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Kreis Schotten.
wg. Webern, 6. März. Ein schwerer Verlust Iras die hiesige Kirchengemeinde durch den Tod des allscits hochgeschätzten Kirchenvorstehers Heinrich Franz II. Ein großer Trauerzug gab dem im Aller von 67 Jahren Dahingeschiedenen das letzte (Beteile. Franz war seit 24 Jahren Mitglied des Kirchenvorstandes gewesen und hatte sich durch lein reges Interesse an kirchlichen Dingen und durch fein mannhaftes Eintreten für kirchliche Belange hohe Anerkennung erworben. Dem Kriegervereine hatte der Verstorbene 43 Jahre lang angehört.
lg. Gedern, 6. März. Obstbauinspektor Wiesner Gießen hielt in der hiesigen Ortsgruppe des Ob st undGartcnbauvereins einen V 0 r- trag über das Thema: „Notwendige Maßnahmen zur vermehrten und verbesserten Obsterzeugung in bäuerlicher und Gemeindewirkschaft". An den sehr lehrreichen, Vortrag schloß sich eine' lebhafte Aussprache, in deren Verlauf Bürgermeister Mül l c r den Beitritt zum Obst- und Gartenbauverein warm empfahl und einem intensiveren Obstbau das Wort redete. Der nächste Vortrag soll den Gemüsebau behandeln.
Kreis Lauterbach.
fl. Maar, 6. Mörz, 'Nachdem unsere A r • beitsI 0 sen seither mit der Herstellung von Schottersteinen zum Decken der Gemeindewege beschäftigt worden waren, brechen sie jetzt aus der Bilskuppe Basalt st eine. Dort kommt ein sehr hartes Gestein meterweise .zutage, das sich vorzüglich als Baumaterial eignet. Man hofft, einen Steinb mit) anlegen zu können, der eine willkommene Arbeitsstätte für manchen Einwohner und av* eine Einnahmequelle für den Gemeindesäckel werden würde. Trotzdem müssen aber alle Heimatfreunde darüber wachen, daß das Bielwäldchen, das Wahrzeichen unseres Dorfes, nicht verschwindet.
Preußen.
V"f' Kreis Wetzlar.
ch. Lützellinden. 5. März. Der Roggen an tiefgelegenen Stellen unserer Gemarkung hat durch die starke Feuchtigkeit der letzten Zeil gelitten. Dagegen ist das feuchte Wetter den Kleesaaten sehr vorteilhaft gewesen, da es diese vor Mäusefrah bewahrt hat. — Auch in unserem Orte hat das ungewöhnlich hohe Grund- wasser Schaden angerichtel. Richt nur in manchen Kellern hat es sich zum Verdruß der Besitzer eingestellt, sondern auch in den Dickwurz- kauten viele der aufbewahrten Runkelrüben mit Fäulnis behaftet.
<> Hochelheim, 6. März. Die hiesige Gemeinde hat den Ausbau einer 250 Meter langen Wege st recke zwischen der K l e e b a ch - S t r a ß e und dem Moorweg beschlossen. Die Arbeit ist von der Negierung als Notstandsarbeit anerkannt. zu welcher der Gemeinde ein Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensursorae bewilligt ist. Bei dem Wegebau werden die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde beschäftigt werden. Die Gesamtkosten der Arbeit sind auf rund 10 000 Mk. veranschlagt.
O Ebersgöns, 6. März. Das von der Oberhessischen Kalk - und Stein-Industrie G. m. b. H. zu Butzbach im Distrikt «Berg" in der hiesigen Gemarkung betriebene Kalkwerk ist seit kurzer Zeit in seinem Betriebe wesentlich eingeschränkt. Der Kalk- vfen sst vollständig außer Betrieb gesetzt. -3m Steinbruch wird nur noch an drei Tagen in der Woche gearbeitet, um auf diese Weise eine Arbeitsstreckung zu erzielen und Entlassungen von Arbeitern zu vermeiden.
