Ausgabe 
8.10.1926
 
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Nr. 256 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Zrettag, 8. Oktober 1926

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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General-Anzeiger für Oberhesfen

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Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i.Vertr. H.Bcck, sämtlich in Dießen.

Vie yeutschnationalen zur Politik von Choirq.

In einem Brief an den Herausgeber der Tägl. Rundschau", den Abg. Rippler, gibt der deutschnationale Reichstagsabgeordnete und ehe­malige Parteivorsitzende Exzellenz Hergt ein klares Resums seiner Hofer Rede, aus dem fol­gende Absätze besondere Beachtung verdienen:

Meine Kritik von Genf und Thoiry lief dann darauf hinaus, daß ich Realitäten vermissen müsse und die übertriebenen Erfolgsdarstellungen be­dauere: ich habe aber vorausgeschickt, daß auch wir Deutschnationale bei objektiver Würdigung der Ereignisse folgendes anerkennen mühten:

einmal, daß sich der Einttitt Deutschlands in den Völkerbund unter einer klugen und packenden Rede Dr. Stresemanns würdig vollzogen habe,

ferner, daß es ein moralischer Erfolg für Deutschland sei, wenn seine Gegner, die zunächst auch bezüglich des Völkerbundes sich nur vom Widerwillen gegen Deutschland hätten leiten lassen, inzwischen sich zu solchem Drängen auf den deutschen Eintritt hätten verstehen müssen,

daß ein weiterer, bedeutsamer Erfolg in der Haltung der Neutralen und aller der Staaten läge, die Deutschlands Eintritt wie eine Erlösung betrachtet hätten,

daß endlich Genf und Thoiry für die künftige deutsche Außenpolitik gewiß Möglichkeiten dar- böten, wenn diese nur im weiteren Vorlauf von deutscher Seite richtig ausgenutzt und in Reali­täten umgewandelt würden, und daß die Kon» ftellation der Staatengruppen innerhalb des Völ­kerbundes selbst, bei der sich schon starke Ver­änderungen gegenüber der früheren Struktur her­ausgestellt hätten, Deutschland vor bedeutsame Aufgaben der Zukunft stelle.

Im zweiten Teile der Rede habe ich dann erklärt:

Wenn so eine scharfe Kritik zu den Genfer Ereignissen notwendig sei und wir Deutsch- nationalen sie uns nicht nehmen lassen dürf­ten, so dürfe doch solche Kritik nicht zum Selbstzweck werden: man dürfe sie, die viel­leicht die bestehenden Gegensätze im Volke nur noch vertiefen würde, nicht verewigen: die Deutschnationalen dürfen für ihre Politik keinen Stillstand, sondern nur ein Vorwärts kennen und müßten sich folgendes vergegenwärtigen:

1. Locarno und Genf hätten von ihnen nicht verhindert werden können: die Tatsache be­stehe, daß Deutschland im Völkerbund sei und dort zu arbeiten habe: auch die Deutschnationalen müßten um des deutschen Gesamtinteresses willen auf dieser Basis das Bestmögliche herauszuholen suchen und demgemäß mitarbeiten.

2. Allein komme Deutschland in der Außen­politik nicht voran: man müsse mit den Auslandalliierten einerseits, Amerika an­dererseits paltieren, und auch die Deutsch- nationalen müßten sich zur Verständigung, insbesondere mit Frankreich, bereit er­klären, vorausgesetzt nur, daß bei solcher Verständigung die Le^eneintereisen Deutsch­lands und die Würde gewahrt werden:

3. Innenpolitisch habe die Deutschnationale Volkspartei gesehen, daß sie bis auf wei­teres allein gleichfalls nicht zu dem er­wünschten Erfolge komme: man müsse sich also mit den Rachbarpartcien verständigen, und daraus folge zugleich, daß Brüskie­rungen zu unterbleiben hätten und man den Weg zueinander nicht durch Richt- verstehenwollen verbaue:

4. Weiteste Kreise des Volkes, vor allem auch die vaterländischen Verbände, feien deS Parteihaders satt: die Parteien hätten selbst das größte Interesse daran, den Ein­druck der Einseitigkeit und des Partei­egoismus zu beseitigen.

