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eine

120, das 180,

Deutschland hinein erstreckende Ausläufer der Rordmeer-Depression hat sich zwar aufgefüllt, jedoch entwickelt diese an der Westküste Eng­lands einen neuen Tiefdruckausläufer.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 6, Minimum 2,9 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur: 3,4 Grad Celsius.

Vie Budapester MschmmZer.

Budapest. 8. Jan. Die Polizei hat auch den römisch-katholischen Feldb.schof Stephan Za- d r a v e c z einem Verhör unterzogen, in dem er zugab, daß er tatsächlich von dem Ziel Kenntnis erhalten habe, mit welchem die Beschuldigten sich verteidigen, daß er aber seine weitere Mitwirkung abgelehnt habe, als er erfahren hatte, mu welchen Mitteln man dieses Ziel erreichen wolle. Ferner wurde heute der Abg. Julius Gömbös als Zeuge vernommen, weil einer der Beschuldigten sich auf ihn berief. Gömbös erklärte, dah er von der Frankensäl-- schungsasfäre feinerlei Kenntnis habe. Außerdem hat die Polizei im Lause des Tages einen aktiven und einen pensionierten Angestellten des Kartographischen Instituts in Gewahrsam ge­nommen. Gegen die anderen sechs bereits ver­hafteten Angestellten deL Kartographischen In­stituts ist unter vorläufiger Entbehrung vom Amt das Disziplinarverfahren eingeteitet worden. Von der Gendarmerie wurde in dem Schloß des Prinzen Windischgraetz in Sarospatak eine Haussuchung vorgenommen und das,Per­sonal eingehend vernommen. DaS Abendblatt Efti Kurier" bringt eine Llnterredung mit dem hier weilenden

Direktor der Banque de France, Emerh, der äußerte, daß die genannte Summe von! 20 Millionen falschen Tausendfrankenscheinen der Wahrheit nicht entspreche. Diese Summe sei zu hoch, wenn auch keine Zweifel darüber vor­handen seien, daß bedeutende Summen m Umlauf seien. Ganz Europa sei von alschen Banknoten voll, und ständig träfen aus verschiedenen Ländern, namentlich aus Italien, Deutschland und Frankreich, Nachrichten ein, daß neue falsche Tausendsrankenscheine zum Vorschein gekommen sind. Die Haupteinlöseftelle der Fran- ienfälscher scheine sich in Poris oder in der un­mittelbaren Umgebung zu befinden. Weitere Ver-

Suppenhühner 120, Gänse 100 bis 110: Stück: Eier 19 bis 20, Blumenkohl 80 bis Lauch 5 bis 15, Sellerie 20 bis 70 Pfennig.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Haftungen seien selbstverständlich noch zu er­warten. Es seien aber bereits außerordentlich viel überraschende Dinge zutage getreten. Zu viele hervorragende Persönlichkeiten seien kom­promittiert worden, so dah selbst weitere Ver­haftungen nicht mehr überraschen würden. Ieden- alls dürfe man trotz alledem mit weiteren Sensationen für die nächste Zukunft rechnen. Bis zur vollen Aufklärung dieser Kriminalaffäre bzw. bis zu dem Zeitpunkt, da sämtliche Teil­nehmer an dieser Angelegenheit dem Gericht überliefert worden seien, werde wohl noch

links.)

Aba. Koch-Weser (Dem.): Mit den Ge­pflogenheiten des Reichstages ist es nicht ver­träglich, dah an der Entscheidung des Rechts» ausfchusses ein Abgeordneter mitwirkt, der gleich­zeitig als Rechtsanwalt für eine Partei wirkt. >ie an dem Beschluß des Ausschusses materiell tark interessiert ist.

Mög. Schulte (Z.): Die Zentrumsfraktion würde ein Mitglied der Fraktion, das Parteiver­treter eines der Fürslenväuser wäre, nicht in den Rechtsausschuß delegieren.

Abg. Landsberg (S.): Ich kann mich für meine Fraktion der Erklärung des Zentrums Ver­treters nur anfchliehen.

Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (Dt. Vp.): Ich war niemals Vertreter einer Prvzeßpartei in einer Vermögensauseinandersetzungsfrage. Wohl aber habe ich zweimal auf Ersuchen einer Partei die Rolle eines Schiedsrichters bekleidet und betleide sie in einem weiteren Falle heute noch. Der Ausschuß muh entscheiden, ob er auch das mit der Stellung eines Ausschußvvrfihenden für unvereinbar hält. In diesem Fälle würde ich sofort ausscheiden.

Abg. Dr. Rosenfeld (6.) Selbstverständ­lich bestehen gar keine Bedenken gegen die wei­tere Mitwirkung des Ausschuhvorsihenden. Es ist doch ein grober Unterschied, ob man sich als unabhängiger Schiedsrichter mit einer Sache befaßt, oder als Anwalt eine bestimmte Partei vertritt.

Abg. Koch-Weser (Dem.) Ich bin durchaus der Meinung, daß die schiedsrichterliche Tätigkeit des Ausschußvorsihenden seine Objektivität in keiner Weise beeinträgtigt. Der Fall Everling liegt natürlich anders. Es muß der unabhängigen Stellung etneß Abgeordneten Abbruch tun, wenn er als Prozeß Vertreter an einer solchen Ent­scheidung persönlich interessiert ist.

Abg. Reubauer (Korn.) Wir würden be­antragen: Der Ausschuß mißbilligt die Teil­nahme derjenigen Mitglieder, die als Rechts­beistand die Interessen irgendwelcher Fürsten­häuser vertreten.

Vorsitzende Abg. Dr. Kahl (Dt. Vpt.) rät davon ab, jetzt Beschlüsse in dieser Frage zu fassen. Er betrachte die Geschäftsordnungsdebatte jetzt als geschlossen. Der Ausschuh könne die weitere Entwicklung in dieser Sache abwarten.

Besprechungen beim Reichspräsidenten.

Berlin, 8. Dan. Nachdem der Herr Reichs­präsident heute nachmittag die polittsche Lage und die Frage der Regierungsbildung mit dem Reichskanzler Dr. Luther besprochen hatte, emp­fing er im Laufe des Nachmittags zu Besprechun­gen über den gleichen Gegenstand die Reichsminister Dr. Brauns, Dr. Gehler, Dr. Strefe- mann und Dr. St in gl. wie mehrere Blätter melden, ist nach den Besprechungen eine weitere Unterredung mit Dr. Luther für morgen vor­mittag in Aussicht genommen. Die Blätter hatten es für zweifelhaft, ob im Anschluß daran eine Ent­scheidung getroffen werde. LautTäglicher Rund­schau" spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, dah die Fraktionsslhungen abgewartet werden, ehe seitens des Reichspräsidenten weitere Schritte er­folgen. ____

Die Räumung Kölns.

Köln, 8. Ian. (TU.) Der englische Oberkommandierende wird schon in den nächsten Tagen Köln verlassen und nach Wiesbaden übersiedeln. Das britische Haupt­quartier folgt ihm am 18. und 19. Januar und wird am 20. Januar in Wiesbaden seinen Dienst aufnehmen. Der Abzug der Engländer aus Köln und der nördlichen Rheinlandzone geht wei­ter in kleinen Trupps vor sich. Gestern ist auch das Bureau des General-Zahlmeisters zum Teil nach Wiesbaden verlegt worden. In Köln ist von diesem Dienstzweig nur eine Ab­teilung zurückgeblieben, urn die noch hier ver­bleibenden Truppen bis zu ihrem Abzug zu ver­sorgen. Der Abzug ist bisher im großen und ganzen p-rogrammähig verlaufen. Die Engländer haben sich bemüht, die festgesetzten Räumungs­daten inne zu halten. Ob jedoch der Abzug bis zum Monatsschluß beendet sein wird, ist keines­wegs sicher. Auch von englischer Seite wird zugegeben, dah man sich in dieser Beziehung nicht mit Sicherheit festlegen könne. Die Räumungs­daten waren von den Engländern von vorn­herein davon abhängig gemacht worden, dah die neuen Quartiere rechtzeitig zur Verfügung stehen würden. Run haben sich in Bingen und auch in Wiesbaden in dieser Beziehung Schwierigkeiten ergeben, die viel­leicht eine kurze Verzögerung im Gefolge haben werden. Jedenfalls rechnet man in Köln

damit, daß die B e f re i u ng sf e i e r, die in Gegenwart des Reichspräsidenten in der ersten Februarhälfte vor sich gehen sollte, erst gegen Ende des Monats stattfinden kann.