Dillkreis.
bl. Herborn, 6.März. Das hiesige Alter- tumsmufeum erfuhr in der letzten Zeit eine starke Förderung. Man hat die Gegenstände vermehrt, |o daß heute dem Besucher ein umfassendes Bild über die Vorzeit bargeboten wird. Neuerdings ist der Altertums- und Geschichtsverein daran, einen weiteren Raum zu beschaffen, in dem Jndustrieer- zeugnisse aus den Jahren 1850—1900 ausgestellt werden sollen.
Maingau.'
WSR. Frankfurt a. M, 6. Warz. 3n einem Vers 0 rgungsheim in der Richard- Wagnerftraße ist unter den Insassen eine epi- demif che Darmkrankheit ausgebrochen. 3m ganzen sind zehn Personen erkrankt, die nach der Infektionsabteilung des Städtischen Krankenhauses in Sachsenhausen verbracht wurden. Bei dreien wurde positiv Ruhr sestgestellt. Bisher sind zwei Fälle tödlich verlaufen. — F e st g e n 0 m m e n wurde der wegen Betrugs und schweren Diebstahls erheblich vorbestrafte Klempner Theodor Wilhelm G u e l s, der hier unangemeldet wohnte und wegen umfangreicher Betrügereien gesucht wurde. Guels nannte sich Dr.-3ng. Guels und auch 3 n - genieurWoels. Bei ferner Festnahme wurde bei ihm ein: umfangreiche Korrespondenz gefunden, aus der hervorgeht. daß er auch als Heiratsvermittler tätig war und wahrscheinlich auch als solcher Schwindeleien begangen hat. — Zu dem kürzlichen Leichenfund an der Riederräder Schleuse ist jetzt sestgestellt worden, daß es sich um den seit 1. Februar vermißten Postschaffner Schäfer aus Marburg handelt. Wie aus Marburg berichtet wird, soll kein Selbstmord vor- liegen. Es sei im Gegenteil mit Sicherheit anzunehmen. daß Schäfer einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Man habe an dem fraglichen Abend an der Unglückstelle Hilferufe gehört. Eine Untersuchung ist im Gange.
Kreis Fulda.
WSR. Fulda. 6. März. Während des gestrigen Gewitters schlug im nahen Petersberg der Blitz in die Scheune des Landwirts Herr II. ein. 3m Ru brannte die mit Vorräten und landwirtschaftlichen Maschinen gefüllte Scheune lichterloh. Bei dem herrschenden Sturm griff das Feuer mit derartiger Schnelligkeit um sich, daß das Gebäude innerhalb einer Stunde vollständig eingeäschert war. Rur dem schnellen Eingreifen der in der Rühe beschäftigten Rotstandsarbeiter und der Petersberger Feuerwehr ist es zir verdanken, daß noch ein Teil der Wagen und Maschinell gerettet werden konnte.
Kreis Herssetd.
WSR. H c r s f e l d . 6. März. Die Stadt Hersfcl'o hat sich mit 13 weiter nördlich gelegenen kurhessischen Orten zu einem Theaterring zusammengeschlossen. Der Zweck des Zusammenschlusses ist der gemeinsame Besuch von Vorstellungen des Kasseler Stadt- t h e a t e r s. Da aus diese Weise immer eine Vollbesctzung des Stadttheaters gewährleistet ist, können die Preise für die Vorstellungen- verhältnismäßig niedrig gehalten werden, so daß ein großer Teil der Provinzbevölkerung an den Kulturgenüssen teilnehmen kann.
WSR. Riederaula, 5. März. Ein von Marburg kommendes Auto fuhr heute zwischen Riederaula und Hersfeld bei Kleba gegen einen Kilometer st ein und über» schlug s i ch. Von den beiden Insassen erlitt einer mehrere Rippenbrüche und eine Brust- guetschung. während der andere mit Hautabschürfungen davonkam. Das fast völlig in Trümmer gegangene Auto muhte abgeschleppt werden.
Kaufmannsgehilfentag in Wiesbaden.
