Ausgabe 
8.2.1926
 
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illig, ohne jede Fulda oder ein

ten nach Laabach über, freiwillig

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Nötigung. Daß ein Abt von

Graf Solms die Dörfer zerstört habe, ist ebenso

bis 25 Mk., für 2 Rm. Duchenstbcke 8 bis Mk., für Eichenstöcke 8 bis 10 Mk.

Irreis Schotten.

nicht mehr entsprechen, da ihr Devisenvorrat, durch die bisherigen Beanspruchungen und Inter­ventionen aufgezehrt ist. Der Schleichhandel mit Devisen wie wir ihn auch in Deutschland in der Inflationszeit erlebt haben, macht sich mit allen seinen verderblichen Folgen bemerkvar. Nile aus dem Auslande bezogenen Waren werden nach Dollarparität verkauft und steigen daher unaufhörlich im Preise. Aber auch die Kauf­leute mit Iniandpradukten Passen sic« dieser Teuerungswelle an und daher steigen auch die Lebensmittelpreise unaufhörlich.

Die Korruption blüht unter diesen Um­ständen in Polen an allen Ecken und Enden. Es ist bezeichnend, wenn der jetzige Finanzmtnifter ein Gesetz einbringen muh, das die zivil- und strafrechtliche Verantwortung der Beamten für Unterschleife und Mißbrauch ihrer Dienstgewalt ausspricht. . .

Dah die Korruption sich bis tn die höchsten Kreise hinein bemerkbar macht, ersehen wir aus demFall Linde", der sich im Jahre 1923 ab­spielte. Als Linde damals Finanzminister wurde, wurde er von einer gewissen Presse als der Retter Polens gepriesen. Dies verhinderte je­doch nicht, dah die frühere polnische Währung, die berühmtepolnische Mark" weiter in den Abgrund glitt. Seine Zeit als Finanzminister dauerte nicht sehr lange, und er bezog wieder den früher innegehabten Posten als Präsident der Postsparkasse. Eine plötzlich vorgenommene Revision der Postsparkasse hatte das Ergebnis, dah hier eine Vetternwirtschaft schlimmster Art aufgedeckt wurde. Er hatte einen nahen Ver­wandten mit den gesamten Kohlenlteferungen für die Postsparkasse betraut und ihm war ein großer Vorschuh ausgezahlt worden, um gewissermaßen das Geschäft zu finanzieren. Viele Beamte der Kasse wurden mit hohen Darlehen und Gratifi­kationen bedacht, zu einer Zeit, da die polnische Währung noch sehr hoch stand und die Zurück­zahlung brauchte erst nach Iahren in entwertetem Gelde zu entrichten. - Eine ähnliche Korruption macht sich auch im Kriegsmtnisterium breit, wo durch schlechte Lieferung von Flugzeugen und Gasmasken der polnische Staat um Summen, die teilweise sogar hundert Millionen Gold- zloth überschreiten, betrogen und geschädigt wurde.

Wenn der polnische Staat sich in seinem ganzen Gebaren nicht in aller Kürze grund­legend ändert, dann dürfte der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes und das völlige Ab­gleiten der Währung nicht mehr zu verhindern sein. Damit wäre Polens Schicksal als selbstän- hier Staat besiegelt.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 8. Febr. Der Autobetrieb W i e se ck G i e ß e n hat auch im Monat Ja­nuar die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Insgesamt wurden 3 6 0 9 0 Personen beför­dert. Hiebei muh man berücksichtigen, daß zunächst einmal nach Weihnachten das Geschäftsleben im all­gemeinen immer etwas abflaut, und daß neben etwa 120 Vollerwerbslosen ungefähr 500 Kurz» arbeitet, die nut4, zumeist 3 Tage in der Wocke arbeitet, die nur 4, zumeist 3 Tage in der Woche durch wird die Benutzung des Autos natürlich un­günstig beeinflußt. Bei sich bessernder wirtschaft­licher Lage hebt sich naturgemäß auch die Frequenz des Autobetriebs. Das finanzielle Ergebnis im Ja­nuar ist zufriedenstellend. An Fahrgeld wurden oer« einnahmt 7369,80 Mk. Die Ausgaben betrugen 3903,80 Mk., so daß 3 4 6 6 Mk. für Abschrei­bungen am Anlagekapital verwendet werden konnten. In den Ausgaben sind die Auf­wendungen für Löhne, Sozialversicherungen, Umsatz­steuer, Zinsendienst, Betriebsstoff und Del, Autover- sicherung usw. enthalten. Für Verwaltungskosten brauchten keine Aufwendungen gemacht zu werden, da die gesamte Verwaltung ehrenamtlich ausgeführt wird. Sollte sich in den kommenden Wochen uüd Monaten die Arbeitslage noch mehr verschärfen, so kann wohl ein kleiner Rückgang in den Einnahmen eintreten, es ist aber der Beweis erbracht, daß das Unternehmen auf durchaus gesunder Grundlage steht und wirtschaftliche Nöte, wie die gegenwärtigen, mit Leichtigkeit überwindet.

