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Nr. 288 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen) Donnerstag, 9. Dezember 1920

Die Entwicklung (Chinas.

Don unserem W.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Anm. d. Red.: Bei den sich überstürzen­den Ereignissen in China gehen dem Auge des Zeitungslesers nur zu oft die großen Zu- sommenhönge verloren. Wir haben darum unseren Berichterstatter gebeten, die Entwick­lung Chinas im letzten Jahrzehnt noch ein­mal in großen Strichen zu zeichnen.

Schanghai, November 1926.

Unter allen Ländern der Well ist China wohl dasjenige, dessen gegenwärtige politische Lage am meisten unklar und verworren erscheint. Demnach lassen sich die Richtlinien, nach welchen die Entwick­lung dieses Landes in politischer und wirtschaftlicher Beziehung In nächster Zukunft schon vor sich gehen wird, oder vielmehr, bei Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren, zwangsläufig vor sich gehen muß, schon heute einigermaßen deut­lich erkennen.

Die neueste Geschichte Chinas hat seit 1911 be- konntlich einen sehr unruhigen Charakter gehabt, was teils durch die Volkserhebungen, teils auch durch den Weltkrieg bedingt war. Am 12. Februar 1912 muhte die Mandfchudynastie abdanken und 1913 wurde 3 u a n | d) i r a i zum Präsidenten der großen Republik gewählt. Der 1914 ausbrechende Welt- krieg, der sich in China lediglich auf Tsingtau kon­zentrierte, hatte zunächst auf die Entwicklung der Dinge wenig Einfluß. Ebenso auch die vorüber­gehende Wiederherstellung der Monarchie im Jahre 1915, da Iuanschikai schon 1916 auf die Kaiser- würde verzichtete. Als aber China, von der Entente gedrängt, am 14. Auaust 1917 den Mittelmächten den R r i^e g erklärte, folgten unmittelbar zahlreiche Aufstände und Volkserhebungen. Die wich, tigste dieser revolutionären Bewegungen war die im Gebiet von Kanton, das den Krieg nicht mit- machen wollte, sich von der chinesischen Republik trennte und bis heute ein unabhängiger Staat geblieben ist. Die sehr schwere Einbuße, die England und der britische handel in den letzten Swei Jahren in Kanton und Hongkong erlitten oben, zeigt beionders eindringlich, welchen schweren fehler die britische Politik 1917 begangen hatte, ab sie China in den Krieg drängte.

In den unaufhörlichen Kämpfen, die China seit dem Kriegsende führt, um sich von jeder Dormund- schaft des Auslandes zu befreien, ist der am 20. Mai 1921 mit Deutschland abgeschlossene Sepa - rot-Friedensvertrag in seinen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von der aller­größten Bebeutung. Denn als Präzedenzfall ist dieser Vertrag so wichtig, da die ihm zugrundeliegende, völlige Gleich st ellung und Gegenseitigkeit für die Chinesen das mangelnde Programm für ihr Verhalten zu allen übrigen auswärtigen Mächten bleiben muß. Das zeigte sich bereits in der zum 26. Oktober 1926 erfolgten Kündigung des belgisch- chinesischen Vertrages von 1866, dem wohl sehr bald noch weitere Kündigungen folgen werden. Aber schon 1922 konnte Amerika den ersten der Washing­toner Verträge, die China mit Amerika, England, Japan, Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Portugal abschloß, mit Recht als eineMagna Charta" der chinesischen Freiheit bezeichnen. Wenn die in diesen Verträgen gemachten Versprechungen bis jetzt noch nicht gehalten worden sind, so hat das einerseits die Nervosität der Chinesen noch gestei­gert, andererseits den Signatarmächten nur ge- schadet. Einen weiteren Impuls erhielt die Selb­ständigkeitsbewegung durch den 1924 mit S v - wjetrußland abgeschlossenen Vertrag, »der in bezug auf die Gleichberechtigung und Aufhebung der Exterritorialität ein vollkommenes Analogon des deutsch.chinesischen Vertrages darstellt.

