llr. 287 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 8. Dezember 1926
Don Äarl Frhr.
v. W e r t rna nn.
Dietzen.
g. Klein-Linden, 7. Dez. Unfer ist in letzter Zeit wiederholt der Schauplatz
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Wie feiner Zelt be< Ländliche Reit >
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Die Maul- und Klauen
s e u ch e ist nun auch in unserem Dorfe aufgetreten. Sie brach unter dem Diehbeftande de- Landwirts Dg. Schmidt aus.
mählich zu ruhmvollem Klang gelangt: seine „F'.ucht" scheint jedoch diesen guten Ruf nicht festigen zu wollen. England ist groß und von
noch Lichtbilder auS der zeigt werden.
• Londorf, 7. Dez. richtet, ist im Herbst der
der jene Halbjahresfrist vor den Präsidentenwahlen beginnt, innerhalb deren der Präsident der Republik lau« Verfassung nicht zur Auflösung der Kammern schreiten Dürfe. Es beginne also eine Periode der Souveränität des Parlamentes. Wenn der Präsident der Republik Gesetze, welche von den Kammern angenommen worden seien, zurück- weise, so könnten diese Gesetze trotz des Widerstandes des Präsidenten durch den blohen Willen des Parlamentes, das aufzulösen der Präsident keine Möglichkeit habe, in Wirksamkeit treten.
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Frankfurter Theater.
2km Reuen Theater wurde
Aus vcn: Amtsverkündigungsblatt.
• DaS Amtsverkündigungsblatt Ar. 98 vom 7. Dezember enthält: Sparkassen- wesen. — Ortssatzung über die Erhebung von Vergnügungssteuer für Tanzbelustigungen in der Gemeinde Röthges. — Maul- und Klauenseuche in Klein-Linden. Staufenberg. Hungen und Treis a. d. Lda. — Bekämpfung der Schnalenplage. — Gemeindewasserleitung Birklar. «— Dienstnach» richten.
Tüchtige Slitern fiierfttmb.f.Suttöid). nu&etb.Ni|ea'iiid- arb. pro Tag 3 M. 3u erst, in b. Geich, des @icr. Aiu. i.Mu
GalSworthys „Flucht" uraufg« ührl.
GalSworthy ist ein Rame, der in Deutschland all-
und Fahrverein Rabenau ins Leben gerufen worden. Bisher setzten sich sein« jungen Mitglieder, die den Reitsport erlernen und pflegen wollen, aus den Orten Londorf, Kessel- b a ch , und hauptsächlich Geilshausen zusammen. Erfreulicherweise haben sich jetzt die jungen Leute von Weitershain auch a.s Mitglieder zum „Ländlichen Ret-- und Fahr-Derein Rabenau" angemeldet; in diesen Tagen ist dort eine „Zungreiterabteilung Weitershain" gegründet worden. Zweimal in der Woche findet Abteilungsreiten statt, und mindestens einmal im Monat ein größerer Geländeritt. Dorträge über Pfxrdehaltung, Pflege und Zucht sind für später geplant, um das Verständnis der jungen Landwirte dafür noch zu erwe t?rn.
I Lauter, 7. Dez. Die Ausschreibung der Drainage zur Feldbereinigung hatte viele Bewerber gefunden. Die Gebote für das Ausheben der Gräben, Rohrlegen utd Zuwerfen lagen alle unter dem Doranfchlag, das geringste Gebot sogar mit 42 Prozent. Den Zuschlag erhielt die Firma Ester-Röthges mit 18 Pfennig pro lfd. Meter. Sie muhte die Verpflichtung übernehmen, die einheimischen Arbeiter bei dem Werk zu beschäftigen. Den Zuschlag für dos Fahren der Rohre erhielten die hiesigen Landwirte mit 40 Pfg. pro Zentner. Die Rohre werden von dem Tonwerk In Lich geliefert.
