Ausgabe 
8.2.1926
 
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Rr. 52 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)_____________Montag, 8. Zebruar (926

Turnen, Sport und Spiel.

P

Turnen.

Aus dem 4. Bezirk des Turngaues Hessen (D. T.)

Alsfeld, 6. Febr. Zu dem bereits vom ©iefj. Anz." gebrachten kurzen Bericht über das Gerätewetturnen des 4 Bezirks rn Maar ist noch ergänzend anzufugen: 3m An- fchlufz an die Kampfrichtersitzung am Samstag- abend fand eine Tagung der Beremsvorsrhenden des Bezirks statt, die bei lebhafter Aussprache über wichtige Fragen der Bereinslertung einen sehr anregenden Verlauf nahm. Als Dezirksver^ tretet wurde Redakteur G u ntrum-Schuh ein­stimmig wiederqcwählt. Das Wetturnen am Sonn­tag fand bei besserer Beteiligung als im Vor­jahre statt. Ein Kirchgang ging dem Turnen voraus, woran etwa 200 Turner teilnahmen. Dos Wetturnen zeigte folgende' erfreuliche Er­gebnisse. In der Turner stufe wurden von 50 Bewerbern 47 Sieger, in der Jugend- Oberstufe kamen von 38 Bewerbern 29 in den Besitz einer Siegerurlunde, in der 3 u g end- älnt er stufe von 53 Teilnehmern 49, wah­rend von 55 Schillern 53 erfolgreich aus dem Kampfe hervorgingen. Wir geben nachfolgend in jeder Stufe die 10 ersten Sieger an.

Aktive Turner- 1. Hans Isley, Tv. Lauterbach. 195 Punkte: 2. Karl Schwarzhaupt, Tv. Grebenhain, 191 P.; 3. Hans List, Tv. Lau­terbach. 190 P.: 4. Otto Hennig, Tv Lauterbach, 189 P.; 5. Ludwig Reeg, Tv. Lauterbach. 185 P.: 6. Ernst Södler, Tv. Lauterbach, 183 P., 7. Christ. Gnist. Tv. Schlitz. 180 P.: 8. Wilh. Seibers Tv. Maar, 178 P.: 9. Fritz Scharmann Tv. Groß- Felda und Hrch. Stein, Tv. Lauterbach. 177 P.; 10. Karl Bücking und Hermann Post. Tv. Alsfeld, l75 P. 3m Auszug fügen wir noch an: 17. Ernst Carle. Tv. Aieder-Ohmen, 158 P.. 24 Hugo Kratz, Tv. Aieder-Ohmen. 148 P.: 26. Ernst Otto, Tv. Aieder-Ohmen, 44 P.: 29. Hrch. Scharmann, Tv. Groh-Felda, 140 P.: 31. Hrch. Spohr, Tv. Groh-Felda, 135 P.

Jugend-Oberstufe: 1. Wilh. Doh, Tv. Maar 167 P.; 2. Karl 3ost, Tv. Lauterbach, 154 P.; 3. Hermann Kühne, Tv. Lauterbach, 150 P.: 4. Ernst Schneider, Tv. Schlitz, 148 P. , 5. Frdr. Bischof, Tv. Grebenhain und Otto Fischer Tv. Burg-Gemünden, 146 P.: 6. Karl Bücking II.. Tv. Alsfeld, 144 P.; 7. Karl Schwalm, Tv. Alsfeld. Ludwig Faih. Tv. Grebenhain, Hch, Kalbfleisch. Tv. Schlitz, und Karl Greb, Tv. Lauterbach, 141 P.: 8. 3ohs. Schmidt, Tv. Schlitz, 140 P.: 9. Otto Bölsing, Tv. Groh-Felda, 136 P., 10. August Leiser, Tv. Burg-Gemünden. L. Dohnacker, Tv. Schlitz, und Hrch. Ritz, Tv. Pfordt. 135 P. 3m Auszug entnehmen wir der uns amtlich vorliegenden Siegerliste noch: 11. W. Helm. Tv. Homberg <l d. O., 134 P.; 12. Karl Sauer, Tv. Homberg a. d. O., 130 P.; 13. W. Eichenauer, Tv. Groh-Felda, 129P.! 16. K. Strauch. Tv. Homberg a. d. O.. 124 P.: 17. O. Martin, Tv. Groh-Felda, 123 P., 18. Hrch. Bast. Tv. Groh-Felda, 121 P. v , ,

