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Stettag, 9. April 1926

(Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien)

Ht. 82 Zweites Blatt

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liche Rolle, gab seine Schuld zu und bat um ein mildes Urteil. Kerker im Tower, 40 000 Pfund Geldstrafe und dauernde Unfähigkeit, em Staatsamt zu bekleiden, so lautete es. Aber Iacob I. hatte wohl Grund, ihn milde zu be­mänteln; so wurde die Geldstrafe erlassen, das Gefängnis aufgehoben und nachher sogar dem gestürzten Lordkanzler eine Pension gezahlt Er trat aber nicht mehr öffentlich auf, sondern blieb, selbst als Karl I. das Urteil der Peers­kammer ganz aufhob, seinen wissenschaftlichen Arbeiten treu. Sn ihrem Dienste, bei einem Experiment im Schnee, soll er sich die Lungen­entzündung zugezogen haben, ter er am 9. April 1626 erlag.

Dacon hat in einem seiner Werke zwei Arten von Forschern unterschieden: die einen seien zum Unterscheiden veranlagt, die anderen zum Verbinden schon gewordener Ergebnisse. Er selbst hatte den weiten Blick der zweiten Art, er sah ferne Durchblicke und läßt sie uns sehen, aber selten führt er in Tiefen. 3m Grunde leugnete er das Innere, das Wesen der Dinge sah er in ihrer Einordnung, in der richtigen Stelle, die sie in seinem Organum einnehmen; im Grunde war er ein Nützlichkeits-Engländer. Er wirkie sehr stark auf die Grundanschauungen und Methoden seiner Zeit, und als sich d'Alem- bert entschloß. seine große unD_ bahnbrechende Encyklopädie herauszugcben. gründete er sein System auf die Einteilungen und Pläne, die Bacon von Berulam den Wissenschaften in seinem Organum gegeben hatte. Die Gewalt neuer Er­kenntnis. vor allem die neuen Wege der Natur- Wissenschaften, haben heute diese Form überall

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gerühmt, wogegen wirkliche Raturforscher schon längst nachgewiesen haben, daß Francis Bacons Methoden nicht die Methoden der exakten Ra­turwissenschaft ist, und daß die heutigen Me- thoden echter Raturforschung zu Bacons Zeiten schon üblich waren und zu glänzenden Ergeb­nissen geführt hatten, über die aber man denke an das Lebenswerk des Kopernikus, Gali­lei. Harvey, Gilbert usw. sich Francis Bacon lustig macht, völlig unfähig, das Wesen der Raturerforschung auch nur zu begreifen. Man vergleiche hierüber namentlich die drei Arbeiten Iustus von Liebigs aus den Iahren 1863 und 1864 die ein für allemal abschließend sind. Hübsch ist auch das Urteil Goethes über den Lordkanzler und Biscount Francis Bacon:Das Haupt aller Philister und Darum ihnen auch so zu Rechte!"

1561 in London geboren, war er mit 14 Jahren Student in Cambridge; nicht wohlhabend, von Graf Eifer unterstützt, weshalb Bacon als dieser in Ungnade fiel, zu Hofe gmg und die Anklageschrift gegen seinen Gönner schrieb. Das erstrebte Hofamt blieb aber aus. der Verrat war umsonst begangen. Erst Iacob I. zog ihn zu nicht näher bekannten juristischen Diensten heran und. einmal aus der Leiter und vom Ruhme seiner schriftstellerischen Tätigkeit be­leuchtet, landete Bacon mit 58 Iahren als Lord- kanzler. Zwei Iahre später wurde der große Philosoph in einen überaus häßlichen. P^ö^ß verwickelt, seine an Voltaire erinnernde Geld­gier trug ihm eine Anklage wegen Bestechlichkeit im Amte ein. die vor der Peerskammer ver­handelt wurde. Er spielte hierbei eine klag-

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Stands Bacon von verulam.

'Zuseinem30 0. Todestage am 9. April.

Von Dr. F. Ernst.