* Leihgestern, 6. Febr. Auf (Einlabung des Kommandanten der Pflichtfeuerweht Herrn Held fand sich eine Anzahl junger Männer im Sitzungs­saale des Rathauses ein, um den Gedanken, eine

Ich habe keinen Gurkensalat gegessen: mich drückt nichts Schweres." ,

Sie beachtete seinen krampfhaften Versuch, zu scherzen, nicht. Aber die herbe Zurückweisung ihrer liebenden Sorge empfand sie wie einen Peitschen­hieb. . .

Es freut mich, daß deine gute Laune wieder­kehrt", sagte sie mit zuckenden Lippen.Aber dann zeig' auch der Welt ein anderes Gesicht! Wer auf sicheret Höhe steht, hat ein Lächeln für Verdächti­gungen." Ä

Und abermals trieb ihn der böse Geist, sie zu verletzen.D, fürchte nicht," sagte er höhnisch,daß an dem Klatsch ein Körnchen Wahrheit ist! Du kannst dir auch in Zukunft drei Dienstmädchen halten, und dein Auto wird nicht gepfändet."

Wie klein gedacht!" Hochaufgerichtet stand sie vor ihm und sah ihm fest ins Gesicht.

Nun ja, wenn du dich auch über meine kleinen Geschenke mokierst, Hand aufs Herz, Andrea, der Luxus und das Wohlleben find schließlich doch Dinge, an die man sich gewöhnt. Ich begreife ja, wenn du das alles an mich nicht missen willst."

Da senkte sie den Kops tief auf die Brust, und schmerzlich kam es über ihre zuckenden Lippen:

Ich schäme mich, Thomas, schäme mich für dich! Das mar ein kurzes Aufleuchten der Sonne. Schon ifts wieder Nacht! Glückliche Margot wie ich dich beneide!"

Sie hörte nicht auf feinen Rui, den letzt doch ein tiefer Schreck dutchzitterte. Lautlos schloß sie die Tür und ging nach ihrem Zimmer. Blei hastete an ihren Sohlen, vor ihren Blicken tanzten wirbelnde Kreise.

XIII.

Andrea wohnte und schlief einen Tag bei Mar­got in Professor Langens mustergültig eingertchteter Klinik. Hinriks, der, wie verabredet, mit nach Ber­lin gefahren war, wäre am liebsten sofort zurück- gefayten, denn er wußte nicht recht, was er in der Riesenstadt mit sich anfangen sollte, beten Trubel ihn irritierte. Aber Andrea zuliebe blieb er auch noch am andern Tage, um bann mit ihr den Mor- genzug nach Rostock zu benutzen.

Margot war heiter und guten Mutes. Wann die Operation ftattfinben sollte, stand noch dahin. Margot und Wallot hielten es für angebrackst, die

Angehörigen im Ungewissen zu lassen, um sie am Entscheidiingstage nicht nervös zu machen, lieber den Ausfall des Eingriffes sollte sofort ein Tele­gramm nach Rostock gesandt werden.

