Ausgabe 
8.5.1926
 
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Einigung über bas Pariser Lustverkehrsabkommen.

Berlin, 7. 2HaL (WB.) Die Verhandlungen, die feil mehreren Monaten sich zwischen den Dele­gierten der deutschen Regierung und den Delegierten der D o tscha flerkon serenz über die deutsche Luftfahrt stattfanden, haben heute zu einte (Eini­gung geführt. Die Vereinbarung ist in Form von Roten getroffen worden, die zwischen dem deutschen Botschafter und der Bolschafkerkonferenz in Paris gewechselt wurden. Die Delegierten haben heute abend den Text der einzelnen Urkunden paraphiert. Diese werden gezeichnet werden, sobald sie die Billi­gung der beteiligten Regierungen erhalten haben. Gleichzeitig sind von den Vertretern der deutschen mit den Vertretern der französischen sowie der belgischen Regierung Verhandlungen über den Abschluß von Luftoerkehrsabrommen zwi­schen den betreffenden Ländern geführt worden. Diese Abkommen sind gleichfalls heule abend para­phiert worden.

den Güterbahnhof. Nach mehrstündiger Arbeit konnte die Strecke von Marineteuten wieder freigelegt wer­den. Auch in Edinbourgh kam es gestern abend zu Zusammenstößen mit der Polizei. Verschiedene Schaufenster wurden zertrümmert. Berittene Polizei mußte die Straßen säubern, 22 Personen wurden verhaftet.

3m Unterhaus.

London, 7. Mai. (WTB.) Im Unterhouse teilte der Sprecher mit, daß die Angestellten der Hausdienste im Unterhause zurückgezogen worden seien. Er versicherte jedoch dem Hause, er werde nicht zulassen, daß das Haus durch eine Aktion irgendeiner Gruppe von Leuten daran gebindert werde, seine Arbeit fortzusetzen. Wenn es sich als notwendig erweisen sollte, so werde das Haus ohne Druckerei und ohne elektrische Beleuch­tung weiter tagen. Ein konservatives Mitglied warnte die Arbeiterführer davor, aufreizende Reden zu halten, da sie sonst die Kontrolle über ihre An­hänger verlieren würden. Für alles Blutvergießen, das durch diesen Streik verursacht werde, wurden die Arbeiterorganisationen verantwortlich sein. Ken­worthy warf derBritish Gazette" einseitige B e r i ch t e r st a t t u n g vor. Er sagte: Er höre, daß Churchill der Herausgeber dieses Blattes fei, und es sei leicht, seinen besonderen Stil zu erkennen. Das Haus vertagte sich um 4 Uhr.

Aus dem Sauptquarlier der Streikenden.

- - ScDlt^on- Z- Mai. (WTB.) Eine vom .The Drntrfh Wörter" veröffentlichte Erklärung stellt nachdrücklich in Abrede, bah einzelne Qlrt^iter- vertreter oder der Generalrat zwecks Verhandlung an die Regierung herangrtreten sei, betont jedoch, daß dec Generalrat bereit sei, jeden Augen­blick in präliminare Erörterungen bezüglich der Zurückziehung der A u s s p e r r u n g S - ankündigung und bezüglich ter Beendi­gung des Generalstreiks einzutreten, wenn die Wiederaufnahme der Verhandlungen eine ehrenhafte Regelung des Dcrg- arbeiterftreiks sichert. T h e B r i t i s h W o r ke r. das offizielle Streikblatt des Gewerkschaftskon­gresses, daS heute nurden halben Umfang der gestrigen Ausgabe hat, gibt als Grund dafür an. das Kabinett habe seine Versorgung mit Vapier aufgeholten. Morgen werde es viel- reicht überhaut nicht in seiner jetzigen Gestalt er­scheinen können, Has Blatt bezeichnet die Aktion Baldwins als herausfordernd und schreibt, eS sei zu hoffen, daß die dadurch hervorgerufen« Empörung im Zaune gehalten werden toirb.

Eine Sammlung der Freien Gewerkschaften.

