Fall, sie kann nur von der Wahl fernbleiben oder von der Partei abspringen. Änd Tausende sind diese Wege schon gegangen. Soll das weiter so gehen und damit die Partei vernichtet werden? Darf eine Partei, die keinen Gewissenszwang kennt, die jede Formaldemokratie ablehnen muh, in einer solchen Frage einen Zwang ausüben, wenn sie aus bester Information weih, daß die Wähler sehr geteilter Auffassung Wer die seitherige Finanzpolitik sind? Es gibt weite Kreise in der Partei, deren Vertrauen nicht nur zu der Finanzpolitik der Negierung, sondern auch zur Führung der Geschäfte im Landesamt für das DildungsWesen. die ebenfalls nur in demokratischen Händen ist, stark erschüttert ist. Darf die Partei es wagen, diese Strömungen zu unterbinden?"
I
F
Flugreise nach Paris.
Von Paul Steinfurth.
Es läßt sich nicht leugnen, daß Paris bereits seit geraumer Zeit entdeckt ist. Das ist ein Malheur, wenn man etwas Neues erzählen soll, aber es ist unabänderlich, und mit dieser, sozusagen, Gottge- wolltheit muß man sich trösten. Und das Flugzeug? Den Kühen, die auf den weiten Weiden Belgiens und Frankreichs, als sie des brausenden silbernen Riesenvogels ansichtig wurden, ihre geruhsame Müßigkeit jäh unterbrachen und in wildem Schrecken nach allen Richtungen auseinanderstoben, den Schafherden, die neben-, über- und untereinander zusammenrückten und, die Köpfe beinahe in den Boden vergruben, in irre*' Dumpfheit ein elementares Schicksal über sich Hinwegrasen fühlten, war es sichtlich noch etwas unerhört Neues. Aber wir menschlichen Bewohner dieser zivilisierten Erde tun uns ja nicht umsonst einiges darauf zugute, daß wir in der Entwicklung, in unserm Wissen ein erkleckliches Stück weiter sind. So muß also seufzend zugegeben werden, daß nicht nur Paris bereits entdeckt, daß sogar auch das Flugzeug zum mindesten nicht mehr ganz unbekannt ist.
Und doch ist etwas Neues bei dieser Luftreise. Es liegt weder im einen noch im andern allein, vielmehr in ihrer Kombination, in der Tatsache an sich, daß man jetzt im Flugzeug nach Paris reifen kann. Bisher konnte man von Berlin aus die meisten europäischen Hauptstädte auf diesem Wege erreichen. Aber der Draht nach Paris ist erst jetzt in langwierigen Verhandlungen wieder angeknüpft worden. Begeisternngsfähige Gemüter möchten in diesem Fortschritt vielleicht etwas Symbolisches sehen, zumal die Linie durch die Luft bekanntlich die kürzeste iü. Aber die Verhandlungen, deren Folge die Eröffnung dieses Verkehrsweges ist, sind doch keineswegs auf solchen Höhen eines reinen Idealismus geführt worden, sondern durchaus von dieser Erde der nüchternen Realitäten gewesen. Und das ist gut ^Denn hier hat sich die Unmöglichkeit einer Unter* eidung in oieger und Besiegte erwiesen, weil der
Deutlicher als mit dieser Sprache können auch wir die Lage der Zentrumspartei in Hessen nicht kennzeichnen. Die Sprache der Tatsachen und die Wucht der durch das ganze hessische Volk gehenden Bewegung machen es für uns völlig überflüssig, aus dem Wege der Hintertreppen irgendwelche Beeinflussung der künftigen Entscheidungen der Zentrumspartei in Hessen zu versuchen. Deshalb können wir auch mit absoluter Ruhe. mit lächelnder äleberlegen- heit die Angriffe und Versuche der Sozialdemokraten und Demokraten mit anschauen. Wir wissen, daß die Mehrheit des hessischen Volles unserem Wege folgen und den Führern der Demokratie und Sozialdemokratie die verdiente gründliche Abrechnung nicht vorenthalten wird.
kulturelle und wirtschaftliche Wettbewerb seine eigenen Gesetze hat. Unter Ausschaltung der politischen Hemmungen wird die Regie vollkommen paritätisch gehandhabt. Täglich fliegt eine deutsche und eine französische Maschine, die eine hin, die andere her. Dabei ist es übrigens bemerkenswert, daß auch die Franzosen schon jetzt lieber mit der Junkers-Maschine der Deutschen Lufthansa als mit dem Farman fliegen, obwohl nach Ansicht der Fachleute auch diese Maschine ausgezeichnet ist. Um so mehr können wir mit dem Anfang zufrieden sein.