Der Rame Bacon ist den Engländern ge­segnet gewesen; er gab ihnen zu ganz ver­schiedenen Zeiten zwei ihrer größten Geister, Die beide auf demselben Felde ihre Lorbeeren pflückten. Roger Bacon, der Doctor mirabilis, ter wundersame Meister, 1214 geboren, und Francis Bacon von Verulam, ter unter Iacob I. Lordkanzler, Baron und Discount wurde. Der Erste begeistectes Mitglied des jungen Franzis­kaner-Ordens, aber ein Weltgenie, besonders auf tem Gebiete der Naturwissenschaften, der seines germanischen Wahrheitsdranges wegen Jahr­zehnte lang in den Gefängnissen sah, wie später Giordano Bruno und Galilei, Der Entdecker der Vergrößerungsgläser, Der Strahlbrechung, Der Perspektive, Der Feind der verknöcherten Scho­lastik, die an seinem Werke starb, der große Astronom und Mathematiker, der bedeutendste Vorläufer der Reformation.

Francis Bacon von Verulam ist aus ganz anderem Holz. Er stellte zwar in seinem Novum organu m in charakteristischer britischer Überheblichkeit läßt er den Namen an Aristoteles anklingen eine Art Kosmos, eine Uebersicht über Die ganze Erkenntnis feiner Zeit auf. er will darin Die Raturerkenntnis er­weitern. hat aber selbst nie an mathematischer und naturwissenschaftlicher Arbeit teilgenommen. In jedem philosophischen Lehrbuch wird er noch .immer als der Begründer einer neuen Epoche

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wirtschasts-politischem Gebiete, nicht sobald offen­bar geworden wäre. Zum Schein machte er da­mals seinem eigenen Außenminister, dem ver­storbenen Take Ionescu, Platz, dessen Re­gierung jedoch knappe drei Wochen dauerte. Damals, im Februar 1922, kam Die liberale Partei Ionel Dratianus zur Regierung, und aus ihren Händen hat nunmehr wieder General Averescu Die Macht empfangen.

Der Schritt von Averescu zu Bratianu und von Bratianu wieder zu Averescu ist also im Grunde nicht sehr groß, trotzdem fallen die te- teutsamsten iimerpolitischen Entwicklungen in diese Zeit. Für Ionel Bratianu galt es wirklich ichöpferische Arbeit zu leisten, wenn dieses aus vier historisch, geographisch und ethnographisch grundverschiedenen Teilen zusammengeklebte Reich nicht bei dem ersten Anlaß auS dem Leim gehen 'vllte. Bei dieser Arbeit hat er die bedingungS- 'vse Unterstützung dreier Faktoren gehabt: des ' ö ni glichen HauseS, des Parlaments und des Militärs. DaS königliche Haus hatte schon in dem Vater des Ionel Bratianu, tem Freund Bismarcks, einen verläßlichen Be­rater gehabt und der Sohn sowie dessen jüngerer Bruder, Dentila Bratianu, ter Finanzminister, waren nicht minder treue Anhänger der Dhna- "tie und eines geregelten Staatslebens. In der ' gefährlichen Rachbarschaft Rußlands und Bul­gariens konnte die Dynastie damals keinen besse­ren Regierungschef finden als Ionel Bratianu. Da dessen Partei damals aber nur über sieben Mandate verfügte und man doch im Zeitalter der neuentteeften Demokratie ein gewisses Ge­sicht wahren wollte, überließ man ihm die Aus­lösung ter Kammern und die Durchführung der Reuwahlen und das Ergebnis war noch erfolgreicher als bei Averescu im Iahre 1921, denn aus den sieben Mandaten wurden fast 280. Die folgsamen Beamten und Militärs hatten bei Dieser Gelegenheit allerdings fast zu viel des Guten getan und so erhob sich im ganzen Lande, einschließlich des Generals Averescu, des­sen Partei mehr als dezimiert worden war, ein Sturm ter Entrüstung, ter selbst dieser Dikta­torennatur hätte gefährlich werden können, wenn Die Krone damals nicht die Deckung des Mini­sterpräsidenten übernommen hätte. So wurden die Wahlen trotz hundertfach erwiesener, schwer­ster Mißbräuche nicht annulliert und mit Hilfe dieses zweiten Faktors, der gesetzgebenden Kör­perschaften, war es Bratianu leicht, jedes te-

