Wiederaufnahme des Verfahrens noch in dieser Woche bewirken werde-
LeichLaLhleM.
Berliner Hallenspovtsest.
Körnig- Breslau gewann Z)ief beiden Läufe über 60 und 80 Meter gegen iten deutschen Meister Corts ° Stuttgart, Gchlüyke, Lhurnm- Berlin und van den 'Berghe-Holl-and bzw. Thumm, Schlößke, Cortz und van den. Berghe.
Das Z000°Meter°Laufen gewann. Friede- Breslau in 9,09.8 gegen Rätze-Lucke Ewalde und Doltze-Stettin.
Die Dreirnal°1000 Meter-Staffel czcwann der Verein für Ballspiel Breslau in 8,05.8 vor Brandenburg-CharlottenbuW. Sportklub C-Harlottenburg und Preußen Stetig'.
Im Hochsprung siegte Skoczinsl^i -Berlin mit 1,78 Meter.
Die Zehnmal-50-Meter-Pendelstaffe? gewann der Deutsche Sportklub gegen zw>L Mannschaften des 'Berliner Sportklubs.
DaS offene 1000-Meter-Lausen gswarkn Bö- feit I.-Breslau vor seinem Bruder in .2.40,
Die sechsmal 50-Meter--Pendelstaffkl für Frauen gewann der Berliner S p o r.I k l u b in 41.8 Sek. vor dem Deutschen Fronen-Sp-S-rtklub.
3m 1000-Meter-Hauptlaufen war Siegpr Di'.
Peltzer In 2,35.1 vor Schoemann um 6 .Meter und Schmidt vom Sportklub Charlottenbrutg um weitere 4 Meter zurück.
80-Meter-Hürdenlaufen: 1. *20 e r cf m c ü'ft er- Berlin (Fußballklub) 11.8, 2. Werner HEbeil. 3. Bolz-Brandenburg.
3m Handball-Städtekampf gewann Berlin gegen Halle mit 8:0.
Hockey.
3n den Liga-Hockey-Verbarldls- spielen siegte Berliner Sportklub üf>er die Sportfreunde Potsdam 6:3 und Berliner Hockey-Klub gegen Tennis- und Hockeyklub 99 4V1-
3n R umher g gewann Rürnber^rr Hockey- und 'Tennisklub I gegen Sp-elvereinigrring 4:2 und
Bürnbcrger Hockey- und Tennisklub »omtn- niert gegen Raiffeisen 7:1.
Boxen.
Kein Kampf Breilensträter - Diener.
Der Entscheidungstampf" um die Deutsche'! Schlrrrgewichts-Mcisterschaft zwischen Diener! und Breiten st rate r kann infolge K a m p s-I Unfähigkeit Breiten st räters, der (wie ' auch die ärztliche Untersuchung ergab), infolge Rervenzusammenbruchs einer sechs- bis acht- wöchigen Ruhe bedarf, am 10. Februar nicht zrim Austrag gelangen.
Radsport.
Die W i n t e r m e i st e r s ch a f t von Deutschland hinter Motoren über 50 Kilometer gewann Lewanow in 52:54,1 Minuten vor Sa- wall 820, Möller (Hannover) 1040 und Dederichs (Köln) 1900 Meter zurück.
Großer Opel-Preis von Hessen-Nassau.
, vo. Runmehr ist auch der Termin für das Opelrennen von Hessen-Rassau fest- i gesetzt worden. Für die Austragung ist der
8. August bestimmt, doch ist die Streckenfüh- f rung noch nicht erfolgt. 3n Aussicht genommen ist die Umgebung von Mainz. Die Durchführung
* der Veranstaltung hat der Hessische und Rassau- schc Radfahrerbund übernommen.
Tennis.
Bei dem Tennis-Dtädtekampf Bremen — Köln in Bremen siegte Bremen mit 5:0.
Rugby.
Frantfnrter S. C. F. 1880 I gegen R. G. Hei> delberg 11:6. — Eintracht gegen Heidelberger Ball- svielklub 22:0.
