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Die Robert - Vlum - Linde in Gießen.

Zur Erinnerung <rn den 9. November 1848. Von Professor Ludwig Hüter.

Ein ansprechender Aufsatz imGiehener An­zeiger" vom 29. Oktober d. 3. beschäftigte sich mit Bäumen der geschichtlichen Erinne­rung in Gießen". Wir besitzen in unserer Vaterstadt eine Eiche zur Erinnerung an die dritte Säkularfeier der Reformation 1817, eine Schiller-Eiche zur Erinnerung an des Dichters 100. Geburtstag vom Jahre 1859, eine Linde zur Erinnerung cm Luthers 100. Geburtstag vom Jahre 1883 und im Forstgarten eine Eiche zur Feier des 80. Geburtstages von Bismarck vom Jahre 1895. Am Sonntag, dem 31. Oktober d. 3., ist endlich eine ßinbe zur Erinnerung an die Ein­führung der Reformation in Hessen vor 400 3ahren gepflanzt worden.

Daß aber auch eine Robert-Blum- Linde in Gießen vorhanden ist zur Erinnerung km die am 9. November 1 8 4 8 erfolgte Er­schießung des berühmten Abgeordneten der Frank­furter Reichsversammlung, ist, wie es scheint, fast vergessen. Sie steht, auf ungepflegtem Platze und ohne Gedenktafel oder irgendwelche Bezeichnung, in dem sogenannten Lärchenwäldchen, der kleinen Anlage zwischen Licher und Grünberger Straße am Mhanae zwischen der Neuen Kaserne und der Georg-Philipp--Gail--Straße.

Geboren am 10. Nov. 1807 zu Köln, wuchs Ro- bertBlum in sehr dürstigenDerhällnissen auf,ward Handelslehrling, dann Kommis, später Theater- sÄretär und -kassierer in Leipzig. In dieser Stel- Bring sand er Mutze und Gelegenheit zu seiner Fortbildung und zu literarischer Tätigkeit. 1840 war er bei der Sttftung des Schillervereins be­teiligt. Mit großem Eifer schloß er sich der Deutfchkatholischen Bewegung an und trat 1845 -an die Spitze der neugrsttsteten Gemeinde in Leipzig. 1847 gab der geistig ungemein regsame Mann seine Stelle als Theaterkassierer auf und begründete eine Buchhandlung, in der die von ihm selbst geschriebenen Werte erschienen:Ein »Weihnachtsbaum", Lebensbeschreibungen freisinni­ger Deutschen enthaltend, und einStaatslexikon für das deutsche Volk". Durch seinen begeisterten und begeisternden Liberalismus wirkte er stark mit zur Vorbereitung der 48er Bewegung in den deutschen Herzen,

3n den entscheidenden Februar- und März­tagen 1848 wurde Blum Hauptführer der sächsi­schen Demokratie. 3m Vorparlament zu Frankfurt war er einer der Vizepräsidenten und in der Frankfurter Nationalversammlung Vertreter Leip­zigs und Führer der Linken, ein Vorkämpfer des deutschen Freiheitsstaates. Als Redner zeichnete er sich durch Gewandtheit, Schlagfertigkeit und leidenschaftlichen Schwung aus. So wurde er eine der populärsten Gestalten destollen" 3ahres. Die Geschäftsordnung der Pauls- Arche verlangte, daß jeder Redner, bevor er das Wort ergriff, seinen Namen nannte. Natürlich unterließen dies die allbekannten Führer. Aber so ost sich ein selcher von der Linken erhob, etwa Robert Blum, rief der urfeudale Abgeord­nete von Aatibor (Schlesien), der hochmütige Fürst Felix Lichnotoskh mit gedehntem Nasallaut:Naamenl" und der bekannteste Mann im Hause mutzte seinen Namen nennen.

