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uns DorfteUcn, wie verblüfft der Archäologe jener Zeit fein wird, wenn er keinerlei Zeichen darin fin­det, daß die Lernenden auch als künftige Eltern b e.t r a ch t e t werden. Wir können uns ousmalen, daß er vielleicht schließen wird: Das muß der Studiengang ihrer E h e l o f e n fein." Das andere sagt Theobald Ziegler: Daß bei der Mäd- chenfchulreformder weiblichen Eigenart" so gut wie keine Rechnung getragen, sondern diese Schule in der Hauptsache an den Typus der höheren Knabenschulen angeschlossen würde, entsprach zwar den Wünschen der Führerinnen der Frauenbe­wegung und ihren auf absolute Gleichmacherei ge­richteten Bestrebungen, ist aber bezeichnend für die Gedankenarmut unserer Zeit."

Das alles soll Unsere Lehrerinnen davor behüten, daß sie sich nicht das Nest beschmutzen lassen, aus dem sie flügge geworden sind. Es soll sie aber auch beruhigen und trösten, daß ihr Eigenes doch auch seinen Wert behält. Die Oeffentlichkeii aber soll es davor bewahren, daß sie die Lehrerinnen alten Stils, die sich bewährt haben, nicht geringer achte, als die neuen, die sich doch erst bewähren sollen.

» i. 1-1 .^.aWTH .IMUMI-* - n.- i-wn.

Oöerhessen.

Landkncis Gießen

£ Wieseck, 8. Marz. Ein erschreckend trübes Bild zeigt ein Blick in die Statistik über die Erwerbslosigkeit in unserer Gemeinde. Wenn von anderswo ein Stillstand oder sogar ein Rückgang der Crwerbslosenzahlen gemeldet wurde, so macht sich hier ein stän­diges Steigen der Gesamtzahlen bemerkbar. Die Zahl der männlichen Erwerbslosen ist aller­dings um einiges gesunken, dafür ist aber die Erwerbslosigkeit besonders der in der Tabak­industrie beschäftigten weiblichen Arbeitskräfte ganz bedeutend in die Höhe gegangen. 3n den nächsten Tagen ermäßigen sich die Zahlen für die weiblichen Erwerbslosen vorübergehend, da vom Montag ab eine Filiale ihren Betrieb wieder eröffnet, allerdings nur für drei Tage in der Woche und auf die Dauer von 4 Wochen. Rach Ablaus dieser Frist soll die Filiale vollständig geschlossen werden, so daß von einer Besserung der Arbeitsmarktlage eigentlich nicht gesprochen werden kann. 3m einzelnen wurden im abgelau­fenen Monat unterstützt: Arn 1. März 124 Er­werbslose (103 Männer, 21 Frauen) mit 120 An­gehörigen als Zuschlagsempfänger: am 8. März 138 Erwerbslose (12? Männer, 11 Frauen) mit 157 Angehörigen: am 15. März 185 Erwerbslose (89 Männer, 96 Frauen) mit 110 Angehörigen: am 21. März 187 Erwerbslose (88 Männer, 99 Frauen) mit 106 Angehörigen: am 26. März 196 Erwerbslose (87 Männer, 109 Frauen) mit 108 Angehörigen: am 31. März 221 Erwerbslose (105 Männer, 116 Frauen) mit 120 Angehörigen. Außer dieser ungewöhnlich hohen Zahl Voll­erwerbsloser muß eine doppelt hohe Zahl Kurz­arbeiter auf Grund der gesetzlichen Bestim­mungen unterstützt werden. Die Zahlen hierfür sind: Am 1. März 403 (52 Männer, 351 Frauen), am 8. März 439 (58 Männer, 381 Frauen), am 15. März 460 (60 Männer, 400 Frauen), am

21. März 363 (55 Männer, 308 Frauen), am

26. März 386 (57 Männer, 329 Frauen), und

am 31. Marz 389 (59 Männer, 330 Frauen). Es waren am Monatsschluh also insgesamt 610 Personen aus den Mitteln der Erwerbs- losenfürsvrge zu unterstützen. Bei den 3500 Ein­wohnern unserer Gemeinde sind somit 18 Proz. der G e s am t b e v ö lker un g ohne aus­reichende Verdi en st Möglichkeit, ein Umstand, der sich im gesamten öffentlichen und geschäftlichen Leben äußerst unangenehm bemerk- , bar macht.

y Watzenborn-Steinberg, 7. April. Die Gottesdienste der Osterfeiertage waren überaus stark besucht. Am 1. Festtage wirkte in 7 Wagenborn der Kirchengesangverein mit und brachte zwei Lieder klangschön zu Gehör. Am v 2 Feiertage wurden in Wagenborn-Steinberg 54. Kinder (26 Knaben und 28 Mädchen) konfirmiert. In Garbenteich wurden am selben Tage 23 Kinder (15 Knaben und 8 Mädchen) eingesegnet.

