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Schwere Kämpfe in China.

Peking, 8. Dez. (Priv.-Lel.) Die grobe Offensive gegen die Stellungen der Äantoner Armee bei Hankau uiti> Ätufiang steht allen An­zeichen nach unmittelbar bevor Die Generäle Sun Lschuangsang und Tschang Tschung- t f ch a n g gaben die Konzentrierung ihrer Trup­pen im unteren Janatsetal so gut tv'.e beerrddet. Ihre Stellung, die das 3angtfetal gegen jeden eventuellen Vorstoß der Kanioner Truppen ao- riegeln soll, der von Hankau und Kiuklang aus längs des Jangtseflusses g:gen Schanghai er­folgen könnte und deren Zentrum Nanking und Pukau darstellen, ermöglicht ihnen nicht nur die wirksame Verteidigung von Schang­hai, sondern auch eine tatkräftige Unterstützung der Armee Tschangtsolins bei ihrem be­vorstehenden Angriff auf Hankau. Wie es heißt, werden sch die beiden Generäle in der Weise in ihre Rollen teilen, dah Sun T'chuan- sang, unterstützt von sieben Kriegsschiffen, fluh­auswärts gegen Hankau vormarschiert, wäh­rend L'chang Lschangtschang mit feinen Truppen die Verteidigung Schanghais über­nimmt. Die zum Angriff auf Hankau von Vör­den her bestimmten Truppen Tschangtsolins sind bereits im Vormarsch begriffen. Die Kerntruppen sammeln sich längs der Dahnl.nie PekingHankau und sind bereits in Fühlung mit den Kantoner Truppen, die ihre Stellungen in Hankau und längs des Hank'anslusses in fieberhafter ®;Ie befestigen und große Truppen­massen gleichfalls längs der Peling-Hankauöahn konzentrieren Wie gemeldet wird, ist es im Raume zwischen Hankau und Itschang bereits zu schweren Kämpfen gekommen, in deren Verlauf die Vorhut der Truppen Tschangtsolins dem General Vangsen, der erst kürzlich mit feinen Truppen zur Kantoner Armee überging, eine empfindliche Viederlage beigebracht haben soll.

Dar Industrieprogramm der Sowjetunion für 1927. Moskau, 6. Dez. (Lsil.) Die Sowjetreaie- rung stimmte dem Jndustrieptogramm für das Jahr ic 27 zu. Danach wird im nächsten Jahr mit dem Dau des großen Dnjepr-Elektri- z i t ä t s w e r l e s und der 16C0 Kilometer lan­gen Eisenbahn st recke zwischen O st tür­ke st an und Südsibirien begonnen wer­den. Bci^e Projekte, Li- mit 300 Millionen Mark veranschlagt sind, dürsten erst in fünf Jahren ganz fertiggestellt sein. Durch die Ausnutzung der Wcs.erlräfte des Dnjepr für dir Elektrizität soll am Schwarzen Meere ein großes Industriegebiet erstehen, in dem die Me­tall- und die chemische Industrie vorherrschen sollen. Der Dnjepr selbst soll kanalisiert und der Schwarzmeerschifsahrt zugänglich gemacht werden. Sie Holz- und Getrnderxporte dürsten dadurch eine Herabsetzung der Transportspesen und eine wesentliche Lieferungsbeschleunigung erfahren. Die neue sibirische Eisenbahn wird ihre wirtschaftliche Dedeutung darin haben, daß sie das reiche Getreideland Sibirien mit dem ge­treidearmen Daumwolland Turkestan in Ver­bindung bringt

Die Wahlen in Ungarn.