Von der Linken der Paulskirche ließ sich Blum nebst Julius Fröbel im Herbst mit einer Zustimmungsadresse an das aufständische Wien absenden. Dort ward die Deputation am 17. Ok­tober von den leitenden Korporationen aufs ehrenvollste empfangen. Am 26. trat Blum selbst in die Reihe der Kämpfer und befehligte auf einer Barrikade. Aber am 1. November muhte Wien, vom Arbeiterproletariat und von zahl­reichen Studenten lange tapfer verteidigt, endlich kapitulieren. Den Oberbefehlshaber der siegreichen kaiserlichen Truppen, den Fürsten Windisch -- grätz, hat Franz Grillparzer mit folgen­dem Vierzeiler charakterisiert:

Wem, Windischgrätz, vergleich' ich dich,

-Um nicht nach Bildern fern zu haschen?

. Mir bist du der alte Metternich, Nur statt in Strümpfen, in Gamaschen, t Blum wurde am 4. November in seinem Gasthof mit Fröbel verhaftet. Obwohl er sich F'auf seine Unverletzlichkeit als Reichstagsabgeord­neter berief, wurde er am 8. November, weil er die Waffen gegen die kaiserlichen Truppen ge­führt, vom Kriegsgericht zum Strang verurteilt. Das Urteil ward in Tod durch Pulver und Blei verwandelt und am 9. November morgens in der Brigittenau vollzogen.

Ich sterbe für die deutsche Freiheit, für die ich gekämpft habe, möge das Vaterland meiner eingedenk sein!", waren die letzten Worte des

Reiterattacke auf die Filmkamera

Von A. R. D u g m o r e*).

... Den nächsten, aufregendsten Teil des Pro­gramms bildete eine Attacke der berittenen Ara­ber. Das war vermutlich ein ganz besonderes Ereignis und mutzte unbedingt fesselnd werden. Nach einem vorher bestimmten Plan hatten sich Die Berittenen in einem Vierteltreis auf dem entferntesten Ende des Platzes aufzustellen. Auf ein gegebenes Zeichen sollten sie im ge­streckten Galopp geradeswegs in Richtung auf Die große Tribüne losreiten, aber etwa zwei­hundert Meter vor den Fahnenstangen muhten sie den Pferden in die Zügel fallen und fie zum Stehen bringen. Es galt bei ihnen als ein besonderes Reiterkunststück, ihre Pferde mit ungeahnter Plötzlichkeit zum Halten bringen zu können. Die 3dee gefiel mir. und ich ver­sprach mir davon eine interessante Filmaufnahme.

Weil ich ein vertrauensseliger Mensch bin, glaubte ich auch zuversichtlich, dah alles pro- grammähig verlaufen würde. Ich stellte meine Kamera auf und hielt mich in Bereitschaft, als der Leiter des ganzen inilitärischen Schauspiels den ungestümen Reitern, die ungefähr vier­hundert Meter oder auch etwas mehr entfernt wareii, das Zeichen zum Beginn der Attacke gab. Eine Staubwolke zeigte an, dah sie ab- geritten waren, und ich fing an, die Kurbel zu drehen. 3m Sucher konnte ich genau verfolgen, wie die Figuren rasch immer größer wurden, je näher sie tarnen. 3n der gelben Staub-

) Mit Genehmigung des Verlags F. A. Brockhaus sind wir in der Lage, unfern Lesern eine Textprobe aus dem interessanten ReisewerkFrieden im Sudan. Mit der Filmkamera auf dem Anstand" au bieten, auf das wir bereits an anderer Stelle hingewiesen haben.

Freiheitshelden, als er vor den Flintenläufen der Soldaten stand.

Die Erschießung Blums war des Fürsten Felix Schwarzenberg eigenste Tat, den die Generale als den starken Mann zum Leiter der österreichischen Reaktion auserkoren hatten. Tim Klein charaAerisiert diesen Mann in seinem bekannten Buche1848. Der Vorkampf deutscher Einheit und Freiheit" folgendermaßen: Durch ein ausschweifendes Leben zerrüttet und blasiert, von rücksichtsloser Energie, ohne einen Funken von Einsicht in die treibenden Kräfte der Zeit, ein starrer Autokrat so nahm er die Macht an sich, so übte er sie aus."

Schwarzenberg und Windischgrätz hatten Blums Tod verabredet, um der Nationalver­sammlung durch eine solche Gewalttat ihre Ohn­macht zu beweisen.