Steinbach, 8. April. (Sine Selten­heit im Reiche der Pflanzenwelt birgt der nahe Hohe Stein, eine Dasält- kuppe, die atä Oedland über die Umgebung hervorragt. An den sonnigen Süöhängen, be­sonders an den Stellen, die senkrecht von den Strahlen der Frühlingssonne getroffen werden, blüht fetzt neben dem bescheidenen Hunger­blümchen in prachtvollem Blütenkleide die Pul-- satille vulgaris, zu deutsch Küchenschelle (eigentlich Kühchenschelle, Kuhschelle), eine Ane­

monenart. die mit ihren großen violetten Dlüten- gloden das Auge des Raturfteundes entzückt. Die Küchenschelle ist ein Kind des Ostens, in den ungarischen Putzten und den russi­schen Steppen am Politischen Meere ist ihre eigentliche Heimat. Als nach den Eiszeiten auch unsere Gegend Steppencharakter trug, ist sie mit anderen pontischen Floraelementen nach Westen vorgedrungen und auch bei uns hei­misch geworden, hat aber das nordwestdeutsche Flachland nicht erreicht. Wo sich günstige Le­bensbedingungen heute noch bieten, finden wir die Küchenschelle mit anderen Sonnenkindern noch als Reste einer in der Vorzeit zusammenhängen­den Flora nur noch an vereinzelten zusammen­hanglosen Stellen des ehemaligen Verbrei­tungsgebiets auch in unserer oberhessischen Hei­mat. Es läßt sich aber nachweisen, daß sie von manchem Standorte, der in älteren botanischen Werken genannt wird, bereits verdrängt worden ist: denn die fortschreitende Kultur ist ein Feind der botanischen Seltenheiten. Auch auf dem Hohen Stein kommt die Küchenschelle nicht mehr so zahlreich vor, wie friUjer. Die mit Radelholz begonnene Aufforstung des Basalthügels wird dazu beitragen, daß sie auch hier mit der Zeit verschwindet. 3m 3nteresse des Ratur - und Heimatschuhes wäre es erwünscht, daß ein­zelne Stellen des Südhangs von der Bepflan­zung ausgeschlossen würden, falls die Auffor­stung des ganzen Hügels geplant sein sollte. 3n Preußen ist die Küchenschelle bereits allent­halben geschützt.

3 Wirberg, 8. April. Am 2. Osterfesttag fand die Konfirmation der Konfirmanden des Kirchspiels in unserer Kirche statt. 29 Kon­firmanden wurden konfirmiert, 13 Knaben und 16 Mädchen, die sich auf die einzelnen Gemeinden verteilen: Beltershain 3. Göbelnrod 7, Harbach 10, Reinhardshain 8. Wirberg 1. Die Kinder hatten, wie alljährlich, das Gotteshaus festlich geschmückt, und wohl auch unter dem Einfluß des herrlichen Frühlingstages war das Gottes­haus gefüllt von der zahlreichen Gemeinde. Dankbare Anerkennung fand bei den Besuchern das Werk, das die Gemeinde Saasen durch ihre Arbeitslosen an unserem kleinen Fried­hof in der Karwoche hat schaffen lassen. Die alte Mauer wurde abgetragen und eine neue errichtet, der Gottesacker, der Rest des großen für die Gemeinden des Kirchspieles, hat dadurch ein würdiges Aeußeres erhalten.

