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jen f^!*367 cher Straße 12. et 18^6.

hingen von

& Sops Wc|t) jermarke der*«' ch Sohn . Steinweg r & Soehne &?s>/

Nr. 288 Erster Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 9. Dezember 1926

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feierlags

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Frankfurt am Main 11686.

Drr<? vn- Verlag: vrvhl'sche UniverfilütL-vuch- und Steinöruderet R. Lange in Siehrn. ZchnMeiluag und Seschäftzflelle: StuTfnM 7.

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Chefredakteur

Dr Friede Wilh Lange. Derantworilich sür Dolttist Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr £ Ibnr ot; für den übrigen Teil ur .ft Blumschein: für den An­zeigenteil i. Beirr H.Bech, iämtlid) in (Bienen

VorkriegerischenVerwicklungenaufdemBalkan

Jugoslawien und der albanisch-italienische Vertrag. - Das Fenster zur Adria. - Politische Umgruppierung

Don unserem S. ^.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Belgrad, Z. Dezember 1926.

Als vor wenigen Tagen h er die ersten Rach- richten über den Aufstand in Albanien einliefen, schmunzelte selbst der E ngrwe.hle. well jeder in dem Aufstand insgeheim e nen Schach- zug der Belgrader Regierung sah. um den seit einiger Zeit recht wankelmütigen und zu Italien hinneigendcn Achmed Deh Zogu, dm gegen­wärtigenMinisterpräs d.nten'^ Albaniens, wieder in die Hand der jugoslawischen Regic- rung zu bringen. Nachrichten der Italiener. daß der Aufstand von der Belgrader Regie­rung inszeniert sei. wurden aber natür­lich, toerm auch mit einem gewissen, auf dem Balkan häufig gebräuchlichen Augenzwinkern dementiert. Die Rcgiorr ng sei, so wurde im Brusttöne tiefster äleberzeugung versichert, gänzlich unbeteiligt, und nur einige wenige unentwegte Oppositionelle wagten die kühne Behauptung, dast es etwas in Albanien nicht ganz geheuer sei. So war man zunächst aufs Rätselraten angewiesen, insbesondere da die Regierung selbst sich über Einzelheiten aus- schwieg. Sin Besuch des italienischen G -sandten, des Faszisten Bordrero. beim Außenmini­sterium. und das veröffentlichte Kommunique über die .Tlebrreinstimmung der g^gmse'.t gen Inter­essen" beschwichtigten jedoch, insbesondere, da d e Rachrichten vom Schauplatz der Kämpfe bereits nach weniaen Tagm ziemlich beruhigmd laute­ten, die Öffentliche Me.nung ziemlich, so daß fein Grund zu ernsterer Besorgnis vorzuliegen sch eu.

Um so mehr wirkte vor drei Tagen in Bel­grad die Bekanntgabe des Abkommens zwi­schen Italien und Albanien wie eine Bombe. Man kann geradezu sagen, daß die Oef- sentlichkeit über das Abkommen des größten Kon­kurrenten der Belgrader Reg'erung in Albanien, absolut lähmend wirkte. Die Zeitungen veröffent­lichten die Rachricht. zunächst fast ohne jeden Kommentar und die Regierung verweigerte jede Auskunft. Dann brach aber der Sturm los. Bon derUnfähigkeit, überhaupt Politik zu trei­ben, bis zu einigen Graden des ..Baterlands- verrats" mußte sich der für die Außenpolitik des vereinigten Königre ches verantwortliche Mann, R i n t s ch i t s ch , alles an Beschimpfungen und Verunglimpfungen gefallen lassen, dessen die Bal­kanpresse überhaupt fähig war. Und heute, we­nige Stunden nur, nachdem der Pressesturm auf daS höchste gestiegen war, hat Rinlschiilch und kurz nach ihm das gesamte Kabinett Uzuno- witsch feinen Rücktritt einLereicht. weil man eingesehen hat, daß der unter feiner Verant­wortlichkeit erfolgte Fehlschlag der j goflawischen Außenpolitik der größte Mißerfolg ist. den diese feit den Frieden von Trianon und Reuillh erlitten hat. Albanien, d. h. mit anderen Wor­ten, die Adria, scheint den Serben ein für allemal verloren zu sein ...