Galsworthy bis Shaw weit, bei dem Theaterstück „Flucht" ist eS ratsam, die Betonung auf die erste Silbe des Wortes, auf Theater zu legen. Hier handelt es sich in der Tat um nach äußeren Wirkungen zie'endes Theater. Eine Reihe von Episoden baut der Dichter zur Handlung auf. Ein Hauptmann a. D. hat nächtttcher- weise ein tiefes Gespräch mit einer Dirne (wir kennen diese Gespräche nun zur Genüge), ein Detektiv will die Dirne arretieren, dec Held deS Stückes schützt sie, Zweikampf, Kinnhaken, unvorhergesehener Totschlag, da der Deiektiv mit dem Kopf gegen eine Eisenstange schlägt. Der Held bekommt Zuchthaus, der Austakt zur Flucht ist geschaffen, und nun seht ein kinohaltes Geschehen ein. Iln6 es ist nicht immer spannend, wenn auch stellenweise amüsant, was sich in diesem auf die Bühne verpflanzten Wild-West- Film ereignet. Gut ist die Wirtshauss ene, un- ausgenuht bleibt der Schlutz in der Sakristei, zwischen Flüchtling und Pfarrer. Galsworthy wählt hier den recht einfachen Weg der Rührseligkeit; er lätzt den Flüchtling sich selber der ihn verfolgenden irdischen GerichtsamkcU ausliefern — die Flucht ist beendet. D e Regie Mar O p h ü l s gab sich die größte Mühe um die Uraufführung. Sie ließ nach eigenem Ermessen zwischen den Bildern Lautsprecher reden und stempelte so das Ganze noch mehr »um großausgemach'en Kriminalfilm. Die Darstellung war in ihrer Gesamtheit gut, M ttelpunki Karl Günther als Held und Flüchtl'ng die'er tollen Geschichte. Dem Publ kum gefiel d e Flucht, wie lauter Beifall bewies; es amüsierte und interessierte sich aufs lebhafteste. L. W.
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Oberheffen.
Landkreis Wietzen
X Klein-Linden. 7. Dez. Am Sonntag fand in unserer Gemeinde durch eine Anzahl freiwilliger Helfer eine Geldsammlung für das Denkmal zu Ehren der Gefallenen statt. Wie man hört, ist das Ergebnis der Sammlungen sehr zufriedenstellend. Die Beträge können in drei Raten bezahlt werden. Zur Verstärkung des Dau- fonds werden weitere Spenden gern entgegengenommen. Uebrigens dürften sich die Deranfdjlagtcn Baukosten des Ehrenmals wohl etwas ermäßigen, da ein Teil der Arbeiten durch freiwillige Leistungen von Facharbeitern ausgeführt werden soll.
—K lein-Linden. 7. Dez. Gestern wurde die K o ch s ch u l e für die Mädchen- fortbildungsschule durch Rektor M ö n - n i g eröffnet. Es nehmen daran 2d Mädchen auS Klein-Linden und 13 aus Ailendorf a. b. Labn teil. Der Unterricht findet Montags und Samstags vormittags statt. Leiterin des Haushal- tungsunterrichtes ist Fräulein Säubert von
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.Ein Krieg der versäumten Gelegenheiten" — das war der Weltkrieg für die Mittelmächte und ihre Gegner. — Der deutsche General Hoffmann hat feine kritische Geschichte des Weltkrieges unter d esem Kennwort in die Welt geschickt; der Erste Lord der Admiralität Churchill hat d «selbe Bezeichnung für die Kriegführung der All: erten in Anspruch genommen. Aber teerig zahlreich lind die Gelegenheiten gewesen, die sowohl hüben als auch drüben verpatzt wurden. Es sind zumeist andere Gelegenheiten — andere: dec Zeit, dem Orte, dem Anlässe und dem Ziele nach —, dis die einen oder die anderen versäumten. Rur in einem Falle scheint eine bestimmte Gelegenheit ofsensichtlich von beiden Parteien verpatzt worben zU sein. Der Dardanellenfeldzug hatte sie geboten. Die Alliierten haben es damals oerfäumt, durch recht- und gleichzeitige Bereitstellung der erforderlichen maritimen und Landkriegsmittel die Türkei auf die Knie zu zwingen, die noch neutralen Dalkanstaaten auf ihre Seite zu ziehen und die unerläßliche kurze Verbindung zwischen den Wes'.mächten und Rußland h-rzuste!len; sie haben es also versäumt, einen gewaltigen Angriff auf die österreichisch-ungarische Stellung aus dem Sädosten schon damals möglich zu machen, il.nb die Mittelmächte haben das Versäumnis des Gegners auszunühen unterlassen. Der Feldmarschall Conrad von Höhendorfs hat den Angriff auf Serbien und Montenegro bis nach Saloniki führen wollen, um die Bildung einer neuen Südostfront der Feinde ein- für allemal auszuschliehen. Aber General von Falkenhahn versagte sich aus polittschen und militärischen Gründen diesem großen Plane. Aus dem Südosten kam dann im Herbste 1918 der Stoß der Westmächte, der den Zusammenbruch der Mittelmächte einleitete. Für sie bedeutete eben die Dersäumnis einer solchen Gelegenheit die endliche Riederlage oder bestenfalls ein Remis, für die Feinde dagegen nur den Aufschub des immer noch möglichen Sieges.