Budapest, 8. Dez. (WTB.) Heute be­gannen die Wahlen in 103 Provinzbezirken und im Wahlbezirk Budapest-Land. In 53 Bezirken sand eine einstimmige Wahl statt. Unter den so Gewählten befinden sich Ministerpräsident Gras Stephan Dethle nund weitere fünf Mitglieder der Regierung, sowie Gras Albert A P P o n h i und Julius Goemboes. Der Ab­stimmungskampf war brsond-ers heftig in Waihen, wo der Staatssekretär im Finanzminister.um, Szaboktz, über den Legetimist en Grasen Ju­lius Andras sh siegte. Von fünfzig Bezirken, in denen heule die Abstimmung notwendig war, stnd bis abends 8 Uhr aus siebzehn Bezirken Ergebnisse eingelaufen. Ueberall wurden die Regierungsanhänger gewählt.

Vor der Abdankung des Königs von Rumänien.

Bukarest, 9. Dez. (TU.) In gut unter­richteten Kreisen wird die Möglichkeit der Ab­dankung des Königs lebhaft besprochen. Sie wird sicher für die nächsten Tage er­wartet. Vach der am gestrigen Mittwoch voll­zogenen Operation haben die Aerzte er­klärt, daß der König noch lange leben könne, doch müsse et sich von Staatsgeschäfien zurück- ziehen und in größter Ruhe fein Leben verbringen.

Keine Fremdensteuer in Frankreich.

Paris, 8. Dez. (WB.) 3n der Kammer be­antragte der sozialrepublikanische Abg. Falcoz bei dem Arsikel bett, die Gebühr für die Ausweiskarten der in Frankreich lebenden Fremden, die von den Präfekturen geliefert werden, die Einführung einer Fremdensteuer. D o i n c a r d erwiderte, eint derartige Frem­densteuer werde feiens des Auswärtigen Amtes für unzulässig gehalten, da Frankreich durch eine ganze Reihe von internationalen Abmachun­gen g e b u n de n sei. Frankreich könne keine Steuer für Ausländer einführen, außer, wenn es diese Abmachungen kündige. Die Gebühr für die Ausweiskarte, die jeder in Frank­reich lebende Fremde, der dort länger als einen Monat zuzubringen gedenkt, beantragen muß, be­laufe sich auf 3 7 5 Franken für das Jahr.

Kunst und Wissenschaft

Reue römische Funde im Rheinland.

Rahe Koblenz wurden in Horchheim bei Schachtausgrabungen dickwandige Gewölbe entdeckt. Man hat bisher eines davon geöffnet und darin einen sehr gut erhaltenen Steinofen und diele Urnen mit Ornamenten aus der Zeit deS römischen Lagers entdeckt. Bei Mainz stieß man während Schachtarbeiten in Wei­senau auf ein römisches Grabdenkmal. ES stellte in sehr guter Ausführung einen Mann und eine Frau dar. Beide trugen vornehme Tracht, die Frau die der römischen Dame aus der Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christi, der Mann einen keltischen Mantel. Die einzel­nen Stücke deS über drei Meter großen Denk-

Krisenstimmung in Berlin.

Auf ihren Besuch am Montag beim Reichs­kanzler haben die Sozialdemokraten am DienStag gleich einen zweiten Besuch folgen (affen, wohl in der Absicht, um ihrem Vorgehen wegen der Ausführungen, die der Abgeordnete Dr. Scholz In Ostpreußen gemacht hat, noch stärkeres Gewicht zu verleihen: der alle Lateiner nennt das diligentiam prästare. Es soll den so­zialdemokratischen Massen klar gemacht werden, daß ihre Führer von finsterer Entschlossenheit beseelt sind, sich unter keinen Umständen ge­fallen zu lassen, was Dr. Scholz getan hat. Und was hat er getan? Er hat als Politiker und Abgeordneter auf Grund zahlreicher Er­fahrungen, die sicherlich nicht er allein, sondern außer ihm der Reichskanzler selbst und noch verschiedene andere Leute reichlich gemacht haben, der Ansicht Ausdruck gegeben, daß In Kultur- und Wirtschaflssragen kaum ersprießliche Ar­beit mit den Sozialdemokraten zu leisten ist. Die Angelegenheit wird in einer Führerbe^prechung während der ersten Sitzung des Reichstages er­örtert werden. Bis babin werden sich wohl die erregten Gemüter bet Sozialdemokraten einiger­maßen beruhigt haben, namertlich wenn sie sehen, daß die Reichstagsfraktion der Deutschen Volls­partei unter der Führung von Dr. Scholz nach wie vor bereit ist, über eine Verständigung mit den Sozialdemokraten von Fall zu Fall zu verbandeln, auch wenn nach ihrer Ansicht wenig Ersprießliches dabei herau-kommen dürfte. Sine neue Rede des Abg. Scholz.