Die furchtbaren Verluste, die der britische Handel seit dem vorigen Jahre erlitten hat. sind die un­mittelbare Folge des törichten, brutalen Vorgehens der englischen Polizei in Schanghai im Mai 1925, als sie demonstrierende Studenten und Arbei­ter niederknallte. Erst daraufhin schloß sich ganz China in einer Einheitsfront zum Boykott eng­lischer Waren zusammen. Es kam so weit, daß die britische Regierung ihre Kolonie Hongkong 1925 mit 3 Millionen Pfund St. unterützen muhte, um ihr über die Krisis hinwegzuhelsen. Don der Zentral- regicrung in Peking wurde die ganze Freiheitsbe- roegung stets energisch unterstützt, was zunächst auf

Oer Frosch mit derMaske

Roman von Edgar Wallace.

11. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Aus dem mit Lohe bestreuten Reitwege, der mit der Parkstrabe parallel lief, kamen ein Herr und eine Dame zu Pferde heran. Der Herr war Ray. Er war sehr elegant gekleidet und von den Spitzen seiner aewichsten Reitstiefel, bis zu feinem grauen steifen Hut, entstammte alles den teuersten Quellen. Dar Mädchen neben ihm war jung, schön, zierlich. Die Reiter vassierten, ohne daß Ray der inter­essierten Zuicyauer gewahr wurde, und Ella, die vor Staunen erstarrte, vernahm den hellen Klang seines Lachens.Ich begreife nicht---, kennen Sie

die Dame, Herr Gordon?"

Dem Namen nach wohl", sagte Dick trocken. Sie heißt Lola Bassano."

3ft sie eine Dame?"

Dicks Augen zwinkerten.Elk verneint es, aber Elk hat übernommene Vorurteile. Sie besitzt Reich­tum, Erziehung und Wissen. Ob diese drei Trümpfe genügen, um eine Lady zu machen, weih ich nicht. Wie gesagt, Elk verneint es."

Ella saß mit wirbelnden Sinnen still.

Ich glaube. Sie brauten Hilfe für Ihren Bru­der?" sagte Dick.Nicht wahr, er macht Ihnen Angst?" Sie nickte.Er ist auch mir ein Rätsel. Ich kenne alle Details über ihn, seinen Gehalt und seine merkwürdige Maskerade unter einem andern Namen. Das alles wurde mir keine Sorgen machen, denn junge Leute haben diese Art von Geheimnissen gern. Nur sind es unglücklicherweise teure Geheim- nisse. Und ich möchte wissen, wie er es sich leisten kann, seine neugewonnene Stellung aufrecht zu er­halten." Dick erwähnte eine Summe, die bewirkte, daß Ella mit staunend geöffneten Lippen reglos sitzen blieb.Ja, das kostet es", sagte Dick.Elk, der eine Leidenschaft für genaue Einzelheiten hat und der auf den Penny weiß was zum Beispiel dieser Reitanzug kostet, hat mir die Angaben ge­liefert."

Sie unterbrach .ihn mit einer so verzweifelten Geste, daß er sich brutal oorkam.Was kann ich tun? Was kann ich tun?" fragte sie. ,Zeder will mir

der im Oktober 1925 abgehaltenen Zo11k-onfe - renz zutage trat Hier verstand es der chinesische Vertreter, auf Grund des Washingtoner Vertrages die grundsätzliche Zustimmung der Großmächte zur vollen Zollautonomie für China zu erlangen, mit Wir.ung vom 1. Januar 1929 Die unaufhör­lichen Bürgerkriege haben nun zu einer Fünsteilung des Landes geführt. das gegenwärtig in fünf, in nicht gerade sehr blutigen Kämpfen sich befehdende Militärprooinzen zerfällt. Die beiden stärksten und am besten organisierten Gebiete sind ohne Frage die Mandschurei und Kanton. Die Mandschu- r e i, von altersher das klassische Schlachtfeld aller asiatischen Kämpfe, ist jetzt zwar so gut wie eine japanische Kolonie, doch leben dort nur 186 000 Ja­paner, denen 20 Millionen ((eit 1905 dort eingeman- berte) Chinesen gegenuberfteben In Zukunft wird bieses Gebiet beshalb an Bevölkerungszahl balb Frankreich ober Cnglanb gleichkommen. Die Ja­paner, bie sich aus Mittelchina klug zurückgezogen haben, laßen hier T f ch a n g t s o l i n , ber mit bik- tatorifdjer Gewalt unb mit großer Grausamkeit vor­geht, völlig freie Hanb, solange er ihr Freunb bleibt. Sie haben ihm auch ben Bau von Arsenalen und Munitionsfabriken ermöglicht, die ihn militärisch be­sonders stark machen

