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Dienstag, 8.3wtf 1926

176. Jahrgang

Nr. 151 Erster Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Vrv« vnö Verlag: vrühl'sche UniverfitUL-vuch' «ad Ztetndruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftiettnvg und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeiaen für die lagesnammer Die zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klanieanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Plahvorfchrist 20'., mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.

Erich «int täglich, außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monats.Bezugspreis:

2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Itägen lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siesten, pomchemonto:

Frankfurt am Main 11686.

Das Mossul-Abkommen.

London, 7. 3unL (ZU.) Die Veröffent­lichung des gestern unterzeichneten Tes­tes des Mossulabkommens wird heute erwartet. Die türkische Presse hebt, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, aus den drei Tei­len und 18 Artikeln des Abkommens hervor:

1. Die vom Völkerbund festgesetzte Brüs­seler Linie wird von den Parteien als un­verletzlich und unveränderlich betrachtet.

2. Die Grenzlinie wird von einer be­sonderen Kommission innerhalb sechs Monaten von der Unterzeichnung des Vertrages ab fest»- gesetzt werden.

3. Aach der Unterzeichnung wird in Meso­potamien eine allgemeine Amnestie pro­klamiert werden.

4. Zur Aufrechterhaltung des Friedens an der Grenze wird eine neutrale Zone ein­gerichtet werden.

5. Die Türkei erhält zehn Prozent aus den Einnahmen der Petroleum sel­be r für ein« Periode von 25 Jahren. Die Türkei hat das Recht, den Wert ihres Anteiles zu kapitalisieren. An der Spitze der Kommission, die die Grenzlinie an Ort und Stelle festlegen soll, wird ein Schweizer stehen.

Aach demDaily Telegraph" erkennt die Türkei das Irak-Gebiet in dem Vertrag feierlich als einen selbständigen Staat an. Außer­dem enthält der Vertrag eine Antipropaganda- klaufel und eine Art Meistbegünstigungsklausel für Handel und Transit.

Aaturgemäß wird die Aachricht von dem erfolgreichen Abschluß der Ver­handlungen in ganz England mit gro­ßer Genugtuung begrüßt.Daily Ex­preß verlangt nunmehr eine soforttge Z u - rückziehung Großbritanniens aus Mesopotamien. Mesopotamien habe England seit Friedensschluh 150 Millionen Pfund gekostet, während die Gegenleistung recht gering ge­wesen seien.

Im IlnterhauSführte Unterstaatssekretär im Ministerium deS Aeußern, Locher Lampson, zur Unterzeichnung des Mössulvertrages aus: Dieser Erfolg ist dem versöhrllichen Geiste der Vertreter der Heiden Lander bei den Verhand­lungen zu verdanken, der in wirksamer Weise zur Erneuerung der traditionellen F.reund- schäft zwischen beiden Völkern bei­trug.

Englische Blatter zum Mossulabkommen.

London, 7. Iuni. (WTD.) ImDaily C h r o n i c l e" wird die Unterzeichnung des Mos- sulabkommens als die beste Aachricht seit dem Waffenstillstand bezeichnet. England und die Türkei seien jetzt wieder Freunde: die Kriegs­gefahr in der Mosfulgegend sei endgültig be­seitigt. Die Mossulkonvention werde weittragende Folgen nicht nur auf das politische, sondern auch auf das kommerzielle und wirtschaftliche Leben des Iraks und des nahen Oft end im allgemeinen haben.

DieTimes" schreibt, die Unterzeichnung des Abkommens sei ein bedeutender Erfolg der Regierung Baldwin. Unter den Ursachen, durch die die brittsche Stellung bei der Unterzeichnung der vorangegangencn Verhandlungen mit der Türkei gestärkt worden sei, führt dieTimes" die Reden an. die Mussolini über die Aotwendig- keit der überseeischen Ausdehnung Italiens ge­halten hat, sowie die rasche Erholung Griechen- ftrnds. Das Blatt fährt fort, der Boden fei jetzt freigemacht für die Wiederherstellung politischer Freundschaft zwischen England und der Türkei.

Französische Pressesiimmen.

