Kreis Friedberg
4. Dad-Dauheim, 7.Dez. Auch im nächsten Jahre wird unsere Dadestodt wieder als Tagungsort für wissenschaftliche und wirtschaftliche- Verbände gewählt werden. Bekannt ist jetzt schon, daß in den Lagen vom 27. bis 30. April der 2. Kongreß für Psychotherapie hier stattsindet. Ein Ausschuß hat mit der Vorbereitung zu dieser bedeutungsvollen Veranstaltung bereit- begonnen.
pb. Butzbach, 7. Dez. Im »Deutschen Haus" fand eine Versammlung von Vertretern der Stadt, verschiedener umliegender Gemeinden, der hiesigen Geschäftswelt und d^L Handwerks statt, um über die Errichtung verschiedener A u t o l i n i e n zu beraten. Bürgermeister Dr. Jansen betonte in seiner Ecöfsnun^anspcache, Laß Stadt und Land gemeinsame WictschaftL- und Derkehrsintercsssn hätten, die seither nicht genügend beachtet worden seien. Am diese Interessen zu heben und zu wahren, sei es erforderlich, bessere Deröindungsmöglichkeiten zu schaffen. Lies sei der Hauptgrund zur Einberufung der Versammlung. Seitens verschiedener Gemeindevertreter wurde dies anerkannt und betont, daß sie bereit seien, hierbei, soweit möglich, mitzuhelfen. ES wird beabsichtigt, zunächst eine Privat- auto-Gesellschaft zu gründen, über welche Herr Freitag näher berichtete. Versuchsweise sollen täglich zwei- bis dreimal einige noch näher zu bezeichneirde Strecken befahren werden, unter der Voraussetzung, daß die zu berührenden Gemeinden einen Zuschußbttrag leisten. Ein« weitere Versammlung soll in Kürze definitiv Beschluß fassen. Zur Wahrung der gemeinsamen Wirt- schaftS- und Verkehrsinteressen wurde dann auf Vorschlag von Bürgermeister Dr. Jansen ein Verein gegründet, und ein besonderer Organisationsausschuß gebildet, der alle noch zu lösenden Fragen behandeln soll-
5 Steinfurth, 6. Lez. Gestern wurde hier Pfarrer, Otto Metzler, der Rach'olger Pfarrer Wecks, in sein Amt eingeführt. Der Superintendent für Oberh-.ssrn, Oaerkicchen- rat Wagner (Gießen) nahm die feierliche Handlung vor. Auch in der Filialgemein^o Wisselsheim stellt« sich der neue Pfarrer gestern seiner Gemeinde vor.
Kreis Büdingen.
'! Büdingen, 7. Dez. Aus der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Büdingen ist als besonders bemerkenswert zu berichten: Die Besoldungen des Bürgermeisters. Gemeinderechners, Polizeidieners und Jeldschützen von Hainchen wurden dem Vorschläge des Kreisdireklors entsprechend festgesetzt. Der Bürgermeister erhält hiernach jährlich 1732,50 Mark, der Gemeinderechner 1010 Mark, der Polizeidiener jährlich 670 Mark und der Feldschütz 1106,25 Mark. In nichtöffentlicher Sitzung wurde u. a. beschlossen, das Vertragsverhältnis zum Hess. - Nass. Wirtschaftsverband mit Wirkung vom 1. April 1927 zu l äse n, da mit diesem Zeitpunkt die Straßen auf die Provinz übergehen. Dem neugegründeten Verkehrsbund Obe rh essen tritt der Kreis als Mitglied bei.