Am Abend vor der Abreise schlenderte Hinriks über die Friedrichstraße, um die Zeit totzuscklagen. Plötzlich stutzte er. War das nicht Mühlfeld, her soeben mit einem Begleiter ein Kaffeehaus betrat? Ohne Zweifel, diese männliche Modepuppe, die sich so kapriziös in den Hüften wiegte, war der Geck, der dem wackeren Seebären mehr als irgendeine andere Kreatur auf die Nerven fiel. Aber was war das denn für eine konfiszierte Visage, die da so ocr* traulich tat mit dem Windhund? Elegant genug sah der Bruder ja auch aus; wegen der Kleidung brauchte sich Mühlfeld seines Attaches nicht zu schä­men. Aber das abgefeimte Galgenvogelgesicht! Nein, Onkel Otto wär' mit solch einem Spitzdubentyp keinen Schritt über die Straße gegangen! Und die beiden hatten sich gar unretgefaßt!Pfui Deibel!" sagte der Kapitän ganz laut und spuckte aus. Das nahm ein mit Spreewasser getaufter Passant sehr übel und hauchte ihn an:Sie denken woll, mein Hühnerooge sieht es mit Vergnügen, wenn Sie 'n Lustangrift auf meine Stiebeln machen, oller Dussel!" Ehe Onkel Otto eine Entgegnung an den Mann richten konnte, war der Aufgeregte ver­schwunden; aber Hinriks fing noch die lachende Be­merkung eines andern auf, der sich an die Um­stehenden wandle, die sofort eine Grupve bildeten wie überall, wo eine Fliege nieste.Det s jewiß en Amerikaner!" sagte der zweite,Spucke is bet ein­zige, wat d i e Brieder für uns übrig haben."

Es drängte den Onkel, dem Berliner klar zu machen, daß er ein guter Deutscher sei, doch schon schubste ihn einer am Aermel und ein anderer gab ihm einen gelinden Puff in den Rücken, daß er schleunigst Anker lichtete und im Strome weiter- schwamm. 2lber da fiel ihm Mühlfeld wieder ein, und rasch entschlossen machte er kehrt. Den Spaß mußte er sich doch noch gönnen, den Gent im Kaffeehause zu beobachten. Ob er wohl mit dem Galgenvogel an einem Tische saß? Richtig, da batten die beiden in einer Nische Platz genommen und vor ihnen stand bas Mokkaservice. Ein Trio leierte fein tägliches Programm herunter, und der Geiger graste mit den kecken Augen das Publikum auf kleine Mädchen ab.

(Fortsetzung folgt)