Man rechnet damit, daß die Strecke Berlin— Paris eine der erfolgreichsten Linien innerhalb des Luftverkehrs überhaupt werden wird. Ergiebig dürfte auch der Frachtverkehr werden, wenn z. B. die großen Modehäuser ihre Waren im Flugzeug befördern. Aber auch der Prsonenverkehr ist schon jetzt sehr stark. Waren doch an einem der letzten Tage mehr Passagiere angemeldet, als das Flugzeug fassen konnte, so daß ein Teil wieder umkehren und einen Tag länger in Paris bleiben mußte. Das hat feinen Grund wohl darin, daß der deutsche Reiseverkehr, dessen Hauptstrom im vorigen Jahr nach Italien ging, sich jetzt stärker auch Frankreich zuwendet. Man bekommt einen Begriff davon, wenn man hört, daß allein das Berliner Konsulat täglich etwa 140 bis 150 Pahvisa ausstellt, die meisten nach Paris, einen großen Teil an die französische Riviera, viele aber auch für Reisen, die dem früheren Kampfgebiet gelten, das sich mancher, der dort in Stellung gelegen hat, heute wieder an sehen möchte. Natürlich ist der deutsche Besuch noch nicht zu vergleichen mit dem englischen. Die englischen Reisenden beherrschen Varis. Wo man geht und steht, hört man englische Laute, zumal sich auch viele Amerikaner in Paris aufhalten. Trotzdem muß man den Eindruck haben, daß die Franzosen sich bereits in erheblichem Maß auf den deutschen Besuch eingestellt haben. Am deutlichsten spricht dafür der starke Umschlag der Stimmungen. Man kann in einer französischen Revue Couplets mit Sticheleien auf Amerika und England hören, aber nirgendwo macht sich noch etwas wie Deutschenhaß bemerkbar. Deutschland bezahlt, das ist
Es führte über 250 Kilometer und gestaltete sich zu einem großen radsportlichen Ereignis Frankfurts. Schon morgens um 4.50 älhr wurden die 6-Amateure auf die lange Reise geschickt, denen 10 Minuten später die ^-Amateure folgten. Um 5.30 Uhr starteten dann die Berufsfahrer. Die Rennstrecke führte über Groß-Gerau, Darmstadt, Hanau, Friedberg, Bad-Rau- Heim, Usingen zur Tenne, wo eine 20-Minuten- Zwangspause einzuhalten war. Von da ab zog sich die Strecke über Reu-Weilnau nach Mainz- Kastel wieder nach Groß-Gerau, Langen, Reu- Isenburg zurück zur Sachsenhäuser Warte. Bot schon die internationale Besetzung, es waren Schweizer, Italiener, Belgier, Holländer und besonders unsere deutschen Fahrer von erstem Rufe erschienen, die doch sozusagen die Elite des Derufsfahrertums darstellten, einen ganz ausgezeichneten Sport, so überraschte das Rennen selbst angenehm, indem es sich auch hier zeigte, daß sämtliche Fahrer zäh kämpfen konnten und sich einen gigantischen Kampf lieferten, der bis ins Ziel andauerte. In flottem Tempo gingen schon die Amateure auf die Reise, denen es erst auf dem Rückwege in Groß-Gerau gelang, den 8-Führer, der ein glänzendes Rennen fuhr, einzuholen, der aber seinerseits sich nicht entmutigen ließ und sich dem Rudel anschloh, um dann doch noch im Ziele den Sieg, wenn auch knapp, aber doch sicher an sich bringen konnte. Die Berufsfahrer schossen in geschlossenem Felde von einem Troß von Automobilen und Motorrädern begleitet, die staubigen Straßen dahin, ohne daß indes sich einer der Fahrer aufge- rafft hätte, die Teilnehmer etwas unsicher zu machen. Cs wurde ein schnelles Tempo gefahren, niemand wollte nachgeben. Auch die Steigungen erbrachten nicht, wie man vermutete, einen interessanten Augenblick, denn alle Fahrer bewältigten sämtliche steile Steigungen ziemlich glatt. Auch die Witterung, die sehr günstig war, trug viel zum Gelingen des Rennens bei Die letzten 10 Kilometer gestalteten sich zu einem zähen Ringen um die Ehre, und zwar zwischen den Rennställen Opel, Misa und Diamant. Den Sieg trug um Reisenbreite der Schweizer H. Suter auf Misa davon, der durch ein Mißverständnis der Opelmannschaft zum Siege kam. Von einem eigentlichen Siege kann man nicht sprechen, da die Abstände sich um Bruchteile von Sekunden handelten und gewiß auch jeder andere Teilnehmer dieselben Leistungen vollbrachte, wie der Sieger. Lilles in allem ein Rennen, wie es noch selten „Rund um Frankfurt" gegeben hat. Die Organisation des Rennens klappte vorzüglich. Die Ergebnisse sind folgende:
Ältersfahrer ab Usingen: l.Käb, 2. Mesch, 3. Wagener.
