Einzelbild herunterladen

Minimum 0,6 Grad Celsius.

Niederschläge.

Heutige Morgentemperatur

wenn gen

halten sind, die dem Raubüberfall eine politische Bedeutung beilegen.

Der Leichnam deS ermordeten Sowie Kuriers Rette ist in Moskau eingetroffen. Tschitscherin. Litwinow und andere Mitglieder des Ruhen- kommissariots halten an dem im Außenlom- missariat aufgebahrten Sarge die Ehrenwache.

Die Mörder der SowjelKuriere.

Riga. 8. Febr. (Lettische Telegraphen­agentur.) Die Leichen der beiden Mörder der ootojetfuriere sind festgestellt worden. Es handelt sich um die Brüder Gabrilowicz, Polen aus Litauen, die erst am Abend vor dem Verbrechen nach Riga gekommen waren. Sie waren poli­tisch nicht interessiert. Die Zeugenaus­sagen lassen keinen Zweifel darüber, dah der Lleberfall rein krimineller Art war. 3n unterrichteten Kreisen nimmt man an, dah der Fall keine politischen Konsequenzen für die Be-- ziehungen Lettland zur Sowjetunion haben wird, obwohl in der Sotchetpresse Andeutungen ent"

verbrüht.

Einen schrecklichen Tod fand ein zwei Jahre alter Junge in Rückweiler. Er hatte sich mit seiner älteren Schinester nach Kinderart gezankt. Die Mutter wollte beide trennen und stellte einen Topf, der kochendes Wasser enthielt, auf die Erde. Der Junge stolperte über den Topf und fiel r u ck - lings in das kochende Wasser, wobei er sich den ganzen Unterleib verbrühte. Unter gräß­lichen Schmerzen ist er bald darauf gestorben.

Herzschlag im Straßenbahnwagen.

In Ludwigshafen erlitt die 68 Iahre alte Ehefrau Maria Hake in einem Straßenbahn­wagen einen Herzschlag, der ihren sofortigen Tod zur Folge hatte.

Schreckliche Bluttat in einer Moskauer Klinik.

Nach einer Meldung aus Moskau erschoß in der Klinik ein Arbeitsloser namens Losgat- schow den Nervenarzt Dr. M e i f e l, darauf den in einem Nebenzimmer beschäftigten Zahnarzt Mel- scharski. Den herbeieilenden Ehefarzr der Klinik, Dr. Hirschfeld, verletzte er durch zwei Schüsse schwer und verübte dann Selbstmord. Der Zu­stand Dr. Hirschfelds ist hoffnungslos.

Die Personalpolitik der Reichsbahn.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 8. Febr. Vor Eintritt in die Tages­ordnung ergreift Außenminister Dr. S t r e s e - man n das Wort zu einer Erklärung, in der er auf die bekannte Rede Mussolinis hinweist und

die Reichsbahngesellschast nicht exterritorial, son­dern den deutschen Gesehen unter­worfen sei.

Abg. Dr. G i l d c m e i st e r (St. Vpt.) weist darauf hin, daß nach der Geschästsfatzung nicht der Verwaltungsrat, sondern der General­direktor die Verantwortung trage. Die über­mäßig hohen Bezüge der leitenden Beamten seien bedenklich, und der Reichstag müsse darüber wachen, daß die Reichsbahnbeamten nicht als Beamte minderen Rechtes behandelt würden.

Strafverfolgungsantröge gegen

ReichsragsabgeorÄnete.

Berlin. 6. Febr. (TU.) Der Geschäftsord- ordnungsausschuß des Reichstags beschloß im Falle des Abg. Bruhn (Dn.), der bisherigen Praxis des Reichstags zu folgen und die Genehmigung zur Strafverfolgung zu versagen, da es sich um eine einfache, durch die Presse gegangene B e - leidigung handle. Im Falle des vom Dienst suspendierten Landrats Abg. Bülow (Soz.), der des Versicherungsbetrugs und der Un­treue angeschuldigt wird, wurde beschlossen, im Falle der Untreue die Immunität nicht aufzu­heben, wohl aber im Falle des Versicherungs­betrugs. Der Antrag auf Aufhebung der Immuni­tät des Abg. Dr. K ü l z (Dem.), des jetzigen Reichs­innenministers, wegen Beleidigung der Ba­ronin von Gersdorff, wurde abgelehnt.

