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not, wo unser Volk in Gefahr ist, sich in Tages­kämpfen politischer und konfessioneller Gegensätze zu zersplittern und zu schwächen. Wir können nur wieder groß und stark werden und in der Welt zu Ehren kommen, wenn wir uns in solchem Zusam- menbalt begegnen. Dazu mitzuhelfen sind gerade die Berufen, die sich zum Geiste der Kameradschaft bekennen.

Nach dieser Feier wurden die Fahnen im Arbeitszimmer des Reichspräsiden- t e n aufgestellt, wo sie bis morgen mittag ver­bleiben werden. Am Abend fand ein gemeinsames Essen statt, zu dem die Abordnungen der Tradi­tionstruppenteile, die Generalität der Reichswehr und die leitenden Offiziere des Reichswehrministe­riums sowie die Führer der Vereinsabordnungen und andere geladen waren.

Die Gratulanten.

Berlin. 7. April. (£11.) Dem Reichspräsi- teUten sind zu seinem heutigen Ehrentag Tausende von schriftlichen und telegraphischen Glückwünschen aus dem In- und Auslände zugegangen, u. a. haben Glückwünsche übermittelt: Deutsche Fürst, lichkeiton, die Führer des deutschen Heeres im Weltkriege und zahlreiche andere Kameraden der alten Armee, ferner die Regierungen von Preußen, Bayern. Württemberg. Baden, Mecklen­burg-Schwerin. Oldenburg. Hamburg und Lübeck, die Oberbürgermeister saft aller deutschen Städte, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Berlin, und der Oberpräsident der Provinz Bran­denburg. Die von Berlin abwesenden Reichs - m i n i st e r Dr. Marx und Dr. S t r e m a n n sandten aus ihrem Ilrlaubsausenthalt telegraphisch Glückwünsche. Weiter sandtenTelegramme: Reichs­gerichtspräsident Dr. Simons namens des Reichsgerichtes, Generaldirektor Oeser namens der Reichsbahn, sowie zahlreiche führende Per­sönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens, der Preise und der Politik, sowie die Landtags- und Reichstagsfraktionen. Ferner übermittelten Glück­wünsche verschiedene Universitäten und Hochschulen. Studentenschaften, zahlreiche Körper­schaften des öffentlichen Rechts, das Rote Kreuz und viele Verbände und Vereine, insbesondere solche militärischer Art. Ramens des öster­reichischen Bundesheeres hat der Bun­desminister Dr. Vauguin. namens der unga­rischen Regierung, der Reichsverweser Horthy telegraphisch Glückwünsche übermittelt. Der Präsident der Freien Stadt San» z l g gedenkt in seinem Glückwunschschreiben der Tatsache, daß heute vor 60 Jahren in Danzig der Reichspräsident seine militärische Laufbahn begann. Vom diplomatischenKorps haben der apostolische Runttus. Monsignore P a c e l l i und der türkische Botschafter Kimal Eddin Sami Pascha brieflich, der englische Bot­schafter und seine Gemahlin, ferner der spa­nische. der russische, der französische und der italienische Botschafter und die Missionschefs zahlreicher Gesandtschaften durch persönliche Besuche dem Reichspräsidenten Gratulationen zu dem heutigen Tage übermittelt.

Die Beisetzung August Thyssens.