bs. Nidda, 6. Dez. Zum erstenmal seit ihrem Bestehen hat die Landwirtschaftskammer f ü r e H en durch einen Lehrgang den Wiesen- b a u in den engeren Kreis der Bearbeitung gezogen. Daß dafür ein Bedürfnis vorlag, beweist das In- tereste, das von der bäuerlichen Bevölkerung der VeranstaUung entgegengebracht wurde. Ucber 300 Landwirte aus der Wetterau und dem Vogelsberg hatten sich heute hier eingefunden, so daß der große Saal des „Gambrinus" bis auf den letzten Platz besetzt war. Verschiedene ländliche Fortbildungsschulen der Umgegend, sowie die Schüler der landwirtschaftlichen Winterschule zu Nidda waren ebenfalls zugegen. Als Vertreter der Regierung hatte sich Kreis, direkwr Dr. G a ß n e r von Büdingen eingesunden. Der Vorsitzende der Landwirtschastskammer für Hessen, Oekonomierat Hensel-Dortelweil, wies auf die steigende Bedeutung der Grünlandwirtschaft hin und wünschte, daß gerade die landwirtschafttreibende Bevölkerung des Vogelsberges sich mehr dem Wiesenbau zuwende, einmal um durch Verminderung der Zahl der Arbeitskräfte gegenüber dem Getreide- t und Hacksruchtbau die Rentabilität zu steigern, bann aber, um eine sichere Rente, besonders in Jahren I ungünstiger Witterung, zu erzielen. Auf Grund seiner 40jährigen Erfahrungen im Amt sprach bann v Kulturbauinspektor Kunz vom Kulturbauamt Lau- terbach über dos Thema: „De- und Entwässerung der Wiesen." Den zweiten Vortrag hielt Landwirt-
OerFrosch mit derMaske
Roman von Edgar Wallace.
10. Fortsetzung. 'Nachdruck verboten
,Vch bin recht froh, baß er nicht hier ist", sagte sie sichtlich erleichtert. .Ich möchte mit Herrn Maitland sprechen. Können Sie das möglich machen!"
Das strählende Gesicht des Philosophen bewölkte sich.
„Das wird sehr schwer halten", sagte er. „Der alte Herr empfängt nie jemanden. Nicht einmal die Finanzgrößen der City. Er haßt Frauen und Fremde und, obgleich ich doch schon so lange mit ihm arbeite, bin ich nicht einmal sicher, ob er sich an mich gewöhnt hot. Worum handelt es sich denn? Ella zögerte. „Um Rays Gehalt", und bann, als er den Kopf schüttelte, fuhr sie drängend fort: „Es ist so wichtig, Herr Johnson. Ray hat einen so an- spruchsvollen Geschmack und wenn man seinen Gehalt noch verkürz!, so heißt bas---ach, Sie
kennen doch Ray genau!"
Er nickte. „Ich weiß wirklich nicht, ob ich da etwas tun kann", sagte er zweifelnd. „Ich will jeden- falls hinausaehen und Herrn Maitland fragen. Aber ich könnte Hundert gegen Eins wetten, daß er Sie nicht empfangen wird?
Aber als Herr Johnson zurückkam, sah sie ihn schon von weitem lächeln.
„Kommen Sie nur rasch, bevor er es sich überlegt hat", sagte er und führte sie zum Lift. „Sie müsien allein die Konversation führen, Fräulein Bennett! Er ist exzentrisch und so hart wie Feuerstein."
Er führte sie in einen kleinen, bequem möblierten Salon und mies auf einen Schreibtisch, der mit Papieren bedeckt war.
„Das ist mein Zimmer", erklärte er. Eine Rosen- holztür führte zu Maitlands Bureau. Johnson klopfte leise an und mit schneller pochendem Herzen trat Ella dem seltsamen Mann gegenüber.
Der Raum war groß und der Luxus der Ausstattung verschlug ihr den Atem. Das Rosenholl der Wände war mit wundervoller Silberarbeit eingelegt Jedes Stück der Einrichtung war mit erlesen- stem Geschmack gewählt und der Teppich, über den sie schritt, schien von größerem Werte als das Jn-
„Er ist Selfmademan, aber er ist eigentlich nicht bösartig. Wenn ich nur begreifen könnte, warum er Sie empfangen hat?"
„Empfängt er denn sonst niemanden?"
Er schüttelte den Kopf. „Nicht, wenn es nicht absolut notwendig ist. Und das ereignet sich vielleicht zweimal im Jahre. Ich glaube kaum, daß er überhaupt je mit einem Menschen im ganzen Hause gesprochen hat Nicht einmal mit den Direktoren."
Johnson führte Ella in bas Hauptbureau hinunter. Nay war noch nicht gekommen.
„Die Wahrheit ist," gestand Johnson, als sie ihn mit Fragen bedrängte, „daß Ray heute noch über- Haupt nicht irn Bureau war. Er ließ sagen, daß er sich nicht sehr wohl fühlt und ich habe es so eingerichtet, daß er heute als frei gilt."
„Er ist doch nicht krank?" fragte sie beunruhigt.
„Nein, ich habe ihn telephonisch gesprochen. Er hat ein Telephon in feiner neuen Wohnung."