3m Nachlaß Conrads finden sich die Dokumente, die diese versäumte Gelegenheit illustrieren. Auf der Seite der einstigen Gegner hat nunmehr Winston S. Churchill (in dem in deutscher Sprache bei K. F. Köhler in Leipzig erscheinenden zweiten Bande seines Erinnerungswerkes »Weltkrisis") die Driege ausgebre.tet.
Wenn der kühle Engländer von dieser versäumten Gelegenheit spricht, dann erhebt sich seine Sprache zu einer fast südländischen Leidenschaftlichkeit. DaS kann nicht wundernehmen! Diese versäumte Gelegenheit war sein eignes Schicksal geworden und hatte dem Ansehen des britischen 3mperiums im Oriente einen Schlag versetzt, von dem sich das Reich nur schwer erholen konnte.
Die ersten Erfolge des englisch-französischen Flottenangriffs aus die Dardanellen — die Riederkämpfung der äußeren Fvists Ende Februar des Jahres 1915 — hatten den Balkan förmlich elektrisiert. Bulgarien wechselte damals deutlich wahrnehmbar seine Haltung. General Pa g et, der sich als Führer einer außerordentlichen Gesandtschaft in Sofia befand, drahtete an Lord Kitchener, daß et auf Grund einer Audienz beim König zur Ueberzeugung gelangt fei, „das Dardanellen unternehmen habe einen so tiefen Eindruck gemacht, datz die Möglichkeit eines Angriffs Bulgariens auf einen Dalkansta t, der sich der Entente anaefchlosfen habe, aller Voraussicht nach nicht mehr bestünde, daß vielmehr Grund zur Annahme vorhanden sei, daß das bulgarische Heer m Kürze gegen d i e Türkei marschieren würde, um an der Unternehmung gegen die Dardanellen teilzunehmen". Auch Rumänien beobachtete von da ab wachsam und wohlwollend den weiteren Verlaus der Dinge. Rutz- land, das ursprünglich nur tausend Kosaken für
ihres Vetters Karl Gustav von Pfalz-Zweibrücken, den die Reichsstände ihrem Wunsch gemäß 1649 zu ihrem dereinstigen Rachfolger bestimmten. 3m Laufe der Fahre entwickelte sich am Hofe eine üble Günstlingswirtschaft; Unwürdige wurden ausgezeichnet und die alten Minister vernachlässigt. Zur Förderung einer ihr von ihrem französischen Leibarzt empfohlenen „fröhlicheren Lebensweise" sollten aus 3talien herbeigerufene Sänger und Komödianten beitragen. Für solch« Dinge, namentlich aber für Geschenke an ihre Günstlinge, verschwendete Christine so große Summen, daß in ihrer Kasse meist Ebbe war, und sogar das Silbergeschirr versetzt werden mußte. Don ihrem Stat Halter in Pommern ließ sie sich 50 000 Taler schenken, außerdem borgte sie 200 000 Taler zusammen, die sie nie zurück- zahlte.
