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Deutsche Meisterschaft im Kunst­laufen. Die deutsche Meisterschaft im Kunst­laufen für Paare: 1. Frl. Kishauer Herr Härtel vom Berliner Schlittschuhklub 14.8 Punkte. 2. Frl. Förster Dr. Jüngling vom Oppelner Gislaufverein 14.1 Punkte. Das Siegerpaar er­hielt den TitelMeisterpaar des Deutschen Eis­laufverbandes für 1926, ferner goldene Meister­schaftsmedaillen sowie Meisterschaftsurkunde.

Deutsche Meisterschaft im Kunst­laufen für Damen: 1. Frl. Drockhöft vom Berliner Schlittschuhklub 216.3 Punkte. 2. Frl. Beit vom Berliner Schlittschuhüub 182,5 Punkte. Die Siegerin erhielt den TitelMeisterin des Deutschen Cislaufverbandes für 1926, ferner die Goldene Meisterschaftsmedaille sowie die Meisterschaftsurkunde, außerdem einen Ehren­preis.

Herren-Seniorlaufen: 1. Härtel vom Berliner Schlittschuhklub 127,6 Punkte. 2. Bayer vom Berliner Eislaufverein 104,4 Punkte.

Das Seniorlaufen für Damen ge­wann Frau Bernhard vom Berliner Schlttt- schuhklub vor Frl. Wulff vom Berliner Els- laufverein und Frl. Flebbe vom Berliner Sport-

Jn dem Eishockey im Berliner Sport­palast zwischen der schwedischen Mannschaft Goto- Stockholm gegen den deutschen Meister Berliner Schlittschuhklrch siegte der letztere mit 3:2.

Schach.

Semmerings achturmer.

Wien. 7. März. Das Semmering-Schach­turnier erste Runde: Riemzvwitsch schlug 2llje° chin Janowski schlug Grünfeld, Widmar schlug Bat'es. Knoch schl"g Davidsohn, Tartalower schlug Rosclli. Die Partte Spielmann-Gilg und Un- chel-Bajda wurde remis. Die Partte Rett- Lrey- bal blieb unbeendet.

Darbietungen des Abends, und er sprach damit ganz im Sinne oer dankbaren Zuhörerschaft.

* Llnser Gefängniswesen behandelte Geheimrat Prof. Dr. Mittermaier am Samstag abend in einem Bortrag in der Volks­hochschule. Der Redner gab seinen Hörern einen tiefen Einblick inein anderes Land, das Land der Gefangenen, das ja den Begriffen des allergrößten Teiles der Volksgenossen so fern liegt. Man betrat im Geiste die Häuser dieses anderen Landes", verfolgte die Lebensweise der dort untergebrachten Menschen und erkannte, daß sie trotz desimmer gedeckten Tisches" und desDaches über dem Kopse" doch ein hartes Los zu ertragen haben. Zwar geht es. tote der Vor­tragende betonte, in unseren Gefängnissen mensch­lich zu, zwar sind sie auf der Höhe der Zeit', zwar sind schon mancherlei Reformen im Strafvollzug eingeführt worden; dennoch ist das Geschick jener Menschen schwer, weil ihnen die Freiheit fehlt, ihr eigener Wille aufgehört hat, uraßgebend für sie zu sein, sie sich absolut fremdem Willen unterordnen müssen und infolgedessen unter furchtbarem seelischen Druck leben. Bei aller An­erkennung der bisherigen Reformen, wie den Strafvollzug in Stufen, der in Butzbach bei­spielsweise sehr entschieden durchgeführt wird und den Strafvollzug außerordentlich mildert, ließ der Redner keinen Zweifel darüber, daß ihm diese Reformen noch nicht umfassend genug sind, daß er noch erheblich toeitergehende Schritte in dieser Richtung für notwendig hält. In die­sem Zusammenhang bekannte er sich alseiner der radikalsten Strafreformer", und von diesem Etandpuntt aus entwickelte er dann die Gedanken und Gründe, die nach seiner Ansicht für die weitere, entschiedenere Reform des Strafvoll­zugs herrschend sein müssen. Den Gedanken der Vergeltung, die nach seiner Ansichtein Rache­üben" ist, müsse man beiseite lassen, ein Straf­fälliger dürfe nicht gleich alsschlechter Mensch" angesehen werden, man müsse