Aushebung des deulsch- schweizerischen Pahviums.

Basel, 8. Jan. (TU.) Nach einer Meldung der Basler Bläter sind die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz über die Aushebung des beiderseitigen Paßvisums zu einem Abschluß gelangt. Bei den Verhandlungen ist der schweize­rische Standpunkt durchgedrungen, wonach für Stellensuchende nach wie vor der Visum- zwang bestehen bleibt. Die Aufhebung soll am 20. Januar in Kraft treten.

Radfahrer-GesellschaftDie Wanderer": 8 Uhr Liebigshöhe" Feier des 30. Stiftungsfestes und Iugendbannerweihe. Männer-Gesangverein Liedertafel": 8 Uhr Kathol. Dereinshaus Weih­nachtsfeier. Ruderklub Hassia: 81/* Uhr Boots­haus Mitglieder-Versammlung. Spiel-Dercini-- gung 1904 : 8 UhrDarmstädter HauS" Monats­versammlung. A-V. 1870/1920: 8*A Uhr Aquarium" Hauptversammlung. ErsteReichs- kurzschriftgesellschaft®abeteberger: 8 Uhr Stadt Lich" Generalversammlung. Lichtspiel­haus. Bahnhofstraße:Die Stimme des Her­zens". Astoria-Lichtspiele:Ziganv".

Deiches befindet sich wie an anderen Stellen ein grober. wuS früheren Unterwaschung en ent­standener See, von den DauernW o y e n genannt Er ist zwischen dem Dorfe Mehr aui der Innenseite deS Deiches und dem Ge­höft vom Lohrwart im Wiesenvorland bis zu elf Meter tief, und fein normaler QDaffer- spiegel liegt 61/3 Meter unter der fünf biS sechs Meter breiten Deichkrone. Denkt man sich den Deichabhang in benWoyen" fortgesetzt, so hat man eine schiefe Ebene in Höhe von 1Z1/S biS 18 Meter, und diese enorme Deichhöhe soll den Druck des bis zur Krone empor sich wälzen­den Rheinstromes mit seiner ungeheuren leben­digen Kraft aushalten!

Zuerst zeigte sich auf einer Deichlange von etwa 70 Metern eine Abrutschung ziemlich am Fuße der Höhe des Woyenwasserspiegels. Roch ehe die alarmierten Hilfskräfte auf Wagen und .Karren mit schon bereitgestellten Erbmassen an- kamen, hatten sich viele weitere Risse im Deich gebildet, und mit Händen und Schaufeln wurde nun alles versucht, die entstandenen Risse zu- zustopfen und zuzuschütten. Wie eine Sisyphus­arbeit wirkte diele Anstrengung in der Reu- jahrsnacht. Als der Morgen graute, hatte sich die Zahl der Risse fast verdoppelt. Man konnte i>;c Verbreiterung der Risse beinahe mit bloßem Auge von Minute zu Minute verfolgen. Schon in der Rächt hatte der anwesende Landrat des Kreises Rees, Dr. Schneemann, in Erkennt­nis der ungeheuren Gefahr den Oberinspektor in Düsseldorf benachrichtigt, und dieser hatte ge­schulte Kräfte zur Leitung der Deichhut ent­sandt. Aber es zeigte sich, daß sozusagen der ganze Deich in Bewegung geraten war. so bafr mit kleinen Mitteln nicht mehr ge­holfen werden könnte. Zudem hatten die un­gezählten Wagen und Karren die Deichkrone beschädigt. Das steigende Wasser spritzte schon in Gischt und Sturzwellen über den Deich. Mit letzter Kraft wurden nun Tausende von Sandsäcken aus Wesel geholt und von alt und jung mit Sand und Erde gefüllt Wie in ein Nichts versanken auch sie in dem eben­falls steigendenWoyen" auf der Rückseite.

