Einzelbild herunterladen

Hindenburg gegen die Fürstenenteignung.

Ein Brief an Loebell.

-Berlin, 7. Juni. (TU.) DerVorwärts" kündigte in seiner Sonntagsausgabe an, daß in der politischen ZeitschriftDer Deutschenspiegel" am 11. Juni ein Briefwechsel de§ Staatsministers a. D. v. Löb'ell mit dem Reichspräsidenten v. Hindenburg veröffentlicht werden solle, worin Hindenburg den Volksentscheid als einen Verstoß gegen die Grundlagen der Moral und des Rechts bezeichnet. DerDeutschenspiegel" hat bereits heute in einer Sonderausgabe den genannten Briefwechsel veröffentlicht.. Der Brief Hindenburgs an v. Löbell hat folgenden Wort­laut:

Der Reichspräsident.

Berlin, 22. Mai 1926.

Sehr geehrte Exzellenz!

Bon Ihrem Schreiben vom 19. Mai habe ich mit lebhaftem Interesse Kenntnis genommen. Ihrer Anregung, zu dem Volksbegehren auf Enteignung der Für st enver mögen in einer öffentlichen Kundgebung Stellung zu nehmen, vermag ich aber aus staatsrechtlich sich aus der verfassungsmäßigen Stellung des Präsidenten des Deutschen Reiches ergebenden Gründen nicht zu entsprechen. Auch von einem Erlaß an die Reichsregierung möchte ich absehen- Die Reichsregierung hat bereits inihrer Kundgebung vom 24. April d. 3. vor dem deut­schen Volk klar und deutlich erklärt, daß

die enlschädigungslose Enteignung den Grund­sätzen, die in einem Rechtsstaat die Grundlage für jeden Gesetzgebungsakt zu bilden haben, widerspricht.

Sie hat diesen Standpunkt sowohl in der erwähnten amtlichen Kundgebung als auch durch den Reichs- minifter des Innern in der Reichstggssitzung vom 28. Avril dahin ausgesprochen, daß sie das Volks­begehren auf entschädigungslose Fürstenenteignung auf das entschiedenste ablehne. Die unter dem Reichskanzler Dr. Marx am 17. Mai 1926 neugebildete Reichsregierung hat sich in ihrer Erklärung vom 19. Mai diesen Standpunkt ausdrücklich zu eigen gemacht. Ich kann da­her anehmen, daß die Regierung, ohne daß es eines besonderen Schrittes meinerseits bedarf, Ihre Auf­fassung über die rechtliche Tragweite und Gefahren des Volksbegehrens teilt. Was die von Ihnen berührten, im weiteren Verlauf der Dinge von mir persönlich zu treffenden Entscheidungen anlangt, so muß ich mir, wie es die Verfassung vorsieht, meine Entschließung vor­behalten, vis das Ergebnis des Volksent­scheides und des sich hierauf gründenden Ausfüh- rungsgesetzes vorliegt, und die Frage der Vollziehung dieser Gesetze an mich herantritt. Ich will es aber doch nicht unterlassen. Ihnen meine per­sönliche Auffassung dahin mitzuteilen, daß ich die von Ihnen geäußerten Besorgnisse in vol- lem Umfange teile und die gleichen Be­denken, wie Sie, auch von Anfang dieser Ent-

wicklung der Dinge an auch der Reichsregierung zum Ausdruck gebracht habe.

Dah ich, der ich mein Leben im Dienste der Könige von Preußen und der deutschen Kaiser verbracht habe, dieses Volksbegehren zu­nächst als ein großes Unrecht, dann aber auch als einen bedauerlichen Mangel an Traditionsgesühl und als gro­ben Undank empfinde, brauche ich Ihnen nicht näher auszuführen.

Ich will mich aber bemühen, den Enteignungsantrag hier nicht als eine politische, sondern lediglich als eine moralische und rechtliche Anaelegen- heit zu betrachten. Ich sehe in ihm unter diesem Ge­sichtspunkt einen

sehr bedenklichen Vorstoß gegen das Gefüge des Rechtsstaates, dessen tiefstes Fundament die Achtung vor dem Gesetz und dem gesetzlich anerkannten Eigentum ist. Es verstößt gegen die Grundlagen der Moral und des Rechts.