standsfrage im paritätischen Sinne in nächster Zeit zu erwarten ist. So verlief, wie bereits angcbcutcl, die heutige öffentliche Sitzung durch­aus arbeitsfreudig, und mancher der zahlreichen Zuschauer, der vielleicht heute etwas Besonderes erwartete, dürfte nicht auf seine Kosten gekom­men lein. Zur Verhandlung standen in der öffentlichen Sitzung nicht weniger als 19 Punkte, die aber in kaum mehr als einer Stunde er­ledigt waren. Die von den Ausschüssen ein- gebrachten Anträge wurden in ihrer Mehrheit ohne Aussprache einstimmig angenommen. Rur in einigen Fällen kam es zu einer Abstimmung. 11. a. wurden folgende Beschlüsse getätigt: Die Reuverpachtung der Kandelaber zu Re- kl am ez wecken auf 3 Rechnungsjahre wurde gutgeheißen. Die Pachtsumme für ein Schild beträgt 25 bzw. 15 Mk. pro Iahr, je nach der Straßenlage. Die Ausschreibung wird in nächster Zeit erfolgen. Die Wirtschaftsrechnun­gen des städtischen R e u b a u e s Mittel­strahe 22 mit 63 785 Mk. und des im vorigen Iahrc erbauten städtischen Schwimmbades mit 70 967 Mk. fanden die Zustimmung der Ver­sammlung. In den Verwaltungsrat des K o - nihkystiftes wurde an Stelle eines zurück- getretenen Mitglieds der vom Kur- und Ver- fchönerungsverein vorgeschlagene Arzt Dr. Hae - b e r l i n gewählt. Richt einigen konnte man sich dagegen bei der wegen eines Formfehlers noch­mals vorzunehmenden Wahl des Verwal­tungsrats deS Krankenhauses. Der Vorschlag des Finanzausschusses enthielt nicht den Ramen des Geschäftsführers der Orts­krankenkasse, dessen Zugehörigkeit zum Verwal­tungsrat von der Linken gewünscht wurde. Die Angelegenheit wurde an den Finanzausschuß zurückgewiesen. Auf der st ä d t i s ch e n Bleiche am Kaiserin-Elisabeth-Platz soll eine Schutz- Hütte aufgestellt werden. Für die Ausführung in Wellblech wurden 200 Mk. bewilligt. Die Anschlagsäulen, die seither für 500 Ml. vermietet waren, wurden an den seitherigen Pächter auf drei Jahre zum jährlichen Preise von 1000 Mk. neu vergeben. Im Interesse der. Kurgäste, die die durch die Gärten führen­den, sorgfältig gepflegten Wege auf ihren Spa­ziergängen nach dem Walde gern und viel be­nutzen. verbietet eine neue Polizeiverordnung das Befahren dieserWegemit Fuhr­werken jeglicher Art und Fahrrädern. Zu­gelassen sind nur Fahrten der Grundstücks­besitzer zu ihren Gärten. Die Verordnung wurde gutgehelßcn. In der Borngasse ist vergangenes Iahr ein städtisches Wohnhaus niedergelegt wor­den. Auf dem frei gewordenen Platze soll laut Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 10. August 1925 eine städtische Wagen- Helle errichtet werden. Der damals bewilligte Kredit von 8000 Mk. wurde um 700 Mk. er-, weitert. Die von einigen Stadtverordneten ge­gebene Anregung, den Platz unbebaut zu lassen und so inmitten der engen Altstadt einenfreien Platz" zu schaffen, fand nur wenig Entgegen­kommen, dagegen ist die Verbreiterung des Bürgersteigs im Bauplan vorgesehen. Durch Vermehrung des F eu e r l ö s chg e r ä t e s der Freiwilligen Feuerwehr (u. a. Automobil- drehleiter) ist das städtische Gerätehaus zu klein geworden. Ein Umbau findet statt. Während der Zeit sind die Feuergeräte in zwei Autogaragen untergebracht. Die Vergütungen an bte Besitzer wurden genehmigt. Einstimmige Annahme fand der Beitritt der Stadt zum Oesterreichisch-dentschen Volksbund, der u. a. den Anschluß Deutsch-Oesterreichs ans Reich anstrebt. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 40 Mk. Unter Besprechungen wurden die Fra­gen des Kleinwohnungsbaus und der Erwerbslosenbeschästigung eingehend behandelt. Der Bürgermeister konnte auf An­frage mitteilen, daß 1925 von der Stadt der Kleinwohnungsbau sehr unterstützt und gefordert worden sei, daß er für 1926 aber noch nichts Bestimmtes versprechen könne, da ein Ueberblick über die zur Verfügung stehenden Mittel noch nicht zu verschaffen sei. Gegenstand einer An­frage war auch eine Bemerkung, die Stadtv. Krauß kürzlich in der Jahresversammlung der Hotina" gemacht hat, wonach die Zustände am GasweÄ so beschaffen seien, daß der Gas­behälter stündlich In die Luft flie­gen könne. Stadtv. Krauß will den Aus­druck nicht wörtlich ausgelegt haben. Er habe mit der Bemerkung nur sagen wollen, dah das Gaswerk den Ansprüchen der Stadt

Laubach, 4. Febr. Gestern hielt di« hiesige Daumkircher oder Dlasius-Ge- sellschaft imSolmser Hof" ihr Jahres- s e st. das schon seit über 500 Jahren besteht. ES ist ein Rechtsaltertum, das sich aus dem Mittel- alter durch alle Zeitenstürme bis in die Gegen­wart gerettet hat. Gegen das Jahr 1400, ziem­lich gleichzeitig mit der Entwicklung unseres Heimatortes zu einer Stadt, gingen im Tale des Seenbachs, eines linken Seitenbachs der Ohm, verschiedene Dorfschaften aus, darunter Daumenseen ober Baumkirchen (Baumkirche be­deutet: diebaumene", aus Holz erbaute Kirche.) Gin ileberreft dieses Dorfes ist die sog.Daum­kircher Muhle", die jetzt auch allgemeiner nach einem früheren Besitzer dieHöres-Mühle" ge­nannt wird. Die Bewohner jener Dörfer siedel­

