Mittwoch, 8. September 1926
176. Jahrgang
Nr. 2(0 Erstes Blatt
GietzenerAnzeiger
Druck und Verlag; vrühl'fche Univerftlüls-Vuch- und Ltemdruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.
Die Völkerbundsversammlung
die
Sorte
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polltik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Urnft Diumschein: für de» Anzeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen.
Die Unfälle und ihre Erörterung in der Deffenb lichkeit haben naturgemäß Unruhe und Nervosität in das Publikum und auch in das Reichsimhnper sonol getragen, und es wird die erste Aufgabe aller Stellen sein, beruhigend zu wirken. Die Unterstützung der Oessentlichkeit hierbei wird nicht entbehrt werden können und wird erbeten.
Ohm laufen die Verhandlungen weiter. Sie bringen nichts Interessantes. Der elfte Punkt der Tagesordnung, die Aufnahme Deutschlands, wird — soweit sich das abschähen läßt — erst Donnerstag oder Freitag zur Behandlung gelangen. Bis dahin wird das Parkett der Delegierten in dem durch das Glasdach hinnnter- lutenden Sonnenlicht weiter schmoren. Das Wetter meint es gut: es ist erschreckend heiß. Ein findiger Delegierter hat sich eine Zeitung auf das Haupt gestülpt. Sein Gesicht blinzelt un- gemein listig darunter hervor, als wollte er seiner Meinung deutlich Ausdruck geben: dies hier ist unwichtig, es kommt er st in einigen Tagen dasjenige, worum es in Wirklichkeit zu tun ist.
Don Sitzung zu Sitzung steigt die Apathie. Daran kann der ganze sich Kühlung zufächelnde Saal nichts ändern. Auch nicht ein Kranz dunkelhäutiger Hindufrauen mit klassisch-arischem Profil, die, zum Teil das Abzeichen der Kaste aus der Stirn durch ihre unnachahmliche Gelassenheit und Anmut und den reichen Faltenwurf der prächtigen Gewänder auffallen. Aber trotzdem spürt man es deutlich: ebenso steigt von Tag zu Tag die verhaltene Spannung der Versammlung. Es ist eben nicht ein beliebiger Staat, der hier ausgenommen werden soll, sondern Deutschland. Zu dieser Tatsache nur ein kleiner charakteristischer Zug. Schon in früherer Zeit beobachtet man viel deutsch sprechende Journalisten, weil das Deutsche auch unter Fremdstammkgen vielsach als Verkehrssprache dient. Heute hort man vorwiegend deutsch sprechen. Die Deutschen sind nun einmal das Volk der europäischen Mitte und es sind ihrer fast hundert Millionen. So mancher deutsche Journalist, der heute im Verbände eines slavischen oder romanischen Staates steht, wird von den Tribunen herab dem Einzug der Vertreter seines Mutter- Volkes in dieser Versammlung zusehen. Des soll man eingedenk sein. Die ganzen Vorgänge, das Hinweg blicken oller über die nächsten Tage auf das erste Auftreten Deulschlands, bekommt hier leicht den Beigeschmack einer Sensation. Um so mehr must jedem Deutschen der ganze Ernst des möglicherweise folgenreichen Schrittes be- wuht sein. Doch stehen die deutschen Sessel im Saale leer. Das wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen ändern, Möge die Geschichte einst die Anwesenheit d r Vertreter Deutschlands in dieser Versammlung im Guten vermerken.
Das Aufnahmeverfahren. Ein Kompromiftvorschlag des Büros.