WSR. Wiesbaden, 7. März. 3m hiesigen Kurhause tagte heute der 13. Kaufmannsgehilfentag des D. H. D. für beide Hessen, Rassau, Waldeck und das Rahegebiet der außerordentlich stark besucht war und zu den wesentlichsten Tagesfragen Stellung nahm. Die Grundlagen für die angenommene Entschließung legten Vorträge des Frankfurter Kreisgeschäftsführers Lauer über „Arbeitsgerichte und unser Recht auf Arbeit" und des Gauvorstehers Auerbach» Frankfurt a. M. über den „Rationalen Lebenskampf der deutschen Kaufmannsgehilfen". II. a. wurde die schleunige Verabschiedung des Ar b ei ts ger icht s ge- s e h e s und eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als wichtigste Voraussetzung auf innerpolitischem Gebiet für die Gesundung unseres sozialen und Wirtschaftslebens gefordert. 3n diesem Zusammenhang wurde gegen die A b - baumahnahmen auf tariflichem Gebiet protestiert und indbefonbere verstärkter Schutz der älteren Angestellten verlangt. Rach einem Schlußwort des Reichstagsabg. Thiel wurde die Tagung geschlossen.
für viele Fabrikations- und Lagerbetriebe ist. in denen feuergefährliche Flüssigkeiten verarbeitet über gelagert werben. In bieten Fällen ist bas Löschen mit einer Flüssigkeit nicht angebracht, unb Löschmittel wie Sand, Löschpulver, Kohlensäure bringen nur bei kleinen Mengen brennender FlüssiAeit einen Erfolg.
Eine Höchstleistung deutscher Technik sind die Hochdruckkessel von Krupp von über 12 Meter Länge unb 1,5 Meter Innendurchmesser. Die Eigenart der Kruppschen Steinstrahlösen besteht darin, bah die Wärmemengen, die mit Oefen bei offener Flamme durch Leitung und Strahlung verloren gehen, von den Etrahlsteinen aufgenommen unb gleichmäßig auf das Ofengut aus- gestrahlt werden, ohne bah die zu behandelnden Gegenstände mit der Flamme in Berührung kommen. Die Oefen werben mit Gas geheizt unb für Temperaturen bis zu 15000 hergestellt.
Ium Tode von Otto Ernst.
Otto E r n st ist, wie wir schon kurz berichtet haben, im Alter von 64 Jahren in Ottensen verschleben — bicfe knappe Meldung ruft lebhafte und teilnahmsvolle Erinnerung an einen Dichter wach, um den es in den letzten Jahren stiller geworden war. der sich aber mit feinem Werk schon längst in die Liebe des deutschen Hauses und Volkes gebettet hatte. Gewiß, Otto Ernst hat keinen Feind, hat kaum jemals einen gehabt. Mochte seine impulsive Ratur bisweilen aufbraufen, sich mit einem falsch gewählten Gcg- ner messen, mochte er sich im Ton vergreifen: das alles wiegt heute nicht mehr schwer, das wirb ausgeglichen und überbrückt durch seine behäbige, freundliche Versöhnlichkeit, durch den versonnenen Humor seines niederdeutschen Wesens, durch seine ganze Art, die sich immer als männlich unb grabe bewiesen hat.
Wenn er jetzt von der Höhe seines Alters auf seine Lebensbahn zurückschaute: es ist ihm Nicht leicht geworden, sich diesen Strom warmer
Teilnahme zuzuleiten. Gr stammt aus den kleinsten Verhältnissen, und als Sohn des Zigarrenarbeiters Asmus Ludwig Schmidt in Ottensen geboren, arbeitete er sich unter Entbehruttgen und strenger Bemühung zum Seminaristen und Dolksschullehrer empor und wandte sich später ganz dem Beruf des freien Schriftstellers zu.
Und mit einem Erfolg, der wohl feine ehrgeizigsten Träume übertroffen hat. Don seinen Kinderjahren hat er uns in dem autobiographischen Roman „Asmus Sempers Iugendland" erzählt, in dem er zugleich mit vielen feiner Zeitgenoffen den Versuch machte, den alten Bildungsroman - von neuem zu beleben und zu modernisieren, und er schildert, wie es seine Art ist. einfach, kunstlos, mit warmer Empfindung, die kleine Welt, die dies Iugendreich ausmachte, und die Gestalten der Menschen, die es erfüllten. Dieses Buch ist heute in vielen Auflagen verbreitet und also ein gediegenes Volksbuch geworden.