Paris, 7. Iuni. (LU.) Die Unterzeich­nung des en gl i s ch - rki sch e n Mos- sulvertrages wird von den Blättern ein­gehend besprochen. DasIournal" ist der Ansicht, England trage einen Erfolg davon, wie es ihn seit langem nicht zu verzeichnen ge­habt habe. Das Abkommen sei' auch für Frankreich außerordentlich g ü n stig, da es eine Entente zu dreien einleite.Echo de Paris" meint, Mustapha Kemal habe sich mit überraschend wenig begnügt. Eine besondere Rolle habe dabei sicherlich die Haltung Ita­liens gespielt. Der französische Botschafter in Angora. Sarraut, hat sich gestern zur Be­richterstattung nach Frankreich begeben.

Der englische Streik.

London, 7. Iuni (WB.) Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes Cook gab bekannt, daß der Vollzugsrat des Bergarbeiterverbandes wahrscheinlich die Einladung derGruben- besiher zu Besprechungen annehmen wird. Die erste Besprechung soll morgen nachmittag stattsinden. Cook erklärte: Es ist möglich, daß dabei eine Aussprache über eitte Regelung statt­finden wird, durch die die Löhne und die all­gemeinen Lebensbedingungen für die Bergarbei­ter aufrecht erhalten werden. Ich sehe aber k e i n e H o f f n u n g auf eine Regelung, falls die Grubenbesitzer den Achtstundentag oder eine Lohnherabsetzung verlangen. Der Vor­sitzende des 'Bergarbeiterverbandes Simth er­klärte: Allem Anschein nach wird der Streik sich lang hinziehen müssen, aber wir werden siegen.

Aach den vorliegenden Informattonen rech­nen die englischen Bergarbeiter mit einer Dauer des Streikes bis zum Herbst, falls die englischen Unternehmer auf der Arbeitszeitver­längerung bestehen. Aus keinen Fall werden die

Die Tagung des Bölkerbundrats.

Streikaktionen an der Frage der Finanzierungs- schwierigkeiten scheitern, da auf Grund der Zu­sicherungen der Dergarbeiterorganisattonen die Unterstützung der englischen Bergarbeiter noch auf Monate hinaus gesichert sei.

In der MonatsschriftCompendium" wird der Förderausfall infolge des Dergarbei- terstreiks auf 25 Millionen Tonnen Kohle berechnet.

Die französische Wirtschaftslage.

Vinschrättkungsmaßnahmcn der Regierung.

Paris, 7. Iuni. (TU.) Aach den Morgen» blättern werden die Regierungsmaßnah­men zur Beschränkung der Einfuhr möglicherweise die Brotkarte und Karten für andere Lebensmittel bringen.Ma- t i n" sagt, Driand wolle, daß die Einfuhr aus Ländern mit Goldwährung möglichst ver­mieden werde. Es scheine, daß die Maßnahmen stch vor allem auf Getreide und Mehl erstrecken würden; man werde sicherlich Zusatzpro­dukte zu Mehl verwenden. Ferner werde die Anthrazitkvhlc in weitern Maße durch französische Kohle und der Oelbrennstoff durch ein nationales Feuermittel ersetzt werden und der Verbrauch von Zucker und ähnlichen Produkten eingeschränkt werden. DerOuo- 1 idien" begrüßt die Einschränkungsmahnahmen der Regierung. Er sagt, man müsse heute zu dem Regime der Einschränkungen des Krieges zurückkehren, weil es eine der Be­dingungen für den fincnrziellen Wiederaufbau sei.AeuYorker Hera Id" ist der Ansicht, die Maßnahmen bedeuteten, daß Frankreich sich mehr auf die deutschen Sachlieferungen stützen werde.

