Ausgabe 
8.10.1926
 
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beschlossen, den Bisherigen Deutschen Beamten- Bund in dem zu gründenden neuen Bund, der die Dez-eichnungDeutscher 'Beamten« Bund" trägt, aufgehen zu lassen. Weiter­hin wurde einstimmig einer Aenderung des Pro­gramms des Deutschen Deamtenbundes zuge- sttmmt. Der erste Absatz unterVerfassung und Gesetz" soll in Zukunft lauten:Der Deutsche Beamtenbund steht auf dem Boden der republi­kanischen Verfassung deS Reiches und der Länder. Gr ist gewillt, im Geiste dieser Verfassung zu handeln und jeder Verletzung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten." -Zum Bundesvvrsihendek wurde der frühere Vorsitzende, Lehrer Flügel, auf zwei Jahre wiedergewählt. Zu Vertretern deS Vorsitzenden wurden gewählt: Schrader von der Polizeibeamtenschaft, Kug­ler von den Postbeamten, Ehr mann von den Kommunalbeamten sowie OberregierungSrat E h - mann.

Zu Beginn der heutigen Sitzung erstattete Bundesvorsitzender Flügel den Tätigkeits­bericht. Der Redner bezeichnete den Deamten- a 6 6 au als einen schweren Fehler. Ein neuer Deamtenabbau im Zeichen der neuen Derwal- tungSreform Dr. Reinholds müsse aufS schärfste bekämpft werden. Tie kürzlich erfolgte älm- bildung der Reichsbehorden durch den Reichs- wirtschastSminifter erfülle die Beamtenschaft mit grober Sorge. Der Redner betonte die Rot­wendigkeit, daß die Beamtenvertretungsgesetz­gebung die Idee der Selbstverwaltung Bringen müsse. Die Beamtenschaft leide schwer unter der Wirtschaftskrise, auf dem Gebiete der Besoldung sei man feit 1920 nicht wesentlich vorwärts ge­kommen. Die Organisationspolitik des Deutschen Beamtenbundes werde auch weiterhin von dem Gedanken der Einigkeit getragen sein unter Ab­lehnung jeder Parteipvlitik und konfessionellen Bindung. Unter großem Beifall wies der Red­ner darauf hin, daß die Beamtenschaft in schwe­ren Zeiten den Staat gerettet habe.

Hilfe für ausgesteuerte Erwerbslose.

Berlin, 7.Ott. (TU.) Amtlich. Rach längeren Verhandlungen hat der Reichsar- beitsminister in einem Rundschreiben an die Lander die Grundsätze über die Hilfe für aus­gesteuerte Erwerbslose mitgeteilt. Danach wer­den die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß die ausgesteuerten Erwerbslosen, d. h. Erwerbslose, die bereits ein halbes Jahr Erve bslo en-Unte.stützung t,o en, soweit s i e der öffentlichen Fürsorge Bedürfen, eine gleich hohe Unterstützung erhalten, wie die unterstützten ErwerBslosen. Durch engeS Zu­sammenwirken der Fürsorgestellen mit den öffent­lichen Arbeitsnachweisen und durch verstärkte Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung soll den aus­gesteuerten Erwerbslosen soweit irgend möglich, Arbeit vermittelt werden. Die Bezirks- fürsorgeverbände, denen die Unterstützung aus­gesteuerter Erwerbsloser obliegt, erhalten hier- ffir vom Reiche Beihilfen in Höhe von 50 Prozent deS UnterstützungSaufwandeS. Die ursprünglich gedachte Beschränkung der Maß­nahme auf Bezirke mit besonders hohen Er­werbslosen und Ausgesteuerten ist aufgegeben worden.

Preußischer Landtag.

Siedelunqs- und Crwerbsiosensraqen.

Berlin, 7.Oft, 12 Uhr mittags. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz­entwurfs über die Bereitstellung von weiteren Staatsmitteln zur Urbarmachung von staatlichen Mooren in den Provinzen Hannover und Schles­wig-Holstein.

Das Haus stimmt ohne Aussprache der Vorlage in zweiter und dritter Lesung zu.