Im Jahre 1901 hat Otto Ernst seinen ersten, ganz großen Erfolg buchen können: das war fein Lustspiel „Flachsmann als Erzieher", jene Komödie von dem betrügerischen Volksschulleiter, die wir alte kennen, deren Technik und scharf gesehene Typen auch heute noch, trotz Schützengraben unb Expressionismus, immer wieder ein erheitertes unb gerührtes Publikum finden wird. Aber um ein vollständiges Bild seines Wesens zu geben, ist auch noch an seine humorvollen Plaudereien „Laßt Sonne herein", „Ein frohes Farbenspiel" unb an bie Kinbererzählungen von seinem Töchterchen „Appelschnut" zu erinnern. Von den sehr zahlreichen Büchern des unermüdlich Fleißigen feien nur diese genannt; denn sie enthüllen seines Wesens Kern, er war kein Großer im Reiche der Dichtung, aber eine freundliche und sonnige Schriftstellernatur, die viel Freude verbreitet hat, und der eine dankbare Erinnerung auch über das Grab hinaus gewiß ist.
G. B.
Wirtschaft.
Friedrich Krupp A.-G., Essen.
Die ordentliche Hauptversammlung der Friedrich Krupp A.-G. genehmigte den Geschäftsabschluß 1924 25. Die F r i e d r. Krupp A.-G. schließt ihr Geschäftsjahr 1924/25 mit einem Betriebsüberschuß von 32 132 255 Mark. Dagegen belaufen sich die Steuern auf 15 593 1 24 Mark, die Ausgaben für die Angestellten- und Arbeiteroersicherung auf 6 539 189 Mark, die Zinsen auf 4 243 941 Mark unb verschiedene Ausgaben und Verluste auf 15 754 257 Mark. Zusammen betragen die Ausgaben 47 426 023 Mk. Es ergibt sich also ein V e r l u ft von 15 293 772 Mark, der vorqetragen wird. Die Zahl der Werksangehörigen, emfchließlich derjenigen der Tochier- unternehmungen. betrug am 30. September 1925 insgesamt 65 145.
Die Friedrich Krupp Grusonwerke A.-G. in Ttagbcbiirg hat das Geschäftsjahr 1924/25 mit einem Gewinn von 694 906 Mark abgeschlossen. Die Zahl der Werksangehörigen betrug am 30. September 1925 insgesamt 4682.
Die. Fried r. Krupp Germaniawerft A.-G. in Kiel weist für Sonderabschreibung auf Anlagen einen Verlust von 7 Millionen Mark aus. Die Zahl der Werksangehörigen betrug am 30. September 1925 insgesamt 5871.
Bei der Aktiengesellkschaft für Unternehmungen der Eisen- und Stahlindustrie in Berlin hat auch im Geschäftsjahr 1924/25 ein eigener Geschäftsbetrieb nicht statt- gefunden.
Zu dieser Bilanz bemerkte Krupp von Bohlen und Halbach, daß die
Liquidität der Bilanz gegen das Vorjahr gebessert erscheine. Seit dem Bilanzstichtage habe sie weiter erhebliche Fortschritte gemacht. Die Bank- und Akzeptschulden sind inzwischen von 21,9 Mill. Mk. auf etwa 9 Mill. Mk. zurückgegangen, denen Guthaben in Höhe von über 5 Mill. Mk. gegenüber; stehen. Der Verlust von mehr als 15 Mill. Mk. sei nicht nur auf die allgemein ungünstige Konjunktur zurückzuführen, sondern darauf, daß Krupp seine besonderen Schmerzenskinder habe. Der Hauptverlust fei auf der Germaniawerft entstanden. Die Ausführung übernommener Schiffsbauten konnte nur mit großen Zubußen zu Ende geführt werden. Jrn übrigen bedeute der von der Gesellschaft betriebene Erzbergbau im Siegerland und Lahn gebiet eine weitere Verlustquelle. Der Ruhreinbruch und vor allem die durch die Interalliierte Kontrollkommission verfügte Ma- schinenzerftörung haben die Friedrich Krupp A. G. in voller Schwere getroffen. Allein infolge der Maschinenzerstörung bleibe der Firma ein Verlust von fast 100 Mill. Mark. Daneben bedeute das Zer- störungswerk eine starke dauernde Schädigung der industriellen Leistungsfähigkeit der Firma. Man habe aber auch auf erfreulichere Tatsachen hinzuweisen. So habe das Grusonwerk in Magdeburg wieder mit Gewinn abgeschlossen, die Friedrich -Alfred -Hütte vermochte dank ihrem modernen technischen Aufbau und ihrer günstigen Lage ein befriedigendes Gesamtergebnis zu erzielen. Die Kohlenzechen haben zum Teil lieber- schüsse abgeliefert. Auch die hochentwickelte Edelstahl- Produktion in Essen bedeute einen Lichtpunkt in dem Gesamtbild.