Iugend-LInter stufe: 1. E. Modebach, Tv. Schlitz, 123 P.: 2. Erich Müller, Tv. Alsfeld. 121 P.: 3. 3ohs. Hainer, Tv. Storndorf, 119 P.: 4. Aug. Röhrig, Tv. Homberg a. d. O., 118 P.; 5. Wilh. Dammel, Tv. Alsfeld, 117 P.: 6. Karl Herzog, Tv. Alsfeld, 114 P.: 7. Herm. Kratz, Tv. Aieder-Ohmen, 113 P.; 8. Martin Aehbein, Tv. Grebenhain. 112 P.: 9. Hrch. Christ. Tv. Burg- Gemünden, Hans Crzgraber, Tv. Schlitz und Hrch. Ortwein. Tv. Grebenhain, 111 P.; 10. 3vhs. Aih, Tv. Pfordt, 110 P. 3m Auszug ent­nehmen wir der Siegerliste noch: 11. Albert Diehl, Tv. Groh-Felda, und Hans Seibert, Tv. Homberg a. d. O., 109 P.: 13. Karl Kreuder, Tv. Hom­berg a. d. O. und Hch. Hehler. Tv. Durg-Gemün- den 107 P.: 14. Otto Schott. Tv. Groh-Felda, 106' P.: 15. Otto Kling, Hrch. Steih und Hrch. Eihfeller. Tv. Groh-Felda. 105 P.: 18. Karl Strack. Tv. Homberg a. d. O., 101 P.: 20. Aug. Semmler. Tv. Burg-Gemünden, 99 P.; 23. Karl Aeih. Tv. Burg-Gemünden, Karl Mansdorf, Tv. Homberg a. d. O. und Ludwig Schönhals, Tv. Homberg a. d. O., 95 P.: 24. Karl Aschinger, Tv. Homberg a. d. O.. und Wilh. Fischer, Tv. Burg-Gemünden, 93 P. __________

Schüler: 1. Konrad Boh, Tv. Maar. 135 Punkte: 2. Hrch. Kröll, Tv. Alsfeld, 126 P.; 3. Ludwig 3äger. Tv. Groh-Felda, 124 P.; 4.Karl Gesing, Tv. Schlitz, Gg. Schmieg, Tv. Pfordt. L Pfeiffer, Tv. Pfordt, 122 P.. 5. Krd. Schaub, Tv. Schlitz, 121 P. usw.

Das Wetturnen wurde vom Dezirlsturnwart Bastian (Alsfeld) mit älmsicht und Sachkennt­nis geleitet, dem ein gerecht urteilendes Kampf­richtermaterial zur Seite stand.

Gerätemeisterschaften der Berliner Hochschule.

Im Z e h n k a m p f siegte M o e k (Guts Muts) mit 184 Punkten und im Dreikampf der Akade­mische Turnverein Berlin mit 204 Punkten.

Fußball.

B. s. B.

LigaSpielverein Kassel Liga 0:10.

II. MannschaftSp. u. Sp. Dillenburg II. 12:2. III. MannschaftFußballverein Daubrmgen 1:1. I. JugendSpielvereinigung 04 1:0.

II. JugendB. f. R. Butzbach II. Jugend 2:1.

(=) Rechte Kritik setzt Offenheit und Sachlichkeit voraus. Nur dann kann sie fördernd und hebend wirken, und das soll doch schließlich ihr Endzweck sein. Sie soll nur der Sache dienen, unter Aus­schaltung aller persönlichen Interessen, sie soll ein­wandfrei festgestellte Mißstände und liebel zu be­seitigen versuchen. Als Mißstand hat es sich erwie­sen, daß einige Spieler der B. f. B.-Liga nicht den echten Sportgeist bekunden. Sport verlangt Diszip­lin, Unterordnung unter das Ganze: hierzu ist na­türlich eine streng geübte Selbsterziehung des ein­zelnen erste Bedingung. Gapz besonders trifft dies für den Fußballfport zu, der im Mannschaftskampf ausgetragen wird und dessen Wertung nur unter Beachtung der Gesamtleistung der Mannschaft er­folgt. Wenn hier die Namen dieser Spieler genannt werden, dann geschieht es in der Absicht, sie vor der Wiederholung sportlicher Unkorrektheiten zu warnen und sie zur Vollendung und Entfaltung ihrer tatsächlich vorhandenen Talente anzuhalten. Wer sich in der Oeffentlichkeit zeigt und sich lobende Anerkennung gefallen läßt, der muß auch die öffeni- liche Kritik hinnehmen. Die Vereinsleitung bzw. der Spielausschuß des V. f. B. sollte sich die Früchte mühevoller Arbeit nicht durch das Tun einzelner zerstören lassen. '

