Das so gereinigte Tas wird nun gemessen und Vern Dpetcherramn, dem Gasbehälter, gu- geMrt, der es durch die Schwere der schwebenden Glocke in das Stadtrohrnetz drückt. Da der De- halterdruck schwankt und auch zu stark ist, um ein wirtschaftliches Brennen der Gasgeräte hervor- zurufen, ist zwischen Gasbehälter und Rohrnetz ein Regler eingeschaltet, der die Aufgabe hat, den Druck im Stadtrohrnetz möglichst konstant zu halten. Zur günstigen finanziellen Gestaltung der Betriebswirtschaft wurde nach dem Kriege in den meisten Werten noch eine Ammoniakanlago, die das Ammoniakwasser zum bekannten Düngemittel. schwefelsaures Ammoniak, verarbeitet, und eine Benzolanlage, durch die ein hochprozentiger Betriebsstoff hergestellt wird, eingebaut.
Um die ungeheuren Wärmemengen, die in den Rauchgasen der Generatoren (Deheizungs- Öfen der Retorten) enthalten sind, dem Betrieb nutzbar zu machen, werden die Rauchgase, bevor sie den Kamin verlassen, durch einen Abhihkessel geleitet, der den gesamten Dampfbedarf des Werkes iJecft
Die Zusammensetzung des Gases schwankt in den Städten, je nachdem Wassergas zugesetzt oder in der letzten Vergasungsperiode Dampf in die Retorte bzw. Kammer geblasen wird. Das Gießener Gas setzt sich zusammen arrs: 50 Proz. Wasserstoff, 30 Proz. Methan, 3,5 Proz. schwere Kohlenwasserstoffe, 7 Proz. Kohlenoxyd und 9,5 Proz. inerte Gase. Cs besitzt bei 0 Grad Celsius und 760 Millimeter Barometerstand 5000 bis 5200 obere Wärmeeinheiten, während ein sog. Rormalgas nur rund 4200 obere Wärmeeinheiten hat. Das Gießener Gas ist somit wesentlich heizkräftiger als in den Städten, die Rormalgas eingeführt haben bzw. in dec Lage sind, Rormalgas herzustellen.
Run einige Zahlen der
technischen Ergebnisse aus einer Tonne Kohle:
s Gas 320—340 Kubikmeter von rund 5100 WC.
' Koks 700— 720 Kilogramm (einschl. 180 Kilogramm Koks zur Anterfenerung zum Beheizen der Retorten),
Leer 42 Kilogramm, schwefelsaures Ammoniak 8 Kilogramm, Benzol 3,5 Kilogramm.
Daneben fallen noch kleinere Mengen an Graphit, Schwefel und Cyan an.
Die Gasabgabe in Gießen
beträgt heute rund 100 Kubikmeter pro Kopf und Äahr. Die Entwicklung des Steinkoblengases in unserer Stadt mögen folgende Zahlen beleuchten. Die Gesamtgasabgabe betrugt
1860 128908 Kubikmeter
1880 402 935
1900 1 396 877
1910 2 095 364
1920 3 085 600
1925 3 382 720
Während hn vorigen Jahrhundert das Gas tit erster Linie für Leuchtzwecke und zum Betriebe von Gaskrastmaschinea Verwendung fand, wird es heute hauptsächlich für Koch-, Back-, Brat-, Heiz- und Ändustriezwecke benutzt. Cs erfreut sich dank seiner hohen Heizkraft und seiner Billigkeit im Betriebe einer steigenden Beliebtheit. Wenn auch schon von mancher Seite dem Steinkohlengase bereits das Todesurteil ausgesprochen worden ist, so kann gesagt werden, daß
sämtliche Gaswerke sich in ansteigender Linie bewegen und daß Großgaswerke erbaut werden, die bestimmt sind, nicht nur Städte, sondern auch Gemeinden, die bisher Gas nicht besaßen, mit billigem Heizstoff zu versorgen. Reuzeitlrche GrohgaSwerke können und werden das Gas billiger Herstellen, als die heutigen Werke, und der Transport des Gases unter hohem Druck durch enge Röhren auf lange Strecken bietet keine technische Schwierigkeit mehr. In richtiger Gr- t fassung der produktiven Betriebswirtschaft fini)
in letzter Zeit Pläne ausgearbeftet und borgelegt K worden, eine Ferngasleitung vom Ruhr-
bezirk nach Bayern zu verlegen, um Bayern mit ' Gas, das im Ruhrbezirk — also im Kohlengebiet — erzeugt wird, zu versorgen, so daß die hohen Kohlenfrachten erspart werden.
