176. Jahrgang
Montag, 8.Hebruar 1926
Nr. 52 Erstes Blatt
druck und Verlag- vrühl'lche Unwerfitäk-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. Schristieitung und S-schästrftelle! Schulstrab« r.
obachtung der lokalen
autonomen
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Das Deutschtum in Südtirol.
Mussolini verteidigt die Derwelschung Südtirols
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den ^Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
Lösung finden können."
Der Ministerpräsident G i o l i t t i ging sogar so weit, daß er sagte, die Grundsätze der früheren Verwaltung in Südtirol könnten ein nützliches Beispiel für die Umformung des italienischen' Verwaltungs- snstems im ganzen abgeben, und sein Nachfolger aonorni erklärte noch am 10.Juni 1921, zwei Jahre nach der Annexion, in der Kammer, es müßte der Verwaltungsautonomie in ben neuen Provinzen eine konkrete Form gegeben werden — „wobei uns die Vertreter der interessierten Gebiete durch ihre Mitarbeit unterstützen werden!"
Verpflichtender und bündiger kann fich keine Negierung durch ihre verantwortlichen Staatsmänner, ja, durch den König selbst, in bezug auf die Rechte einer nationalen Minderheit einsetzen. Es gibt auch eine kleine Anzahl Italiener unter fremdstaatlicher Herrschaft, nämlich in Jugoslawien. Für diese verlangt Italien den (.-ntschiedensten Minderheitenschutz nach folgenden Grundsätzen: Den Italienern muß volle Entwick
lungsmöglichkeit im nationalen Leben, volle Verkehrs-, Preß- und Versammlungsfreiheit und unbeschränktes Recht auf nationale Schulen gewährt werden. Dieselben Grundsätze wäre es nach seinen feierlichen und bestimmten Zusagen verpflichtet, auch in Südtirol anzuwenden.
Und was hat der italienische Unterrichtsminister über die Politik gesagt, die das f a s z i st i s ch e Italien jetzt in Südtirol betreibt? Seine Worte waren:
„Der Zweck der Maßnahmen auf dem Schulgebiet ist die Entnationalisierung der deutschen Bevölke- r u n g."
Die Wiener „Neu Freie Presse" meldet aus Südtirol, daß 3 4 Deutsche, denen seinerzeit die italienische Staatsangehörigkeit zugesprochen worden war, Ausweisungsbefehle erhalten hEn. nachdem ihnen die italienische Staatsangehörigkeit wieder entzogen worden war. Die Betroffenen sind Handel- und Gewerbetreibende, Beamte und Lehrer.
Der Eindruck in Berlin.
So werden die Versprechungen gehalten, mit denen die italienische Regierung und der italienische König Südtirol übernommen haben. Es ist nicht mehr nötig, im einzelnen herzuzählen, was an laizistischen Gewalttaten Tag für Tag in Südtirol geschieht. Die Zeitungen melden es, und die Zeitnahme des gesamtdeutschen Volkes an der Folter, unter die man Südtirol, das „Land ohne Namen , geworfen hat, ist erwacht. In Meran, am Denkmal Hofers stehen am Sockel die Verse:
Es war einmal ein «Schützenfest,
Der Himmel hat's gegeben, (Tiroler) Freiheit war das Best', Der Einsatz Blut und Leben!