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Man spricht heute so gern von B e r u f se t£o s, um mit einem Fremdwort die unaussprechliche tfuue dessen zu bezeichnen, was an Unsagbarkeiten und Un­wägbarkeiten den Wert der Erziehungspersönlichkeit über das bloße Wissen und die Lehrroutme hinaus bedeutet und wirksani macht: Berufsstimmung, -ge- sinnung, -Hinnahme, -Wertung in Gemütslage, WeU- und Lebens, und Pflichtauffassung, aus Bewußtem i>nd Unbewußtem gewoben, ein Lebensgrund und eine Lebenseinheit auch für Streben und Wollen. Im Lichte dieses still wachsenden Berufsethos vier lange Jahre lebten, studierten, fühlten und richteten früher die werdenden jungen Lehrerinnen, recht ge­leitet, angeregt, durch Beispiel und Vorbild ihrer Lehrerinnenbildnerpersönlichkciten erzogen, sich in ihre Lebensaufgabe ein. Psychologie und Pädagogik, Didaktik und Methodik aber gaben der erarbeiteten Fülle allgemeinbildenden Wissens Niindung, Einheit, Werteinsicht, Verwendbarkeit; gaben cs die vier Jahr in eigenen Stunden neben dem sonstigen wis- senschastlichen Unterricht und seiner Eigenarbeit her­gehend, doch länger, tiefer, organischer, als was so all die neuere gelegentliche Nebenbeiphilosophie der neuen Pläne wird bieten können, gaben es auch wieder sparsamer, abwechslungsreicher, weniger er- müdend, lebendiger, immer wieder von dem frischen, bunten Sachgehalt der anderen Wissenschaftsfächer durchflochten, als es künftig die Akademie mit ihrem Ueberwiegen von Blohpädagogik und Bloßmethodik wird geben können. Da ging die Geschichte der Er­ziehung mit der Geschichte des Geisteslebens, ihren Idealen und Wirkensformen, ihrem Auf und Ab als eine Weife der einen großen Menschheits- und Menschenerziehungsarbeit Hand in Hand, und etwa auch große Dichter, Denker und Staatsmänner wur­den so als Erzieher verstanden, gewürdigt, erlebt, als Dauergut der eigenen Persönlichkeit in Besitz ge­nommen. Da bot für alle psychologische Arbeit, daß sie sich vor abstrakter Naturwissenschastlichkett hule, für Beobachten, Begreifen, Verstehen, lebensvollstes Schauen und Verwendung neben Dem Eigenunter­richt des Faches Religion und Dichtung, Natur und Geschichte täglich reichsten Stoff, und Psychologie, die auch an den philosophischen Bedürfnissen und Problemen der Menschheits- und Menschenseele nicht vorübergeht, denn sie sind Probleme auch denkend reisender Jugend, gewann sich hier Farbe, Leben, Fülle, Alltagswertbeständigkeit, gab dem Menschen­leben in sonst allerlei Wissenschast vertieftes, ver­einheitlichtes, nacherlebtes Verstehen.

Ja, so dachte und fühlte und gewöhnte sich hier» die junge Lehrerin von langer Hand her in ihre Denkweise, Stimmungswelt, Charaktererzogenheit als künftige Jugenderzieherin ein, und die Persönlich­keiten ihrer Bildner taten dazu auch noch ein Eige­nes. Aus den Schulformen hervorgegangen und in ihnen erfahren und bewährt, für die die junge Leh- rerin selbst vorbereitet werden solle, eingestellt auf ihre Eigenart und Ausgabe und We^ und Lehr­stoff und Lehrweise, war zudem ihr Lehren, ihre wissenschaftliche und praktische Arbeit, ihre Weise, Probleme zu sehen, an ihrer Lösung zu arbeiten, sie auf den Lehrberuf und seine Iugenderziehungs- aufgabe zu beziehen schon selbst vorbildlich anschau­lich und wirksam, und auch dies fand scharfe Augen und offene Herzen bei einem Nachwuchs, der eben die vier Jahre lang sich von Anfang an bei ijdlem Sehen, Lernen, Versuchen schon selbst auf die fünf» tige Lebensaufgabe als Iugenderzieherm einstellte, und die Klasse enthielt auch nur solche! Künftig stehen an Stelle der ersten beiden dieser Jahre die zwei Primajahre der Allgemeinschule mannigfachster Art, und statt der Berufaussichtseinheit dort, chsieht hier von all den bunt gemischten Werdenden jeder das Ding auf feine Weise an, doch auch unter dem Gesichtspunkt, was es ihm für seine besondere Le­bensarbeit künftig nütze.

