Ausgabe 
10.4.1926
 
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Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Neichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°/. mehr.

Thefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H-Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Hans Iustel, sämtlich in Dietzen.

DieFriedensbedingungensür AbdelKrim Abreise der spanisch-sranzöfischen Unterhändler.

General-Anzeiger für Oderhessen

Vrvck und Verlag: Vrühl'sche Unwerfilälr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7.

Mussolini in Tripolis.

S<ipolt6, 12. 2lprtt. DaS Kriegsschiff Cavour" mit dem Mrmsterpräsidenleir

Mussolini an Bord ist Sonntagvormittag um 7 Uhr im Hasen von Tripolis vor 2Mcr ge­gangen. Mussolini nahm kurz nach ferner An­kunft auf dem Marktplatz eine Parade der Truppen ab. Darauf hielt er eine Ansprache, in der er u. a. erklärte:Mein hoher Monarch hat mich beauftragt, diesem Lande seine Grütze zu überbringen, das ewig italienisch bleiben toirD. Meine Reise darf nicht als eine einfache In­spektionsreise angesehen werden, öic ift eine Be­stätigung der Macht des italienischen Volkes, ein Aus druck der Kraft, die von Rom ausgeht und die Roms Ehre und Triumph bis zu dieser Küste trägt." Aus einem Bankett, das zu Ehren Mussolinis beim Gouverneur de Bonns statt- fand, erHärte der Duce:Das Mittelmeer war schon einmal ein römisches Meer. Ich hoffe, die Wiederkehr dieser Seit zu erleben.*

In Tripolis sind außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, uni □Hui- solinis Sicherheit zu gewährleisten. Auf Anwei­sung aus Rom weigerte sich das italienische Kon­sulat in Tripolis, irgendwelche Pässe zu vi­sieren. selbst für Iornalisten, die sich nach Tripolis begeben wollten. Sämtliche Ausländer sind einer besonderen Kontrolle der örtlichen Behörden und faszistischen Organisationen unter­stellt, die durch besondere, aus Rom eingetroffene jaszistifche Verstärkungen geleitet werden.

Italiens Kolonialpolitik.

erscheint täglich,autzer Sonntags und Feiertags.

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vietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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2 Reichsmark und 20 Reichspfcnnig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitunq 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto:

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ah! Bettungen! Politische!

Der Telegraph hat die Kunde bereits in alle Welt getragen, die Auffassung der Be­hörden, die ungeheure Volkserregung über die Einmischung des Auslandes gemeldet: Wenn die Hand dieser Frau nicht nur ein Werk­zeug fremder Mächte toat fo bat fie doch unter dem Einfluß der antifaszistischen ausländischen Presse gehandelt; sie glaubte ein gottgefälliges Wer? zu tun, wenn sie Oie Menschheit von ^der Attilageißel befreite, Europa von feinem Ty­rannen Mussolini. So muhte sich in ihrem kran­ken Hirn die Welt malen. Und öie^toünfjun­gen gegen die Fremden gellten durch die Luft toie Es^waren aber f asz ist U ch e Bettungen, die man ans Licht zog. Allerdings: mit Blau­stift darin alle den Duce betreffenden T^tizcn angestrichen, derTag des Präsidenten Schift für Schritt verfolgt. Also muhte sie doa) ita­lienisch verstehen? Was interessierten sie die Empfänge, Sercmonien, Sportveranstaltungen und dergleichen, an denen der S)ittator tci[nahni? War es nicht höchst unwahrscheinlich, daß sie ihn, wie sie ursprünglich zu tieriteben gab, nie­mals persönlich gesehen hatte? Statt sich cmfzu- helleu, vertteft und verdunkelt sich der <jall.