Berlin, 7. Febr. ($11.) Wie die Tele- graphen-llnion erfährt, hat die Kammerrede Mussolinis in politischen Kreisen Berlins außerordentlich befremdet. Man weist darauf hin, daß die Sprache des Ministerpräsidenten wohl kaum geeignet ist, ihm als einem Unterzeichner des Locarnovertra- q e s und Italien als einem Mitglied des Völkerbundes zur Ehre zu gereichen. Mussolini hat auherdein offenbar dieDiskussions- basis verschoben. Kein Mensch denkt zur Zeit in Deutschland daran, die Brenner- fr a g e überhaupt zu diskutieren. Es ist aber möglich, daß Mussolini es für notweiidig hielt, aus innerpolitischen Gründen die Grenzfrage aufzuwerfen. Für die deutsche Oeffentlichkeit handelt es sich in der Frage Südtirols lediglich um eine Kulturfrage, da sie sich dafür interessiert. daß die seit 1800 Iahren dort ansässige deutsche Bevölkerung der deutschen Kultur erhalten bleibt und sich weiter ihrer angestammten Sprache und Kultureinrichtungen bedienen kann. Von amtlicher Stelle kann zur Rede des italienischen Ministerpräsidenten noch
Rom, 6. Febr. (Ag. Stefani.) Der Generalsekretär der faschistischen Partei Farinacci hat in der Kammer eine Interpellation eingebracht, in welcher mit bezug auf die italienfeindliche Kundgebung des batz- rische n Ministerpräsidenten dringend Aufklärungen über den Stand der deutsch-italienischen Beziehungen verlangt werden. Auf die Anfrage antwortete Ministerpräsident M u s s v - lini mit folgender Rede: „Ich will die Anfrage ofort beantworten, nicht, um gegen den Leiter der bayerischen Regierung zu polemisieren, sondern um Licht in die Gedanken derer zu bringen, die hartnäckig dabei bleiben, sie in Verwirrung belassen zu wollen. Ich will prechen, denn ich denke, daß wie in den Beziehungen zwischen Einzelpersonen es auch in den Beziehungen zwischen den Völkern am besten ist, reirnüttg im richtigen Moment zu sprechen. Die aschistische Regierung hat während dreier Iahre eine sehr gemäßigte Politik Deutschland gegenüber verfolgt Oie hat sich niemals diesem von der Niederlage getroffenen Volke gegenüber hinceißen lassen. Sie hat sich allen scharfen Maßregeln widersetzt. Die Deutschen, soweit sie objekiv sind, haben seinerzeit das selbst anerkannt. Nach langwierigen Verhandlungen haben wir im vergangenen Iahr einen Handelsvertrag mit Deutschland abgeschlossen, den ersten, den Deutschland nach dem Frieden von Versailles abgeschlossen hat.
Ieht nach dem Abkommen von Locarno und nach dem Abschluß des Handelsvertrages entwickelt sich in Deutschland plötzlich wie auf ein gegebenes Stichwort hin eine anti- italienische Kampagne, die ebenso abscheulich wie lächerlich ist.
Abscheulich, denn sie wird begründet mit der Zusammenstellung notorischer Lügen. Lächerlich, denn sie wiegte sich in dem Gedanken, auf unser junges, stolzes, faschistisches Italien Eindruck zu machen, das sich von niemanden beeindrucken läßt. (Langandauernder, einmütiger Beifalt.) Es war eine Lüge, als man von der beabsichtigten Entfernung des Denkmals Walters von der Dvgelweide in Bozen sprach. Wir respektieren die Poesie, selbst wenn sie mittelmäßig ist (Heiterkeit); aber wir können es nicht dulden, daß Walter von der Vogelweide und Dante gegenübergestellt werden, denn das hieße den Monte Pincio mit dem Himalaja vergleichen. Wir werden das Denkmal Walters auf seinem Platz belassen, aber wahrscheinlich wird sich auf dem Platz von Bozen dank der Spenden des italienischen Volkes ein Denkmal für Cesare B a t i st i auf derselben Fundamenten erheben, auf denen sich ein Denkmal des deutschen Sieges erheben sollte. (Lebhafter, allgemeiner Beifall. Alle Abgeordnete erheben sich, ebenso das Publikum auf den Tribünen.) Dieses Denkmal wird dem Andenken all der anderen Märtyrer gewidmet fein, die mit ihrer Aufopferung und mit ihrem Blut das letzte Wort unserer Geschichte, soweit Südtirol in .Frage kommt, geschrieben haben.
Es ist eine Lüge, daß das Denkmal der Kaiserin Elisabeth in Br ix en durch Feuer zerstört worden sei. Lange sprach man von Ansammlungen und Expeditionen der Faschisten. In deutschen Zeitungen erschienen haarsträubende Beschreibungen von Gewalttätigkeiten, die gegen deutsche Tou- r i st e n unternommen worden seien, und von denen mir zwei mit viermonatiger Verspätung zur Kenntnis gebracht worden sind.
Man sprach von einer Entschuldigung, die die italienische Regierung an die deutsche Botschaft in Rom wegen der studentischen Demonstrationen gerichtet habe. Auch das ist eine dumme Lüge.
Aber wenn das alles genügt hätte, um das hervorzurufen, was die Deutschen „Stimmung" heißen, so reichte es doch noch nicht aus, um die sogenannte „Gemütlichkeit" (Mussolini wandte diese beiden deutschen Worte an) zu kitzeln, d. h. jene halb materialistische und halb weinerliche Sentimentalität. (Heiterkeit.) Man hat ein Verbot erfunden, das der Tyrann Mussolini gegen die Deutschen im Etschtal wegen der traditionellen Weihnachtsbäume erlassen hätte. Aber auch das war eine dumme und lächerliche Lüge. Nach allen diesen Lügen sprach man schließlich von einem Boykott der italienischen Waren und des Reisever- verkehrs nach Italien. Lassen Sie mich ein für allemal über diesen Reiseverkehr folgendes sagen: Wir sind ein hervorragend gastfreundliches Volk. Das kommt von unserer tausendjährigen
Das eingeklammerte Wort „Tiroler" ist fortgehauen worden! Es darf nichts geschrieben, gedruckt, gemeißelt, gesungen werden im Lande Andreas Hofers.