Würde dieses Volksbegehren Annahme finden, so würde einer der Grundpfeiler, auf dem der Rechts- staat beruht, beseitigt und ein Weg eröffnet, der auf abschüssiger Bahn haltlos bergabführt, wenn es der Zufälligkeit einer vielleicht noch dazu leidenschaftlich erregten Volksabstimmung gestattet fein soll, verfassungsmäßig gewährleistetes Eigentum zu entziehen oder zu verneinen. Es könnte aus dem jetzt vorliegenden Einzelfall die Me­thode entstehen, durch Aufreizung des Instinktes der Mafien und aus Einzelheiten der Rot des Volkes mit solchen Volksabstimmungen auf dem Wegeder Enteignung w e i t e r z u g e h e n und damit dem Deutschen Reiche die Grundlage seines kulturellen, wirtschaftlichen und staatlichen Lebens zu entziehen. Ich sehe hierin eine große Ge­fahr, die gerade in unserer Lage, in der die Zu­sammenfassung aller wirtschaftlichen und ideellen Kräfte für unsere Selbstbehauptung am notwen­digsten ist, unsere staatliche Grundlage bedroht und in einem Zeitpunkt, wo wir die e r st e n S ch r i 11 e auf dem Wege zu neuer wirtschaftlicher Geltung getan haben, unsere Stellung in der Welt schädigt. Ich bin überzeugt, daß trotz der starken, vielfach wenig schonen Agitation für das Volksbegehren das ruhige Urteil und der gesunde Sinn unseres Volkes diese moralische und rechtliche Seite der Frage nicht verkennen und die unabsehbare Gefahr, die allen Schich­ten des Volkes hier droht, nicht übersehen wird. Ich hoffe daher zuversichtlich, daß unsere Mitbürger in der Entscheidung vom 20. Juni diesen Erwägun­gen Rechnung tragen und den Schaden überwinden werden, der sonst dem ersten Grundgesetz jedes Staates, dem Recht und der Gerechtigkeit, erwachsen würde.

Mit freundlichen Grüßen bin ich

Ihr sehr ergebener

gez. v. Hindenburg."

Vers icherungsleistungen fordern. Gegen die großen Beitragsrückstände der Arbeitgeber müßte mit größerer Energie vorgegangen werden. Die Vorlage befriedige bei weitem nicht die be­rechtigten Wünsche der Arbeitnehmer im Berg­bau. Um so weniger ernst zu nehmen feien die Kundgebungen der Arbeitgeberverbände .die aus dem Gesetz eine große Aeubelastung der Unter­nehmer herausrcchnen wollen.

Abg. Leopold (Dntl.) bezeichnet die Vorlage als eine ungerechte Bevorzugung der Tagarbeiter im Bergbau gegenüber den Arbeitern in anderen schwe­ren Berufen. Auch seien die Invalidenrenten und die Hinterbliebenenbezüge bei der Arbeiterschaft im Bergbau unverhältnismäßig viel größer, als bei bei übrigen Arbeiterschaft. Zu begrüßen sei die Auf­nahme der Familienhilse in die Knappschaftsver- sicherung. Die Leistungsfähigkeit des deutschen Berg­baus sei dauernd so geschwächt, daß man ihm keine übermäßige Last zumuten könne.

Abg. Winnefeld (D. Dp.) hält es für einen der größten Vorzüge, daß die Familienhilfs gesetzlich festgelegt wurde. In vielen Einzelbestimmungen müsse die Vorlage in der Ausschußfassung freilich Bedenken erregen.

Die Weiterberatung wird um 6 Uhr auf Diens­tag 2 Uhr vertagt. Aus der Tagesordnung steht der deutsch-schwedische Handelsvertrag und der Gesetzentwurf über die Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürsten.

Preußischer Landtag.