W u p e i s u in Mittelchina (100 Millionen Be­völkerung), der bald Tschangtsolin bekämpfte, bald ich mit ihm verständigte, wurde bis zum Beginn tiefes Jahres von England unterstützt, bann aber allen gelassen, als fein Untergeneral Sun T s ch u- a n g Fang sich mit seinen 5 Provinzen (60 Mil­lionen) für unabhängig erklärte. Dieffr Gewalthaber würbe seit bem Sommer von Englanb unterstützt, weil Schanghai als Zentrum seiner Provinzen Du­tum, Tschekiang, Kiangsu, Kiangsi unb Anchui für Englanb besonbers in Betracht kommt. Die Armee Suns ist verhältnismäßig schwach.

Die größten militärischen Erfolge haben in ben letzten Monaten bie Kanton- Truppen unter dem General Tschiang erzielt, nicht burch die militä­

rische Tüchtigkeit dieser Truppen, die bei diesen, wie bei allen Chinesen fehlt, sondern weil ihre radikal nationalistische Einstellung bei der Bevölke­rung Chinas überall ein lebhaftes Echo findet. Un­terstützt wird das Kantongebiet nach wie vor von Sowietrußland. Kanton mit Kwantung hat 37 Millionen Bevölkerung.

Der fünfte Gewalthaber, der mit Moskau in engster Fühlung stehende, chinesische General Feng in der Mongolei ist aus rein geopolitischen Gründen zwangsläufig aus die Hilse Rußlands angewie­sen, da er infolge der geographischen Lage nur von diesem Lande mit Kriegsmaterial unterstützt werden ' kann. Gegenwärtig strebt er nach einer Einigung unb Verbinbung mit ber Kuomintangruppe aus Kan­ton, so baß jeht ber Einfluß ber Tschitscherinschen Politik unter allen auswärtigen Einwirkungen wohl ber stärkste in China ist. Die Mongolei zahlt eine Bevölkerung von 4 Millionen Menschen.

Mit ben Japanern wetteifern die Amerika­ner, zum großen Merger unb Nachteile ttnglanbs. In weitestgehenber Chinesenfreunblichkeit unb Nach- giebigfeit gegen alle Parteien. Englanb, bas bie größten Interessen in China besitzt, steht in der un­günstigsten Position. Die vielfach geäußerte Ansicht, baß bie in Frage fomrgenben vier Großmächte bie chinesischen Gewalthaber als Werkzeuge für ihre Zwecke gebrauchen, ist mit wenigen Ausnahmen wohl kaum richtig. Diese Mächte geben sich feinen Illusionen barüber hin, baß außer Russen unb Deutschen alle Fremben als bevorzugte Ausbeuter in China verhaßt sinb, unb baß bie einzelnen Mächte den meisten Chinesen nur als Mittel zur Er­reichung ber Selbstänbigkeit Chinas gelten.

China ist burch seinen starr konservativen Geist bis jetzt in seiner Entwicklung weit hinter Japan unb Jnbien zurückgeblieben. Aber bie gewaltigen geisti­gen unb sozialen Umwälzungen ber neuesten Zeit lassen bereits beutlich erkennen, baß es in Zukunft nicht ben Weg Indiens, sondern den Japans gehen wird.

Der Rechtsspiegel.

Straßenbau unb Haftpflicht.

(Nachdruck verboten.)

In manchen Städten wird nach bem Prinzip je .länger befto lieber" Straßenbau betrieben. Stra­ften werden aufgehackt unh (zum Teil) wieder 3u- geschüttet, Straßenbahnschienen werden gelegt, Ma­terialüberreste bleiben liegen zur gesunden Be­wegung des Bürgers! Hier und dort stößt er auf Sand- oder Steinhaufen, auf von Kindern ver­schleppte Steine, ober er gerät in die Gefahr, in nicht gehörig abgesperrte Löcher unb Fallgruben zu stürzen. Ist ein Unfall geschehen, Io beruft sich bie Stabtgemeinbe, bie Straßenbahngesellschast ober bie sonst verantwortliche Baufirma gewöhnlich barauf, baft sie burch § 831 BGB.entlafter fei, weil sie eineneinroanbfreien" Bauleiter undeinroanbfreie" Arbeiter angestellt habe. Die gegenwärtige Reichs- gerichtsentscheidung lehrt aber, baft biefe Entschul­digung nicht immer stichhaltig ist. Vielmehr umfaftt bie Erfüllung ber bei ber Leitung ber Arbeiten zu beobachtendenim Verkehr erforderlichen Sorgfalt" auch die Erfüllung der dem verfassungsmäßigen Ver­treter obliegenden allgemeinen Aufsichtspflicht.