Daß das gestrige Spiel für V. f. B. 10:1 ver­loren gehen würde, hätte wohl niemand gedacht. Die zahlreich erschienenen Zuschauer hatten wohl zum größten Teil mindestens auf ein Unentschieden getippt". Schon die erste Minute zeigte die V. f. B.- Elf in klarem Vorteil mit einer Chance, die unbe­dingt zum Torschuß hätte verwertet werden müssen, aber ebenso wie die drei folgenden aus­gelassen wurde. Zwanzig Minuten dominierte die Platzmannschaft in gutem Feldspiel, konnte aber keine der vielen Gelegenheiten zu einem Torerfolg ausnützen. Während dieser Zeit machte der Gegner drei Durchbrüche und schloß diese jedesmal mit einem Torschuß ab. Auch in oen folgenden zehn Minuten glaubte noch mancher an die Möglichkeit eines Sieges der Einheimischen, da diese durch ansprechen­des Kombinatiosspiel den Gegner zeitweise in seine Hälfte zurückdrängten. Selbst die Läuferreihe pro­bierte sich in Torschüssen, die aber ebenso wie die des Sturmes ihr Ziel verfehlten. Dramatisch fast war es, wie der gesamte V. f. R.-Sturm in ge­schlossener Kombination vor des Gegners Tor zog und, vom Pech verfolgt, nicht zum wohlverdienten Erfolg kam, während die Gegenseite zwei weitere Durchbrüche, die abgestoppt hätten werden können, bis zwischen die Torpfosten vortragen konnte. Die Leistungen Gießens ließen nun mehr und mehr nach. Die Mannschaft verlor infolge gänzlichen Ver­sagens einiger Spieler jeglichen Zusammenhalt, konnte aber das Spiel gerade noch offen halten, dabei aber nicht verhindern, daß Kassel noch fünfmal einschoh. Der Sieg der Gäste war verdient, gemessen an den Leistungen der letzten Halbzeit; dagegen entschie­den zu hoch für die der ersten. Ihre besten Leure waren die Außenstürmer, der Mittelläufer und vor allem der Tormann. Heroorzuheben war die Diszip­lin der Mannschaft, was besonders zum Ausdruck kam, als der Spielführer einen seiner eigenen

Leute wegen zu harten Angehens verwarnte und dieser die Rüge ohne Gegenrede hinnahm. Ein Schulbeispiel, wie es sein soll! Bei V. f. B. war Mandler unstreitig der beste Mann, vielleicht sogar auf dem Platze. Sein Spiel wird von Sonn­tag zu Sonntag besser, seine technischen Feinheiten sind sportliche Delikatessen. Bei richtiger Lebensfüh­rung und intensivem Training kann er ein Spieler von Klasse werden. Muchtar, Hausrath, P o st, K l e i n k e und Singel waren als gut zu bezeichnen. Köhler und S t e g e r zeigten nicht die Leistungen der Vorsonntage. Steger schien das Fuß- ballerherz ob der immer höher werdenden Nieder­lage in seine sonst so guten Schußstiefel gerutscht zu fein. Böckler verschuldete vier Tore, die er un­bedingt hätte halten müssen. Sich zweimal in die dem flankenden Gegner zugekehrte Ecke zu stellen, dürste nicht mehr Vorkommen. Kreß I. und II. fielen gänzlich aus dem Rahmen und gaben die 'schlechtesten Figuren ab. Hierüber sollte von der Vereinsleitung ein ernstes Wort gesprochen werden. Schiedsrichter Lösch (S.C. 1900) leitete das Spiel in mustergültiger Weise; das 2. Tor hätte er jedoch, als aus klarer Abseitsstellung geschossen, nicht geben dürfen. Der Platz war in verhältnismäßig guter Verfassung bis auf die Stelle in der Mitte, die trocken zu legen doch endlich gelingen müßte.

