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Beklagte verweigert die Zahlung mit der Behaup­tung, daß der Kläger bei Abgabe der Versicherungs­anträge unwahre Angaben über frühere Lranvtchäden gemacht habe. Er habe die Frage nach früheren Brandschaden verneint, obschon er am ö. Mai 1915 und am 16. Februar 1922 zwei er­hebliche Schadensfälle durch Brandschaden gehabt habe Der Kläger entschuldigt sich damit, daß der Bersicheningsiulpektor S. bei Ausfüllung der Ver­sicherungsanträge erklärt habe, er brauche dieklei­neren" Brände nicht anzugeben.

Nachdem das Landgericht die Beklagte zur Zah­lung verurteilt hatte, erkannte das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. auf Abweisung der Klage. Die gegen dieses Urteil des Oberlandesgerichts beim Reichsgericht eingelegte Revision ist vom 3. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofs zurückgewie- ssn worden. Die reichsgerichtlichen Entscheidungs­gründe besagen hierzu folgendes: Wenn auch der Abschlußagent S. sich als bevollmächtigter Vertreter der Beklagten ausgegeben habe, könne die Klage keinen Erfolg haben, weil der Kläger seine Anzeige- pflicht nicht nur bei Abgabe der schriftlichen Ver­sicherungsanträge verletzt, sondern wie das Ober- landesgerichi feftstellt auch dem Agenten S. vor der Unterzeichnung bei schriftlichen Anträge un­wahre Angaben gemacht habe. Denn zu der Aeuhe- rung,die Beklagte lege auf kleinere Brände keinen Wert", fei der S. erst dadurch veranlaßt worden, daß der Kläger ihm gesagt habe, bei den früheren Versicherungsfällen habe es sich umStubenbrände" oder umleichtere Brände" gehandelt. Das war objektiv unrichtig. In der Nacht vom 5. zum 6. Mai 1915 war das Dach des Schweinestalles voll­ständig heruntergebrannt. Der Schaben ist bamals mit 1713 Mk. gedeckt worden, während der Bau­wert des ganzen Anwesens nur 15 860 Mk. betrug. Dem Kläger ist deshalb nicht zu glauben, baß er ben Brand als einenleichten" angesehen hat. Das Oberlandesgericht hat ohne Rechtsirrtum angenom­men, daß die Deilagte gemäß § 4 der Allgemeinen Versichernngsbedingungen in Verbindung mit ben § 16 ff. VDG. vom Vertrage zurückgetreten ist.

Das Recht zum Erjchiehen des übergelaufenen Jagdhundes (Nachbruck verboten.)

Der Direktor H. in Erfurt erschoß am 8. Juni 1924 frühmorgens in seinem Jagdrevier den Hund des Privatfärsters S in Bachra bei Kölleda. Die von dem Eigentümer des Hundes erhobene Scha- densersatzklage ist in allen Instanzen Landgericht Erfurt, Oberlandesgericht Naumburg und Reichsgericht abgewiesen worden. Aus den reichsgerichilichen Entscheibungrgrünben hierzu: Das Oberlandesgericht hat festgeslellt, baß her Hund, der 150 Meter von der Jngdgrenze entfernt vom Kläger gelöst und auf eine Katze gehetzt wurde, sei­nem Herrn alsbald außer Sey-und Hvr- ro e 11 e geriet Zn einem solchen Fall dürfen nach feststehender Rechtsprechung auch Jngd- Hunde, die im fremden Jagdrevier u m - herlaufen, getötet werden, sofern die Voraussetzungen der § 66, 67 II, 16 Allg. LR. vor­liegen. Nach der Auffassung des Oberlandesgerichts ist der Hund nach dem Ueberlaufen in das fremde Jagdrevier nicht sofort zurückgerufen worden. Der Kläger will aberbald nach" dem Ueberlaufen ge­pfiffen haben. Darin sieht aber das Oberlandesge- richt mit Recht fein unverzügliches Zurückrufen des Hundes. Die Ansicht, daß zwischen dem Verschwinden des Hundes aus Seh- und Hörweite und dem Zu­rückrufen ein angemessener Zeitraum lie­gen dürfe, ist r e ch f s i r r i g Gerade die Nähe der Reviergrenze und die infolgedessen bestehende Ge­fahr, daß der Hund, wenn er auch zunächst eine andere Richtung eingeschlagen habe, auf bas Jagd­gebiet des Beklagten geraten wäre, machten, zumal er feinen Standlaut abgob, bei dem unübersichtlichen Gelände sofortiges Handeln des Klägers not­wendig. Mit Recht hat bas Oberlandesgericht weiter angenommen, baß auch bet § 67 ALR ber Tötung des Hundes nicht entgegenftanb. Wie feftfteht, ist ber Hund nahe ber Grenze vom Kläger vorsätzlich gelöst worden. Dann fnnn aber keine Rede davon sein, .daß ervon ungefähr", also ohne daß Kläger dies hätte ooraussehen können, auf das ganz nahegelegene l fremde Jagdgebiet geraten ist Selbst wenn der Be- klagte den wertvollen Jagdhund als den des Klä- F gers, mit dem er als Jagdnachbarn verfeindet war, erkannte, und wenn er vorher ben Kläger ge- » sehen unb sein Pfeifen gehört hatte, unb em großer Schaben burch ben Hund nicht zu befürchten stand, verstößt es noch nicht gegen die guten Sitten im Sinne des § 826 BGB, wenn er von einem ihm zum Schuhe seiner Jagd gesetzlich zustehenben Recht Gebrauch machte.