Neue Ausbiße
eröffnen sich aber in der Verbindung zwischen dec Ent- und Veraasung und der Hydrierung der Kohle. Größere Versuche sind schon längere Zeit
Sturm in Schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin.
18. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Dos war doch eine Gemeinheit. Ein anonymer Brief! Eine Beleidigung ohne Unterschrift. Und kein Mensch ahnte, wer das geschrieben haben konnte. Man sah, die Buchstaben waren verstellt. Ganz steil lagen sie. Fehler waren nur zwei oder drei, und die hatte der Bäcker selber nicht fest- gestellt, die erkannte erst Eitel Bostrup, der Zeichenlehrer, der in aller Frühe sich die ersten Brötchen holte.
Milo hielt sich nicht lange auf. Der alte Herr mochte nicht warten. Sie brachte die Geschichte mit heim, fand aber wenig Interesse dafür. ..Solche dumme Briefe kommen 'immer einmal , sagte Rott- mann. Hätte Böttcher sauberer gewirtschaftet, wäre ihm das Ding wohl nicht ins Hans geflogen."
Um so interessierter war Madam Eggers, die vormittags in die Küche sah. „So'n Brief? Und die Böttcher hat geheult? — Nee, was alles einmal — und muß grab’ in Schmalebeck passieren. Aber 'ne Drecksuse ist sic, das ist nu mal gewiß, Mile."
Der gute Erfolg des Schreibens war, daß die Semmeln acht Tage lang auffallend groß waren, und daß drei Scheuerweiber die ganze Woche in Laden und Backstube, in Zimmern und auf der Treppe schrubbten und spülten. Dann vergaß man den Brief, und die Semmeln kehrten auf ihn Nor- malmaß zurück.
Slber als der nächste Montag da war. hielt Melanie Rosen, die schöne, feine, alte Same, einen ähnlichen Wisch in der Hand, und sie sah ihn entgeistert an. Das ihr?! —
Sie war am Sonntag nicht mitgefahren nad) Eichtal, denn ihre kleine, schiefe Schwester hatte ihre bösen Rückenschmerzen, und da ließ die schöne Melanie sie nicht allein. Das muhte der Schreiber erfahren haben. Za, was erfuhr hier in Schmalebeck nicht einer vom andern? In dem Schreiben stand: Wenn Mamsell Rosen mal nachdenken wollte, so
tm Gange und berechtigen, gemessen an den er- zielten Erfolgen, zu den besten Hoffnungen. Rach dem sogenannten Derginversahren sollen z. D. in Verbindung mit einem Gaswerk (e/3 Tonne Kohle vergast, Va Tonne hydriert) aus einer Tonne Kohlen gewonnen werden:
560 cbm Gas mit 4200—4500 W. E.,
60 kg Gas--Koks (zur llnterfeuerung).
50 kg Berginkoks von 5500 W. ($..
35 kg Koksgrus,
50 kg Benzin,
50 kg Heizöl,
40 kg Diesel- und Zmprägnieröl.
10 kg Schmieröl.
30 kg Teer,
12 kg schwefelst Ammoniak,
3 kg Benzol.
Kommen Grohgaswerke in Verbindung mit Derginanlagen zur Ausführung, dann wird der
größte Teil des Oelbebarfe in Deutschland gedeckt
werden, wodurch unserer Volkswirtschaft gedient und unsere Handelsbilanz gestärkt wird. Beenden mochte ich meine Ausführungen mit den Worten des Herrn Dlpl.°3ng. zur Redden anläßlich einer Tagung in Danzig in seinem Vortrag „Die Gaswirtschaft als Teil der deutschen Energiewirtschaft":
„S o notwendig ist die Gasindustrie für das Gedeihen unserer Innen- und unserer Welthandelswirtschaft, daß, gäbe es heute keine Gas- induftrie, so müßte man sie erfinden, ilnö darin liegt die sichere Gewähr dafür, daß das 2. Jahrhundert der deutschen Gasinbustrie ihr neuen Aufstieg bringen wird, wenn sie das bisher bewiesene Geschick in weitblickender Anpassung und organisatorischer Kunst, ihre Tatkraft und ihren unbeirrbaren, berechtigten Optimismus beibehält."