Genf, 7. Sept. (Wolff.) Die Völkerbundsversammlung hat heute vormittag ihr Bureau gebildet, das sahungsgemäst aus den von der Versammlung in geheimer Wahl zu bestimmenden Vizepräsidenten und den Vorsitzenden der sechs Versammlungsausschüssc besteht Die von der Versammlung gewählten Vizepräsidenten siird: Chamberlain. Brian d, 3 fb 11, Scialova, Fig ueroa (Guatemala) und Baron Lehmann (Liberia). Die Versammlungsausschüsse haben folgende Vorsitzende gewählt: Motta- Schweiz für den ersten Ausfchust (Rechts- und Verfassungsfragen), Fihgerald- Jrland für den zweiten Ausfchust (technische Organisationen), V i l l e g a s - Chile für den dritten Ausschuß (Abrüstungssragen). L,itu. l e s e o - Rumänien für den vierten Ausschuß (Budget). M e n s d o r f f - Oesterreich sur den fünften Ausschuß (humanitäre und soziale Fragen) und schließlich de Br o u ck L r e -Belgien für den sechsten Ausschuß (politische Fragen). Das Bureau, dem also die Vertreter der vier ständigen Ratsstaateii angehören, trat heute nachmittag 3 Uhr zur Beratung der formalen Erledigung des deutschen Aufnahmegesuches und der Beschlüsse über die SaUer» Weiterung zusammen. Es standen sich dabei zwei Anschauungen gegenüber, von denen die erste
dende Wort zu sprechen hat.
Sie ist bereits in vollem Gange.
Gestern wurde sie mit dem üblichen Drum und Dran eröffnet. Eine Menge Schaulustiger umlagerte den Eingang zum Hotel Viktoria. Im Reformationssaal herrschte drangvolle Enge. Unter dem Kreuzfeuer der Filmoperateure er- öffnete Benesch mit einer übersichtlich gehaltenen Rede die Sitzung. Rücksichtsloses Schein- werferlicht störte ihn beim Ablesen des Textes. Doch er bewahrte eiserne Ruhe. Er wird sich wohl die Rerven noch in seinem Heimatstaat gestärkt haben, wo ihn die allbekannten heftigen Stürme umwehen.
Sicherheitsmaßnahmen der Reichsbahnverwaltung.
Berlin, 7. Sept. (WTB.) Die wie eine Epidemie in letzter Zeit ouftretenden Unfälle im Bereich der Deutschen Reichsbahn, die an ähnliche Unfall- pcrioden, z. B. im Jahre 1898 erinnern, haben der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesell- schast nach ernsten Beratungen zu a u st e r o r d e n t- lichen Maßnahmen Veranlassung gegeben. Für die Reichsbahn gilt ebenso wie für jede andere Verkehrsverwaltung als Richtschnur, daß die Wahrung der Betriebssicherheit hinter finanziellen Bedenken zurückstehen muß. Die Reichsbahn ist sich ihrer Verantwortung voll bewußt, daß sie kein frevelhaftes Spiel mit den Menschenleben treiben darf. Alle menschenmöglichen Mittel müssen für eine sichere Transportführung erschöpft werden. Nun mußte während der Kriegszeit Raubbau an Gleisen, Brücken, Wagenpark wie überhaupt a n allen Bahnanlagen getrieben werden.
Diese Schäden können erst in ernster langwieriger Arbeit ausgemerzt werden, und um trotzdem die Betriebssicherheit zu wahren, mußte die' Geschwindigkeit der Züge stark verringert werden. Mit dem Umbau des Oberbaues geht es rüstig voran, |o daß bald wieder der Friedenszustand erreicht ist und auch I die Geschwindigkeit der Züge auf den Friedensstand
Der Reichspräsident an die deutschen Juristen.