vielmehr Mitleid mit ihm haben,- den

Gründen für seine Tat und auch feiner ®igcnnrt (Vererbungseigenschaften, Lebensgepohnheit usw.) mehr als bisher nachgehen. Wenn man bessern wolle, dürfe man nicht so viel mit Gefängnis strafen. Als andere Mittel zur Besserung be­zeichnete der Redner z. B.: Bedingte Entlassung mit Aussicht auf spätere Begnadigung bei ein­wandfreier Führung,Zwangsarbeit in der Frei­heit" (z. B. Attenabschreiben in der freien Zett), Schutzaufsicht (nicht Polizeiaufsicht) durch die Ge­samtheit. z. B. durch die Rachbarn. Ansiedelung auf Oedländereien zur Besserung von Landes­kulturarbeiten usw. Das Gefängnis dürfe nur für Unverbesserliche und ganz schwere Verbrecher angewandt werden. Von dieser Art des weit reformierten Sttafvollzugs erwartet der Vor­tragende vor allem die Besettigung des un­heimlichen Druckes, der heute die Straffälligen so furchtbar belaste, und daraus refultierend eine erleichterte Rückkehr in die Bahnen des geseh- und rechtmäßigen Lebens. Unb schließlich dürfe einer dergesessen" hat. von den Mitmenschen nach Ablauf seiner Strafe nicht als Ausge- ftoßener behandelt werden, sondern man müsse ihm mitleidig die Hand entgegenstrecken, um ihm den Wiederbeginn eines neuen Lebens zu er­leichtern und zu ermöglichen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

**Die neue Großmacht" betitelt sich der Film, der gestern vormittag Hunderte von Zuschauern im Saale des Einhorns zufammen- führte. Wer nicht Gelegenheit hatte, die erste internationale Arbeiter-Olympiade in den Tagen vom 24. bis 27. Juli v. Js. in Frankfurt a. M. zu schauen, hatte gestern die Möglichkeit, an Hand dieses Films sich einen Begriff von der Größe dieser Veranstaltung zu machen. Es galt vor allem, die verschiedenen Sportarten in bezug auf ihre Technik im Lichtbild vorzuführen, dann aber setzte die Filmvorführung ein, die den Zu­schauern zunächst den Mafsen-Einzug von der Halle des Hauptbahnhofs, den bereifter! en Emp­fang der aus fast allen Staaten Europas herbei­geeilten Sportler, die Ausschmückung der Stadt mit ihren alten malerischen Häusern der Alt­stadt usw. vor Augen brachte. Es folgte der im­posante Fes^ug, der in einer Länge von *ef>n Kilometer sich durch die Stadt bewegte, eröffnet von ca. 20 000 Radfahrern und 400 Spielleuten, der Aufmarsch auf dem, was Große und Anlage an betrifft, schönsten Sportplatz Deutschlands, die Massen- und Einzelvorführungen, letztere beson­deres Interesse und Heiterkeit erregend durch Anwendung derZeitlupe", eine □Teuerung, die es dem Zuschauer ermöglicht, die Bewegung des Sportlers bis ins kleinste zu verfolgen, indem z. B. der Wassersportler vom hohen Sprungbrett bis zum Wasser­spiegel im Tempo einer Schneeflocke niederging.

Brennstoff, Kraft und Wärme" auf der Leipziger Messe.

Von unserem nach Leipzig entsandten technischen Mitarbeiter.

(Rachdruck verboten.)

Erstmalig ist in diesem Jahre auf der Leip­ziger Technischen Messe der Versuch gemacht wor­den, in der neuerbauten Halle 21 die gesamte Energiewirtschaft der festen und fluffigen bzw. gasförmigen Brennstoffe unter der Bezeichnung Brennstoff, Kraft und Wärme" zusammewiu- fassen. Wenn auch natürlich noch manche Wunsche vffen und einzelne Gebiete infolge der wirtschaft­lichen Lage nur wenig oder gar nicht vertreten» sind, so glauben wir doch, daß sich im Laufe der Zeit hier ein weiterer Brennpunkt der Tech­nischen Messe entwickeln wird. Ob dann aller­dings die eine Halle genug Raum bietet, mochten wir stark bezweifeln. _

Die in Frage toinmenben Syndikate haben sich dieses Mal ganz zurückgehalten, um die un­liebsamen Folgen der Konkurrenz Braun- gegen Steinkohle zu vermeiden. Wir sind der Ansicht, daß sie sehr gut in entsprechender Weise hätten ausstellen können. Jedenfalls liegt es im Interesse Der Verbraucher, daß die Besucher in sachgemäßer Weise darüber aufgeklärt werden, wann Braun- und wann Steinkohle wirtschaftlicher ist. Unö dies geschieht nach unserer Meinung am besten durch Die betreffenden Wirtschaftsorgamsationen, näm­lich durch die Syndikate.