TU. Kettwig. 7. April. Auf allen großen Zechen des Industriegebietes sammelten sich in den Mittagsstunden die Teilnehmer an der Trauerfeier für August Thyssen. Von dem wuch- ttgen Bergfried des altertümlichen Schlosses Landsberg wehen die Trauerwimpeln. Auf dem Wege nach dem Friedhof hatten die Mit­glieder der Knappenvereine in Dergmannstracht mit umflorten Grubenlampen, die Beamten- und Arbeitervereine des Tyssenwerkes und Tausende von Zuschauern Aufstellung genommen. Im gro- - hen Saal des Schlosses nahm Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln in schlichter Form Einsegnung der Leiche vor und gedachte in seiner Ansprache der groben wirtschaftlichen Erfolge Thyssens, der auch ein treuer Sohn der Kirche -»war. Anwesend waren Vertreter des Reichs­präsidenten und der Ministerien, der Oberpräsi, dent der Rheinprovinz und zahlreiche führende Persönlichkeiten der Wirtschaft. Gleichzeitig un­terbrachen sämtliche Werke Thyssens zum Zeichen der Trauer für fünf Minuten ihren Betrieb. Mtt einem Gebet schloß die Feier. Während die vereinigten Gesangvereine der Thyssenwerke einen Pfalm vortrugen, wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und der Zug, in dem sich sehr viele Fahnen befanden, setzte sich zum Friedhof in Bewegung. Auf dem Wege zum Grabe bildeten Werksangehörige, Bergknappen in Galauniform mit umflorten Grubenlampen, Eisenbahn und Feuerwehr der Werke Spalier. Auf dem auf Bergeshöhe gelegenen Waldfriedhos wurde August Thyssen in einem einfachen Grabe zur letzten Ruhe gebettet.

Einspruch gegen die Hinausschie­bung der Biersteuererhöhung.

Berlin, 7. April. (Wolfs.) Der Kommissar für die verpfändeten Einnahmen hat auf Grund von Ziffer 11, Kap. III der Hnteranlage I zu Anlage 1 des Londoner Schlußprotokolls Ein­spruch gegen die Hinausschiebung der Bier­steuererhöhung bis zum 1. Ianuar 1927 eingelegt, lieber die grundsätzliche Frage der Auslegung dieser Besttmmung entstanden zwischen der Reichs­regierung und dem Kommissar Meinungsver­schiedenheiten, die nach beidersettiger Uebetein« fünft durch einen im Londoner Protokoll für solche Fälle vorgesehenen Schiedsrichter ent­schieden werden sollen. Unter der beiderseitigen Voraussetzung, daß diese Entscheidung bis zum 30. Iuni 1926 gefällt sein wird, hat der Kommissar seine Zustimmung zu der Hinausschiebung der Biersteuererhöhung bis zu diesem Zeitpunkt er­teilt.

Deutschland fordert Kolonien.

London, 7. April. (TU.) Der Berliner Be­richterstatter derTimes" teilt mit, daß auf Grund offiziöser Erklärungen der Wilhelmstraße d i e Stellungnahme der Berliner Regie­rung zu den Kolonialfragen folgende sei: In Ko- lonialfragen ist die öffentliche Meinung so empfind­lich und zugleich so entschlossen wie bezüglich bet Wiederaufnahme der kolonialpolitischen Tätigkeit zu dem frühe st möglichen Zeitpunkt. Dr. Stresemann hat die Forderung nach Kolonien wie­derholt als einen Teil der deutschen Arbeit inner­halb des Völkerbundes bezeichnet. Da der Völker­bund die Nationen in solche einteile, die unfähig ober fähig' feien, Mandate zu erhalten, müsse sich Deutschland zur letzteren Gruppe rechnen. Der Korrespondent unterstreicht dann, daß die Strese- mannpresse gestern abermals festgestellt habe, daß

Deutschland sofort nach seinem Eintritt in den Völ­kerbund Kolonialmandate verlangen werde.

Marokko.

Paris. 7. April. (WTD.) Ministerpräsi­dent Driand hatte gestern nachmittag auf seinem Landsitz Cocherel, von wo er heute vor­mittag wieder nach Paris zurückgekehrt ist, eine lange Unterredung mit Kriegsminister P a i n - lev 6 und dem Generalresidenten Steeg. Bri- and hat heute vormittag den spanischen Fot­sch a f t e r empfangen und ihm die Ansicht der französischen Regierung mitgeteilt, damit ein Ab­kommen zwischen Frankreich und Spanien auf wirkungsvollen Grundlagen im Hinblick auf einen dauerhaften Frieden in Marokko erzielt werden könne.