Berlin, 7. Sept. (WTB.) Anläßlich der bevorstehenden 34. Versammlung des D e ut - sehen Juristentages in Köln gab die „Deutsche Juristenzeitung" eine Festgabe heraus, an deren Spitze sich folgendes Telegramm des Reichspräsidenten v. Hindenburg an den Deutschen Juristentag befindet: „Die Gerechtigkeit ist die Seele des Staates! Ohne Gerechtigkeit kein Staatsleben, ohne Gerechtigkeit kein Frieden im Volke und unter den Böllern. Daß die Arbeit der am Rhein tagenden Jurstten durch die Fortentwicklung des Rechtes der Gerechtigkeit dienen möge, ist der Wunsch, mit dem ich Sie begrüße! gez.: v. Hindenburg. Die Festgabe, die mit dem Bild« des Präsidenten des Deutschen Juristentages. Professor Dr. WUhelm Kahl, M. d.R., geziert ist, enthalt auch cme herzliche Begrüßung durch den Reichsjustizminister Dr. Bell.
Berlin, 7. Sept. (W-rB.) Wie eine spondenz von der ReichsbahngeseUfchast erfahrt, hat sich der S t a n d p u n k t d e r R e ich s b a h n Verwaltung bezüglich der Entschadigungsfrage in keiner Weise geändert. Nachdem jetzt durch das Geständnis Schlesingers seststehl, daß es sich bei der Eisenbahnkatastrophe von Leiferde um ein A t t en - tat handelt, wird betont, daß die Deutfche Reichs- bahngesellfchaft in diesem Falle nicht nach den fiskalischen und rein rechtlichen Grundsätzen vorgehen wolle, wonach der Reichsbahngesellschast ihrer Ansicht nach bei Attentaten keine Entschä d i - g un gs pflicht auferlegt ist, sondern daß sich die Verwaltung von menschlichen Erwägungen leiten lasse und die Opfer und Hinterbliebenen fo entschädigen werde,' als ob die Deutsche Reichsbahngesellschaft für das Unglück verantwortlich sei.
3n Erwartung Deutschlands.
Von unserem Genfer Sonderberichterstatter Dr. v. R e u t e l e n.
Genf, 7. September.
Immer größer wird in Genf die Spannung. Immer mehr wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit dem einen großen Ereignis zu, das dieser Septembersihung den Stempel aufdrückt, — der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund und dem ersten Auftreten seiner Ver- treter im Rat und in der Vollversammlung. Rur ganz vereinzelt wird angesichts der schlechten Erfahrungen im März noch die Befürchtung laut, es könne in der entscheidenden Sitzung zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen. Allgemein wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die wichtigen Beschlüsse des Rates vom Samstag in der Vollversammlung auf keinen Widerspruch
die deutsche Aufnahme von der Annahme des Projektes der Studienkommission trenne n wollte, während die zweite beide zu gleicher Zeit durch die Vollversammlung beraten lassen wollte. Die Beratungen wurden dadurch noch weiter erschwert, daß ein Teil der Mitglieder des Bureaus über die Zuteilung des ständigen Ratssitzes an Deutschland und die Vermehrung der nichtständigen Ratssihe von sechs auf neun durch ein gemeinsames Do tum abstimmen lassen wollte. Zum Schluß der geheimen Sitzung, die bis fünf Uhr nachmittags dauerte, gab das Völkerbundsekretariat folgendes Kommunique bekannt:
Das Bureau schlägt der Versammlung vor, morgen am 8. September um 10 Uhr eine Sitzung mit folgender Tagesordnung abzuhalten: Prüfung des Berichtes der ersten Kommission der außerordentlichen Völkerbundsoersammlung über den A n l r a g Deutschlands auf (Eintritt in den Völkerbund.
Punkt 2: Prüfung der vom Völkerbundsrat am 4. September 1926 angenommenen Entschließungen betreffend:
a) die Ernennung Deutschlands zum ständigen Mitglied des Völkerbundsrates;
b) Erhöhung der Zahl der nichtständigen Bate- mifgtieber auf neun.
Punkt 3: Prüfung der Vorschläge, die von der Studienkommission des Völkerbundes über die Fragen der Zusammensetzung des Vol- kerbundralev, des Modus der Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder und die Führung ihrer Wandale gemacht worden sind.