Damit ist der jahrelange und zähe Kampf zwischen Italien und Jugoslawien, der abseits von den Gellten der europäischen Politik sich in diesem Wetterwick-l Europas, den auch einst Wilson verfluchte, bis zu einem dramatischen Höhepunkt gesteigert, wie er großer kaum denk­bar ist. Denn obwohl äußerlich es vielleicht nicht verständlich erscheinen mag, warum der italienisch- albanische Vertrag was bedeutet heute, im pazifistisch verlogenen Zeitalter der ..Freund- schafts-Bertrage". einer mehr oder weniger die­ser Sorte? eine so riesige Aufregung ver­ursacht hat. so sind tatsächlich doch so viele Dinge vorhanden, die die Einvörung der Iugo- Nawen rechtfertigen, daß es sich lohnt, auf die 'Dinge in aller Offenheit hinzuweisen, oballich vielleicht gerade wir Deutschen dem Anscheine nach fein Interesse haben, uns in diese Balkan- Händel zu mischen.

Was zur Diskussion steht, ist nämlich nicht nur das gesamte Schicksal Albaniens, sondern die Zukunft der Jugoslawen und damit des Balkans überhaupt. Mit Albanien ist Jugo­slawien die Dormacht des Balkans und der Adria: ohne Albanien aber ein ver­krüppelter Staat, dem die Seeluft fehlt und der daher zu dauernder Abhängigkeit von ir­gendeiner anderen am Balkan interessierten Macht verurteilt ist. 11 nb gerade dieser, in der Ver­gangenheit so verderbnisvoll g'wesene Zustand droht durch die letzten Ereignisse verewigt zu werden. Weil der albanische Freundschaftsver- traq mit Italien", wie das geschwätzige englische Blätter mit Wohlbehagen auszuplaudern wußten, eben viel, viel mehr ist, als das dem Inhalte nach der Fall ist. und er eine effektive Okkupation des Gebietes durch die Ita­liener bedeutet, und weil damit die jahre­langen. auf Erringung der Unabhängigkeit ge­richteten Bestrebungen der jugoslawischen Auhen- bolitif völlig fehlgeschlagen find, gingen doch dem Vertragsabschluß monatelange Ver­handlungen üben die ilcbernabme des Protek- t o ra les über das Land Albanien durch die itallenische Regierung voraus, dir nur dadurch in em anderes Fahrwaller geleitet wurden, daß der englische Gesandte in Tirana in aller Form erklärte, daß England ein ..offenes Protek­torat" der Italiener über Albanien auf keinen Fall anzuerkennen gesonrren sei! Weshalb auch

die jetzige Fassung des italienisch-albanischen Der- träges dahin ausßelegt wird, daß sich Italiener und Engländer hinter 7 en Kulissen insgeheim geeinigt haben, wob dm Engländern be­sondere Vorrechte in D:r jeutung des Erdöls und den Italienern die i . i.gen wirtschaftlichen Bevorzugungen zugesiche. wurden, die nun ein­mal der Protektoratsmacht zuzustehen pfl gen.

Das ist eine Sachlage, die die berechtigten jugoslawischen Intercs e.r völlig ausschal - t e t, und das berühmte, bis zuletzt unratisiziert gebliebene Gehcimaokommen zwischen Itol e i und Jugoslawien über die wirtschaftliche Aufteilung des Landes in Interessensphären illusorisch macht, obgleich zunächst natürlich offiziell über eine Benachteiligung Jugoslawiens nicht bekannt geworden ist. Aber man furchtet in Belgrad mit Recht für die Zukunft, da man sich sagt, daß eine Denachteilig'-ng unausbleiblich ist, weil ^Ita­lien, nachdem es einmal das Land in der Tasche hat, mit mit Gewalt gezwungen werden könnte, die so heihbegehrte Beute fahren zu laßen, oder eventuell auch nur einen Teil davon abzugeben.

Wozu endlich die bittere Erkenntnis kommt, daß die Politik der letzten Jahre 3ug ' lawien zwar vom Gängelband der alliierten -Mächte, insbesondere Foankreichs langsam befreit hatte, daß aber diese Politik zugleich im wachsenden Maße zu einer Isolierung des Landes in auswärtigen Fragen geführt hat. die dem Lande zunächst jede Möglichkeilt zu größerer Aktivität