Dann steht ein Gesetzentwurf zur zweiten Le­sung, der 40 Millionen Mark Zwischenkredite für Rentengutsgründungen bei der Preußischen Staatsbank bereitstellen will.

. Abg. Bös (Sn.) betont, daß für das Siedlungs­wesen unbedingt mehr geschehen müsse und daß die Siedlungsfrage nicht von parteipolitischen Gesichts- ' punkten betrachtet werden dürfe. Vor allem müsse 7 die Kreditwürdigkeit derer geprüft werden, die Siedlungskredite von Millionen bekommen.

Abg. M e i n e ck e (Dem.) erklärt die Zustim­mung seiner Fraktion zu der Vorlage. Sehr be­achtenswert sei die Forderung der Flüchllingsstedler zur Schaffung von Ausschüssen zur Nachprüfung ihrer wirtschaftlichen Lage.

Abg. Stendel (D. V.) ftimmt für seine Partei dem Gesetzentwurf zu.

Abg. Schmelzer (Zentr.si Wenn die Siedlungspolittk wirklich Erfolg haben soll, müsse auch die Landwirtschaft wieder rentabel ge­macht werden.

Abg. Dr. Kaufhold (Dn.) meint, es sei schon längst beschlossen worden, zinslose Kredite für Flüchtlingssiedler zu gewähren. Geschehen wäre aber nichts. Offenbar beständen auch Dif­ferenzen zwischen dem Reich und Preußen. Sonst sei es nicht verständlich, daß das Landwirt­schaftsministerium offenbar nichts davon wisse, baß von den Preußen durch das Reich bewilligten 50 Millionen Siedlungskrediten 27 Millionen bei der RentenBank Bereit liegen.

Ein Regierungsvertreter führt auS: llns ist davon nichts Bekannt, (Höri! Hört! rechts). Wir glauben verlangen zu tonnen, daß dem preußi­schen Landwirtschaftsminister davon auch Mittei­lung gemacht wird.

ABg. Peters- Hochdonn (Soz.) wünscht, daß auf dem Anleiheweg eine Milliarde Mark für eine großzügige Siedlungspolitik in Ver­bindung mit der produktiven Erwerbslosenfür­sorge bereitgeftellt wird.

Abg. Jakobh-Rasfauf (Zentr.) fordert, daß die Siedlungen so gestaltet werden, daß sie produktiv würden. Die Kredite müssen so be­messen werden, daß sie die Siedlungen nicht erdrosseln.

Die Vorlage wird angenommen und auch in dritter Lesung verabschiedet.

Es gelangt dann zur Besprechung eine ganze Reihe von Anträgen, die die Erwerbslosigkeit und deren Einschränkung zum Gegenstand haben, -il a. wird gefordert, daß in das Programm der Reichsregierung zur Ausgestaltung der pro­duktiven Erwerbslosenfürsorge das Kanalprojekt AachenRhein und die Regulierung der Riers ausgenommen und daß für ben

Ausbau der Lahnkcmalisieruug

1,26 Millionen aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge gewährt werden Ferner fordert ein Antrag den Ausbau des Fischerei- schiffshafens in Reukuhren. Verbunden wird mit der Beratung die Große Anfrage der Sozial­

demokratie über die Stillegung und den Ab­bruch der ZecheVereinigte Mar­garethe" in Sölde. Die Stillegung erfolge aus rein , peiulatinen Gründen. Sie habe 800 000 Mark abgeworfen. Trotzdem sei der Abbruch der Zeche erfolgt. Unerhört sei dieses Verhalten des Stumm-Konzerns. Das rhrin-westfalische Kohlensyndikat habe Bereitwilligst Vorschub ge­leistet.

Ein Negierungsvertreter erwidert, baß ein Son- berkommissar eine Prüfung veranstaltet habe, die ergeben hätte, baß biß Angaben des Stummkon- zerns zur Begründung der Stillegung nicht zu- treffen. Die Zechenverwaltung sei aber bei ihrer Haltung verblieben. Die Regierung werbe alles tun, um eine befriebigenbe Lösung herbeizuführen.