Die zweite Mannschaft rettete die Ehre des Tages durch einen 12:2-Sieg über die verstärkte Dillenburger Zweite. Sie hat die in der Vorschau auf sie gesetzte Hoffnung erfüllt und ein glänzendes Spiel vorgeführt. Pietsch, Möller, Mißler, Balser und Henrich I. waren die treibenden Kräfte, ohne die Verdienste der an­deren zu schffnälern.

Die dritte Mannschaft hatte im Fuß- ball ne re in Daubringen einen starken Gegner. Das 1:1 ist ein gutes Resultat für sie, hätte aber bei besserem Zusammenspiel günstiger lauten können. Die Gäste zeigten ein forsches Spiel und wogen die fehlende Technik durch Energie und Sie­geswillen auf.

Die erste Jugend landete nur einen knap pen l:0-Sieg gegen die erste Jugend der Spiel- Vereinigung 0 4 auf deren Platz. Allerdings war diese durch drei Aktive verstärkt. Aus diesem Grunde und wegen nicht Abtreibung des Plages war das Spiel durch den Schiedsrichter schon vor Beginn als für V. f. B. gewonnen erklärt.

Anerkennenswert ist der Sieg der zweiten Jugend gegen die gleiche des V. f. R. Butz­bach. Die beiden Tore schossen Siebenhaar und W i k h e 1 m i.

Iugendsuhbaü in Gießen.

1900 1. JugendD. C. Wehlar 1. Jugend 2:0.

ö. Aus dem vom Sport-VereinHessen" Gießen zur Verfügung gestellten Platze auf dem Trieb (der 1900er Platz ist bekanntlich nicht mefrr benutzbar) fand gestern obiges Treffen unter der umsichtigen Leitung von Walter- Butzbach ftalt. Beide Mannschaften erschienen in stärkster Auf­stellung. Schon in den ersten Minuten formte 1900 als Abschluß einer schonen Kombination durch seinen Mittelstürmer Heil mann in Führung gehen. Dann folgte ein abwechslungsreiches Spiel, bis es den 1900'crn gelang, durch Aeuweiler den zweiten Treffer zu erzielen. Aach dem Wechsel konnte man eine geradezu erdrückende Lleberlegen- heit der Blau-Weihen feststellen, die jedoch durch die sehr zahlreiche gegnerische Verteidigung zu keinem Erfolge kommen konnten.

Durch diesen Sieg ist die 1. Jugend-Mann­schaft des G. S. C. v. 1900 bis jetzt in den Der- bandsspielen ungeschlagen, und sie wird sich vor­aussichtlich auch in ihrem letzten Spiele am kommenden Sonntag gegen V. f. B. Gießen die Meisterschaft nicht mehr nehmen lassen. Die Mannschaft ist in der altbewährten Aufstellung: Haberkorn, Hohmann, Dietrich, Karl; Dietrich, Heinz, Langsdorf, Jäckel; Enders, Aeuweiler, Hellmann, Doppert, Rühl wohl die beste Ju- gendmannschaft des Lahnkreises.

1900 2. JugendWeilburg 2. Jugend 14 4.

Hier konnten die Weilburger, die körperlich weit stärker sind und durch Spieler der 1. Jugend verstärkt waren, einen ziemlich hohen, dem Spiel­verlauf nach nicht verdienten Sieg erringen. Da jedoch Weilburgs Spieler der 1. Jugend für dieses Treffen nicht mehr spielberechtigt waren,

dürfte die Verbandsinstanz über die Wertung dieses Spiels wohl das letzte Wort zu sprechen haben.

Westdeutschland.

1. Pokal-Spiele.

Turn Bonn S. C. Düren 3:2.

S.C. M.-Gladbach - V. f. A. Köln 3:2. Eintracht M.-Gladbach Viktoria Köln 1:1.

Meisterschaftsspiele.

Kölner D. C. S.V. Mühlheim 4:2.

Hessen Kassel F. C. Wetzlar 5:0. Kassel 0 3 S. Dg. Göttingen 8:2. Spielvereinigung Münden - Hessen Preußen Kassel 4:0.