nimmt. Das Liebäugeln mit Rom hat die einst so enge Freundschaft mit Frankreich auf das schwerste gefährdet, und Rom selbst hat für alle Anbiederungsversuche nun, wie das die alba­nische Angelegenheit zeigt, nur den Spott des überlegenen Intriganten, der den Erfolg beim Spiele davongetragen hat. Desgleichen sind die Versuche eines Zciedensschlufses mit Bulga­rien an der ewig lebendigen mazedonischen Frage qescheitert. und mit Ungarn, dem man au Ilnrecht im Frieden soviel Landes raubte, sind gerade erst in den letzten Wochen die aller­ersten schwachen Versuche zu einer »Freund­schaft" gemacht worden. Mit anderen Worten, man hat kaum eine Wahl mehr. Paris, das man so gerne losgewvrden wäre, und dessen eigensüchtige Politik man so oft verdammte, ist beinahe die einzige Möglichkeit einer Anlehnng geblieben, und damit die Militär­allianz gegen Italien, die man aus innen- und außenpolitischen Gründen so lange zu vermeiden suchte, zur bitteren Rotwendig­keit geworden, wenn man sich nicht Italien unterwerfen will.

Deshalb ist es fast gleichgültig, wer nun die Regierung übernehmen wird. Der Weg, der gegangen werden muß, ist vorgezeichnet. P a s ch i t s ch. der greife Franzosenfreund, hat letzten Endes über alle feine inneren Gegner triumphiert und leider mit der Behauptung recht behalten, daß der Balkan nie frei würde, wenn

Kompromiß in der Kontrollfrage?

Genf, 8. Dez. (ZDXB.) Die heutigen formlosen Unterhaltungen der jnri st Ischen Sadi- oerständigen über die Abänderung des In­vestigationsprotokolls und seine Ausführungsbestim­mungen berechtigen zu der Annahme, daß die Ju­risten zu einem Ergebnis kommen werden, das den deutschen wünschen, wie sie Im wesentlichen In der Rote des Reichsministers des Aeuhern vom Ja­nuar d. I. formuliert find, gerecht wird. Es steht fest, daß der Gedanke einer Zwifchentösung endgül­tig ausgeswaltet ist. In einigen Punkten, so ins­besondere yinsichtlich der nunmehr ansgegebe- n en sogenannten örtlichen ständigen Kon­trollorgane in der entmilitarisierten Rheinlandzone und in bezug auf die ur­sprünglich den Jnvesligalionskommiffiouen zugeslan- dene Erekutioe ist bereits eine Einigung er­zielt. Man versuchte weiter, den deutschen Forderun­gen dadurch gerecht zu werden, daß das Jnvestiga- tionsprolokoll in seiner jetzigen Form bestehen bleibe, jedoch den deutschen Forderungen durch bin­dende Ratsbeschlüsse Rechnung getragen werden soll. Ls wurde besonders zum Ausdruck ge­bracht, daß bisher noch in keinem Lande eine Völ­kerbundsexekutive slattgefunden hat, und daß die Jnvestigationennurdurchdeutscheve- hörden unter Teilnahme von Mitgliedern der 3n- vesligationskom nlffion durchgeführt werden sollen. Wie von gutunterrichleler Seite am Mittwochabend verlautet, bestehen jedoch die Meinnungsverschle- denheiken in der Frage der O st s e st s e tz u n g e n sowie der Ein - und Ausfuhr des Kriegs­materials in vollem Umfange fort, von anderer Seite verlautet allerdings, daß man in der Frage der Ausfuhr deutscher Halbfabrikate aus englischer Seite Deutschland Entgegenkommen zu zeigen geneigt sei.

Ein Versuchsballon des Qua? d'Orsay.

Kontrolle der entmilitarisierten Aoue durch die Rhcinpaktmächtc.

Genf, 8. Dez. (Täl.) Der Loucheur nah> stehende diplomatische Korrespvnd«nt des ^Petit Journal", Marcel Ray, bringt heute eine Auf­sehen erregende, zweifellos van französischer offi­ziöser Seite stammende Darstellung der gegen­wärtigen Verhandlungen der Außenminister. Er erklärt, das Zustandekommen eines Kompromisses stehe dank dem französischen Entgeaenkommen unmittelbar b:vvr. Das Kom­promiß sehe die Aufhebung der Militär­kontrolle in der allernächsten Zeit vor, mög­licherweise schon am 1. Januar, falls Deutsch­land dasür das Investigationspro­gramm annehme. Die deutsche Delegation scheine diesem Kompromiß nicht ablehnend gegenübLrzu- stehen. Die Kontrolle über die entmili­tarisierte Rheinlandzvne solle den fünf Signatar st aaten des Rhein­landpaktes, England. Frankreich, Deutschland, Italien und Belgien, übertragen werden. Man stehe also vor der Bildung einer neuen großen Rheinlandentent e".