ilnb nun der Gegenspieler des reli­giösem anarchistischen Mysteriums M u s s o l i n i. Wch umtoiitert ®er Seute

finb nickt wenige, die steif und fest an cm Dun- ber g&Tmx baö persönliche Eingreifen des Schutzengels, der Italien aus eine niegcschau e Höhe zu führen die Aufgabe hat ^er fas- zlstische Sturmgesang - Dwvmezza ist es der ihm das Leben rettete, denn der brach spontan aus d-r Menge als der Diktator den Konservatoren- Valast' verließ. Und da warf er feiner ©e- wohnheit gemäß den Kopf etwas seitlich in den Racken, um den Arm zum römischen Gruß ,u erheben. Andernfalls hatte ihm die in Die- lern Augenblick kosgehende Kugel die Stirno durchbohrt. Reichlich floß das Blut aus den durchgeschossenen Nasenflügeln und m die kreis­runde Lache auf dem Pflaster sie das Gflt- fläschchen der Attentäterin, so baß sich der -In­halt damit vermischte. Das Blut des Duce und das Gift der Mörderin - Grund genug zu

Sonne alle ihre Fahnen. Te deum laudamus! Schütze ihn, unseren Duce, und schuhe m ihm Italien!" ., -

Danach mag man ermeßen, was gesch^^n würde wenn einmal eine mörderische Hand nicht fehltrefsen sollte. Das südliche Blut wurde matz- los ausschäumen und ungezählte ülnschuldige ver­nichten. Flammen und Rauch würden vielleicht ga-z Italien Heimsuchen, wie fie schon trotz der polizeilichen Maßnahmen an dem Attentatstage DenMondo" verzehrten und verschiedene Pm- vatwohnungen, darunter die des 36 Stunden vor­her in Frankreich gestorbenen Oppositionführers Amendola und die einer deutschen Journalistin, der römischen Korrespondentin desVorwärts. Ein Glück für Italien, dah nicht ein Italiener die Hand geacn den Duce erhob; ein Glück für den Frieden "Europas, daß es sich nicht am den Angehörigen einer wehrlosen Ration handelt. Andernfalls hätte doch ein politischer Fall daraus werden können. Denn für die Italiener ist jetzt Evangelium, was Mussolini ihnen nach dem Attentat zurief:

Es g"ht vorwärts. Unö wenn ich vorwärts- gehe'' so folgt mir; wenn ich zurückweiche, so tötet mich; wenn ich sterbe, so rächt mich!

Die Washingtoner Handels- karmner für die Herabsetzung der Reparationszahlungen.

Paris, 11. April. (WTB.) 3n dem gestern von' bc. amerikanischen Abteilung der 3nternatio.;aicn Handelskammer in Washington über bic Wirtschaftslage in Deutsch­land audgeacbenen Bericht heißt es nach der Chicago Tribüne", daß Dcutichland nicht in ö er Lage sei, gleichzeitig den Anforderungen aus den privaten Anleihen und den Repara- ttonözahlungen aus dem gegenwärtigen Dawes- vlan nachzukommen. Deshalb werde eine Re- Vision des ganzen Schemas angeregt, und zwar derart, daß die Zahlungen herab­gesetzt würden. Die Reparaiionszahlungen ge­fährdeten die ungestörte Liquidierung von pri­vaten Anleihen. . -

Der Schutz auf dem Kapitol

Don unserem römischen ll-Korrespondenten.

Rom, 10. April.

Sin politischer Fall? Mit Nichten. Etwas für Psychopathen und Mystiker. Der Ermordete hätte auch der König, der Papst, ein Kommu­nistenhäuptling oder die Mörderin selber letn können. Sie trägt unter der Brust noch das Mal ihres Opferwillens: eine runde Raht des Schuhkanals, der ihre Seele unmittelbar zu Gott führen sollte. Das war vor einem Jahre, als sie den Revolver gegen sich richtete, in ihrem Bim- merchen be| den französischen Schwestern in der Dia Gregoriana. Sie hatte damals noch eine Aesellschaftsdame. Mary Grath, auch eine ziem­lich mysteriöse Frau, mit der sie im gleichen Raume schlief, der sie als ihrer einzigen Ver­trauten vielleicht sogar ihr Geheimnis an oer- traute. Denn ein Geheimnis trägt die Schützin vorn Kapitol, die Tochter des früheren Lord- lanzlers von Irland, mit sich herum, daran ist kein Bweifel. Aber auch die Grath durfte das »u einer Trauerkapelle ausgestattete, von Kerzen altarhaft erleuchtete Gemach erst betreten, als sich Miß Gibson nach dem in Verzückung gegen ihr jungfräuliches Herz abgegebenen Schuh selber aufgebahrt hatte, den Erlöser zu erwarten.