Wie wir schon am Eingang bemerkt haben, gibt die Fachausstellung dieses Mal in keiner Weise ein auch nur einigermaßen vollständiges Bild der Brennstofftoirischaft, und toir muffen uns darauf beschränken, einzelne interessante Punkte und Fortschritte kurz zu besprechen

Während man in Amerika in dem Bestrebei,, die Betriebstosten niöglichst zu verringern. das segmentbogenartige Feuergewölbe wohl ganz ver-

Einrichtung des in Scharnieren schwenkbaren Mannlochverfchlusses. Bekannt sind ja dieS.H. G. Umkehrenden für Ueberhitzer, welche maschi­nell geschmiedet und ohne jede autogene Schwei­ßung hergestellt sind. An dem im ersten Schmidt- schon Hochdruckkessel feit 1911 für 60 Atmosphären eingebaut gewesenen Ueberhitzer für Dampf- temperaturen bis zu 490 Grad mit einem dazu gehörigen Schamottefchieber zur Regelung der Ueberhitzer-Deheizung kann man die große Halt­barkeit des Materials erkennen. Ein einbaufähi­ger Turbosauger mit Antrieb durch Abdampf- Turbine zur Verbesserung des Kefselzuges und ein Rußbläser zur Reinigung des Kessels und der Ueberhiher-Heizfläche ergänzen das Gezeigte. Einige Photos geben ein Bild von dem Umbau einer 2-E°Schnellzug-HeißdamPf-Drillingslokomo- ttve für Hochdruckdampf von 60 P. S.

Sehr gut und beachtenswert ist das Ge­biet der Oelheizung vertreten, welche ja heute besonders im ©ießeteitoefen eine große Rolle spielt. Dr. Schmitz u. Co. G. m. b. H in Barmen zeigt einen neuen Hochleist ungs-Riederdruck-Oel- brennet von sehr vielseitiger Verwendbarkeit. Ferner ist auf das nach feinem Erfinder, Obering. Hahn in Kassel - Wilbelmshöhe benannte Ver­brennungsverfahren hinzuweifen, das auf den, Grundgedanken beruht, mittlere und schwere Oele nicht in dampfförmigem Zustand zu verbrennen, sondern das Oel zunächst in ein beständigeres Gemisch übrrzuführen. dessen Verbrennung wen,-, ger Schwierigkeiten bereitet. Der Vetrieb wird dadurch nicht nur sehr einfach, da Rebenmaschinen vollkommen fehlen, sondern gibt auch einen lehr hohen Wirkungsgrad. .

Einen weiten Raum nehmen warmewlrt- schaftliche Anlagen ein, die den Zweck verfolgen, die Abdampf- oder Abgastoärme »noglichst voll­kommen nutzbar zu machen. Hier: ist vor allen Singen aus die Apparate für Arrschluftbeheizung hinzuweisen. welche u. a. von den Luftbehrizungs- toertt'n Sckwarzhaupt, Spieker & Co., Frankfurt

a. M. zur Heizung der in der Halle befindlichen Restauration benutzt und damit in ihr« ptai» tischen Anwendung vorgeführt toetben. Diese Frischluftheizung ist auch sehr für Wohnungen angebracht. Wie verbreitet diese Frischlusthel- zungen heute schon sind, geht aus der Tatsache hervor, daß allein in den letzten 20 Jahren 6000 dieser Etna-Druckluft-Heizungen ausgefuhrt wurden. ,

In der Abteilung Gießerei fallen die zahl« reichen und sehr praktischen Formmaschinen auf, die ohne Zweifel den Betrieb einer Gießerei wesentlich wirtschaftlicher gestalten. Es ist er­freulich, daß wir auch hierin endlich beginnen, den Vorsprung, den das Ausland und besonders Amerika hat. einzuholen.