Gerichtssaal.

Ruhrschadenschwindel.

WSR. Frankfurt a. M., 8. Dez. Eine Verhandlung vor dem hiesigen Großen Schöffen­gericht gegen den Kaufmann Karl Ql au lieferte einen drastischen Beweis dafür, wie manche be­hördliche Stellen, die mit der Feststellung der Ruhrschäden beauftragt waren, hinters Licht geführt wurden. Der Angeklagte hatte während des Ruhrkampfes 63 Ballen Stoffe aus dem besetzten Gebiet unter Umgebung des Zolls durch die Sperre zu bringen versucht, wurde aber dabei erwischt, und die Waren verfielen der Beschlagnahme. Der Schaden wurde auf 5028 Mk. festgesetzt, die auch bereits durch die KreiSkasse Marburg zur Auszahlung angewiesen werden sollten. Qtur durch die damalige Ebbe im Reichssäckel trat eine Verzögerung ein. Den­selben Schaden hatte Qlau Dann auch bei der Feststellungsbehörde in Barmen angemclbct und im Vergleichswege wurden ihm 3000 Mk. aus- bezahlt. Dabei gab er eine eidesstattliche Ver­sicherung ab, daß er den Schaden bei keiner anderen Stelle angemeldet habe, betrieb seinen Schad.enanspruch aber ruhig weiter und machte eine gesalzene Extrarechnung in Höhe von 32 000 Mark auf, wurde aber abgewiesen. So forderte er für Verpflegung von drei Leuten auf die Dauer von sieben Tagen 1053 Mk., für Lohn- anspruch 507 Mk., für Zechgelder für drei Mann und ebensoviel Tage 500 Mk. usw. Das Gericht verurteilte den tüchtigen Herrn wegen Betrugs und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Ver­sicherung zu acht Monaten Gefängnis.

Zuchthaus für Meineidige.

* Darmstadt, 9. Dez. Das ©djtourgeridjt verurteilte den Schr.iner Georg Matthes aus Rieder-Modau zu 1 Jahr 3 Monaten Zu thauS und das Laufrnäbchen Theo­dora Dem aus Darmstadt zu 1 Jahr Zuchthaus. Beide Strafverfahren waren aus Weineik^anllagen wegen Alimentationen er­wachsen.

Verurteilung einer Totschlägerin.

WSR. Mosbach, 8. Dez. Das Schwur- gericht verurteilte die Ehefrau Salomea Mohr wegen Körperverletzung mit nachfolgendem Tode zu vier Jahren Gefängnis, und den Mann zu zwei Wochen Gefängnis. 3m Verlause eines Streites mit Rachbarseheleuten hat Frau Mohr am 6. Ro- vernber der Ehefrau des Rachbarn Wör - lein mit einer Schaufel einen solchen Schlag auf den Kopf verseht, daß sie sogleich starb. Tcr Ehemann Mohr hatte den Aachbarn Wör- lein bei dieser Gelegenheit körperlich mißhandelt.