In den zwangsitalianisierten Schulen von suü- tirol wird den Kleinen, wenn sie ein deutsches Wort sprechen, eine grünweißrote italienische Flagge zum Küssen hingehalten — als „patriotische" Strafe. Einmal, als eine Lehrerin das wie- der tat, weigerte sich der Bub, dem es galt. Sie wurde zornig und schalt. Da rief die kleine Schwester des Buben ihr zu: „Tu's Grün doch weg, dann wird er sie schon busserln!"
Rotweiß sind die Tiroler Farben. Sie werden auferstehen!
Kultur. Wir wollen so bleiben, selbst wenn man diese unsere Gastfreundschaft mißbraucht und wenn man sehr primitiv gekleidete Individuen durch die Straßen unserer Städte wandeln sieht. Aber niemand darf ich der Täuschung hingeben, Italien durch einen Boykott seines Reiseveäehrs gewinnen zu können. Italien lebt von ganz anderen Dingen und Der- ügt über ganz andere Kraftquellen. Tlebrigens kommen viele dieser Leute nicht nach Italien, um uns Geschenke zu machen, sondern u m z u p a r e n.
Auf jeden Fall aber will ich zu der Frage des Boykotts erklären, daß, wenn morgen dieser Boykott praktisch durchgeführt würde und wenn er die stillschweigende Zustimmung der verantwortlichen Behörde hätte, so würden wir mit einem Boykott im Quadrat und auf eventuelle Repressalien in der dritten Potenz antworten.
Wenn ich so spreche, so glaube ich, aufs beste der Sache der Wahrheit und der Kultur und elbst der Sache des Friedens zu dienen. Einige haben geglaubt, daß nach Protesten verschiedener Deutscher, die in Italien ruhig von ihren Han- würde. Das ist aber nicht eingetreten. Irn Gegen- delsgeschäften leben, all das ein Ende nehmen teil stehen wir jetzt vor der Rede, die der bayerische Ministerpräsident Held im Bayerischen Landtage gehalten hat. Er sagte: „Wir müssen alles tun, um zu einer Besserung der Lage in Südtirol zu gelangen und alles, was den Deutschen an der oberen Etsch die Freiheit geben kann. Von diesem meinem Plah'e aus muh ich den kräftigsten Protest gegen die brutalen Vergewaltigungen in Südtirol erheben." Ich ei> kläre, so sagte Mussolini daß diese Rede einfach unerhört ist, unerhört vorn diplomatischen Standpunkt aus, denn es bestand niemals, selbst vor dem Kriege nicht, eine Frage des deutschen Südtirol. Sodann aber wurde die Frage deS oberen Trentin durch die Friedens vertrage geregelt, und zwar durch den Vertrag von St. Germain mit Oesterreich. Es ist unerhört, von Vergewaltigungen und von brutalen Vergewaltigungen zu sprechen, die die faschistische Regierung im oberen Trentin begangen hätte.
Wir machen im oberen Trentin eine Politik der Jtalianität. Wir betrachten seine Bewohner als italienische Staatsbürger, indem wir dort unsere Gesetze zur Geltung bringen. Würden wir anders handeln, so hätten wir an der Grenze einen Staat im Staate.
In verschiedenen Fragen hat die faszistische Regierung für die Bedürfnisse jener Bevölkerung gesorgt, z. B. in der Frage der sogenannten lombardierten Anleihen. Ich muhte selbst eine Bauerndelegatton des oberen Trentin empfangen, die mir ein greifbares Zeichen ihrer Dankbarkeit übergeben wollte. Was Italien tat, ist nichts im Vergleich zu dem, was andere Staaten tun. Gerade heute seht die Tschechoslowakei ihre Maßnahmen für den Gebrauch der tschechischen Sprache in der staatlichen Verwaltung und hinsichtlich der deutschen Zeitun
diplomatische Stellungnahme aufge- Emigrantenbesitzes und Verwendung zu." Ausgleich der Kriegsschäden und zu einer Entschädigung der Oesterreich treu gebliebenen Tiroler Soldaten." Das waren die Vorschläge derjenigen, die heute protestieren.