Die Koalitionsrnöqlichkeiteir nach beiden Leiten.

Königsberg, 8. Dez. (Wolff.) Dr. Scholz sprach gestern abend vor der Wirtschaftlichen Ver­einigung der Deutschen DolkSpartei über die Wirtfchäftsfragen. Der Redner ging nochmals auf feine Ausführungen in Insterburg ein und wiederholte, das jetzige Kabinett habe als neu­trale Regierung der Mitte fachliche Politik zu treiben, um sich die Mehrheit zu sichern, wo sie sie sindel Eine Trübung hätten bie Ver­hältnisse erschien durch die Hinneigung deS Zen­trums und bei- Demokraten zur Großen Koa­lition und durch das Verhalten der Deutsch- nationalen. die die Regierung der Mitte durch Ausnützung aller parlamentarischen Mittel stürzen wollten. Rach seiner Arsichi sei das Verhalten der Deutschnationalen falsch. Sie müß­ten sich in einer Reihe von Fragen bewußt neben die Regierung stellen, um zu zeigen, daß man auch mit ihnen regieren könne, so, wie sie es bei dem Gesetz gegen Schund und Schmutz getan hätten. Sollte das Regieren von Fall zu Fall nicht mehr möglich sein, so sei objektiv mit beiden Seiten zu verhandeln. Scholz wie-erhclte, er habe in Insterburg nur Zweifel geäußert, ob die Verhandlungen mit der Sozialdemokratie mit Erfolg zu einer dauer­haften Regierung führen konnten. Gr habe gesagt, daß bei einer objektiven Beurteilung die Parteien der Mitte sich mit größerer Aussicht auf Dauer mit den Deutschnationalen ver­ständigen könnten, während die Frage der Ar­beitszeit und der Reichswehr nie mit den So­zialdemokraten gelöst werden könne. Diese Dinge habe er ausgesprochen mit dem vollen Bewußt­sein seiner Verantwortung.

Die Sozialdemokraten beim Reichskanzter.

Berlin. 8. Dez. Heute mittag empfing Reichskanzler D r. Marx die sozial­demokratischen Parteiführer Hermann Müller- Franken und Wels zu einer D.sprechung, in der der Kanzler nochmals- betonte, daß, wie der Volks- parteiliche Abgeordnete Scholz schon selbst er- klärt hat, die 3nfterburger Rede keine pro­grammatische Erklärung der Deutschen Volkspartei bedeuten soll. Die Sozialdemokraten sollen sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden gegeben haben. Ihnen liege vor allem an einer Aufklärung darüber, ob das Reichsiabinett tat­sächlich bereit sei, auch über innerpoli- tische Fragen rechtzeitig vorher eine Verständigung mit der Sozialdemo­kratie zu suchen. Das gelte besonders für bie Arbeitszeitfrage. Hier verlangten bie Sozialdemokraten bestimmte Garantien. Der Reichskanzler werde sich wegen dieser Forde­rungen mit den Führern der Regierungsparteien in Verbindung sehen und auch das Reichskabinett werde sich voraussichtlich morgen mit dem inner­politischen Fragenkomplex beschäftigen. 3m An­schluß an den Besuch der Sozialdemokraten habe der Kanzler auch den Abgeordneten Dr. Scholz empfangen, der bei dieser Gelegenheit nochmals betont habe, daß er in Insterburg lediglich seine persönliche Auffassung zum Ausdruck gebracht habe.