Ungefaßt ein Drittel der Halle wird von den Kraftmaschinen in Anspruch genommen, welche außerordentlich zahlreich vertreten sind. In erster Linie sind Maschinen nach dem Dieselmotor- Prinzip zu finden, deren konstruktive Durchbil­dung vorzüglich und deren Brennstoffverbrauch sehr gering ist. Auf Grund ihrer Vorteile ha­ben sie auch die Dampfmaschine immer mehr verdrängt und sind in vielen Fällen in der Lage, auch dem Elektromotor wirkungsvolle Kon­kurrenz zu machen. Es würde natürlich hier zu weit führen, näher auf die einzelnen Eigenschaften der Krupp, MAR. Deutz, Körting. Sulzer usw. Motoren einzugehen. Letzterer hat u. a. eine Schiffsdieselmaschine von 300 P. S. ausgestellt.

Lebhaftes Jntc-rssse dürfte der Scheibengas­behälter der MAR finden, welcher das bisherige, teuere Wasserbassin überflüssig macht. Er ist ohne Zweifel der Gasbehälter der Zukunft. Schon heute werden immer mehr Reuanlagen nach seinem Prinzip gebaut.

Einige sehr beachtenswerte Maschinen, die zur Wärmewirtschaft gehören, find auch in an­deren Hallen ausgestellt. Wir weisen beson­ders auf den Schaumlöscher-Apparat der Mini- mar-Gesellschaft hin. der eine wichtige Neuheit

Man kann aus der Vorführung die Tatsache erstellen, daß durch d-ie Origina^Deranstaltung ein Zug peinlichster Ordnung und Exaktheit in den Aufführungen ging. Daß es auch an Hu­mor nicht fehlte, zeigten verschiedene Bilder. So ging z. B. als Voraussetzung für jegliche festliche Veranstaltung großen Stils, die Verpflegung der Massen, ein Transport feister Borstentiere, über die Leinwand, um auf dem folgenden Bild eine in voller Tätigkeit besindliche Füllmaschine für die berühmten Frankfurter Würstchen zu zeigen. Dom zweiten Stockwerk eines Altfrankfurter Hauses schaute eine mächtige Bulldogge aus dem Fenster mit einer Miene, die streng die Art der Ausschmückung und Beflaggung des Gäßchens zu grüßen schien. Der Film in seiner Gesamt­heit darf als treffliches objektives Werbemittel für den Sport jeder Art bezeichnet werden, und deshalb ist der Besuch der weiteren Vorführungen in den benachbarten Ortschaften nachdrücklich zu empfehlen.

. Das Konzert des Orchesterver- eins Gießen, das am Donnerstagabend in der Turnhalle nm Oswaldsgarten ftattfanb, erfreute sich eines sehr starken Besuchs. Die Darbietungen des Vereins wurden außerordentlich ~btfltfbar auf ge­nommen. Der Orchesteroerein wurde 1908 gegrün­det, während des Krieges ist er wiederholt unter der Leitung des verstorbenen Musikdirektors Karl Krause durch Wohltätigkeitskonzerte für Krieger­hinterbliebene und Lazarette on die Oeffentlichkeit getreten. Nachdem der Verein in der Nachkriegszeit geruht hatte, ist er jetzt wieder zum ersten Male öffentlich aufgetreten. Die musikalische Leitung lag in den Händen des Kapellmeisters Hermann Weller. Eröffnet wurde der Konzertabend durch den Krö­nungsmarsch aus der OperDie Volkunger" von Kretschmer; dies ist ein altes Bravourstück des Ver­eins, das natürlich großen Beifall heroorrief. EherubinisWasserträger" reihte sich würdig an: die schönen Melodien erfreuten in hohem Maße. Dasselbe läßt sich im großen und ganzen von dem Allegro aus der O-Dur-Sinfonie von Mozart sagen. In dem Konzertina von E. M. von Weber zeigte der Solist Frick eine bewundernswerte Technik, so daß sich der Verein nach lebhaftem Beifall zu einer Zugabe verstehen mußte. Der zweite Teil des Abends begann mit der Ouvertüre zur Oper Zarnpa" von Herold. Der Solist Schwarzlose spielte das berühmte Solo von B6riot auf der Trompete; mit ausgezeichneter Technik bewältigte er mühelos die schwierigsten Passagen.Das Glöck­chen des Eremiten" erfreute die Zuhörer durch großen Melodienreichtum. Es folgten dann der be­kannte Militärmarsch von Schubert. Am Schluß des Konzertes war der Beifall so groß, daß der Or­chesteroerein noch zwei Konzertstücke zugeben mußte: Florentiner-Marsch und einen von Kehr­mann-Gießen komponierten Marsch.