Amateure: Zeit 8.25,25. 1. H. Lersch, 2. R. Zeißner, 3. I. Zind, 4. C. Gugau, 5. E. Müller, 6. O. Kürschner, 7. L. Tüller, alle dichtauf.
Berufsfahrer: Zeit 8.25 Std. 1. H. Suter (Schweiz) Mifa, 2. Belloni (Italien) Opel, Reifenstärke zurück. 3. van Hevel, Opel, 4. H. Fischer, 5. R. Huschke, 6. Rebe, 7. Gah. Alle dichtauf.
Universität Breslau Deutscher Hochschur-HandbaAmeister.
vo. Das Schlußspiel um die Deutsche Hochschul- Meisterschaft im Handball ging am gestrigen Sonntag in Halle oonftatten. Anfangs gingen die Breslauer, die sich in guter Form befanden, in scharfem Tempo in das Spiel, ihre Torführung wurde jedoch immer wieder ausgeglichen, so daß das Halbzeitergebnis 2:2 war. Nach Halbzeit flaute das Spiel ab. Knapp eine Minute vor Schluß der regulären Spielzeit gelang den Breslauern ein Durchbruch, der zu einem vierten Tor führten, so daß die Universität Breslau mit 4:3 (2:2) Deutscher Hochschul-Handball- meister wurde.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
f. Klein-Linden, 7. Juni. Eine reichhaltige Tagesordnung lag zur jüngsten Gemeinde- r a t s s i tz u n g vor. Als erster Punkt wurde über die nunmehr sichergestellte Einrichtung der Autolinie Gießen—Niederkleen verhandelt und die von der Postverwaltung festgesetzten Richtlinien anerkannt und eine Garantiesumme anteilsgemäß übernommen. Wie feststeht, soll bei guter Benutzung und Rentabilität ein Anhängewagen hier stationiert werden. — Als Mitglieder für den Ausschuß zur Prüfung der Anträge auf Mietunterstützung werden gewählt vom. Gemeinderat Ph. Klein und Fr, Weigel, II.,
die Hauptsache, und die deutschen Reisenden bringen Geld ins Land. Wandlungen also, die einen ganz handfesten Hintergrund haben, die freilich in der Politik noch nicht sehr viel zu spüren, im täglichen Leben aber auf der Straße, im Hotel, in den Geschäften, überhaupt überall, wo man mit einem Franzosen gufamentrifft, deutlich und vorhanden sind.
Die Eröffnung der Luftlinie wird all diese Dinge wahrscheinlich noch weiter beeinflussen. Man reift so am bequemsten, am schnellsten und am interessantesten. Auf dem Rückflug brauchten wir von Pgris bis Köln nicht viel mehr als zwei Stunden. Der Paris—Warschauer V-Zug ist auf der gleichen Strecke 9 Stunden unterwegs. Die Behörden tun alles, um die Fluglinie populär zu machen und die Reifeannehmlichkeit nicht zu schmälern. Paß- und Zollkontrollen werden in den entgegenkommendsten Formen ohne jede Schikane abgewickelt. Der Schupobeamte, der Zöllner in Köln, steht hinter dem Pariser Douanier an Liebenswürdigkeit um nichts zurück. Und dann gibt es wohl kaum eine Strecke im internationalen Flugverkehrsnetz, die fo interessant wäre wie diese, wenigstens für den, der den Kriea in Frankreich miterlebt hat. Die zerstörte Landschaft hat ein neues Kleid bekommen. Man sieht ihr Wiederwerden, ihr Wiederauferstehen aus Ruinen und Wunden, die der Krieg, die namentlich englische Geschütze hinterlassen haben. Paris freilich weiß nichts mehr vom Kriege. Es lacht und flirtet, wirft feine Lichtermaffen ins Dunkel, ist heute mehr eine Stadt der Fremden und hat trotz der Inflation — oder gerade durch sie — einen stärkeren und wilderen Pulsfchlag denn je.
