohner zählenden Nachbargemeinde Rohrbach werden voraussichtlich demnächst wieder ausgenommen werden, nachdem jetzt eine Bürgerausschußsit- zung der Gemeinde Rohrbach mit 39 gegen 22 Stimmen den Wunsch nach Eingemeindung nach Heidelberg zum Ausdruck gebracht haben. Es dürfte anzunehmen fein, daß von Heidelberg aus den in Aussicht stehenden Verhandlungen keinerlei Schwierigkeiten gemacht werden, so daß Rohrbach, das sich in den letzten Jahrzehnten von einer rein ländlichen Gemeinde zu einem Industrieoorort entwickelt hat, bald in Heidelberg aufgehen dürfte.
Bundestag des Deutschen Feldposlbundes.
Der „Deutsche Felbpostbund" (Vereinigung aller Feldpost- und Telegraphenbeamten aus dem Weltkriege) hält feinen fünften Bundestag vom 13. bis 16. Mai in Hamburg ab. Delegierte aller Bezirksgruppen hn Deutschen Reich werden an dieser Tagung teilnehmen. Die Tagung soll neben der Beratung einzelner Bundesangelegen- heften im besonderen der Aufrechterhaltung des kameradschaftlichen Zusammenhanges, der Pflege des vaterländischen Gedankens und der Fürsorge für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Kameraden dienen. Die Tagungstellnehmer werden ferner Gelegenheft haben, die Stadt Hamburg und den Hafen zu besichtigen. Weiter ist eine Fahrt nach Friedrichsruhe vorgesehen.
Ein grauenhafter Raubmord.
In der Gemeinde Rockendorf bei Marienbad wurde ein bestialischer Raubmord verübt, dem bisher drei Menschenleben zum Opfer fielen. Zwei weitere Personen sind schwer verletzt. Ein Opfer dürfte mit dem Leben davonkommen. Der 40jährige in Rockendorf wohnhafte Landwirt Rudolf Döll- n e r hatte dieser Tage einen Ochsen verkauft und hierfür etwa 4000 tschechische Kronen bekommen, die er in feinem Hause aufbewahrte. Von diesem mußte der bisher noch nicht bekannte Täter Kennt- nis erlangt haben. Er überfiel um 1 Uhr nachts die in ihrem Bell schlafende Familie, ermordete mit einer Axt zunächst einen zweijährigen Knaben, ein vierjähriges Mädchen und die zwanzigjährige Magd. Darauf fügte er dem Landwirt Zöllner und einem siebenjährigen Kind schwere Verletzungen zu, die ihren Tod herbeiführen müssen. Die Ehefrau des Döllner erhielt ebenfalls schwere Axthiebe über den Kopf. Man hofft jedoch, sie am Leben erhallen zu können. Dem 13jährigen Sohn Kaspar war es gelungen, von dem Mörder unbemerkt unter das Bell zu kriechen, von wo er von Schrecken gelähmt dem blutigen Wüten des Mörders gegen seine Eltern und Geschwister zusah. Der Knabe bemerkte auch, wie der Mörder nach vollbrachter Bluttat Schubladen und Kasten durchwühlte und, als er das Geld fand, dieses zählte und darauf das Haus verließ. Der Knabe alarmierte sofort das Dorf. Aus dem nahen Königswart wurde Gendarmerie mit Polizeihunden herbeigerufen, auch ein Arzt war bald zur Stelle. Ein Kilometer vom Tatort entfernt wurde im Walde die Axt gefunden, mit der die Tat verübt wurde.
Der Glockenkurm zu Toulouse eingeslürzl
Am Sonntag früh ist der aus dem 15. Jahrhundert stammende Glockenturm von Toulouse eingestürzt. Die Trümmer fielen auf ein Wohnhaus, das völlig zerstört wurde. Vier Hausbewohner sind getötet worden. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde noch ein Schwerverletzter zutage gefördert. Man befürchtet, daß sich noch weitere Opfer unter den Trümmern befinden.