Zu dem
Riesenzusammenschluß in der rheinisch-westfälischen Kohlenindustrie
äußerte sich Herr Krupp von Bohlen und Halbach wie folgt: „Durch einen Zusammenschluß soll eine Rationalisierung der Produktion in großem Aus- maße erreicht werden, wie wir sie in dem kleineren Rahmen unseres eigenen Konzerns erstreben. Wir inb der Gemeinschaft nicht beigetreten. Die Eigenart »es technischen und wirtschaftlichen Aufbaues untrer Werke ließ uns ein Aufgehen unserer Firma in eine Gemeinschaft nicht ratsam erscheinen. Mer es gibt wohl Gebiete, auf denen wir mit der neuen Gemeinschaft werden zusammenarbeiten können. Wir wünschen, daß die Bemühungen unserer Nachbarwerke bald zum Ziel führen unb Erfolg haben.-
Im Anschluß an diese Ausführungen teilte der Redner über die
Entwicklung des Ausfuhrgeschäftes noch folgendes mit: „Wir haben unseren Auslandabsatz nach Kräften gefördert. Beträchtliche Mengen an Eisen und Stahl, Walzfabrikaten und Schmiedestücken wurden von uns im verflossenen Jahre an das europäische Ausland und nach Uebersee geliefert, ferner Schiffe von der Germaniawerst, Kolonialmaschinen und Aufbereitungsanlagen des Gru- fonwerkes, Lokomotiven, Kraftwagen, Textilmaschinen, Dieselmotoren und andere Fabrikate der Essener Werkstätten. Krupp war auch eine der ersten deutschen Firmen, die mit Rußland Geschäftsverbindungen in großem Umfange angeknüpft haben.
(Biebener Stadttheater.
Zuckmaher: „Der fröhliche Weinberg".
3n Zuckmahers „ Fröhlichem Weinberg" übernahm am Sonntag Alix Krahmer nach ihrer Wieder-Herstellung von einer längeren Grippeerkrankung die Rolle des Klärchen. Dem prächtig urwüchsigen Töchterchen des alten Gun- derloch wußte Fräulein Krahmer temperamentvolle Frische und köstliche Schalkhaftigkeit, besonders auch in der Wirtshausszene, zu geben. 3m ersten Akt darf sie sich indes nicht zu sehr von dem edigen, immer noch zu wenig naivem, zu gewichtig dramatischem Spiel ihres Partners beeinflussen lassen. An rheinischem Dialekt könnte sie bei ihrer Freundin Babette noch manches profitieren. Derolinismen sind auf dem fröhlichen Weinberg fehl am Ort. Aber im übrigen eine überaus frische, abgerundete Leistung. Das recht gut besetzte HauS nahm auch die Wiederholung des löstlichen Volksstücks sehr herzlich auf. L.