Aus diesen Ges.chtspunlten heraus sei in Köln Dom Deutschnattonalen Parteitage die Ver- ständigungs- und Reg.eruugZbereitschaft, zugleich aber auch die Bereitwilligkeit, auf dem Boden der v. Gahl-Iarresschen Arbeitsgemeinschaft zu treten, verkündet worden. Das sei jetzt die Pa­role für jeden deutschnattonalen Redner. Richt um eine unwürdige Anbiederung den Mittelparteien gegenüber handele es sich, sondern die Deutsch- nationalen erklärten kraft ihrer Verantwortung vor dem deutschen Volke diesem gegenüber, wie sie zur positiven Mitarbeit entschlossen wären und auf Grund der starken und lebendigen Kräfte, die hinter der Partei stünden, eine dementsprechende Regierungsbeteiligung verlangten.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages.

Berlin, 7. Ott. (Wolff.) Der Auswär­tige Ausschuß des Reichstages trat heute un­ter dem Vorsitz des Abg. Hergt (Dn.) zu einer Sitzung zusammen. Zur Verhandlung standen der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, die Verhandlungen Dr. Strese­manns in Thoiry und die Vorgänge in Germersheim. Von der Reichsregierung wohnten den Verhandlungen außer Rcichsaußen- minister S t r e s e m a n n , Innenminister Dr. Külz, Reichswirtschastsminister Dr. Cur- ti u s, und Reichs ernährungsminister Has - linde bei. Vom Auswärtigen Amt waren noch Staatssekretär Dr. Schubert und Ministerial- direttor Gaus erschienen. Die Mitglieder des Ausschusses waren fast vollständig erschinen, ebenso die Vertreter der Länder. Rach einleiten­den Worten des Vorsitzenden des Ausschusses er-

Noch keine Entscheidung im Fall Seeckt.

Des Reichskanzlers Rückkehr. - Empfänge beim Reichspräsidenten.

Berlin, 7. Oft. (VDZ.) Reichskanzler Dr. Marx, der heute nachmittag in Berlin eingetroffen ist, hat bisher noch keine Besprechung mit dem Reichspräsident en gehabt. Auch ist bis zur Stunde ein Termin für eine solche Besprechung noch nicht vereinbart worden. Die Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des Generalobersten von Seeckt dürfte also frühestens morgen zu erwarten sein. Der Herr Reichspräsident empfing im Laufe des Tages Herrn v. S e e ck t und später den Reichswehr­minister Dr. G e h l e r. Die beiden Empfänge führen mehrere Blätter auf einen Versuch des Reichspräsi­denten zurück, den Konflikt zwischen dem Minister und dem Chef der Heeresleitung gütlich beizu­legen. Wie das geschehen könnte und ob dieser Versuch Erfolg gehabt hat, ist nicht bekannt. Jeden­falls sei eine Lösung, die den Rücktritt Dr. Geßlers nach sich ziehen mußte, undenkbar, da ein solcher Rücktritt unmöglich ohne Rückwirkung auf das Ge­samtkabinett bleiben könnte. Freitag vormittag wird sich der Reichspräsident mit dem Reichskanzler besprechen und im Anschluß daran dürfte dann die Entscheidung über das Abschiedsgesuch des Chefs der Heeresleitung fallen.