Berlin, 7. Mai. (WB.) 3n der Frage der Unterstützung der englischen Arbeiter faßte der Bundesausschuß des A. D. G. B. heute einstim­mig eine Entschließung, in der er seine volle Bereitwilligkeit, die englischen Gewerkschaften in der erfolgreichen Durchführung ihres großen Kampfes nach Möglichkeit zu unterstützen, er­klärt. Der Bundesausschuß ruft die Arbeiter Deutschlands auf, trotz der eigenen schwierigen Lage ihr Bestes zu tun, um den englischen Är- beitsbrudern Hilfe zu leisten. Der Bundesvor­stand wird ermächtigt, die von ihm vorbereitete allgemeine Sammlung schnellstens zur Durchführung zu bringen. Der Borftandsvertre- ter des Allgemeinen Deutschen Angestelltenbun- des erklärte, daß seine Organisation dem Be­schlüsse des Dundesausschusses beitrete. Laut »Vorwärts« haben Vertreter der im Deutschen Derkehrsbund organisierten Seeleute. Bin­nenschiffer und Hafenarbeiter gestern in Berlin beschlossen, die Verschiffung von Kohlen nach England zu unterbin­den, das Bunkern englischer Schiffe zu ver­hindern und die Besetzung englischer Schiffe mit Streikbrechern unmöglich zu machen.

Solidaritätsstreik in den russischen Häfen.

Moskau, 7. Mai. (WTB. Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Der Solidaritätsteilsireik der russischen Seeleute und Hafenarbeiter in den russi­schen Häfen ergriff alle Häfen am Schwarzen und Asowschen Meer. Auch die in Leningrad liegenden englischen Dampfer, welche gerade gegenwärtig fast den ganzen ausländischen Schiffsbestand in den So­wjethäfen darstellen, wurden betroffen. Augenblick- lich streiken 8000 Mann.

Wiederbeginn der militärischen Operationen in Marokko.

. P a r i s , 8. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Havas-Meldung aus Rabat hat bas-franzt Flugzeuggeschwader die Beschießung gegnerischer Ansammlungen gestern wieder ausgenommen. Die Abteilungen der Gegend Wed Kert haben ihre Vor­wärtsbewegung begonnen. General Boichut ist in Rabat eingetroffen, um von dort aus die Opera­tionen zu leiten.

Kunst und Wissenschaft.

Der Adlcrschild für harnack.

ü>iU|u,iU)i, L.DH u g u u> e » -t/eiiui uuex wui

Stand der Vorarbeiten für die Durchführung des Reichs bewert ung s gesehes von O:kono- mierat Kayser- Berlin über die Förderung des Absatzes der inländischen Milch und Milchprodukte, ferner des Generaldirektors Dr. Hamann- Darmstadt über dieWeinbau- bezirke des besetzten hessischen Gebietes. Ein­stimmig wurde ferner eine

Entschließung

angenommen, in der es u. a. heißt. Die Rot der deutschen Landwirtschaft in allen ihren Haupterwerbszweigen bedeutet eine schwere Ge­fährdung der gesamten deutschen Wirtschaft. Eine Fortdauer dieses Zustandes mühte alle Be­mühungen zunichte machen, den Ausgleich der deutschen Handelsbilanz durch Hebung der hei­mischen Erzeugung zu fördern. Im vollen Be­wußtsein seiner Vera^rtwortung lenkt der Deutsche Landwii-ischallscat die Auimerksamkeit der Reichs- regierckng und des gesamten deutschenVolkes auf die Folgen, die hieraus für Volt und Vaterland entstehen müssen. Auf dem Gebiete der Han­delspolitik müsse bei gerechter Ausgestaltung des Zollproblems auch für die landwirtschaftlichen Produkte der Schutz her heimischen Erzeugung wieder in den Vordergrund treten. ^Bei Deutsch­lands wirtschaslitcher Lage ist für die För­derung überflüssiger Einfuhr kein Platz mehr.' Die Last, der Wechselverschaldung muß von dem deutschen Bauer genommen werden. 3ehe Er- schtüterung der Kreditversorgung durch erneute, Behandlung der Aufwertungsgesetze müsse un­bedingt vermieden werden. Beschränkung bee staatlichen Betätigungsgebiete und S p a r a m - keit in allen öffentlichen Haushal­ten ist die Vorbedingung für die Milderung der in ihrer Höhe noch immer die Wirtschaft drückenden Steuerlast. Die soziale Gesetzgebung darf nur unter Anpassung an die Leistungsfähig­keit der Wirtschaft fortgeführl werdeu Die deut­sche Landwirtschaft erwartet von den Reichs­und Lcmtertehörten Fürsorge für die wirtschaft­liche Förderung aller landwirtschaftlicher Be­triebszweige und für die Ausbildung und Fort­bildung der deutschen Lcuidwirte, weil mir auf diesem Wege das Ziel der Nahrungsbefreiung erreicht werden kann.