S. C. 05 Göttingen S. S. Aordheim 6:2, V. f. L. Osnabrück S. Vg. Hamm 2:4. Fortuna DüsseldorfB. C. 04'seldors 4:5. F. V. 08 Duisburg Duisburg 99 0: 0. Preußen Crefeld Union Hamborn 4:5. Hamborn 07 Meiderich 08 2:2.

B. V. Mtenessen S. V. 08 Erle 2:1.

S.V. 08 DortmundF. C. 95 Dortmund 3:6. F. C. 07 Gelsenkirchen Preußen Essen 3:1. F. V. 48 Bochum Union Gelsenkirchen 2:2. Schwarz-Weih Essen B. V. 04 Langen­dreer 4:1.

Um die süddeutsche Meisterschaft.

Am gestrigen Sonntag begannen in Frank­furt die Kämpfe um die süddeutsche Fuhball- rneisterschcist. Aachstehend die Resultate:

Spielvereinigung Fürth - F. C. Hanau 93 3:2 (Halbzeit 1:1), D. f. R.Mannheirn F. D. Saarbrücken 3:3, Bayern München Karlsruher F. V. 8:0

Die Tabelle zeigt solgenden Stand: Bayern München 2 Punkte, Sp. V. Furth 2 Punkte, D. f. A. Mannheim 1 Punkt, F. V. Saarbrücken 1 Punit. F. C. Hanau 93 0 Punkte, Karlsruher F. D. 0 Punkte.

Die Verbandsspiele im Mainbezirk

fanden gestern ihren Abschluß. Union Aieder- rab konnte Eintracht mit 6:3 abfertigen, wäh­rend Kickers Offenbach die Viktoria-Ascha fen- burg 3:2 schlagen konnte. Germania 84 siegte gegen Helvetia mit 2:1. Viktoria-Aschaffenburg steht mit 11 und Helvetia mit 1 Punkt am Schluß der Tabelle.

GeseAschaftsspiele in SüddeutxchlQnd.

1. Fußballklub Nürnberg gegen Würzburger Kickers 2:1.

Sportverein Wiesbaden gegen Wormatia- Worms 0:1.

Fuhballvcrein Frankfurt gegen Phönix-Lud- wigshafen 2:2.

Norddeutschland.

Kreismeister von Bremen wurde der Bremer Sportverein, der Werder-Breme.i 6:1 schlug.

Berlin.

In den Berliner Fußball-M nsterschaftsspie- len des gestrigen Sonntags formte in der Ab­teilung A Hertha B. S. C. durch einen 5: l°Sieg über Wnhensee die Führung erfolgreich behaup­ten, der bisher schärfste Konkurrent Vorwärts erlitt durch ein 2:2 gegen D. S.V. 92 einen Punkwerlust. Tennis-Borussia siegle gegen Alle- mannia-Haselhorst 7:1. Die Meisterschastsfrage in der Abteilung B ist nach den überraschenden Ergebnissen Mtteor-Aorden-Aordwest 3:3 und Tasmania-Kickers 2:4 ung:Härt.

Das Revisionsverfahren des Fußballsportvereins vor dam Bundesqcricht.

Vor dem Bundesgericht in Leipzig wurde gestern das Revisionsverfahren des Fußballsportvereins Frankfurt gegen Hanau 93 verhandelt. Im Laufe der Sitzung erklärte der Vorsitzende des Süddeut­schen Verbandsgerichts, Müller, daß er die

Gießener Stadttheater.

L'ssing:Minna von Barnhelm".

Es ist belanglos, ob die Vorgänge dieses Lustspiels, wie die Mutter des PhilosophenGarve erzählt hat, sich zuvor ziemlich ähnlich m der Goldenen Gans" zu Breslau abgesprelt haben, ehe sie aufs Theater kamen, und in den Berliner Gaschos zum König von Spanien verlegt wur­den; es ist auch müßig, auf etwaige Anregungen und Vorbilder hinzudeuten, wie Wicherleys ,,^Ye Soldiers Fortune", ober George Farquhars^,ye Constant Couple", woraus die umständliche und meljr als nötige Verwirrung der D:nge dur<p das Aingmotiv stammen soll. Interessanter ist der Vermerk auf dem Titel:verfertiget 176u . (Dies ist bas Conceptionsjahr, die Aiederschrift wurde erst im Frühjahr 1764 begonnen.) Lind man, kann, mit Goethe, diese Jahreszahl als ein Symbol auffassen und das Drama, gleichsam zwi­schen Krieg und Frieden entstanden, als dic wahrste Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges" verstehen. So wird man dem Herzpunkt des Werkes und seiner nicht nur historischen und literarhistorischen Bedeutsamkeit am nächsten kommen.