Wenn von gewisser Seite ein Zusammen­hang der gegenwärtigen Vorgänge mit den For­derungen der früheren Interalliierten Militär - Kontrollkommission kon­struiert wird, so ist das, wie die Blätter erfahren, abwegig. Die Stellung Seeckts dem Auslande gegenüber ist im Rovember 1925 endgültig geregelt worden. Die im Jahre 1926 ein­gelaufene Rote der Kontrollkommission befaßte sich mit der Stellung des Generalinspek- tvrs der deutschen Armee. Sie ging von der irrigen Auffassung aus, daß eine Verordnung von 1919 in dieser Frage noch in Kraft sei. Diese war aber aufgehoben, nachdem Seeckt schon eine Zeitlang sein Amt als Ehef der Heeres­leitung geführt hatte. Die Rote war auch in diesem Sinne beantwortet worden. Die Rach- richt, wonach das Reichswehrministerium die An­gelegenheit Münsingen dementiert habe, und daß dieses Dementi falsch gewesen sei, ist, wie die Blätter erfahren, nicht zutreffend. Am Montag vor acht Tagen war die Angelegenheit von den Zeitungen aufgegriffen worden, und der Kom­mandeur des 9. Regiments hatte zugegeben, daß der Prinz als Manövergast in Mün­singen gewesen sei. Der Reichswehrminister hat davon aus der Presse erfahren und sich an den Generalobersten v. Seeckt gewandt, und dieser hatte mitgeteilt, er selbst habe ge­stattet, daß der Prinz an den Hebungen der Reichswehr in Münsmgen teilnehme. Darin lag ein Verstoß gegen einen Artikel des Versailler Vertrages und gegen das Dienstreglement.

Zeitungsschau.

Der von seinem Posten als Chef der Heresleitung sck)eidende Generalober st von Seeckt findet auch in der Presse der Linken eine Würdi­gung, die die großen Verdienste des Generals um die Schaffung der Reichswehr sowohl, wie seine her­vorragende Persönlichkeit unumwunden anerkennen. So schreibt Theodor Woff imBerliner T a g e- b l a 11":Für die Persönlichkeit des Generals von Seeckt empfand und empfindet eine besondere Sympathie auch mancher, der in der Beurteilung militärischer Erscheinungen mehr zum Skeptismus als zur Verhimmelung neigt. Herr v. Seeckt, nach außen hin kalt, fast starr mit seinem Monokel, fast unbewegte Statue, abweisend und unnahbar, ge­wann in der nichtdienstlichen Unterhaltung diejeni­gen, mit denen er sprach, durch eine zwanglose, feine und ritterliche Liebenswürdigkeit. Immer blieb jener Eindruck, der sich am besten durch das WortGentle­man" wiedergeben läßt. Immer auch der Gedanke, daß ebenso wie diese Ehrenmannsgesinnung über­legende Klugheit und autoritäres Selbstbewußtsein Herrn v. Seeckt verhindern dürften, jemals umstürz­lerische Unternehmungen zu fördern ober sich in den Dienst einer in den alten Glanz zurückstrebenden Fürstenfamilie zu stellen. Er hatte, mit der in glän­zenden Kriegsvperativnen erprobten Befehlsgeste, die Kappiruppen, die Prätorianer der Lüttwitz und Ehrhardt, zum Abmarsch aus Berlin bewogen, und er hat, wenn später die Dandenverschwörer mit heimlichen Winken an ihn herantraten und ihm, wie die Hexen dem Macbeth, Ruhm und Größe vorgau- Felten, stets das gleiche geringschätzige Achselzucken gehabt. Er hat im Gerichtssaale mit schneidender Schärfe erklärt, daß er den Aufruhr von rechts ebenso wie den von links zusammenschießen lassen würde, und zweifellos hätte er bei jeder offenen Re­volte den Staat verteidigt, loyal und energisch seine Pflicht getan. Ihm fiel die für einen Heereschef pein­liche Aufgabe, die Verkleinerung, den Abbau des Heeres und die vom Sieger vorgeschriebenen Ent- mafsnungsmaßregeln durchzuführen, und wenn man von der freilich sehr trüben Geschichte der Schwar­zen Reichswehr absieht, muß man zugeben, daß er mit Umsicht und ruhiger Sachlichkeit auch diese Ar­beit vollbracht hat, die vielleicht noch mehr als eine

griff sofort Reichsauhenminister Dr. Stresemann das Wort, um über die Verhandlungen in Genf und Paris zu berichten. Die damit zusammen­hängenden Spezialfragen sollen nach Mitteilung des Ministers nur gründlich erörtert werden, wenn die Vorberettung in dieser Hinsicht durch Fortsetzung der schwebenden Verhandlungen wei­ter fortgeschritten sein wird, was voraussichtlich in kürzester Frist der Fall sein werde. Es wurde