falsch wie die Angabe, daß sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden seien. (Die Grafen SolmS sahen im übrigen damals noch weit ab an bet Lahn.) In ihrem neuen Wohnsitz bildeten nun jene Zuwanderer ein geschlossenes Gemeinwesen, das durch das fortdauernde gemeinschaftliche Eigentumsrecht an der Allmende der alten Hei­mat zusammengehalten wurde. Dor zwei Jahr­zehnten bestand die Gesellschaft noch aus 36 Be­sitzern, die aber heute auf 31 zusanimengeschmoszen sind. Sie haben zugleich das Recht der Mitbe­nutzung des alten Daumkircher Weidelandes. Gegen 15 Morgen sind im Besitz der Gesellschaft. Rach einer alten Ordnung, die in ihrer letzten Festsetzung auf das Jahr 1701 zurückgeht, ver­sammelten sich heute gegen 10 iUjr die Daum­kircher in ihremStaatsanzug" im Solmser Hof und erledigten hier zunächst die geschäftlichen: Angelegenheiten der Gesellschaft; die Weideteile wurden verlost, die Zinsen eingezogen usw. Die Versammlung wurde von den beidenSchult­heißen" geleitet; bis 12 il^r waltete der alt« Schultheiß (Heinrich Philipp Lauth, Land­wirt), sodann der junge (Briefträger Hof­mann) seines Amtes. Rach Beendigung der geschäftlichen Angelegenheiten fand wieder ein feierliches Mahl statt, wobei alte Vorschriften streng gehandhabt wurden; die Zuwiderhandeln­den werden streng bestraft. Hierauf wurde noch ein gemeinschaftlicher. Kaffee eingenommen, woran sich angeregte Unterhaltung mit munteren Ge­sängen schloß. Am Abend, gegen 9 älhr, bewegt« sich die Gesellschaft, mit Musik und unter Lam­pionbeleuchtung zur Wohnung des neuen Schult­heißen, wo man noch längere Zeit in angeregter geselliger Unterhaltung verweilte. Hierher wurde auch die Lade mit den Akten der Gesellschaft gebracht, die bei jeder Versammlung zur Stelle sein muß und sorgfältig aufbewahrt wird, da sie die wertvollen Urkunden der Vereinigung ent­hält.

lg. Gedern, 6. Febr. Durch verschiedene Zei­tungen ging die Nachricht, daß sicherem Vernehmen nach beabsichtigt sei, ab 1. Avril auf der Strecke Lauterbach Gedern die vielbenutzten ge­mischten Zugpaare 8891 und 8893 ausfallen zu ''en, was sich für die Schüler der hiesigen Pri- va. ikaplaneischule aus dem oberen Vogelsberg

Sein oder Nichtsein.

Lin Kriminalroman von der-Wasfertanle.

Don Moritz Schäfer

15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Du, Andrea?" Er war gerade dabei, ihre Reisegelder dem Kassenschrank zu entnehmen und schaute verwundert auf.Nein, Kind! Was verstehst du denn von Geschäften?"

Das ist es ja", sagte sie traurig.Du hättest mich mehr einweihen sollen in deine Geschäfte, dann stünde ich nicht allem so fremd gegenüber."

Ach was!" Das klang schon wieder gereizt. Kümmere dich doch um dein Ressort, da hast du gerade genug zu tun."

Mein Ressort? Fängt das etwa in der Schnei­derstube an und endigt in der Küche?"

Etwas milder entgegnete er:Ach, Liebste, du weißt doch genau, wie ich's meine! Geh, fei hübsch artig, sorge du für die Repräsentation, und ich sorge für den Brotkorb. So sind die Geschäfte hübsch geteilt."

Meinst du, Thomas? Ich dachte, als deine Frau hätte ich ein Anrecht darauf, auch einen Ein­blick in den Kreis deiner Unternehmungen zu er­halten, dir mit Rat und Tat"

Nein!" fuhr er heftig auf und warf die Tür des Kassenschrankes heftig ins Schloß.Darauf hast du kein Anrecht! Bitte, merk' dir das ein für allemal! Es tut niemals gut, wenn Frauen ihren Männern auf die Finger gucken, und ich bin nicht gewillt, das zuzulasfen."

Sie blieb ruhig und sanft.

Aber, Thomas! Ich denke doch gae nicht daran, dich irgendwie zu kontrollieren"

Mär' auch, bei Gott, noch schöner!"

Oder deine Maßnahmen einer Kritik zu unter­ziehen! Nein, Thomas, von der Seite sollst du mich nie kennenlernen! Aber man sieht sich ja kaum man geht fremd nebeneinander her. Du hast immre Geschäfte, ich immer gesellschaftliche Pflich­ten. Wie gern möchte ich oft, anstatt eine öde Kon­versation zu führen, all die faden Schwätzer stehen lassen und zu dir fliehen. Teilnehmen an deinen Sorgen möchte ich, dir die Wolken von der Stirn küssen

Der Ton war herzlich und warm, er entwaffnete seine Gereiztheit.