Als Abg. Wiebemann (Dn.) in längeren Ausführungen die Notwenbigkeit der Einführung ber Arbeitsbien st pflicht betont, um so bort Erwerbslose einsetzen zu können' wo Arbeitskräfte gebraucht werben, erhebt sich bei ben Kommunisten ein großer und anhaltenber Lärm, unb es werben Schmährufe gegen den Redner laut. Mehrere kom­munistische Abgeordnete werden zur Ordnung ge­rufen, besonders ber Abg. Sobottka (Komm.), ber immer wieder gegen den Redner vordringt, er­hält einen zweiten Ordnungsruf und wirb gleich barauf, als er bem Redner zuruft:Ich bringe näch­stens einen Knüppel mit und schmeiße ihn dir in die Fresse!" von ber Sitzung aiisgeschlos - s e n. Er verläßt unter anhaltendem Lärm ber Kom­munisten ben Saal. Kommunisten und Deutschnatio- nale bleiben erregt um das Rednerpult geschart, bis nach 5.30 Uhr Präsident Bartels die Sitzung vertagt.

Die SIWoffMrke in Chorzow.

Eine neue deutsche Note an Polen.

Berlin, 7. Oft. (WTB.) Rachdem die deutsche Regierung auf G"rmd deS Urteils des ständigen 3nternationa'en Gerichtshofs im Haag vom 25. Mai 1926 die Rückgabe deS von der polnischen Regierung beschlag­nahmten Stickstoffwerkes in Chor- zow (Oberschlesien) verlangt hatte, hat die polnische Regierung es am 9. September a b - gelehnt, Bieter Forderung nachzukommen. Auch waS den Ersatz des Schadens anbelangt, der den Oberschlesischen Stickstoffwe'-ken durch die Be­schlagnahme entstanden ist, hat die polnische Re­gierung nur teilweise und vo^ig unbefriedigende Vorschläge gemacht. Durch das Haager ilrteil ist aber d i e älnzulässigkeit der Be­schlagnahme einwandfrei festgestellt worden. Die deutsche Regierung hat deshalb im Oktober nochmals ihre Forderung auf Rück­gabe der Chorzowwerke eindringlich wieder­holt und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß ihren berechtigten Ansprüchen in dieser Bezie­hung und auf dem Gebiete dec EntschädigungS- frage in kurzer Zeit stattgegeben wer­den wird. Sie hat zu diesem Zwecke vorge­schlagen, unter Hinzuziehung der Vertreter der erwähnten Gesellschaft und der derzeitigen Direk­tion der Chorzowwerke eine Kommission zu wählen und alsdann in Verhandlungen einzu­treten.

England und der Aahltruft.

Deutsch-britische

Jttduftricllenverhandlunqett.

London, 7. Oft. (WTB.) In einem Leitartikel derTimes" über ben kontinentalen Stahltrust wirb das Für und Wider des Beitritts Großbritanniens erörtert. Am Schlüsse heißt es: Wenn auch die ver­schiedenartigen Auffassungen über bas Trustproblem eine aufmerksame Prüfung und reichliche Erwägung forbem, scheint doch kein entscheidender Grund zu bestehen, daß sich England zur Tilnahme an dem kontinentalen Trust drängen kann. Der englische Eisen- und Stahlhandel ist n i ch t reif für diesen Schritt und nicht fest organisiert. Bevor er nicht im Inland organisiert ist, kann er sich nicht an einer internationalen Organisation cis gleichbe­rechtigt mit höchst organisierten Wett­bewerbern beteiligen. Bisher haben die Ver­treter des kontinentalen Handels mit Recht darüber geklagt, daß sie keine endgültigen unb bindenden Antworten von dem englischen Handel über Fragen von gemeinsamem Interesse erhalten könnten, nicht einmal auf die Frage, ob er sich an diesem Trust beteiligen wolle ober nicht. Dies zu wissen, genügt für ben Augenblick; allerdings scheint es in bem jetzigen Zeitalter der Massenproduktion und sorg- fältigen unb genauen Organisationspläne in allen wichtigen industriellen Ländern ber Welt wünschens­wert, daß die Führer ber englischen Schlüsselindu­strien ihre Lage neu erwögen.