Genf, 7. Juni. (TU.) Die Lage auf der Rats­tagung wird durch die plötzliche Abreise des ständigen Vertreters Spaniens beim Völker­bund nach Madrid und das völlige Fehlen des Vertreters Brasiliens bei der Eröffnungs­sitzung gekennzeichnet. Man weist allgemein darauf hin, daß es Brasilien ohne weiteres möglich ge­wesen wäre, wie es Spanien getan hat, sich durch einen Sekretär vertreten zu lassen. Der heu­tige und morgige Tag gelten in erster Linie den geheimen Verhandlungen der Großmächte. Es ver­lautet, daß Chamberlain und Briand noch beute abend mit dem Vertreter Brasiliens ver­handeln werden. Offiziell finden heute und morgen lediglich Kommissionssitzungen statt. Es tagen das österreichische Komitee, das ungarische Komitee und das Komitee für Minderheitenfragen. Im Laufe des heutigen Abends erwartet man das Auftreten Loucheurs, der an den entscheidenden Sitzungen des Ungarn-Komitees des Rats als Vertreter Frank­reichs teilnehmen wird. Gegen die Aufhebung der ungarischen Finanzkontrolle machen sich weitere starke Widerstände von feiten der Kleinen Entente bemerkbar. Die Entscheidung dürfte jetzt ausschließlich bei Frankreich liegen. Man nimmt an, daß diese Frage in zwei Teile geteilt wird in der Art, daß einerseits vom Rat die Aufhebung der Völkerbundskontrolle grundsätzlich beschlossen wird, wobei die Aushebung naturgemäß nur all­mählich durchgeführt werden soll, andererseits jedoch die Kontrolle über d i e Völkerbund- a u l e i h e beibehalten wird. Hierdurch würde dem Völkerbundsrat das Eingreifen in die ungarischen Finanzverhältnifse gesichert bleiben. Die beiden gegen­wärtig zur Verhandlung stehenden wirklich bedeu- tungsvollen Fragen, die Ratserweiterung und die Abrüstungsfrage, werden aller Vor- aussicht nach durch den Völkerbundsrat die übliche Ueberweisung an Kommissionen erfahren. Die Frage der Ratserweiterung wird vermutlich einem be- onderen Ratskomitee überwiesen werden, dessen Zu- ammentritt noch unbesttmmt ist. Der Rat wird erner den Vorschlag Lord Robert Cecil-Paul B o n c o u r in der Frage des A r t i t e 1 6 gleich­falls einem besonderen Komitee überweisen, mit dessen Zusammenttitt im August gerechnet wird. Die gegenwärtige Ratstagung dürfte somit einen kür­zeren Verlauf nehmen, als urspünglich angenommen war.

Die ersten Sitzungen.

Genf, 7.Iuni. (TU.) Die 4 0. Session des Dölkerbundrates wurde heute vor­mittag nach 11 Uljt mit einer nichtöffentlichen Sitzung eröffnet, an die sich eine öffentliche Sit­zung anschloß. Infolge der Demission des schwedischen Außenministers llnöen, werden die Verhandlungen von dem Vertreter Uruguays, ®uani, geleitet. Spanien wird dies­mal durch den Berner Geschäftsträger Quer, vertreten. Der ständige Vertreter Spaniens beim Dölkerbundsrat, der Pariser Botschafter Qui- nones de Leon, hat gestern in einem Tele­gramm aus Lyon mitgeteilt, daß er für einige Sage nach Madrid berufen fei. Allgemein wird dieser unerwarteten Abreise Quinones de Leon nach Madrid, kurz vor der Sitzung des Rates, polittsche Bedeutung beigemessen, zumal der zweite ständige Vertreter Spaniens beim Völker­bundsrat vor kurzem nach Argentinien zum Antritt seines neuen Postens abgereist ist. Man glaubt hierin einen Hinweis auf die un-

Brasilien schwenkt ab.

nachgiebige Haltung Spaniens in der Ratsfrage erblicken zu können. In der nicht­öffentlichen Sitzung wurde die Tagesordnung für die Sitzung genehmigt und einige admini­strative Fragen erledigt. Daran schloß sich ein Bericht des Grafen I s h i i über die Verhandlun­gen der Völkerbundskommission für Hygiene an.

In der ersten öffentlichen Sitzung der 40. Ratstagung teilte Chamberlain mit, daß die Verhandlungen mit der Türkei über die Grenzziehung im Irakgebiet einen befriedigenden Verlauf genommen hätten. Die Grenzregulierung wird von einer Kommission vorgenommen werden, die aus Vertretern Eng­lands und der Türkei und einem Schweizer als Vorsitzenden bestehe. Er dankte dem Rat für seine Mitarbeit an der Regelung der Mos-- s u 1 f r a g e. Der italienische Delegierte S c i a - loja drückte seine große Befriedigung über die endgültige Regulierung der Grenzfragen im Irak aus.

Bei der öftentlichen Ratssitzung blieb der Ratsstuh 1 für Brasilien unbesetzt. Aach zuverlässigen Informationen, die auf den Generalsekretär beim Völkerbund zurückgehen, gab Mello- Franco Eric D r u m m o n b auf Be­fragen die Auskunft, daß er unpäßlich sei und heute an den Arbeiten des Rats nicht teilnehmen könne. Der Umftanb, daß sich Mello-Franco, dessen Abwesenheit als Demonstratton ausgesaht wird, nicht durch ein Mitglied der ständigen Dele­gation Brasiliens beim Völkerbund vertreten läßt, wird trotzdem viel kommentiert. Gerüchtweise ver­lautet. daß Briand am Aachmittag mit Franco eine Unterredung haben wird.