Heber die Lage in Marokko laufen hier die widersprechendsten Gerüchte um. die um so größere Rervosität Hervorrufen, als es die französische Regierung unterläßt, wahrheitsgetreue Angaben über beit Stand der Vorbesprechungen mit Abd ei Krim in die Oeffentlichkeit zu bringen. Wenn die Rachricht über die Proklamation des heiligen Krieges zutrifft, die noch keine Bestätigung ge­funden hat, so bedeutet das, daß die Friedens­verhandlungen abgebrochen sind und eine Entscheidung nur durch Waffen herbeigeführt werden kann. Andererseits erregt das Ausbleiben von Rachrichten über den Fortgang der Offensive in Syrien, die vorgestern auf der gesamten Front des südlichen Libanon mit großem Trup- peneinsah auf genommen wurde, gewisse Beun­ruhigung.Paris mibi" zufolge hat bas Kriegs­ministerium seit gestern früh noch keinerlei Mit­teilung aus Damaskus erhalten.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsident hat in einem Schrei­ben an den Reichsfinanzminister seinen Dank und seine Anerkennung dafür ausgesprochen, daß es in diesem Jahre der vereinten angestrengten Arbeit des Reichsfinanzministeriums, des Reichstages und des Reichsrates zum erstenmal seit 13 Jahren wieder gelungen ist, trotz mannigfacher Schwierigkeiten das Reichshaushaltsgesetz rechtzeitig zu verab­schieden und so der Wirtschaft des Reiches die gesetz­mäßige Unterlage für das neue Rechnungsjahr zu geben, daß auch die der Linderung der Notlage un­serer Volkswirtschaft dienenden Steuergesetze trotz anfänglicher parlamentarischer Schwierigkeiten von der großen Mehrheit des Reichstages verab­schiedet werden konnten.

In dem Prozeß gegen den Staatsanwaltschafts­assessor a. D. Kußmann und den Hauptmann a. D. Knoll, die im Zusammenhang mit der Bar- inat-Kütisker-Affäre wegen Beiseiteschaffung von Urkunden angeklagt wurden, erfolgte in der Haupt­verhandlung Freisprechung der beiden Ange­klagten mit der Begründung, daß nichts erwiesen sei, was die Anklage rechtfettigen könne.

Der japanische Marine-Gesetzentwurf sieht eine Erhöhung der gegenwärtigen Flugzeuggeschwader von 12 auf 28 Geschwader vor.

Bei einem Streik von mehreren tausend Daumwollarbeitern in Guripur bei Kalkutta, der wegen tödlicher Mißhandlung eines Kulis durch einen Europäer ausgebrochen war, wurden von streikenden Arbeitern vier Europäer ver­wundet. Truppen halten die Ordnung aufrecht.

Kunst und Wissenschaft.

August Sperl f.

Rach einer Blättermeldung aus Würz­burg ist dort der Romandichter Dr. August Sperl im 64. Lebensjahr gestorben. Sperl, geboren am 5. August 1862 zu Fürth, wandte sich nach abgeschlossenem Studium der Archivarlaufbahn zu, arbeitete zuerst in Amberg, später in Castell und aus Schloß Trausnitz ob Landshut, zuletzt als Reichsarchivrat und Archiv- direktvr in Würzburg. 1893 erschien Sperls erster Roman,Die Fahrt nach der alten Urkunde", ein Werk, das man mit der Erzählerkunst Adalbert Sttfters verglichen hat. Mit gutem Recht wurden in starken Auslagen ferner weit verbreitet und bekanntDie eoöhne des Herrn Budiwoj" (1897), Hans Georg Portner" (1902),Kinder ihrer Zeit" (1906),Aichiza" (1909), der Studenten- romanBurschen heraus" (1913; vielleicht die stärkste Leistung Sperls). Von neueren Arbeiten seien genanntDer Archivar" (1921) undAhnen­bilder und Iugenderinnerungen" (1923). Die mo­derne, deutsche Literatur verliert in August Sperl einen ihrer besähigsten Erzähler. Dem historischen Roman hat seine Liebe bis zuletzt gehört.