Heeresvermehrung die Hand und den Blick des Or­ganisators verlangt. Für all das schuldet das re­publikanische Deutschland ihm Dank."

DieFrankfurter Zeitung" schreibt: Cs ist sehr zu bedauern, daß Herr von Seeckt aus einem solchen Anlasse zu seinem Abschieds­gesuche gezwungen wurde. Man hätte wünschen mögen, daß dem hervorragenden Manne ein anderer Abgang beschieden wäre. Die militä­rischen Leistungen des Generals im Weltkriege und seine große organisatorische Tätigkeit an der Spitze des kleinen Reichsheeres, das er ganz neu aufzubauen hatte, zeigten einen Führer von glänzender Begabung. ttns berührt in diesem Augenblick mehr die Frage, wie Seeckt sich in den sechs Jahren, wo er oberster militärischer Ratgeber der Deutschen Republik war, dieser gegenüber verhalten hat. Für einen überzeugten Republikaner hat ihn noch niemand erklärt und er hat sich wohl selbst nicht als Demokraten be­trachtet. Aber seine starke Intelligenz, die auch die politischen Verhältnisse übersieht und die des Herrn Ludendorff so weit übertrifft, sagte ihm, daß es mit der Monarchie und der Hohenzollern- Dynastie jedenfalls in der vor ihm liegenden Epoche nichts sei, und danach hat er sich ein­gerichtet. Es war natürlich, daß er viel bearg­wöhnt wurde, aber rückblickend möchten wir glauben, daß er das Bestreben hatte, sich loyal gegen die Verfassung zu zeigen. Im ganzen dürfte seine Meinung zutreffend durch die ihm zugeschriebenen Worte charakterisiert sein:Den Staatsstreich kann nur einer machen, und das bin ich, ich aber bin nicht dumm genug, um ihn zu machen."

Von den Blättern der Rechten schreibt die D. AZ.: Man glaubt annehmen zu müssen anders wird Seeckts Entschluß nicht gedeutet, daß der Generaloberst um die vorübergehende Einstellung des Kronprinzensohnes gewußt hat. Riemand begreift, wie der große Politiker der Vorsicht und der Klugheit, als der sich Seeckt stets bewährt hat, in die fatale Angelegenheit verwickelt werden konnte. Er dürste eben dem Ganzen gar nicht die Bedeutung beigemesfen haben, die von der Linken aus parteitaktischen Rücksichten in sie hineingelegt wurde. Durch die Verquickung mit der großen Politik aber wurde die Affäre des kleinen Prinzen zu einer Staats­aktion, die dem obersten Befehlshaber der Reichswehr, da die polittschen Instanzen sie nicht decken konnten, zur Preisgabe seines von den gleichen polittschen Instanzen gegen die immer erneuten Vorstöße der Entente bis heute ver­teidigten und durchgehaltenen Postens zwang. Man begreift die Haltung des Reichswehr- Ministers und bedauert doch allgemein, außer in den Kreisen, die nicht nur Seeckts, sondern auch Geßlers Sturz erstreben, daß er sich von dem langjährigen Mitarbeiter trennen muß, dessen Verdiensten erst eine spätere Wertung voll ge­recht werden kann.