Oberhesfen.

tanotreie Gictzeit

V G roßen- Linden, 8. Dez. Bei der gestern stattgehabten Zwangsversteige­rung wurde die hiesige Universitäts- müh le zum Preise von 30 030 Mark von der Bezirkssparkasse (MathllbensttfO Butz­bach gekauft! g^chäht war das ganze Anwesen auf 80 000 Mark. Das am Bahnhöfe gelegene Wohnhaus des bisherigen Besitzers der Mühle wurde zum Preise von 13 500 Mark ebenfalls von der Deznkssparkaffe Betzbach ersteigert.

z. A l l e n d o r f a. d. Lda., 8. Dez. Die hiesige Ortsgruppe der Liga zum'Schutze der deut­schen Kultur ließ den ausgezelchneten Film Wege zur Kraft und Schönheit" vorsühren. Zahl- reiche Besucher von hier und aus den Nachbarorten ließen diesen sehenswerten Turn-, Sport- und Spiel- Film gerne auf sich wirken. Für die Schulen fand eine Sondervorführung statt. Jung und alt nahmen diese Darbietung der Liga mit lebhaftem Beifall auf.

@ b c r ft a b t, 8. Dez. Bei ber am vorigen Samstag in unserer Gemarkung obgehaltenen Treibjagd wurden 165 Hasen zur Strecke gebracht. Die Gemarkung ist etwa 2000 Morgen groß.

Aonnenroth, 8. Dez. Arn 22. Mai 1927 begeht der hiesige GesangvereinLiede r- kranz" die Feier seines 50jährigen Be­st e fj e n ä, mit der ein Wertungssingen des Volkssängerbundes($ b a 11 i a verbun­den werden soll Die Vorbereitungen zu der Ver­anstaltung sind bereits begonnen worden. 3n der Gemeinde finden die Bemühungen der Sänger allgemein weitgehende Unterftütjung.

1 Hungen, 8. Dez. Der Gemeinderat befaßte sich in einer feiner letzten Setzungen wieder einmal mit der Plahfrage für das Gefallenendenkmal. Dab i faßte er den endgültigen Beschluß, das Denkmal auf dem neu» angelegten Rondell gegenüber der neuen Schule zu errichten und es in nächster Zeit fertigstellen zu lassen. Durch diesen Beschluß kommt der Gemeinderat dem Wunsche der meisten Ein­wohner entgegen. Das Modell ist von einem geborenen Hungener. Architekt Schmidt , ent­worfen und stellt einen gefallenen, sich aber wieder aufrichtenden Krieger dar. 3ebenralld wird dieses Denkmal eine Zierde unserer Stadt werden.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 8. Dez. 3m vollbesetzten Saale des Hotel Trapp fand jetzt die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Junggesellen statt. Die Ver­sammlung wurde geleitet von dem Vorsitzenden deS Ortsgewerbevereins, Wilhelm Adam Heß. Aamens der Stadt sprach Beigeordneter Repp und erinnerte die Gesellen daran, daß die Lehr­zeit mit Abschluß der Gesellenprüfung nicht auf­höre, sondern das ganze Leben über an Dauere. Weiter ermahnte er die Meister, nach Möglich­keit Sorge dafür zu tragen, daß die 3ung= gesellen nicht das Heer der Arbeitslosen nüd) vergrößerten. Sodann überbrachte Dr. Reif die Glückwünsche der Handwerkskammer in Darm­stadt sowie der Handwerkskammemebenstelle Friedberg. Hierauf sprach der Leiter der hiesigen Gewerbeschule, Rektor Aeubauer. Zum Schlüsse erinnerte der Vorsitzende Heß daran, daß dieser Tag erst die erste Etappe zur Meister­prüfung sei. Dann wurden dieBriefe überreicht an 22 Junggesellen des Gewerbevereins, je 5 Sattler und Wagner, 7 Schuhmacher, 14 Schnei­der und 63 Schlosser und Schmiede.

Kreis Büdingen.