Preußischer Landtag.

Berlin, 8. Febr. Auf der heutigen Tages­ordnung stand als einziger Punkt die erste Be­ratung des Gesetzentwurfs einer Gebäude­entschuldungssteuer. Sie Vorlage be­handelt die bisherige Hauszinssteuer, für die nach dem letzten Finanzausgleich eine Neuregelung notwendig ist. Ser Steuer sollen die bebauten Grundstücke unterliegen, nicht aber Neubauten und neue Gebäudeteile, die nach dem I.Iuli 1918 bezugsfertig wurden. Frei von der Steuer sind die Gebäude öffentlicher Körperschaften und ge­meinnütziger Vereinigungen auch religiöser Art, ferner Botschaften ufw. sowie kommunale Ge­bäude. Ser Steuersatz beträgt 40 Prozent des Goldmarkbetrages der Friedensmiete. Ser Fi­nanzminister ist aber ermächtigt, die Steuer zu erlassen oder zu ermäßigen. Vom Betrage der Steuer gehen 8 Prozent an die Fürsorgever­bände. 16,4 Prozent werden für Neubauzwecke verwendet. Im Verlauf der eingehenden De- batte wies Finanzminister Sr. Hoepker- Aschoff besonders darauf hin, daß vom 1. Ok­tober 1924 bis .zum 1. Oktober 1925 über 93 000 Wohnungen in Preußen fertiggestellt worben seien, davon 50 000 aus Mitteln der Hauszins­steuer. Sie Vorlage wurde schließlich dem Haupt- ausschuß überwiesen.

0,9 Millimeter.

würden.

Präsident L o e b e sagt dies zu.

Dann berichtet Abg. Groß (Ztr.) über die Rechtsverhältnisse der Reichsbahn.

Der Ausschuß legt eine Entschließung vor: Die der­zeitige P e r s o n a l p o l i t i k der Deutschen Reichs­bahngesellschast findet nicht die Billigung des Reichstages, insbesondere weil die bei Beratung des Reichsbahn- und Reichsbahnpersonal- gcsetzes im Reichstag abgegebenen Erklärungen und Zusicherungen nicht eingehalten werden.

In einer weiteren Entschließung wird die Reichs- regierung ersucht, ihren Einfluß auf die Deutsche Reichsbahngesellschaft geltend zu machen, damit

1. die Rücküberführung von planmäßigen künd­baren 'Beamten in das Arbeiterverhältnis aufhört:

2. der weitere M a f f e n a b b a u von Beamten und Angestellten eingestellt und etwa noch not- I wendige Personaloermindeningen durch natürlichen | Abgang erledigt werden,

3. die durch den nachträglichen Abbau in be­stimmten Bezirken entstandene Rechtsungleichheit und materiellen Benachteiligungen beseitigt werden:

4. die in das Arbeiterverhältnis übergeführten I ehemaligen planmäßigen Beamten in erster Linie wieder in das Beamtenverhältnis zurücküberführt I werden:

5. die rechtlichen und geldliche,! Folgen der un­ter unzulässigem Druck (Drohungen mit Kündigung und Verlust des Wartegeldes) erfolgten Rückver- etzung ins Arbeiterverhältnis wieder gut gemacht werden.

Schließlich wird die Reichsregierung ersucht, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem der ge­eignete Wartestandsbeamte der früheren Reichs­bahn unter Wahrung der Bestimmungen des Reichsbcamtengesetzes zum Dienst bei her Reichs- I bahngesellschaft herangezogen werden könne, dafür Sorge zu tragen, daß Personalvertreter in den Derwaltungsrat berufen werden. Verhandlungen | zur Aenderung des Reichsbahngesehes. insbeson­dere des das Beamtenverhältnis regelnden $ 24 einzuleiten und dem Reichstag möglichst bald einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen.