Berlin, 7. 3uui. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die zweite Beratung des Haushalts der Justizverwaltung, an dem der Hauptausschuß aus Ersparnisgründen rund zwei Millionen gestrichen hat. Er empfiehlt dem Hause die Annahme von 17 Anträgen, in denen u. a. verlangt wird, Beginn der Ver­zinsung der nach dem Aufwertungsgesetz durch Rückwirkung wieder eingetragenen Hypotheken schon vom 1. April 1926 ab, endliche Durchfüh­rung der Landtagsbeschlüsse zur Vermehrung der Anstellung und Förderung der Verhältnisse der Justiz- und Strafanstaltsbeamten, Einräu­mung der vom Landtage beschlossenen Verbesse­rungen der Anstellungsverhältnisse und Auf­stiegsmöglichkeiten der Reichsbeamten und der preußischen Staatsbeamten. Weiter wird eine Aenderung des Strafvollzuges nach besonders ausgestellten Richtlinien gefordert. Auf die Reichsregierung soll auf Vorlegung eines Gesetz­entwurfes emgewirkt werden, der die Ausliefe­rung gemäß der Reichsverfassung reichsrechtlich regelt. Ferner soll das Ashlrecht politischer Flüchtlinge verfassungsrechtlich sichergestellt werden.

Die allgemeine Aussprache eröffnete im Rainen des Justizministeriums Staatssekretär Fritze. Er führte aus, daß im Reich eine all­gemeine Regelung in Aussicht steht. Es sei nicht angebracht, in Preußen dieser reichsgeseh- lichen Regelung vorzugreifen. Die gewünschte Wiederbesetzung der Senate der Oberlandes­gerichte mit fünf Richtern würde einen Mehr­bedarf von 50 Richtern zur Folge haben. Daher hat der Finanzminister in dieser Angelegenheit Bedenken sinanzieller Art. Die Justizverwal­tung ist ohnehin zur Zeit überlastet und steht vor so großen Schwierigkeiten, daß ihnen auch die beste Verwaltung nicht ohne weiteres ge­wachsen ist. Der Redner kommt dann auf die schweren Angriffe zu sprechen, die sich in den letzten Wochen in verschiedenen Fällen gegen Richter und Staatsanwälte ereigneten. Das habe die Aufmerksamkeit auch auf die Sicherung der gerichtlichen Verhandlung gelenkt. Es solle eine ausreichende Zahl von Beamten in der waffen­losen 3iu-3itsu-Methode ausgebildet werden. Was die Anträge auf Aenderung des Straf­vollzuges angehe, so würden die Wünsche auf Milderung der Bestimmungen sicherlich im Sinne des Hauses ihre Erledigung finden. Ein Gesetz­entwurf zur Regelung der Auslieferung gemäß Artikel 6, Absatz 3 der Reichsverfasfung liege zur Zeit bereits dem Reichsrat vor.

Abg. Kutter (Soz.) fordert von den Rich­tern Gerechtigkeit auch politisch anders eingestell­ten Staatsbürgern gegenüber. Er erinnere' an den Fall Loeb in Thüringen.

(Sin Mann auf der Zuschauertribüne ruft: An die Wand müßten die Leute gestellt werden! Er wird daraus aus dem Saale entfernt)

Rach den Erfahrungen in Bayern kann ich nur sagen: Die Rechtspflege ist dort geschützt, wo wirllich der republikanische Gedanke sich durch- geseht hat. (Zuruf rechts: Wo die Juden regieren!) Ihre Zwischenrufe beweisen nur, daß Sie Gerechtigkeit und Freiheit nicht wollen. (An­haltende Protestkundgebungen rechts.)

Abg. Wälemann (Dn.) wendet sich gegen die Verallgemeinerungen des Vorredners. Diese Art der Einzelpolemik müsse er ablehnen. Eine schwere Gefahr für die Rechtspflege sieht er in der Ue&erfaftung der Gerichte. Außer an Rich­tern fehle es auch an mittleren Beamten. Die Beamtenschaft verdiene in der Justiz die Hälfte der Anerkennung. Schuld an der vielfach auf­tretenden ablehnenden Haltung der Richter gegen­über dem heutigen Staat trage die unerhörte Rechtsunsicherheit. (Sehr richtig! bei den Deutsch- nptivnalen.) Das. habe jetzt wieder die Polizei­aktton mit ihren Haussuchungen gezeigt.