Der Arzt, der sie damals behandelte, stellte bereits ihr gestörtes Gleichgewicht fest; abgesehen davon aber war sie ganz Dame. Fortan verkehrte sie nur noch mit dem Geistlichen, dem sie den Selbstmordversuch eingestanden hatte, zog zu den englischen Schwestern in die Via Romentana hin­über und tat noch mehr als bisher Buhe. Dann stoßen wir auf noch ungeklärte Lücken ihres römi­schen Lebens; wir wissen nur, daß sie aufs Jn= scheinbarste gekleidet, durch die Dolksguarttere Trastevere und Testaccio wanderte, reichlich Al­mosen gab und ungeachtet ihrer höchst mangel- haften Sprachkenntnisse Arbeiter und Arme an- sprach, die Mühseligen und Beladenen in ihren Schlupfwinkeln aufsuchte. Gott hatte ihr Opfer, das Opfer ihres Lebens nicht angenommen, so muhte sie auf anderem Wege ihrem Heiland näherzukommen versuchen.

Schließlich Wucht sie bei den italic>nischen Schwestern der stillen Via delle Isole auf. Hier habe ich sie manchmal vom Fenster aus gesehen, wie sie mit flinkem Schritt und hellen Augen stadteinwärts eilte. Don den wenigen Personen, die man in der Via delle Isole zu Gesicht be­kommt, war sie sicher die unauffälligste. Ein hoher Polizeibeamter, der zur kritischen Stunde den lleberwachungsdienst auf dem Kapitol leitete, gestand:Jede Person, die sich dem Duce zu nähern versucht haben würde, hätte ich zurüu- gerissen, nur nicht diese Frau!" So ganz und car ungefährlich schien sie mit ihren wmven Haaren, ihrer kindlich-harmlosen Reugierde, ihrem Taschentüchlein in der Rechten . - .

Run hat man sie also nach allen Regeln der modernsten Kriminalstattstik gemessen, photo­graphiert, auszusragen versucht. Umsonst, Miß Gibson läßt sich nicht aus ihrer Ruhe bringen. Eisig ihr Schweigen, gelassen der Polizei- bericht sagt zynisch ihre Haltung So spreche ihre Korrespondenz, ihr Gepäck! Aber al5 man die Reisetasche ach, sie reifte als Schwester eines Millionärs, als Besitzerin eines großen Danllontos, arm und dürftig aufmachte, kam ein bißchen Wäsche heraus. Und die schwarze verdächtige Holzkiste enthielt nichts als H^ligen- bilder und Erbauungslektüre. Roch ein Griff

Rom, 10. April. (TU.) Der Kolonialminister Di Scalea veröffentlicht im_Popolo di Roma" einen längeren Artikel über die ita­lienische Kolonialpolitik. Eingangs seiner Aus- ührungen weist der Minister darauf hin, daß eine gesunde Kolonialpolitik auf dem Grund- ah der uneingeschränkten Souveräni­tät des kolonisierenden Staates in den Kolonien aufgebaut sein müsse, die nicht durch Sonder­abkommen mit politischen ober religiösen Sonder- aruppen innerhalb der Kolonien beschränkt tiger­ten dürfe. Die Sondergruppen könnten m den Kolonien nur einen beratenden Charakter zu- gebilligt bekommen. Aus diesen Gründen sei Die Besetzung der heiligen Stadt der Genüssen, Dscherabul und der an das Somali-Land an­grenzenden Sultanate notwendig gewesen, da Italien nicht zugeben könne, dah von dort aus von Sondergruppen Verhandlungen mit anderen Mächten geführt würden. Ebenso wenig tonne einer angeblichen äthiopischen Rationalität in Erytrea Gehör gegeben werden. Die Ent­wickelung der Dahn von ©ibuti nach Aeth:- opien und der Entwickelung des Roten-Mecr» Hafens Massaua sei größte Bedeutung bei- zulegen. Das Rote Meer könne nicht dem ein­teiligen Interesse des englischen Imperialismus unterworfen werden. Aus diesem Grunde müsse der Hafen von Massaua als Flotten- Station ausgebaut werden. Auch könne nach dem Busammenbruch des ottomanischen Staa­tes den gebildeten arabischen Staaten, die letzt noch hin und her schwanken, heute die größte Beachtung geschenkt werden. Der Hasen von Massaua sei der Wachtturm der italienischen Kolonialpolitik am Roten Meer. Der Minister weist ferner darauf hin, daß die Gründe für die bisherigen Mißerfolge einer großzügigen Ko­lonialpolitik in dem noch unentwickelten kolo­nisatorischen Geist der breiten Dolksmasse Ita­liens und in dem bureaukratischenDer- waltungsshstem in den Kolonien zu suchen seien. Heute bedeute die Kolonialpolitik einen integrierenden Teil einer einheitlich durch- gesührten Auhenpolittk. Das siegreiche Italien beanspruche das Recht, in seinen Meeren nicht unterdrückt ober blockiert zu werden. Für das faszistische Italien seien die Kolonien die Schild- wachen seiner Gröhe.