Bemerkenswert sind schließlich auch die folgen­den Ausführungen des der Deutschen Volkspartei nahestehendenDarmstädter Tageblatts". Es schreibt: Es ist höchst bedauerlich, daß sich aus dieser höchst belanglosen Affäre eine hochpolitische Ange­legenheit entwickelt hat. General von Seeckt hat unzweifelhaft einen Mißgriff getan und sich zu einer unklugen Handlung verleiten lassen, deren Tragweite er sich anscheinend gar nicht bewußt war. Recht eigenartig berührt es allerdings, daß d i e Familie d es ehemaligen Kronprin­zen, obwohl sie allen Grund hat, sich Zurückhal­tung aufzuerlegen, jetzt einem ihrer Angehörigen gestattete, Dienst in der Reichswehr zu tun, dazu unter Umständen, die, wenn sie bekannt wurden, recht peinliche Folgen haben mußten. Diese Folgen sind nun eingetreten. Sie haben zu einem Konflikt zwischen Dr. Gehler und Generaloberst v. Seeckt geführt. Sie haben zwei Männer auseinander ge­bracht, die beide sich um den Aufbau unseres Reichs­heeres die größten Verdienste erworben haben und gipfeln nun in dem Abschiedsgesuch Seeckts.

Jubel in Paris.

Die französische Presse zum Rücktritt Seeckts.

Paris, 8. Ott. (TTl.) Das Demissions­gesuch des Generals von Seeckt wird natürlich hier als sensationelles Ereignis behandelt. Die Kommentare der Links- und Rechtspresse betonen die hervorragenden Leistungen des Generals in bezug auf die Organisation der deutschen Reichs­wehr und die Schwierigkeiten, die er den Alli­ierten in der Entwaffnungsfrage in den Weg zu legen verstanden habe. Seeckts Rücktritt wird naturgemäß von der französischen Presse mit großer Befriedigung begrüß t. Man erklärt, daß derselbe einen Vorteil für die end­gültige Durchführung der Entwasfnungsklausel des Versailler Verfolges bedeute. Die offiziell bekanntgegebenen Gründe seines Rücktritts wer-

daraufhin eine besonder eSitzung desAus- schusses für die zweite Halste des Monats in Aussicht genommen. An die Rede des Reichs­ministers des Auswärttgen schloß sich eine län­gere Aussprache. Rach mehrstündiger Beratung an der sich die Dertteter aller Parteien betei- ligten, vertagte sich der Ausschuß auf Freitag mittag zur Besprechung der Germersheimer Vor­fall«. I

den angezweifelt. Man vermutet vielmehr, in dem Rücktritt ein Arrangement, das die Durchführung der von Stresemann in Thoiry eingeleiteten Verhandlungen erleichtern feil. Gleichzeitig drückt man die Befürchtung aus. daß Seeckt nur durch die eine Tür hinausgehe, um durch die andere wieder zurück- zukehren. Es fehlt auch nicht an Wünschen, den Reichspräs identen von Hinden­burg in die Affäre verwickelt zu sehen. Der Temps" betont, daß der Rücktritt des Ge­nerals auf alle Fälle eine Wendung in der Ge­schichte der deuttchen Republik bedeute. General von Seeckt habe einen Staat im Staate dargestellt, und Seeckt sei auf seinem Posten als technischer Ratgeber das Herz der Ar­mee und der Schöpfer der neuen deutschen Militärn:acht gewesen. Reichswehrminister Dr. Geßler habe nur die Deckung für das Werk der militärischen Organisation g.bildet, die Seeckt mit seiner seltenen Energie durchgusühren ver­standen habe.

General Reinhard, der als möglicher Rachfolger Seeckts genannt wird, wird als der beste Republikaner unter den deutschen Gene­ralen bezeichnet. 3n Pariser diplomatischen Kreisen entwickelt man aus leicht verständlichen Gründen die Ansicht, daß dem Rücktritt des Generals von Seeckt keine besondere außenpoli­tische Bedeutung beizumessen sei. Es handele sich eher um eine innerpolitische deutsche Angelegen­heit. Vor Thoiry und vor einem Jahre hätte der Rücktritt des Generals von Seeckt einen ganz anderen Wert gehabt. Jetzt hätte die Persön­lichkeit des Oberbefehlshabers der Reichswehr nicht mehr die frühere Bedeutung.