Die Sitzung wurde auf Mittwoch vertagt.

Die Haltung Brasiliens.

pacls, 8. Iuni. (1DIB. Funkspruch.) Gut unterrichtete Kreise sind bet Ansicht, baß Brasl - llen fid) vom Bolfecbunb so gut wie t o s g e l o!l habe. Die presse unterstütze einmütig biefen Entschluß, der unwiderruflich fei. Aach einerMatin".MeIbung aus Rio be Janeiro wirb in einem längere Artikel der ZeitungOffilobe gesagt, bah Brasilien, da der Bölferbunb eine europäische Einrichtung werde, statt eine Weltinstitution zu sein, in einigen Tagen seinen Austritt aus dem Bunde einreiche und Europa somit seinem Schicksal über- lassen werde. Die amtlichen brasilianischen fireife weigerten sich, diese Aachricht, die inspiriert zu sein scheine, zu bestätigen ober zu dementieren.

Der Finanzausschuß des Völker­bundes.

Genf, 7. Iuni. (WTD.) Der Finanzaus­schuß des Völkerbundes hat heute über die Finanzlage Oesterreichs und Ungarns Berichte zu Händen der entsprechenden Ratskomitees ausgearbeitet. Beschlüsse wurden keine gefaßt; vielmehr bleibt es den beiden Ratskomitees überlassen, die Schlußfolgerungen hinsichtlich der von Ungarn beantragten Aushebung der Finanz­kontrolle und wegen der Freigabe der Rest­beträge der Dölkerbundsanleihe zu ziehen. Die endgültige Aufhebung der Finanzkontrolle über Oesterreich mit dem 1. Iuli ist jedoch gesichert. Mit der Aushebung der Kontrolle soll die öster­reichische Regierung ermächtigt werden, kurz­fristige Staatsschahfcheine zur Deckung für vor-

Innerhalb des Ministerrates hat sich ein Ausschuß gebildet, der mit der Durchführung des gestern beschlossenen wirtschaftlichen Ersparnisprogramms beauftragt wurde. Er seht sich zusammen aus dem Minister des Innern, dein Minister für öffentliche Arbeiten, dem Minister für Handel und dem Landwirt- schaftsminister. Das Programm soll bis Donners­tag fertiggestellt sein und dann den Ministerrat erneut beschäftigen.

Finanzminister Päret hatte heute vormittag mit dem Gouverneur der Dank von Frankreich eine neue Besprechung über die Finanzpolitik der Regierung und die Verwirklichung der ins Auge gefaßten Maßnahmen. Wie übrigens offi­ziös bekanntgegeben wird, werden gegenwärtig zwischen einer französischen und einer amerikanischen Dank Verhandlun­gen gepflogen, die nicht auf den Abschluß einer Anleihe, sondern auf die Eröffnung von Krediten abzielten. Das gestern von Finanz­minister Peret ausgegebene Dementi, daß keines­wegs beabsichtigt sei, die Goldreserven der Dank von'Frankreich direkt zur Stützung des Franken heranzuziehen, wird auch in offi­ziösen Kreisen bestätigt.

Um die Revision des Dawesplanes.

London, 7. Iuni. (TU.) Die in einem Berliner Blatt enthaltene Meldung, nach der in einflußreichen Kreisen Londons und Reuyorks auf eine Reduzierun g der Daweszah- lung en hingearbeitet würde, wird von der englischen Presse kommentarlos wiedergegeben. Wie von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, hat die deutsche Regierung in London nach dieser Richtung bisher keine direk­ten Schritte unternommen. Es steht indessen fest, daß diese Frage gelegentlich der vor un-

übergehende Fehlbeträge auszugeben. Die Auf­hebung der Finanzkontrolle über Ungarn ist wegen des Widerstandes gewifser Staaten noch ziemlich umstritten. Italien, das für die Auf­hebung der Finanzkontrolle in Ungarn ist, sucht eine Vermittlungsaktton einzuleiten.

Eine französische Note an den Völkerbund.