X Wallernhausen, 8. Dez. Auf dem Heimwege von Ridda hierher wurde eine Frau von hier am Freitag nachmittag von einem Wegelagerer überfallen und in unsitt­licher Weise belästigt. Rur durch die Flucht konnte die Frau dem Unheil entgehen. Die Frech­heit des Strolches, der aus einer tieferen Stelle neben der Straße plötzlich vor die Frau ge­sprungen war, erscheint um so größer, als die Heberfafiene noch ein sechsjährige Kind bei sich hatte, das allerdings sofort schreiend davonlief. Leider kommen derartige Fälle meistens verspätet der Polizei $ur Kennrnis und es gelingt dann nicht, des Täters habhaft zu werden. Kaum haben die Ho Izhauerarbeiten begonnen, so ereignete sich auch schon ein schwerer Un­fall. In dem Gräflich-Stolbergischen Walde zwischen hier und Ranstadt wurde Karl- m u ß von hier von einem fallenden Baum­stamm so unglücklich getroffen, daß ihm außer Verletzungen an der Seite ein Bein ent­zweigeschlagen wurde.

Kreis Schotten.

La ubach, 8. Dez. In der Versammlung des Laubacher Bürgervereins, die im GasthofZur Traube" unter dem Vorsitz des Fabrikanten Hohmann stattfand, berichtete zu­nächst Studiendirektor D r. Hainer über die Frage des Abbaues der hiesigen Real­schule. Vorerst wies er überzeugend die Un­begründetheit einiger persönlicher Angriffe zu­rück. Die Betreffenden nahmen sofort ihre Aeuße- rungen mit Bedauern zurück. Weiter betonte Dr. Hainer, daß aller Voraussicht nach die Schülerzahl nach dem Verlaus von 34 Fahren, wo der Ausfall durch die Kriegsjahre wieder ausgeglichen würde, sich von neuem heben und den alten Bestand wieder er­reichen würde. Grün berg habe gegen 50 Dörfer, Laubach nur 7 als Hinterland. Den zweiten Punkt der Tanesordnung bildete die Auswertung durch die Gemeinde. Oberamtsrichter Zimmermann wies nach, daß eine Aufwertung von 25 Prozent, wie sie von einigen gefordert wurde, von der Gemeinde unmöallch geleistet werden könne. Die Ver­sammlung schloß sich diesen überzeugenden Aus­führungen an. Jedoch wurde eine frühere Aus­zahlung empfohlen. Sodann wurde wieder die Senfmalfrage auf Anregung des Rlolkerei- besiherS Ettling erörtert. Die Versammlung be­

schloß, bei dem früheren Beschluß zu bleiben. Hiernach soll der Arnolbsche Entwurf zur Ausführung kommen: als Platz des Denkmals soll di» Westseite des Schloßgartens in der Rähe der ilntcrpforte empfohlen werden. Die Herberge der Handwerksbur­schen ist in der Turnhalle untergebracht. Um zu verhindern, daß diese Unterkunft Tag und Rächt zu jeder Zeit offen steht, soll die Herberge in die sog.Freibank" in der Stislsstraße" (am Jreienseener Weg) verlegt werden.

Gedern. 8. Dez. Aus dem G e - meinberat: Das hessische Ministerium des Innern hat der Stadtgemeinde Gebern nunmehr endgültig das neue Wappen ver­liehen, das von einem Heraldiker? des Ministe­riums ausgearbeitet wurde. Es stellt zwei rot­farbige, senkrecht angeordnete Fische in silbernem Felde dar. In der Annahme, daß das neue Wappen auch für Sammler, K mstfreunde usw. von Interesse ist, beabsichtigt die Stadtverwal- timg, eine Anzahl von Drucken Herstellen zu lassen, die von Liebhabern käuflich erworben wer­den fönnen.

WSR. Herchenhain, 8. Drz Die unter den hiesigen Schulk.ndern hrrrschrnde Masern­epidemie ist jetzt im Abnehmen begriffen. Man hofft, daß in ber kommenden Woche wieder mit dem Schulunterricht b: gönnen werden tonn. Auch in der Rachbargemeinde Hartmanns­hain sind verschiedene Fälle von Masern fest­gestellt worden.

Kreis Alsfeld.