Bei dem Empfang, den die städtische Ver­waltung dem Deutschen Landwirtschaftsrat sowie seinen Gästen im Saalbau heute abend gab. ergriff Reichstanzler Dr. Luther noch­mals das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der et besonders von der am Rhein zu wahren­den alten deutschen Kultur und von der Not­wendigkeit ihrer Erhaltung sprach Das könne am besten geschehen durch den staatsbetonten Willen zum Daterlande. Diesen Willen zu be­kunden, sei der Landwirt am ersten berufen und in der Lage. Er hänge fest und treu an der eigenen Scholle und damit auch am Vaterlande. Der Bauer solle nie vergessen, daßB a u c r" ein Ehrentitel sei. «Bravo.)

Am Samstag wird eine Besichtigungsfahrt unternommen, die nach den rheinhessischen Wein­baugebieten von Oppenheim. Nierstein und Du.- gen führt.

dte TaL. Nun ist freiluy klar, daß alle großen schaffenden Kräfte sich wieder ganz entfalten können, wenn die privatwirtschaftlichen Grund­lagen gegeben sind, und diese wirtschaftlichen Grundlagen heißen nach Wirtschafisgesetzen. die die Kraft von Naturgesetzen haben. 1. Das Be­stehen solcher Preise, wenigstens im Durch­schnitt des landwirtschaftlichen Betriebs, daß der Betrieb sich lohne, und 2. das Zurverfügung- halten von Krediten, nicht um leichter Schul­den machen zu können, sondern um die zur inten­siven Bewirtschaftung notwendigen Betriebsmittel zu besitzen. Nach den beiden Richtungen hat die Regierung alles getan, was möglich war. Die sog. Preisschere der Landwirtschaft ist ja eine der am lebhafte st erörterten Preisfragen. Auch auf diesem Gebiete will die Negierung mit ihrer allgemeinen

Prelsfenkungsaktion

jtaa Bersasfungskampf. Umwandlung der labilen Grundlagen der Weimarer Verfassung in eine sta­bile. Klare Ordnung in der Verteilung der Zuständigkeit zwischen Reich und Län­dern und zu diesem Zwecke eine stärkere versa sungs- rechtliche Sicherung der Länderrechte. Versa sungs- änderungen, die eine Verkürzung der verfassungs­mäßigen Landesrechte bedeuten, sollen nur mit Zustimmung d e s Reichsrats beschlossen werden können und als abgelehnt gelten, wenn sich mehr als ein Viertel der Stimmenzahl des Reichsrats dagegen ausspricht.

Aus den Parlamenten.

Der Reichstag setzte die Beratung des von den Sozialdemokaten eingebrachten Gesetz­entwurfs zur Milderung der Strafbestimmungen für die Abtreibung fort. Der Redner der Bay­rischen Vvlkspartei, des Zentrums, der Deutsch- nationalen und der National-Sozialistischen Frei­heitspartei sprachen sich gegen den Antrag aus. Der Antrag wird schließlich abaelehnt. 3n na­mentlicher Abstimmung wird sodann mit 214 gegen 173 Stimmen der Antrag des Nechtsaus- fchusses angenommen.

Der Preußische Landtag setzte die zweite Beratung des Kultusetats fort. Kulbrs- Minister _ Dr. Becker erllärte. daß es unter reinen Ülmstärwen dazu kommen dürfe, daß etwa in Zukunft nur noch Lehrer mit der neuen Lehrer­bildung angestellt und bamit den jetzt darbenden Junglehrern die Aussicht auf Anstellung genom­men würde. Schon in kurzer Zeit würden 3500 bis 4000 3unglebrer angestellt werden.