„Ich dachte, es wäre nut ein einfaches Zimmer?" sagte Ella entsetzt. Die gute Hausfrau in ihr empörte sich. „Eine ganze Wohnung? Wo denn?"
„In Knightsbridge". antwortete Johnson ruhig. „Ja, es klingt teuer, aber ich glaube, baß er sie billig bekommen hat. Ein Mann, der ins Ausland ging, hat sie ihm für einen Pappenstiel untervermietet. — Darf ich offen sein, Fräulein Bennett?"
,Hst es Rays wegen, so bitte ich Sie darum", antwortete sie hastig.
„Ray beunruhigt mich in letzter Zeit", sagte Johnson. „Natürlich möchte ich alles, was ich kann, für ihn tun. denn ich habe ihn sehr gerne. Jetzt ist es meine einzige Sorge, seine ziemlich häufigen Abwesenheiten vom Bureau zu verschleiern. Sie brauchen ihm das nicht wieberzusagen. Aber es ist eine ziemliche Mühe, denn der alte Herr hat einen unerhörten Instinkt dafür, wenn Angestellte sich vom Dienste drücken. Ran lebt ein wenig (arger, als er es sich eigentlich leisten kann. Und ich habe ihn so gekleidet gesehen, als wollte er mit den elegantesten Leuten der Stadt in Konkurrenz treten."
Die unbestimmte Unruhe in Ellas Seele wuchs zur Panik an. „Cs ist doch--— nicht etwa im
Bureau etwas Unrechtes oorgefaüen?“ fragte sie ängstlich.
„Nein, ich nahm mir die Freiheit, feine Bücher durchzusehen. Eie stimmen. Sein Kassabuch ist bis auf einen Penny in Ordnung. Mit roher Offenheit
gesagt: er stiehlt nicht. —- Zum mindesten nicht bei uns. Ader noch ein anderes Detail. Er nennt sich Raymond Laster in Knightsbridge. Ich habe das durch Zufall yerausgefunden und habe ihn gefragt warum er einen andern Namen angenommen habe? Seine Erklärung war ziemlich glaubhaft. Er wollte nicht, daß Ihr Vater hören sollte, daß er auf so großem Fuß lebe. Er hat eine ziemlich einträgliche Nebenbeschäftigung. Aber er will nicht sagen, welcher Art sie ist."
Ella war froh, als Johnson sie verließ. Froh, einen stillen Platz inmitten weiter Parkflächen zu erreichen. Sie mußte nachdenken und sich über ihre künftige Handlungsweise klar werden. Roy war nicht so geartet daß er sich von ihr ober von Johnson mit drakonischer Strenge würde behandeln lassen. Auch der Vater durste nichts erfahren. Sie mußte sich an Ran wenden. Vielleicht entsprach es der Wahrheit, daß er eine einträgliche Nebenbeschäftigung habe. Eine Menge junger Leute benutzten ihre freie Zeit auf solche Weise. Ader Ray war kein Arbeiter.
Sie setzte sich in einen Parksessel und war so sehr in ihr Sinnen verstrickt, daß sie es nicht gewahrte, als jemand vor ihr stehen blieb.
„Das ist ja wunderbar!" sagte eine lachende Stimme und sie sah in Dick Gordons hübsche blaue Augen auf. Er setzte sich auf den Sessel neben dem ihren.
„Und jetzt werden Sie mir bitte sagen, in was für Schwierigkeiten Sie geraten sind?"
„Warum meinen Sie, daß ich in Schwierigkeiten geraten bin?" stammelte sic.
„Sie machen ein so trauriges Gesicht", lächelte er. „Vergeben Sie diesen Auszug. Ich habe einen offiziellen Besuch bei der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten abstatten müssen.
Jetzt erst bemerkte sie, daß er das Festkleid des Beamten trug, Gehrock, Zylinder und die vorschriftsmäßige Krawatte. Sie fand, daß et sehr gut darin aussah.
„Ich glaube beinahe, daß Ihr Bruder Ihnen Sorgen macht? Ich habe ihn vor wenigen Minuten gesehen. Hier ist er wieder!"
Sie folgte der Richtung feines Blickes und wuchs vor Erstaunen in ihrem Sessel auf.
(Fortsetzung folgt)
die Kinder, am Abend für Erwachsene. Der Besuch beider Vorstellungen toav durchaus zufriedenstellend.