Das Bureau schlägt der Vollversammlung des Völkerbundes vor, zu beschließen, entsprechend Ar- iikel 14 § 2 über den obenerwähnten Punkt 1 und Punkt 2 der Tagesordnung ohne Ueberroeifung an die Kommission der Vollversammlung zu beraten. Das Bureau schlägt der Vollversammlung uor, den Artikel 3 der oben'mitqeteilten Tagesordnung an die erste juristische Kommission zu überweisen, die beauftragt wird, so schnell als möglich der Vollversammlung einen Bericht über diese Frage vorzutegen Das Bureau hat den Bundesrat 2H o 11 a beauftragt, diesen Vorschlag des Bureaus sofort der Vollversammlung des Völkerbundes in der morgigen Sitzung vorzutegen.
Lieber den Sinn dieser Vorschläge des Bu-
worden. Walter hat sich dann von den beiden getrennt. Weber gab ferner zu, den bei dem Attentat benutzten Hemmschuh mehrere Tage im Bucksack mit sich getragen zu haben. Der Bruder Willi Webers, oec Kausman n Walter Webe r in Hannover, ist von der Polizei unter dem Verdacht der Mitwisserschaft oer- hastet worden. Schlesinger sagte im Laufe seiner Vernehmung aus, daß ein ihm bekanntes junges Mädchen, das bei Leiferde wohnt, gleichfalls von dem plan gewußt habe. Die hannoversche Kriminalpolizei forscht nach diesem Mädchen, um es ebenfalls in haft zu nehmen. An der Unglücksstelle bei Leiferde wird ein £o( al lernt i n abgehalten werden. Rach dem „Lokalanzeiger" dürste der Hauptteil der für die Aufklärung des Attentats ausgesetzten Belohnung in höhe von 27 000 Mark dem Landstreicher Schröder Zufällen, der die Aeuherungen seines Zunftgenossen Walter Weber über den Anschlag der Polizei mt {geteilt hat.
Generaldirektor vorpmiiller zur Aufdeckung der Attentats.
Berlin, 7. Sept. (TU.) Zu der Aufklärung des Eisenbahnattentats von Leiferde sieht die Reichsbahn eine volle Genugtuung dafür, bah der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, noch am selben Abend am iln» glückstag vor der Presse seine Eindrücke nieder- gegeben hat, in denen die Diagnose auf ein Attentat gestellt wurde. Der Generaldirektor war wegen seiner Mitteilungen verschiedentlich in der Presse angegriffen worden. Die Reichsbahn glaubt, daß in der Ergreifung der Täter die beste Rechtfertigung für das erste Urteil des Generaldirektors liege. In einer Unterredung mit einem Vertreter der „Vossischen Zeitung" führte der Generaldirektor u. a. ans: Gegen Verbrecher, die auf eine derart raffinierte fachmännische Art Vorgehen, hilft das beste Bewachungspersonal nichts. Der S t r e i f d i e n st auf den offenen Strecken, besonders während der Rachtstunden, Wird erheblich verstärkt werden. An einer Deseittgung der durch die starke Abnutzung während des Kriegs und der Rachkriegszeit entstandenen Mängel wird mit aller Energie gearbeitet. Bis zum Frühjahr wird die so dringend gewünschte elektrische Beleuchtung in den D-Zügen ganz allgemein sein. Zum Schluß gab Dorpmüller der Hoffnung Ausdruck, daß nach der Aufklärung des Attentats eine Beruhigung beim reisenden Publikum und beim Eisenbahnperfonal eintrelen wird.