Das Reichskabinett zur Beilegung des Konflifts.

Das Zentrum gegen eine Koalition mit den Deutschnationalen.

Berlin, 9. Dez. (WIB. Funkspruch.) Das Reichskabinett beschäftigte sich gestern nachmittag u. a. mit der Frage des Zuckerzolles, mit der Ge­währung von Weihnachtsbeihilfen für Beamte und mit der innerpolltlschsn tage. Reichskanzler Marx machte ausführliche Mitteilungen Über die Borstel- lung der Sozialdemokraten wegen der Rede des Abgeordneten Dr. Scholz in Inster- bürg. Ls wurde die Möglichkeit erörtert, den durch diese Rede hervorgerufenen Konflikt b e i z u - legen.

3m Anschluß an die Kabinettssihung hatte der Reichskanzler Besprechungen mit den Führern des Zentrums. Wie dieBoffische Zeitung" wissen will, haben der Reichskanzler und maßgebende Persönlich­keiten des Zentrums den Fraktionsvorsihendcn der Deutschen Bolkspartei nicht in Zweifel darüber ge- laffen, daß sie für eine Koalition mit den Deutschnationalen nicht zu haben fein würden, und daß es schwere innerpolitische Kompli­kationen gäbe, wenn die Sozialdemokratie in eine Kampfstellung gegenüber dem Kabinett gedrängt würde. Da man in Kreisen der Bolkspartei wert darauf lege, daß die Austragung des Konfliktes bis zur Rückkehr Dr. Slrefemanns aus Genf vertagt werde, hält es das Blatt für möglich, daß die Ent­scheidung auf die nächste Woche verschoben werde, da man damit rechnet, daß die Bölkerbunds- tagang in Gens spätestens Anfang der kommenden Woche beendet sein wird.

malS würben inS städtische Altertumsmuseum gebracht. Bei Ausgrabungen in Korchen- oroich bei München-Glabbach an einer ehe­maligen römischen Straße würbe ein Bau von erheblicher Ausdehnung freigelegt. Er gehörte zu einem inzwischen ebenfalls ausgegrabenen rö­mischen Landhaus, das 30 Meter entfernt lag.

Ehrung eines franMschen Gelehrten in Frankfurt a. 21L

Der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. L a n d m a n n gab zu Ehren von Professor Henri Lichtenberger, dem Germanisten der Pa­riser Sorbonne, der in der Universität Frank­furt einen mit stärkstem Beifall aufgenommenen Festvortrag über Goethes Bedeutung für das französische Geistesleben hielt, und Donnerstag in der Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft sprechen wird, ein Frühstück, an dem neben Vertretern der Stadtverwaltung und der Universität in Frank­furt ansässige Schriftsteller, u. a. Fritz v. Änruh, Alfons Paquet, Paul Kornfeld, teilnahmen. Dr. Landmann gab seiner Freude über den Besuch Professor Lichtenbergers Ausdruck und würdigte seine ausgezeichneten B:rd enste als Forscher und Gelehrter. Pros. Lichtenberger erwiderte und schloß mit der Hoffnung auf dauernde freund­schaftliche Beziehungen zwischen den Wissen­schaftlern und Dichtern Deutschlands und Frank­reichs.

Aus aller Welt.

Em holländisches Kohlenverflüssignngs- verfahren.

Aach einer Korrespondenzmetduttg soll auch in Holland eine neue Methode erfunden worden sein, um Roh st einkohle in rein molekula- rische, höchst aktive Kohlenstoffe umzuwandeln, welcher neue Stoff von dem ErfinderEarb on- alPha" getauft wurde. Die Eigenschaften des Stoffes und seine einfache industrielle Herstellung sollen eine sehr vielseitige Verarbei­tung der Kohle ermöglichen. Die ursprüng­liche Erfindung ist von einem Holländer namens 3. S. Aarts, einem erfahrenen Sachverständi­gen auf dem Gebiete der Thermochemie, vor- geleg! worden und soll durch das Technologische Institut von Dougen weiterausgearbeitet wor­den sein. Seine Patente sollen heute im Besitze einer amerikanischen Firma sein, die bereits eine Fabrik für die probeweise Herstel­lung des neuen Kohlenstoffs erbaute und eine zweite im Auslände zu erbauen beabsichtigt.