Run konnten nur noch Faschinen, zwischen feste Pfähle geflochten, Hilfe bringen. Was an festem Holz zu beschaffen war, wurde ge­holt Umsonst! Zwei biS drei Meter lange Pfähle ließen sich nach mühsamer Rammarbeit bequem mit einer Hand aus dem Schlamm wie­der herausziehen. So entschloß man sich, mehrere Hundert auf einer nahen Bahnstation zufällig bereittiegende Telegraphen st ang en kur­zerhand zu requirieren, und sie wurden in viele Stunden währender mühsamster Arbeit zwei bis drei Meier vom inneren Seerand entfernt in den Boden gerammt und zwar von eigens zu diesem Zweck erst mühsam gezimmerten, ständig vom Wasser überfluteten Flößen aus. Ein Ma­schinenrammbär war nicht mehr herbeizuschaffen, und so mußte der zwei Zentner schwere Rammbär jeweils von fünf kräftigen Männern gehoben und auf das Pfählende fallen gelassen werden. Die Deichgenossen konnten all diese Arbeiten nicht mehr allein ausführen. Dr. Schneemann beorderte deshalb Weseler Schupo und als auch diese nicht reichte, die gesamte Technische Rvthilfe der Gegend für diese Deichrettung. Zwischen die Pfähle wurden Faschinen geflochten und auf diese nunmehr die schweren Sandsäcke gelegt. Und siehe da: der Deich war ge­rettet, als das Wasser endlich am vierten Sage langsam zu sinken begann.

Hoch tönt das Lied vom braven Mann. lieft innerft aber zittert bei allen Deichgenossen und den vielen Mithelfern die Angst noch nach, alles hätte vergebens sein können oder könnte bei nochmals kommendem Hochwasser vergeblich gewesen sein, weil Me Allgewalt der Natur an dem von der Wassew ühaft berechneten Rheinhöchststand nicht halt macht, sondern darüber hinaus gegangen war.

Vielleicht, so hoffen die Deichgenossen, sinden sich Menschenfreunde in Holland, die für die Rettung einer aanzen niederländischen Provinz die unge­heure Mühe dieses Deichschutzes wenigstens mate­riell zum Teil belohnen!

Dis Fürstenabfindung.

Aus dem RechtSausschntz des Reichstages.

Berlin. 8. Ian. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung über ver- möge.rsrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern fort Der preu­ßische FinanzministerHoepker-Aschosf führt aus, daß damals, als Preußen den Vergleich schloß, von der preußischen Staatsregierung an­genommen werden mußte, dah mit einer reichs- gesehlichen Regelung nicht mehr zu rechnen sei, insbesondere nach der Ablehnung des entsprechen­den sozialdemokratischen Antrages im Plenum Andererseits konnte Preußen die Auseinander­setzung den Gerichten nicht mehr überlassen, ohne daß der preußische Staat großen Schaden er­litten hätte. Runmehr sei Preußen ver­pflichtet, den Vergleich auch durchzufüh­ren. Das fei beschlossen worden vorbehaltlich der Zustimmung des Staatsrates und des Land­tages. Preußen Rabe ihn nicht freudigen Herzens angenommen und wenn jeht das Reich eine ver- mögensrechtliche Auseinandersetzung auf reichs- gesetzlichem Wege anftrebe, so würde selbst­verständlich Preußen davon Gebrauch machen. Die preußische Staatsregierung würde in diesem Falle den Vergleich dem Landtage und dem Staatsrat vorlegen, aber nicht seine Genehmigung emp­fehlen. sondern Vorschlägen, von der Ermäch­tigung des Reiches Gebrauch z u

Heine Zeit vergehen.

Aus aller Welt.

Gefährdung der Wartburg.

Im Erdgeschoß des Palas der Wartburg ist der Schwamm im Holzwerk festgestellt worden. Der Fußboden des Speisesaals ist vollkommen von der Fäulnis angegangen. Damit die höl­zerne BaUenlage nicht in den Keller stürzt, hat man jetzt den ganzen Fußboden herausge- nommen. Alle Kun st schätze, namentlich die geschnitzten Schränke und Truhen, sind in Sicherheit gebracht worden. Besonders chlimm hat die Feuchtigkeit den weltberühmten Wandgemälden von Moritz von Schwind mitgespielt. Ein Teil der Wand­gemälde wurde vom Schimmel gereinigt. Die am meisten beschädigten Bilder, so die Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth, tourben noch nicht wieder hergestellt.