Staatsstreich in Peking.

Peking, 11. April. (TU.) 3n der Rächt -um Samstag ist wieder ein plötzlicher Um­schwung in Peking eingetreten. WuPei Qu und Tsangtsolin scheinen sich wieder ent­zweit zu haben und Wu Pei Fu hat eine selb­ständige Bewegung gegenPeking vom Süden her eingeleitet. Die in Peking noch verbliebenen Teile der (bolschewistensreundlichen) Rational- Armee haben darauchin gestern abend einen Kriegsrat abgehalten, (/e Truppen in der Tar- tarenftabt konzentriert und den Rcichsverweier aufgefordert, die Stadt durch Sperrung der ^ore in Verteidigungszustand gegen Wu Pei Fu zu sehen. Der Reichsv erweserder augenscheinlich wieder Fühlung mit Wu Per Fu und den hinter ihm stehenden ausländischen Mächten (England Japan, Amerika) genommen hat rief indessen die Leibwache heraus und ließ kas Regierungs- und GesandtschaftSviertol durch Wachen ab sperr en. Daraufhin sind nach Mitternacht die Rationallruppen zum Angriff Dorgcgangen, haben die Leibwachen lampflos ent­waffnet und versucht, den Reichverweser gefangen zu setzen.

Der Staatsstreich wurde in größter Heim­lichkeit ausgesührt. Die Tore der Stadt wurden geschlossen und der Telephonverlchr für mehrere Stunden unterbrochen. Die Residenz deS Reichs­verwesers Tuantschihui wurde von Trup­pen umzingelt. Sonst waren keine Anzeichen dafür bemerkbar, dah sich irgend etwas Bedeutungs­volles abspiele. Tuantschiuyi hat sich offenoar Ium 1 Uhr morgens, noch bevor der Staatsstreich vollzogen war. zur französischen Ge­sandtschaft begeben

Erfolg führen werde, da Add e( Krim glaube, dah Spanien und Frankreich eher den Frieden brauch­ten als er, da man in diesen Ländern wegen des erfolglosen Marokkokrieges immer unzufriedener würde.

Auch auf dem marokkanischen K riegsfchau- platz herrscht in spanischen Offizierskreisen durch, aus die Ansicht vor, dah man vor einem Waffen- stillstand noch möglichst günstige Aus- gangsstetlungen erobern mutzte, von denen aus jederzeit mit Leichtigkeit neue Angriffe gegen Abd el Krim aufgenommen werden könnten, die bann zur endgültigen Unterwerfung des Rifführers führen würden. In diesen Bestrebun­gen wird die spanische Generalität auch von fran­zösischen Offizierskreisen unterstützt. Vom sranzösi- cheu und spanischen Oberkommando wird eine so- ortige militärische Operation befür­wortet, die die Abschnitte von A l h u c e m a s und M e l l i l a verbindet, so daß auch an dieser Kampf­ront eine einheitliche und durchgehende Linie dar­gestellt wird. In militärischen Kreisen ist man bet Ansicht, daß die französischen und spanischen Unter- Händler in ihren Waffenstillstandsbedingungen auch die Forderung aufgestellt haben, daß

Abd el Krim verschiedene strategisch wickkige Punkte zu räumen hat, damit sie von spanischen und französischen Truppen beseht werden können.