An englischer offizieller Stelle legt man Wert auf die Feststellung, baß bie britische Re­gierung mit ben bevorstehenden Besprechun­gen zwischen ben Führern ber britisch en unb ber deutschen Industrie Ende dieser Woche nichts zu tun hat. Wenigstens der Teil der Verhandlungen wird auf dem Landsitz des TranSportministers Ashley stattfinden. der je­doch nur als Privatmann an ihnen beteiligt sein wird. Ein bestimmtes Programm ist für die Verhandlungen nicht ausgestellt worden, doch ist mit Sicherheit anzunehmen, baß beide Länder interessierende Fragen, vor allem der Kohlen­handel und das Eisen- und Stahlab­kommen zwischen Deutschland, Frankreich, Luxemburg unb Belgien besprochen werben. Aus englischer Seite nehmen auch einige dem Unter­laufe angehörenbe führende Industrielle teil, doch werden bie Ramen gänzlich geheim gehalten'

Verschärfung der Lage im Bergbaukonflikt.

Beschlüsse

der englischen Bergarbeiterdelegierten.

Lonbon, 7. Oft. (TU.) Die Delegierten­konferenz ber Bergarbeiter trat heute in London zusammen. Die Sitzung nahm einen ziemlich stürmischen Verlaus, so baß der Präsident Herbert Smith seinen Sitz zu verlassen drohte. Am Schluß ber Vormittagssitzung wurde ein Kommunique ausgegeben, das besagt, daß bie Entscheidung der Distrikte über die Vorschläge ber Regierung eine Ablehnung mit 737 000 gegen 42 000 Stim­men ergeben habe. Rur ein einziger Distrikt habe für bie Annahme ber Vorschläge gestimmt. Hieraus würbe eine Entschließung angenommen, wonach bie Konferenz die Abstimmung ber Distrikte zu eigen gemacht habe. Die Telegierien- kon'erenz nahm dann ben Antrag, die Sicherheits- Posten aus den Gruben zurückzuziehen und bie Gewerkschaften um Unterftüßung sowohl durch Verhinderung der Kohleneinfuhr wie auch durch

Erhebung einer Kopfsteuer zugunsten ber Berg­arbeiter zu ersuchen, mit großer Mehrheit an. Eine Sonderkonferenz beS Gewerkschaftskongresses soll über diese Frage entscheiden und die Labour Party soll im Parlament eine Altton in bie Wege leiten. Am Frettag wird die Delegierten­konferenz die Beratungen fortsetzen. Llnverkenn» bar ist, baß diese scharfen Beschlüsse durch die Tatsache erheblich beeinträchttgt werden, baß bie Zahl der arbeitswilligen Bergarbeiter wieder er­heblich gestiegen unb die Ziffer 200000 nahezu erreicht ist.

Der Beschluß verursacht eine sehr ernste Lage. Besonders die Entscheidung zugunsten einer Zurückziehung der Sicherheitsleute aus den Grubeir. Eine solche Maßnahme war von dem Verbände bisher stets abgelehnt worden. Verant- worlliche Bergarbeiterführer scheinen doch daran zu zweifeln, daß der Vollzugsausschuß des Berg- arbeiterverbandes sofortige Schritte in dieser Richtung unternehmen werde, und scheinen der Ansicht zu fein, daß die wirkliche Absicht, die dahinter stecke, sei, einen Druck auf bie Re­gierung unb die Zechenbesiher auszuüben, um Verhandlungen auf einer für die Arbeiter günstigeren Grundlage zu eröffnen. Der Beschluß wird von ben Bergarbeiterführern als eine Er­klärung dafür angesehen, baß der Verband jetzt zu schärferen Kampfformen über­gehen werde.

Verurteilung der Attentäter auf König Msons.