Reichsverkehrsminifler Dr. Krohn e:

Wir stehen vor einer recht unangenehmen Situa­tion. Seit einem Jahr hat fein Gesetz im Reichstag mehr etwas für die Reichsbahngesellschast übrig. (Sehr wahr!) Um objektiv zu fein, müßte man an­erkennen, daß die Gesellschaft gezwungen war, mehr Personal zu übernehmen, als bei ihren Reparationslasten e r t r äg l i ch war. Ander- eits hat aber auch die Leitung der Gesellschaft zu wenig in ihren Maßnahmen der Stimmung Rech­nung getragen, die in dem verarmten deutschen Volke angesichts der so wachsenden Notlage herrscht. (Sehr wahr!) Die ausländischen Herren in der Lei­tung hatten als Vorbild ja ganz andere Eisen­bahnunternehmungen als die alte staatliche Eisen­bahn. Es muß jedoch anerkannt werden, daß die | deutschen Unterhändler seinerzeit viel erreicht Haden, vor allem die Aufrechterhaltung des Reichsbeamtencharakters für Reichsbahn- beamte. Wir werden uns weiter mit aller Gewalt gegen jeden Versuch sträuben, diesen Beamten­charakter zu beseitigen. Dabei sind uns leider Gren­zen gesetzt durch die einschneidenden Bestimmungen des Z 24 des Reichsbahngesetzes. Auch auf dem ge­gebenen Rechtsboden wird sich aber auch manches zur Abstellung der Beschwerden des Personals er­reichen lassen. Gegen das jetzt bei der Reichsbahn geltende System der Leistungszulage habe ich schon früher Bedenken geltend gemacht.

Abg. Koch- Düsseldorf ' (Dn.) Das Ver­halten her Reichsbahngesellschaft stehe in irassem Widerspruch zu dem allgemeinen Rechtsemp­finden und auch zu den früheren Zusicherungen der Herren, die heute noch die Verantwortung für die Verwaltung der Reichsbahngesellschast tragen. Im besetzten und ehemals besetzten Ge­biet habe die Reichsbahngesellschaft im Gegen­satz zu dem unbesetzten Gebiet den Abbau ohne Entschädigung und Wartegeld vorgenommen. Wohlerworbene Rechte der Reichsbahnbeamten seien rücksichtslos von der Verwertung aufgeho- worden.

Abg. Groh (Z.) nennt die Personal- politik der Reichsbahngesellschast einen uner­hörten Bruch der Zusagen, die bei der Errichtung der Gesellschaft von Generaldirektor Oeser und anderen leitenden Persönlichkeiten gemacht wor­den seien. Das Reichsverkehrsministerium müsse einmal sagen:Bis hierher und nicht weiter!"

Abg. Schuldt (Sem.): Sie Entstaatlichung staatlicher Betriebe habe wie das Beispiel der Reichsbahn beweise - die von manchen Wirtschaftsgruppen daran geknüpften Erwartun-> gen nichi erfüllt. Besonders aufreizend wirke die Nichtdurchführung des vom Reichsarbeits-- minifter für verbindlich erklärten Schiedsspruches. Es müsse hier einmal festgestellt werden, daß

betont, die Reichsregierung habe den dringenden Wunsch, zu diesen Ausführungen Mussolinis Stel­lung zu nehmen. Sie wäre daher dankbar, die dazu vorliegenden Interpellationen mor

auf die Tagesordnung gefetzt

1,2 Grad Celsius.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 77s UhrUebersahrt" (Ende 101/? Uhr). Technische Nothilfe: 8 Uhr. Großer Hörsaal der Universität, Versammlung mit Licht­bildern und Filmvortrag. V. A. B.: Franken- haus, Vortrag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Sie Lieblingsfrau des Maharadscha". -1- Qlftoria« Lichtspiele:Ser Kampf um die Heimat".