Die Streiflage in England.

London, & Mai. (WTD.-Fvnkspruch.) Das heute von dem Regierungsblatt, derBritish Gazette", veröffenllichte amtliche (Sommuniquö besagt u. a.: Keine ernsten Ursachen sind in irgend einem Teil des Landes vorgekommen, aber der Höhevuntt ist noch nicht erreicht. Dis Führer der Eisenbahner unb Transportgewerk­schaften wollen das Aeußerste tun. um dis Versorgung mit Lebensmitteln und Lebens Notwendigkeiten stillzule­gen. Einschüchterungsversuche feitarä Ausfchrei- hmgen begehender Mengen, als auch seitens Streikposten haben an vielen Orten stattgefun­den und werden vielleicht bald an vielen an­deren Vorkommen. Die Regierung hat alle Be­hörden angewiesen, dieses verbrecherische Treiben zu unterdrücken und zu verhindern. Es ist beadsich' tigt, die Zahl der besonderen Schutzleute in Lon­don. sobald wie möglich, auf 50 000 zu erhöhen. Andere wichtige Maßnahmen, um die zur Ver­fügung dec Regierung sehenden Kräfte zu ver­mehren und umfassenden Schatz zu ermöglichen, werden ebenfalls getroffen. Die Regierung hat ferner allen Dienstgraden der bewaffneten M a ch l mit geteilt, daß sie von heute ab auf die treue Hilfe der Regierung in jeder Altion rechnen können, die sie zur Unterstützung der Zivilbe­tzorden unternehmen werden. 3n Prescot und St. Helens arbeiten dreiviertel der Arbeiter. 3n Südwales unterbinden die Streitenden die Ver­teilung der Lebensmittel. Wie verlautet, wären in den größeren Städten durch die Tätig­keit der Schieber die 5!ebensmittelpreise in die Höhe gegangen.

Der Rat des Gewcrkschaftskongres- ses hielt fortwährend Sitzungen ab, ohne daß sich jedoch Anzeichen eines Strebens nach Frie­den gezeigt hätten, obgleich erklärt wurde, keinen Augenblick ließe man vorübergehen, ohne ihn zu irgendeinem Versuch zu benutzen, Mittel und Wege zum Frieden und zur Verständigung aus­findig zu machen. Es wird versucht, die Be- förderung der Lebenßmittel zu verhindern und die Erneuerung der Benzinvorräte zu unterbin­den. 3n London und in den benachbarten Graf­schaften haben sich 75 000 freiwillige Arbeiter gemeldet. 200 ehemalige Kavalleristen haben die berittene Polizei verstärkt.

Unruhen im La de.

Die innerpolitische Lage. Verhandlungen zur Flaqqenfrage.

Berlin. 8. Mai. (Wolff.) Im Reichstage haben gestern interfraktionelle Besprechungen zwischen den Regierungsparteien stattgefunten, an benen auch der Reichsminister des Innern Dr. Külz teilnahm. Wenn auch die Besprechungen, die die verschiedenen Möglichkeiten eines Aus­gleichs der Gegensätze unter den Regierungspar­teien zum Gegenstand hatten, zu keinem greifbarenErgebnisführten, so wurde ♦ür doch' wie dieSägt Rundschau" mit» teilt, betont, daß an der gegenwärtigen Regierungskoalition fest geh alten wer^n müsse. Keine Regierungsfraktion könne dte Verantwortung dafür übernehmen, wegen des Flaggenerlasses eine Krisis von unübersehbaren Folgen ^eraufzubeschwören. Auch die®er- m a=n i a sieht die Lage nicht mehr so kritisch an. Das D.att schreibt: Eine Erklärung der Regie­rung, die der Stimmung in sämtlichen Regie- rungsparteten entgegenkommt, könnte nach der Auffassung pariwnentarifcher Kreise vielleicht die Grundlage zu Verhandlungen bieten, die einen QluStoeg aus der Krise zeigen. In der demo­kratischen Fraktion, die im Anschluß an dce interfraftionelten Besprechungen gleichfalls unter Teilnahme des Reichsministers des Innern zusammentrat, soll man jedoch. lautVoss. Ztg " den Dersöhnungsaktionen sehr skeptisch gegenüberstehen.