Auf deutscher Seite betrachtet man diese Meldung als einen Vers uchs ball on und erllärt, daß sich ein solcher Vorschlag nicht in den Händen ter deutschen Delegierten befinde. Es wird hinzugesügt, daß irgendwelche Investi­gationen, die nicht auf Grund eines Mehr­heitsbeschlusses des Völkerbundsrates von Fall zu Fall gefaßt werden, für Deutsch­land unannehmbar seien. Eine Sonder­

regelung für das Rheinland komme gleichfalls nicht 'n Betracht, da "fie über die Bestimmungen des Versailler Vertrages Yinaus­gehen würde. Irgendwelche Elemente Stahles (ständige Kontrollorgane) seien für das deutsche Gebiet auch dann völlig untragbar, wenn sie durch ein Kontrollorgan der Rheinlandmächte durchgeführt würden. Von deutscher Seite fbnnte einem solchen Vorschlag nur zugestimmt werden, wenn eine reziproke Rüstungskon­trolle sowohl in der deutschen als a u ch i n der französischen Grenzzone festgelegt würde.

Eine neue Sitzung der Botschaflerkonferenz.

Paris, 8. Dez. (WTD.) Der General­sekretär der Dotschafterkonferenz, M a s s i g l i. wird heute abend aus Genf nach Paris zu- rückreisen und morgen vormfttag hier ein­treffen. Morgen nachmittag wird die 'Bo t - sch afterkonserenz zusammentreten, um sich mit der Frage der Entwaffnung zu beschäft gen. nachdem General Pawels seit Beginn der Woche wiederholt Besprechungen sowohl mit dem Generalsekretär der Dotschas> rronserenz als auch mit dem Interalliierten Militärkomitee gehabt hat. Der Sonderberichterstatter desJournal des Debats" erklärt, daß vielleicht auf Veranlassung der alliierten Ministerpräsidenten noch ge­wisse Forderungengestellt werden wür­den, auf die mart nicht vorbereitet sei.

Die Saarfrage in Genf. Zurückziehung der französischen Truppen. - Ein ziviler Bahnschutz.

Gens, 9. Dez. (TU.) Die Saarfrage, die in den letzten Tagen von den juristischen Sa chver ständigen cingehend erörte t wurde, wird nun in einer der nächsten Ratss.hungen zur Behandlung kommen. Es handelt sich be­kanntlich um die Zurückziehung der noch im Saargebiet befindlichen zwei französi­schen Regimenter. In der letzten Zeit hat sich eine neue Schwierigkeit ergeben, da von französischer Seite geltend gemacht wurde, daß beim Abzug der Truppen, gewissermaßen als Vorbedingung dafür, ein besonderer Eisen- bahnschutz gcschassen werden muß. Gegen­wärtig dürfte eine Einigung auf folgender Grundlage bevorstehen: Es soll für die saar­ländischen Bahnen ein rein technischer Bahnschutz ohne irgendwelchen militärischen Cha­rakter geschaffen werden, der ausschließlich der Re gierungskommission für das Saargebiet unterstehen und aus fremden von der Regierungslommisfion gewählten Staatsangehö­rigen mit rein zivilen Functionen bestehen wird und im Bedarfsfälle den Schutz der Bahnhöie und der Bahnlinien zu übernehmen hätte.

Die (Einberufung der WellwirtlchaslsKonferenz.

Genf. 8. Dez. (TU.) Der Völkerbunds- ra t hat heute nachmittag auf Grund eines Be­richtes des Generals eiretärs des VölieroundeS über die bisherigen Erfahrungen bei den inter­nationalen Konferenzen auf Vorschlag Chamber- lainS bcschlo sen. die Weltwirtscha ts.onierenz zum 4.Mai 192 7 nach Genf einzuberuen. Zum Präsidenten der Konferenz wucoe der frü­here belgische Finanzminister T h e u n i s ernannt.

er sich nicht mit Frankreich gegen alle anderen Mächte verbündete.

Sine Tatsache, die um so deprimierender ist, weil fie gerade Deutschland, dem einzigen Lande, das außer Fraickreich noch eine Zukunft: auf dem Balkan Hütte, gerade in dem Augen­blick alle Wege verrammelt, in dem es selber wenigs! ens ein Teilchen der A.iionSfreiheit wiedergewinnt, die dem Balkan hätte helfen können.

Starte (Erregung in Jugoslawien.

Beschwerden beim Völkerbund und den Krotzniächtcu.