Als ihr die Schulden über den Kops wuchsen und auch die inneren Verhältnisse des Landes immer schwieriger wurden, beschloß Christine 1654, nachdem Oxenstterna sie drei Fahre zuvor nur mit Mühe von dem Gedanken abgebracht hatte, endgültig dem Thron zu entsagen. Am 17. 3uni 1654 verließ sie ihr Daterland, und nun begann ihr abenteuerlicher Zug durch Europa. Rachdem sie kurz zuvor in (Innsbruck öffentlich zum Katholizismus übergetreten war, au dem sie sich feil ihrer Fügend hingezogen fühlte, wurde ihr am 21. Dezember 1655 in Rom vom Papst Alexander VII. ein glänzender Empfang bereitet Fn einem Amazvnenlleid«, nach Männerart zu Pferde sitzend, von 300 prachtvoll gekleideten Reitern umgeben, zog sie in die ewige Stadt ein.
Aber ihr unruhiger Geist ließ sich hier nicht lange festhalten; im Sommer 1656 ging sie nach Paris, wo Ludwig XIV. sie ehrenvoll empfing.
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Prager Brief.
Don unseren: p.-Korrespondenten.
Prag, Dezember 1926.
Das Abgeordnetenhaus hat den Staatsvoranschlag für 1927 mit einer starken Mehrheit angenommen. Für den Loranschlog stimmten die tschechischen und deutschen Rechtsparteien einschließlich der slowakischen klerikalen Volks- partei, deren Eintritt in die Regierungsmehrheit sich nunmehr vollzogen hat und deren Eintritt in das Kabinett nach Erledigung des Staatsvoranschlages durch den Senat vor sich gehen dürfte. Außer diesem Regierungsblock sprachen sich für den Staats- Voranschlag (mit Ausnahme des Kultusetats) auch die tschechischen Rationalfozialisten aus. Für eine Anzahl von Kapiteln schließlich auch Vie tschechischen Sozialdemokraten. Diese sozialistischen Parteien wollten durch ihre Haltung den besonderen Charakter ihrer „staatsbildenden Opposition" bekunden. Zweifellos bedeutet die starke Mehrheit, die sich für den Staatsoorarrichlaa zufammenfand, einen taktischen Erfolg des Ministerpräsidenten S v e h l a. Fn einer Kundgebung an das slowakische Volk rechtfertigt die slowakische Volkspartei ihren Eintritt in die Regierungsmehrheit Die gegenwärtige bürgerliche Regierung hätte den Zweck, die Fehler des bisherigen Regimes, das unter sozialistischem Einfluß gestanden habe, wieder wett^umachen. Die Kundgebung oer- harrt auf dem Prinzip des Pittsburger Vertrages und stellt die Landesautonomie der Slowakei in Aussicht, als einen ersten ernftßaften Schritt zur Verwirklichung des Autonomieprogramms der Partei. Zunächst wird der slowakischen Dolksportei das bevollmächtigte Ministerium für die Slowakei zugewiefen werden. Als Zwifchenorgan iwifchen dem Ministerium und den Gauoertretungen oll aber "ein Gauverband geschaffen werden, an eren Spike ein slowakischer Agrar,er treten soll.
9m Abgeordnetenhaus wurde seitens verschiedener sudetendeutscher Abgeordneter auf die andauernde Unterdrückung des fubeten- deutschen Schulwe-fens hingewiesen. Aus tschechischer Seite fei demgegenüber ein Ausbau des Schulwesens mit gegen 17 000 Volks- und über 500 Bürgerschulen zu verzeichnen. Die tschechischen Min- derheitsschulen würden zum großen Teil von deutschen Kindern besucht. Durchschnittlich kämen auf eine derartige Schule bloß 7 tschechische Kinder, aber auch diese Zahl werde nicht einmal überall erreicht. Die Minderheitsfchulen dienten in erster Linie Tfchechisierungszwecken. 9m Fahre 1925 seien gegen 8000 deutsche Kinder genötigt gewesen, tschechische Schulen zu besuchen, eine Anzahl, die 130 deutschen Schulklassen entspreche. 9m ganzen gäbe es 2000 arbeitslose sudetendeutsche Lehrer. Diese Aeußerungen verschiedener Parlamentarier, sind im Anschluß an die letzten Erklärungen des lln- terrichtsministers Hodza über die kulturelle Autonomie dahin zu ergänzen, daß laut offiziösen Pressekommentaren die Verwirklichung einer kulturellen Autonomie auf breiter Grund- laae nicht ins Auge gefaßt, sondern lediglich beab- sichtigt ist, die Bezirks- und Landesschulausschüste auf Grund der Ergebnisse der letzten Parlamentvwahlen auszubauen, daß allen Parteien, auch denen der Minderheiten, das volle Vertretungsrecht und so die Basis für eine Einflußnahme auf die Schulverwaltung Hugeftanden werde.