** Alsfe,ld, 8 Dez. Aus der Stadtoor- st a n d s s i tz u n g: In der gestrigen Sitzung wurde die H u n d e st e u e r für das Kalenderjahr 1927 fest­gesetzt. Es wurde beschlossen, den Satz wie im abge­laufenen Jahre beizubehalten, d. h. 12 Mk. für jeden Hund. Ferner wurde, wie seither, beschlossen, einen Hof- bzw. Wachhund von der Gemeindehundesteuer für solche Gehöfte zu befreien, die außerhalb des Ortsbebauungsplanes der Stadt unb mindestens 200 Meter von dessen Ende entfernt liegen. B e - kämpfungdes Bettlerunwesens: Da das Bettlerunwesen auch in der Stadt Alsfeld in letzter Zeit so überhand genommen hat, daß es zu einer wahren Plage geworden, beantragte die Bürger­meisterei, -dem Beispiel anderer Städte folgend, die Einführung von Gutscheinen, d. h. sog.'Wohl­fahrtsschecks, die in Heften von 10 Stück bei der Bürgermeisterei und in einer größeren Anzahl von Ladengeschäften in der Stadt zum Preise von 50 Pfennig verkauft und ah die Bettler zur Etn- lösung gegeben werden sollen. Die Versammlung stimmte dem Vorschläge, der zweckmäßig erachtet wurde, nach kurzer Aussprache zu; es wurde dem­gemäß die Einführung solcher Gutscheine be­schlossen. Der von dem Bürgermeister getätigte Ankauf von zwei Wiesen zum Preise von 1,35 Mk. pro Quadratmeter zwecks Schaffung eines städti­schen Materiallagerplatzes, dessen Not­wendigkeit allseits anerkannt ist, wurde genehmigt, der erforderliche Kredit im Wege der Kapitalauf­nahme bewilligt. Der Verkauf eines der neuerbauten Zweifamilienhäuser in der Tilemann-Schnabelstraße zum Preise von 15 000 Mark an den Kanzlisten Lorenz Jung wurde geneh- mit. lieber die Beleuchtung de s Bahn­hofs Alsfeld entspann sich eine lebhafte Aus- lpra He. Der Vorsitzende führte Beschwerde über die völlig unzureichende Beleuchtung des Bahnhofs, die so kümmerlich sei, daß kein Reisender dabei über­haupt einen Fahrplan lesen könne. Für die ankom­menden Reisenden biete der nur halb erleuchtete Bahnhof einen geradezu deprimierenden Eindruck. Alle Vorstellungen der Bürgermeisterei gegenüber diesem unwürdigen Zustand seien bis jetzt fruchtlos geblieben. Die Versammlung stimmte einmütig diesen Beschwerden zu und übte scharfe Kritik an dieser völlig ungerechten Spar- methode der Eisenbahn, die dem Publikum unverständlich fei. Nach längerer Aussprache wurde beschlossen:Sie Vertretung der Stadt Alsfeld er­hebt einmütig (djärfften Prolest gegen die völlig unzureichende Beleuchtung des Bahnhofes und verlangt eine dem Verkehr der Stadt Alsfeld entsprechende ausreichende Beleuchtung." Der Voranschlag über öie Erbauung von drei Zweifamilienhäusern im Betrage von insgesamt 48 000 Mark wurde genehmigt. Am Schlüsse der öffentlichen Sitzung führte Stadtv. Dollinger Beschwerde darüber, daß am T o i e n- f o n n ta g Fußballspiele auf dem städtischen Festplah stattgefnuden hätten, was er als eine Rück­sichtslosigkeit gegenüber der Bevölkerung bezeichnete. Er verlangte ferner Einstellung der Wettspiele an den ersten Tagen der hohen christlichen Feste. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde der Antrag an die zuständige Kommission zur Prüfung überwiesen.

o. Alsfeld, 8. Dez. Die hiesige Lehrer­schaft veranstaltet am 19. Februar 1927 an­läßlich des 100. Todestages von I. H. Pesta­lozzi im großen Saale desDeutschen Hauses" eine Pestalozzis eier. Das Programm ent­hält ein Pestalozzi-Festspiel, eine Festrede. De­klamationen und Chorgesänge. Das Alsfelder Jugendvrchester hat seine Mitwirkung bei der Feier zugesagt.

L M v ck e, 8. Dez. Der Rest der Kreis­st raße Mücke Grünberg, der im Herbst nicht mehr gewalzt wurde, wird jetzt mit Schotter verseheri, um im nächsten Frühjahr repariert zu werden. Zu diesem Zwecke werden aus dem Keilschen Steinbruche in Ober-Ohmen 700 Kubik­meter Schotter angefahren. Da im kommenden Aahre auch die Straße von Ulrichstein bis zur Kreisgrenze gemäht wird, befindet sich dann dir Ohmstrahe wieder in erstklassigem Zustande.