bs. S t e i n h e i m, 7. April. Bei der gestern abgehaltenen Holzoersteigerung wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Das mag zum Teil daran liegen, daß für dieses Jahr das Los­holz nur in 14 Raummeter Hartholz, Buchen und Eichen gemischt, und 1 Raummeter Buchenreisig be­stand, gegen sonst fast nur ein Drittel. Es kostete 1 Raummeter Buchenscheiter 20 Mk., 1 Raummeter Buchen-Knüppcl 1820 Mk., Eichenscheiter 12 Mk., Eichen-Knüppel 10 Mk., Kiefern-Knüppel 8 Mk., Fichten-Knüppel 6 Mk., Eichen-Reisig 45 Mk., Eichen-Reisig 34 Mk., Fichten-Reisig 3 Mk. Am 2. Feiertage wurde eine markante Persönlich­keit unseres Dorfes, Heinrich D ö p f e r, zu Grabe getragen. Er war ein Gründer unseres Gesangver­eins und 48 Jahre Mitglied desselben. Seit fünf Jahren war er Ehrenvorstand.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 8. April. Heber den obst­reichen Taunushang hat sich jetzt ein un­ermeßliches Dlütenm ecr gebreitet. Frühobst und Dirnen stehen in voller Blütenpracht, die Dlütenknospen der ftühen Apfelsorten find am Aufbrechen. Ein gand besonders bezauberndes Frühlingswunder sind aber die großen Kirschen­kulturen bei Ockstadt und R o s b a ch v. d. H.. die gerade zum Osterfeste ihr Weißes Dlüten- kleid angelegt hatten, wesentlich früher als in 3ahren mit normalem Witterungsverlauf. Ros­bach und Ockstadt waren denn auch zu Ostern das Ziel ungezählter Ausflügler.

sf. Friedberg, 8. April. 3m vorigen Herbst wurde Geh. 3ustizral W a r t h o r st (feft- her Oberamtsrichter am hiesigen Amtsgericht) zum Direktor der Bezirkssparkasse Ma­th i l d e n st i f t gewählt, da man bei den teil­weise ziemlich schwierigen Aufwertungsfragen die Beihilfe eines erfahrenen 3uristen für wichtig hielt. Run hat der neue Direktor sein Amt schon wieder niedergelegt, da sein Gesund- h^tszustand ihm die Weiterführung nicht tun­lich erscheinen läßt. Der mit der Aufwertungs- frage am hiesigen Amtsgerichte beauftragte Amts­richter T h u r n wird nun nebenamtlich bis zur Wahl eines definitiven Direktors diese Ange­legenheit am Mathilden stift weiter erledigen.

Bestattung auf See.

Von Leo Matthias.

Er kam mit jenen an Bord, die nicht auf­hören zu hoffen und die Kapitäne und Zahl­meister aller Schiffe der Welt mit Fluch und mit Flehen beschwören, Erbarmen zu haben mit einem Dreimalgeschlagenen.

3hre Geschichte ist immer die gleiche. Sie haben in Europa jahrelang ihre Haut verkauft, um das Unmögliche, den Preis für die Ueber- fafjrt zu erschwingen und es ist ihnen schließ­lich geglückt: aber das Mögliche, in San Do­mingo, in Havanna, in Santos, Frau und Wurm vor der Straße zu retten, blieb unerreichbar. Von der Hitze zerfressen, Zeugen jeder Verzweif­lung, liegen sie am Rande des Ozeans wie De­portierte und stieren. 3eder wäre bereit, mit feiner Zunge das Deck zu säubern, wenn er die Möglichkeit hätte, das Rest seiner Geburt noch einmal zu sehen. Tag und Rächt wechseln für sie mit der Einfahrt und Ausfahrt der Dampfer.

Es waren etwa dreißig Mann, die, wie immer, abgewiesen wurden. Kapitän, Zahl­meister, Offiziere jagten wie Spinnen über das Deck, um zu verhindern, daß sich einer ver­steckte. (Sin blinder Passagier verursacht end­lose Schreibereien: unter Umständen ist die Ge­sellschaft verpsllchtet, ihn wieder zurückzubringen nach San Domingo, nach Havanna, nach Santos ...

Daß man ihn schon am ersten Reisetage sand, war ein Zufall. Er fiel während des Essens vom Stuhl. 3m Lazarett stellte man fest, daß sein Rame in den Listen fehlte.

Am zehnten Reisetage war er tot. Seine Hinterlassenschaft bestand in fünfzehn Pesos und einem Brief nach Barcelona an seine Frau.