A us der religiösen Dichtung der G e g e n w a r t". Morgen, Mittwoch, abend, wird im Vorträgssaal der Keißnerschen Buchhandlung über einem zweiten der hervorragendsten Vertreter der religiösen Dichtung der Gegenwart gesprochen werden, über- den bekannten Schweizer Dichter Albert Steffen. (Näheres in der heutigen 2ln* zeige.)

Hessische Vereinigung für Vo 1 k künde. Am nächsten Freitag wird der Privat- dozent für Volkskunde an der Universität in Frank­furt, Dr. Adolf Spanier, in der Hessischen Ver­einigung für Volkskunde einen Vortrag halten über Das kleine Andachtsbild vom. 14. bis 20. Jahr­hundert". Unter denkleinen Andachtsbildern" ver­steht man die (meist farbigen) Einlagebilder in den Gebetbüchern. Spanier hat über diesen Gegenstand eben ein größeres Werk im Druck: die Besucher des Vortrags werden also von einem gründlichen Ken­ner der Sache eine gute Einführung in einen Zweig der Kunst erhalten, der noch wenig bekannt ist, zumal Spanier seine Ausführungen mit Lichtbildern ver­anschaulichen wird, die von ihm selbst herqestellt worden sind. Da die Andachtsbilder dem Geschmacks des Volkes natürlich in besonderem Maße Rechnung tragen, wird der Besucher des Vortrags das Volk von einer Seite kennen lernen, die bis jetzt recht stiefmütterlich behandelt worden ist. (Siehe Anzeige in der gestrigen Nummer.

Der Verein Hundesport für Gießen und U m g. hält Anfang März auf der Liebigshöhe eine interne Schau für Hunde aller Nassen ab. Der Verein hat sich hierbei von dem Gedanken leiten lassen, jedem Besitzer von einge­tragenen Rassehunden gegen geringe Kosten Ge­legenheit zu geben, feinen Hund von erfahrenen Richtern begutachten zu lassen. Diese Veranstal­tung dürste in weitesten Hundeliebhaberkreisen gro­ßem Interesse begegnen. Die Leitung liegt wieder in den Händen des altbewährten Vorsitzenden Aug. Schwan. Näheres wird noch bekanntaegeben.

Der Akademische Ausschuß für Leibesübungen lädt in unserem heutigen

Die silberne Hochzeit der Königin Wilhesmina,

Amsterdam, 8.Febr. (WB.) Anläßlich des gestrigen silbernen Hochzeitstages in der königlichen Familie wurden in zahlreichen Orten kirchliche Gedenkfeiern abgehalten. An der Feier in der protestantischen Kirche von Apeldoorn nahm auch vom Königlichen Palais in Het Loo in Kutschen ankommend die königliche F ci - niilie mit Gefolge teil. In Amsterdam und in anderen Orten sanden in Uebereinftimmung mit dem Wunsche der Königin, daß alle anläßlich ihres silber­nen Hochzeitstages beabsichtigten Aufwendungen und alle einlaufenden Gaben für die Linderung der durch die letzte Hochwasserkatastrophe anaerichie- ten Not bestimmt werden mögen. öffentliche Sammlungen zugunsten der Hochwassergeschä­digten statt.

Varis, 9. Febr. (WTB.)-Funkspruch.) In britischen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die im Vertrage von Locarno von dem Führer einer Regierung, die Mitglied des Völ­kerbundes sei. gesprochenen Worte Anlaß zu lebhafter Kritik gäben und dah Mussolini ver­pflichtet sei. seine Sprache zu mäßigen. Zumindest aber sei eine derartige Rede d e p l a c i e>r t, in dem Augenblick, in dem Deutschland seine Zu­lassung zum Völkerbund fordere.

Die französische Presse.

Paris, 8. Febr. (WTB.) Während die Linkspresse die Ausführungen Mussolinis als einen Widerspruch mit der Politik von Locarno bezeichnet, bringt die Rechtspresse, soweit sie bis jetzt zum Wort gekommen ist, ihre Freude über die Rede des Duce zum Ausdruck.