Abg. Schmidt (Z.) erklärt, den Stand­punkt des deuffchnattonalen Abg. Wälemann, daß die Puffchaktion Verwirrung in die Rechts­sprechung getragen habe, könne er sich nicht zu eigen machen. Solange eine solche Aktion ge­plant werde, müßten Polizei und Gerichtsbar­keit eingreifen. Schuld an dieser Rechtsverwir­rung seien vielmehr die unzähligen Gesetze und Abänderungsgesehe, die die Parlamente verab­schiedeten. Energische Maßnahmen müßten endlich einmal gegen die ungeheure Überlastung der Justizverwaltung ergriffen werden. Die Aus­stiegs- und Beförderungsaussichten seien schlech­ter als irgendwo anders. Die Staatssorm habe mit dem Ideal der Gerechtigkeit nichts zu tun.

Um 5.30 Ufr vertagte da3 Haus die Weiter­beratung auf Dienstag 12 Uhr. Außerdem Abstimmn gen über die Hau''inssteuer.

Ein Erlaß des Answctt'Ligen Amtes Mr Flaggensräge.

Berlin, 7. Juni. (SU.) Wie der Lokal­anzeiger" mitteilt, hat das Auswärtige Amt an die M i s so n en d s Auslandes, die demnächst vori deutschen Kriegsschiffen besucht werden, den Erlaß des Kabinetts

Luther, den sich auch das Kabinett Marx zu eigen gemacht hat, herausgegeben, nach dem die ausländischen Missionen, soweit sie außerhalb Europas oder in Seestädten amtieren, in Zu­kunft neben der schwarz-weih-roten Flagge die Flagge der Handels­schiffe zeigen sollen. Die Verordnung soll im übrigen so durchgeführt werden, dah bis zum 11. August sämtliche Millionen im Besitz des Erlasses und der Flagge sind.

Der König von Spanien an Hindenburg.

Berlin, 7. Juni. (TU.) Amtlich wird mit­geteilt: Anläßlich des Besuches deutscher Kriegsschiffe in Spanien hat zwischen dem KönigvonSpanien und dem Reichspräsi­denten folgender Telegrammwechsel stattgefunden:

Wiederhole, wie ich bereits dem Admiral der die spanischen Häfen besuchenden Marinedivifion mündlich zum Ausdruck brachte, nämlich, daß es mir eine Freude ist. Ihnen, Herr Reichspräsident, meinen aufrichtigen Dank für den erwähnten Besuch zu be­kunden, und daß ich es bedauere, daß ich an Bord des KreuzersSchleswig-Holstein" nicht die deut­sche Flagge grüßen und die Schiffsmann­schaften persönlich zu ihrem glänzenden Auf­treten und von Manneszucht zeugenden Verhalten in den von ihnen besuchten verschie­denen Häsen beglückwünschen konnte. Ich grüße Sie herzlichst mit den besten Wünschen für Deutschlands und seiner Flotte Wohlergehen. Alfonso."

Der Reichspräsident antwortete:Ew. Majestät danke ich ehreroietigst für die gütigen Worte der An­erkennung für die deutschen Schiffe und Mann­schaften sowie für die Grüße und Wünsche, die ich freudig erwidere, von Hindenburg, Reichs­präsident."

Aus Mer Melt.

Der deutsche Flottenbesuch in Spanien.