Genf, 7. Iuni. (WTD.) Die französische Regierung hat im offenbaren Zusammenhang mit den Frankensälfchungen in Ungarn, ohne allerdings diese Angelegenheit zu er­wähnen, an den Generalsekretär des Völker­bundes eine von Briand unterzeichnete Rote gerichtet, in der sie beantragt, daß der Völker- bundsrat einen Sonderausschuß von internationalen Sachverständigen einseht, der die Vorarbeiten für den späteren Abschluß einer internationalen Konvention zum Schuhe gegen Falschmünzerei aufnehmen soll. Insbesondere sollen Fälschungen des Geldes fremder Staaten mit Strafen belegt werden, die denen für Fäl­schungen inländischen Geldes entsprechen. Außer­dem soll ein internationales Bureau zur ge­nauen dokumentarischen Kontrolle aller Fäl­schungen errichtet werden.

Die Rote der französischen Regierung be­tont, daß dasinternationale Verbrechen der Falschmünzerei" nicht nur den Kredit eines Staates gefährden könne, sondern daß seine Folgen in bestimmten Fällen infolge der finanziellen und wirtschaftlichen Solidarität zwi- fchen den Staaten noch viel weiter gingen. Die Falschmünzerei bedrohe, so sagt die Rote, nicht nur die finanzielle Kapazität deS Staates, dessen Geld gefälscht werde, sondern sie sei auch geeignet, gleicherweisedie öffentliche internatio­nale Ordnung zu stören".

Abrüftungsfragen in Genf

Genf, 7. Iuni. (SU.) In der militärischen Unterkommission A der vorbereitenden Ab­rüstungskommission wurde heute über die Cha­rakteristik der Luftstreitkräfte und deren Einordnung in die Friedens- r ü ft u n g beraten. Frankreich verlangt grund­sätzliche Anerkennung des Defensivcharak­ters der Luftwaffe. Diesem Standpunkt schloß sich England an, wobei scheinbar als Kompensation für dieses Zugeständnis der Defensivcharakter der Seestreit- k r ä f t e in den Vordergrund gerückt werden soll. Die deutsche Delegation erhob jedoch ge­gen diese Bestimmung der taktischen Verwendung der Luftstreitkräfte Einspruch. Der deutsche Standpunkt fand eine Unterstützung durch den Vertreter Ungarns. Auf den deutschen und den ungarischen Widerspruch hin wurde darauf be­schlossen, der Luftwaffe sowohl einen Defensiv- als auch O f f e n s i v ch a r a k- t e r zuzusprechen. Bei der Beratung des Cha­rakters der Landstreitkräfte stellte der deutsche Delegierte in Frage, warum in dem Fragebogen nur bei den Land- und Seestreitkräften der Einwand größerer Kosten erhoben worden sei, der doch scheinbar bei der Bestimmung der Luft­streitkräfte vergessen worden wäre. Es wurde darauf beschlossen, die Luftstreitkräfte den Friedensrüstungen zrizuzählen.

gefähr zehn Sagen in London statt gefundenen Be­sprechung mit den führenden Persönlichkeiten der internationalen Roten banken aufgeworfen worden ist. An dieser Besprechung beteiligten sich auch zwei Führer der französischen Danken. Da die Verhandlungen sich offenbar noch im 21 n - fangsstadium befinden, übt man an maß­gebender Stelle naturgemäß Zurückhaltung, um so mehr, als 7wch gewisse politische Momente mit­zuspielen scheinen. Von Interesse in diesem Zu­sammenhang ist die Tatsache, daß in den letzten Tagen in London englisch-französische Verhand­lungen stattgefunden haben, die auf eine Berich­tigung des im August v. Is. zwischen Churchill und Caillaux abgeschlossenen provisorischeir Schul­denabkommens hinzielen. DerEvening Standard" berichtet, daß die Frage einer Revision des Dawesplanes so lange für in­opportun betrachtet werden würde, bis Deutschland dem Völkerbund beigetreten sei.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 7. Iuni. Präsident Lobe eröffnet die erste Sitzung nach den Pfingstferien mit einem Rachrus für den verstorbenen Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Oefer, und für den verstor­benen Sozialpolitiker Freiherm v. Berlepsch. Die Llbgeordneten ehren das Andenken der Ver­storbenen durch Erheben von ihren Plätzen.

Unter den Eingängen befindet sich auch ein Antrag des preußischen Iuftizministeriums auf Genehmigung zur Strafverfolgung des Reichs­tagsabgeordneten Kube (Volk.) wegen Anstif­tung zum Morde. (Hörtl Hörti)

Der Antrag wird dem Geschäftsordnungs­ausschuh überwiesen.

Dann wird die zweite Beratung der Rovelle zum Reichsknappschaftsgekeh fort­gesetzt.

21bg. Ianschek (Soz.) tritt für die sozia­listischen Anträge ein, die eine Erhöhung der