Wintersport.
Iubiläumslauf des 5h hluds 5 warzwald.
Anläßlich seines 30jährigen Befiel-ns hielt der Skiklub Schwarzwald am Samstag und am gestrigen Sonntag auf dem Feldberg seine Iubi- läumsläufe und zugleich das 25. Berbandswett- lausen ab. Die Schneeverhältnisse waren einiger- mähen günstig. An der Veranstaltung nahmen die namhaftesten Läufer aus dem Schwarzwald,
Eine Weltreise des Asrihaforschers Leo Frobenius.
Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Hine Studienfahrt rings um die Welt mit drei Spezialautomobilen, welche seit dem Herbst 1924 vorbereitet wird, unter Führung des populären Afrikaforschers und Professors an der Frankfurter Universität Geheimrat Leo Frobenius, eines Gelehrten von internationalem Ruf, wird zum vorgesehenen Termin, Anfang Mai 1926, in Berlin, starten. Die Fahrt wird im ganzen 15 Monate in Anspruch nehmen; sie gliedert sich in drei Abschnitte von je fünf Monaten: Afrika, Asien, Rord-, Mittel- und Südamerika. Alle wesentlichen Kunststätten und Kulturgebiete, die im Rahmen der Route erreichbar sind, sollen besucht werden. Vertiefung und Erweiterung unserer Kenntnis von der Welt, Anknüpfung geiftb» ger und menschlicher Beziehungen mit den Kulturen und Bewohnern der Alten und Reuen Welt und mit den Auslanddeutschen ist das Hauptziel, Durch die Benutzung der Automobile soll die Unabhängigkeit von Ort und Zeit der großen Verkehrsgelegenheiten (Dahn, Schiff) und die Möglichkeit geschaffen werden, Länder und Menschen auch in den Gebieten aufzusuchen, wo der Fremdenverkehrsstrom nicht hinkommt. Die Einstellung der Teilnehmer ist sportlich, jeder muh tätig sein. 3n warmen Gegenden ist häufige Zeltübernachtung vorgesehen. Körperliche Leistungsfähigkeit, kameradschaftlicher und sportlicher Geist smd Vorbedingung für die Teilnahme. Besucht werden 39 Länder, auf der Achse werden lunb 70 000 Kilometer, zu Schiff rund 30 000 Kilometer zurückgelegt. Die Reisekosten sollen durch Auswertung (Film, Bild, Buch) später wieder hereingebracht werden. Die wissenschaftliche Leitung hat, wie oben schon erwähn!, Leo
Schwaben, Bayern und Tirol teil. Die beste Zeit beim Langlauf über 1,6 Km. am Sonntag erzielte Schneeberger- Tirol mit l,C49‘/n eet Der Norweger Kjellberg blieb nur 31/» Sek. hinter ihm. Am Sonntag wurde die größte Weite beim Sprung von Kjellberg Norwegen mit 46 Meter erzielt, der aber stürzte. Der weiteste bestandene Sprung wurde von Dr. Baader- Freiburg mit 42 Metern erzielt. Die irn allgemeinen erreichten Sprungweiten bewegten sich zwischen 35 und 36 Metern.
Die Allgäuer Sklmeisterfchaft 1926, die am Samstag und Sonntag bei zahlreicher 'Beteiligung, jedoch nicht sehr günstigen Schneeverhältnissen durchgeführt wurde, gewann 0 11 - Resfelwaug mit Rote 17,565 vor Kurz 16,00.