Der Chef des deutschen Flottenverbandes, der im Verlaufe einer längeren Uebungsreise ver­schiedene Häfen an der spanischen Ostküste anlief, besuchte aus diesem Anlasse in Begleitung eini­ger höherer Offiziere seines Stabes auf Ein­ladung den König von Spanien in Madrid. Rach Rückkehr des Flottenchefs richtete der König folgendes Telegramm an den Chef der deutschen Flotte: Ich grüße die Besatzung herzlichst wegen ihrer glänzenden Erscheinungen und ihrer Korrekt­heit in den verschiedenen Hafen, die sie besuchten. Ich sende Ihnen die besten Wünsche für die Wohlfahrt Deutschlands und seiner Flotte. Alfonso. Der deutsche Flottenchef antwortete: Ew. Majestät unter­tänigsten Dank für die gnädigen Worte und die Ehrung sowie für die huldvollen Wünsche für Deutschland und seine Flotte. Die Besatzungen der mir unterstellten Schiffe empfinden sie mit mir als eine hohe Auszeichnung und besondere Ehrung und bitten, Eurer Majestät und der edlen spanischen Na­tion für die Zukunft die besten Wünsche zu Füßen legen zu dürfen. Mommsen, Ehef der deutschen

Schweres Vergwerksunglück bei Holle.

Ueber Halle ging gestern früh ein furcht­barer Wolkenbruch nieder, der in der ganzen Gegend große Zerstörungen angerichtet hat. Am Vormittag ereignete sich in Bruckdorf auf der BraunkohlengrubeAlwine" infolge der anhal­

tenden Regengüsse ein schweres Unglück. Infolge eines Dammbruches wurden alle Strecken und Zugänge überschwemmt. Sämtliche Bagger wurden vernichret. Die Zahl der Todes­opfer konnte noch nicht fest gestellt wer­den, da eine Kontrolle erst beim Schichtwechsel abends um 6 Uhr vorgenommen werden kann. Der Schaden beträgt nach vorläufiger Schätzung ungefähr eine Million Mark. Das Werk muß mindestens ein halbes Jahr stillgelegt werden. Falls die Regengüsse noch weiter anhalten, ist mit weiteren Verheerungen zu rechnen.

Anschlag auf einen Personenzug in Polen.

Aus der Strecke WarschauPosen, einige Kilometer hinter Warschau, entgleiste ein Per­sonenzug. Als Ursache des Unglücks, bei dem keine Personen verletzt wurden, wurde 'ein An­schlag festgestellt, da em Schienenpaar kvs- geschroubt war.

78 Pferde oerbrannf.

Bei einem Brand in den städtischen Stal­lungen von Montreal kamen 78 Pferde in den Flammen um.

Vier Bauern vom Blitz erschlagen.

Nach einer Meldung aus Belgrad wurden in der Gegend von Podgoritza bei einem heftigen Unwetter vier Bauern vom Blitz erschlagen.

Ein Auko von einer Brücke gestürzt.

Wie aus Berlin berichtet wird, hat sich in Schöne­berg ein schweres Autounglück ereignet, bei dem drei Mannheimer Herren schwer verletzt wurden. Ein einer großen Mannheimer Firma gehörendes Privatauty, in dem die drei Herren saßen, stürzte von der Monumentenbrücke auf die Eisenbahngleise ab. Sämtliche drei Insassen mußten in schwer ver­letztem Zustande im Krankenhaus eingeliefert wer­den. Das Auto wurde schwer beschädigt.

Zwei Flohführer in der Isar ertrunken.

Auf der zur Zeit hochgehenden Isar ereignete sich bei Langgries ein schweres Unglück. Als ein mit Werkholz beladenes Floß zu stranden drohte, wollten die beiden Floßführer ans Ufer springen. Sie wur­den jedoch von den Fluten erfaßt und fort- gerissen. Eine Leiche konnte bereits geborgen werden.

Ein Telegraphenamt ausgeraubt.

Nachts wurde aus einem Kassenschrank des Duisburger Tclegraphenamtes der Betrag von 9065 M a rf entwendet. Als der Tat dringend verdächtig ist ein aus Elberfeld kom­mender und nach hier strafversetzter Talegraphen- sekretär verhaftet worden.

Raubmord in Koblenz.