Warum sagst du mir nicht öfter solch ein Wort, Andrea?" fragte er und gab ihr die Hand^

Du entziehst mir ja jede Gelegenheit, Thomas! Ich bin die Puppe, die du kleidest, mehr nicht, du speisest mich ab mit Vergnügungen, die mich kalt lassen. Du überhäufst mich mit Geschenken, die" Sie stockte.

Nun, die?"

Ach!" sagte sie, ein wenig ärgerlich über sich selbst.Das willst du ja nicht wissen."

Nein, bitte, genier dich nicht'/'

Sie zuckte die 'Achseln.Von deinen Geschäften soll ich ja nicht reden."

Was haben die kleinen Aufmerksamkeiten, die ich meiner Frau zuwende, mit meinen Geschäften zu tun?"

Nun, denn, Thomas, was du kleine Aufmerk­samkeiten nennst, sind Dinge, die viel Geld kosten. Es ist keine reine Freude, die du mir damit machst, es ist mir immer verzeih, Thomas, aber einmal muß ich das aussprechen, es ist mir immer, als wolltest du mich mit Perlen und Brillanten hin- wegtäusen über deine finanzielle Lage."

Groß, entgeistert starrte er sie an. Dann faßte ihn der Jähzorn, Dunkle Glut stieg ihm in das vorher so blasse Gesicht, als er ausrief:Das ist eine Infamie! Also in meinem eigenen Hause geht der Klatsch schon um! Meine finanzielle Lage heraus mit der Sprache wer hat dir in den Ohren gelegen?"

Niemand!"

Den Namen des Verleumders will ich wissen."

Ich kenne keinen Verleumder, Thomas! Du selbst verrietest dich ja. Deine Unruhe, deine Zer­fahrenheit und jetzt dein Ausbrausen, die sagen ja mehr als Worte. Meinst du, was aller Welt auf­fällt, könnte deiner Frau verborgen bleiben? Es gibt überall Feuer, wo der Rauch schmält. Aber, wenn du kein Vertrauen zu mir hast, ich kann es nicht ändern .

Das klang müde und matt; resigniert ließ sie die Hände sinken.

Vertrauen begehrte er von neuem auf, du selber trittst es ja mit Füßen und glaubst an bte Verdächtigungen." . r - . . ,

Ich glaube nichts id) will nur klar sehen. Und dir tragen helfen, wenn dich Schweres drückt.

Freiwillige Feuerwehr zu gründen, in die Tat umzusetzen. Außer Bürgermeister Heß waren noch anwesend Branddirektor Braubach- Gie­ßen, Brandinspekior 21. Wenzel, der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen, Kommandant Schäfer von Lang-Göns sowie Brandmeister Betz von der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Nach den Begrüßungsworten des Kom- manbanten Held legte Branddirektor Braubach sowie Brandinspektor Wenzel den Anwesenden Ziele und Ausgaben einer Freiwilligen Feuerwehr bar, wobei heroorgehoben wurde, welch großer Segen in der heutigen Zeit eine gut ausgebildete freiwillige Feuerwehr für eine Gemeinde fei. Von den Anwesenden Zeichneten sich 40 Kameraden in die aufliegende Liste als aktive Mitglieder der Frei­willigen Feuerwehr Leihgestern em. Möge diese Neugründung, die sich uneigennützig in den Dienst der Nächstenliebe stellt, volles Verständnis und Nachahmung finden.

t Grünoerg, 6. Febr. In der Generalver­sammlung der Freiwilligen Feuerwehr, zu der 70 Mitglieder erschienen waren, wurde zu­nächst der Jahresbericht erstattet. Im Berichtsjahre wurden vier Tagesübungen und eine Inspektion abgehalten. Dreimal wurde dis Wehr im Laufe des Jahves alarmiert, stets war sie äußerst rasch zum Eingreifen bereit. Im Lause des Jahres sind von der Stadt 12 Helme, 150 Meter Schlauch und ein neuer Hydrantenwagen beschafft worden. Dem Rechner wurde nach der Rechnungsablage Ent­lastung erteilt. Die beiden Obleute der Wehr wur­den durch Zuruf wiedergewählt. Die Kameraden Hch. Schmidt III., Wilh. Schröder und Friedr. Schmitz wurden für 25jährige Dienstzeit dem Kreisamt zur Dekoration vorgeschlagen. Ferner wurden an A. Ritter für 20jährige, Aug. Mohr für 15jährige Dienstzeit Auszeichnungen veraus­gabt. Lobend heroorgehoben fei der Eifer der Wehrmänner K. Hofmann, Hch. Meier, K. Jockel VI. und A. Kreuder, die trotz ihrer 40jährigen Dienstzeit noch regelmäßig an den Hebungen leilnehmen. Da durch den Krsisfeuer- wehr-Jnfpektor Dickorö die gegenwärtige Spritze bemängelt worden war, wurde die Anschaffung einer Motorspritze besprochen, ebenso die Be­schaffenheit des Spritzenhauses, wo infolge der Feuchtigkeit das Material, besonders die Schläuche, sehr zu leiden hat.