= Ober-Ohmen, 8. Dez. Einem Wunsche weiter Einwohnerkreise Rechnung tragend, beabsich­tigt unsere Gemeinde, das in der Nähe der Rahns- Mühle gelegene frühere Elektrizitätswerk unseres Dorfes zu einer Badeanstalt umzuwan­deln. Dort sollen 10 Badewannen ausgestellt und eine Brausevorrichtung geschaffen werden. Zur Erzeu- gung von Heißwasser soll Elektrizität dienen. Man ist bereit, diese Anlage auch den Einwohnern von Ruppertenrod und Groß-Eichen zugäng­lich zu machen.

L Ober-Ohmen, 8. Dez. Am Sonntag- abend weilte Pfarrer R e u s ch aus Rieder- Ohmen mit seinem I ü n g l i n g s v e r e i n hier zur Aufführung der von höchster evangelischer Glaubens not handelnden Schönherr schen Tra­gödieGlaube und Heimat". Pfarrer Reusch führte die Zuhörer zunächst in den Gang der Handlung ein. Mit liefet Rührung folgten die Besucher dann der vortrefsiichen Darstellung, di« lebhaften Beifall fand. Der Posaunen- chor von sinter-Seibertenrod um­rahmte die Aufführung in schöner Weise. Der Ortsgeistliche gab dem Dank der Besucher in trefflichen Worten Ausdruck.

Kreis Lauterback.

la. Lauterbach, 7. Dez. Unter starker Beteiligung aus Stadt und Land wurde heut« der Schulrat L R. Heinrich Andres zur letzten Ruhestätte geleitet. Im Trauer- gefolge waren die Lehrer des Kreises besonders zahlreich erschienen, die dadurch ihrem Schulrat die letzte Ehre erweisen wollten. De an S ch 1 ö s - s e r hielt eine eindrucksvolle Graarede, in der er die vortrefflichen Eigenschaften des Heim- geganqenen gebührend hervorhob. Kreiskirektor Dr. Michel ehrte den Entschlafenen im Ramen der Kreisschulverwaltung, um die er sich große Verdienste erworben, Lehrer Repp s-rach im Auftrage der Kreislehrerschaft dem verewigten Schulrat Dank und warme Anerkennung aus. Ferner sprachen noch Lehrer Hübner für den Bezirkslehrervercin Lauterbach, Schulrat H u f f* Alsfeld für die Kreisschulräte des Landes, Apo­theker Sartorius für die Freimaurerloge Ludewig zur T tue in ©leben, ferner je e.n Vertreter der Kleiniinberbetoahranstalt und der Heims-ä tenbrugefellsck a t; Kran riebe Lgurren begleiteten die tiefgefühlten Ansprachen. Die Realschule zu Ridda, deren Mitt eg ünder der Verstorbene war, hatte einen Verte er ent­sandt. der im Ramen der Stadtverwaltung unb der Realschule Ridda den Heimgegangenen För­derer ehrte. Schulrat Andres hat belanntlich von 1894 bis 1924 als Kreisschulrat im Kreise Lauterbach gewirkt.

Starkenburg.

' Darmstadt, S. Dez. De? Bericht übet die Unterschlagung von 113 000 Mk. bei der Bodenheimer Spar- und Dar­lehn S k a s s e hat in Genossenschaltskreilen er­hebliches Aufsehen erregt. Der Verband Bet Hess, lanbto. Genossenschaften Darm­stadt teilt dazu mit, daß in Bodenheim eine Spar- und Darlehnskasse dieses Verbandes nicht besteht und eS sich bei der fraglichen Unter­schlagung offenbar um den Bodenheimer Spar- und Da r l e h n s ka s s e n v e r e i g handelt.

WSR. Darmstadt, 8 Dez. In der Rähe der sogenannten Hirschköpse bet Reßdors ließ sich gestern ein junger Handlungsgehilfe von hier von einem Zuge der O^enwal bahn überfahren. Was den jungen Mann in den Tod getrieben hat, ist noch nicht aufgeklärt.