Frankfurter Theater.
Sonntaginorgen im Schauspielhaus. Ernst Klein, ein junger Dramatiker, Wird erstmalig von der Vereinigung der jungen Bühne aufgeführt. Sein Stück heißt ..D a v o s" und ist schwindsüchtig im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei äußerst durstige, kranke Akte hindurch quält eine Schwindsüchtige ihren Geliebten, einen jun-
oon den Interessenten Drolsbach und Deibel VI. — Die Kreisstraßendauverwaltung beabsichtigt, zur Verhütung der Staubentwicklung die Kreisstraßen durch den Ort mit einer Teerflüssigkeit zu tränken unter Beteiligung der Gemeinde an den Kosten. Der Gemeinderat begrüßt das Vorhaben, jedoch soll der Bürgermeister mit dem Kreis verhandeln um evtl. Uebernahme der gesamten Kosten auf die Kreiskasse unter dem Hinweis auf die finanziell schlechte Lage. — Die Aufnahme eines Kaffenkredits bis zur Höhe von 5000 Mark je nach Bedarf bei der Bezirksfpar- faffe Gießen wird gutgefjeißen. Das Darlehen dient hauptsächlich dem Zweck, die laufenden Ausgaben für gegenwärtig durchzuführende Notstandsarbeiten zu decken. Des weiteren wird beschlossen, von einem Darlehen in Höhe von 2000 Mark von der Feld- bereinigungsgesellschaft Klein-Linden Gebrauch zu machen. — Die Arbeiten zu den Gossenpflasterungen in der Wetzlarer Straße sollen ausgeschrieben werden. — Der Gebührentarif für Feldgeschworene wird abgeändert nach den Vorschlägen des Kreisamts und beträgt bis 2 Stunden 1,25 Mk., für 2—4 Stunden 2,25 M., über 4 Stunden 4,50 Mk. Bei Bahnfahrt werden 3. Klaffe und die außergewöhnlichen Unkosten besonders berechnet. — Ein Antrag der Landwirtfchaftskammer betr. Stiftung eines Preises zur Tierschau in Grünberg LÜrd abgelehnt.
>< Allendors a. d. Lahn, 7?*3uni. Der jetzt in voller Blüte stehende Roggen hat einen vorzüglichen Stand. Es Wurden schon jetzt Halme von über 2,10 Meter Höhe gemessen, so daß bei Weiterem Wachstum mit einem guten Ertrag an Stroh und Körnern zu rechnen ist. Auch der Hafer 8eigt ein üppiges Wachstum. Der Stand des K^es ist vorzüglich. Die Kartoffeln stehen ebenfalls gut, einzelne Lücken in den Reihen sind auf die Verwendung fehlerhafter Setzkartoffeln aus eigener Zucht zurückzuführen. Dieser Tage wurde mit dem Sehen der Dickwurzeln begonnen, die Pflanzen sind vielfach noch nicht genügend abgehärtet, so daß bei heißer Witterung Verluste eintreten Werden. — Dieser Tage Wurde ein hiesiger Landwirt von se-inem Pferde gegen den Unterleib geschlagen. Obgleich der Mann zuerst nur geringe Beschwerden verspürte, verschlimmerte sich der Zustand bis zum anderen Tage, so daß die Einlieferung in die Chirurg. Klinik Gießen nötig Wurde. Hier stellte sich die RotWendigkeit einer sofortigen Operation heraus, da lebenswichtige innere Teile verletzt Waren. Der Zustand des Verletzten'ist sehr besorgniserregend.