Brandstiftung in einer Kirche.

Während des Hochwassers war im Turme der katholischen Kirche in Rinteln Feuer aus- gebrochen, das jedoch noch rechtzeitig ge­löscht werden konnte. Wie sich jetzt heraus­gestellt hat, ist der Brand auf die Tat eines mit genauer lleberlegung vorgegangenen Brand- ft i f t e r 8 zurüc^uführen. Außer im Glocken­stuhl fand man auch noch eine zweite Brandstelle in einem anderen Stockwerk, wo der Verbrecher 14 große Altarkerzen zusammengetragen und an- gezündet hatte. Außerdem fand man eine zer­schlagene Flasche, die Petroleum enthalten hatte. Das Motiv zur Tat ist noch völlig dunkel. Man glaubt, daß der Verbrecher aus der grauenhaften Absicht heraus gehandelt hat, neben den Auf­regungen der gewaltigen Hochwasserkatastrophe auch noch das Schauspiel einer brennenden Kirche genießen zu können.

Aushebung eines Splrlllsten-filubs.

Breslau, *>. Jan. (WTB.-Funkspruch.) Die Bres­lauer Kriminalpolizei hat einen Spiritisten-Klub ausgehoben, der unter dem NamenKlub der Kommenden" in der Wohnung der Witwe eines Breslauer Majors seine Sitzungen abhielt. Die spiritistischen Sitzungen sind zu Betrügereien großen Stiles benutzt worden. Aus Anrufen der Geister, die durch den Mund eines Mediums sprachen, opferten die Mitglieder erhebliche Geld­beträge. Die Striminalpolijei ist durch einen Bres­lauer Kaufmann verständigt worden, der bereits über 500 Mk. geopfert hatte. Eine Anzahl von Mitgliedern ist bereits vernommen worden. Der Führer, ein Student, ist geständig.

Raubmord.

Plauen i. V., 9. Jan. (WTB.-Funkspruch.) Gestern abend 7 Uhr wurde der Bankoorsteher H al- l e r in Gefall im Kassenraum der Filiale der Baye­rischen Hypotheken- und Wechselbank mit durch­schnittener Kehle ermordet aufgefunden. Wie derVogtländische Anzeiger" meldet, wurden etwa 2060 Mk. in verschiedenen Geldscheinen geraubt. Der Tat dringend verdächtig ist der berufslose H. Friedrich, geb. 1895 in Tanna, der flüchtig ist.

Wett^vorausiagc.

RachtS etwas kälter, sonst milde, nach Auf­klärung wieder trübe und Regenneigung.

Obwohl Aufklärung und geringer Tempera­turfall eingetreten find, steht eine grundlegende Aenderung des Witterungscharakters noch nicht in Aussicht. Der gestern über Jütland sich nach

m a ch e n.

Abg. Dr. Everling (Dtschn.) macht darau aufmerksam, daß das allgemeine Landrecht auch durch eine Kabinettsorder in Kraft gesetzt und bindendes Recht geworden fei, und dah gerade dieser Erlaß zum ersten Wale die Einschränkung des Privateigentums des Fürstenhauses gebracht habe. Der Verzicht auf das Privateigentum sei also durch einen ebensolchen Akt durch die regierenden Hohenzollern ausgesprochen worden. Hier müsse gleiches Recht für alle gelten.

Auf Fragen verschiedener Abgeordneter er­klärte Finanzminister Höpker-Aschoff, nach dem Vergleich fei der Wert der dem Staate zufallenden Vermögensstücke auf 686 Millionen, der Wert der dem Hohenzollernhause zufallenden auf 184 Millionen zu schätzen. Die preußische Regierung würde den jetzigen Vergleich nicht abgeschlossen haben, wenn sie freie Hand gehabt hätte. Sie war aber nach Lage der Ver­hältnisse dazu gezwungen.