Reich und Länder.

Eiuc bayerische Derfassnnqsdcnkschrift

München, 7. Mai. (WTB.) Die bayerische Staatsregierung veröffentlicht eine Denkschrift die es als ihre Aufgabe bezeichnet, auf Grund der Ent- wicklung der letzten Jahre zu zeigen, wie das Reich in Gesetzgebung und Verwaltung die, nach der Weimarer Verfassung, den Bundesstaaten verbleibenden Rechte, zum Teil unter Durchbrechung der Verfassung, mehr und mehr verkürzt md damit die Eigenstaatlichkeit der Länder in fort- chreitendem Miße aushöhlt. Die Reichseinheit mache kein Einheitsreich erforderlich. Der stärkste Kitt fei vielmehr die bundesstaatliche Verfassung.

Der Schlußteil der Denkschrift enthält einen kon­kreten Vorschlag für eine Aenderung der Reichsoer- fassung. Bayern fordert Berfassungsfrieden

London, 7. Mai. (WTB.) In Hüll mußte heute nachmittag die Polizei auf dem City Square mit erhobenen Knüppeln gegen streikende Arbeiter oorgehen. Streikposten zeigten sich gegenüber Frei­willigen feindselig, die sich in der City Hall ein­tragen ließen. Berittene Polizei mußte einschreiten, um die Menge von 31000 Mann zu zerstreuen. Sieben Personen wurden verletzt. Polizeiverstär° kungen säuberten den City Square und nahmen einige DerhaftunAen vor. Marineleute wurden für den Schutz von Freiwilligen, die Lebensrnittel lösch­ten, ausgestellt. Andere Matrosenabteilungen wurden nach einem Dock zur Beschützung der für das Löschen anderer Schiffe bestimmten Leute entsandt. Wie weiter gemeldet wird, sind die Industrien in Hüll jo gut wie stillgelegt. Die Bevölkerung ist ruhig. 2n Lincoln arbeiten die Fabriken, In Derby dagegen ist die Lage wenig befriedigend. Hier sind die bekannten Roll Royce Automobilwerke ge- schlvssen. Man erwartet, daß auch noch andere Werke schließen müssen. In Sheffield ist die Lage kompli­ziert, alle stahlerzeugenden Arbeiter streiken, obgleich die Gesamtzahl der streikenden Arbeiter weniaer als 50 00 beträgt, handelt es sich hierbei um sogenannte Schlüsselindustrien, so daß weitere Industriezweige in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

Im Osten von Glasgow kam es gestern zu ernsten Unruhen, bei denen insgesamt 69 Per­sonen verhaftet und mehrere Personen, darunter ein Polizeisergeanr, verletzt wurden. In einigen Wirtshäusern und Läden wurde geplündert. Hierbei wurde ein junger Mann durch eine Fen­sterscheibe gestoßen und sehr schwer verletzt. Am unruhigsten ging es in der Nähe des Straßen- bahndepots zu. Es hatte sich das Gerächt verbreitet, daß Studenten dort als freiwillige Nothelfer die Nacht verbrächten. Donnerstag frühmorgens zogen daraufhin etwa 500 Berg- leut? aus der Umgebung zu dem Depot und ver­suchten es zu stürmen. Poltzeiverstärkungen zerstreuten mit Gummiknüppeln die Angreifer Kleinere Gruppen begaben sich in die Seiten­straßen und begannen zu plündern. Hierbei tour­ten elf Männer verhaftet. Dann trat für mehrere Stunden Ruhe ein. Aber bei Anbruch der Nacht gestaltete sich die Lage sehr schwierig Große Menschenmassen zogen vor das Depot und unternahmen mehrere Angriffe. Die Polizei wurde ständig mit Steinen beworfen. Sie machte wiederholt Knüppelangrifse. Dabei wurde

Anzahl meist junger Burschen verhaftet. Nach 11 Uhr aoends trat Ruhe ein.