3n der zweiten Rächt wurde er versenkt. Der Versuch, durch eine Sammlung die Kosten für einen Zinnsarg aufzubringen, um die Leiche in Spanien zu bestatten, blieb erfolglos. Der Versuch, durch Funkentelegramm die Erlaubnis zu erhalten, in Vigo einen Holzsarg einzuliefern, scheiterte an der Hartnäckigkeit der spanischen Behörden.

3n der zweiten Rächt, punkt halb zwölf, sing die Maschine an, langsamer zu hämmern. 3n der Mitte des Ozeans, von einem halben Dutzend fröstelnder Menschen umgeben, gingen zwei Amerikaner zum Heck, stellten sich an die Enden des Sarges und lasen stumm einige Ge­bete.

Punkt zwölf kam das KommandoStop". Seit zehn Tagen stand die Maschine zum ersten Male still. Cs war, als ob das Firmament aur= horte, sich zu drehen. Lautlos und schwankend, zerschnitten von den Schatten der Maste, lag die ungeheure Schisssmasse im Sternenlicht.

Wie ein Rettungsboot wurde der Sarg vom oberen Deck heruntergelassen. Ruckweise, auf leises Kommando, sank er bis zur unteren Reeling.

Sin Seil fiel aus der Rolle.

Vor unseren Augen schlug eine viereckige schwarze Kiste aus ungehobelten Brettern, schief wie eine zerrissene Schaukel, hin und her. Durch die Wasserlücher des Deckels sah man die Um­risse des Leichnams.

Einige spanische Dauern hatten den Mut, zuzugreifen. Sie zogen den Sarg an den Seilen sich heran so daß es aussah, als ob sie jemanöen aus der Folter binden wollten, warfen einige Münzen durch die Löcher und drückten dann das Ganze über Dord.

Wie ein Forellenkasten trieb der Sarg quer durch das Mondlicht dann warf ihn eine Welle in das Dunkel, und er fing langsam an zu sinken.

Die Kommandos wurden wieder laut ge­geben.

Tausend Passagiere setzten ihre Reise fort.

Dom Reis.

tfür gut ein Viertel der gesamten Erdenbewoh- ner bildet der Reis einen wichtigen Bestandteil der täglichen Nahrung. Für Millionen ist er fast das einzige, für weitere Millionen das hauptsächlichste Nahrungsmittel. In China, Japan und Korea, auf den Sunda-Inseln und den Philippinen, in Vorder-

Zl Bad-Rauheim, 8. April. Unser Bad erfreute sich zu Ostern eines sehr regen Desuches. Die von der Dad- und Kurverwaltung getroffene Reueinrichtung einer Vorzugskur­taxe für die Ostergäste wurde von den Desuchern angenehm empfunden. Groß war auch das Heer der Passanten, die an den Feier­tagen hier weilten. 3hre Anwesenheit kam vor allem den Ausflugsstätten in unmittelbarer Rähe der Stadt zugute. Die Zahl der Kurgäste feit 1. 3anuar 1926 hat bis jetzt etwa 2000 erreicht, von denen 800 zur Zeit noch hier anwesend sind.

Butzbach, 8. April. Hier wurden in diesem 3ahre 58 Kinder konfirmiert, 31 Knaben und 27 Mädchen. Zu den rührigsten Vereinen am Platze zählt die hiesige Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft, die unter Leitung des alten Kameruners Oberst­leutnant a. D. Leßner es nicht nur verstanden hat, das koloniale 3nteresse wachzuhalten, son­dern darüber hinaus weiteste Kreise der Be­völkerung dafür zu begeistern. So hat es die Abteilung zu einer Mitgliederzahl gebracht, wie sie von keiner zweiten hessischen Stadt aufzu­weisen ist. And das alles wurde erreicht durch Lichtbildervorträge mit bekannten Kolonialdeut­schen als Rednern. Solche Veranstaltungen fan­den in jedem Winter mehrere statt, jedesmal vor überfülltem Saal. Ein voller Erfolg war auch wieder der letzte dieswinterliche Vortrag, den Frau von Hecker-Staff über ihre sehr interessanten Erlebnisse in Deutsch-Südwest-Afrika hielt.