Für die beiden letzten Jahre des alten Ober­lyzeums aber, wo noch fröhliche Einzelwissensthast mit philosophischem, psychologischem, pädagogischem, didaktischem Einschlag getrieben wurde, tritt jetzt die in Stoffen und Forderungen vereinseitigte und doch gehäufte Fülle der überwiegend rein pädagogisch abgesteckten Arbeit der Akademie ein. Auch Der Lehr­körper Dort und hier vermag an Lebens- und Be­rufsnähe zu dem, was die junge Lehrerin künftig erwartet, nicht in jene unmittelbare Verbindung zu kommen, wie sie im alten Oberlyzeum bestand. Die eigentliche wissenschaftliche Arbeit aber litt unter alledem auch nicht. Wie hätten denn sonst gerade aus den Steifen der zunächst doch auch nur eben durch dies Oberlyzeum gegangenen Lehrerinnen jene kommen sollen, die neuer, oertiefterer Frauenbildung Den Weg zeigten unD ihn vielfach vorangingen durch Hochschulstudium, Prüfungsfeuer und heißen Wider- stand der Männer draußen, deren jede gleichgebil­dete und gleichstrebende Frau ein Greuel war und

Das Ende der Oberlyzeen in Preußen.

Von Geh. Regierungsrat B o h n st e d t.

Mit der endgültigen Erledigung der Lehre­rinnen- und Lehrerseminare in Preußen zu Ostern dieses Jahres sind auch Die meisten Oberlyzeen als Lehrerinnenbildungsanstalten abgetan. Zwar gibt es auch nach der neuesten Reform Der höheren Schulen ihrer noch weiter. Der preußische Ministerialerlaß vom 21. März 1923 sagt:Auch Die wissenschaftlichen Klassen unD Die 8-Klasse Des Oberlyzeums nach Dem Lehrplan von 1908 können vorläufig weitergeführt uierben", unD Die neuen befonDeren Vollanstalten für Die weibliche JugenD sollen ebenfalls Oberlyzeum heißen. Diese sind aber oberrealschulähnliche Allae- meinbildungsanstalten ohne den vierjährigen psy­chologisch-pädagogischen Bildungszweck und Lehr­planeinschlag Der alten Formen, und gegenüber der Forderung des Abiturs und der pädagogischen Aka- Demiebilbung nun für alle künftigen wissenschaftlichen Lehrerinnen haben sie ihr Lauerdaseinsrecht ver- loren, gäben dieser Bildung gegenüber trotz gleicher Kosten und gleichen Kraftaufwandes für ihre Zög­linge eine im Gesamtaufbau des höheren Bildungs- und Lehrerinnenbildungswesens geringere Stufe, 'ffieldjc Gemeinde, welch Elternhaus und welch jun­ges Mädchen kann sich Darauf einlassen.

Die Ruserinnen und Ruser im Streit um die Gewinnung der höheren Schulreformen der männ­lichen Jugend auch für die Frau haben es im jahre- und jahrzehntelangen Kampfe nötig gehabt, die Not­wendigkeit des Neuen durch möglichste Herabsetzung des Alten glaubhaft zu machen. Noch arbeiten beste Frauen und Männer überzeugt, unbeirrt, mit Heller Freude und frischer, unermüdlicher Kraft sich als lehrerinnenbildnerische Persönlichkeiten an den alten Oberlyzeen aus. Noch gewannen ihre Schülerinnen, gesunde, begabte, lern- und lehrfrohe blühende Ju­gend, sich in ihnen Lebensstimmung, Lebensinhalt, Lebensaufgabe und Lebensglück. Noch floß Jahr um Jahr mit ihnen ein Strom von unterrichtlicher, er­ziehlicher, volksbildnerifcher Tüchtigkeit in Jugend und Volkstum hinein. Das wußten jene längst und schwiegen nicht, daß das alles Irrtum, Wirrwarr, Schwäche, Oberflächlichkeit, Ergebnislosigkeit, Kul­turwidrigkeit und was nicht sonst noch war, um Platz und Stimmung und Hilfe zu gewinnen für neue Lehrerinnenbildung, die ihre Formen und Wer­tungen der männlichen entleiht, um aus der Gleich­artigkeit von Mann und Weib, Jüngling und Mäd­chen, die umstrittene Gleichberechtigung zu erringen.

kiebige Gesetz nach Gutdünken durchzupeitschen. da er die nötige Zweidrittelmehrheit besaß. Zu­dem" konnte er sich auf Das Militär fest ver­lassen. Durch die Inanspruchnahme Dieser Drei Faktoren bekam aber diese ganze vierjährige Regierungsepoche das Zeichen Der Diktatur unD es war nur zu verständlich, Daß unter Der Decke einer scheinbaren Ordnung und Ruhe Die destruk­tiven Clemente um so besser arbeiten konnten.