** Auftrieb auf dem heutigen Fran k- f u r t e r Schlachtoiehmarkl. 363 Ochsen, 30 Bullen, 673 Färsen und Kühe, 409 Kälber, 227 Schafe, 3910 Schweine.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

t. Reiskirchen, 6.März. Im hiesiaen Ge­meindewald fand jetzt unsere Brennholzoer- ft e i g e r u n g statt. Es ist in diesem Winter wenig Holz geschlagen worden, und dementsprechend waren die Preise sehr hoch. Im Durchschnitt wurden be­zahlt für 2 Raummeter Buchenscheiter 4246 Mk Buchenknüppel 38 bis 44 Mk., Tannenknüppel 18 bis 24 Mk.. Stockholz 18 bis 22 Mk., Buchenreiser 7 bis 15 Mk. Bei Stammholz kam das Festmeter auf 10 bis 16 Mk., je nach der Stärke des Stammes.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 6. März. Der früher hier schon bestehende Frauenoerein vom Roten Kreuz für die Kolonien war infolge der Zeitoerhältnisse und durch den Verlust unserer Kolonien sehr zurück- gegangen. Jetzt ist er unter der Leitung von Frau Kreisdirektor Gebhardt unter dem Namen Graue rne rein vom Roten Kreuz über See -zu neuem Leben erwacht und hat seine alte Mitgliederzahl nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten. Auch der Dor- tragsabend inGroß-Friedberg" war von gutem Erfolge begleitet. Kapitän Herbert (ein geborener Darmstädter) sprach über das ThemaSeefahrt ist not" und wußte mit Unterstützung einer großen Anzahl farbiger Lichtbilder das Interesse der Zu- Hörer für unsere Handelsflotte und deren Wieder­aufleben in höchstem Grade zu fesseln.

<£ Butzbach, 6. März. Der hiesige Turn- und Sportverein kann in diesem Jahre die Feier des 8 0 j ä h r. B e st e h e n s begehen. Größere turnerische Veranstaltungen sind aus diesem Anlaß für den 5. und 6. Juni geplant. Was der Feierlich-

Aus der prsvinzialhauptstadl.

Gießen, den 8. März 1926.

Am Telephon.

Wenn dem Telephon gegenüber immer und überall ein Spiegel wäre, würde mancher erst merken, daß er im Grunde ein sehr höflicher Mann ist. Er verbeugt sich sogar vor Leuten, die persönlich gar nicht anwesend sind, jedenfalls nicht leibhaftiger als in einem Brief, der mit der Post kommt, oder in einer Rechnung, die manchmal die persönliche Eigen- arte charakterisierter hervorhebt, als ein freundliches Telephongespräch. ....

Man sehe nur, wie er lächelt! Er zieht die Augenbrauen hoch, bewegt den Kopf hin und her, wölbt die Unterlippe und will charmant aussehen. Wahrhaftig, er möchte den Eindruck erwecken, als wenn er ein charmanter Kerl wäre. Mit einem Schlage aber verändert sich auch sein Gesicht: Holla, wer ist dort? . . . Bitte, wer ist da?" Ver­mutlich ist dann ein anderer dazwischen gekommen, denn nun wird er eisig kühl, seine klugen blitzen, die Augenbrauen zieht er nicht in die Höhe, son­dern bedeckt mit ihnen das halbe Gesicht, als wenn er durch eine Staubwolke ginge. Nun dienert er auch nicht mehr herum, er ist wie ausgewechselt. Wenn er jetzt in den Spiegel blickte, würde er den Eindruck gewinnen müssen, daß er nichts weiter als ein kühler versierter Geschäftsmann wäre.

Es ist klar, daß wir nicht des Telephons wegen diese Liebedienerei treiben. Mit Herz und Seele sind . wir in einer anderen Welt, nicht räumlich getrennt, leben in der Illusion, als würden wir beobachtet, 1 und benehmen uns wirklich so korrekt, wie in der guten Gesellschaft, wenn wir eben drüben diese gute F Gesellschaft vermuten. Der kleine schwarze Hörer und das Sprachrohr treiben ihr Zauderspiel mit uns und sind eins der gedankenlos hingenom- menen Wunder unsererherrlichen Zeit", das wir nicht mehr missen möchten. .