E i ch e l s b o r f, 7. Dez. Infolge der starlen Ausnutzung des zur hiesigen Försterei gehörenden Waldes in den K.i:gs- und Rach- kriegsjahren wird die Verminderung des Holzschlages, die bereits in den Vorjahren einfetzte, auch in diesem Jahre fortgesetzt. Außer der: Durchforstung eines jungen Bestandes kommt nur das Schlagen von geringen Brennholzmengen in Frage, so daß die beteiligten Gemeinden üjr Lesholz nur aus entfernteren Distrikten erhalten können. In den Dörfern macht das Bestreben, durch Anschaffung von Kohlenbsen sich vom H o l z f e u e r unabhängig (.u wissen. weitere Zo.t'chritte.
* Eichelsdorf, 6. D.z. G.stern vollendete unser alter Schäfer Heinrich Link, wohl der älteste Schäfer Oberhessens. sein 7 9. Le bensjahr. Der Alle, nun schon 53 Jahre hier bedienstet, ist bei gttrm Wetter noch täglich bei fernen Schafen, obwohl se n Sohn vor einigen Jahren d'.e Herde übernahm.
Ober-Schmitten, 7. Dez. Die Weih- n a ch t s f p a r k a ss e. die jetzt im dritten Jah.e ?ier besteht, erweist sich immer mehr als eine egensreiche Einrichtung. Jetzt, vor Weihnachten, können wieder 1 0 200 M k. Spargelder zuzüglich der Zinsen an die Sparer ausgeteilt werden. Die Einlagen erfolgen in beliebiger Höhe an jedem Sonntag, die Verwaltung der Kasse ist ehrenamt.ich. — Da die Feldbereinigungsämter zur Zeit dermaßen mit Arbeiten überlastet sind, daß in den ersten vier Jahren kaum eine neue Gemarkung in Angriff genommen werden kann, hat sich die Gemeinde entschlossen, den nach Ulfa führenden Hohlweg teilweise a u f z u f ü l l e n und zu ch a u s s i e r e n. Die umfangreichen Arbeiten, die noch während des Winters auLgeführt werden sollen, stehen unter der Leitung des Försters Schmidt- EichelSdors, eines anerkannten Fachmannes auf dem Gebiete des Wegebaues. Da die durch den Dlillstand der Stasfelfchen Papierfabrik arbeitslos Gewordenen bis auf wenige in anderen Industrien Arbeitsgelegenheit gesunden haben, werden einheimische Ar- beitskräste nur in geringem Maße zur Derfü- K stehen. Wie rasch die sog. Hohlen, die n Unterbau von Steinen haben, in die Liese wachsen, beweist die Tatsache, daß innerhalb von drei bis vier Jahrzehnten der genannte Hohlweg durch Abschwemmung des Bodens bei schweren Regenfällen etwa 1 Meter tiefer geworden ist.
)—( Ruppertsburg, 7. Dez. Infolge der Eröffnung des Betriebs der chemischen Fabrik Friedrichshütte toar die Zahl der Arbeitslosen in unserer Gemeinde in letzter Woche auf 11 herabgesunken. Auch sie finden jetzt für einige Zell Beschäftigung, denn die Holzhauerei in den umliegenden großen gräflichen und Gemeindewaldüngen bat begonnen. Da aber aus unserem Dorfe allein acht Rotten mit insgesamt 60 Arbeitern diesem Erwerb nachgehen. so dürfte das Holzfällen leider bereit- Ende Januar beendet fein, trotzdem mehr Holz geschlagen wird, wie im vorigen Jahre. — Dieser Tage wurde aus unserem Friedhöfe die Leiche eines italienischen Kriegsgefangenen ausgegraben. — Rachdem im Herbst vorigen Jahres dahier der erste Bethel- Film gezeigt wurde, fand jetzt auch die Vorführung des zweiten Teils statt. Zu der Feierstunde im Gemeindesaal hatten sich nachmittags über 100 Kinder eingefunden. Zu der Abendvorführung in der Kirche waren etwa 150 Erwachsene erschienen. Der Eindruck, den Wort und Dlld machten, war überwältigend. — Zum Besten des Krankenhauses Johann- Friedrich-Stist La ubach sammelten die hiesigen Konfirmanden in unserem Dorfe einen Leiterwagen dMI Liebesgaben, bestehend in Kartoffeln, Gemüse, Obst usw.