Es erhebt sich jetzt die Frage, welche innen- und außenpolitische Bedeutung Averescus Re­gierung baten wird. Trotz Der nahen Beziehun­gen des Generals zu Den abgetretenen Liberalen bat das Kabinett Averescu in vieler Bezie­hung eine eigene Rote, Die zweifellos auch in Der Politik zum Ausdruck kommen wird. Innen- polittsch bedeutet Die Regierung eine weitere Drehung des Kurses nach rechts. Averescu ist einer der größten Bewunderer Musso­linis und das kurz vor Der Auslösung des Parlamentes geschossene Wahlgesetz bietet ihm zweisellos viele Möglichkeiten, Den Faszismus auch zur Regierungssorm Rumäniens zu er­heben. Eine der wesentlichsten Bestimmun­gen dieses Wahlgesetzes sagt, daß die­jenige Partei, welche vierzig Prozent der Stim­men im ganzen Lande erhält, eine Prämie von weiteren dreißig Prozent, also insgesamt siebzig Prozent zu bekommen hat. während die rest­lichen dreißig Prozent auf die übrigen Parteien auf geteilt werden. Da nun erfahrungsgemäß in Rumänien noch jedesmal die jeweilige Regie­rungspartei einen überwältigenden Wahlsieg er­rang, so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch bei den für den 25. Mai ausgeschriebenen Neu­wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften der General in die Kammer mit einer siebzigprozentigen Mehrheit einziehen wird. Bon besonderer Bedeutung ist dabei, daß Der bisher als unerschütterlich geltende fette Block der Nationalpartei fast völlig zer­trümmert wurde, indem ihr Vizepräsident G o l- d i s mit vier der hervorragendsten Mitglieder ter Partei in die Regierung eintrat. Die Haupt­ursache dieses Schrittes ist übrigens nicht nur in ter Sehnsucht nach dem Regierungssessel, sondern in grundsätzlichen Differenzen dieser Gruppe mit dem Parteiführer Der Nationalen, Iulius OH an iu, zu tuchen, dessen westeuro­päische Kultur und politische Llnantastbarkeit sich mit dem während der liberalen Herrschaft ein­gebürgerten balkanischen System der Wahl­korruption und des politischen Zentralismus nicht abfinten konnte, sondern sich treu zu seiner siebenbürgischen Gedankenwelt bekannte, während die Gruppe Goldis mit fliegenden Fahnen zum zentralistischen großrumänischen Gedanken ab­schwenkte. Außer dieser Gruppe ist von ter Nationalpartei auch die Gruppe derTakisten", d. h. Die Anhänger Des früheren Außenministers Take Ionescu zu Averescu übergegangen, und ein letzter schwerer Schlag droht noch durch den Austritt des bekannten Historikers und Politi­kers Professor Nikolaus Iorga, dessenGe­schichte Rumäniens" auch in Deutschland bekannt sein dürste. So kommt der Ernennung Averes­cus große innerpolittsche Bedeutung zu, da. bis auf die Liberalen, alle Parteien gegenwärtig in einer starken Umbildung begriffen sind. Der scharf nationale Kurs des Generals und Die Tatsache, daß seinem Kabinett noch zwei weitere Generale angehören, läßt seine Regierung als den Auftakt einer faszistischen Diktatur charakteri­sieren.

Außenpolitisch wird die Regierung Averescu wohl kaum eine Neuorientierung brin­gen können, da die Lage Rumäniens durch fast unabänderliche Gegebenheiten an den Grenzen feftgelegt ist. Eine Regierung Nationalpartei- Zaranisten hätte voraussichtlich wenigstens eine Klärung des Verhältnisses zu Rußland hertei- geführt vom nationalistischen General ist dieses jedoch nicht zu erwarten. An allen übrigen Grenzen fielen entweder Feinde oder unverläh- liche Verbündete. Letzthin ist das bisher schon bestandene Desensivbündnis mit Polen erneuert worden, allerdings bedeutet die Form dieser Erneuerung eher eine Abschwächung als eine Stärkung und es kommt in ihr deutlich das Bestreben Polens zum Ausdruck, die mit Ruß­land angebahnten gutnachbarlichen Beziehungen nicht wegen Rumänien auf das Spiel zu setzen. DieKleine Entente" ist vielleicht gegenüber Ungarn ein gewisser Schuh, gerade gegenüber Rußland ater würde sie bei ernstlichen Kon­flikten sofort versagen. Dieses weih der neue Außenminister Mittlineu. der Nachfolger 5hi* cas. schr genau, und darum ist von ihm zunächst größere Vorsicht in alten außenpolitischen fra­gen zu erwarten. Ob der averescanische Faszis­mus allerdings nicht früher oder später in die Bahnen Mussolinis auch in außenpolitischer Be­ziehung hineinlenkt, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen.