Präsident M a f a r g f erklärte in einem 9nter- view einem Vertreter der „Deutschen Presse" (christ- lichfozial), er sei prinzipiell vom demokratischen Standpunkt aus fürdie Autonomie neben der natürlichen Zentralisation, die das moderne Staatswesen bedeute. Die in der Tschechoslowakei bevor- stehende konsequente Durchführung der Gauverfas- fung werde auf allen Gebieten der Verwaltung eine gemiffe Autonomisierung bringen. Auf kulturellem Gebiete könne und müsse jedes gebildete und selbst- bewußte Volk i e I b ft ä n b i g an feiner Vervollkommnung arbeiten. Zur Frage der Abkürzung der Militärdienstzeit erklärte der Präsident, persönlich f ü r diese Abkürzung zu fein. Der lieber« gang von der ißmonatigcn Dienstzeit auf 14 oder 12 Monate erfordere auch aus wirtschaftlichen Gründen (Arbeitslosenfrage), gewiße Vorbereitungen. Masaryk erklärte sich ferner für die Trennung von Staat und Kirche, ohne sog. Kulturkampf.
9ustizminister Mayr-Harting (deutsche christlich-soziale Partei) erklärte in einem 9nteroiew für die offiziös; „Prager Presse", daß der Versuch einer neuen Politik, der sich in dem Eintritt der Deutschen in die Regierung ausdrücke, erst dann zu einem Erfolge werden könne, wenn eine wirkliche Annäh etzrung der breiten Schichten der Bevölkerung plahgegrisfen habe. Zu diesem Zwecke müße man sich beiderseits vorsichtiger Zurückhaltung befleißigen, die Tschechen müßten die bisherigen Methoden der Politik aufgeben, die Sudetendeutschen aber ihre Erwartungen für die nächste Zeit auf ein möglichst bescheidenes Maß herabschrauben.
Einige rechtsstehende Organe haben in dieser Woche darauf hingewiefen, daß mit dem 27. Rovem-
Dei einem zweiten Besuch (1657) erregte sie dadurch starkes Mißfallen, daß sie in Fontainebleau aus eigener Machtvollkommenheit ißren Oberstallmeister Monaldeschi wegen angeblichen Hochverrats hinrichten l.eß, uni) man war froh, als sie endlich w eder nach Ftalien abzog. 2n Rom erhielt sie plötzlich die Rachricht vorn Tode ihres Rachfolgers Karl Gustav, der nur einen vierjährigen kränklichen Sohn hinterlassen hatte. Sie begab sich daraufhin im Februar 1660 nach Stockholm, um Ansprüche aus den Thron geltend zu machen, wurde jedoch abgewiesen und zur Unterzeichnung einer Entsagungsakte gezwungen.
1667 tarn sie noch einmal nach Schweden, weil sie die Hoffnung mxh keineswegs aufgegeben hatte, wieder in den Besitz der Krone zu gelangen. Als sie erfuhr, daß ihr die orfent- liche Ausübung ihrer R Iig vn verboten werden solle, kehrte sie, ohne Stockholm erreicht zu haben, wieder um und ging zunächst nach Hamburg. Seit 1669 lebte Christine wieder In Rom, wo sie sich mit Künsten und W ssenschasten beschäftigte und eine Akademie begründete.