Oberhessen.
Landlreis Gietzen.
ck. Heuchelheim, 8. Sept. Recht diele Anannehmlichkeitcn bereitet der Bie - berbach bei Hochwasser den Anwohnern der Brauhausstraßc vom Rathaus bis zu der Brücke am Kreuz. Da das Bett der Bieber hier kaum 1/2 Meter tiefer als die Straße liegt, wird diese fast in jedem Herbst und Frühjahr, wenn der Bach etwas anschwillt, überschwemmt. Das Wasser steht dann bis an die Häuser, so daß es den Anwohnern oft tagelang nicht möglich ist, ihre Behausung auf normale Weise zu verlassen: oft dringt, namentlich im Frühjahr bei der Schneeschmelze, bas Wasser auch in die Keller ein. Außer diesen Unannehmlichkeiten und Schäden der Anwohner wird aber auch die Straße selbst durch die Aeberschwemmungen stark in Mitleidenschaft gesogen. Die Deckung wird fort- geschwemmt, und die Straße besteht nur noch aus nackten Chaussesteinen, ein besonders für die Radfahrer unangenehmer Zustand. Um diesem Aebelstand endgültig abzuhelfen, hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, das Bett der Bieber am Rathaus um etwa 70 Zentimeter tiefer zu legen und auf beiden Seiten mit Betonmauern einzufassen. Gleichzeitig soll das jetzt breit ausladende Flußbett enger gefaßt und die Straßen beiderseitig höher gelegt werden. Durch die Engerlegung wird eine Verbreiterung der jetzt besonders auf der einen Seite zu schmalen Straße ermöglicht. Die Vorarbeiten zu dem Projekt, das unter der Leitung des Kultur-Dauamtes Gießen steht, sind soweit vorgeschritten, daß in dieser Woche die Ausführung der Arbeiten auf dem Submissionswege vergeben wird. Die Anwohner der Drauhausstraße werden es begrüßen, wenn sie endlich von den Leiden des Hochwassers befreit sind. — Zu einem Zus a m menst v ß mit Ob st dieben kam es heute nacht in der lllähe unseres Dorfes. Auf den Baumstücken rechts vor dem Windhvf waren in den letzten Rächten öfters ganze Bäume ihrer Früchte beraubt worden. Heute morgen gegen 4 Ahr traf der Flurschütz auf diesen Grundstücken einige Männer, die ihre brennenden Fahrradlaternen unter den Daumen stehen hatten und Aepfel pflückten. Auf seinen Anruf nahmen die Diebe Reißaus. Der Flurschütz bemächtigte sich einer Laterne und fand auch bald in der Räbe das dazu gehörige Fahrrad. Mit diesem wollte er nach Dem Dorfe zurück. Mittlerweile waren die Lang
sollle sie sich doch schämen, mit solchem alten Sünder verlobt zu fein, der liebe junge Mädchen ansieht als seine alte Braut. Weiße Haare schützen nicht vor Sünde und Torheit.
„Lisette, verstehst du bas?"
1 ’Üifette, mit den scharfen Augen und der scharfen Stimme, faßte den Zettel nur mit zwei Fingern, las ihn und sagte voll Verachtung: „So was gehört in den Herd. Wer Pech angreift, besudelt sich. Sag' niemand was davon."
„Ich sage gewiß nichts", antwortete das alte Fräulein verstört. „Aber wer kann das getan haben? lieber Mampert so abscheulich zu reden. So gut wie er ist."
„Die Leute haben sich daran gestoßen, daß ihr zusammen gereift seid. Ich sagte es dir sa vorher. Aber du hörtest nicht darauf."
„Lisette, wenn ich denke, er bekommt auch solche Briefe —, was soll er denken?"