Flugunglück auf einem englischen Flugplatz.
In 90 Meter Höhe stieß auf dem Flugplatz Henlow ein mit vier Personen besetztes Flugzeug mit einem Zweisitzer zusammen. Beide Apparate singen sofort Feuer und stürzten brennend zu Boden. Dem Unglück fielen zwei Offiziere und drei Soldaten zum Opfer.
Zusammenbruch eines hungerkünsllers.
Der Hungerkünstler Wallmann, Der in einem Berliner Lokal in Der Frankfurter Allee mindestens 50 Tage hungern wollte, um Den Rekord i>e5 Hungerkünstlers Colly zu Bremen, erlitt in feinem Glaskasten angesichts der großenMenschen- menge einen Lobsuchtsanfall. Er zertrümmerte die Scheiben, verletzte sich dabei und stürzte blutüberströmt durch die entsetzte Menge auf die Straße. Nachdem Walllnann, der bereits 31 Tage gehungert hat, auf der Rettungsstelle verbunden war, wurde er in feine Wohnung gebracht.
Die Hochwasseckalastrophe am Tigris.
5000 Arbeitern ist es bei ununterbrochener Tätigkeit bls jetzt gelungen, die Stadt Bagdad vor der drohenden Kleberschwemmung zu bewahren. Der Wasserspiegel des Tigris ist um acht Zentimeter gefallen. Auf dem Bahnhof lagernde Waren im Werte fron V* Million Pfund (Sterling find teilweise überschwemmt. Sachverständieg bezeichnen die Lage in Bagdad als schlimmer denn je. Das ^leberschwemmungsgebiet in der die Stadt umgebenden Wüste dehnt sich rasch aus und der Wasserstand ist dort 15 Fuß höher als in vielen Teilen von Bagdad. Der Gesamtschaden beträgt bisher weit über eine Million Pfund.
Der Großglockner im Privalbesih.
Es dürfte nicht allzusehr bekannt fein, daß einer der mächtigsten deutsch-österreichischen Gletscherberge, nämlich der 3800 Meter hohe Großglockner im Zillertal, das käuflich erworbene Eigentum eines Herrn Weiler aus Essen a. d. "Ruhr ist. Der Eigentümer hat bereits vor einiger Zeit diesen hochalpinen Sportberg für die Alpinisten sperren lassen wollen, diesen Plan aber wegen deS Entrüstungssturmes unter den Bergsteigern aufgegeben. Nunmehr will Herr Weiler aus Essen endgülttg seine Rechte geltend machen und das Besteigen des Großglockner in diesem Sommer verbieten. Die Deutsch-österreichische Alpenklub hat gegen dieses „Attentat", gegen das rechtlich nichts zu machen ist, Protest eingelegt Herr Weller aus Essen scheint sich in seinem Bergbesitz ein privates alpines Schutzgebiet errichten zu wollen, um das Wild an den Abhängen und in den Wäldern des Großglockners zu schützen.
Die Suche nach dem Kölner Mörder.
Die britische Geheimpolizei von Scvlland Bard stellt zurzeit Nachforschungen nach Dr. P roch er an. der verdächttg ist, den Architekten Oberreuter in Köln ermordet zu haben, auf dem Luftwege nach England floh und von den deutschen Behörden in London vermutet wird. Die bisherigen Nachforschungen haben nichts ergeben, daß ein Passagier, auf den die Beschreibung Prochers zutrifft, in England gelandet ist. Die in den verschiedenen Hotels angestellten Nachforschungen sind ergebnislos geblieben.
Ein Taubstummer überfahren.
In Lampertheim tourbe ein 20jähriger taubstummer Arbeiter, welcher sich auf dem Rade befand, fron einem Lastkraftwagen erfaßt und überfahren. Er war auf der Stelle tot. Der Verunglückte, der naturgemäß die abgegebenen Signale nicht Horen konnte, scheint dirett in den Lastkraftwagen hin e in g e fahren zu sein.