Im Oktober 1760 hatten Aussen und Oester­reicher in Berlin geplündert, im Aovember reiste der Dichter über Frankfurt an der Oder, wo fein bei Kunersdorf auf den Tod verwundeter Freund, der preußische Major Christian Ewald von Kleist begraben lag, nach Breslau, wurde Sekretär im Stabe des Generals von Tauentzien, stand auf dem Schauplatz des Krieges, in naher Berührung mit der Armee des großen Königs. Im Erlebnis dieser waffenklirrenden Tage, im Er­innern an den gefallenen Dichter desFrühlings" muhte das erste deutsche Lustspiel, das erste natio­nale Drama unseres Volkes geboren werden.

Als etwas ganz Aeues und Eigenes, lebendig aus dem Geist der Zeit Geschaffenes, das alle Konvention, alle starrgewordenen, verstaubten Typen und Schemen des Herkömmlichen hinter sich warf und sich aus den Aiederungen schwank­

hafter und immer gleich pointierter Situationen, aus Hanswurstiade unb Rüpelspässen zum Cha­rakterspiel erhob, das auf den Grundpfellern sitt­licher Ideen ruht, das Deutschheit und mensch­liche Würde in sich vereint. Das Kerndeutsche in diesem Werk ist vielleicht gerade im Zeitalter Friedrichs des Großen das, worin sich der über­wältigende Eindruck, den es damals machte, am tiefsten begründet, und den man heute nur in etwa noch nachfühlen kann. Man versteht jeden­falls (wenn man sieht, mit welchem Elan Lessing, innerlich und äußerlich, alles französische Wesen, das damals fast eine europäische Form bedeutete, über den Haufen warf) daß man von einem neuen, einemliterarischen Roßbach" sprechen konnte. Mit derMinna von Barnhelm" war der erste, starke, selbstgewisse Schritt zum deut­schen Aationaltheater getan, und es muh ein Erlebnis gewesen sein, wie der Dichter desGötz" als junger Student in Leipzig den großen Erfolg deS Lustspiels auf der Bühne mitansah.

Als neu und ganz ungewohnt mußten die Menschen in diesem Stück empfunden werden; eben weil sie als Menschen dastehn mit Fleisch und Blut und Knochen, mit Herz und Charakter, nicht mehr die Puppen und Marionetten sind, die gerade für das heitere Spiel als ehrwürdiger, uralter Personalbestand gegolten hatten.. Hier erscheint zum erstenmal das Bild des Offiziers, bet' kein Bramarbas unb miles gloriosus ist, fein Aufschneider, Säufer und Weiberheld, son­dern ein Mensch mit Ehrgefühl, Pslichtbewuhtsein, innerer Sauberkeit und Geradheit, tapfer und ritterlich, einer, der in höherem Sinn das Wort des Wallensteiners vorwegnimmt und selbstver­ständlich in sich erfüllt:Wer's nicht edel und nobel treibt, lieber weit von dem Handwerk bleibt" Cs ist ein feiner und eben deutscher Zug, daß Lessing, der Sachse, diese Gestalt des preußi­schen Offiziers in seinem Drama einsuhrte, und so einsührte, als eine Huldigung an den Seift der sridericianischin Armee, als Gruß und leben­diges Ehrenmal für den toten Freund, plnd daß er seinem Helden das Edelfräulein aus Sachsen ebenbürtig und innerlich nahe gegemibestellte,

ein liebenswertes, helläugiges Geschöpf, mit klarem Kops und warmem Herzen.