Allerdings sind wir dem Telephon auch lehr viel schuldig: Viel Wege, viel Zeit erspart es uns; vieles Warten in Vorzimmern, viel böse Blicke, Diele Ausreden, auch viele Phrasen. Am Telephon wickelt _ sich alles knaper ab, auch wenn man öftermal schwätzt. Man braucht nicht auf einen Stuhl gebeten zu werden, nicht mit großem Schwung anzufangen und mit gutem Erfolg sein Sprüchlein zu Ende zu bringen. Es ist alles einfacher, sachlicher, aber auch ein bißchen nüchtern.

Und wenn wir wirklich dabei ein wenig Herum­knicksen und mit der Strippe kokettieren, dann mag das als ein Tribut gelten für die viele Kraft, die man doch dabei spart. E. F.

Bornotizen.

Tagestalender für Montag. Freitoirtschastsbund F. FF" 8 Uhr, Kathol.

lassen hat und an dessen Stelle die weit bessere ebene Feuerdecke einbaut, trifft man in Deutsch­land immer noch häufig das alte Feuergewölbe an, welches ein Schmerzenskind jedes Betriebs­leiters ist. Die ihm anhaftende Kurzlebigkeit er­klärt sich aus den unregelmäßig verteilten Stein- spannungen, welche sich durch das vom Feuer verursachte Wachsen bzw. Schwinden zu regelrech­ten Diegungsspannungen entwickeln, so daß die feuerfesten Steine, welche nur in ganz geringem Maße Biegungsspannungen vertragen, zerbrechen und heraussaUen. Bei den ebenen Feuerraum­decken, welche an eisernen Trägern aufgehängt sind, werden diese schädlichen Spannungen ver­mieden, da die leichtbeweglichen Aufhängeeisen jede Wärmeausdehnung mitmachen.

Ferner waren Einrichtungen zur Erhöhung des Schornsteinzuges, sowie Meßapparate zur Betriebskontrolle für alle wärmetechnischen Vor­gänge, sowie Kesselarmaturen gut vertreten, wäh­rend die eigentlichen Feuerungen, sowohl für Braun- als auch für Steinkohle ganz fehlten. Wenn auch manche interessante Verbesserung zu sehen war, so konnten wir doch eine außergewöhn­liche Reuerung nicht feststellen.

Einen interessanten Ueberblick über die Ent­wicklung der Hochdruckdampfanlagen in den letz­ten Jahren konnte man bei der Schmidtschen Heißdampfgesellschaft m. b. H. in Kassel ° Wil- helmshöhe erhalten, die eine der ersten ausge­führten. größeren Anlagen dieser Art zeigte, die seit zwei Jahren bei den Borsigwerken in Berlin- Tegel mit 60 Atmosphären normalem Betriebs­druck arbeitet und einen Wirkungsgrad des Kes­sels von 85 Proz., sowie einen Dampfverbrauch von nur 7,4 Kg. Pro ?. 5.°Stunde bei 10 Atmo­sphären Gegendruck. Bemerkenswert ist, daß mit dem Abdampf der neuen 800 P.S. Hochdruck- Anlage noch die alte Anlage versorgt wird. An einem aufgeschnittenen Hochdruckkessel sahen wir die nietlose und sichere Ausführung der Trommel und Böden, sowie auch die prattische

VereinShaus, öffentliche Versammlung mit Vor­trag. Freiwillige Gießener Feuerwehr: 8V, Uhr bei Dippel. Monatsversammlung. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Pak und Patachon als Polizisten". Astoria»Lichtspiele: ., Frauen im Sumpf". ...

Volkshochschule. Die allgememe Horer- versammlung dieses Semesters findet morgen, am 9. März, in der Oberrealschule statt. Näheres stehe Anzeige. #

** Polizeiliche Warnung an die Hausfrauen. Vom Polizeiamt werden wir um Aufnahme des folgenden gebeten: Es ist verboten: 1. Blumenstöcke, Blumenbretter und andere Gegen­stände auf Baikonen, vor Fenstern usw. ohne ge­nügende Befestigung aufzustellen, so daß durch das Herabfallen oder Umstürzen Personen beschädigt werden können; 2. Teppiche, Betten, Abputztücher usw. aus den Fenstern heraus auf die Straße aus- zufchütteln, so daß Personen belästigt oder verun­reinigt werden können. Die Poli^eibeamten sind angewiesen, Zuwiderhandlungen, die nach § 366 Zifs. 8 StGB, strafbar sind, zur Anzeige zu bringen.