Sari Klinisch f.

In Frankfurt a. M. ist der Seniorchef und Begründer der Firma K l i m s ch 8- Eo., in deren Verlag seit über 50 Jahren bas verbreitetste graphische Fachblatt der Welt, der .Allge­meine Anzeige für Druckereien" er­scheint, im Alter von 86 Jahren gestorben.

Deutscher Flottenbesuch in Holland.

In Amsterdam ist am Mittwoch das Linienschiff »Hannover" aus Dillagarcia. von den holländischen Behörden begrüßt, eingetrof-

fen. Während des eine Woche bauernden Aufent­halts des deutschen Schiffes finden zu Ehren der Besatzung verschiedene Festlichkeiten statt, die mit einem großen Empfang beim deutschen Generalkonsul Prinzen v. Hahfelb-Tra- chenberg für bad Ossizierkorps der .Hanno­ver" eingeleitet werden.

Millionenbetrug beim Reichsmonopolamt?

Rach Blättermeldungen soll das Zoll-Grenz- kommissariat im Reichsmonopolamt große Schie­bungen aufgedeckt haben, durch die das Reich um Mehrere Millionen Goli>mark geschädigt wor­den sein soll. Auch schwer belastet erscheinen zwei Direktoren der Monopolv'erwaltung, meh­rere andere Angestellle der Verwaltung und eine Reihe von Kaufleuten. Die Anschuldigungen, die gegen die Belasteten erhoben werden, betreffen gewisse Vorkommnisse bei der Rheinischen Preß­hefe- und Spritwerke A. G. in Köln, die seiner­zeit mit dem Vorschlag an die Monopolverwal­tung herangetreten war, auf dem Gesellschafts- Gelände in Monheim eine Reinigungsanstalt für Zwecke der Monopolverwaltung zu errichten. Bei der Lieferung der Baumaterialien für diese Reinigungsanstalt sollen die angeschuldigten Di­rektoren und Angestellten große Sondervergütun­gen erhalten haben.

Für 400 000 Mark Zigarettenbanderolen gestohlen.

Zigarettensteuerbanderolen im Werte von 400 000 Mark sind Einbrechern im Reichsfinanzzeugamt In Berlin-Dahlem in die Hände gefallen. Dom Reichsfinanzmini­sterium ist eine Belohnung von 10 Prozent des Wertes der wieder herbeigeschafften Sachen und 3000 Mk. auf die Ermittlung der Täter aus­gesetzt.

Ein siebenjähriger Lebensretter.

In Heidelberg rettete dieser Tage der erst sieben Jahre alte Adolf g eue r e r feinen Schul­kameraden Werner Bleiler, der mit ihm am Turbinenhaus gespielt hatte und ins Wasser ge­fallen war, vom Tode des Ertrinkens. Der junge Lebensretter hat bereits vor einiger Zeit schon einmal ein junges Mädchen von dem gleichen Tode gerettet.

Brand des KrnigSpalasteS in Bukarest.

In der Küche für die Hofbediensteten des Bukarester Stadtschiosses ist Mitttr och um Mitter­nacht Feuer ausgebrochen, das sich infolge des herrschenden starken Windes rasch ausbreitete. Das Mittelgebäude mit dem T h r o n s a a l und den Empfangsräumen ist den Flammen zum Opfer gefallen.

Grvßfeuer in französischen Teerölwerken.

In den Teerölwerken von Lens bei Bethune ist ein gewaltiges Feuer au-gebrochen, das noch nicht gelöscht werden konnte. Der Schaden wird auf fünf Millionen Franken geschäht.