Evangelischer Reichselterntag.

Im historischenSchwarzen Bären" in Jena wurde in Anwesenheit von ca. 200 Delegierten der Elternbünde und der großen evangelischen Lehrer­und Frauenorganisationen, sowie von Vertretern der staatlichen und kirchlichen Behörden des Reiches und der Länder der vierte evangelische Reichseltern- tag durch den zweiten Vorsitzenden des Reichs- elternbundes, Senatspräsidenten Radtke, Berlin, feierlich eröffnet. In einer einstimmig angenom­menen Entschließung ersucht der evangelische Reichselterntag die Reichsregierung, unverzüglich den angefünbigten Entwurf eines Reichs- fchulgesetzes vorzulegen, das den Eltern gibt, was ihnen nach der Reichsverfassung znkommt. Da­bei erklärt der Elternbund, daß für ihn nur eine Lösung der Schulfrage annehmbar ist, die der so­genannten Gemeinschaftsschule keine Vorzugsstel­lung als Regelfchule zuerkennt. Die evangelische Elternschaft erwartet, daß die Reichsregierung ihren wiederholten Zusagen entsprechende und dabei dem evangelischen Erziehungswillen die ihm gebührende Achtung entgegenbringe.

Tagung bet Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Die 50. bis zum 10. April währende Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wurde in Berlin unter dem Vorsitz des Ehrenvorsitzenden Geheimrat Werner Körte mit einer Festsitzung eröffnet. Aus allen deutschen Gauen und aus dem Auslande waren neben überaus zahlreichen Mitgliedern auch verschiedene Ehrengäste, dar­unter Oberbürgermeister Dr. Böß, erschienen. Der durch die Feierlichkeiten anläßlich se'.nes Militär­jubiläums am Erscheinen verhindette Reichs­präsident hatte der Gesellschaft ein Begrü­ßungsschreiben übersandt. Don Vertretern der schweizer, schwedischen, norwegischen und russischen chirurgischen Gesellschaften wurden Adressen über» bracht und verlesen. Die Stadt Berlin hat der

Gesellschaft eine Plakette zum Geschenk gemacht und außerdem einen Betrag von 10 000 Mk. für die Werner-Körte-Stiftung bewilligt.

vom Internationalen Kongreß für das Retlungs- roefen.

Auf dem 3. Internationalen Kongreß für das Rettungswesen und die erste Hilfe bei iln- glücksfällen, der unter dem Ehrenvorsitz des Prinzgemahls der Riederlande im September in Amsterdam abgehalten wird, werden die Regierungen von Deutschland, Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Ror- toegen, Oesterreich, Spanien und Chile durch offizielle Abordnungen vettreten sein. Währmd des Kongresses soll ein internationaler Wett­streit in der Gewährung derer st en Hilfe bei Unglücks)ällen abgehalten werden. Ferner werden Vorführungen der ersten Hilfe bei einem fingierten Schiffbruch an der Küste von Hoek van Holland und bei einem fingierten Eisen­bahnunglück in der Umgebung Amsterdams stattfinden. Für die Kongrehberatung sind 30 bis 40 Vorträge bekannter Fachleute vorgesehen.

Aus aller Wett.

Schweres Explosionsnnqlülk.

In den Sulfit- und Zellulosefabtiken von hoeich & Co. in Heidenau b. Dresden explodierte ein Zellu­losekocher mit einem Inhalt von etwa 160 Kubik­meter, wodurch das Kochgebäude zum Teil zerstört wurde. Es wurden 10 Tote und 20 verletzte ge­borgen. Bei mehreren verletzten ist das Augen­licht durch die schweren Schwefelvergiftungen schwer gefährdet. Der Bekleb der Fabrik ist auf längere Zeit unterbrochen. Man hofft, die Be­legschaft in anderen "Produktionszweigen unterbrin- gen zu können.