Sauerwein kommt imM a t i n zu dem seltsamen Schluß, daß die Demission sowohl Seeckts als auch Severings, die deutsche Regierung von zwei Persönlichkeiten befreie, die ihr hätten lästig fallen fönnen. Sauerwein erinnert daran, daß die Dotschafterkonferenz v. Seeckt, den wahren Chef der deutschen Armee, in seinen Funktionen beschränken wollte, weil die Militärkontrollkommission in ihm einen Gegner gefunden hätte, der mit dem Anschein einer voll­endeten Aflichkeit ihre Forderungen bekämpf le. Severing und Seeckt seien die Verkörperung der beiden deutschen Tendenzen, die sich unversöhn­lich gegenüberstanden. Ebenso wie den schlechte:! G^undheitszustand Severings bezweifelt Sauer- tvein, daß die Teilnahme des Kronprinzensohnes an den Manovern den wahren Grund für die Demission Seeckts bilde. Es sei vielmehr anzu­nehmen, daß Generaloberst v. Seeckt ein Hin­dernis für die deutsch-französische Politik Stresemanns geworden sei. Jedenfalls werde die Kontrolle aufrecht erhalten, weil die Franzosen mit der bis­herigen Regelung der Königsberger Befestigungs­frage sehr wenig zufrieden seien. Auch d i e Instruktionsbücher der Reichswehr seien von einem Geist beseelt, der nicht der von Locarno sei.

Der Berliner Korrespondent des3 o u r- n a l" sagt, die Tätigkeit Seeckts nach dein Kriege sei genau die gleiche wie die Scharnhorsts nach Jena. Man müsse sich in Frankreich hüten, an eine plötzliche Sinnesänderung in Deutschland zu glauben. DasEcho de Paris" will in dem Rücktritt v. Seeckts eine Lösung des Kon­fliktes zwischen dem alten und dem demokratischen Deutschland erblicken. In Frankreich und anders- wo würden sich viele über die glücklichen Resul­tate der Politik der Annäherung freuen, die zum Siege der gemäßigten Elemente führe. Man müsse hoffen, daß dies so sei, aber fürchien, daß auch anders kommen könne. Vielleicht se en die Konzessionen, die in dem Rücktritt Seickts lägen, nur gemacht worden, um anderen be­deutenderen auszuweichen. Cs gebe für Deutsch­land augenblicklich ein offenbares Interesse, ein demokratisches Gesicht zu zeigen.

Die Botschasterkonferenz.

Paris, 8. Oft. (WTB. Funkspruch.) Rach demMattn" wird die Botschafterkonferenz in einer ihrer nächsten Sitzungen bie allgemeine Frage der kurzfristigen Einstellung in die Reichswehr diskutieren und zu gleicher Zeit auch noch die schwebenden Fragen hinsicht­lich der Besatzung von Königsberg und des Statuts für die Schutzpolizei Prüfern Wenn allen diesen Forderungen Genüge geleistet sei, könne alsdann die Militärkontrolle gemäß den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages auf den Völkerbund übergehen. Zu kurzfristigen Einstellungen in die Reichswehr weist nfan unter Bezugnahme auf die Müns inger- Angelegenheit auf die Art. 174 und 175 dcs Versailler Vertrages hin, die bestimmen, daß Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten, die in der Reichswehr dienen, eine Verpflichtung für 12 Jahre einge hen müssen.

Der Zusammenschluß in der deutschen Beamtenschaft.

Berlin, 7. Ott. (WTB.) Auf dem 5. Bun­destage des Deutschen Deamtenbundes wurde ein Antrag des Gescuntvorstandes angenommen, nach welchem dem Zusammenschluß des Bundes mit dem Gesamtverband deutscher Beamten- Gewerkschaften zugestimmt wird. Ferner wurde