Tas reich bewegte Leben dieser merkwürdigen Frau endete am 9. April 1689. Fhre Leiche wurde mit großem Pomp in der Peterskirche beigefetzt, und ihr vom Papst ein kostbares Monument errichtet.
den Balkan verfügbar machen konnte, bot nunmehr zur Ser volle Uitcrftü^ung an und begann, ein Armeekorps unter Generl Fstvmine bei Datum zufammenzuziehen. um bei dem. wie es annahm, nahe bevorstehenden Fall Konstantinopels miteinrücken zu können. Am 2. März drahtete der englische Gesandte in Dckarest, datz ihm der rumänische Ministerpräsident gesagt habe, er gelange immer mehr zur Uebcrjcugung, datz Ftalien „sich bald rühren werde".
Besonders wichtig war die Wirkung auf Griechenland. Aus einem Telegramm des brittschen Militärattaches in Olt^e“ vom 3. März war zu erkennen, daß der griechische Generalstab eine Hnterftütjung des Angriffs zur Dee durch eine Landoperation für not g erachtete und die Ausschiffung von vier bis fünf gr echischen Divisionen am äußersten Eüdendc der Halbinsel vorbereitete, die gegen die Höhen östlich von Maidos Vorgehen sollten. England hatte damit damals zur Verfügung oder unterwegs nicht nur das australische Armeekorps und alle weiteren Truppen in Aegypten, die königliche Marin edivif.vn und eine französische Division, sondern mindestens auch drei griechische Divisionen und ein russisches Armeekorps, das sich bei Datum sammelte. Man durste also hosten, die Gallipolihalbinse! und Konstantinopel noch im Avril zu nehmen, wenn albe gerannten Streitkräfte sogleich planmätz g eingesetzt wurden. Dahinter lagen Bulgarien und Rumänien, die entschlossen waren, dem Falle Konstantinopels und Zusammenbruche der Türkei nicht untätig zuzusehen.
Rußland — von seinen Verbündeten abgeschlossen, stark unter Munitionsmangel leidend — Rußland war es Vorbehalten, diese einen großen, ja vielleicht den entscheidenden Erfolg versprechende Kraftentfaltung zu zerstören. Am 3. März teilte das russische Auswärtige Amt dem englischen Botschafter mit, daß „die russische Regierung sich mit der Beteiligung Griechenlands an dem Dardanellenunternehmen nicht einverstanden erklären könne, da mit Sicherheit hieraus Schwierigkeiten erwachsen würden. ..." „Der Kaiser", fügte Sazonofs hinzu, „habe anläßlich seines Vortrages gestern erklärt, er könne unter keinen Umständen mit Griechenland vor den Dardanellen zusammengehen".
„Das war hart", ruft hier Churchill aus. „Gab es denn keine Hand, die ein M netekel an die Wand schrieb, keinen Gest seiner Vorfahren, der diesem unglücklichen Fürsten den Untergang seines Hauses, das Verderben seines Volkes — die blutige Kellerszene in Jekaterinburg vvraus- sagte?"
3n Athen tat her russische Gesandte auf Befehl seiner Regierung, was er konnte, um den Anschluß Griechenlands zu hintertre.ben. 3m besonderen wurde dem Stönig von Griechenland bedeutet, datz man es unter keinen Umständen dulden würde, datz er mit seinen Truppen in Konstantinopel einrückte. Man war jedoch mit der Deteilgung einer griechischen Division einverstanden, „das hat den Vorteil, datz der König nicht in eigener Person ins Feld rücken kann . Kann es da wundernehmen, daß König Konstanttn sich zurückgestotzen fühlte und in seiner ursprünglichen neutralen Haltung verharrte?
Arn Morgen des 7. ging aus Athen das folgende lakonische Telegramm in London ein: „Der König hat Denizelos' Vorsch'äge nicht gebilligt Das Kabinett ist" zurückge.reien."
Die Westmächte erhielten nicht die unter kränkenden Vorwänden eingeschränkte griechische SyCe. Es kam zu dem mit ungenügenden, sukzessive eingesetzten Kräften geführten Dardanellenscld- zug der Alliierten, der — scheitern mußte. Das englisch-französische Landungsheer verl eß nach Monaten eines opfervollen Ringens die Halbinsel Gallipoli und baute die Salon'kifront aus. Der große Krieg ging weiter — noch drei Fahre lang.
Schicksalstage des Weltkrieges.
Die versäumten Gelegenheiten im Dardanellenfe^dzug Aus den Memoiren Churchills.