Petroleumexplosion in Kalifornien.

In San-Louis Obispo schlug der Blitz in vier der Union Oil Compagny gehörende Pe­troleumreservoirs, die insgesamt 3 700 000 Baril Petroleum hatten, ein. Das Petroleum explo­dierte. Hunderte von Menschen sind zur Zeit damit beschäftigt, Dämme aufzuwerfen, um zu verhindern, daß sich der Brand auf fünf kleinere Reservoirs ausdehnt. Durch die Ex­plosion wurden Hunderte von Fensterscheiben zer­trümmert und die ganze Stadt erschüttert. Der Brand ist wohl der größte in der bisherigen Geschichte der Petrvleumindustrie.

Eine Schreckensfahrt auf der Mittenwald­bahn.

Bei dem Mittagszug der Mittenwaldbahn fehlte am Mittwoch auf der Motorlokomotive der 2. Führer. Der einzige Lokomotivführer stürzte hinter Partenkirchen im Loisachtal von der Loko­motive und der Zug rollte führerlos mit ständig wachsender Geschwindigkeit das Gefälle in der Richtung Ehrwald hinunter. Die Geschwin­digkeit des Zuges erhöhte sich immer mehr, bis unterhalb der Haltestelle Schanze der Zug­führer die Rotbremse zog. Die elektrische Maschine sprang aus dem Gleis und fuhr in den etwa ein Meter tiefen Böschungsgraben. Der nachfolgende Packwagen und drei Personen­wagen entgleisten und stürzten um. Dabei erlitt eine Person einen schweren Schädelbruch; vier weitere Personen wurden leicht verletzt. Der Lokomottvsührer war von einem Unwohlsein be­fallen worden. Bei dem Versuch, die Tür der elektttschen Lokomotive zu öffnen, fiel er heraus und wurde später bewußtlos mit einer Kopf­verletzung neben den Gleisen aufgefunden.

3n eine Schar spielender Kinder gefahren.

In Saarbrücken fuhr in dem Stadtteil Bür­bach ein Chauffeur in übermäßig schnellem Tempo in eine Schar spielender Kinder. Ein 15jähriger Lehrling wurde auf der Stelle getötet. Zwei Schulkinder wurden schwer verletzt. Der Kraft­wagenführer wurde verhaftet.

Ein neuer Erdrutsch bei Kassel.

In noch größerem Umfange als kürzlich in Knickhagen hat sich jetzt in Breitenbach (Landkreis Kassel) ein Erdrutsch bemerkbar ge­macht. Mehrere hundert Meter weit haben sich Risse in der Erde bemerkbar gemacht. Es war nur ein Glück, daß an der betroffenen Stelle keine Häuser standen, sonst wäre ein großes Unglück entstanden.

Großer Schaden durch einen Kugelblitz

Während eines Gewittersturmes wurden in Pal­mers Green (England) durch einen Kugelblitz ca. 25 Häuser beschädigt, sämtliche Fensterscheiben zer­brochen und drahllose Empfangsapparate zerstört.

Die älteste Einwohnerin Kassels gestorben.

Die älteste Einwohnerin der Stadt Kallel, Frl. Natalie Spängenoerg, die als Tochter des kuihessischen Generals Spangenberg einer alten hessischen Familie entstammt, ist im Alter von 98 Jahren gestorben.

Ausgebrochene Strafgefangene.

Von einem auf dem Gutshof in Zinsendorf untergebrachten Arbeitskommando der Siegburger Strafanstalt find fünf Strafgefangene e n 11 a u f c n. Trotz der sofort aufgenommenen Verfolgung ist es bisher nicht gelungen, die Flüchtlinge zu fassen.

wegen Arbeitslosigkeit in den Tod.