Lisette zuckte die Achseln. Sie liebte die schöne Schwester von Kind auf abgöttisch. Sie hatte immer im Schatten gestanden, glücklich, wenn nur Melanie alles bekam, was das Leben Gutes gab. Sie stand nach dem Tode der Eltern dem großen Geschäft vor und verwaltete das Vermögen — sie spielte feit vierzig, Jahren den Elefanten, wenn der Kantor in das Haus kam —, aver eins vertrug sie nicht: Böse Nachrede. Die durfte an Leute wie die Rosens nicyt heran.
„Jedenfalls wirst du nicht mit ihm davon sprechen. Er könnte denken, wir glaubten solche Gemeinheiten. — Mampert! — Der anftänbi^fte Mann in ganz Schmalebeck. — Denken wir nicht mehr daran."
Was natürlich nicht hinderte, daß beide Schwestern unausgesetzt daran dachten.
Als der Whistklub wieder feinen Sonnabend hatte, dieses Mal gerade bei den Rosens, traf Mampert am Tage vorher Madame Eggers, wie sie in ihrer wieselhaften Art durch die Straßen huschte. Er hielt sie an.
„Wie gerufen, Madame Eggers. Morgen ist Whistklub bei Fräulein Rosens. Ob sie nicht ein bißchen Helsen kommen." Sein Blick flog über ihr fadenscheiniges Schultertuch. „Ich bau so was munkeln hören von Lisettes dickem grauen Umhang,
finger aber wieder herangekommen und nahmen dem über 60 Jahre alten Mann das Fahrrad wieder ab. Gin in der Rähe patrouillierenden Hilfsschütze, der durch den Tumult aufmerFfam gemacht, herbeieilte, wurde von den Kerlen überfallen, niedergeschlagen und so schwer mißhandelt, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Hoffentlich gelingt es der Gendarmerie, die unerkannt entkommenen Diebe zu ermitteln und zur Strafanzeige zu bringen,
al. Allendorf (Lahn), 8. Sept. Am Sonntag fand hier, wie schon kurz berichtet, das Fugend - und Posaunenfest der Ober- hessischen Gemeinschaften unter sehr großer Beteiligung von nah und fern statt. Schätzungsweise waren über 2000 Besucher zugegen, Posaunendläser waren etwa 160 bis 170 erschienen, ferner eine große Anzahl gemischte und Guitarrenchöre. Morgens zwischen 6 und 7 Ahr fand im ganzen Ort Choralblasen statt. Von 8 bis 10 Ahr tarnen die auswärtigen Chöre mit Musik hier an. Anschließend fand nochmals Probe für sämtliche Chöre auf dem Festplah statt. Gegen 2 Uhr nachmittags bewegte sich ein großer Festzug durch die Orts- ft raßen zum Festplatz, der in der Rähe des Dorfes in den Wiesen eingerichtet war. Eine solche Menschenmenge wie hier hatte unser Dorf seit Bestehen noch nicht beherbergt. Als Festredner war Pfarrer Schäfer von Wiesbaden erschienen. Die Gemischten Chöre und die Gitarren- Chöre leitete Prediger Meng von Oroßen- Linden, die Posaunenchöre ließen ihre schönen Weisen unter der bewährten Leitung des Herrn Karl Philipp von Watzenborn erschallen. Das schön verlaufene Fest wird allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben.
al. Allendorf (Lah n), 7. Sept. Der G e- sangverein Einheit beschloß in seiner Generalversammlung, am 22. und 23. Mai 1927 sein 45jähriges Bestehen zu feiern. Maßgebend für den Beschluß war die Tatsache, daß der Verein seit 1901 kein Fest mehr gegeben hat. Die Veranstaltung soll mit einem größeren Sängerfest verbunden werden. Der Verein ist schon oft preisgekrönt von Wettstreiten heimgekehrt.