bs. W o h n b a ch, 8. April. Eine uralte O st e r s i 11 e ist hier noch in Hebung: der soaenannte Maientanz. Mit bewundernswerter Zähigkeit hält unsere Dorfschaft an diesem Brauch fest, der vermutlich mit seinen Wurzeln ins graue Heidentum zurückreicht und eine gewisse Ähnlichkeit mit der germanischen Julradseier hat. Am Karsamstag holen die Kinder, die in einem Jahre aus der Schule kommen, eine Fichte von mittlerer Höhe, die Maie, aus dem Wald. In einem Festzug der Schuljugend wird sie gegen Abend durch das Dorf getragen, wo­bei die Ziehhaumonikaspieler undMaulorgel"musi- kanten die Spitze bilden. Die Nacht über kommt die Maie in eine verschließbare Scheuer, damit Schäkerer nicht den Stamm entrinden, wodurch sie eine gewisse Entweihung erführe. Am Dfteffonntag werden die Maienbänder gesammelt. In jedem Haus sprechen die Kinder vor und bitten umsMajeband". Die Hausfrau holt es aus der Lade, worin es fein ge­bügelt und mit Namen versehen aufbewahrt ist. Die verschiedenartigsten Farben, mit den mannigfaltig­sten Stickereien versehen, teilweise schon aus Groß­mutters Zeiten stammend, kann man finden. Nun wird die Maie geschmückt, um am Ostermontag um 4 Uhr nachmittags auf dem Maienplatz, einem Ge­meindegrasplatz vor dem Dorfe mach Münzenberg zu gesteckt" zu werden. Buchstäblich die ganze Ge­meinde ist versammelt, in bester Festkleidung. Die Maienkinder tanzen zur Musik eines Harnwnika- spielers, und auch der übrigen Schul- und schulent­lassenen Jugend ist es ab und zu gestattet, einen Tanz zu machen. Erst wenn die Nacht hereinbricht, wird für diesen Tag Schluß gemacht. Bereits um 10 Uhr des letzten Östertages beginnt das Festspiel von neuem. Nach Sonnenuntergang zieht dann Kind und Kegel mit der geschmückten Maie durch die Dorfstraßen: die Maie wird abgeschmückt und dem Ortsoberhaupt überbracht. In früheren Jahren wurde sie versteigert und der Erlös dafür von den Maienkindern einem guten Zweck zugesührt. Bei Regenwetter wird der Maientanz in einer geräu­migen Scheuertenne abgehalten.

Kreis Büdingen.

h. Ridda, 8. Aprll. Bei der heute vom Forstamt Ridda abgehaltenen letzten Brenn- holzversteigerung waren die Preise etwas niedriger als bei den vorhergegangenen Ver­steigerungen. Es wurden gelöst für einen Raum­meter Duchenscheit 1. Klasse durchschnittlich 10 Mark. 2. Kl. 8 Mk.. Buchenknüppel 8 Mk., Fichtenknüppel 4 Mk.. Buchenstöcke 4 Mk. und Buchenstanunreisig 1,50 Mk.. gewöhnliches Reisig 1 Mk. Die Bautätigkeit scheint hier in diesem 3ahre nicht so rege zu werden, wie im vorigen. Bis jetzt hört man nur von geringen Aussichten auf Reubauten. Doch haben die Bau- Handwerker noch volle Deschästtgung, weil die im Herbste aufgeführten Rohbauten nun voll­endet werden. Wenn auch diese bezogen sind, bleibt hier der Wohnungsmangel immer noch bestehen. Rur der Bedarf einzelner möblierter Zimmer scheint jetzt gedeckt zu sein.

)( Ortenberg. 8. April. Am Oster­montag wurden hier 13 Knaben und 6 Mädchen konfirmiert. Die Kirche war reich ge­

und Hinterindien, auf Ceylon und Madagaskar wird er in größtem Umfang angebaut; das Land des Schah, 'Aegypten und die Ebene des Po, ferner der Süden der Vereinigten Staaten und Brasilien haben ebenfalls ausgedehnte Reisfelder aufzuweisen: und alle Gegenden aufzuzählen, wo diese weiß­körnige Nährfrucht in weniger intensiver Weise ge­zogen wird, würde ganze Seiten füllen. Die Oasen Mittelasiens, wie das Tropengebiet des dunklen Erdteils, Spanien und fein Nachbarland Portugal, die interessanten Länder der Balkanhalbinsel wie jene Mittelamerikas und Westindiens, sie aUe weisen mehr oder minder ausgedehnte Gebiete auf, wo der Reis gewonnen wird. Verzehrt wird er heute fast auf dem ganzen Erdenrund, und in Deutschland, wo er erst in den fünfziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts sich einzubürgern begann, hat er heute ebenfalls schon eine nach Millionen zählende Gemeinde von Perehrern.