Belgrad. 8. Dez. (LU.) Wie diePo­litika" meldet, hat Rintschitsch eine Rote an d i e Großmächte gerichtet, in der auf die den Verträgen widersprechenden Bestimmungen des albanisch-italienischen Dertisges hingewie- fen und auf die Gefahren aufmerksam ge­macht wird, die aus diesem Vertrag für den Balkan entstehen könnten.

Ein hochgestellter Belgrader Politiker er­klärte ausländischen Pressevertretern, daß Jugo­slawien den Völkerbund anrufen werde, um die Anerkennung des italienisch-albanischen Vertrages mit allen Mitteln zu verhindern. Sollte sich der Völkerbund auf die Seite Ita­liens stellen, so würde Jugoslawien nichts an­deres übrig bleiben, als auS dem Völker­bund auSzutreten. Der italienisch- lugoslawische Vertrag set jedenfalls durch den Derttagsabschluh zwischen Italien und Albanien h ins ä lli g geworden, da Italien es versäumt habe, den Vertragsbestimmungen entsprechend Jugoslawien von der neuen Sage zu unterrichten. Dr. Rintschitschs Rücktritt sei selbst­verständlich gewesen nachdem seine Politik durch das Vorgehen Italiens in so peinlicher Weise bloßgestellt wurde. In politischen Kreisen Jugo­slawiens herrscht außerordentlich unruhige Stim­mung. Man spricht sogar von der Möglich­keit kriegerischer Verwicklunaen mit Italien im kommenden Frühjahr. Militärische Vorbereitungen werden getroffen. An der al­banischen Grenze wird eine Umgruppierung und Verstärkung der jugoslawischen Truppen vor­genommen.

Die Kabinettskrisis in Belgrad.

Eine frankophile Regierung im Anmarsch.

Paris, 8. Dez. ($11) Rach einer offi­ziellen französischen Information aus Belgrad steht die Bildung eines Konzentra­tion s k a b i n e t t S bevor, in dem Marin- kowitsch daS Außenministerium übernehmen wird. Marinkowitsch ist ein franzosen - f reun dlicher Politiker, der außerdem auch für eine Anerkennung Rußlands ist. DerWatin" weist darauf hin, daß sich durch den Abschluß des albanisch italienischen Abkommens neue Schwierigkeiten für eine Begegnung Brands mit Mussolini ergeben hätten. Der Londoner Korre­spondent desEcho de PariS" berichtet über um­fangreiche militärische Vorbereitun- gen Italiens in Rordalbanien, die in -velgvad stark beunruhigten. Die Demis.ion Rin- tfchitschs habe die ganze Derftändig-ungspolitik zwischen Jugoslawien und Italien über den Haufen geworfen. Italiens Vorgehen am Balkan, das durch Chamberlain bei dessen letzten Zusammentreffen mit Mussolini ermutigt wor­den sei, erinnere stark an die Okkupation Bos­niens und schaffe eine ähnliche Atmosphäre der Ueberreizung.

Die Rolle Frankreichs.

Rom, 8. Dez. (WB.) Die Vorgänge In Albanien und Eüdslewien beschäftigen toe t::« hin die Presse.Giornale d'Jtalia" berichtet aus Tirana, daß die albanische Kammer heut» abend über den italirnisch-albanischea Der. trag abstimmen müsse. DaS Ergebnis der Ab» stimmung sei nicht doraus-usehen, weil in den letzten Tagen südslawische und franzö­sische Agenten eine große Agitation ge^en den Vertrag ent^ldilt hätten. Das Mengen- mögllche sei von diesen Leuten berfucht Worten. Auch der französische und der&flateifcfe Ge. sandte hatten wiederholt ilnterreimncei mit Ach- wrd Zogul über den Vertrag gehabt. In na­tionalen Kreisen Albaniens herrsche starke Feindseligkeit gegen Eüdslawien. Der italienisch-k'lben'sche Frennd'ck-a'tSPakt kenne nnrn >glich frm Grund für das Ab'chweicken 6nd- fla-iens in eine neue Politik abgeb-n. Sljer Frcundschastsvakt korq» nur ein Vorwand für die neue f-altum Süd. s.awiens sein. Das Blatt g'a-'bt, dast Süd- s'avien durch PoincarS aufgewieaelt werde, und daS nicht nur gegen Deutsch­land. fonbetn auch gegen I t a l i - n. Die Srihuna m int, Südllawirn werde telbl nicht »uneben können, daß der Rücktritt Hinte schitschS. der sich in letzter Zett nur noch b*r Shmpatkie seines Königs er'reut habe, gegen Italien polttisch au5genr?.n>t werde.