Die nationalistischeLiberts" schreibt, es sei schon geraume Zeit vergangen, daß man eine derartige Sprache geführt habe. Das sei etwas ganz anderes als das Vokabularium des Geistes von Locarno. Mussolini habe klar zum Aus­druck gebracht, dah, wenn Italien wolle, es seine Fahne jenseits des Brenners aufpslcmzen werde. Dieses Bild habe keinen Skandal verursacht. Die Presse in Berlin bemühe sich, den Diktator zu beruhigen und bittet Seine Majestät, doch nicht in Zorn zu geraten, während die fran­zösische Presse die Behandlung billige, die Mussolini dem unverbesserlichen Deutschland habe zuteil 'werden lassen. Ietzt, da Mussolini m t t der Peitsche geknallt habe, werde die Tiroler Frage nicht so bald wieder aufgeworfen werden. Selbst der Anschluß Oesterreichs an Deutschland sei kompromittiert. Durch eine ein­fache Kundgebung der Energie habe Italien an seiner Grenze für mehrere Iahre Sicherheit ge­genüber seinem deutschen Nachbar geschaffen und in Trentino werde es keine autonomistische Kam­pagne geben, wie Frankreich sie im Elsaß beob­achtet.

Amerikanische Stimmen.

Neuyork, 9. Febr. (TU.) Die Abendpresse verurteilt einstimmig Mussolinis Rede, die hier die Sensation des Tages bildet.Evening World" er­klärt, von einem Manne, dessen Vorbilder Napoleon und Cäsar seien, sei nichts anderes als die Herunter- leierung von Kriegsphrasen zu erwarten. Solches Säbelrasseln bringe blutige Auseinandersetzungen. Die Welt müsse sich noch mehr mit Mussolini be­fassen, bevor sie mit ihm fertig werden könne, und das sei die Gefahr.Evening Post" erklärt, Musso­linis Rede zeige, warum Europa keine Lu st habe, abzurüsten. Als Imperialist denke er, nach dem nahen Osten und dem Balkan schielend, natürlich nicht daran, abzurüsten. Senator Dill erklärte in einer Unterredung, daß Mussolini anders gesprochen I)äfre, wenn es sich um Frankreich oder England oder um ein anderes bewaffnetes L a n d handeln würde. Es sei leicht, Deutschland gegenüber eine solche Sprache zu führen. Senator Willis sagte, daß sich Mussolini sehr irre, wenn er glaube, daß derartige Kriegsdrohungen die Welt­meinung beeinflussen könnten. Die Welt habe durch den Krieg genug gelernt.

Eine wettere Absage.

Der Philosoph der Llniversität Gießen. Professor Dr. August Messer, veröffentlicht iEPädagogischen Scho" folgenden offenen Brief an Professor Francesco Orestano, den Leiter des Internationalen Kongresses für sittliche Erzie­hung: .Vom 16. bis 20. April 1926 soll unter * Ihrer Leitung, sehr geehrter Herr Professor, in - Rom der 4. Internationale Kongreß für sittliche Erziehung" unter dem Pro­tektorate Ihres Königs und des Ministerpräst- denten Mussolini stattfinden.

Der Einladung, die mir zugegangen ist, kann ich zu meinem Bedauern ebensowenig Folge leisten wie meine Kollegen Sucken und Ker­sch e n st e i n e r und aus dem gleichen Grunde wie sie.