Geheimsprachen derNalurvölker
Das Wort hat zu allen Zeiten auf die große Menge um so stärker gewirkt, je dunkler der Sinn war, der sich hinten den Worten verbarg. Daher erklärt sich die Vorliebe für Geheim- sprachen bei Zauberern und einzelnen Genossenschaften, die sich von der Allgemeinheit abfondern wollten. Solche Geheimsprachen finden sich bereits bei den primitiven Völkern: ja sie sind von ihnen reich ausgebildet worden, wie Prof. Levy - Brühl in seinem grundlegenden Wert „Das Denken der Naturvölker' hervorhebt. Für den Naturmenschen nehmen ja alte Dinge einen mystischen Charakter an, und fo hat man natürlich auch dem Wort allerlei magische Kräfte zugeschrieben. 3m Rainen des Einzelnen ist fein ganzes Wesen beschlossen, und die bloße Tatsache daß man den Ramen ausspricht, genügt schon, um auf den Träger einen Einfluß zu ge-
unferer großen öotomotiDtieferuna 1920/21 sind wir mit ytuplanb in dauernder geschäftlicher Verbindung geblieben und haben In letzter Zen auch neue Ausfuhrwege mit dem Export von Land- und Textilmaschinen nach Rußland betreten. Unsere russischen Abnehmer find bei der Uebernahme un lerer Produkte sehr sorgfältig, mitunter sogar scharf verfahren, aber ich bekenne gern, daß dieses Verfahren doch immer zu einer guten Abwicklung geführt hat, unb daß insbesondere alle Vertrags- dedingungen von beiden Seiten genau erfüllt worden sind. Wir haben uns ferner bemüht, zur wirt jchastlichen Erftarkuna dieses großen, für Deutschlands Ausfuhr so wichtigen Landes noch in anderer Weife beizutragen. Auf einem gepachteten Gelände nm Manytfch haben rotr landwirtschaftliche Musterbetriebe errichtet, um Rußland bei der Wiederaufrichtung seines wichtigsten Erwerbszweiges, der Landwirtschaft, behilflich zu sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läßt sich die Entwicklung dieser landwirtschaftlichen Betriebe günstiger an, wenn sie auch leider noch nach wie vor beträchtliche Ansprüche an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stammfirma stellt.*
Wie der Redner noch mitteilt, ist die erste Rote der Amerika-Anleihe
dem Vertrage entsprechend zurückgezahtt. Für die Rückzahlung der zweiten Rate seien die Mittel schon jetzt bereitgestellt. Nehme man alles in allem, so sei Krupp zwar kleiner und ärmer geworden, das Unternehmen jedoch im Kern gesund geblieben.
Statistik der A.-G.-Insolvenzen.
Vergleicht man die bei der Zählung vom 30. September 1909 bestehenden 5222 Aktiengesellschaften mit einem Gesamtaktienkapital von 14,7 Milliarden Rm. mit dem Stand vom 31. Dez. 1924 mit 17 074 Gesellschaften und einem geschähe ten Aktienkapital von 16,5 Milliarden Rm., so ergibt sich, daß bei einer Vermehrung der Gesellschaften um mehr als das Dreifache das Aktienkapttal nur unwesentlich gestiegen ist. Während im Jahre 1912 20 Konkurse festgestellt wurden, wurden 1925 insgesamt 528 Konkurse und 400 Geschäftsaufsichten gezahlt. Der monatliche Durchschnitt des Jahres 1925, der bei Konkursen sich auf 44 stellte, wuchs im Januar d. 3s. weiter auf 57, um bann im Februar auf 47 zurückzugehen. Der Monatsdurchschnitt der Geschäftsauf- sichten des Jahres 1925 betrug 33 und zeigte im Januar eine Verdoppelung auf 66, um sich dann wieder auf 34 im Februar zu senken. Don den 104 Konkursen der beiden letzten Monate betrafen 88 Gesellschaften, die in den 3ahren Jahren 1921 bis 1923 gegründet wurden, während von 100 Geschäft Kaufsichten 76 über in diesem Zeitraum gegründete Gesellschaften verhängt wurden. Don den Insolvenzen wurden in der Hauptsache mittlere Firmen betroffen. So hatten von 90 in der letzten Zeit in Konkurs geratenen Firmen 31 ein Kapital von 20 bis 100 000 Rm.. 32 ein solches von 100 bis 500 000 Rm., und von 94 unter Geschäftsaufsicht gestellten Unternehmungen besaßen 26 ein A.-K. von 20 bis 100 000 Rm. und 48 ein A.-K. von 100 bis 500 000 Rm.