£ Wieseck, 8. Juni. Einen wie lebhaften Widerhall die letzten Ereignisse in unserer Gemeinde bei der Bürgerschaft gefunden haben, bewies in der gestrigen Sitzung des G e m e i n d e r a t s die außerordentlich starke Besetzung des Zuhörerraums. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Aussetzung des G em einderalsbeschlusses vom 2. Juni, wonach die Bürgermeisterei den Voranschlag für 1926 für jedes Gemeinderatsmitglied vervielfältigen sollte. Einleitend führte der Bürgermeister aus, daß er die Ausführung dieses Beschlusses ausgesetzt habe. Hierzu hätten ihn rechtliche Bedenken veranlaßt, da der Gemeinderat nicht das Recht habe, in die Verwaltung der Bürgermeisterei einzugreifen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen macht sich, falls der Gemeinderat aus feinem Beschluß beharrt, die Einleitung eines Verwal- tungsstreitverfahrens notwendig, der Gemeinderat habe heute nun die Pflicht, sich zu entscheiden, ob er auf seinem Beschluß beharre ober auf dessen Durchführung verzichte. Nachdem von der bürgerlichen, der sozialdemokratischen und der kommumstischen Partei Erklärungen abgegeben waren, daß an eine Zurücknachde des Beschlusses nicht zu denken sei, beschäftigte sich Gemeinderatsmitglied Benner eingehend mit der ganzen Angelegenheit. Er wies zunächst nach, daß nirgends niedergelegt ist, daß den Kommunalabgeordneten keine Abschrift des Voranschlags ausgehändigt werden dürfe. Wohl aber werde, trotzdem auch das Gegenteil nirgends steht, in wohl allen Städten, Kreisen usw. ein meist sehr umfangreicher und ausführlicher Voranschlag den Abgeordneten vor der Beratung zugestellt, ja sogar in einigen Landgemeinden unserer unmittelbaren Nachbarschaft erhalten die Ge- meinderatsmitgliedcr vor der Beratung eine Abschrift des Voranschlags auszugsweise zugcstellt. Warum hierzu in Wiefeck erst die Einleitung eines Verwaltungsstreitverfahrens notwendig fei, fei unverständlich, und angesichts der Lappalie, um die es sich doch handele, mit großen Gefahren für die Gemeinde verbunden, da die Kosten dieses Streitverfahrens wohl keine allzu geringen sein würden. Der Gemeinderat befinde sich auch völlig i m Recht, wenn er auf die Durchführung seines Beschlusses bestehe, denn in der Landgemeindeordnung stehe ausdrücklich, daß der Voranschlag dem Gemeinderat v o r g e I e g t werden muß, darunter fei wohl niemals ein V o r l e s e n , wie seither üblich, zu
gen, ziemlich verkrampften Menschen. Es kommt zu den unerquicklichsten, man kann getrost sagen unappetitlichsten Szenen, Aesthetik bleibt dem Stück "fern. Eine dekadente Erotik Weht aus diesem Spiel. Ernst Klein hat sicher den „Zauberberg" Thomas Manns gelesen und hier seine ersten Anregungen gesunden, vieUeicht hat er auch das Thema aus sich heraus entwickelt, Wie es auch immer sei, es bedeutet eine Geschmacklosigkeit, ein derartiges Leiden in dieser Weise auf die Bühne zu bringen und zu dramatisieren: die Schwindsucht gewissermaßen zu einer Sexualtragödie auszuwerien. Vier Personen beherrschen das Spiel, der Bruder und der Freund sind nur Rahmenfiguren. Im Mittelpunkt steht die schwindsüchtige Schauspielerin Hilde, ihr geistig völlig zerrütteter Freund Werner und ein reicher Mensch mit seiner Geliebten Asta. Beide sind ebenfalls schwindsüchtig und stehen in einem unerfreulichen Verhältnis zueinander (sie will Werner, und er Hilde für sich gewinnen). Unausgegorene Phantasie gefällt sich nun in lächerlichen Explosionen. Der Schluß bringt noch einen Eifersuchtsmord, und der Autor scheint den Glauben zu haben, ganz neue Wege der dramatischen Dichttunst zu beschreiten, während das ganze in Wirklichleit richtig gehender Kitsch ist. Schade um Schauspieler wie Korwarzik und Fuchs, die sich mit solchen Rollen abmühen müssen. Maria Weißmann hätte ihrerseits einige Szenen dezenter abdämpfen können. Das Ain- glaublichste bei der ganzen Aufführung Waren die in der Mehrzahl erschienenen jugendlichen Zuhörer, die durch ihre DeifaNsäußerungen sich und ihrer Zeit ein trauriges Zeugnis ausstellten. — Die Errichtung einer jungen Bühne an sich wäre gut, man muß dem strebenden Rach- Wuchs Gelegenheit bieten, mit seinen Arbeiten an die Oeffentlichkeit zu treten, aber — hier seht ein sehr berechtigtes „aber" ein — man muß sichten und suchen. Laßt die Wirklich Jungen, die sich noch zu einem frischen Gedanken und einem ernsthasten Problem aufschwingen können, zu Wort kommen! L W
Turnen, Sport und Spiel.