X EineFührertagung des Kreisver­bandes Oberhessen der evangelischen weiblichen Jugend wurde im Markussaal von Pfarrer Becker (Gießen) mit einer religiösen Ansprache eröffnet. Rach einem Gruß des Vorsitzen­den, Pfarrer Beyrich (Münzenberg) hielt Lan­desjugendpfarrer Lic. v. d. A u (Darmstadt) einen eindrucksvollen Vortrag überRecht und Grenzen der kirchlichen Jugendarbeit". Es wurden besonders die in Hessen verbreiteten Organisationen des Hessenbundes und des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend berücksichtigt. Eine ausgiebige Aussprache, die sich auch mit dem Bund Deutscher Jugendvereine beschäftigte, schloß sich an.

** Für d i e Steuer-Protestkundge­bung der wirtschaftlichen Verbände von Gießen und Umgegend am Mittwochnachmittag in der Volkshalle zu Gießen macht sich, wie man uns mit« teilt, in den gewerblichen Kreisen der Stadt und in der Bauernschaft der Umgegend außerordentlich starkes Interesse bemerkbar. Man darf mit einem großen Zustrom von Bürgern aus Stadt und Land zu der Versammlung, die um 3 Uhr beginnt, rechnen.

** Der Ortsgewerbeverein hielt tn diesen Tagen eine Mitgliederversammlung ab, die sehr gut besucht war. Eine eingehende Aus­sprache über die Frage, vb in diesem Sommer eine größere Gewerbeausstellung ver­anstaltet werden soll, führte zu dem einstim­migen Beschluß, mit Rücksicht auf die schwere wirtschaftliche Lage davon abzusehen. Das Ergebnis einer Umfrage bei den Ausstellern 1914 bildete die Grundlage dieses Beschlusses. Im Herbst soll gelegentlich einer Ausstellung der Meister- und Gesellenstücke eine größere Hand­werkertagung hier stattfinden. Anschließend berichtete Syndikus Röhr sehr eingehend über Ausgaben und Tätigkeit der seit Anfang dieses Jahres im hiesigen Gewerbehaus eingerichteten Handwerkskammer-Reben st eile für ' die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Von allen Seiten wurde die segensreiche Tätigkeit dieses Amtes für das Handwerk anerkannt. An­regungen der verschiedensten Art bildeten den Schluß der eingehenden Beratung.

** Ein Familienabend der Markus- gemeinde vereinigte gestern in der Stadtkirche eine fo große Anzahl von evangelischen Glaubens­genossen, auch aus den anderen Kirchengemeinden, daß die Kirche außerordentlich stark besetzt war. Aus der Orgel und in Sologesängen sprach der Alt­meister der Kirchenmusik Ioh. Seb. B a ch zu den Herzen der Versammelten, im Mittelpunkt des Abends stand ein heimatgeschichtlicher Vortrag des Direktors unserer Universitätsbibliothek Prof. Dr. Ebel. Mit Orgelspiel (Fantasie in O-Moll von I. S. Bach) leitete der Organist der Stadtkirche, Lehrer Simon, die Veranstaltung ein, daraus sang Pri­vatdozent Lic. Saun Bachs Arie für TenorMan halte nur ein wenig stille". Sodann sprach Biblio­theksdirektor Prof. Dr. Ebel über GießenerHei- matbilber aus der Reformationszeit". In fesselnder Weise entrollte der Redner ein Bild der damaligen Zeit, die jetzt anläßlich der 400-Jahr-Vollendung (15261926) in den Mittelpunkt unseres kirchen- und heimatgeschichtlichen Interesses ruckt. Eine An­zahl guter Lichtbilder, hergestellt nach Bildern von Dürer, Cranach und Holbein im Kunstwissenschaft­lichen Institut unserer Universität, ergänzte das ge­sprochene Wort in schöner Weise. Sologesang des Lic. L a u n (Bachs Rezitativ und Arie für TenorWelch Uebermaß der Güte") leitete über zu einem Ge­meindegesang. Orgelspiel des Organisten Simon (Satz aus der Fuge in v-Dur von I. S. Bach) bildete den Abschluß der Vortragsfolge. Pfarrer Becker dankte zum Schluß dem Vortragenden und den beiden Mitwirkenden für die eindrucksvollen