Solche Erwägungen gründen den Wert des Lustspiels auch für uns Heutige. Sie solllen stark genug sein, selbst über das hinwegzuführen, was uns jetzt ferner liegt und nicht mehr so eingeht und Eindruck macht, wie den Zeitgenossen im klassischen Jahrhundert. (Richt nur aus der Er­kenntnis, daß dieses Stück das erste Lustspiel und eines der wenigen überhaupt ist, die wir be­sitzen.) Manches, was damals als unerhört und kaum zuvor erlebt schien, sehen wir heute mit anderen Augen an. Zwar wird man es, beispiels­halber, dankbar begrüßen, daß der Dichter das alte und erprobte Motiv beibehielt, das Liebes­spiel des Hauptpaares durch das Tete ä tete untergeordneter Begleitsiguren parallelisieren und kreuzen zu lassen. Selbst im Formalen wird man, obwohl wir heute weiter gelangt und ästhetisch- dramaturgisch anders eingestellt sind, noch das bedeutende, rein handwerkliche Können und die scharfsichtige Geistigkeit des hamburgischen Mei­sters bewundern; schon deshalb, weil dergleichen heutigentags immerhin selten geworden ist. Aber man wird eben hier nicht nur das Kunstvolle, sondern auch das Künstliche im szenischen Bau empfinden, gewisse älebersteigerungen und moti­vische ileberlabungen (die bereits angedeutet wur­den); nicht selten wird auch durch aas ,.Wie der Darstellung der Blick ins Dargestellte und Eigentliche beengt und verschleiert, älnd endlich wird man vielleicht nichtt übersehen, daß in der Mensch engestaltung und Charaltergebung die energische, sich vom alten Typenspiel bewußt frel- machrnde Entwicklung fast übers Zic. hmauHchoß und manchmal an eine mehr dem tragischen, als dem heiteren Drama gemäße Stilisierung heranrcichl. - Was uns heute wertvoll ist und nie Veralten wird, in t'.c.em Sprel ist Geist und Llmwelt, ist geliebte Vergangenheit und dichterischer Aachklang einer unsterblichen Zett.

Die Inszenierung Telekys gab in solchem Sinne alle?, was das Stück herzugeben ver­mag Sie griff die Dinge frisch, lebendig und temperamentvoll an und spielte die fünf Akte

so fließend und beweglich herunter, daß man nur die notwendigen Verwandlungspausen bedauerte. Auf der Suche nach einem neuen, unserer eigenen Zeit gemäßen Stil der Klassikerinszenierung hat man sich, besonders bei Shakespeare und Schiller, daran gewöhnt, das oft schwerfällige und drama­turgisch und theatralisch hohe Anforderungen ftelienbe Szenarium des üblichen Fünfakters in eine innerlich gebundene, äußerlich lockere Folge von Bildern auhulöfen. Bei diesem Lustspiel er­übrigt sich dergleichen, da es im regelmäßigen, tektonisch bemessenen Bau der Auszüge, mit dem korrespondierenden Wechsel von nur zwei Schau­plätzen, jeweils eine Szenengruppe bildhaft zu- sammenfaßt; die Neuinszenierung hatte also mit gutem Grund die alte Form bewahrt und auf dramaturgische Experimente verzichtet. Ise Ohke gab das Fräulein von Barnhelm: char­mant unb anmutig im schnellen Wechsel zwi­schen wohlerzogener junger Dame von Welt und hingegebenem, zärtlich-erwartungsvollen und stürmisch verliebten Mädchen; sehr sicher in der Führung ihrer galanten Rolle, immer bewußt, daß es eine Rolle ist, und ein Spiel, das, im letzten Augenblick, ins schmerzliche Gegenteil Umschla­gen konnte. Ges fers, in guter Maske, war der Major: würdig, korrekt, beherrscht, manch­mal ein wenig ungelöst und starr, aber immer mit Takt und gutem Geschmack. Sehr niedlich, quecksilbrig, wie ein kleiner Wasserfall plappernd, vorwitzig unb kokett das Kammerkätzchen der Qlltr Krahmer. (Diese Franziska ist offenbar ganz nach ihrem Herzen.) Eine brillante Charge bot Baste; fein Riccaut war eine abgerundete, ausgefeilte Leistung. Sehr fein und apart brachte Auguste M a r ck s (Dame in Trauer) ihren kur­zen Austritt im ersten Akt. Schubert gab mit Gemüt und Humor den Wachtmeister. Goll (als Wirt, hatte besonders im zweiten Akt eine hübsch Pointierte Szene. Volcks Just endlich bekam mit seiner derben älngeschllffenheit sofort die komischen Trümpfe in die Hand, schien uns indessen an einigen Stellen etwas zu laut. - Das Haus war leider nur mäßig besucht; der Beifall sehr herzlich. Dr. 1h