> Grüningen, 6. Febr. Gestern nachmittag ist auf dem Rathause bei Anwesenheit des Ge­meinderats unser neugewählter Bürger­meister Euler von dem Vertreter des Kreis­amts, Oberregierungsrat Dr. He ß, in sein Amt e i n g e f ü h r t worden. Damit ist ein Kampf ab­geschlossen, der schon über ein halbes Jahr die Ge­müter stark erregte. Hoffentlich gelingt es dem neuen Ortsoberhaupt, die Kluft in der Einwohnerschaft zu überbrücken. >.

) L i ch, 6. Febr. Bei der gestrigen, im hiesigen Stadtwald in den Distrikten Untersvsierlingskopf, Mönchköpfe, Eisenkaute, Dicke Stelle, Rehtränks- berg, Kronau und Maurerkasperskopf stattgefun­denen Brennholzversteigerung wurden bei außerordentlich starker Beteiligung folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 1520 Mk., Bucken- küppel 14 Mk., Eichenknüppel 7,50 Mk. und Buchen- stocke 7,509 Wit. je Raummeter, 50 Buchenwellen 1.525 Mk. und Eichenwellen 12 Mk. Die höchsten Preise wurden da erzielt, wo die Abfuhrmöglichkeit sich am günstigsten gestaltet.

Kreis Friedberg.

2). Bad-Rauh ei m. 5. Febr. S tadt- verordnetensitzung. Die erste Sitzung des neuen Stadtverordnetenparlaments, die vor nicht ganz 5 Wochen stattfand, endete mit einem Miß­klang. Wie wir seinerzeit berichteten, kam es wegen der Besetzung des Schulvorstandes zu Unstimmigkeiten zwischen der Linken einerseits, und der Mitte und der Rechten andererseits, die zu einer ArtKrise" führten, da die Linke die Mitarbeit in den Ausschüssen versagte und für die Verhandlungen im Plenum schärfste Opposition ankündigte. Der Bürgermeister hat sich, wie man hört, in der Zwischenzeit alle Mühe gegeben derKrise" Herr zu werden und auf friedlichem Wege die Geister zu ver­söhnen. anscheinend auch mit Erfolg. Denn es heißt, daß die Sozialdemokraten, nachdem sie seither von den Ausschußsitzungen ferngeblieben, gestern wieder an einer Bauausschuhsitzung teil­genommen haben. Auch der allgemeine Ar­beitswille, der die heutige zweite Stadt- verordnetensitzung beseelte, läßt vermu­ten, daß eine Lösung der strittigen Schulvor-

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nicht mehr genüge, baß it a. baS stmcke Entweichen des Gases aus dem Gasbehälter in die Luft eine Schädigung der Stadt bedeut«, Bürgermeister Dr. Kayser tonnte dazu noch mitteilen, daß die Gefahr einet Explosion eben­sowenig bestehe wie an anderen Orten. Auf An­frage gab der Bürgermeister noch bekannt, daß die öffentliche Sammlung für die Winter­hilfe das Schwergewicht auf Kleidungs­stücke gelegt habe. An baren Mitteln seien nur etwa 1000 Mk. eingegangen.

WSR. Bad-Rauheim, 7. Febr. Hier wurde gestern ein aus Berlin stammender S t a l l s ch w e i z e r. der schon längere Zeit von der Staatsanwaltschaft wegen EinbruchS- d t e b st a h l S steckbrieflich gesucht wird, f e st g e - n o m m e.n

* Butzbach, 6. Febr. Bei der diese Woche im Butzbacher Stadtwald abgehaltenen H o l z - Versteigerung wurden recht hohe Preise erzielt, die die Friedenspreise weit überholten. Es wurden beispielsweise bezahlt: Für Buchenscheit 28 bis 30 Mk., für Buchen­knüppel 22 bis 25 Mk., für 100 Duchenwellen!