Die verwitwete Frau Oberstabsarzt D. in Gör­litz war am 28. September 1923 abends gegen 8.30 Uhr zu Schaden gekommen, als sie vom Bürgersteig aus eine Strafte überschreiten wollte. Sie Jtolpcrte beim Hinuntertreten auf ben Fahrbamm über eine unmittelbar längs bes Bürgerfteigs liegenbe Stra- ßenbahnschlene, die mehrere Zentimeter über die Bordkante des Bürgersteigs hinausragte. Die Frau hat gegen bie Allgemeinen Lokalbahn- unb Kraft- werke A.-G. in Görlitz Klage auf Schadenersatz er­hoben. Landgericht Görlitz unb Oberlandesgericht Breslau haben ben Klageanspruch bem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und auch festgestellt, baft bie Beklagte zum Ersatz bes weiterhin entstehenden Schadens verpflichtet ist. Vor dem Reichsgericht hat die Beklagte geltend gemacht, baft ihr mit ber Be­aufsichtigung bes Betriebes betrauter Beamter prak­tisch gelernter Hochbauer unb seit 36 Jahren allei­niger Betriebsleiter ber Görlitzer Straßenbahn fei, der bereits 25 Jahre lang (Bleisbauarbeiten und Er­weiterungen ohne Unfälle durchgeführt habe. Das Reichsgericht hat dennoch die Revision der Beklagten

zurückgewiefen. In den reichsgerichtlichen Entfchel- dungsgründcn wird u. a. ausgeführt- Ursächlich für ben Unfall war die ungenügende Beleuchtung der Arbeitsstelle und die tagelange oerkehrswidrige La­gerung der Schiene. Der nach § 831 Satz 2 BGB. angetretene Entlastungsbeweis reicht nicht aus. Der ür die sorgfältige Auswahl des Betriebsleiters er» orderllche Beweis umfaftt vielmehr auch die Er- üUung ber bem verfassungsmäßigen Vertreter ob- liegenden allgemeinen Aufsichtspflicht. In bezug auf die Erfüllung dieser Kontrollpflicht hat die Beklagte aber keine Behauptungen aufgestellt. Nach ihren Ausführungen muß vielmehr angenommen werden, baft sie bem Betriebsbirektor bie Erledigung seines Geschäftskreises ohne jede Kontrolle überlassen hat. Die sorgfältige Auswahl des Betriebsleiters allein kann nicht genügen, um bie Beklagte von der gesetz­lich begründeten Schadenersatzpflicht zu befreien. Sache der Beklagten wäre es gewesen, durch ge­eignete Kontrollmaßnahmen darauf zu halten, daß bet Ausführung der hier in Betracht kommenden Arbeiten ber Schutz bes Publikums nicht aufter acht gelassen werbe. Auf biefe Weise wäre verhütet wor­ben, baft eine gewisse Gleichgültigkeit im Liegen­lassen des Baumaterials einrift.

Namensschutz der offenen Handelsgesellschaft.

Der 2. Zivilsenat des Reichsgerichts hat in seinem Urteil vom 11. Juni 1926 seine früher ohne nähere Begründung ausgesprochene Ansicht, die offene Han­delsgesellschaft habe kein Namensrecht, sondern nur ein Firmenrecht ohne Rücksicht darauf, baft ber Per­sonenname ihrer Mitglieber in ihr enthalten fei, nach ber Deutschen Richterzeitung nicht aufrechter­halten. Denn wenn auch bie offene HG. keine juri­stische Person bes Hanbelsrechts ist, wie die Aktien- gesellschaft unb bie Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht, zu beren Gunsten als Träger eines Na­mens ber Namensschutz anerkannt ist, so ist sie boch bie unter ihrem Namen (Firma) zusammengefaßte Gesamtheit ber Gesellschafter. Wenn in biesem Na­men der von einem Gesellschafter für die Benennung der Gesellschaft zur Verfügung gestellte Familien- name einen Bestandteil bildet, fo muft eine solche

helfen. Sie, Herr Johnson, und ich glaube auch Herr Elk. Ader es ist unmöglich. Es mag Ihnen vielleicht komisch Vorkommen, daß ich in solche Aufregung über Rays dumme Streiche gerate, aber es bedeutet für Vater und mich ja soviel." Als habe sie seine Gedanken erraten, fragte sie plötzlich: Ist sie eine liebe Perlon, das Fräulein Bassano? Ich meine, ist sie jemand, mit dem Ray bekannt sein darf?"