2lm 4. Juni, vermutlich zwischen 6 und 7 Uhr nachmittags, ist an Der in Koblenz wohnhaften 73jöhrigen Beamtenwitwe Hubertine Lehnerts ein Raubmord verübt worden. Der Tod ist in­folge Zertrümmerung der Schädeldecke und Ver­letzung des Gehirns und Strangulation einge­treten unter Benutzung eines Feuerhakens und eines Handtuchs. Geraubt wurde eine goldene Damenuhr mit einer Kette und Schieber und etwa 100 Mari Bargeld. Mutmaßlicher Täter ist ein Landstreicher oder Bettlet.

Ein Mammuffund an der Rahe.

Ein Mammutsund ist bei einem Ziegelwerke etwas außerhalb der Stadt Sobernheim bei Aus­grabungen freigelecit worden. Es handelt sich um Kop f, Stoß zahne und K n o ch e n t e i l e «des Riesentiercs, die leider bei den Aus- I grabungen etwas Schaden gelitten haben. Sachver­

ständige sorgten für die Bergung des Fundes« der dem Kreuznacher Heimatmuseum überwiesen rourtfe.

Schweres Erdbeben in Amerika.

Wie aus Washington gemeldet wird, ver­zeichnete der Seismograph der Universität in Georgetown am Donnerstag vormittag ein schweres Erdbeben, das drei Stunden währte. Die Entfernung betrug 6000 Meilen in südwestlicher Richtung.

Buntes Merlei.

Blaue Ratten.

Der Londoner Zoo hat jetzt zwei seltene Insassen erhalten, nämlich blaue Ratten. Man kennt zwar unter diesen Tieren so manche Farben­schattierungen, wie dieSilberrafte" mit ihren hellen Lichtem und dieSchokolabenratte" mit ihrer tiefbraunen Färbung beweisen. Aber die blaue Ratte ist etwas Neues; sie stammt von der britischen schwarzen Ratte her, die fast völlig ausgestorben ist. Ein Mr. Brooke fing zwei Ratten, deren Felle eine bläuliche Färbung auf» wiesen. Durch wissenschaftliche Züchtung hat er nun die beiden im Zoo ausgestellten Exemplare erhalten, die ein deutliches Blau aufweisen.

Der verlorene Purpur."^

Purpur, der wertvollste und geschätzteste Farbstoff des Altertums, als Zeichen der Würde der römrschen Senatoren und der römischen Kaiser, m kleinen Streifen, Vierecken oder Kreisen damit gefärbter Wolle, später Seide auf dem Gewände getragen, ist unserer Zeit völlig verloren gegan­gen. Das ist einer der wenigen Fälle, w'o «die heutige Technik die alte nicht erreicht. Allerdings wird bei der außerordentlichen Zahl der prächtt- gen Farben, die uns die Chemie geschenkt hat. der Purzur nicht vermißt. Diese Errungenschaft wird um so mehr in ihrer Bedeutung erfaßt, wenn man bedenkt, daß Purpur nicht etwa nur rote Farbe lieferte, wie man sich das gewöhnlich vorstellt. Schon die eigenartige Bezeichnung, die man bei alten Schriftstellern, wie Homer, mit dem Worte Purpur verknüpfte, ließ darauf schließen. Was sollte man sich sonst unter Purpur­schnee oder Purpurschwänen (Horaz) vorstellen? Die Wurzel des Wortes bedeutete ursprünglich: sich unruhig hin- und herbewegen, rasch die Stelle verändern, flimmern. Diese Bezeichnung mag zusammenhängen mit den Farbennüancen, die der Purpur ergab. Vor allem ist die gewöhn­liche Purpurfarbe nicht rot, sondern dunkel- violett, fast schwarz, mit einem Stich ins Violette oder Rote. Die Farbe wurde aus Schneckenarten gewonnen und ist eine Küpenfarbe gewesen, d. h. eine solche, die nicht löslich war und erst durch den Prozeß des Färbens unter besonderen Vor­sichtsmaßregeln sich erzeugen lieh. Im 12. Jahr­hundert ist die Kunst des Purpurfärbens noch bekannt, dann geht sie verloren, und bis heute sind sich die Gelehrten noch nicht ganz flar dar­über, wie der Purpur hergestellt wurde. Man wird jedenfalls in den modernsten Lehrbüchern über Färbung vergeblich nach der Herstellung der Purpurfärbung suchen, die einst wie Gold und Elfenbein geschäht wurde.