§ Babenhausen, 7. Dez. Sonntag und Dienstag führte hier die Schuljugend ein Weihnachtsspiel „Nun singet und seid froh" auf. Die Zuschauer sanden sich jedesmal zahlreich ein und horchten gespannt auf das, was sich da vor ihren Augen begab: wie der Nikolaus sich zur Erbenreise zurechtmachte, wie die Engelschar an Weihnachtssachen arbeitete und schasste, wie die Jugend die Krippe anbelete usw. Zahlreiche Chöre verschönten die Darbietung, die auf bemerkenswerter Höhe stand.
schaftsrar Dr. Schad von der landwirtschaftlichen Schule zu Nidda über „Pflege und Düngung der Wiese". Als dritter Redner sprach Abteilungsoorstand Dr. Finger von der Landwirtschaftskammer Darmstadt über „Die guten und schlechten Wie- senpflanzen" Nach einer Mittagspause setzle dann die Aussprache ein, die sich sehr anregend gestaltete. Im Mittelpunkt stand die Frage der Stickstofsbün- Sber Wiese, wobei Männer der Praxis die
rie ergänzten. Aus der Versammlung heraus würde die Anregung gegeben, im Sommer Lehrgänge durch die L a n b w i r t f ch a f t s k a m - m e r zu veranstalten, die dem Kennenlernen guter Gräser dienen sollten. Auch wurde die Anlage von Lehrgräsergärten in den einzelnen Dörfern empfohlen. Ein sechsteiliger Grünlandfilm des deutschen Grünlandvereins, sachlich erläutert durch den letzten Redner, bildete den Beschluß der Tagung.
A Ridda, 7. Dez. Der im Dienste der hessischen Drandversichrrungskarnmer tätig« Bau» schäyer des hiesigen Bezirks, Zimmermeister Karl Fink, wurde gestern hier unter zahlreicher Begleitung zur letzten Ruhe bestattet. Er erreichte ein Alter von 66 Jahren. — Der Kriegerverein »Hafsia" Ridda wählte an Stelle des irach Fürth L O. verzogenen Ober- amtsrichters Muhl den hiesigen Dankovrstand Hermann L e u m zum ersten Vorsitzenden. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Gerichtsvollzieher Reuter gewählt. — Im Kasinosaale hielt Oberstudiendirektor Philipps aus Friedberg einen sehr beifällig auf genommenen Vortrag über „Deutschen Humor". Der Redner schilderte die humoristischen Dichter aus aller und neuer Zeit und trug einzelne Stellen und ganze Gedichte aus ihren Werken vor.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 6. Dez. Am Sonntagmittag führte der hiesige Zweigverein dsS Vogelsberger Höhenclubs feine letzte Wanderung in diesem Vereinsjahr aus. Auf der Schottener Straße zog man in stattlicher Zahl über die Station „Laubacher Wald" in das obere Seental, von wo man sich zum stattlichen Marktflecken Freienfeen wandte. Der Marsch durch die stimmungsvollen Waldungen und Wiesengründe in ihrem schimmernden Winterkleide bot eine Fülle von reizvollen Landschaftsbildern. In Freienseen zeigte Prof. Dr. Roesch e n, der Kreisurkundenpfleger, die reichen Schätze des Gemeindearchivs. Besondere Anziehung boten die verschiedenen Kaiser-älrkunden (von Karl V. an), welche die Erteilung dr s Wappens, oben Aäler, unten Schwan, sowie die Freiheiten des Marktfleckens enthalten. Außerdem wurde die stattliche Kirche besichttgt. Der älteste Teil gehört der frühgoti- schrn Bauzeit an; der gewaltige Turm zeigt Schlufselschiehschorten (16. Jahrh.). Das Schiff entstammt der Mitte de- 18. Jahrhunderts. Beim Kaffee im Gasthaus „Zur Linde" bot Prof. Dr. Rocschen einen Uebcrblid über die Geschichte des Seentals. Am Abend hielt der Zweigverem im „Solrnser Hof" seine ordentliche Hauptversammlung ab. Der verdiente, zielbewußte erste Vorsitzende, Justizobersekvetär Elbe, gab einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins. 11 Wanderungen wurden ausgeführl, darunter eine zweitägige in den Vogelsberg und eine