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Reichskommers
ÄesAkademischenTurnerbundes
Die Akademische Turnbundmoche sand ihren lvirkungovollen Höhepunkt in dem Reichskommers, der tun 29. Januar in der Berliner Philharmonie unter Leitung von Prof. 3. Heinrich, dem bekannten Führer der Zugendbeweaung, veranstaltet wurde. Zahlreiche alte Herren uno die große Zahl der aktiven, umrahmt von Chargierten der 44 Bun- deskorvorationen aus dem ganzen Reich, Danzig und Deutschösterrcich, hatten sich in Erinnerung früherer schöner Tage eingefnnden. Ebenso groß war die Zahl der Ehrengäste, unter denen man bemerkte: Gouverneur a. D. Exz. Schnee, Staatsminister a. D. D o m i n k u ß, Generalleutnant Exz. Laube. Ministerialdirektor Daniels vom Reichsministerium des Innern, Ministerialrat Dr. Ottendorf oon^ Preußischen Volkswohlfahrts- nünifterium, Geheimrat Prof. Dr. Dietrich Schäfer. Prof. Berger von der Deutschen Turnerschaft, Rektoren und Senate der Berliner Hoch- scyulen, Vertreter des Reichswehrministeriums, der Heeres- und Marineleitung und des Preuß. Kultusministeriums. Außerdem hatten zahlreiche befreundete Korporationen und Verbände Vertreter entsandt. Die Begrüßungsrede hielt cand. mg. S a u r als Vorsitzenden des ATB. Reichskanzler Dr. L u - t h e r hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz feiner dienstlichen Ueberlaftung, wenn auch zu später Stunde, zu erscheinen, um dem Kommers und dem ATB. seine Grüße zu überbringen und kurze Zeit im Kreise seiner Bundesbrüder zu verleben. Stürmischen Beifall löste die von Universitätsprofessor Dr. Hübner gehaltene Festrede aus, der den jungen ATBern die Beseelung des Staatsgedan- fens durch Pflege deutschen Volkstums im Sinne Jahns hinstellte. Die praktische Betätigung Iahn- schen Geistes zeigten die hervorragenden Freiübungen der ATV-Eiselen sowie die vorbildlichen Barren- und Reckübungen der Bundesriege. Weiter verschönten den Abend Festspruch und Vorträge eines Männerquartetts. Eand. ing. Raffels- b e r g e r vom Wiener ATV. ehrte in der Damenriege die deutsche Frau als Hüterin deutschen Wesens, besonders in den Grenzlanden. Lange hielt Säe weihevoll-festliche Stimmung die ÄTBer mit Hren Gästen zusammen.
Vas tschechische 8prachengesetz.
Prag, 6. Februar.
Die tschechischen Nationaldemokraten haben mit der stürmischen Forderung nach Heraus- qcjbe der Durchführungsverordnungen zum SHrachengefetz, mit denen sie die Sudeten- dertschen zu treffen hoffen, nunmehr Erfolg getrabt. Die Durchführungsverordnungen, die die Regierung am Donnerstag veröffentlicht boU umfassen sechshundert Seiten und enthalten besonders in der Kautschukbestimmung übetf die behördlichen Rechte im Falle von Er- fordhernissen des „öffentlichen Interesses" Handhaben gegen die sprachlichen und kultu- relleei Minderheitenrechte. Es ist zu erwarten, daß sie lebhafte Kritik bei allen nichttschechischen Volkskreisen finden werden; die Erregung der deutschen Bevölkerung, die damit ihre schlimmsten Befürchtungen übertroffen sieht, war alsbald nach Erscheinen der Verordnung ungeheuer.