Wenn Sie auf deren Ablehnung hin betonten. Sie hätten gegen Widerspruch von Seiten einer anderen Nation durchgeseht, daß die Deutschen zu dem Kongresse eingeladen worden seien, so ehrt dies Ihren gerechten und humaneit Sinn. Darum hoffe ich auch, daß es nicht vergeblich sein wird, wenn ich Sie bitte, auf dem Kongreß die folgenden Gedanken zum Ausdruck zu bringen:

Der Kongreß berät über5)ie Möglichkeit eines allgemeinen Sittenkoder als Grundlage der Erziehung". Muß nicht dieserSittenkodex" die Bestimmung enthalten, daß das eigene Volkstum, seine Sprache und Kul­tur, zu den höchsten sittlichen Wer­ten gehört, und daß darum schweres sitt­liches Anrecht begeht, wer nationale Min­derheiten in der Pflege ihres Volkstums derart v e r g e w a l t i g t, wie wir das mit tiefer Trauer und Entrüstung bei unseren Stammesbrüdern in Südtirol erleben?

Als zweiten Gegenstand behandelt der Kvir- greß Ms Thema:Die Persönlichkeit: die Mittel zu ihrer Entfaltung in Familie, Schule und Ge­sellschaft".

Werden Sie die Gelegenheit wahmehmen. bei Erörterung dieses Gegenstandes zu betonen, daß eines der allerwichtig st en Mittel zur Entfaltung der Persönlichkeit darin besteht, daß ste inihrer angestamm- ten Vvlksart und Volkskultur hei­misch werde, und daß alle die ein heiliges Ärrecht der Persönlichkeit verletzen, die Eltern verhindern, ihre Kinder in der Mutter­sprache unterrichten zu lassen?

Wenn Sie, sehr geehrter Herr Professor, für diese Gedanken, über deren Geltung Sie sicher mit mir einig sind, auf dem Kongreß kraftvoll eintreten werden, so wird dies seinem Zwecke der sittlichen Erziehung" und zwar nicht nur der Jugend, sondern auch der Völker zu dienen, in hohem Maße entsprechen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung Prof. Dr. August Messer."

2lus aller Welt.

DieBerlin" in Rio de Janeiro.

Am Montag traf der deutsche Kreuzer Berlin" in der brasilianischen Hauptstadt ein und wurde von einem brasilianischen Torpedo­boot eingeholt und von einer Abordnung der deutschen Kolonie begruth. Trotz des allgemeinen Volksfestes, das hier zu Ehren der spanischen Flieger stattfand, zeigte die Bevölkerung g roß es Interesse für das erste deutsche Kreuzerschiff, das den Hafen nach dem Kriege anläuft. Die gesamte Presse der Stadt widmet dem Schiff freundliche Degrühungsartikel.

Begeiferter Empfang der deutschen Matrosen in Reuyork.

N e u i) o r t, 9. Febr. (TU.) Der Oberbür­germeister von N e u y o r k empfing am Mon­tag in der Cityhall den Kapitän und die Mann­schaft des DampfersWestphali a". Er erklärte, daß Neuyork stolz darauf fei, die Mannschaft der Westphalia" beherbergen zu können. Die helden­mütige Seemannstat fei für die deutsche Rasse be­zeichnend. Schon mehrere Stunden vor dem Emp­fang der Seeleute hatten sich Tausende von Men­schen vor der Cityhall eingefunden und brachen beim Herannahen der Matrosen in begeisterte I u rufe aus. Erst ein starkes Polizeiaufgebot konnte den Weg zur Cityhall frei halten.

Frau von Stephan f.

In Berlin ist im Mer von 83 Iahren d i e Witwe des Staatssekretärs von Stephan gestorben. Sie hat ihren Gatten, den um die Gründung des Weltpostvereins hoch­verdienten Generalpostmeisters um 29 Iahre überlebt.

Die Tochter Bismarcks gestorben.

Gräfin Marie Rantzau, die einzige Tochter des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck, ist im Alter von 77 Jahren auf ihrem Gute Dobersdorf bei Kiel gestorben.

RoforfchisfBaden-Baden".

Der Erfinder und Konstrukteur desSegel­rotors", Flettner, hat das erste nach Ame­rika fahrende Rotorschiff auf den NamenBaden- I Baden" getauft. Das Schiff wird im Laufe des Mo­nats März feine erste transatlantische Reise an­treten.

tiO Grad ftälle in Schweden.