Bei Essen wurde im Walde eine männliche und eine weibliche Leiche mit Kopfschüssen auf­gefunden. Die Toten sind zwei junge Menschen im Alter von 20 bis 25 Iahren. Bei dem Mann wurde ein Zettel gefunden, auf dem stand, daß beide aus Rot infolge Arbeitslosigkeit in den Tod gegangen sind

Die Kölner Mordtat.

Der Mord an dem Kölner Architekten Oberreuter hat eine geradezu sensationelle Wendung genommen. Wie die Kriminalpolizei mitteilt, ist die Frau des Ermordeten mit dem Mörder, ihrem Hausärzte Dr. Bröcher, geflüchtet. Die Vermutung, daß es sich da­bei um ein Komplott gehandelt hat, findet da­mit ihre Bestätigung. Ob der Arzt aus Eifer- suchts- oder selbstsüchtigen Gründen, da Frau Oberreuter sehr vermögend ist, gehandelt hat, dürfte die Untersuchung ergeben.

Dingsestmachung einer Falschmünzerbande.

In Hannover ist es der Kriminalpolizei endlich gelungen, eine schon lang gesuchte Falsch- münzerbande zu ermitteln und festzunehmen. Die Bande hatte dort eine Falschmünzettverkstätte ein­gerichtet zwecks Herstellung von Dreimarkstücken, die hauptsächlich in Frankfurt a. Main, Kassel, Rürnberg. Hannover und anderen Städten in den Verkehr gebracht wurden. Es wurden zahl- 1

reiche Formen, sowie fertiget und unfertiges Material vorgefunden und beschlagnahmt. Ins­gesamt wurden acht Personen fe st genom­men. Es sind meist jüngere Leute, darunter ein Maler, der als Führer der Bande in Frage kommt. Die Falschmünzer geben an, etwa 900 falsche Dreimarkstücke in den Verkehr gebracht zu haben. Doch geht man in der Annahme nicht fehl, daß eine diese Zahl weit überstei­gende Menge an den Mann gebracht worden ist.

Unterschlagung im polnischen Heere.

In der Militärautowerkstatt in Iaroslaw wurde eine sich auf drei Jahre erstreckende Unter­schlagung aufgedeckt. Der Cyef der Werkstatt, ein Major sowie ein Oberleutnant wurden verhaftet. Nach den bisherigen (Ermittlungen soll es sich um über 25 Millionen Zloty handeln.

Den Bruder erstochen.

In Erlenbach (Rheinpfalz) brachte im Verlaufe einer Auseinandersetzung zwischen zwei Brüdern der Karl Barth seinem Bruder Daniel einen Stich in die Herzgegend bei, an dessen Folgen der Verletzte im Krankenhaus in Kaiserslautern verstarb. Der Täter stellte sich freiwillig der Polizei.

Kits der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 8. 2lpril 1926.

Der Arbeitsmarkt im nördlichen Oberhessen.

Im Bereiche des Arbeitsamtes für das nörd­liche Oberheffen, zu dem Stadt und Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten gehören, hat sich die Arbeitsmarkt- läge im Laufe des Monats März im­mer noch verschlechtert. Die ungünstigere Gestaltung ist mit dem andauernden wirtschaftlichen Rückgang in Industrie und Gewerbe zu erklären. U. a. hat der Verein für chemische Indu­strie seinen betrieb Friedrichshütte bei Laubach gänzlich ft i 11 g e l e g t, wodurch 78 Ar­beiter in den letzten Tagen des März zu Ent­lassung kamen. Zur Linderung der Not werden in einer Anzahl Gemeinden Notstandsarbei- t e n der verschiedenster Art ausgefühtt, die von dem Arbeitsamt nachdrücklich gefördert werden.

Im einzelnen ist auf Grund der Zählungen zu berichten:

Stadt Gießen: 1. April: 524 Hauptunter- ftühungsempfänger, 610 ZufchlagsempfängLr (am 1. März: 487 bzw. 672).

Kreis Gießen: 1. April: 1826 Hauptunter- stützungsempfänger, 1848 Zuschlagsempfänger (am 1. März: 1564 bzw. 1902).