Die Hinrichtung oder, wie man in allen liberalen Kreisen leidenschaftlich sagte, dieEr­mordung" Robert Blums erregte in Deutschland berechtigten ungeheuren HntoiHen; sie war das blutige Signal der reaftionären Säbelherrschast. In der Reichsversammlung zu Frank.urc erhob sich am 14. November ein furchtbarer Sturm der Entrüstung. Für Blums Hinterbliebene wurde eine Nationalsubskription in ganz Deutschland veranstaltet: sie ergab die für die damalige Zeit sehr ansehnliche Summe von 120 000 Mark. Freiligrath dichtete:

Dor zweiundvierzig Jahren war's, da hat mit Macht geschrien

Ein siebentägig Kölner Kind auf seiner Mutter Knien!

Acht Tage sind's, da lag zu Wien ein blut'ger Mann im Sande.

Heut scholl ihm Neukomms Requiem zu Köln am Rheinesstrande."

Wer sich für das Leben, die Tätigkeit und das Schicksal des bedeutenden Volksmannes leb­hafter interessiert, dem sei das Werk seines Sohnes Hans Blum, des begeisterten Bismarck­anhängers, empfohlen:Robert Blum. Ein Zeit- und Charakterbild für das deutsche Volk." Leipzig 1878.

Es gereicht Gießen zur Ehre, dah seine Bürger damals zur Erinnerung an den unglück­lichen Märtyrer der Freiheit eine Gedenk-Linde pflanzten. Freilich hatte ja auch die überwiegend demokratisch gesinnte Bürgerschaft einen Mann wie Karl Vogt, den berühmten Naturforscher, in das Frankfurter Parlament gesandt, wo Vogt als Parteigänger der radikalen 2infen bald einer der glänzendsten. Redner wurde. Die Pflan­zung der Gießener Blums-Linde fand bald nach seinem Tode in feierlicher Weise unter großer Beteiligung der demokratischen Vereine und so­zusagen ganz Gießens statt. Einer unserer ältesten Mitbürger, der 85jährige Herr Schuhmacher- meister Berg, damals siebenjährig, erinnert sich noch genau der erhebenden Feier.

Damit nun auch bei einer so ernsten Sache der Humor sein Recht behalte, lassen wir Karl Vogt (Aus meinem Leben") reden:Als die Nachricht von Robert Blums Crschietzung in Wien nach Gießen kam, beschlossen die demokrati­schen Vereine, eineBlums-Eiche" auf einem ft eini­gen Plateau, dem sogenannten Trieb, zu pflanzen. Man zog mit wehenden Fahnen und klingender Musik hinaus, und der Hilfslehrer Koch vom Gymnasium sollte die Weiherede halten. Unter» dessen hatte man sich aber besonnen, daß Eichen auf dem Trieb nicht sortkommen könnten, und hatte deshalb eine Linde gewählt. Koch, der sich im Jahre 1848 aus reiner Begeisterung in die revolutionäre Bewegung geworfen hatte, hielt eine patriotische Rede, die vielen die Tränen in die Augen lockte, und schloß dieselbe mit dem Ausrufe:Möge diese Linde zur starken deutschen Eiche erwachsen!" Uebrigens erzählten wir Giehener Pennäler uns noch in den 70er Jahren, lange bevor VogtsErinnerungen und Rückblicke" erschienen waren, die rednerische Entgleisung Des Magisters mit Behagen in etwas anderer, präg­nanterer Form. Danach schloß der Redner im Eifer seine Ansprache mit den pathetischen Wor­ten:Diese Linde soll fortan Rvbert-Blums- Eiche heißen!"

Das Gießener Ehrenzeichen an Robert Blum ist vergessen. Eine Inschrift, die ich in meiner Jugend auf einer Tafel am Baume noch gelesen zu haben vermeine, ist nicht mehr da. Der Stein­tisch mit 'den Bänken ist erst in den letzten Jahren bis auf wenige Reste verschwunden. Der ganze Platz, von dem aus man früher eine herr­liche Aussicht über Gießen und in die Feme hatte, ist vernachlässigt. Otto Buchner, der Gie­ßener Chronist, berichtet, daß der ursprüngliche Baum sehr bald nach Eintritt der Reaktion eines Nachts umgebrochen und zerstört worden sei. Später [ollen Freunde Blums ihm zum Ge­dächtnis in aller Heimlichkeit nachts einen zweiten