solche in die Rhön; in launiger Weise wurden die Einzelheiten der Ausflüge besprochen. Sodann wurde der neue Wanderplan feftgelegt. Es besteht eine wissenschaftliche Abteilung und eine Gesangsobtellung (gemischter (S-ljor), außerdem ein Wander-, ein Markierungs- und ein VergnügungSausschuß. Der Mitgliederbestand hat sich erhalten. Die Prüfung der Rechnung zeigte, daß die Frnanzverhältnisse in bester Ordnung sind. 11 Mitglieder formten toegen ihrer regelmäßigen Teilnahme an den Wanderungen dekoriert werden; zwei langjährige eifrige Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Wahl des neuen Vorstandes ergab: Justizobersekvetär Elbe 1.Vorsitzender, Dr. Wachtel, 2. Vorsitzender, Justizsetretär Becker, Schriftführer, Rechner Eduard Göbel HL, Rechner des Vereins. Rach Schluß der Tagesordnung blieb die stattliche Tafelrunde noch einige Stunden bei munteren Gefangen und in angeregter Unterhaltung beisammen. — Bereits im vorigen Jahr hatte die Vorführung des Be- t h e l - F i l m s in hiesiger Stadttirche allgemeinen A cklang gesunden. Gestern wurde ter zweite Teil dieses Films in der Stadtkirche geboten. Am Rachmittag war Vorführung für
Rudingshain, 7. Dez. In ber vorig« Woche wurde bi unserer Gemarkung mit den Meliorationsarbeiten begoßen. 3ä dieser Woche sollten die Arbeiten in erweitertem Umfange fortg.-setzt werden, da das Holzfällen für die Demei:ide jetzt beendet wurde. Leider hat Schneefall den Arbeiten bis auf weiteres Einhall geboten.
ld. Aus dem Vogelsberg, 7. 'Dez. Schneefall und Frost haben - die Schafe, die bis dahin infclge der außerordentlich günstigen Herbst Witterung genügend Weide fanden, in den Stall gebannt. Das Uebernachten im Pferche ist für dieses Jahr beendet. Der früher überall geübte Brauch, dem Schäfer, wenn er mit seiner Hrrde bis zum 1. Advent auch nachts draußen war, einen S chä ferbur zu schenken und ihm, wenn er noch länger „pferchte", sogar einen Schäfermantel zu verehren, wird kaum noch geübt. Jedoch gibt man jetzl vielerorts statt dessen aus gleichem Anlässe ein ansehnliches Geldgeschenk.
Kreis rllsselv.
WSR. Alsfeld, 7. Drz. Die am 1. De- zemder 1926 stctttgrhabte Viehzählung ergab für die Stadt Alsfeld folgendes Bild: 12! Pferde (Vorjahr 133). 269 Sttick Rindvieh (333). 71 Schafe (37). 324 Schweine (330), 114 Ziegen (179), 3933 Stück Federvieh (3228).
ch Lehrbach, 7. De;. Vor kurzem gelang es hiesigen Waldarbeitern, einen äußerst febenen Fang zu machen: nämlich einen zur Ordnung der Ragetiere gehörenden fogenannten Siebenschläfer. Vor Jahren wurde schon einmal ein solches Tierchen in den^Wäldern an- getrvfsen, blieb aber unbeachtet. ^Dies zweite Exemplar ließ Lehrer Loos von einer Berliner Tierausst opferet präparieren. Es ist ihm von dort die Mitteilung zugegangen, daß el sich um „ein Museum-st ück ersten Ranges" handelt. Der neugewählle Därgermeister Heinrich Stroh hat sich m dankenswerter Weis, bereit erklärt, die Ausstopfung-kosten zu übe» nehmen. Der Siebenschläfer wir) unter den Lehrmitteln und den Gegenständen des naturgeschichtlichen älnterrichts unserer Schule einen Ehrenplatz erhalten. — Dieser . Tage hielt der hiesig« Gesangverein seine Jahresversammlung ab. Man beschloß u. x der Anschaffung einer neuen! Vereins sahne näherz rttreten. Der seitherige Vorstand wurde durch Zuruf wie der gewählt. Der Dirigent, Lehrer Loos, betonte in seiner Ansprache, daß besonders durch die Pflege des deutschen Volksliedes bei geselligen Zusammenkünften Aufgabe t<r Gesangvereine fei, und daß man dies Gut höher schätzen mässe als die vielfach unkünstlerischen modernen Kompositionen.