Das Endspiel um die deutsche Fusiballmeifterschaft.
Frankfurt a. 2N., 7. Juni. (MTV.) Das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft findet nicht, wie früher gcmcl- del. in Köln statt, sondern es wird im Frankfurter Stadion am kommenden Sonntag, 13. Juni, ousgetragen. Bekanntlich stehen sich im Endkampf die Spielvereinigung Fürth und der brandenburgische TNeisler Hertha B. S. E. gegenüber.
Leichtathletische Meisterschaften
d. Bezirks Hessen-Hannover (W. S. V.)
sch. Marburg, 6. Juni. Heftiger Landregen störte besonders die Vorkämpfe und drückte erheblich auf die Ergebnisse. Trotzdem zeigten die Leistungen in den einzelnen Wettkämpfen im Stadion eine gute Vorwärtsentwicklung in der Leichtathletik. Am Start Waren etwa 80 Wettkämpfer aus Kassel, Gießen, Göttingen, Korbach, Frankenberg und Marburg erschienen. Den Löwenanteil an Siegen holte sich Hessen- Preußen Kassel mit seiner gut ausge bildeten Kampfmannschaft. An zweiter Stelle steht Kurhessen-Polizei Kassel, Während die anderen Bewerber sich in den Rest der Siege teilten. Die Abwicklung der Kämpfe ging glatt Oonftatten. Rachstehend die Siegerliste:
Laufen (100 Meter): 1. Freund. Hessen-Preußen Kassel, 11,4; 2. Lcchrh, V. f. B. K. Marburg, 11,5; 3. Weingärtner, Kurhessen- Polizei Kassel, 11,7.
200 Meter: 1. Schaurig, Hessen-Preußen Kassel, 23,7; 2. Fischer. 1900 Gießen, 25; 3. Bott, Kurhessen-Polizei Kassel, 25,2.
400 Meter: 1. Regendank, V. f. B. K. Marburg, 53,5; 2. Rathke, Hessen-Preußen Kassel, 54,3; 3. Althoff, Kurhessen-Polizei Kassel, 55,9.
8 0 0 Meter: 1. Christoph, 05 Göttingen. 2,9,1; 2. Seidenstucker, Kurhessen-Polizei Kassel, 2,9,6; 3. Behling, Hessen-Preußen Kassel, 2,9,9.
1500 Meter: 1. Walpert, Hessen-Preußen Kassel, 4,17; 2. Pfeil, D. f. B. K. Marburg, 4,27,1; 3. Hein, A. Sp. V. Marburg, 4,27,3.
5000 Meter: 1. Walpert, Hessen-Preußen Kassel, 15,57,5; 2. Wege, Korbach, 16,44; 3. Cloos, Kurhessen-Polizei Kassel, 17,3.
Weitsprung: 1. Schaurig, Hessen-Preußen Kassel, 6,69;; 2. Adams, Kurhessen-Polizei Kassel, 6,16; 3. Harz, Frankenberg, 6,10.
Hochsprung: 1. Böge, Göttingen 95, 1,63; 2. Decker, 1900 Gießen, 1,63; 3. Johannis, Hessen-Preußen Kassel, 1,58.
Stabhoch: 1. Adams, Kurhessen-Polizei Kassel, 3,45 nicht ausgesprungen; 2. Dietrich, Frankenberg, 3,25; 3.' Weingärlner, Kurhessen- Polizei Kassel, 2,85.
Kugelstoßen: 1. Iunghenn. Hessen-Preußen Kassel, 12,19; 2. Gartz, A. El. 88 Marburg, 12,18; 3. Schenk, Kurhessen-Polizei Kassel, 11,22.
Diskus: 1. Iunghenn, Hessen-Preu- Kassel, 35,82; 2. Gartz, 21. 61. 88 Marburg, 32,38; 3. Schenk, Kurhessen-Polizei Kassel, 31,70.
Speer: 1. Cramer, V. f. D. K. Marburg, 40,91; 2. Grössei, Hessen-Preußen Kassel, 38; 3. Hartmann, Korbach, 37,48.
Dreikampf: 1. Seipp, 1 900 Gießen, 145 Punkte; 2. Adams, Kurhessen-Polizei Kassel, 137; 3. Cramer, V. f. B. K. Marburg, 136.