Wolke sahen sie wie Gespenster aus, ihre Weißen Burnusse flatterten im Winde und die Rechte hielten fie über dem Kopf: es war ein herrliches Bild. Während ich die Kurbel drehte, änderte ich allmählich die Einstellung des Objektivs«, wobei die ersten Zweifel bei mir auftauchten«, ob fie wohl auch wirklich alle an der befohlenen Linie zum Halten kommen würden. Die Windes­eile, mit der sie daherbrausten, war wahrhaft erschreckend: näher und näher kamen fie, und feiner machte Anstalten, sein Pferd zu zügeln. Wenn es nicht so unmenschlich heiß gewesen wäre, wäre mir ein kalter Schauer nach dem andern über den Rücken gelaufen, und nur weil meine Haare von Schweiß trieften, standen sie mir nicht zu Berge, denn mir wurde die Geschichte immer unheimlicher. Ich habe vor Pferden schon immer Angst gehabt, und nun gleich eine solche Masse auf einmal, die, ge­ritten von wilden, erregten Arabern, auf mich losrasten. das war in der Tat eine schwere Belastungsprobe der Nerven. Sollte ich da­vonlaufen, so lange ich noch heile Knochen hatte? Doch fast ehe der Gedanke Gestalt angenom­men hatte, war der richtige Augenblick verpatzt, und ich drehte mechanisch die kleine dumme Kurbel weiter und filmte. Was hätte ich auch sonst tun können? Ich hatte nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, ob mein letztes Stündlein geschlagen hätte. Ich weiß nur noch, dah ich dachte: Was wird das für ein interessanten Film werden! Aber vielleicht dachte ich auch gar nichts, denn alles in mir war durch die Erregung verwischt, aber ich glaube, ich tat es. Die wilden Schreie der Männer, das Schnau­ben der Pferde, das Stampfen ihrer Deine in dem rasenden Galopp und die wogende Masse von Menschen und Tieren nahm die Snme gefangen. Das Blau des Himmels war wie ausgelöscht, als ich schließlich aufhörte, die Kur­bel zu drehen, und den Arm schützend um die Kamera warf, gerade als mir das vor-

Daum (den jetzt dort stehenden?) gepflanzt haben. Die Inschrift wurde, soviel ich weih, auch ein­mal wieder hergestellt und erneuert, wahrschein­lich auf Veranlassung des alten Rübsamen, des demokratischen Turnvaters Gießens, der auch bis an sein Lebensende die 48er Fahne Schwarzrot­gold in Ehren hielt. Ich war in den 70er Jahren noch sein Schüler in der damaligen Turnhalle (an Stelle der Leglerschen Buchhandlung in der Schönen Anlage") und sehe noch in meiner Erinnerung den altehrwürdigen Turner an einem Turnfest, auf dem Gymnasiallehrer Dr. Weifsen- bach die Festrede hielt, auf dem Oswaldsgarten die Freiübungen der Schüler Gießens leiten, unter denen auch ich mich als Terttaner befand.

Wie denkt der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei (der früheren Nattonalliberalen), Reichsauhenminister Dr. Stresemann über die demokratische groß deutsche Bewegung der 48er Jahre" ? Am 2. Oktober d. I. hat er in Köln in großer Volksversammlung folgendes Be­kenntnis abgelegt:

Ich lasse mir meine Ansicht über die Größe ber nationalen Bewegung von 1848 von nieman­dem rauben. Die Männer, die in der Pauls Arche versammelt waren, waren die Besten unseres Volkes. Freuen würde ich mich, wenn es noch einmal einen Reichstag gäbe, in Hern das an Geist und Idealismus bereinigt wäre, was sich damals in der Paulskirche zusammenfand. Das, was sich dort geltend machte an älmsturz und Revolution, das war doch deutsch in seinem tiefsten Sinne und wollte nur der Nation und ihrer Einheit dienen. 3n jener 1848er Bewegung galt der erste Gedanke der deutschen Flotte. Da übersprang der Geist die Ländergrenzen, als die Fürsten noch nicht über die Grenzpfähle ihrer Kleinstaaten hinauszuschauen vermochten."