Die hohe Bedeutung aber, die er für die Länder seines Hauptvorkommens besitzt, geht mit eindring­licher Klarheit aus dem Umstande hervor, daß er sich dort vielfach fast göttlicher Verehrung erfreuen darf, und daß man ihm eine Seele zuspricht. Bei manchen Eingeborenenstämmen des indischen Archi­pels und der Simdainseln bezeichnet ein und das­selbe Wort die Menschenseele sowohl wie die Reis- seele. Diese Seelen denken sich die Eingeborenen unter mancherlei Tiergestalten, und bei der Ernte wird alles' vermieden, was sie irgendwie beleidigen oder verletzen könnte. Natürlich fehlt es nicht an Priestern, Zauberern, «chamanen, deren Amt es ist, die einmal unvorsichtigerweise beleidigte und dadurch vertriebene Reisseele zu beruhigen'und zu versöhnen. Der Anbau von Reisfeldern beruht überall auf dem Vorhandensein genügender Wasser­mengen, und wo die natürlichen Niederschläge nicht hinreichen, muß durch künstliche Bewässerung dafür gesorgt werden, daß die Reisfelder Monate hindurch unter Wasser stehen. In Japan und China hat man schon vor vielen Jahrhunderten ausgedehnte Be­wässerungsanlagen geschaffen, und Italien ist wegen der Dortrefstichkeit solcher Anlagen bekannt. Es liegt auf der Hand, daß diese sumpfigen Felder, die sich oft in ungeheurer Ausdehnung über ganze Gebiete erstrecken, vom hygienischen Standpunkt aus be­

schmückt. der Gottesdienst wurde durch je zwei Chöre der Konfirmanden, sowie des Kirchen­chors verschönt. Auch die übrigen Gottesdienste der Feiertage waren gut besucht. Für die Der- schiedsnsten Zwecke gingen 195 Mk. ein. Zur Schulaufnahme kommen 22 Kinder, so daß die Durchschnittszahl der Vorkriegsjahre fast wie­der erreicht ist.

Starkenburg.

Offenbach, 8. Aprll. (WER.) Hier hat die Arbeitslosigkeit wieder eine kleine Zunahme erfahren. 3m Bereiche des Ar­beitsamtes Offenbach-Stadt und -Land sind zur Zeit 19 015 Personen arbeitslos, gegen 18 913 in der Vorwoche.

Rheinhessen.

* Mainz, 8. April. Der Haushalts­voranschlag der Stadt Mainz für 1926 weist einen ungedeckten Fehlbetrag von 2 764 576 Mark auf. ,

MSR. Mainz, 8. Aprll. Der Wiener Männergesangverein wird gelegentlich seiner Rheinreise am Montag, 14. 3uni, dem ihm befreundeten M a i n ze-r^Lie d er- kranz einen Besuch abstatten. Die Wiener Sänger werden um V312 Uhr von Köln kommend hier eintreffen, um dann mit den Mainzer Sangesfreunden in der Stadthalle einige ge- mülliche Stunden zu verbringen. Um 4 Uhr er­folgt dann die Weiterfahrt.

Preutzen.

Dillkreis.

bl. Eisemroth, 8. Apoll. Ein Wald­brand vernichtete in hiesiger Gemarkung einige hundert Quadratmeter Fich­te n st a m m h o l z. Der Brand soll durch unvor­sichtiges Hantieren beim Abbrennen von Hecken entstanden sein.

bl. H e r b o r n, 8. April. Ein auf der Fahrt von Rennerod nach Dicken befindliches L a st­au t o fuhr unweit des Steinringberges auf der Rother Landstraße beim Ausweichen vor einem Trupp von Radfahrern die Böschung hinab und überschlug sich. Der Fahrer und die übrigen 3nfaffen konnten rechtzeitig abspringen. Der Wagen tmtrbe stark beschädigt.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Arn ts verkündig ungsblatt Rr. 28 vom 6. Aprll enthält: Aufruf zur Reichs- gesundheitswoche. Feuerlöschwesen im Kreise Gießen. Vergnügungssteuer. Schonung der Wälder. Eingabe der hessischen Schulbuch­handlung Emil Roth in Gießen. Dienstnach­richten.