—X— Alten-Duseck, 8. Sept. Za welchen übten Folgen jugendliche Unbedachtsamkeit führen kann, zeigt folgender Vorfall. Am Sonntagabend war die schulentlaffeneIugend. wie gewöhnlich, in einem hiesigen Lokal zum Tanze versammelt. Grobe Späße scheinen bei den Bürschchen leine Seltenheit zu sein. Diesmal war das bedauernswerte Opfer ein junges Mädchen von 14 Jahren. Hinterrücks wurde ihm beim Tanzen ein Dein gestellt, so daß es unglücklich zu Fall kam und nach Hause getragen werden mußte. Das Mädchen hat durch den groben Unfug einen K n öchel- brud) erlitten, der die Anlegung eines Gipsverbandes notwendig machte. Ein mehrwöchiges Krankenlager wird die Folge sein. Es ist bedauerlich, daß der Urheber dieses Streiches bisher noch nicht ermittelt werden konnte.
7 Grünberg, 8. Sept. Für die durch Pensionierung des Lehrers Lauder freigewordenc Volksfchullchrerstelle haben sich fünfzehn Bewerber gemeldet. Es handelt sich meist um ältere Herren, die Wert darauf legen, in einen Ort zu kommen, wo sie ihre Kinder ohne besondere Kosten in eine höhere Schule schicken können. Gemeinderat und Schulvorstand haben sich für den dienstältesten Bewerber, einen Herrn aus dem Kreise Alsfeld, der schon lange an einer einklassigen Schule wirkt, ausgesprochen. — Pfarrer Schäfer aus Wiesbaden, ein Mitarbeiter der Sudan-Piouier- Mission, hielt gestern abend in der hiesigen Stadtkirche einen Vortrag übr den Mohammedis- m u s. Er schilderte in diesem Zusammenhang das Wirken der deutschen Missionare und Kranken- stationen in diesen Gebieten und empfahl dieses edle Menschenwerk der allgemeinen Unterstützung. Der Vortrag machte allenthalben einen starken Eindruck.
i Hunge n. 8. Sept. Trotz der drängenden Crnteärbeit hält der hiesige Schützen verein an der alten Hungener Sitte fest,' sein Preis- Königsschießen am Ludwigstage, 25. Aug., auszutragen. Die Höchstzahl von 98 Punkten erreichte in diesem Zähre Richard Hübner, dem als Schützenkönig für das Jahr 1926'27 vom Vorstand die alte historische Schützenkette angelegt wurde. — Rach dem Vorbild anderer Städte hat sich auch hier im Frühjahr eine Fünf- ziger-Der eini gung gebildet, deren Mü
der gern die Besitzerin wechseln möchte. Der Herbst ist ja nicht mehr allzu weit."
„Umhang? Wieso Umhang? Meinen <5te, ich laß mich mit alten Sachen bezahlen, wenn — und ich komm und Helf? Das tue ich rein aus Guten, Herr Kantor. Und das hab' ich nicht nötig, wenn ich nickt will. Die Fräulein Rosens, die find auch nicht mehr als unsereins, die Mutter war auch 'ne Lehrerstochter, und ich bin ’ne Lehrersfrau. Und wenn ich mal in die Häuser geh' und geb' 'ne Hand her zur Hilfe, das ist reine Pflicht, Herr Kantor. Und fo’ne Damen find eigentlich gar keine Fräuleins, find eigentlich man Mamsells. Das ist man 'ne neue Mode, jede Fräulein zu nennen, wenn sie auch en Geschäft hat. Ich sag' ja man, Herr Kantor
Da flogen Mamperts Rockschöße um die Straßenecke, und Madame Eggers konnte heimgehen und ihrem Zorn vor Fiete Luft machen.
Aber Fiete war ein undankbarer Zuhörer. „Was regst du dich darüber auf? Wo du doch immer helfen gehst. Und läßt dir zustecken, was du mib kriegen kannst. Wurst und Fleisch und alte Sachen. Die alte Pastorshose hast du auch wieder von Rottmanns mitgcbracht. Dio Gören ärgern mich alle Tage, wenn ich sie an hab'. Diel zu weit ist sie mir."