Brandstiftung.
Die Nachforschungen nach dem Täter des vor einigen Tagen gemeldeten Laubenbrandes in (Brunau bei Berlin, dem - zwei Menschenleben zum Opfer fielen, haben dazu geführt, daß der Laubenbesitzer Braun unter dem dringenden Verdacht verhaftet wurde, den Brand in seiner Laube selbst gelegt zu haben, um sich seiner Frau und seiner Schwiegermutter, mit denen er dauernd in Streitigkeiten lebte, zu entledigen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 12. April 1926.
Dis Luftpost.
Seit dem 8. April, dem Tage der Wiederaufnahme des Luftverkehrs, können Postsendungen auch von Gießen aus direkt mit dem Flugzeug abgeschickt werden. Die wichtigsten Bestimmungen über diesen Verkehrszweig sind folgende:
Zur Beförderung als Luftpostsendungen sind zugelassen:
Jnr Inland verkehr und nach der Freien Stadt Danzig gewöhnliche und eingeschriebene 'Brieffenbungen jeder Art, gewöhnliche und dringende Pakete, die in keiner Ausdehnung 60 Zentimeter überschreiten (Einschreiben und Wertangabe nicht zugelassen), sowie Zeitungen von Verlegern mit Anschrift der Empfänger (Mindestmenge je 5 Stück einer Nummer);
im Verkehr mit dem Auslande gern ö h n li ch e und eingeschriebene Briefsendungen jeder Art. Wegen der nach einzelnen Ländern zugelassenen Versendung von Paketen und Zeitungen geben die Schatterstellen der Postämter Auskunft.
Alle Luftpostsendungen einschl. der zugehörigen Paketkarten müssen die deutliche Angabe „M i t Luftpo st" oder „M i t F l u g p o st" tragen. Dieser Vermerk kann handschriftlich, durch Druck oder durch Zettelaufllebung hergestelll werden.
Luftpostsendungen werden bei allen Postanstal- ten angenommen. Gewöhnliche Brieffendunaen können auch durch die Briefkasten aufgdiefert werden. In Gießen müssen die Sendungen beim Postamt 1, Bahnhofstraße, für die Flüge nach Kassel spätestens 9 Uhr vormittags, für die Flüge nach Frankfurt a. M. spätestens um 12* Uhr nachmittags oorliegen.
Um die Luftpostsendungen vor anderen Sendungen bester kenntlich zu machen, empfehlt es sich, sie ganz oder wenigstens zum Teil (neben den gewöhnlichen Freimarken) durch Luftpostmar- k e n freizumachen, oder die besonderen Luftpostkarten zu benutzen. Luftpostwertzeichen, von denen am 1. April eine neue Ausgabe erschienen ist, werden bei allen größeren Postämtern ständig zum Verkauf bereit gehalten. Zur beschleunigten Abtragung der Luftpostsendungen am Bestimmungsort ist Eilzustellung unter Vorausbezahlung der Eilzustellgebühr (für Briefsendungen im Ortszustellbezirk 30 Pf.) zweckmäßig.
Für Luftpostsendungen wird außer den gewöhnlichen Gebühren folgender Luftpost Zuschlag erhoben:
Nach dem <5 n I a n b e sowie nach ber Freien Stadt Danzig, Litauen einschl. Memelgebiet und Oesterreich für Postkarten 10 Pf., für andere Vriefsendungen (einschl. Päckchen) bis 20 Gramm 10 Pf., bis 50 Gramm 20 Pf., bis 100 Gramm 40 Pf„ bis 250 Gramm 1 Mk.„ bis 500 Gramm 1,50 Mk., bis 1 Kilo 3 Mk., bis 1Z Kilo 4,50 Mk.,