Ich wende mich nunmehr an die lokalpatrio­tischen Giehener, an die Herzensrepublikaner und an diejenigen unserer Mitbürger, die in Herrn Dr. Stresemann ihren politischen Führer erblicken. Ich fordere alle auf, mitzuwirken im Bunde mit den Stadtbehörden und Stadtverord­neten, dah das Andenken an Robert B l u m in unserer schönen Heimatstadt jetzt wieder erstehe.

Ein natürlichen Felsblock vor der Linde mit der schlichten Inschrift:Robert Blum, 9. Novem­ber 1848. Die würdige Einweihung erfolge am 18. Mai 1927, dem Sage, an dem im Jahre 1848 die erwählten Vertreter Großdeutschlands, darunter Robert Blum, unter Geschützdonner und Glockengeläute in die Paulskirche einzogendie Besten unseres Volkes an Geist und Idealismus" I

Landesversammlung des Hess. Evangelischen Bundes.

Am Samstag und Sonntag fand in Darm­stadt die 39. Landesverfammlung des Evangelischen Bundes in Hessen statt. Neben den üblichen Versammlungen wurde eine be­sondere Studentenversammlung in der Otto-Berndt-Halle der Technischen Hochschule und gleichzeitig eine Arbeiterversammlung ab- ;ehalten.Jn beiden Versammlungen fanden die be- onderen Nöte unserer Zeit, die Führernot und die oziale Not ihre evangelische Beleuchtung.

Für die Arbeiterschaft sprach Arbeitersekretär Lauser. Die Versammlung erließ folgende Kundgebung an die ev. Arbeiterschaft Hessens:

Die anläßlich der Landesverfammlung des Eo. Bundes in Darmstadt aus 15 hessischen Orten in stattlicher Zahl zusammengetretene Ev. Arbeiterver­sammlung erklärt:Wir bekennen uns mit Freuden zu den Segnungen, die die Reformation imferem Volke gebracht hat. Insbesondere gedenken wir dank­bar der sozialen Gedanken, die aus dem urchristlichen und reformatorischen Geist geflossen sind, und der Werke, die gerade die hessische Reformation zur Linderung der wirtschaftlichen und sozialen Nöte ihrer Zeit geschaffen hat. Wir rufen die eo. Arbeiter­schaft auf, treu zum Evangelium Jesu Christi zu stehen, ohne das eine wirkliche Lösung der sozialen Frage nicht gefunden werden kann."

Zu den Studenten redete der Bannerpfarrer Haun (Bonn) über:Wir wollen Hüter sein!"

Festgottesdienste leiteten allenthalben in der Stadt und ihrer Umgebung den Festsonntag ein. In der Stadtkirche predigte Pfarrer Haun (Bonn) über 2. Korinther 12, 9Laß dir an meiner Gnade genügen". Die Weihestunde wurde Durch die wun­dervolle Bachsche ReformationskantateGott der Herr ist Sonne und Schild" wesentlich erhöht.

In den Volksversammlungen am Sonntagnachmittag erklang noch einmal die Erinne­rung an die 400jährige Reformationsfeier in Hessen. Die hessische Reformation, eine Tat des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung" behandelten nachein­ander Pfarrer v. Waitz, der verdienstvolle hessische

berste Pferd einen Stoß versetzte, der mich und meine Kamera rundherum wirbelte und in eine andere Gruppe der Angreifer hineinschleuderte. Vorwärts und rückwärts wurde ich gestoßen, vor meinen Augen tanzten Sterne, ganz im Gegensatz zu der richtigen göttlichen Weltord­nung, während ich umhergestoßen wurde und die ganze wilde Sache plötzlich em Ende nahm. Rechts und links, vor und hinter mir waren Pferde, überall Pferde, schwitzend, schaumbÄ>eckt, die auf dem Boden scharrten, dazwischen wie­der malerische Gestalten, die über den kleinen Scherz herzlich lachten. Ich lachte freilich nicht mit), denn, um die Wahrheit zu sagen, ich war halb betäubt, alle Knochen taten mir weh, und ich war von oben bis unten tote zerschlagen. aber mein Apparat war heil und ich hatte eine gute Aufnahme gemacht. Beinahe wäre es meine letzte geworden: nur dem günstigen älmstand, daß ich mich trotz allem immer noch auf den Beinen hatte halten können, verdanke ich mein Leben.