In Nordschweden herrscht zur Zeit außerordent­lich starke Kälte. In der Gegend von Pitea zeigte das Thermometer am Sonntag minus 60 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 9. Februar 1926. j

Wünsche

der Landes-Universität.

Rektor und Gesamtsenat der Landes- Lini v e r f i t a f haben an den Landtag und die Regierung eine Eingabe gerichtet, die eine Zusammenstellung von längst als berechtigt an­erkannten Anträgen der Landes-Llniversttät ent­hält, die aber trotz wiederholten Vorstellungen der Rektoren und des Senats bis jetzt noch keine Berücksichtigung gesunden haben.

Es handelt sich dabei u. a. um folgende Forderungen: Erweiterungsbau für die ilni- verfitäts-Bibliothek, Vergrößerung x des Uni­versitäts-Verwaltungsgebäudes, Errichtung eines Sportshäuschens für den Sportplatz der Uni« versität, Anbau eines kunstwissenschaftlichen Hör­aals, Neubau zur Aufnahme des mineralogisch- )etrographischen und des geologisch^paläontologi- chen Institutes, Schaffung eines Ordinariats ür Veterinärhygiene, Errichtung einer außer­ordentlichen Professur für Geburtshilfe und Poli­klinik in der veterinär-medizinischen Fakultät. Schaffung einer dritten landwirtschaftlichen Pro- essur für Agrikulturchemie sowie einer außer­ordentlichen Professur für experimentelle Psycho­logie. (Wir werden auf diese Eingabe noch zurückkommen. S. Red.)

Der Verkehrsverein gegen die Biebertalbahn.

In der Generalversammlung des Ver­kehrsvereins Gießen, die gestern abend bei vollbesetztem Saale im GasthausHinden­burg" stattsand, wurde mit Entschiedenheit gegen den Einspruch der Diebertalbahn gegen die geplante Postkraftwagenlinie GießenKrof­dorfFellingshausen Stellung genommen. Ein­stimmig wurde der nachstehenden, an die Gie­ßener Stadtverwaltung gerichteten Entschließung zu gestimmt:

Eine im GasthausHindenburg" in Gießen tagende, sehr stark besuchte Versammlung deS Verkehrsvereins Gießen nimmt mit Mißfal­len Kenntnis von dem Vorgehen der Dieber­talbahn gegen die geplante Postkraft­wagenlinie Gieß enKrofdorfFel­lingshausen. Sie erklärt, daß der Ein­spruch dieses Unternehmens nach Lage der Dinge durchaus unbegründet ist, und bittet die Stadtverwaltung, mit allem Nachdruck bei den maßgebenden Stellen in Derlin (Reichs­verkehrsminister, Reichspostverwaltung) darauf hinzuwirken, dah dem Verlangen der Bieber- t a l b a h n unter Teinen -Ümft an den ent­sprochen, sondern ungesäumt die Inbe­triebnahme der neuen Pvstkrastwagen- lini e gestattet wird."

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte t Butter 150180, Matte 40, Käse 6070, Wirsing 3040, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Spinat 3540, Unter-Kohlrabi- 15, Grünkohl 30, Rosenkohl 6070, Feldsalat 100 bis 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 4070, Schwarz­wurzeln 6070, Kartoffeln 45, Aepsel 1530, Dörrobst 40, Endivien 100, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120130 Pf. je Pfund: Eier 1718, Blumenkohl 60160, Salat 40, Ober-Kohl­rabi 1030, Lauch 1020, Sellerie 4070 Pfg. je Stück.

Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig, südliche Winde, etwas milder, nur geringe Niederschlagsneigung, doch vielfach Nebelbildung.

Der zur Zeit über der Biscaya lagernde Wirbel dürste einen neuen Teilwirbel abspalten, der in östlicher Richtung vorstoßen wird. Damit erfolgt naturgemäß eine neue Milderung durch die einströmende warme ozeanische Luft. Später ist wieder mit zunehmenden Niederschlägen zu rechnen».

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 4,5,