Kreis Alsfeld: 1. April: 567 Hauptunter- ftützungsempfänger, 782 Zuschlagsempfänger (am 1. März: 585 bzw. 970).

Kreis Lauterbach: 1. April: 214 Sjaupt- Unterstützungsempfänger, 357 Zuschlagsempfänger (am 1. März: 204 bzw. 352).

Kreis Schotten: 1. April: 398 Hauptunter- stützungsempfänger, 925 Zufchlagsempfänger (am 1. März: 309 bzw. 638).

Insgesamt: 1. April 3529 Hauptunter- ftützungsempfänger, 4522 Zufchlagsempfänger, gegen 3.-1 bzw. 4534 im 1. Mürz.

Die Reichsgesundheilswoche.

Das Hess. Landesamt für das Bildungswesen hat an die Kreis- und Stadtschulämter und die Direk­tionen der höheren Lehranstalten, sowie an die Leh­rer und Lehrerinnen der Volks- und höheren Schu­len ein Ausschreiben gerichtet, in dem es unter an­derem heißt:

In der Reichsgesundheitswoche vom 18. bis 25. April soll der Versuch gemacht wer­den, die Aufmerksamkeit unseres Volkes in erhöhtem Maße auf die Fragen der Gesundheitspflege zu lenken. Auch für die hessischen Schulen dürfte es sich empfehlen, die mancherlei Anregungen, die diese Woche bieten wird, für die Gesundheits­pflege in Schule und Haus nutzbar zu machen und auch ihrerseits das Verständnis für die Reichs- gesundheitswoche, ihre Aufgaben und Ziele xu för­dern. Auch ohne wesentliche Aenderung und Stö­rung des regelmäßigen Schulbetriebs wird es mög­lich sein, in geeigneten Lehrfächern wertvolle An­regungen zu geben. Von den Lehrern darf ange­nommen werden, daß sie nach Kräften bei der Be­kämpfung der Volkskrankheiten und zur Erzielung einer gesundheitlichen Sebensgeftaltung durch Vorbild und Lehren mitzuwirken bereit find.

Gietzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 33, Käse 50 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 20 bis 25, Spinat 45 bis 50, Grünkohl 40, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 150, Zwiebeln 20 bis 25, Meer­rettich 40, Rhabarber 30 bis 40, Aepfel 15 bis 30, Tauben 70 bis 80, junge Hahnen 110, Suppen­hühner 110 Pf. das Pfund; Eier 10 bis 12, Blumenkohl 60 bis 200, Salat 30 bis 60, Salat» gurken 150, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bi- 70 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 30 Pf.

Wettervoraussage.

Wolkig mit Aufheiterung, bei südlichen bis west­lichen, teilweise auffrischenden Winden nur mäßig warm, einzelne Niederschläge.

Don Nordwesten her sind breite Tiefausläufer nach Mitteleuropa vorgedrungen. Zwar tritt über den britischen Inseln wieder Druckanstieg ein, jedoch wird der Zustrom von feuchter westlicher Luft damit nicht unterbrochen, so daß das veränderliche Weller, das nach dem Vorübergang des gestrigen kräftigen Teilwirbels eingetreten ist, noch fortbauert.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 20 Gr. Celsius, Minimum: 9,7 Grad Celsius. Niederschläge: 1,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 11,7 Grad Celsius.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners- t a g. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Zirkus". Astotta-Lichtspiele:Rivalen".

Der Lahnhöhenbund veranstaltet zu Werbezwecken in einer Reihe von Ortschaften Lichtbildervorträge über die Lüneburger Heide mit anschließendem Vortrag des 1. Vorsitzenden über Das Wandern". Der L. H. D. steht im Dienste der Jugendpflege, seine Bestrebungen verdienen ernsteste Beachtung und Förderung. (Siehe heutige Anzeige.)

Deutsche Einheitskurzschrift. Der Gabelsberger Sienographen-Verein v. 1861