Wer als Lehrer und Leiter, wer als literarischer Mitkämpfer und von der Erfahrung, Uederschau und Verantwortlichkeit eines Aufsichtsamtes her diese Kampf- und Werdejahre mit durchlebt hat, auch wer die Lehrerinnenjugend dieser verlästerten Anstalten sich entwickeln und sich bewähren sah, in Arbeit, Amt, wissenschaftlichem Fortschreiten, auch durch Hochschul- ftuDium und -Prüfungen, sozialem und wissenschaft­lichem Mittun in Volksbildung und allerlei Presse, der wird jene grenzenlose Unterschätzung und Un­dankbarkeit doch bedauern müssen. Er wird aber auch wünschen müssen, daß der Heimgang der alten Ober» lyzeen, auch schon um der zahlreichen Lehrerinnen willen, die doch heute noch im Amt ihren Wert und ihr Ansehen an Die Eigen- und Fremdwertung ihrer Berufsbildung alten Stils gebunden sehen, doch nicht so ganz ohne ein Wort des Bedauerns und Des Dankes auch vor Der Oeffentlichkeit sich vollziehe.

Wie sich das Neue, das Phantasiegeborene, ent- wicklungsfremde, unbewährte Neue, das bunte, ge­häufte, nur erst mit hohen Worten in eine noch unerprobte Einheitlichkeit gefaßte Neue ausweisen werde, wissen wir ja noch nicht, und nicht jeder auch Vorurteilslose und Sachkundige sieht ihm hoffnungs- froh entgegen. Eine bloß zweijährige Berufausbil- dung der Lehrerinnenakedemiebildung statt Der vier­jährigen Der alten Oberlyzeen, ein Bildungsplan, Der für Die Eigenart Der Frau dabei gegen­über der der jungen Lehrer kaum ein inhaltsvolles, praktisch brauchbares Wort gefunden hat, die völlig vage Hoffnung, daß von unseren künftigen Abitu- rientinnen statt des Studiums und anderer höherer Berufe in ausreichender Zahl die sozial und wirt­schaftlich doch noch auf lange gedrückte Lebenslage der nichtakademischen Lehrerin werde gewählt wer-- den. Der doch die höheren Schulen künftig so gut wie verschlossen sind das und noch manches andere weckt hier doch schwere Sorgen. Doch lassen wir die heute, gedenken wir vielmehr nur dessen, was mit den alten Oberlyzeen starb, weil es eine Dan» kespflicht ist gegen jene Frauen und Manner, die einst daran wirkten, und weil es nicht angeht, die Bildung Derer zu mißachten, Die heute und noch auf lange eben mit ihr als Erzieherinnen und Lehre­rinnen an unserer Jugend tätig sind. Sollen sie sich schließlich gar selbst gering achten lernen und müde machen lassen, weil das alte Oberlyzeum und sein Bildungsweg und seine Bildungsguter so gar nichts sollen wert gewesen sein? Ach, bann fielen viele Ru­serinnen im Streit für das Neue ja selbst unter dies

von Bratianu zu Averescu.

Von unserem Dr. Th.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

3. 3. C. Bratianu. DerBismarck des rumänisches Reiches", ist nichtgeschickt" toor- ten. sondern er ist freiwillig gegangen und hat sich Den Zeitpunkt Dafür selbst ausgewählt. Er war eben nicht einer unter vielen Minister­präsidenten. Die auch in Rumänien einem häu­figen Wechsel unterworfen sind, sondern er war der Ministerpräsident des neuen Rumänien. Der diesem Lande im Laufe Der letzten vier Iahre d e Verfassung unD alle wichtigeren gesetzlichen Grundlagen gegeben hat und aus dessen Hän- ' Den Ferdinand von Hohenzollern Die Krone Des Königs aller Rumänen" empfing. Keine gesetz­liche oder ungesetzliche Macht 'im LanDe wäre imftanDe gewesen. Den fest auf seinem Thron fißenben MinisterpräsiDenten zum Abgang zu bewegen, sein persönliches Interesse unD das feiner sorgsam gehüteten Parteiorganisation er»

! fcrDcrte es ater, und so ging er.