Plötzlich schoß mir der Gedanke durch den Kopf, daß sich jetzt eine günstige Gelegenheit bot, einige charakteristische Phvtostudien zu ma­chen. Schnell richtete ich den Apparat auf die nächststehende Gruppe und machte einige Ausnah­men. Auf einmal bemerkte ich ein paar Män­ner in Khaki, die sich durch die Schar der Pferde einen Weg bahnten und dabei zu schimp­fen schienen. In diesem Augenblick bekamen sie mich zu Gesicht, zwar staubbedeckt und ganz aufgelöst, aber doch schon wieder an der Ar­beit mit der Kurbel. Mit einem Blick sichtlicher Erleichterung stürzten sie auf mich zu und woll­ten wissen, ob ich noch lebte oder verletzt sei. Die erste Frage konnte ich bejahen, die zweite mit3a, stellenweise" beantworten. Abgesehen von einigen Quetschungen und Erschütterungen war ich bei dem Vorfall nicht einmal allzu schlecht toeggefommen; nur war ich lochgar, und ich erstickte vor Staub. Meiner Ditte um irgendein

Bundesoorsitzende, Prälat D. Dr. Diehl und der Direktor des Ev. Bundes, Studiendirektor Fahren- horst, Berlin. Die Reformation war eine Glaubens- beweäung, so führte der erste Redner aus, nach ihrer Ursache, keine anderen Beweggründe gaben ihr Kraft als die religiösen, aber auch ihrer Wirkung nach ist sie eine Tat des Glaubens.Die Reformation ist kein vergangenes Ereignis, sondern ein gegenwär- tiges; sie ist noch nicht zu Ende, sondern sie steht erst am Anfang ihrer Auswirkung." Aber auch die Liebe als Triebkraft großartigen sozialen Wirkens zeigte aus tiefer Sachkenntnis Prälat D.Dr. Dieh l. Die Versuchung, die reichen Pfründe und Güter, die durch die Reformation frei wurden, im Interesse seines Hauses zu verwenden, wies Philipp der Großmütige standhaft ab, weil die tiefe Kraft aus dem eo. Glauben entspringender-Liebe ihn beseelte. So hat er die reichen Mittel verwandt für ein groß­zügiges kirchliches Armen- und Erziehungswesen, wie es selbst unsere soziale Zeit nicht mehr besitzt. Warmherzige Töne freudigen ev. Hostens schlug der Bundesdirektor an. Das Christentum ist auf Hoff­nung gesät. Vergangene Nöte habe es stets glau­bensvoll zu überwinden gewußt. Trotz aller schweren Schatten über Deutschland, trotz aller Mängel un­serer Jugend, sind dennoch unendlich viel hoftnungs- volle Ansätze evangelischer Kraft in unserer Gegen­wart zu spüren.Ich will lieber mich zu Tode hoffen, als im Unglauben zugrunde gehen!"

Die Volksversammlung nahm einmütig folgende Kundgebung an:

Der Hessische Hauptoerein des Evangelischen Bundes gibt von seiner 39. Landesoersamlung in Darmstadt an die Evangelischen des Landes kund: Wir gedenken dankbar all der reichen Segnungen, die die vor 400 Jahren im Hessenland aus einer starken evangelischen Bewegung erwachsene Reformation auf allen Gebieten des Lebens dem Lande^ebeacht hat. Wir bekennen uns in den geistigen Kämpfen der Gegenwart freudigst zu dem Evangelium, der Kraft­quelle für die Gesundung unseres Volkstums. Wir geloben auch unsererseits, in der enffchiedenen Ab­wehr jeder Art von Gegenreformation uns dafür einzusetzen, daß die Reformation ihre Sendung an unterem Volke weiter erfülle und der evangelische Wille auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zur Geltung komme. Wir rufen alle Evangelischen des Landes auf, uns in diesem Dienst an unserem Volk einmütig und tatkräftig zu unterstützen."

Am Denkmal Philipps des Großmütigen legte der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins als Zeichen ehrfurchtsvollen Dankes den Kranz in den hessischen Farben nieder.

Oberhessen.