* Bauxitwerke X®., Gießen. Die v. H.-D. genehmigte mit 3654 gegen 1288 Stimmen den Abschluß für das Geschäftsjahr 1925, der bei einem Aktienkapital von 137 000 Mk. einen Derlust von 38 551 Mk. (L D. 6941 Mk.), zusammen also 45 492 Mk. ausweist. Vorstand und AuftichtSrat wurden in entsprechendem Verhältnis entlastet. Der Antrag der Oppositton, eine Revisionskommission zwecks Prüfung der Geschäftsbücher und Transaktionen einz^etzen, wurde abgelehnt, dagegen wurde die Liquidation mit 3654 bei 1288 Stimmenthaltungen angenommen; zum Liquidator wurde Direftor Bäcker gewählt, mit dessen Wahl sich die Oppositton nicht einverstanden erklärte und deshalb den Antrag stellte, den Liquidator durch daS Gericht beftim- men zu lassen. Die Opposition gab ihren Protest zu Protokoll. 3n dem Geschäftsbericht toetft die Gesellschaft daraus hin, däß sie die ßiquibatton beantragt habe, weil keine Desserlmg der Wirtschaftslage zu erhoffen sei.
* Zunahme der Dauanmeldungen. 3m Monat Februar wurden ihm Bautennach« weis der „Dauwelt" 3387 Wohnhäuser und 701 sonstige Bauten (Kirchen. Schulen, Krankenhäuser, Fabrikgebäude, Derwaltungsgebäude, Garagen, Drücken usw.) veröfientlicht, gegenüber 2272 Wohnhäusern und 744 sonstigen Bauten im Monat Januar. 3m Februar 1925 wurden 2401 Wohnhäuser und 524 sonstige Bauvorhaben gemeldet.
* *5)0.6 R. W. G. im Saar - und Mosel- g e b i e t. Wie verlautet, beabsichtigt das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk die Mettlacher
Winnen. Deshalb sind Dorsichtsmahregeln beim Aussprechen der Worte notwendig, und man muh verhindern, daß die Worte mißbraucht werden. So haben z. B. in den meisten Sprachen Rordamerikas die Frauen einen anderen Wortschatz als die Männer. Wenn die jungen Leute in die Gemeinschaft der Männer des Stammes auf genommen werden, dann lehren sie die Alten eine Geheimsprache, die für die, die die Weihe nicht empfangen haben, unverständlich ist. Bei der Jagd muh man sich hüten, die Ramen der Tiere, beim Fischfang die der Fische, die man erbeuten will, auszusprechen. Daher verwenden die Eingeborenen des malaiischen Archipels eine besondere Sprache, wenn sie fischen gehen, und auch bei der Suche nach dem Kampfer sind ihnen ganz bestimmte Ausdrücke vorgeschrieben. Aus Madagaskar hat der König die Macht, gewisse Worte für tabu zu erklären, die dann nur von ihm verwendet werden dürfen. In zahlreichen niedrigen Gesellschaften dürfen Schwiegermutter und Schwiegersohn miteinander nicht reden: damit sie fich doch aber notdürftig verständigen können, gibt es eine Art Mischsprache. deren sich die Schwiegermutter in Gegenwart des Schwiegersohnes bedienen darf. Bei den Zauberzeremonien und anderen religiösen Feierlichkeiten werden Gesänge und Formeln verwendet, deren Sinn für die Hörer, manchmal sogar für die Ausübenden, gänzlich verloren gegangen ist Solche unverständlich gewordenen Zauberformeln haben sich ja überall erhalten. Bei den Indianern RordarncrikaS tft die Sprache, die für die Fest gelänge benutzt wird, von der Anterhaltungssprache streng verschieden. Rur dte Medizinmänner verstehen den Sinn dieser altertümlichen Formeln und bringen sie ihren Schülern mit großer Mühe bei. Man hielt an diesen Geheimsprachen mit solcher Zähigkeit test, weil man in ihnen die Zauberwirkung aufgespeichert glaubte, die seit unvordenllichen Zeiten den Zere- monien anhaftet.