Erscheint, daß der gemeinsame Schritt der Opposttion, der auf Einberufung des Parlaments abzielte, praktisch an den Äusdeutungs- künsten der Regierungsmehrheit scheitern wird. Bedeutung behält er dann bloß als De- monstrvtion eines wenigstens fallweise ge- meinsahnen Oppositionswillens, nachdem auch die slowakischen klerikalen Autonomisten ihr beigetroten sind. Das Verhalten dieser Partei in dieser Angelegenheit erregt freilich den lebhaften Widerwillen der tschechischen Mehr- heitspaüteien, von denen sich insbesondere die
frobenius übernommen, der die Expedition durch Teile von Afrika führen wird, die reiche ethnographische. archäologische und jagdliche Ausbeute versprechen. 3n Gebiete, die Weihen äußerst schwer zugänglich sind, und von denen auch keine Berichte i?r Bild oder Wort existieren, wird dank der persöitlichen Beziehung des Professors Frobenius zu den Eingeborenen eine Sonderexpedition gemacht, um zu einer uralten Kulturstätte zu gelangen, die von Europäern noch nie besucht wurde. Ratzeres kann aus naheliegenden Gründen nicht gesagt werden. 3m September geht es von Port Sudan über Arabien (Hadramant) nach Indien, das in Süd- Rord- unb bann in West-Ost-RLchtung durchfahren wird, über Burma, Siam nach Annam (Indochina), wo die in den letzten Jahrzehnten zutage geförderten Kultur- und geschichtlichen Monumente einen ganz besonderen Anziehungspunkt bieten. Diese Stätten weisen die grohartigsten und ältesten Monumente in sich geschlossener Kulturkreise auf. Durch das Innere von China und Korea führt der Weg nach Japan, von wo im März die Ueber- fahrt nach Amerika erfolgt, in der Südsee wird ein Aufenthalt eingeschaltet. Rord-, Mittel-- und Südamerika bilden den dritten Abschnitt. Von den zwölf vorgesehenen Teilnehmerplähen sind bereits zehn vergeben.
Stilblüten aus dem Reichstag.
Die Sitzungen des Reichstags haben wieder begonnen, und eine Flut von Reden ergießt sich über die Teilnehmer der Sitzungen und über die Leser der Zeitungen, die natürlich diese orctto- rischen Dauerleistungen nur in sehr verkürzter Form vorgesetzt erhalten. Welck ungeheure Mengen an Worten in unserem Reichstag verfchwen- bet werden, zeigt ein Blick In die stenographischen
Nationaldemokraten und ein Teil der Agrarier bemüht haben, die Slowaken zum Eintritt in die Regierungsmehrheit zu bewegen. Der sozialistische Flügel der Regierungsparteien ist allerdings diesem Eintritt nicht geneigt, da er zu einer allzu großen Stärkung der Regierungskoalition führen würde. Trotz der oppositionellen Geste der slowakischen Klerikalen ist andererseits auf tschechischer Seite die Hoffnung auf eine Erweiterung der schwächlichen Regierungsmehrheit um die slowakischen klerikalen Parlamentarier noch nicht begraben.
Die Verhandlungen über die Bildung eines sudetendeutschen Verbands aller deutschen parlamentarischen Parteien haben noch zu keinen Resultaten geführt. Das neu entworfene Organisationsstatut sieht bei Beschlüssen das Vetorecht der einzelnen Parteien vor, während sich dem gegenüber die deutsche Nationalpartei auf den Standpunkt des Mehrheitsprinzips stellt.
Auch innerhalb der tschechischen Mehrheitsparteien sind über die verschiedenen schwebenden Fragen bisher noch keine Einigungen erzielt worden. Es scheint jedoch, daß die sozialistischen Parteien ihren Widerstand gegen eine staatliche Regelung der Besoldungen der Geistlichkeit dahin einschränken werden, daß sie die Erhöhung der Bezüge der Geistlichkeit außerhalb des Rahmens des Gesetzes über die Regulierung der Staatsbeamtengehalte zulassen werden, um die Frage der Trennung von Staat und Kirche durch gemeinsame Behandlung der Priester- und der Staatsange- stelltengehalte nicht zu prüjudizieren. Auch der Streit zwischen den tschechischen Klerikalen und den tschechischen sozialistischen Parteien über die Besetzung des Senatspräsidiums ist noch nicht entschieden.