Roch jetzt, nach seinem Abgang, liegt sein Schatten schwer über Dem ganzen LanDe. Denn General Averescu. Der vom Könige mit Der Regierungsbildung betraut tourte, ist nicht mehr unD nicht weniger als ein geheimer Parteigänger unD Platzhalter Bratianu s, unD seine Regierungsdauer wird wohl genau solange fein, als es Herrn Bratianu gefällt. Rur so ist es zu erklären, daß Dem General Die Regierung übertragen werten konnte, Denn es ist kein Ge­heimnis. Daß Die von ihm geschaffeneVolks­partei" nur ein Scheingebilde ist. Das im Lande über gar keinen Anhang verfügt. Diese Partei hatte General Averescu nach Dem Abschluß Des

Bukarestcr Friedens geschassen unD damals ström­ten ihr Die Massen Des Bauerntums zu. weil Der General freigebig Den Besitz anderer aufzuteilen persprach. Sein von gewissen Kriegserfolgen glanzvoll umwobener Rame tat ein Llebriges. um ihn zum vergötterten Liebling des Landes zu machen, und als er im Iahre 1921 nach der damals regierenden siebenbürgischen Ra- S tionalpartei ans Ruder kam. flogen ihm viele Wahlzettel zu und soweit sie nicht von selbst kamen, nahm er sie sich mit einer gewissen Skrupellosigkeit, die nun einmal hier in Süd- osteuropa üblich ist. So kam er auf 270 Stim­men in Der Kammer, mit Hilfe Deren er wohl bis heute regiert haben toürDe, wenn Der Dille- tontismus feiner Ministerschaft- tefonDers auf

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Unsere neue Lehrerinnenbilbung hat sich heute noch vor bem Gericht ber Worte zweier bebeuten- den Denker und Erzieher zu hüten. Das eine ist von Herbert Spenzer:Wenn durch einen seltsamen Zufall keine Spur von uns auf die entfernte Zu­kunft käme außer einem Stoß unserer Schulbücher ober einigen Examensaufgaben . . so können wir gesprengt unD zerstört. Heute erkennen wir, und Iustus von Liebig war unser echter Führer Darin, daß Francis Bacons Bedeutung viel geringer ist, als sein Iahrhundert und das folgende es glaubten; er war Der Letzte einer abfterbenten Richtung, kein Aeufinder. kein Bahnbrecher. UnD heute sehen wir auch. Daß Der Rame Roger Bacons, des Duldenden Weltweisen von 1250, des vorahnenden Doctor mirabilis. den seines Namensvetters von 1600 weit überstrahlt.

Llnd noch ein Satyrspiel hängt sich an Das Dasein des Lordkanzlers Bacon von Verulam an. Eines Tages, nach fast Dreihundert Iahren. kam jemand und behauptete. William Shakespeare sei nur ein ungebildeter und ungelehrter Schau­spieler gewesen, sozusagen nur ter Ausrufer eines Geheimnisvollen, Verborgenen, nämlich des Francis Bacon von Verulam.Hamlet", der .Sommernachtstraum".Romeo und Julia". Othello".Macbeth".König Lear", die Königs- Dramen. sie alle hat nicht Der Dafür schon von feinen Zeitgenossen gefeierte William gedichtet, sonDern der König aller Philister, wie ihn Goethe genannt hat. Bacon von Verulam. Ein paar zufällige ilebereinftimmungen gaben Die Veranlassung zu Dieser absurden, aber mit Leiden­schaft, ja mit fast krankhafter Reizbarkeit durch- gesochtenen These, Die zwar Kleinigkeiten ge­waltig auf bauschte, ater Das Eine übersah: daß Dieser Bacon ein ganz undichterischer Mensch war, ein guter und kräftiger Schriftsteller, aber fein Poet, kein Dichter, sonDern ein Nüchterling. ÜnD Dichtung ist noch immer etwas unteres als ein noch so umfassendes, vielseitiges, beherrschtes Wissen.