Sie ist sehr reizvoll", antwortete Dick nach einer Pause.

Sie bemerkte sein Ausweichen und führte das Ge­spräch nicht weiter. Sie kam auf ihre Unterredung mit Ezra Maitland au sprechen, und er hörte ihren Bericht an, ohne Ueoerraschung zu äußern.

Er ist ein ungeschliffener Diamant", sagte er. Elk weift etwas über ihn, aber er will es mir nicht verraten. Elk liebt es, feine Vorgesetzten zu mysti­fizieren, er tut es beinahe noch lieber, als einen Verbrecher zu entdecken."

Warum trägt Maitland Handschuhe Im Bu­reau?" fragte Ella unerwartet.

Handschuhe? Das habe ich nie gewuftt", fagte er überrascht.

Als er die Hand hob, um feinen Bart zurückzu- streichen, habe ich es gesehen. Und ich habe auch ge- sehen, daß er auf dem Unten Handgelenk eine Täto­wierung trägt. Sie kam gerade noch unter bem Ranb bes Hanbschuhs hervor. Es waren ber Kopf unb bie Augen eines Frosches."

Sind Se sicher, sich das nicht nur eingebildet zu haben, Fräulein Bennett?" fragte Dick.Ich fürchte, ber Frosch macht uns alle schon ein wenig nervös." Aber ich ftanb nur wenige Schritte von ihm ent­fernt", beharrte sie.

Haben Sie mit Johnson darüber gesprochen?" Sie schüttelte den Kopf.

Aber ich erinnere mich jetzt, daft auch Ray ge­sagt hat, Herr Maitland trage Sommer und Winter Handschuhe."

Dick war wie vor den Kopf geschlagen. Es war doch unwahrscheinlich, daß dieser Mann, das Haupt einer großen Finanzgruppe, mit einer Bande von Landstreichern im Bunde sein sollte.Wann kommt Ihr Bruder nach Horsham?" fragte er ablenkend.

Am Sonntag", sagte das Mädchen.Er hat Baler versprochen, mit uns zu essen."

Vielleicht wäre es dann möglich, mich als Vier­ten zu laben?"

Sie werben ber Fünfte sein", lächelte sie.Herr Johnson kommt auch. Der arme Johnson fürchtet sich vor Vater. Ich glaube, bie Angst ist gegenseitig. In bieser Beziehung ähnelt Vater Herrn Maitland, auch er mag Fremde nicht leiben. Aber auf alle Fälle labe ich Sie ein", sagte sie unb bie Aussicht auf den Sonntag lieft sie beide wieder froh werden.

Des Abends kam Elk, als Dick gerade im Be­griffe war, sich fürs Theater umzukleiden. Und Dick sprach ihm von Ellas Verdacht. Zu [einer Ueber- ralchung nahm Elk die aufregende Theorie recht kühl auf.

Es wäre möglich," sagte er,aber es Ist noch möglicher, daß er gar fein Frosch ist. Der alte Mait- land war in seiner Jugend Matrose, wenigstens sagt das die einzige Biographie von ihm, die existiert. Vor zwölf Jahren erschien eine halbe Spalte über ihn, als er Lord Maister» Bauplatz auf dem Embank- ment kaufte unb sein Bureau zu vergrößern begann. Aber ich kann Ihnen nur bas eine sagen, Herr Gor­ban, vom alten Maitlanb glaube ich alles, was Sie wollen. Leute, bie Millionen oerbienen, finb nicht normal Wären sie es, so würben sie sie nicht ver- bienen." In dieser Woche war Dicks Aufmerksamkeit durch einen ungewöhnlichen Vorfall von den Frö­schen abgelenkt worden. Am Dienstag hatte der Sc» tretär des Auswärngen Amtes nach ihm geschickt und er war zu seiner Ueberroschung von dem höch­sten Herrn des Departements persönlich empfangen worden. Der Grund dieser seltenen Ehre wurde ihm eröffnet