Zwischen dem Außenminister Benesch und dem bevollmächtigten Sowjetvertreter in Prag Antonow Ovseienko sind Verhandlungen über die Formalien der de jure-Anerkennung Sowjetrußlands eingeleitet worden. Die Anerkennung soll in Form eines Notenwechsels vollzogen werden, ohne daß die Frage dem Parlamente vorgelegt wird, der Zeitpunkt dafür steht aber noch nicht fest. Die letzten Nachrichten sprechen für eine Verzögerung der ursprünglich noch vor dem Zusammentritt des Abgeordnetenhauses geplanten Anerkennung. Die Gerüchte, daß die tschechischen Nationaldemokraten ihren Widerstand hiergegen für das Zugeständnis der sofortigen Herausgabe der Sprachenverordnungen aufgeben würden, wurden in der nationaldemokratischen Partei- presfe energisch dementiert. Das kommunistische Rudt prävo weih zu berichten, daß führende Elemente der tschechischen Agrarpartei von der Einfuhr russischen Getreides in die Tschechoslowakei einen Druck auf das inländische Preisniveau befürchten, und daß sich deshalb in der Leitung der Agrarpartei jetzt eine Bewegung gegen die de jure-Anerken- nung Sowjetrußlands geltend mache.
Polnische Wirtschaft.
Von unserem Berichterstatter.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) -r Warschau, Ende Januar 1926.
Polens Schicksal wird vornehmlich dadurch bestimmt, daß Volk und Regierung nicht in der Lage sind, teilweise infolge stark hervortretender Hnfähigfelt, teilweise infolge einer gewissen Gleichgültigkeit, gut zu wirtschaften.
Polen, das als 30--Millwnenvolk noch mit den besten Kohlengruben Oberschlesiens ausgerüstet worden ist, sieht sich heute einer Finanz- katastrophe gegenüber, die man früher niemals für möglich gehalten hat. Man kann es direkt als Kunst bezeichnen, daß ein Staat, der ohne jede äußere Schuld entstand und neben beträchtlichen Bodenreichtümern noch über eine große Landwirtschaft verfügte und bis vor lurzem noch ein Einfuhrmonopol nach Deutschland besaß, in den wenigen Jahren seines Bestehens, seit 1918 so heruntergewirtschaftet werden konnte. Als Tschitscherin kürzlich in Warschau war, nahm ein angeblicher Ausspruch von ihm seinen Rund- lauf bei der Bevölkerung, in dem ausgesührt wurde, daß es möglich ist, in V/» Jahren den Kapitalismus eines großen Staates zu vernichten, waS den Russen in sieben Jahren noch nicht möglich gewesen fei.
Protokolle der Sitzungen. Die Rationalversammlung hat in 180 Sitzungen 5733 Selten geredet, der erste Reichstag der Republik in 411 Sitzungen 12 830 Seiten, und eine kurze Tagung von 29 Sitzungen brachte es auf 1150 Seiten. Es ist begreiflich, daß bei einer solchen Massenproduktion nicht nur lautere Weisheit hervorge- bracht werden kann. Besonders die gefürchteten Dauerredner warten gar häufig mit Leistungen auf, deren Gedankenfülle tm umgekehrten Verhältnis zu der Länge steht, und im Eifer des Gefechtes hagelt es dann Entgleisungen und Stilblüten, die in der gähnenden Langweile plötzlich bei der Wiedergabe der Berichte die tröstliche Bemerkung „große Heiterkeit" Hervorrufen. 3n seinem bei der Hanseatischen Verlagsanstalt in Hamburg erschienenen Buch „D r e Herrschaft der Fünfhundert", das ein anschauliches Bild des parlamentarischens Lebens im neuen Deutschland bietet, verweilt Walther Lambach auch bei diesen komischen Zwischenfällen, die ja in keinem Parlament fehlen. Er knüpft an einen Satz des Abg. Erkelenz an, der bei einer Rede zum Sozialversicherungs- gefetz zuerst nach Worten suchte und dann schließlich erklärte: „Meine Herren und Damen! Das Gesetz, das wir jetzt machen, der Schritt, den wir jetzt tun, ist nichts Besonderes, nichts Unerhörtes: ja man kann sagen: dieser Schritt lag seit Jahren in der Luft." „Wenn so etwas gesagt wird," meint der Verfasser, „dann merft man doch, daß die zeitunglesenden und brief- schveibenden Zuhörer unten im Sitzungssaal wenigstens mit einem Teil ihres Gehörs immer noch beim Redner sind, denn fröhliches Lächeln erscheint auf allen Gesichtern, jeder stellt sich den Schritt vor, der in der Luft liegt, denkt an den kleinen Däumling mit den Siebenmeilenstiefeln ober an Münchhhausens