(p Erbenhausen, 7. D z. Am Sam-tag wurde m unserer Gemeinde di« Gründung eines Kriegervereins in Angriff genommen. Ein solcher ist auf jeden Fall zu begrüßen. Vermag er doch dazu beizutragen, kameradschaftliches Leben in Erinnerung an gemeinsam verlebt« und erlittene schwere Tage in der Kr egSzeit zu pflegen. Darüber hinaus hat jeder Äriegeroetetn seine Zukunftsaufgaben. Es gilt, das Andenken an die Gefallenen bei den alljährlichen kerch- lichen und nationalen Geben kfeern zu ehren. Im Hinblick darauf darf als selbstverständlich erwartet werden, daß sich all« Kriegsteilnehmev und alten Soldaten und Veteranen zu einem Verein zusammenschließen, um in Einigkeit und Kameradschaftlichkeit, Treu« und Dankba-rke t dm Toten zuzurufen: „Wir alle vergessen euch nicht." Zum anderen hat jeder Äricg-roerein noch die Aufgabe, zur Förderung beti deutsch-christlichen Gedankens beizutragen. Gewiß trennt heutzutage vieles die Gemüter, aber es gibt noch viel mehr beil:ge Güter, die sie einen! ülnd auf diese hinzuweisen, fei unter Ziel! „Einlgke't und Recht und Freiheit, sind des Glückes Unter- Pfand", heißt es in unterem Rat onallled. Möge im Sinne dieser Worte die Gründung. Entwicklung und Festigung unseres KriegeroereinS weiter gedeihen.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
XX Kinzenbach, 7. Dez. Zum dritte« Male in diesem Jahre ist hier die M a u I* und Klauenseuche ausgebrochen Sie wütet mit solcher Hefttglelt. daß bereits über ein Dutzend Gehöfte die Sperre verhängt wurde. Unsere Landwirte beobachten mit großer Besorg
ventar so manchen Durchschntttshauses. Hinter einem breiten, goldbronzierten Schreibtisch saß der große Maitland kerzengerade aufrecht und betrachtete sie unter seinen buschigen weihen Augenbrauen. Er sah wie ein Patriarch und doch zugleich abschreckend aus. Und es war etwas Grobes und Gemeines nn ihm, bas sie verletzte. Es lag nicht in der Nachlässigkeit seines Anzuges oder der Zahl feiner Jahre. Das Alter pflegt sonst Verfeinerung zu bringen. Dieser alte Mann jedoch war ganz gemein: alt geworden. Sein forschender Blick ermangelte der Sicherheit, die sie erwartet hatte. Es schien beinahe, als fühle er sich unbehaglich.
„Dies ist Fräulein Bennett. Sie erinnern sich, daß Bennett unser Börsenbeamter ist. Fräulein Bennett bittet darum, daß Sie Ihren Entschluß über die Gehaltskürzung noch einmal prüfen mögen."
„Wir sind nicht sehr wohlhabend," sagte Ella leise, „und dieser Abzug macht für uns sehr viel aus---"
Herr Maitland schüttelte ungeduldig das kahle Haupt. „Das ist mir ganz egal, ob es Sie gut geht oder nid) gut aeht! Wenn ich Gehattsabzüge mach, dann mach ich sie. Verstanden?"
Sie starrte ihn entgeistert an. Seine Stimme war rauh und gemein. Sprache und Ton entstammten der Gosse.
„Wenn er nid) mag, so kann er gehn, wohin er will. Und wenn Sie das nid) recht is —", er heftete feine trüben Augen auf den unruhig aussehenden Johnson, „bann können Sie auch gehn wohin Sie wolln. Es gibt massenhaft so Lausbuben, die ich kriegn kann. Brauch sie mir nur von der Straße rauszuholen. Millionen davon. Punktum!"
Johnson ging auf den Fußspitzen hinaus und schloß di« Ture hinter dem Mädchen, bas ihm gefolgt war. „Aber bas ist ja ein Scheusal!" brachte sie hervor. „Wie können Sie es nur mit ihm aus. halten?"
Der dicke Mann lächette gelosten. „Er hat recht. Bei eineinhalb Millionen Arbeitsloser auf den Straßen kann er sich seine Leute aussuchen."
.Ich hatte keine Ahnung," sagte kle, und legte impulsiv chre Hand auf seinen Arm, „daß er so arg ist! Das tut mir leid um Jhreswlllen! Er ist ja ent- s«tzNch!"