Die Entschädigung der Attentatsopfer.
mehr stoßen werden. . „
In der Tat. Es ist augenfällig, daß die Vertreter der Großmächte nunmehr entschlossen sind, mit fester Hand die untereinander bereits bereinigte Angelegenheit einer schnellen Durchführung und Erledigung zuzuführen. And soviel ist klar, den Beschlüssen dieser Männer in vertraulichen Aussprachen ist größeres Gewicht beizulegen, als den öffentlichen Rats- und Versammlungsfihungen. Das ist in Genf nun einmal nicht anders. Zwar machte der Schwede Anden noch einen letzten Versuch, die Entscheidung über die Vermehrung der nichtständigen Ratssihe, die ja jetzt nur noch zugunsten Polens vollzogen wird, ganz der Plenarversammlung zu überlassen. Doch wurde sein Antrag abge» lehnt. Hier spielten wesentliche psychologische Momente mit. Anden hatte sich bereits am Vortage eine Zurechtweisung von Driand und Chamberlain in der Mandatskommission gefallen lassen müssen. Beide hatten deutlich durchblicken lassen, daß diese Kommission jm einzelnen und der Völkerbund im allgemeinen nicht Führer und Wegweiser der staatlichen Regierungen seien, sondern nur Forum, auf dem sie ihre Interessen durchsetzen und einem Ausgleich untereinander näher bringen wollen. Damit war Andens Stellung von vornherein geschwächt und er zog seinen Antrag zurück.
Aber dieses Vorgehen der Vertreter Englands und Frankreichs, das in diesem Falle den deutschen Interessen abfällig war, weil es sich um die Verwaltung der ehemals deutschen Kolonien handelte, beleuchtet darüber hinaus schlag- lichtartig das charakteristische Wesen des Völkerbundes. Er ist nicht jenes märchenhafte, vormals von Schwarmgeistern herbeigesehnte Gebilde, sondern er hat eine ganz reale und durchaus ernste Grundlage. Ob ihm diese Tatfache zuträglich oder abträglich ist und ob dies insbesondere Deutschland von Rutzen sein kann, "ei hier nicht entschieden. Es ist aber notwendig, daß man das jetzt, wo Deutschlands Eintritt unmittelbar bevorsteht, klar erkennt. Von diesem Standpunkt aus ist z.B. auch die weitere Haltung Spaniens zu beurteilen. Spanien wird erst dann eine Stellung zum Völkerbunde präzisieren, wenn n der Tangerfrage eine Entscheidung getroffen sein wird. — Aus allem wird klar, daß die Aufnahme Deutschlands nun soweit vorbereüel ist und nur noch die Vollversammlung das entschri-
qeben.
2. Die besten Praktiker der Reichsbahnverwaltung treten sofort mit Vertretern des Reichsverkehrsministeriums sowie mit fachkundigen Vertretern und Beamten des Arbeiterpersonals zu Kommissionen zusammen, die das gesamte Reichsbahngebiet )ur Kontrolle bereisen. Sie sollen feststellen: den Zu- stand des Oberbaus, den Zustand des rollenden Materials, die Handhabung des Betriebsdienstes und die Beanspruchung des Personals. Die Kommissionen begeben sich bereits heute auf den Weg und werden die ersten Berichte über die Hauptstrecken bereits in der nächsten Woche erstatten.
Die Attentäter von Leiferde.
Berlin, 8. Sept Die wir bereits in einem lell der gestrigen Auslage mitteilen konnten, haben die beiden wegen dringenden Verdachts, das Attentat auf den Berlin-Kölner V-Zug begangen zu haben, im Berliner Obdachlosenasyl verhafteten Schlesinger und Weber ein volles Geständnis ab- felegt. Rach Aussage des Musikers Otto S chlein g e r traf er sich zufällig mit dem Kaufmann Willi w> b e r ; da beide über keine Barmittel verfügten, beschlossen sie das Attentat aus den Zug, um sich durch Raub Geldmittel zu verschaffen. Ursprünglich wollten sie über die Ehaussee ein Drahtseil spannen, um Automobile aufzufangen und die herausgeslürzten Insassen zu berauben. Dieser Plan Hal sich aber nicht verwirklichen lassen, weil sie nirgends ein starkes Drahtseil erbeuten konnten. Aus diesem Grunde hätten sie sich dazu entschlossen, einenLisenbahnzugzumLnt- gleisen zu bringen. Aus der Wanderschaft seien sie an die Hauptstrecke nach Hannover gekommen und hätten dort im Walde gelagert. Dabei hätten sie beschlossen, die Tal zur Ausführung zu »ringen. 3 n einem Eisenbahnwärterhaus haben die beiden Verbrecher, wie Schlesinger angibt, einen schweren Bolzenschlüssel gefunden, und sie hätten sich bann in einem Blockhaus noch einen Schlagschlüssel zum Lösen der Laschenbolzen besorgt. Beide hätten bann die Schrauben gelockert, als alles ruhig war und sie sich unbeobachtet fühlten.