„Fiete! — Nein, aber Fiete! So'n Jung! Und ärgert seine eigene Mutter! Wo ich es mir so blutsauer werden laß! Und das ist ein großer Unterschied, wenn ich da von allein hingehe oder wenn sie bitten, ich soll doch so gut sein. Und von bezahlen ist nicht die Rede. Und nachher liegt da mal ein Paket, oder bei Rottmanns — ja, wo du dich so abstrapzierst, da kann man schon von alleine fordern. Das ist da kein Almosen, das ist ehrlich verdient, ob das 'ne Wurst ist oder 'ne Hose. Aber bestellen wie'n Dienstmädchen laß ich mich nicht."
„Kann keinen Unterschied sehen. Ob du dir nun Hauben bezahlen läßt oder wenn du abwäschst —”
„Du hast nicht den Sinn für das Höhere, Fiete. Der geht dir ab. Den muß dir mal deine Frau bei» bringen, deine alte Mutter ist dir wohl zu gering dazu."
„Frau?"
„Brauchst gar nicht über zu lachen. Was, ist en Pastor nicht einer, der omragen kann, wo er
glittet es sich zum Ziele gesetzt haben, für die ihnen noch verbleibenden 3agrc treue Freundschaft zu pflegen. ®inc neue Sitte scheint sich damit auch in unserer Gemeinde heraus bilden' zu wollen. Wenn die Altersgenossen vom Führe 1876 über Partei, Stand und Beruf hinwegsehen und, wie es vorgesehen ist, sich öfters einmal treffen wollen, so ist das in unserer zerllüfteten Zeit nur zu begrüßen. 3n einfacher, aber würdiger Weise haben am Sonntag die im Fahre 1876 Geborenen ihren 50. Geburtstag gefeiert. Rach einer kirchlichen Feier, die durch zwet mehrstimmige Chöre der Mädchenverein<gung bereichert wurde, und einem Spaziergang am lltach- mittag fanden sie sich zu gemeinsamem Abendessen im „Solmser Hof" zusammen, wo sie noch einige gemütliche Stunden verlebten.
Kreis Friedberg.
2?. Bad-Rauher m, 8. Sept. Ein großes Ereignis im musikalische n Leben dieser Saison war das Konzert, das Heinrich Schlusnus, der gefeiertste Sänger Deutschlands, gab. Das Große Haus war bis zum letzten Platz gefüllt. Das Publikmn ehrte den Künstler, der Lieder von Schubert und Strauß und Arien von Verdi, Gounod und Thomas bot. mit stürmischen Huldigungen.
Kreis Büdingen.
_I_Schwickartshausen,8. Sevt. Am Sonntag feierten die Schulen des Kirchspiels Schwickartshausen das diesjährige Kinderfest. Gegen 2 Uhr fanden sich die Schüler von Eckartsborn, Bobenhausen, Bellmuth und Schwik- kartshausen in Begleitung der Eltern und vieler Festgäste unter der Führung ihrer ßc^r auf dem schön gelegenen Festplatz im „Dritte" ein. Der Fest- Platz — direkt an der Straße Schwickartshausen— Bobenhausen im Wald — sah bald ein festfrohes Treiben der Kinderschar. Nach der Festrede von Lehrer Jakobi- Bobenhausen, in dessen Händen diesmal die Vorbereitung des Festes lag, zeigten die Schüler auf einer schön angelegten Bühne durch allerlei Vorführungen ihr darstellerisches Können. Beim Gesang der Kinder und der Gesangvereine von Cckartsborn (unter der Leitung von Lehrer Bechtold) und von Bobenhausen (Dirigent Musiklehrer A ck e r m a n n - Ortenberg^, sowie den Klängen der Kapelle von Eckartsbosn verging die Zeit nur zu schnell.
Kreis Schotten.