In M ibbles 6 ° rough fanben gestern abenb Unruhen statt. Schwere Güterwagen würben aufeineStrecke geschoben, um einen Der- sonenzug aufzuhalten. Die Menge zerstörte ferner

Der R e i ch s p r ä s i b e n t hat Professor Dr. v o n Harnack zu feinem 75. Geburtstag den Adler- sch »Id des Reichspräsibenten verliehen und ,hm ein Schreiben zugehen lassen, in dem er feine Glückwünsche und ben besonderen Dank des Reiches für die Arbeit Professor Dr. o. Hanmcks m der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und ihren For- schungsinstituten ausspricht. Der Adlerschild ist eine bronzene Adlerplakette, die auf einem bronzenen Sockel stehl und auf der Rückseite folgende Md- mungslnschrift trägt:Adolf von Harnack, dem Trager teu^jchcr Bildung, der Reichspräsident zum

Geheimrat Soxhlet f.

Geheimrat Prof. Dr. Franz von Soxhlet, ter ehemalige ordentliche Professor für Agri­kultur-Chemie an der Technischen Hochschule in München, ist nach längerem Leiden im Aller von 78 Jahren in München gestorben.

Wettervoraussage.

Nach anfänglicher geringer Erwärmung und verstärkten Niederschlägen erneuter Temperatur» fall und wollig mit Schauern.

Ein umfangreiches nördliches Tiefdruckshstem beherrscht weiter die Wetterlage. Infolge von Achsendrehung hat sich ein Teilwirbel nach Frank­reich verlagert, in teffen Regengebiet unser Be­zirk bald eintritt. Nach anfänglicher Erwärmung ist dann bei rechtsdrehenden Winden wieder mit stärkerer Abkühlung bis zum Nullpunkt zu rechnen.

Helsen. Ich weiß selbstoerstäichlich ganz genau, daß d'e Preise sich auf die Dauer nur nach ben großen inneren Gesetzen des Wirtschaftslebens richten. Aber auch bei Naturvorgängen ist es zuweilen er priest- lich, nachzuhelfen. In K r e d i t f r a g e n ist das Ziel klar. Wir muffen erreichen, daß trotz des verlorenen Betriebskapitals die Wirtschaft so intensiv bleibt, m i e n u r i r g e n d m ö g 1 i ch , und daß sie schnell­stens auch wieder die Wendung zu weiterer Intensi­vierung nimmt. Eine Erhaltung ist aber nicht mög­lich wenn die mühsam erzeilte Regelung der Auf­wertung neuerdings in Frage gestellt würde. Die Reichsregierung ist daher entschlossen, allen Be flrebimgen, die Aufwertungsfrage wieder aufzurol- len, nachdrücklich entgegenzutreten, und hat das durch ihr Dorgehen bereif« bekundet Hch erwarte die ernsthafte Unterstützung derer, denen der Wieder­aufbau der deu tschen Wirtschaft wirklich am »Herzen liegt Ich begrüße es. daß der deittscye Landwirt- fchastsrat hier in Darmstadt an der Grenze der dritten Zone seine diesmalige Tagung abgehal­ten und bamit auch von sich aus bekundet hat, wie sehr das ganze deutsche Vaterland das Schicksal der noch immer besetzten Lantesteite empfindet Ganz besonderer Art werden bei dem Besuch im besetzten Gebiet die Gefühle der Männer sein, die an der Weichfekwunde im Osten leben und abgetrennt vom übrigen Reiche ben schweren Wirtschaftskampf Ost­preußens kämpfen. Ob in Ost oder West, an Rhein ober Weichsel, ob in der Nordmark ober im Süden des Vaterlandes, ob lasten Sie mich dieses Wort als Ausklang nehmen in Stadt oder Land, verbindet alles das eine, das größer ist als unsere besonderen Sorgen, die Liebe zum Vater- land!