Auch Willi Weber hat gestanden, von Schlesinger zu der Ausübung des Anschlags angeftiftet worben zu sein, dessen Zweck darin bestand, nach der Entgleisung des Zuges den Postwagen zu berauben. von diesem Vorhaben nahmen sie jedoch Abstand, als sie sahen, was sie angerichtet hatten. Sie liefen bann aus Furcht, als Täter verhaftet zu werben, baoon.
Der Plan sei bereits lange Zeit vor bet Ausführung auf bem Bahnhof von herforb im Wartesaal zwischen Willi Weber, seinem B ruber Walter Weber unb Schlesinger besprochen
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
Beilagen:
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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reaus gab Bundesrat Motta folgende Erklärung ab: Für die Märztagung habe Chamberlain einen Bericht ausgearbeitet gehabt, der sich für die Aufnahme Deutschlands aussprach. Ein neuesWiederaufnahmeverfahren im Schoße des Ausnahmeausschusses würde nach der Ausfaffung des Vorstandsbnreaus einen erheblichen Zeitverlust bedeuten. Es müsse allerdings hinzugefügt werden, daß Deutschland für sich ein Aufnahmevcrfahren verlange, das nicht vollkommen normal sei, indem es ccflärc. daß es sein Aufnahmegesuch von der Z u t c i [ un g eines ständigen Ratssitzes abhängig mache. Damit würde also mit dem Beschluß über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ein zweiter Beschluß über die Zuteilung eines ständigen Ratssitzes an Deütsch- land erforderlich. Anter Bezugnahme auf die Schwierigkeiten, die durch diese zwei Fragen entstanden seien, gab Motta bekannt, daß der frühere Ratspräsident Benesch dem Dorstandsbureau die Mitteilung machte, daß die Einstimmigkeit für die Entschließungen des Völkerbundsrates am letzten Samstag nur unter der Voraussetzung verwirklicht werden könnte, daß die drei Fragen: Aufnahme Deutschlands, Zuerkennung eines ständigen Ratssitzes und Vermehrung der nichtständigen Ratssitze von 6 auf 9
als ein untrennbares Ganzes betrachtet werden. Diese drei Fragen seien also untrennbar und bildeten das Ergebnis einer wichtigen Transaktion unb eines nützlichen volitischen Kompromisses. Aus dem Amstande, daß
gebracht werben kann. Zwar sind durch die ständige Mechanisierung der Arbeit Köpfe erspart worden, jedoch ist der Perfonalstand heute noch trotz geringeren Verkehrs höher als im Jahre 1913. Obgleich der Hauptverwaltung der Reichsbahn allmonatlich Berichte über die Betriebsführung und den Zustand der Anlagen vorgelegt werden und obgleich in diesen Berichten, die direkt aus der Praxis stammen, stets betont worden ist, daß die Be= triebssicherheit durchaus gewahrt ist, entschloß sich Hauptverwaltung zu folgenden Maßnahmen: 1. Der S treifbienft ist in starkem Maße auf ben Strecken unb Bahnhöfen auch bei Rächt zu o e r ff ä r t e n. Ist es boch eine alte Erfahrung, daß einmal verübte Anschläge in der ersten Zeit zu Wiederholungen Anreiz