Ich glaube, daß der Angelpunkt dieser ganzen Kampagne die Naturerscheinung der An- wissenheit ist.
Ich glaube, eine ganze Anzahl Deutscher kennen uns nicht, daß Italien 42 Millionen Einwohner auf dem begrenzten Raum seiner Halbinsel zählt und daß 9 oder 10 Millionen Italiener noch im Auslande wohnen. Aber vor allem kennen sie nicht unser Gefühl der Würde, unsere Moralität, und vor allen Dingen kennen sie nicht das faschistische Italien. Da sie Italien noch unter dem Gesichtspunkt einer pittoresken politischen Episode sehen, haben sie unsere ties- wurzelnden Kräfte nicht begriffen, die traditionellen Instinkte, die die Wurzeln unserer Bewegung sind, die ihr Leben gewährleisten und ihre Zukunft sichern. Man muß hoffen, daß sie es noch lernen werden. Auf alle Fälle lege ich Wert darauf, zu erllären, daß die italienische Politik in der Südtiroler Frage irrest um eine Linie nachgeben wird. Die.Brenuer- g r e n z e ist eine von der Hand Gottes gezeichnete Grenze. Die Zahl der Deutschen in Südtirol beträgt 180 000, während es in der Tschechoslowakei 3,5 Millionen sind. Don diesen 180 000 sind 80 000v erdeutschte Italiener, die wir wiedergewinnen wollen. Das andere sind 11 e - - berbleibsel barbarischer Invasionen aus der Zeit, wo Italien noch keine Macht für sich war, sondern der Kriegsschauplatz für andere Mächte aus dem Westen und aus dem Norden. Auch gegen sie werdest wir die Politik der Billigkeit anwenden. Dem deutschen Volke aber sagen wir: Wir wollen mit Dir in Freundschaft leben, aber Dir dabei ins Auge sehen? Meine Rede soll als eine politische und diplomatische Stellung'mahme aufgefaßt werden, und ich hoffe, daß sie denen, die dazu berufen sind, so verstanden wird, sodaß die italienische Regierung nicht zu konkreten Entschlüssen greifen muß, was geschehen würde, wenn morgen die deutsche Regierung die Verantwortlichkeit für das auf sich nehmen würde, was in Deutschland vorgefallen ist und was noch Vorfällen kann. Zum Schlüsse sagt Mussolini zur Brenner-Grenze: das faschistische Italien kann, wenn nötig, die Trikolore weiter vorwärts tragen, niemals aber diese dort niederholen. (Stürmischer Beifall im Hause.)
Darauf ergriff F a r i n a c c i das Wort und sagte: Die Kundgebung, die diese Erklärung des Duce auslöste, möge ein flammendes Zeugnis dafür fein, daß das Italien von heute nicht mehr so schwach ist wie das von gestern. Die Kammer vertagte sich auf unbestimmte Zeit.
Was man Tirol versprach!
Von Dr. Paul Rohrbach.
In den Erinnerungen des Präsidenten Wilson findet sich folgende S^lle (Band II S. 111):
„Unglücklicherweise hatte der Präsident die Brennerzone Orlando (dem italienischen Premierminister) zugesagt, wodurch etwa 150 000 (in Wahrheit 230 000) Deutsche an Italien überantwortet wurden — eine Tat, die er später als einen großen Fehler ansah und tief bedauerte. Es war geschehen, bevor er diese Frage sorgfältig studiert hatte, und jetzt war er gebunden und mitschuldig an Orlandos Forderung nach einer strategischen Grenze."
Während des Weltkriegs und beim Friedensschluß von Versailles wurde in die Welt hinausgerufen, daß kein Volk und kein Volksteil gegen seinen Willen politisch verhandelt und verschoben werden solle. Die Südtiroler sind Deutsche. Sie sind wie ihre Brüder nördlich des Brenners nahe Verwandte des österreichischen und des bayerischen Stammes. Gerade südlich vom Brenner hat die Bevölkerung im Jahre 1809 der Fremdherrschaft den grimmigsten Widerstand geleistet. Andreas Hofer stammte vom Sandhof im Passeier Tal, das bei Meran ins Etschtal mündet. Sein Standbild steht in Meran, und das Denkmal Walters von der Vogelweide steht in Boze n. Deutscher als diese Südtiroler ist keiner gewesen, der je zwischen Etsch und Belt geboren wurde!