Dieses Witzwort beleuchtet grell die Situation, in der sich das ganze Land befindet. Fragen wir uns kurz, wie kam der neue überraschende Zusammenbruch der polnischen Währung? Als Grabski das Erbe von Witos, Kucharski und Linde übernahm, legte er den größten Wert auf die Einführung einer neuen Währung, von der er alles Heil erwartete. Die überstürzte Aufwertung der Steuerverbindlichkeiten entzog dem ohnehin durch die Daran» gegangene Inflation geschwächten Wirtschaftskörper einen bedeutenden Teil feines Betriebskapitals. Es kam noch ein ungünstiger ilmftanb hinzu. Die neue Einheit der polnischen Währung, der Zloty, war zu hoch gewählt, fein Verhältnis zur polnischen Mark entsprach nicht der Wirklichkeit. Die auf Mark eingestellten Preise des einheimischen Marktes erkannten das Umrechnungs- Verhältnis nicht an und schnellten in die Höhe. Die Teuerungswelle beeinflußte auch die Produktionskosten und verteuerte die Inlanderzeug- niffe derart, daß von einer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte keine Rede meHr sein konnte. Trotz der Zollmaueim strömten 2ll:s7?nderzeug- nisse zahlreich nach Polen hinein, da sie größtenteils billiger und besser waren als polnische. Das führte zu großer Passivität der Handelsund Zahlungsbilanz und zu einem weiteren unaufhörlichen Abgleiten der Währung.
Trotzdem die wirtschaftliche Lage immer drohender wurde, forderten die nationalen Parteien, die die Ueberhand haben, von der Regierung für alle möglichen Zwecke Bewilligung von Mitteln. Die Regierung, die um ihren Weiterbestand fürchtete, gab dem energischen Drängen der Parteien nach, und der polnische Staatshaushalt wurde derart belastet, daß das Vertrauen des Auslandes, das ja letzten Endes auch den Wert einer Währung bestimmt, immer mehr und mehr schwand. Allein für Militär Polizei wurden im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Zloty ausgegeben.
Man sah sich nun vor der unangenehmen Aufgabe, die wachsenden Staatsausgaben zu decken. Man erhöhte nicht nur die indirekten, sondern auch die diretten Steuern, die von einer Bevölkerungsgruppe von 300 000 Personen fast allein aufgebracht werden müssen. Irgendwelche Rücksichten auf die Zahlungskraft des einzelnen wurden nicht genommen und die Beamten des Finanzministeriums Überboten sich gegenseitig in Gewaltmaßnahmen. Dem Wirtschaftsleben wurde auf diese Weise die letzte Kraft ansgepreht, und die meisten Steuerzahler sahen sich vor der unangenehmen Aufgabe, ihre Substanz anzugreifen, wenn sie nicht den behördlichen Schikanen erliegen wollten.
Grabski hatte bei seinen Bemühungen nur ein Ziel im Auge: die Stabilität der Zlotywährung. Er preßte aus dem polnischen Wirtschaftsleben heraus, was er konnte, bis dieses eines TageS auch an der Grenze feiner Kraft angekommen ist. vielleicht wäre es damals zweckmäßiger gewesen, Hilfe im Auslande zu suchen. Als er bann das Land fast bis an Öen Rand des Abgrundes geführt hatte, wurde die Mißstimmung gegen seine unfähige Politik so groß, daß sein Ministerium unvermutet gestürzt wurde, und Skrzynski die Regierungsgeschäfte übernahm.