Paris, 7. Oft. (WTB.) Die Strafkammer in Paris verhandelte gegen die am 23. Juni, am Tage vor der Ankunft König Alfons von Spanien in Paris festgenommenen spanischen An­archisten Bonaventura D u r u t t i unb Fran­zisko Ascarv. Die Angeklagten haben zuge­geben, daß sie ein Attentat gegen ben König von Spanien geplant hätten. Durutti erflärte sogar, er habe König Alfons nicht töten, sondern ihn nur in die Gegend von Irun (Bilbao) ent­führen wollten. Er wollte ihn dort versteckt halten, um auf diese Weife jenseits ber Pyrenäen eine revolutionäre Bewe gung dadurch hervorzurufen, daß alte, die bem König den Treueid geleistet hatten, davon entbunben wür­ben. Durutti wurde zu drei Monaten. Ascaro zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, und zwar lediglich wegen verbotenen Waf­fentragens und Benutzung falscher Pässe.

Wie Havas mittellt, verlangen die spanische unb die argentinische Regierung die Ausliefe­rung der beiden Verurteilten. Die Beiden sollen an ber Ermordung des Erzbischofs von Saragossa und an einem Einbruch in eine Dank beteiligt gewesen sein, weshalb ihre Auslieferung veranlaßt werden soll.

Die Negierungsumbttdung in der Tschechoslowakei.

Prag, 7. Oft. (TU.) Svehla wurde vom Prä­sidenten der Republik vor die Alternative gestellt, das künftige parlamentarische Kabinett mit D r. B e n e s ch zu bilden ober mit Neuwahlen zu rechnen. Da sich unter den tschechischen bürgerlichen Parteien immer noch zahlreiche Mararykanhänger befinden, nahm Svchla die Bedingung an. Um jedoch den Dr. Benesch feindlichen Elementen die un­mittelbare Angriffsfläche zu nehmen, wurde im gegenseitigen Einverständnis vereinbart, daß Dr. Benesch, dessen Gesundheit angegriffen ist, einen zweimonatigen Krankenurlaub antre­ten soll. Er wird ihn im Süden Frankreichs ver­bringen. Die Abreise ist für morgen früh angesetzt. Seine Vertretung übernimmt der tschechische Ge­sandte in Berlin, Professor Krofta.

Hochschulnachrichten.

Professor sträpelin f.

Geheimrat Professor Dr. Emil Kräpelin, ber hervorragende Psychiater ber Münchener Universität, ist im 71. Lebensjahre in München gestorben.

Trauerfeier für Profeffor Gutbier.

Die Universität Jena veranstal'ete gestern nach­mittag für ihren aus dem Leben geschiedenen Rek­tor, Prof. Dr. Alexander Gutbier, eine Trauer­feier. LautVoss. Ztg." ist der Selbstmord Gutbiers auf einen Anfall geistiger Umnachtung infolge starker beruflicher Belastung zurückzuführen.

Aus aller Wett.

Dr. Lckener in Wien.

Rach kurzem Aufenthalt auf bem Semmering ist Dr. Eckener in Wien eingetroffen. Die Stadt- gemeinbe Wien hat jede Hilfe für die Zeppelin- Eckener-Spende abgelehnt, obwohl in sämt­lichen Bunbeslänbern die ßänberregierungen an ber Spitze dieser Aktion stehen. Auch ber Ver­such, ben Präsibenten bes Deutschen Reichstages Be, ben Reichstagsabgeorbneten Hilf er- bing, sowie ben Oberpräsidenten Hörsing, bie augenblicklich in Wien weilen, bei ber Stabt intervenieren zu lassen, führte zu keinem Er­gebnis.

Ueberlanbflug berLos Angeles".

Washington, 8. Oft. (WTB. Funkspruch.) Das Marineluftschiff der Vereinigten Staaten, die Los Angeles' (Z.R.3) wird bei günstiger Witterung am nächsten Montag nach Detroit fliegen. Dies ist der erste große Ueberland- f l u g derLos Angeles" feit der Katastrophe der Shenandoah" im vorigen Jahre.

Kohlensäurevergiftungen in ber Lchuttheiß-Brauerei.