Da Italien Großmacht ist, so wurden ihm beim Friedensschluß keine vertraglichen Schutz- ve stimm ungen für Minderheiten auferlegt. Es gab aber freiwillig die feierlichsten Versicherungen über diesen Punkt ab. Der. italienische Vertreter beim Friedensschl., ; von St. Germain, wo d>e neuen Grenzen Oesterreichs festgesetzt wurden, war der Senator Tittoui. Dieser gab in einer Rede am 27. September 1919 in der Abgeordnetenkammer in Rom im Namen der Regierung folgende Zusage:
„Italien wird auch 180 000 (in Wahrheit 230 000) Deutsche in sein Gebiet einschließen ... Polen, die Tschechoslowakei, Rumänien und Serbien find durch verschiedene Bestimmungen, die in die Friedensverträge eingeschaltet wurden, dazu verpflichtet, Sprache, Religion, Kultur, Schule und jede freie Betätigung der nationalen Minderheiten zu achten und zu respektieren — und es ist unbedingt notwendig, diese Bestimmungen aufrichtig und gesetzmäßig einzuhalten.
Italien hat, wie die übrigen Großmächte, feine gesetzliche Verpflichtung hierzu, aber nach meinem Empfinden besteht wegen der liberalen Traditionen, die Italiens Ruhm und Vorzug sind, eine große moralische Pflicht dazu.
Die Völker anderer Nationalitäten, die mit uns vereinigt werden sollen, wissen, daß uns der Gedanke einer Unterdrückung und Entnationalisierung vollkommen fern liegt, und daß ihre kulturellen Einrichtungen geachtet werden und ihre Verwaltungsbeamten alle Rechte unserer liberalen und demokratischen Gesetzgebung besitzen."
Die Berichterstattung über den Friedensvertrag hatte in der Kammer der Minister L u z a 11 i, im Senat der Fürst Colonna. Luzatti redete die Südtiroler Deutschen auf diese Weise an:
„Folgendes sagen wir den Deutschen, die uns die Notwendigkeit unserer nationalen Verteidigung zwang, an unser Reich anzugliedern:
Es muß eine Ehrenpflicht für die Regierung und das Parlament fein, den Deutschen, die nur wegen der absoluten Notwendigkeit der Grenzverteidigung angegliedert wurden, ihrs autonomen Einrichtungen zu bewilligen.
Abgesehen von den erforderlichen Maßnahmen für die militärische Sicherheit müssen sie sich frei u n b unbehelligt fühlen in der Ausübung ihrer kulturellen und religiösen Bedürf- niffe, in der Verwaltung und in der Wirtschaft, denn nur so folgt Italien den Traditionen der alten Römer."
Bei der Berichterstattung im Senat versprach der Fürst Colonna die weitherzigste Politik in bezug auf die „a b m i n i ft r a t i d e Autonc> - mte" bes neuen Gebiets, unb in ber Thronrede vom 1. Dezember 1919, an der Stelle, wo von den neuen Aufgaben in den neuangegliederten ©ebieten die Rede war, hörte man die königlichen Worte:
„Unsere freiheitliche Tradition wird uns den Weg weisen, auf dem wir bei größter B e °
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
Beilagen:
Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
Monatr-vezugrpreir:
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Frankfurt am Main 11686.
gen fest.
Ist es notwendig, dein italienischen Volke und der zivilisierten Welt die Absichten in das Gedächtnis zurückzurufen, die die Leiter des Pangernamismus für den Fall eines deutschen Siegs hatten? In einer in Vipiteno zusammen-- getretenen Versammlung verlangten sie wenige Tage vor unserem großen Sieg an der Piave, der den deutschen Träumen die Flügel gebrochen hat, von Italien das folgende: „Natürliche Grenzen zur Erleichterung der Verteidigung des Trentino und Oesterreichs, sowie Vereinigung der ehemaligen Gebiete der dreizehn Gemeinden und der sieben Gemeinden auf dem Plateau von Lavarene und Asiago mit Oesterreich, eine Grenzberichtigung, infolge deren sich Oesterreich über den Oberlauf der Flüsse Adda und Oglio bis zu deni Südufer d/.s Gardasees ausgedehnt hätte. Weiterhin eine große Kriegsentschädigung, Deutsch als Staatssprache, deutsche Hoheitstitel. Ablehnung der Schaffung von fremdstämmigen Grenzstaaten sowohl im Norden wie im Süden, Einheit und Unmittelbarkeit des Gebietes von Kufstein bis zur Etschklause. Versagung der Autonomie für das italienische Trentino. Einführung des Deutschen in sämtlichen Schulen, schärfster Kampf gegen die italienische orre- denta durch Begünstigung des deutschen Elements oder durch Vertreibung des irredenttsti- schen, bis schließlich das italienische Trentino aans und aar österreichisch geworden sei, keiner- ^eve ves .--z
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