Nach den letzten Meldungen aus Marokko sind im spanischen .Hauptquartier bereits alle Vorberei­tungen getroffen worden, um im Abschnitt von 211- hucemas und Melilla sofort zur Offensive übergehen zu können, wenn Abl el Krim nicht freiwillig die von der spanischen Heeresleitung verlangten Ruck- zuqsoperationen antritt. Eine gemeinsame Aktion der französischen und spanischen Flotte im Alhu- cemasabschnitt ift bereite vorbereitet.

Auch in wirtschaftlichen Kreisen Marokkos machen sich gegen die ^riedensverhandlungen mit Abd el Krim Widerstände geltend. Die in Rabat versammel- tenVertreter der landwirtschaftlichen Ver­bände Nord-Marokkos haben an den fron- zösischen Generalgouverneur Steeg ein Telegramm gerichtet, in dem sie die Aufnahme von Friedens­verhandlungen mit Abd el Krim im gegcnmartiaen Augenblick als verfrüht bezeichnen. Die heroischen Erfolge der französischen Truppen wurden durch die e Voreiligkeit aufs schwerste gefährdet. DerFne- densschlutz im jetzigen Augenblick fei eine große lln- klugheit und würde sich durch schwere En r- täuschungen r ä d) e n. Frarizostzch-Nordafrlka würde weiteren Drohungen ausgesetzt fein und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wurde durd) die Unsicherheit im Rifgebiet nur aufgehalten werden.

Die Lage auf dem Kriegsschau­platz.

Paris, 12. April. (WTD. Funkspruch.) Journal" meldet aus Fez, unter ben Einge­borenen verlaute, bah Add el Krim seinen Trup­pen Weisung erteilt habe, eine rem defen­sive Haltung einzunehmen. An der ganzen Front herrscht vollkommene Ruhe. Ein spanisches Flugzeug sott in der Gegend Targist in ben | seindlichen Linien gelandet fein.

interessanten Ausbeutungen. Ein rumänischer Prälat, der eine Studentengritt>pe geführt hatte, tauchte fein Taschentuch in die Mischung.

Die Automobile gingen durch wie scheuende Pferde. Frauen schrien auf. Andere stürzten vor ihrem Abgott nieder und küßten ihm den Saum seiner Kleidung. Die Carabiniere linnbften hart mit den Lynchjustizlern. Der pvinilche Ge­sandte, der von seinem Fenster aus die Sache mit angesehen hatte, raste zum Papst, die Reuig- feit zu überbringen. Rur einer in der kopf­losen Panik behielt den Kopf oben: M u s l o - lini. Roch die Hand an der blutenden Rafe, gab er den ersten Befehl aus: Keine Storung der Ruhe, keine Repressalien! Fuhr nach Haufe und telephonierte seinem Bruder nacy Maitano. Eine Lapvalie! Ein rofa Heftpflaster über der Wunde, bis in die Mitte beioer Wangen reichend, fährt er ein paar Stunden spater lächelnd durch das Delirium der Menge. Kein Punkt an dem Programm darf geändert werden. Er seht das neue Rationaldirektorium zur <eck- gesetzten Minute in fein Amt ein, er spricht vorn historischen Eckbalton des Palazzo J« Menge herunter, er fährt am nächsten CDiotgen nach Ciampino. dem Abflug des R^rdpockchif es beizuwohnen. das sich avcc schon durch ^A-ztCv Wetter zu einer Progran moerlegung hinremen läßt. Dann geht es nach Fiumicino: Ein chifii ng nach Afrika. .. .