In ber Berliner Schultheiß-Patzenhofer Braverer fiel ein Brauer beim Reinigen eines Bottichs, in bem im Gärkeller die Hefe vorbereitet wirb, infolge Kohlensäurever­giftung in Ohnmacht. Hm ihn zu retten, stieg ein zweiter Brauer in ben Behälter, brach aber ebenfalls ohnmächtig zusammen. Der Retter würbe tot aus bem Behälter gezogen, während der zuerst in ben Bottich Gestiegene sich wieder erholte. Drei weitere Brauer wurden bei ben Rettungsversuchen durch Kohlensäure leicht vergiftet.

Wettervoraussage.

Südliche bis westliche Winde, hall» bis ganz bedeckt, stellenweise erneute Regenfälle, Tempe­raturen schwankend, im ganzen wenig kühner.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 14, Minimum 10 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur 12 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Oktober 1926.

Aufwertung von Pfandbriefen der Hypothekenbanken.

Unter dieser Ueberschrift gaben wir gestern einer Mitteilung Raum, die dem halbamtlichen Wolff- Bureauvon zuständiger Seite" zugegangen war. Diese Mitteilung, die wir im Vertrauen auf die Zu­verlässigkeit des halbamtlichen Nachrichtenbureaus veröffentlichten, enthält jedoch wesentliche Un­richtigkeiten. Berichtigend teilt uns die G i e- ßener Bank-Vereinigung heute mit:

Der Ablauf der Frist bezieht sich nur auf die Geltendmachung verschiedener Besonderheiten. Die abgelaufene Ausschlußfrist bezog sich nämlich auf:

1. die Anmeldung des Herausgabean­spruchs gegen die Bank, bei der gekündigte oder ausgelofte Pfandbriefe zur Einlösung eingereicht waren und welche die Stücke noch im Be­sitz hat:

2. die Anmeldung des Anspruches aus einem Vörde ha l t, wenn also der Gläubiger seinerzeit den Einsösungsbetrag entgegengenommen, jedoch sich seine Rechte ausdrücklich vorbehallen hatte;

3. die Geltendmachung des Anspruchs auf höhere Aufwertung, wenn der Gläubiger die Pfandbriefe, die er jetzt noch hat, seinerzeit im Umtausch gegen ältere Pfandbriefe desselben Schuldners erworben hat.

Für die G e l t e n d m a ch u n g des eigent­lichen Aufwertungsanspruchs aus den Pfandbriefen , laufen überhaupt n vich keine Fristen. Die Art, in der die Hypothekenbanken die Ausschüttungen auf die aufzuwertenden Pfand­briefe vornehmen, wird noch bekannt gemacht wer­den. Dabei wird eine Fristsetzung von Aus- schlußfristen überhaupt nicht in Frage kommen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.15 Uhr,Ein Walzertraum". (Ende gegen 10 Uhr.) Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Der Dieb von Bagdad". Astoria-Lichtspiele: »Aus dem fernen Osten". Palast-Lichtspiele: 8 Uhr, Gastspielvorstellung des Darietskünstlers K. Scherber mit Gesellschaft.

** DasLutherbild in der Stadtkirche. Aus Anlaß des demnächst ftattfinbenben Reforma­tionsfestes mag darauf hingewiejen werden, daß das Lutherbild in der Stadtkirche am Reforma - tionsfefte 1842, am 6. November, seinen Standort erhalten hat. Das Bild geht auf eine (Stiftung des Gesangvereins ,Lieder ° kränz', dessen Dirigent damals Kantor Schwabe war, zurück. Dieser Verein hatte zwei Konzerte veranstaltet und ben Erlös zur Anschaffung bes Bilbes bestimmt. Bei bem Reformationsfeste des genannten Jahres sang ber Verein im Gottes­dienste, worauf Geh. Kirchenrat Dr. Engel bie Fostprebigt hielt. Im Eingang seiner Prebigt verlas er bie Stiftungsurkunde, unb bas Bilb würbe ent- hiillt. Es ist eine Kopie bes Lutherbilbes von Kro­nach in ber Stabtkirche zu Weimar, biefe Kopie rührt von bem Maler August Könitzer her.