Rundfunk-Programm

des frankfurter SenderS.

(Aus derRadio-Umschau".)

Samstag, 10.2tyriL

11.3012.30 Uhr: Sonderkonzert für die Mainzer Funkarlsstellung. 3.304 Uhr: Die Stunde der 3ugenb: Aus dem deutschen Lieder­kranz (Liedervorträge Frankfurter Schulen): Kuh­waldschule, 2. Mädchenklasse. 4.205.20 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Gaetano Donizetti. 5.206.10 Uhr: Uebertragung von Darbietungen der Mainzer Funkausstellung: Mämrerchvrver- einigung an der städtischen Musikschule Mainz. 6.156.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungs­kursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 6.457.15 Uhr: Funkhochschule Frank­furt:Die deutsche Volksballade", Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 7.157.45 Uhr: Be­amtens ortbildungskurse 3. Vortrag:Deutsch­lands Währung und Währungspolittk in Ver­gangenheit und Gegenwart", Vortrag von Dr. Fritz Reumark. 7.458.15 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung. 8.159.15 Uhr: Arien- und Liederabend. 9.1510.15 Uhr: Uebertragung von Kassel: Liederabend Della Gotthelft. Anschließend bis 12 Uhr: Uebertra­gung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funk­kapelle.

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trachtet, mancherlei schlimme Begleiterscheinungen aufweisen. Gefährliche Fieber, namentlich Malaria, sind die Folgen der ungesunden Ausdünstungen, und so hat sich z. B. die italienische Regierung schon vor Jahrzehnten veranlaßt gesehen, den Anbau von Reis von ganz bestimmten Anforderungen abhängig zu machen und das Ueberhandnehmen der Reisfel­der einzuschränken. Die Folge davon war ein merk­licher Rückgang in der italienischen Reisproduktion. Während z. B. im Jahre 1894 dieses Land noch eine mit Reis bebaute Fläche von 165 000 Hektar mit einem Ertrage von 5 738 000 Hektoliter auf- weisen konnte, produzierte es bereits zwei Jahre später nur noch 3 726 240 Hektoliter.

Als Handelsartikel spielt der Reis eine ungemein wichtige Rolle. Dafür einige Zahlen:

Deutschland führte z. B. im ersten Jahre des neuen Jahrhunderts nicht weniger als rund 75 Mil­lionen Tonnen Reis ein, die einen Wert von 29 045 Millionen Mark repräsentierten. Britisch-Jndien besaß im Jahre 1896 eine Anbaufläche von 26 000 000 Hektar mit einem Jahresertrag von 25 000 000 Tonnen, wovon eine nicht unbeträcht­liche Masse nach Deutschland gewandert sein mag, das seinen Bedarf an ungeschäitem Reis zum über­wiegenden Teile in Britisch-Ostindien deckt.

Neben den Millionen fleißiger Hände, die beim Arbeiten, bei der Pflege und der Ernte des Reises in Tätigkeit gesetzt werden, gibt es noch ungezählte Arbeitsmassen, die in der auf diesem Produkt be­ruhenden ausgedehnten Industrie Beschäftigung fin­den. So hat beispielsweise Bremen drei und Ham­burg fünf gewaltige Reismühlen, wo der ungeschälte Reis, der sog. Paddy, durch Entfernung der Spel­zen, Abschälen des inneren feinen Häutchens und durch Abschleifen der Körner zum sog. polierten Reis umgewandelt wird, der dann als Nahrungs­mittel in den Handel und auf unseren Tisch kommt.

Auch zur Herstellung berauschender Getränke findet der Reis, namentlich in asiatischen Ländern, umfangreiche Verwendung, und dem Koreaner ist sein Reiswein und seine Reisweinschenke fast un­entbehrlich. Der Reiswem soll übrigens ein ganz heimtückischer Geselle sein, und wehe dem Fremden, der sich zu unvorsichtig seinem Genüsse hingibt.

A.B.

V