Abg. Koch-Weser (Dem.) weist darauf hin, dah unter denen im Vergleich als dem Staate zugefallen aufgeführten Schlössern sich Schlösser

im Werte von 350 Millionen befinden, die un- treitig immer Staatseigentum waren.

Der thüringische Finanzminister Dr. von Klüchyner setzte seinen gestrigen Bericht über die Auseinandersetzung mit den thüringischen Fürstenhäusern fort. Mit dem ehemaligen Herzog von Sachsen-Altenburg hatte 1919 die Auseinander) ehung das Ergebnis, dah der Herzog eine einmalige Abfindung von 5,2 Millio­nen erhielt, wofür dem Staate der gesamt» Do­mänenbesitz im Werte von 4,8 Millionen zugestellt wird. Mit Ausnahme einiger Grundstücke und des Schlosses'Fröhliche Wiederkunft" (Heiter­keit). Der Herzog habe seinerzeit den Ausein- andersehungsvertrag a ng en dmmen, socht aber diesen am 15. 3amurr 1925 mit Klagen an.. Der Prozeß sei noch im Gange.

Aus eine Frage des Abg. R o s en f e l d (S.), womit der Herzog von Altenubrg die Anfechtung begründe, crHärte Finanzminister v. Klüchhner: Darauf wird am besten der Abg. Everling Auskunft geben können, derjaVertreterdes herzvgli chen Hauses ist.

Abg. Dr. Rosenfeld (S.) erklärte, daß unmöglich ein Mitglied des Reichstages hier im Rechtsausschuß sitzen könne, nicht als Vertreter des Volkes, das ihn hierher geschickt habe, sondern als Vertreter einer P r o z e ß p a r t e i, mit der sich der Reichstag auseinandersehen wolle. Der Redner bezeichnet dies als ein un­erhörtes Verfahren. Der Vorsitzende wies diesen Ausdruck zurück.

Abg. Ever ling (Sn.): Auch ich bin der Meinung, man ist Rechtsanwalt oder Rechts» ausschußmitglied. SS ist richttg, dah ich für das preußische Königshaus als Rechtsanwalt gewirft habe. Meine Broschüren in dieser Frage habe ich auf meine eigenen Kosten verbreitet. Ich fühle mich hier lediglich als Vertreter meiner Recksts- ausfassung, die allerdings solchen Anträgen, die aus eine Beraubung der Fürstenhäuser hinaus­laufen, diametral entgegengesetzt ist. (Unruhe

Aus -er Provinzialhauptsta-t.

Gießen, den 9. Januar 1926.

IttvenLur-Ausverkäufe.

Die Feiertage, die diesmal besonders* zahl­reich toaren, sind verrauscht, das froheProsit Reujahr!" hört man selbst als nachträglichen Glückwunsch zum Jahreswechsel nicht mehr. Der nüchterne Werktag, die Sorge um das Vorwärts- kommen in dieser harten Zeit hat die Menschen wieder im (Bann; die Zeugen der Weihnachtszeit sind von der Bildfläche verschwunden, der Christ­baumschmuck wurde wieder eingepackt, den Baum selbst versetzte die Hausfrau vielleicht in die Waschlüche, wo er dann unter dem grohen Kessel als guter Brennstoff sein trauriges Endesindet. Jedoch für den Geschäftsmann find die Zeugen der Weihnachtszeit noch nicht dahin er sieht sie vielfach täglich mit immer sorgenvollerem Blick an: die übriggebliebenen Waren. Allzu üppig hatten sich unsere Geschäftsleute in dieser Zeit mit dem kurzen-knappen Geld ohnehin schon nicht eingedeckt, und dennoch behielten sie infolge des außerordentlich schlechten Weihnachts­geschäftes beträchtliche Mengen ihres Lagers zurück. Wirllich, auch für manchen Kaufmann war dieses Weihnachtsfest kein frohes Fest!