Schwere Bluttat

In Aachen hatte der Axbllter Heinrich Jan­sen, der wegen gefährlicher Körper- Verletzung seine- BruperS au sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, am Rachmittag des Tages der Derurtellung mit

seinen Eltern, mit denen er wegen frinn Frau in Winfrieden lebte, eine blutige Aus­einandersetzung. Er schlug feinem 76sähri- gen Vater mit einer Flasche auf den Kops und schlug sodann mit einem Stuhl auf den Vater und feine 70jährige Mutter solange, bis beide reg. . .ro8 liegen blieben. Hierauf stellte er sich der Polizei. Diese sanden die Mutter tot auf und schassten den Vater, an dessen Auf­kommen gezweifelt wird, in ein Krankenhaus.

Schweres Eisenbahnunglück in der Mandschure!.

Nach einer Meldung desNeuyork Herold" aus Mulden sind bei einem Zügzusammenstoß in der Mandschurei 25 Personen getötet und 54 schwer verletzt worden.

Lettervoraussaqe.

Zunächst ruxf) Anhallen des mTen. dunstigen und trüben WetterS, später abnehmende Be­wölkung, Temperaturen etwas fallen >, trocken.

Gestrige Tagcstemperatm M-ximum 3.4, Minimum 3,3 Goad Eelsius. Riederschläge: 0,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 1,1 Gvad Eelsius.

Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf vom 9. Dezember:

Windrichtung ß silhr morgens: Rord. Wind­stärke: schwach Lufttemperatur 8 silhr morgens: minus 2,0 Grgd Celsius. Riedrigste Temperatur der letzten 20 Stunden .minus 4 Grad Celsius. Gesamtschneehöhe 8 silhr morg nZ: 23 Zentimeter. Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Reuschnees: 0. Beschafsmng der Schneedecke: pul­verförmig. Sportmöglichkeitk gut *

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 9. Dezember 1926,

Wenn man sparen will?

Herr Mayer kommt sehr oerdrießlich nach Hause. Das sind doch eben miserable Zeiten! Den ganzen Tag ist kein Pfennig Geld eingegangen, und dabei muß man oon morgens bis abends das Porte­monnaie in der Hano haben, um die Dielen und horrenden Rechnungen zu bezahlen! Willkte du nicht auch schon wieder Wirtschaftsgeld haben?" fragt er seine Frau recht bissig.Geld habe ich allerdings (eins mehr, die paar Mark, die du mir immer gibst, sind in einem solchen Haushalt schnell alle! Aber ich habe ia noch Vorräte zu Hause. Dann koche ich morgen mittag Erbsensuppe, am Abend backe ich Mehlpfannkuchen . . " ,Hör' auf, hör' auf, fleischlose Kost kann ich schon beim Aufzählen nicht vertragen, hier hast du meinen letzten Zwanzigerl Aber sei sparsam damit!"Ich bin immer spar­sam", wehrt Frau Mayer ein bißchen empört ab. Wahrscheinlich aber nicht genug," trumpft Herr Mayer aus,und das muh anders werden, sofort? Jede Anschaffung, jede Reparatur, alles was nicht unmittelbar zum Essen dient, will ich vorher mit» geteilt haben! Dann kann man sich erst mal über­legen, ob sich die betreffende Ausgabe nicht vermei­den läßt!"Mir soll's recht lein, dann kann ich dich wohl gleich über verschiedene Vorhaben in Kenntnis setzen?" «Lawohl, das kannst du, also laß mal hören!"Deine braunen Stiefel müssen gesohlt und gefleckt werden."Ja, das mästen sie. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde Ich unsere Schuhe selbst besohlen, die Schusterrechnungen laufen auch immer stark in die Kreide!"Hans muh sich ein neues Buch anschaffen."Muß er es unbedingt haben?"Natürlich, ich sagte doch eben .muh'." Das soll er antiquarisch laufenrEs ist erst vorige Woche im Buchhandel erschienen."Dann bann soll er sich's meinetwegen holen!"Die Gasrechnung ist gekommen."Zeig mal her, Donnerwetter, die wird ja jeden Monat höher, man meint, ihr kochtet für ein ganzes Regiment anstatt für sechs, sieben Personen!"An die viele Wäsche denkst du nicht und an die Bügelei!"Na ja, also bezahlt werden muß sie."Dann will ich den Installateur für morgen bestellen, die Campe über unferm Waschtisch geht nach dem Andrehen dauernd oon selbst aus und an."Das bringe i ch in Ordnung, soviel verstehe ich noch jederzeit davon! Was meinst du, was uns der Mann bann wieder ne Rechnung schickt, weil er ein paar Drähtchen in Ordnung brachte! Komm' mal gleich mit ins Schlaf­zimmer, das ist eine Augenblickssache! So, nun halte mal den Stuhl fest, du wirst sehen, ich brauche nur die Birne fest zu drehen." Bei seinen vergeblichen Bemühungen, an bie ziemlich hoch angebrachte Campe zu gelangen, verliert Herr Mayer etwas das Gleichgewicht unb tritt mal nur so nebenbei vom Holzrahmen aus das Geflecht, aber immerhin stark genug, um den schönen Sitz durckzutreten. Frau Mayer ist ärgerlich, aber sie beherrscht sich unb schweigt.