** Straßensperren. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten ist bie Bahnhof st roße Zwischen Schanzen st raße unb Westanlage für jeglichen Fährverkehr auf bie Dauer von vier Wochen gesperrt worben. Die W e i b e n g a f f e, vom Haus Nr. 10 ab, würbe wegen Vornahme von Bauarbeiten bis auf weiteres ebenfalls für jeglichen Fährverkehr gesperrt.

,** Zur Personenstands- unb B e - triebsausnahme am 10. Oktober werben gegenwärtig bie Listen verteilt. Die Ausfüllung muß nack dem Stanbe vom 10. Oktober erfolgen.

* Reue Wiegegebühren für Der- Wiegungen auf von städtischen Lastwagen werden im heurigen Anzeigenteil von der Stadtverwal­tung Bekanntgegeben. Die neue Gebührenordnung gilt mit Wirkung aB 1. Oktober d. I.

* * Zur Bekämpfung ber Obstbaum- schädlinge müssen sämtliche Obstbäume bis Mitte November abgekratzt unb mit Kalkmilch be­strichen werben. Man beachte die heutige Bekannt­machung ber Stabtverwaltung.

O D i e Eisenbahnbrücke in ber Kli- nikstraße wirb gegenwärtig mit einem neuen Anstrich versehen. Zur Entfernung ber Roststellen am eifernen Trägerwerk ist ein Sandstrahlgebläse aufgestellt, mit bem es leicht möglich ist, olle Träger in schnellster Zeit rostfrei zu machen.

** Eine interessante Erinnerung. Wie gut sich in früheren Zeiten in Gießen bie Kon­fessionen vertrugen, zeigt ein Vorgang aus bem Jahre 1842. Kurz vor bem Weihnachtsfeste biefes Jahres war bie Gattin des Oberrabbiners Levi gestorben: sie wurde am ersten Weihnachtsfeiertage zu Grabe getragen. Auf besonderen Wunsch des trauernden Witwers hielt der damalige erste evange­lische Pfarrer der Stadt Gießen, Geh. Kirchenrat Dr. Engel, vor ungefähr 1000 Menschen auf dem Friedhöfe die Grabrede.

** Zur Richtigstellung. Man schreibt uns: Die Leitung des biologisch-physiolo­gischen Fortbildungskursus liegt nicht, wie am Mittwoch gemeldet wurde, in den Händen des Profeffors Küsters, sondern in Händen des Oberstudiendirektors B e i f i n g c r»Heppenheim a. d. Bergstraße. (Jene Nachricht war uns von einem Lokalberichterstatter übermittelt worden. D. Red.)

** Der Verkehrsverein veranstaltete gestern abend in den oberen Räumen des Eaf<L Astoria als Abschluß ber Werbewoche eine kleine Feier, zu ber auch bie bei dem Schaufensterwettbe­werb, Blumenkorso unb Reklamewagenkorso Preis­gekrönten erschienen waren. Der Vorsitzenbe bes Vereins, Stabto. Schwieber, begrüßte bie An- wesenben unb gab seiner Freube über ben guten Verlauf ber Werbewoche Ausdruck. Wenn nicht alle Wünsche restlos erfüqt worden seien, so liege dies in Verhältnissen, für die niemand verantwortlich zu machen fei. Besonderer Dank gebühre der Geschäfts- weit, die Außerordentliches geleistet habe, außerdem verdienten aber auch die am Blumenkorfo Beteilig­ten warme Anerkennung. Er gab dem Wunsche Aus­druck, daß der Verkehrsverein, der vornehmlich im Interesse der Geschäftswelt arbeite, auch bei zukünf­tigen Veranstaltungen bie notroenbige Unterstützung erhalten möge. Hierauf fanb die Verteilung der Ehrenurkunden an sie während ber Werbe­woche Preisgekrönten statt. Kaufmann Frens - borf bankte für die Ehrung und wies auf bie außerorbentlidje Arbeitslast hin, die von dem Vor­stand des Verkehrsvereins in der Werbewoche zur Hebung des Verkehrs geleistet worden fei. Die bei dieser Veranstaltung gesammelten Erfahrungen müßten bei künftigen Arbeiten nutzbringende Ver­wendung finden. Auch Kaufmann S. Loeb fanb anerfennenbe Worte für die von bem zuständigen