Nach dem Kanzler sprach bann

Reichsbokikprasidsnt Dr. Schacht über die Beziehungen der Reichsbank zur Land- wirtschaft. Die Reichsbank kann leider nur in der Form desWechfels Kredit geben, der an sich der Landwirtschaft nicht adäquat ist. Diese Wechselkredite hat die Reichsbank insehrgroßemUmsange gegeben. 1924 gingen fast 50 Prozent des Gesamt- Uedits an die Landwirtschaft Die Reichsbank hat ober daneben auch von jeher darauf hingearbeitet, den R e a l k r e d 11 wieder aufzubauen. Sie ist weiterhin bestrebt gewesen, den Zinsfuß herabzu- setzen. Wir haben ferner die Golddiskontbankaktivn unternommen. Wenn das Tempo der Aktion nicht schneller gewesen ist, so trägt die Reichsbank daran keine Schuld. Die Reichsbank hat vor einer Der- stopfung der Grundbücher durch die Aufwertungsfrage bereits zu einer Zeit ge- mamt, als sie dabei noch nicht von allen Kreisen der Landwirtschaft unterstützt wurde. Außerdem ist das Tempo wesentlich gehemmt worden durch das Kontlngentterungssystem. Diese ganze Kontingentierung Ist ein Zeichen unserer Zeit: Rest, bestände aus der Knegszeit. vielleicht auch Erinne­rungen an absolutistische Zeiten, in denen das Volk lediglich Ansprüche an den Staat stellte, swtt zu sagen: ÄchbinderStaat!

Die DeviseTreudeutsch und pensionsberechtlgt" darf für unser Volk nicht maßgebend werdeu.

~ Der Reichsbaakpräsident äußerte sich sodann über die nächsten Absichten der Reichsbank zur älnterstutzung der Landwirtschaft für die neue Ernte. Richtschnur werte sein, daß die Land- toictschaft nicht tote im Vorjahr gezwungen wer­ben darf, unter dem Druck der Kreditfälligkeiten chr Getreide vorzeitig zu Preisen zu v e r s ch l e u- dern, die verlustbringend sind und die ver­mieden werten können.

Wit grober Schärfe wendet sich der Reichs- bankpräsident sodann gegen die Bemerkung des Präsidenten des Landwirtschaftsrates, daß man ,n Zukunft dem Landwirt nicht mehr den Rat geben könne, unter allen Umständen ferne Produktion zu steigern, daß man rhm vielmehr raten müsse, so zu handeln, wie «s zur Erhaltung seines Besitzes not­wendig sei. Ich halte das, so erklärte ter Reichs- bankpräsident unter lebhaftem Widerspruch und unter großer Unruhe ter Versammlung für e i n außerordentlich gefährliches Wort. Ich tourte es auf das Aeußerste bedauern, wenn dies Wort etwa so aufgesaht toerden sollte, als vb die Landwirtschaft nicht in alteret ft er 2ini« auf bie Steigerung ihrer Pro- duktidität hinarbeiten sollte, sondern auf die Sicherung ihres Besitzes allein. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß die Reichsbank »emem Landwirt, ter so denkt, Kredit geben wird. (Wachsende Unruhe und Widerspruchszurufe aus der Versammlung.)

Die Reichsbank wird sich ihre Kreditnehmer genau daraufhin anfehen, ob sie ihren Kredit zur Erhaltung Ihres Besitzes oder zur Produk- (ionsffeigerung zu verwenden wünschen.

Derrn nur, wenn sie die Kredite zur Steigerung ter Produktivität benützen, werten die Kredite zurückbezahlt werden können. Wenn sie glauben, ohne dr<er Prinzip auskommen zu kön­nen, so werten sie auch ohne die Reichs­bank auskommen müssen (Aidauernte lln- tute. Zuruf: Diktatur!) Von Diktatur sind wir wmt entfernt. Die Reichsbank hat tniräy. ihr Ver- ^alten cnAeigt, daß sie in keiner Weise privat- wirtschaftliche Gesichtspunkte geltend macht, fon- hat sich stets den volkswirtschaftlichen Vestc^Sdunkten untergeordnet. Wenn die Land- wirtschaft mit der Reichsbank zusarnmenarteiten W'll werten wir alles tun, um die Landwirtschaft

x Crn'c.-P^ hoffe, die heutige Aussprache wird dazu fuhren, daß wir künftighin besser und enger zusammenarbeiten als bisher. (Beifall bei Mch^he^ beC QkrjammIun9' Zischen bei ter

X Reichskanzlers Dr. Lucher

?ÄN^kpräsi enten Schacht schlossen : sich mxh sachwissenschastliche Vorträge von Re- gierungsprasldeitt z. D. Graf von Bau dis- Nu- Uber die soziale Gesetzgebung ter letzten Jahve und chr Druck auf die deutsche Land- .

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