Schimpf' doch nicht gleich, das Geflecht war alt, es hätte ohne dies die nächsten Tage nicht über­standen!" räsoniert Herr Mayer.Aber ich Hobe doch nicht ein Wort gesagt!"Das macht nichts, aber ich fühle genau, daß du innerlich über mich erbost bist!"Na, schön, ich unterdrücke meine Gefühle und freue mich, baß du jetzt den Stuhl machen läßt." Herr Mayer überhört geflissentlich bie letzten Worte seiner Gattin und geht an bie Türe: Hans, Hansl Hole mir mal schnell bie Leiter oon der Mansarde!! Dies Flackern kann einen ganz nervös machen, wenn du mir bie Sache heute mittag erzählt.hättest, jo hätte ich sie bei Tageslicht in Dränung bringen können!"Ich habe es selbst erst vorhin aemerfl!"So, so! Also komm mal her, Hans, bu hälft bie Ceiter auf der einen unb Mutter auf der andern Seite." Bedächtig steigt Herr Mayer hinauf, muß aber bald seststellen, daß das Flackern nichts mit der Anbringung der Birne zu tun hat. ,Hch werde jetzt den Zuleitungsdraht und den Steckkontakt untersuchen", sagte er im Hinab­steigen.Hans, trag die Ceiter fort und bring mir den Werkzeugkasten!" Und dann:Else soll mir die Stehlampe herüberbringen!" Glücklicherweise hört Herr Mayer nicht, was sein Sprößling in seinen zukünftigen Bart brummt: ,Lu komisch, wenn der Vater ausnahmsweise zu Hause etwas schafft, wird die ganze Familie mitbeschäftigt!"

Herr Meyer hantiert intensiv an dem Steckkon­takt und hat endlich vollen Erfolg zu verzeichnen: Die ganze Wohnung liegt aus einen Schlag im Dunkeln. Aus den einzelnen Zimmern hört man Aufschreien und Rumoren, unmittelbar darauf aus dem Nachbarzimmer das Klirren von Porzellan unb bann entsetztes Weinen: Ciefel wollte zur Türe hin­aus unb hatte, in ber Dunkelheit verängstigt, den neben ber Türe stehenden Blumentisch mit den schonen Zierblumentöpsen umgeworfen und schreit jetzt aus Angst vor Strafe unb aus Furcht vor ber Dunkelheit. Frau Mayer schluckt abermals mit Hel­denmut ihren Aerger hinunter und tröstet ihre Jüngste, bie sich jetzt wie eine Klette an sie hängt. Eine Stearinkerze ist halb gefunden, aber Ersatz»

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