Man mag sagen, was man will. Mussolim ist ein ganzer Kerl. Ein Mann. Seine Popittai. tat wuchs durch das neue Att mtat ms .Inermeü »che. Um einen DegM V-, «tommen W« ox M-»«ak-r 3!aticn3, hie Sahnten zu MM-"' leie man nur einmal die Z-ttungcn Er ist der Retter, der Erlöser, k>zr Unerreichbare d..ästn verletzliche.O allmäcyttgcr Gott, d.r du willst daß Italien groß werde, empfange unsere 4-ranen der Freude, unsere Danköar.eit. Lu. v Gott, hast den Mann gerettet, den wir mehr li.ven all, ten eigenen Vater. Du hast uns gereitet ten, ber in feiner Person verkörpert die Zu'Ui.r d^Z D.. lands, der in sich begreift ben tausendiahrigen italischen Witten nach,ckknabhangigkei. und Macht sei gebenetrit auf den Kmen! Dein Rom I die von dir auserwählte Stad^ entfaltet in dir

Hr 84 Erstes Blatt 176. Jahrgang IRontag, 12. April 1926

Eichener Anzeiger

Varis. 12. April. (TU.) Der spanische Dele­gierte für die Ariedensverhandlungen mit Abd el Krim, Lopez Olivan, hat am Sonntagvor­mittag eine lange Aussprache mit dem Kriegsmini­ster D a i n l e o e gehabt. Ls wurde befchlosjen, dah Olivan zusammen mit den französischen Delegierten, General Simon und Pousat, am Dienstag nach Oudja abreisen soll, wo bei ihrer An- kunst die Rifdelegierten bereits anwesend sein wer­den. Der dritte französische Delegierte. Duclos. wird später nachfahren. ,

Der Berichterstatter derDaily Heros in lan­ger will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, dah die französisch-spanischen Fr ieben sb eDin­gungen für Abd el Krim sind:

1 Anerkennung der politischen und geistigen S o u v e r ä n i t ä l des S u l t a n s von Ma­rokko durd) Abd el Krim.

2. Vollständige AbrüsiungallerKriegs- 3. mVmV'rische Beaufsichtigung des

Risgebieks durd) eine französisch-spanische Streitkraft. . .

4. vesehuiig einiger strategisch ro,ch- tiger Punkte im Rifgebiet durch die Spanier.

5. Sofortige Aufnahme wirtschaft­licher Beziehungen mit den frucht- baren Tälern nördlich des Aerghaflusses.

Die Rifagenlen erklären, dah Add el Krim nur der er st en Bedingung zustimmen werde, dah jedoch die Abrüstung der Kriegsstämme, die Beaufsichtigung durch französifch-spamsche Truppen und die Besetzung einiger strategisch wichtiger Punkte unbillig sei.

Wi derstände gegen die Friedenspolitik.

Madrid, 10. April. (TU ) In spanischen Mili­tärkreisen ist man mit der Einleitung von Friedensoerhandlungen in Marokko keineswegs einverstanden. Es wird darauf hinge­wiesen,daß die Friedensbemühungen Abd el Krims nicht ernft j.u nehmen sind, sondern lediglid) ein diplomatisches Manöver seien. 3n verschiedenen Blättern weifen Offiziere, die eben von der Ma- rokkofront kommen, daraus hin, daß die letzten Er eigniffe hinter der Front Abd el Krims darau schließen lassen, daß die Rifstämme eine neue große Offensive vorbereiten. Sie be= ürchten, daß Die Kämpfe von Abd el Krim sofort wieder ausgenommen werden würden, falls ihm die Vorschläge Frankreichs und Spaniens zu hart erscheinen sollten. Von verschiedenen Generalen wird daher noch vor Eröffnung der Friedensoerhandlun­gen eine große Offensive befürwortet, um Abd e l Krim für d i e F r i c ö e n s b e D i n g u n g e n reif zu machen. Auch wird von diesen Kreisen darauf hingewiesen, daß die spanischen Politiker nicht vergessen dürften, daß das spanische Heer Ja t zwei Iahrzehne in Marokko gekämpft habe und jetzt den berechtigten Wunsch hege,

durch einen letzten großen Mafsenersolg den Frieden herbeizuführen.

In militärischen Kreisen wird schon jetzt Doraus« gesagt, daß die Friedensverhandlungen zu keinem