Der Arbeitsniarkt

im nördlichen Oberhessen.

Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Arbeitsamtes für das nördliche Oberhessen (Stadt und Kreis Gießen sowie die Kreise Sllsfelb, Lauterbach und Schotten) hat sich im Laufe des Monats Oktober etwas verschlechtert. Das ungünftigere Bild ist zurückzuführen auf verschiedene Arbeiterentlassungen und auf die Zusammenlegung von Arbeitsschichten bei der Lahnregulierung bei Fronhaufen zu einer Schicht: die Landwirtschaft hat einen Teil der mit Saisonarbeiten beschäftigten Leute wieder abgegeben, da diese Arbeiten nunmehr beendet sind. Im Baugewerbe dagegen wird bei dem verhältnismäßig günstigen Wetter noch gut ge­arbeitet. Eine Reihe weiterer Notstandsarbeiten ist in Gang gebracht worden, wodurch eine Anzahl Ar­beitskräfte neuen Verdienst finden konnte. Im ein« Seinen ist ziffernmäßig zu berichten:

G i e ß e n - S t a d t: 1. November: 533 Haupt­unterstützungsempfänger, 796 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 488 bzw. 697).

Kreis Gießen: 1. November: 1038 Haupt- unterstützungsempfänger, 1258 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 986 bzw. 1252).

Kreis Alsfeld: 1. November: 384 Haupt­unterstützungsempfänger, 719 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 403 bzw. 746).

Kreis Lauterbach: 1. Nov.: 138 Haupt- unterstützungsempfänger, 236 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 111 bzw. 192).

Kreis Schotten: 1. November: 206 Haupt­unterstützungsempfänger, 401 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 226 bzw. 432).

Insgesamt: 1. November 2299 Hauptunter­stützungsempfänger, 3410 Zuschlagsempfänger (1. Ok­tober 2214 bzw. 3319).

216er-Tagung in Alsfeld.

9b& Alsfeld, 8. Nov. Der Verband der Vereine ehemaliger 116er hielt am Sams­tag und Sonntag imDeutschen Hause" dahier seine D e r t r c t e r d c r f a m m l u n g ao. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Begrüßungs- abenb am Samstagabend im Saale desDeutschen

©etränf wurde sogleich entsprochen, und wie durch Zauberei waren auf einmal mehrere große Gläser mit Limonade da. Während ich auf die große Tribüne zuging, wurde mir klar, daß jedermann mich für verloren gehalten hatte, als man mich in der Masse der rettenden Araber verschwinden sah. Es tat mir ja leid, daß ich den guten Leuten einen solchen Schreck einge­jagt patte, aber ich konnte ihnen die Versicherung geben, dah meiner noch viel größer getoefeir war. Schade war es nur, daß zwei von den Zuschauern, die versprochen hatten, die Szene aufzunehmen, in der Aufregung über das an­scheinend drohende älnglück ganz vergessen hat­ten, von ihren Apparaten Gebrauch zu I machen.

3ch hatte große Lust, eine zweite verlang­samte Filmaufnahme von einer Attacke zu ma­chen, dagegen gar keine, die eben gemachte Er­fahrung noch einmal zu wiederholen: die große Tribüne sah mir auf einmal niet bequemer, schattiger und vor allem auch um vieles siche­rer aus. Sobald der Apparat ausnahmeberett war, wurde das Zeichen für eine neue Attacke gegeben. Die Reiter waren jedoch wegen der vorherigen Außerachtlassung der Anordnungen gehörig abgelanzelt worden und hielten ihre Pferde deshalb schon an, lange bevor sie die angegebene Linie erreicht hatten, waren aber dadurch von der Kamera viel zu weit weg, als daß man ein vernünftiges Bild hätte auf- nehmen können. 3nfolgedessen mußte Vorstel­lung zum drittenmal wiederholt werden: dies­mal hatte die Sache vollen Erfolg. Der be­treffende Fttm zeigte die Pferde in einem lang­samen Galopp, was deshalb sehr interessant ist, weil man jetzt er ft die außerordentlich tuijvje Haltung und Anmut der Reiter bewundern tonn. Die Attacke wurde nachher öfter wiederholt, da die Araber diese Art Belustigung besonders schätzen.