4xl00-Meter-Staffel: 1. Hessen- Preußen Kassel 45,7; 2. V. f. D. K. Marburg 45,9; 3. 19 0 0 Gießen 46.
Olympische Staffel: 1.Hessen-Preußen Kassel 3,56,2; 2. Kurhessen-Polizei Kassel 3,59,2.
Schweden staffel: 1. Hessen-Preußen Kassel 2,09,1; 2. Hessen-Preußen Kassel II 2,14; 3. 05 Göttingen 2,15,2.
3xl.000-Meter°Staffel: 1. Hessen- Preußen Kassel 8,36,3; 2. Kurhessen-Polizei Kassel 8.46,4.
110 Meter Hürdenlauf: 1. Johannis, Hessen-Preußen Kassel, 18; 2. Böge, 05 Göttingen, 18,5; 3. Rathke, Hessen-Preußen Kassel, 18,9.
Südwestdeutscher Turnerbund.
Jugendturnen
int Offenheimer Wäldchen.
CO Zu diesem Wettkampf am Sonntag traten 20 Riegen in drei Abteilungen an. Die erste Abteilung umfaßte 90 Turner im Alter von 17 und 18 Jahren, in der zweiten Abteilung waren ca. 160 Turner von 14 bis 16 Jahren, die dritte Abteilung hatte sechs Damenriegen mit etwa 100 Turnerinnen von 14 bis 17 Jahren. Geturnt wurden neun Hebungen, Wettlauf, Weitsprung, eine Frei-. und sechs Geräteübungen. Das Turnen verlief in guter Ordnung, ohne Störung und Unfall und war kurz nach 1 Ühr beendet. Die Leistungen waren gut, zum Teil hervorragend. Besonders fesselte das Turnen der Damenabteilung, eine im Gau Wetterau neue Erscheinung.
Um 2 Uhr ging der F e st z u g, an dem die Wetturner und Turnerinnen und die umliegenden Vereine des Gaues Wetterau teilnahmen, durch die reichen Festschmuck tragenden Straßen von Ossenheim nach dem Wäldchen. Gauvorsitzender Dietz begrüßte die große Zahl der Turner und Gäste, sprach den Wetturnern den Dank des Gaues aus und richtete den Appell an die Jugend, in den Turnvereinen den Körper zu stählen. Bundesvorsitzender Roth bezeichnete die gebotenen Leistungen als sehr gut und ermahnte die Jugend, die Turnerei weiter zu pflegen und zu tätigen. Nachdem er angesichts des Gedenksteins der gefallenen Turner gedacht hatte, schloß er mit einem „Gut Heil" auf den Gau Wetterau.
Die anschließenden Massenfreiübungen der Turnerinnen wurden sehr gut ausgeführt, auch die Turner zeigten gute Schulung. Emzelfreiübungen von Turnerinnen der Vereine Wixhausen und D a r m st a d t waren ganz besonders gut. Eine Turnerin von Darmstadt machte noch die Freiübungen für das Bundesfest in Tübingen sehr gut vor.
In anstrengender Arbeit waren inzwischen die Preise errechnet und die Diplome ausgeschrieben worden, so daß um 4 Uhr die Preisverteilung stattfinden konnte.
In der ersten Abteilung erhielten den 1. Preis mit 15§ Punkten Ludwig Lepper, Waldgirmes, den 2. mit 153 Punkten Wilhelm Haller, Dietzenbach, den 3. mit 147 Punkten Wilhelm Waitzel, Kaichen.
In der zweiten Abteilung erhielten den 1. Preis mit 155 Punkten Fritz Hanst, Darmstadt, den 2. mit 154. Punkten August Luh, Leihgestern, den 3. mit 152 Punkten Heinrich Sehring, Langen.
In der dritten Abteilung erhielten den 1. Preis mit 160 Punkten Minna Kreiling, Wiefeck, den 2. mit 154 Punkten Marie Wolf, Dietzenbach und Life! Schuchmann, Darmstadt, den 3. mit 152 Punkten Emilie Schmidt, Wiefeck.
An die Volksbelustigung schloß sich Konzert, Tanz und Volksbelustigung an.
Strützenradfernsahrt „Rund um Frankfurt".
Am Sonntagvormittag ging das große, international besetzte klassische Straßenradrennen „Rund um Frankfurt" vom Stapel.