AG welcher nm TVrettan abend iwlichenSund 7 ühr rin Pakct auS dem Aato vor dem „Wti'dxn Hoi", ibaüBbofitr., berauSnenommell hat ift ertann:, unö wird ardneo, dasselbe argen gnle«e- lobnunn >m „ abiibieDerL_J^
Christine von Schweden.
Zn Ihrem Z00. Geburtstage.
Don Ernst Edgar R e i rn 6 r d e S.
Trotz mancher Fehler und Schwächen ist Königin Christine en? bebe :t en fr? Frau gewesen. Wan bat sie häufig mit Elisabeth von Englaick) verglichen, nur war „die jungfräuliche Königin" keine fchöngeistige Phantastin, sondern durchaus dem Realen -ugewandt. — Die Tochter Gustav Adolfs und Marte Eleonorens von Brandenburg erhielt auf Wunsch ihres DaterS eine männliche Erziehung Hochbegabt, las Christine bereits mit 18 Fahren Polybius und Thukydides im Urtett, sprach italienisch und französisch wie ihre Muttersprache, lateinisch und deutsch ziemlich korrekt, studierte Plato und Tacitus und übertraf an Scharfsinn manchen Philologen von Berus. Durch Ofenßiema in die Politik eingefüprt, beschäftigte sich Christine schon als Vierzehnjährige mit Re- gierungSgcschästen, und zwei Jahre später fiel im Staatsrat keine Entscheidung, bevor man ihre Ansicht gehört hatte.
Rachdem sie 1644 die Regierung angetceten batte, widmete sich Christine im Anfang mit Eifer den Staatsgeschäften; aber aus die Dauer fand chr lebhafter Geist keine Befriedigung in der Potttck- Bei weitem stärker fesselten sie Künste und Wissenschaften. Sie wollte aus ihrer Hauptstadt ein Zweites Athen machrn und berief bedeutende Gelehrte, wie Descartes, Dochart, Foffius, Meibom usw. an ihren Hos.
Obwohl Christine, ebenso w.e Elisabeth, eine Schwäche für Die Männer hatte, lehnte sie, um ihre Unabhängigkeit nicht zu verlieren, alle Bewerbungen um ihre Hand ab, darunter auch die
Derkehrsunfällen gewesen, da der überaus starke ÄrafttoagenDerfebr durch die belebtesten Dorfstraßen gehen mutz. Glück im 11 n- glück hatte heute nachmittag gegen 3 Uhr ein Motorradfahrer aus Allcndorf a. d. L. Dieser war im Hofe des Hauses Wetzlarer, Straße 77 auf die Maschine ausgestiegen, statt, auf der Straße, und beim Hinausfahren fuhr er in ein aus Gießen kommendes, von vier Personen besetztes Auto. Durch schnrelles Herumreißen der Steuerung tonnte der Chauffeur de- Autos größeres Unglück verhüten, so daß es nur einen Zusammenstoß gab. dem allerdings das neue Motorrad des Besitzers zum Opfer siel. Das Auto hatke^ Signal gegeben, das der Motorradfahrer, deA Ohrenschüher trug, im Hofe nicht gehört hatte. Er kam mit dem Schrecken und Schaden davon.
[£) Lollar, 7. Dez. Am Samstag trat die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur mit ihrer zweiten Veranstaltung in diesem Winter in die Ocffent- lichkeit. Es wurde ein einzigartiger Sport- und Spielfilm vorgeführt. RachmittagS wurde er den älteren Schulkindern von hier und den Rachbarorten gezeigt. Die Vorführung am Abend, die für Erwachsene bestimmt war, hatte besonders aus Turn- und Sportkreisen regen Besuch aufzuweisen.
t TreiS a. d. Lda., 6. Dey. Der hiesige Kriegerverein „Germania" hielt gestern nachmittag bet Kamerad Wirt Becker eine gut besuchte Vierteljahrsversammlung ab. Rach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde befd)[offen, im neuen Fahr einen Familienabend bei Kamerad Will abzuhalten, zu dem ein Dereinsredner der „Haffia" um ciren Vortrag gebeten werden soll. Außerdem sollen