Darmstadt, 8. Dez. In der Röhe von Heppenheim war ein R a d f o h r e r s ch w er verletzt unb besinnungslos aufgefunden wor­ben. Rachbem er einige Tage bewustlos war. konnte er jetzt angeben, daß er von einem Qiuto angefahren worden ist. Die In­sassen des Autos sind davongesahren, ofjnt sich um den Verletzten zu Rimmern. In Mör­felden ist zwischen dem G em e i n d e r a t unb dem Kreisamt ein eigenartiger Konflikt ausgebrochen. Der Gemein'.erat hat die Zahlung der Unter ft Übungen an bic Erwerbs­losen eingestellt, well keine Mittel zur Deckung der Ausgaben vorhanden seien. Das Kreisamt hat daraufhin angeordnet, daß die ilnterflÜbungen weiterzuzahlen seien. Der Ge­meinderat will dem Ersuchen nicht nachkommen. Weil noch aus dem Vorjahre der Gemeinde­haushalt einen Fehlbetrag von 10 030 Mk. aufzuweisen hat. Der Knecht Heinrich Metz aus Darmstadt wurde unter dem Verdacht, ein Fahrrad gestohlen zu haben, f e ft ge­nommen. Er gestand schließlich ein. das Rad in Frankfurt vor dem Arbeitsamt gestohlen zu haben. In Ober-Kinzig kam es zwischen Burschen aus diesem Ort und aus Birkert zu S t r e ft l g f e i t e n wegen eines Mäd­chens. Drei Burschen aus Ober-Kinzig tour en hierbei von ben an'.eten durch Messerstiche ver­letzt. Einer erhielt einen Stich in bie Lunge und mußte nach Darmstadt ins Krankenhaus ge­bracht werden. Er schwebt noch in Lebens­gefahr.

WSR. Schönaui O,8. Dr-. Hier fam tiefer Tage eine mit Wasser gefüllte Betsilwche, die von der Hausfrau auf den Hera gestellt toorten war, dadurch zu einer Explosion, bah sich ta ter flasche so starke Dämpfe entwickelten, daß dieselbe schließlich auSeinanbergeriJen wurde. Die Frau erlitt dabei lebensgefährliche Ver­letzungen.

Preußen.

Kreis Bicvcttkopf.

Oberförster ei Strupbach, 8. Dez. Zu dem Bericht (Eieß. Anz." Rr. 234) über dte Treibjagd i in Dünsberg ist berichttgend mitzuteilen, daß nicht 3, sondern 5 Hasen ge­schossen wurden.

Kreis Wetzlar.

O Dornholzhausen, 8. Dez. Die Holzfällungsarbeiten im hiesigen ® e- meinbetonlbe haben in diesen Tagen ihren Anfang genommen. Mit Rücksicht darauf, daß in erster Linie d e in der Gerne.nde vorhandenen Erwerbslosen bei den Fällungen beschäf­tigt werden müssen, ist d.e Zahl der Holzhauer eine größere als in früheren Jahren. Auch Kleinbauern, die sich in den Winter- monaten einen kleinen Verdienst ö rch Lohn­arbeit verschaffen wollen, beteil gm sich an den Fällarbeiten, ebenso Dauhandtoe.k r. b;r:n Ar­beit infolge bet vorgeschr.tteaen JahreSzeit ruht. Als Fallerlöhne werden ungefähr dieselben Be­träge gezahlt, wir in den Vorjahren.

L Hochelheim, 8. D z. Die Kleebach- t a I ft r a 6 e zwischen hier und Dornholz­hausen ist an verschiedenen Stellen s o eng, ba& sie für die Anforderungen, d.e der heutige Verkehr an sie stellt, Nicht mehr ausrei­chend ist. Besonders bei dem zunehmenden Kraft- fahrzeugverkchr werben auf Die Dauer Unfälle nicht zu vermeiden sein, wenn gegen den jetzigen Zustand nicht Abhilfe geschaffen wird. Größere Lastfuhrwerke, Lastautos usw. können sich an einzelnen Stellen kaum ausweichen, sie'sen manchmal über die Dtraßenbankette hinaus auf die Aecker usw. fahren. Die Gemeinde trägt sich daher mit der Absicht, die Straße an den besonders engen Stellen verbreitern zu lassen. Die D:rchllihrung bi'fci Planes erfordert jedoch so hohe Mittel, daß es der Gemeinds allein nicht möglich ist, sie aufzubringm. Das Projekt ist vielmehr nur dann d rchführoar. wenn der Gemeinde von Kreis und Prov nz eine nam­hafte Beihilfe bewilligt torrb. Das für die Straß en verbr eitern ng erforderliche Deiände ist bereits bet bet Durchführung der to rtschäftttchen Umlegung der Grundstücke der hiesigen Gemar­kung ausgewiesen worden.