Wettervoraussage.

Meist wollig, tagsüber etwas wärmer, sonst kühl, nach kurzer Unterbrechung wieder Regen­fälle, südliche bis westliche Winde.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20,0 Grad Celsius, Minimum 12,5 Grad Celsius, Nie­derschläge 8,4 Millimeter. Heutige Morgentem­peratur: 13,6 Grad Celsius.

Aus der Proviuzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Juni 1926.

Die ehemaligen 224er in Gießen.

Ueber alles Erwarten zahlreich waren die Kameraden aus den verschiedensten Teilen Deutschlands herbeigeeilt, um eine Wieder - sehens feier zu begehen; nicht nur das ge­samte Hessenland und das Lahntal waren stark vertreten, sondern auch aus Thüringen, Schlesien, von der Wasserkante, vom Rhein und aus Bayernlanö waren die Angehörigen des ehe­maligen Regiments erschienen. Samstagabend fand im Saalbäu Sauer eine Begrüßungs­feier statt, der Saal war überfüllt, Vertreter der Stadt, der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Militär- und Regimentsvereine, der 118er, der 116er, der 222er u. a. hatten sich eingefunden. Regierungsrat Dr. Krüger hielt die Begrü« ßungsrede, der wir folgendes entnehmen: Das Regiment bildete mit den 222em die 48. Reserve- Division, es kehrte erst im Juni 1919 in die Heimat zurück, nachdem es den Franzosen und Engländern gegen die Bolschewisten in der Ukraine geholfen und dann ausDankbarkeit" interniert worden war. Rasch und flüchttg folgte dann Abschied und Heimkehr. Allmählich brachte die Erinnerung an das große Erleben das Ge­denken an die Regimentsvereine zustande; in Er­furt, Jena und Gera entstanden Vereine, in Offenb ach -Frankfurt eine Vereinigung. Und dann tauchte der Gedanke eines Regiments-Appells in Gießen auf. Dr. Krüger grüßte Beigeordneten Dr. Hamm als Vertreter der Stadt, in der ein großer Teil der Mannschaften der 224er aus- gebildet wurde, bevor sie in den Kampf aus- zogen, er dankte der Stadt für die Unterstützung durch Ausschmückung des Denkmals der 116er mit Fahnen usw., ferner dem Verkehrsverein, dem Bataillon, der Bahnbehörde und der Bürger­schaft, der Arbeitsgemeinschaft, den Vertretern des Schwesterregiments Nr. 222 und der 118er. Redner teilte mit, daß der Führer des Regiments, Exzellenz Schönbeck, wegen Todesfalls in der Familie brieflich abgesagt und zugleich den Vor­schlag gemacht habe, die Kameraden um Frank­furt durch einen ausgedehnten Verein zu sam­meln. Major Schierhorn, der das 3. Ba­taillon aus der Ukraine geführt habe, sei an seiner Stelle erschienen. Mit einem Hurra auf das Vaterland schloß Dr. Krüger, und gemein­sam wurde das Deutschlandlied gesungen. Bei­geordneter Dr. Hamm übermittelte als Vertreter des z. Zt. beurlaubten Oberbürgermeisters Keller die Grüße der Stadt, Professor Wentzel sprach für die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießens. BanlbireEtor Grieß- bauer übermittelte die Grüße des Schwester­regiments 222 und verlas einen Brief von Exzel­lenz Mackensen, der seinerzeit die Südarmee führte. Lebhaften Beifall riefen die Worte des großen Führers hervor, in denen er sagt, daß auch die damials schnell aufgestellten Reserve- Regimenier wie 222 und 224 sich voll bewährt und im Kriege ihre volle Schuldigkeit getan hätten. Alsdann erfolgte die Überreichung von Fahnen- schlefsen an die beiden Vereine Erfurt und