Run sind die Inventur-Ausver­käufe im Gange. Der Kaufmann braucht Geld, denn der Lieferant drückt, das Finanzamt liebt straffe Zügel, und auch sonst gibts noch allerlei, das immer wieder mahnt: Geld. Geld und noch­mals Geld herbei! Da werden dann alle Waren­bestände herangeholt, die Schaufenster bekommen ein anderes Bild und die Preise schlagen ab, denn es ist ja schon besser, die Vorräte zu verringer­ten Preisen an den Mann, nein, meistens an die Damen zu bringen, als auf all den Sachen schließlich sitzen zu bleiben. Die Reklame in vielgestaltiger Art seht ein und dann wartet der Geschäftsmann wiederum voll zager Hoffnung auf den Erfolg. Aber auch ein großer Teil des Publikums wartet auf den jetzigen Zeitpunkt, denn auch bei ihm sind die Moneten vielfach so knapp wie eine Brot- oder Fleischratron in den letzten Kriegsjahren. Wer jetzt am Rachmittag und gegen Abend über den Seltersweg geht, oder am Marktplatz, in der vorderen Schul- und in der Marktstraßs beobachtet und die Bahnhofstraße gleichfalls ein wenig aufmetffam durchwandert, der sieht da die Käufer von Schaufenster zu Schaufenster schlendern, älnd wer sich dann daneben stellt und dabei seine Ohrwascheln ein bissel spitzt, der kann oft hören, wie die Preise besprochen und verglichen werden mit der Kriegskasse im Handtäschchen oder im Geldabteil der Brieftasche des Hausherrn. Auch die Aufmachung der Schau­fenster findet ihre Kritiker, am meisten _ aber hört man doch unerfüllte Weihnachtswünsche wieder laut werden, von denen nun dasliebe Männchen", dergoldige Papa", dernetto Onkel", oder aber dtebeste, süße Mutti", natür­lich noch weit mehr derliebste Schatzi" (in diesem Falle ist er meist noch glücklicher (Bräutigam) so viel wie nur irgend erschwinglich erfüllen sollet. Manchmal finden diese Wünsche ein geneigtes Ohr und auch eine noch etwas leistungskräftige Geldbörse. Darrn gehts hurtig in den Laden, der Kaufmann gibt sich Mühe, seine Besucher zufrieden zu stellen, und nach einiger Zeit, wenn man die bei denPreußen" zur Genüge gelernte Kunst des Wartens" wieder mal angewandt hat, kann man Menschenkinder mit frohem Gesicht aus dem Geschäft herauskommen sehen. Gestern hatte ich diese Mitfreude des Beobachters mehr­mals, bann holte ich meine Frau am verabredeter, Platze ab. und aus ihrem Munde hörte ich nun mitten im Seltersweg in der Rachbarschaft all der billigen Invenlur-Ausverkäufe vom neuesten Besuch des Gasmannes. der wieder eine höhere Rechnung präsentierte, von notwendiger Steuer­zahlung ufto., und schließlich rückte auch mein Bub mit einem Bericht überschöne" Zensuren bei unvorbereiteten und vorbereiteten Arbeiten in der Schule heraus. Da unterdrückte ich meine Geneigtheit, jetzt auch etwas zu kaufen, für diesen Rach mittag ; ich hatte genug .....

Aber noch sind ja die Tage der Inventur- Ausverkäufe! Hoffentlich bringen sie den Ge­schäftsleuten möglichst vollkommene Erfüllung ihrer Hoffnungen, in der großen Konsumenten­schar noch viele frohe Gesichter und mir selbst auch wieder die Möglichkeit, erneut dieSpendier­hosen" anzuziehen. D.

Ausdehnung der Errverbslosen- sürsorge in Hessen.

Die Höchstdauer der Erwerbslosenunterstühung . für das gesamte Gebiet des Volksstaats Hessen, ist mit sofortiger Wirksamkeit auf 39 Wochen ausgedehnt worden, da die Zahl der unter­stützten Erwerbslosen seit über zwei Wochen 1 Prozent der Einwohnerschaft übersteigt.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt das Pfund: Butter 120 bis 160 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 20, Rotkraut 25, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 45 bis 50, Alntcr- foblrabi 10 bis 12, Grünkohl 25. Rosenkohl 50, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 80, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 45 bis 70, Endivien 100, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 20, Birnen 30, Rüsse 60 bis 90, junge Hahnen