tog. Eschenrod, 8. Sept. Am Sonntag feierte der Zweigverein Schotten der Gustav-Adolf - St iftung das zweite der für diesen Sommer geplanten Gust av-Adolf- F e st e in unserer Gemeinde. Im Festgottesdienst, in dem der Ortsgeistliche Pfarrer Lic. Dr. Stumpf als Liturg amtierte und der durch Liedervorträge des Gederner Kirchengesangvereins, sowie des Eschenröder Kinde rchors verschönt wurde, Predigte Pfarrer Decker (Gießen) und wies mit eindringlichen Worten auf den rechten Grund und die tragende Kraft aller Gustav-Adolf-Arbeit hin. Die ütachdersammlung sand ebenfalls in der Kirche statt. Hier sprach zunächst der Zweigvereinsvorsitzende, Hofprediger Widmann l Gedern), der die Grüße des Hessischen Hauptvereins und des Dekanats Schotten überbrachte. Der Schriftführer und Rechner des Zweigvereins, Pfarrer Fritsch (Herchenhain), erstattete den üblichen Rechenschaftsbericht. Der Festprediaer bot zum Schluß noch lebensvolle Bilder aus der Drenzlandarbeit des Gustav-Adolf-Dereins in Posen und in der Tschechoslowakei. Die Fest- kolletten ergaben den Betrag von etwa 25 Mark, der laut Beschluß des Kirchenvorstandes teils der oberhessischen Diasporagemeinde Ober-Mörlen für ihren neuen Kapellenbau, teils der evangelischen Kreuzkirche in Posen, die kürzlich durch eine Explosion schwer beschädigt wurde, zugewendet werden soll. Von auswärtigen Vereinen nahmen an dem Fest teil Der Evangelische Kirchengesangverein Gedern und der Gustav-Adols-Frauenverein Gedern, die bei dieser Gelegenheit ihren diesjährigen Ausflug machten. Das Fest nahm einen erhebenden Verlauf und hat allseits sehr befriedigt. Qltöge es die Liebe zur Gustav-Adols-Sache neu gestärkt haben!
— • = Oberseemen, 8. Sept. Die auf einem belaßenen Grummetwagen sitzende § 0 ch» t e r des Land- und Gastwirts Kneipp fiel bei der Durchfahrt unter Bäumen infolge der weit herunterhängenden Aeste, die das Grummet
will, und braucht sich nicht zu schämen? Und wenn die Frau aus der feinsten Familie ist! Und wenn sie noch so viel Geld hat! — Und wenn sie auch en paar Hahr älter ist---"
Da stockte sie. Aber Fiete hatte verstanden. Scharlachrot war er, als er aufstand und sagte: „Nu muß ich noch arbeiten. Das Griechisch ist verdammt schwer."
„Fiete, wie darf ein fluchen, der Pastor werden will." Er hörte sie aber schon nicht mehr. Während sie über ihre Mützen und Kragen ging, brummelte sie vor sich hin. Dem Kantor vergab sie sobald nicht. Uno daß er ausgeriffen war vor ihrer Rede, das wog ebenso schwer wie seine Worte.
Ader zu Rosens ging sie den anderen Tag doch, und den Umhang, den 'sie bei ihrer Heimkehr von dort als sauberes Paket im Zimmer fand, den schickte sie auch nicht zurück.
*
Es war an einem Sonntaanachmittag, da kam der Kantor in das Rottmannsche Haus.
„Ist der alte Herr zu sprechen?"
Ader der alte Herr war mit seiner Frau zum Friedhof vor der Stadt gegangen, und der Doktor war trotz des Sonntags über Land geholt worden. Nur Hanse saß hinter dem Haus tm Garten und hatte ein Auge auf das Kleeblatt, das am Reck turnte. Da setzte er sich zu ihr, denn sie waren gute Freunde. Und nachdem sie die täglichen Ereignisse der kleinen Stadt mit Humor besprochen hatten, sagte der alte Herr: „Ich wollte meinen alten Vorgesetzten in einer Sache um Rat fragen, die mich tief berührt. Vielleicht fahre ich noch besser, ich frage eine kluge junge Frau." Damit zog er einen Brief hervor. „Wollen Sie das bitte lesen.
Sie las, sah ihn verwirrt an. „Das haben Sie bekommen?"
„Das bekam ich. Vor zwei Tagen. Und habe seitdem immer bei mir erwogen, ob ich überhaupt nickt darauf reagieren sollte, oder was zu tun fei."
Hanse sah zum zweitenmal auf die Zeilen, die in steifer, gerader Schrift lauteten: „Wenn Sie An- stand haben, heiraten Sie jetzt die ewige Braut. Sonst will der Whistklub Sie beide nicht mehr haben."
„Das ist ja unerhört!" - -'
(Fortsetzung folgt.) /
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werde singen
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