Die Lage ist nun heute so, daß Polen aus eigenen Mitteln den Weg zum Aufstieg kaum noch findet. Alle Hoffnungen waren auf eine Auslandanleihe gesetzt. Inzwischen ist ja Professor Kennnerer, der frühere amerikanische Dele» gierte in der Daweskommission, in Warschau ein- getroffen, um an Ort und Stelle die polnische Finanzlage zu untersuchen. Diese Untersuchung ist bisher sehr ungünstig für Polen ausgefallen.
Unter dem Druck des Auslandes und dec verzweifelten finanziellen Lage, die bezüglich des fortwährenden Abgleitens der Währung dec französischen ähnlich ist, wird man sich wohl oder übel zu einer wesentlichen Herabsetzung der militärischen und polizeilichen Ausgaben verstehen müssen. Der polnische Finanzminister Zdzie- chywski hat bereits angekündigt, daß in diesem Jahr 500 Millionen Zloty erspart werden sollen. Durch die Währungsverschlechterung mußte das Budget der polnischen Diplomaten im Auslande um 700 000 Zloty erhöht werden. In Sejrn- kreisen wurde die Forderung ausgestellt, zur Bilanzierung des Haushaltes die Militär- ausgaben erheblich zu verringern. Die Regierung weiß aber nicht, wie sie die ständig wachsende Teuerung zum Stillstand bringen soll, wenn es nicht in irgendeiner Form gelingt, den Zlotykurs zu stabilisieren. Die Verhandlungen über die Restrate von 15 R^illionen Dollar, die Polen als Anleihe in Reuyork.gekommen sollte, sind vorläufig zum Stillstand ' gekommen, da bisher keine Einigkeit über die Verpfändung von Monopolen an die Amerikaner- erzielt worden ist.
Die Passivität der polnischen Handelsbilanz hat dazu geführt, daß der Bedarf an ausländischen Zahlungsmitteln verhältnismäßig groß ist. Die polnische Bank kann diesen Anforderungen
Abenteuer, und die stille Fröhlichkeit, die sich bei diesem oder jenem temperamentvolleren Zuhörer auch etwas lauter äußert, steigt zum Redner empor, auf dessen Antlitz sie sich verklärt widerfpiegelt. Solch unbeabsichtigte Wirkungen erregen z. B. Sätze wie: „Es ist wie mit dem abgehackten Hundeschwanz, dem man den Lebens- faöen stückweise ausbläst." Ober „diese ansteigende Welle hat sich als ein Strohfeuer entpuppt." Eines Tages schrie der kommunistische 2lbg. Höllein, in furchtbarer Erregung den Zeigefinger nach schräg rechts vorstreckend, wo Stinn.es sitzen sollte: „Da schaut der nackte Pferdefuß des kapitalistischen Egoismus heraus, der auf keine Kuhhaut geht." Und als schallende Heiterkeit ihn belohnt, schaut er dem einen der Zurufer scharf ins Gesicht und brüllt ihn an: „Ja, bei Ihnen schaut auch schon der nackte Pserdefus) hervor I" Ein anderer Abgeordneter meint: „Wir müssen über den Skakp des Ministers, den wir leider viel zu laut gefordert haben, erst etwas Gras wachsen lassen." Wieder ein anderer^ beginnt weihevoll seine Rede: ..Gestatten wie. oaß ich hier eine Sonderwurst ausgrabe." Dem dritten gelingt das entzückende Bildchen: „Sie haben eben zwei Busen In ihrer Seele." Viel Heiterkeit ruft sodann der Satz hervor: „Der Erzeuger dieses Versuchskaninchens ist der Herr Kultusminister." Man ruft schaurig Hu, Hu, wenn es heißt: „Der Herr Vorredner hat der Weimarer Verfassung Stiche in das Rückgrat versetzt, die tote die Totenglocke klingen." Und man schreckt zurück, wenn festge- stellt wird, daß der Reichstag dieses lange Gesetz, ..diesen Riesenbandwurm mit großem Wider- ftreben geschluckt hat". Will sich aber ein Redner „nicht auf die Geschmacklosigkeit des Glatteis^ verleiten lassen", dann atmet man erlöst und befriedigt auf.