Kapitän Gordon," sagte ber Minister,ich er­warte aus Frankreich bie Kopie bes Handelsver­trages, der zwischen uns, der französischen und ita­lienischen Regierung geschlossen werden soll. Es ist sehr wichtig, daß dieses Dokument wohl bewacht werde, weil, wie ich Ihnen im Vertrauen sagen kann, es von einer Revision ber Tarifaufstellung ftanbelt Es ist von höchster Wichtigkeit, daß ber Bote bes Königs, ber den Vertrag überbringt, auf das Peinlichste bewacht werde unb ich wünsche. ben gewöhnlichen Polizeibienst zu ergänzen, indem ich Sie ihm nach Dover entgegenschicke. Es ist ein biß- chen außerhalb Ihrer Pflichten gelegen, aber Ihr Nachrichtenbienst währenb bes Krieges mag mir zur Entschuldigung dienen wenn ich diese Verantwortung auf Ihre Schultern lege. Drei Mitglieder der fran-

offene Handelsges. schäft auch befugt fern, die Rechte aus § 12 bes Bürgerlichen Gesetzbuches auf Namens« schütz geltend zu machen, bie insofern noch über bie Rechte aus § 37 Ads. bes Handelsgesetzbuches hin« ausgehen als nach § 12 BGB. das Interesse des Berechtigten geschützt wird, daft nicht ein anderer unbefugt ben gleichen Namen gebraucht Das In­teresse im Sinne des § 12 BGB. aber begreift nicht nur ein familien- ober oermögensrechtliches, jonbent iebes bes Rechtsschutzes würdiges Interesse, also auch ein ibeales unb selbst ein Asjektions-interesle (Ent­scheidung des Reichsgerichts in Zivilsachen Bb. 74 S. 308). Dagegen genügt nach § 37 lb|. 2 bes Han- belcgesetzbuches, bet nur ben firmenrechtlich unbe­fugten Gebrauch einer Firma betrifft, die Verletzung bloßer Interessen des Berechtigten nicht.

Der Eisendahnun all beim Aufenthalt aus ber Plattform.

(Nachdruck verboten.)

Der Aufenthalt auf ber Plotsorm bes Eisen« dahnwagens ist auch heute noch üblich, inebefonbert auf Arbeiterzuacn unb bei Gelegenheit von Vereins- ausstupen. Daß baburch bie Betrieb sgefahc ber Bahn erhöht wirb, ist nicht zweifelhaft. Voir Interesse erscheint beshalb eine neue grunbfätzliche Reichs-Gerichtsentscheidung vom 12. Juli 1926, bie sich unter Berücksichtigung bieser Gefahrerhöhung über bie Bemessung des eigenen Verschuldens des Reifenden ausspricht, bem ein Betriebsunfall während des Aufenthalts auf ber Plattform zu« ftöftt.

Am 23. März 1923 stürzte ber bamals breizehn Jahre alte Kläger auf ber Fahrt von Wefel noch Holten von ber überfüllten Plattform eines Per­sonenwagens 4. Klasse. Aufter anberen Verletzun­gen wurde ihm ber linke Fuft abgefahren. Die gegen bie Deutsche Reichsbahngesell« schäft erhobenen Schabensersatzansprüche mürben nach vorgängiger Entscheibung bes Lanbgerichts Essen vom Oberlandesgericht in Düffelborf im Rahmen bes Reichshajtoflichtgesetzes zur Hälfte anerkannt, zur anbern Hälfte wegen eigenen Ber« schulbens bcs Klägers abgewiesen. Die von der. Deutschen Reichsbahngesellschaft gegen biefe Entschei­dung beim Reichsgericht eingelegte Revision ist ohn eErfolg geblieben und zurückgewiefen wor­den. Aus den reichsgerichtlichen Entscheidungsgrün- den hierzu ist folgendes lehrreich: Nach Feststellung des Oberlandesgerichts muft mit einer nicht schuldhaf­ten, unwillkürlichen Einwirkung (eines Stoßes) eines Mitreisenden auf ben Kläger gerechnet werben. Die Unaufgeklärtheit geht zu Lasten bes Beklagten. Denn beim Bestehen eines äußeren Zusammen- Hangs zwischen bem Unfall unb ber Betriebstätig- feit braucht vom Kläger ein innerer Zusammenhang nicht nachgewiesen werden. Das M 11 v e r s ch u l - den des Klägers wird vorn Oberlandesgericht darin erblickt, daß er ben im Innern bes Bahnwageno innegehabten Platz aus freien Stücken aufgegeben unb sich auf bie Plattform gestellt hat, obwohl er bas im Innern bes Wagens angeschlagene Verbot des Aufenthalts auf der Plattform kannte. Ohne Rechtsirrtum hat nun bas Dberlanbesgerid)! bie Er­höhung ber Betriebsgesahr (Ueberfüllung ber Platt­form schon bei Abfahrt bes Zuges in Wesel unö Duldung bes Aufenthalts burch bie vorübergehenben Eisenbahnbeamten) gegen bas eigene Verschulden des Klagers abgewogen und dabei auch berücksichtigt, baft das Fahren auf der Plattform eine G e- pflogenheit war: andererseits Hot es beim mitroirfenben Derfchulben des Klägers nicht nur fein jugendliches Alter, sondern auch die mangel­hafte Verstandesreife als schlechter Schü« 1er unb bas schlechte Beispiel ber Erwachsenen in ben Kreis seiner Erwägungen mit eingeschlosfen. Diese Erwägungen bes Oberlanbesgerichts sinb nicht zu miftbiUigen; fein Urteil muftte deshalb aufrecht erhalten bleiben.

Ablehnung des Versicherung«; - anfpruchs wegen Verschweigens früherer Brände.

(Nachdruck verboten.)

Der Landwirt N. verlangt von der beklagten Berfidjerungsgefellfdjaft in Frank­furt a. M. Erlaß des Brandschadens für die ihm am 28. Juli 1924 abgebrannte Mühle nebst Wohnhaus unb Stallungen; unb zwar be­ziffert er den Schaben auf 13173 Golbmark. Die

zösischen unb englischen Geheimpolizei werben ihn nach Dover begleiten, währenb Sie unb Ihre Leute ben Wachbienst übernehmen werden Unb Sie wer­ben persönlich zugegen fein, bis bas Dokument in meinem eigenen Safe beponiert wird."

Wie so viele wichtige Aufgaben, erwies sich auch diese als absolut uninteressant. Der Bote wurde auf dem Kai von Dover abgeholt, in ein Pullman« kupee geleitet, das für ihn reserviert worden war, und zwei Leute von Scotland Aard patroullierten auf dem Laufgang.

Beim Victoriabahnhof empfing ein von einem Polizeichauffeur geführtes und von Bewaffneten be­gleitetes Auto Dick und den Boten und fuhr sie nach Calden Garten. Der Sekretär des Auswärtigen Amtes prüfte sorgfältig die Siegel und legte das Kuvert dann in Gegenwart Dicks und des Detektiv- infpektors, der die Eskorte befehligt hatte, in bas Safe. Der Auswärtige Minister sagte, nachbem alle Besucher außer Dick ihn verlaßen hatten, mit einem feinen Lächeln: ,Lch glaube kaum, baft unsere lieben Freunbe, bie Frösche, daran besonderes Interesie nehmen. Und doch waren sie die Veranlassung zu meinen außerordentlichen Vorsichtsmaßregeln. Es ist wohl noch keine weitere Spur von Genters Mör­dern gefunden worden?"

Keine, Exzellenz, soweit mir bekannt ist. Ein­heimische Verbrecher gehören eigentlich nicht in mein Ressort und es kommt kein Vergehen irgend- welcher Art vor den Staatsanwalt, ehe der Fall gegen einen der Angeklagten nicht fertig vorgelegt werden kann.

Das bedauere ich", fagte Lord Farmley.Mir märe es lieber, wenn die Froschangelegenheit nicht gänzlich in den Händen von Scotland 7*arb blieb«. Sie bedeutet eine solche Gefährbung ber öffentlichen Sicherheit, baft ich es angebracht fänbe, wenn eine eigene Abteilung die Nachforschungen führen würde."

Dick hätte gern sagen mögen, daft ihm diese Kon­trolle aufterordenUich verlocke, aber er hielt noch an sich.

_ Seine Lordschaft strich bedächtig über seine Stirn.Ich werde mit bem Premierminister sprechen", sagte er,und Sie für diese Stelle Vor­schlägen."

(Fortsetzung folgt.)